126 A. Augustinus Bekenntnisse.
Doch gewiß, ich hatte keine Gelegenheit, das, wasich wünschte, von diesem deinem so heiligen Orakel,seinem Herzen, zu erforschen, außer wenn etwas kurzgefaßt werden konnte. Denn viele Muße war noth,um meine Bedrängniß vor ihm auszuschütten; und diefand ich nicht. An jedem Tage des Herrn hört' ichihn abhandeln vor dem Volke das Wort der Wahr-heit; und mehr und mehr wards mir bestätigt, daßalle die Knoten listiger Verläumdung, die jene unsreBetrüger gegen die göttlichen Bücher schürzten, auf-gelöst werden könnten.
Da ich aber erfuhr, wie jenes, daß nach deinemEbenbilde der Mensch von dir geschaffen wäre, deineSöhn' im Geiste, die du aus der katholischen Mutterdurch deine Gnade wiedergeboren werden ließest, nichtso verständen, als wenn sie durch diese Menschenformdich umgränzt glaubten und sich vorstellten; so errö-thet' ich, (obschon ich von der Beschaffenheit einergeistigen Substanz nicht das Geringste, nicht das Ent-fernteste einmal ahndete) voll Freude, daß ich so vieleJahre lang nicht gegen den katholischen Glauben, son-dern gegen die Dichtungen^ sinnlicher Vorstellungswei-sen gebellt hatte. Darin nemlich war ich verwegengewesen und gottlos, daß ich Jenes, was ich durchForschen zuerst hätte kennen lernen sollen, als ver-dammlich gescholten hatte. Denn Du, Höchster undMächtigster, Verborgenster und Gegenwärtigster, demnicht einige Glieder größer sind und andre kleiner,sondern der du allenthalben ganz, und von keinemRaum umschlossen bist! Du bist freilich jene Körper-