48 A. Augustinus Bekenntnisse.
ich ward geliebt, und kam heimlich in den Bund desGenusses, und freudig ließ ich mick fesseln in elenderUmarmung, auf daß ich geschlagen würde mit glühen-den eisernen Ruthen der Eifersucht und des Argwohnsund der Furcht und des Zorns und des Zanks.
Schauspiele der Bühne rissen mich hin, vollerBilder meines elenden Zustands, voller Zunder fürmeine Brunst. — Warum wünscht der Mensch dortbetrübt zu werden beim Anblicke des Bejammerns-würdigen und Traurigen, was er doch selbst nicht lei-den möchte? Und doch will der Zuschauer Betrübnißempfinden, und die Betrübniß ist seine Wollust. Wasist es, als eine bewcinenswürdige Thorheit? Denndesto mehr wird jemand gerührt, je weniger er vonden dargestellten Leidenschaften frei ist: und fühlt erselbst Unglück, so pflegen wirs Elend, fühlt er es mitAndern mit, Mitleiden zu nennen. Aber was ist esdenn, das Mitleiden bei tauschenden Theatergeschich-ten? Denn nicht zur Hülfleistung wird der Zuhöreraufgefordert, sondern bloß eingeladen zur Betrübniß;und er lobt desto mehr den Schauspieler, je mehr erbetrübt wird. Und wenn die alten oder erdichtetenUnglücksfalle so dargestellt werden, daß der Zuschauernicht betrübt wird, so geht er mit Widerwillen undSchimpfen hinweg. Wird er aber betrübt, so bleibter, achtsam, und weint mit Behagen. Thranen alsowerden geliebt und Betrübniß? Und gewiß wünschtdoch jeder Mensch, freudig zu sein. Und da es keinemgelüstet, selbst zu leiden, gelüstet es uns doch, mitlei-dend zu sein. Weil dies nicht ohne Betrübniß sein