12 A. Augustinus Bekenntnisse.
jemand der Künstler, sich selbst zu machen? Und ent-steht anderswoher eine Ader, wodurch Sein und Lebenin uns umherwallt, als aus dir, Herr, unserm Schö-pfer, dem Sein und Leben kein Unterschied ist, weildas höchste Sein und das höchste Leben Du selbstbist? Denn du bist der Höchste, und wirst nicht ver-ändert. Der heutige Tag vergeht nicht in dir: unddoch vergeht er in dir, weil Alles das in dir ist. Dennwelche Bahn würde durchwandelt, ordnetest du sienicht? Und weil deine Jahre nicht abnehmen, sinddeine Jahr' ein heutiger Tag. Und wie viele unsrerund unsrer Väter Tage verflossen in deinem heutigen,woraus sie ihre Bestimmung erhielten, und irgend eineArt von Dasein hatten: und wie viele andere werdenverfließen, ihre Bestimmung erhalten, und eine Art vonDasein haben? Du aber bist stets derselbe, und allesMorgige und Künftige, und alles Gestrige und Vor-hergehende thust du heut, thatst du heut. — Was liegtdaran, wenns jemand nicht versteht? Er freue sich,wann er spricht: was ist das? Er freue sich, undfinde dich lieber beim Nichtfinden, als daß er es finde,ohne dich zu finden.
Höre mich, Gott! Wehe den Sünden der Men-schen. Und ein Mensch spricht dies, und du erbarmstdich sein: denn Ihn schufst du, aber die Sünd' inihm schufst du nicht. Wer erinnert mich der Sündenmeiner Jugend? Denn keiner ist ja rein von Sündenvor dir, auch das Kind nicht, dessen Leben auf derErd' Ein Tag ist. Wer erinnert mich ihrer? Jedeskleine Kind vielleicht, woran ich das sehe, was ich an