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Die Unrugher : Versuch eines Anfanges zur Stoffsammlung für die Unruh'sche Familiengeschichte
Entstehung
Seite
339-340
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Die Lirnbaumer Dnrugs.

vermerke über alles ihm Merkwürdige, so auchüber seine Audienzen bei den Souveränen undihn interessierende Stellen aus Zeitschriften undBüchern niederzuschreiben pflegte. Das Buchtauchte plötzlich als Beweisstück für eine Anklagewegen Gotteslästerung wieder auf, denn Sig-mund hatte in dem Buch pikante Stellen ansvlutinu eis vitäs Dontitrsuiri, vieles wider Mönch-und Jesuitenwescn und aus dem pariser AlmanachI/ssprit, clss sonrs1709 Lsxt.-Vs^br."die Stelle aufgeschrieben!Ks, vsrits ss.1nts.irsn'est sUs ckoirs ctssssnckns clu sisl <^ xonrstrs sux bs.bits.nts cks notrs Zlobs unsoeossion psrpstuslls ck'srrsnr, cis Znsrrs, cksbsins st ckss ckivisions?" Grade diese Stelle,obwohl sie nur eine Umschreibung der Evan-gelienworte Math. 10. 34 und Lue. 12. 61 ist,erschien der jesuitisch finstern Geisiesenge ge-nügend, Sigmund zu stürzen und seinengroßen Besitz einzuziehen. Den AndreasPotocki, Notar beim Gnesener Schloßgericht reizteder Bcuteanteil, als Ankläger vor dem Tribunalzu Petrikau aufzutreten und den Aufsehen er-regenden Prozeß, der eineH ganze Litteraturhervorgerufen hat, einzuleiten. Nach der vomTridentinischen Konzil gesetzten Ordnung gehörtesolche Anklagewegen Gotteslästerung" vor denposener Bischof, der daher von Potocki Ab-lieferung des Taschenbuchs als Beweisstück beiStrafe der Exkommunikation forderte, aber ver-geblich. Potocki ließ sich getrost in den Airchen-bann tun. Den beachteten dieIesuiten nicht,sondernließen Potocki als gehorsam treuen Diener ihrerZwecke zu den Sakramenten ungescheut zu.Trotz bischöflichen und sonstigen Schutzes wirktedasoslnmnisrs sncksotsr, nliipiiick bssrst" so,daß Sigmund vor das Tribunal in Petrikau ge-zogen wurde. Dort erkannte das Gericht am29. 11. 1716, daß potockis Anklage für begründetgelten sollte, wenn er selbst mit sechs anderenZeugen beschwöre, daß in Sigmunds Buch Gottes-lästerungen enthalten sein. Das beschwor Potockimit seinen schon bereit gehaltenen Eideshelfernsofort und das Tribunal erkannte, daßdie Hand,die solche Lästerung schrieb, verbrannt,dem Lästerer die Zunge aus dem Halsemit Zangen gerissen und dann der Kopfabgeschlagen" werden solle, ein Beweis derblutrünstigen Bestialität damaligerGläubigkeit".Daswider Gott und den katholischen Glaubenlästerliche Buch sollte vom Henker auf öffentlichemMarkt unter einem Galgen bei Trompetenschallauf einem Scheiterhaufen verbrannt werden. AlleGüter aber, bewegliche und unbewegliche, desWohlgeborncn Herrn von Unruh erkennt dasGericht nach allgemeinem Rechte zur einen Hälftedem allgemeinen Fisco, zur anderen aber demwohlgcbornen Herrn Potocki als Actori durchdas Aonfiskationsrecht zu". Solche Eile hatteman, das nichtige Beweisstück aller Nachprüfungzu entziehen, daß mangels eines nicht so rasch

9 ScndschrS. v. d. Drangsalen d. Dissid. in Polen.Nnsch. Nachrichten 1718.836. vomp. Nist. I'lLolx. llotkan 304.Heinsii. Kirch. IX. 1132. Wahrcnburg Welt- und Staats-Kabinet 204 u. v. a. m.

zu beschaffenden Henkers ein altes lveib dasBuch auf dem Markt der Göttlichkeit opfernmußte. Sigmund selbst war in Petrikau nichterschienen, denn er kannte die Bestialität derhöchstens die Rechtsform wahrenden Gegnerund war nach Sachsen geflohen, wo er zuWeihnachten 1716 den König in Guben traf.Der sagte ihm wenigstens zu, die Hälfte des demFiskus zugesprochenen Vermögens, also nurvom ganzen, solle Sigmunds Bruder Tarl aufKarge überantwortet werden. Aber der Haupt-zweck der Jesuiten war erreicht, der ketzerischeeinflußreiche Mann war gestürzt.

Seit 1711 war er Amtshauptmann von Kroneund scheint schon sich verfolgt gewußt zu haben,denn er hinterlegte sein Testament beim Grod-gericht in Posen und ließ 1712 für seinen Bruder66666 fl. eintragen, bei dem, als Sigmund fliehenmußte, seine Frau mit den vier SöhnenThrysostomus, Sigmund Christof, LudwigBogislaus und Carl Nikolaus Zuflucht ge-funden zu haben scheint. Aber sie starb schon1718. Sigmund war unterdeß nach Schlesiengegangen, wohl bald bei diesem, bald bei jenemVetter sich aufhaltend. Seine aus jener Zeitnoch vorfindlichen Briefe zeigen ihn 1719 inGr.-Tschirne, 1721 in Breslau, 1723 in Hirschberg,dann wieder Breslau und Herrenlauersitz. Auchin Schlesien verfolgte ihn der Einfluß der Jesuiten.Das Brcslauer Oberamt (A. A. III 16b 266)forderte 36. 7. 1718 vom Amt Glogau Berichtüber angebliche Gewalttätigkeiten, die der Starostv. U. auf dem Gute Karschen verübt habe, aberer blieb in Schlesien. 1. 8. 21 fordert dieWiener Hofkammer Bericht über SigmundsAntrag, als Deszendent der schlesischen U's sichhier ankaufen zu dürfen. Der Kaiser befiehltvorerst den Nachweis, wann die Familie aus-gewandert sei. Darauf berichtet das BreslauerVberamt 26. 4. 22 ausweichend. Sigmund sollnun seine schlesische Abkunftbesser dociren" unddas Ineolat von neuem suchen. 3. 2.. 6., 16. und19. 16. 22 (A. A. III 76, 16s 74, 466, 689)versagt der Kaiser die erbetene Genehmigung,so lange das petrikauer Urteil nicht aufgeboben,nur einstweilen widerruflich darf er in Schlesienbleiben, soll sich auch über seine Religion aus-weisen. Daher kaufte Illrlula iSlilnbell)Schweinitz, seit 23. 5. 1718 Witwe des ChristofLcstwitz - Tschirne, Tochter von Hans FridrichSchweinitz und Hedwig Helene Stosch, die Sigmundhier kennen gelernt und 26 8. 1726 geheiratet^)hatte, als sichere Freistatt für Sigmund 4. 5.1723Hvon Gottfried Sigmund Liedlau das Gut Herren-lauersitz. 16. 7. 23 quittiert der in Wohlau überdas Kaufgeld (Wohl. III 16 cl 137). Dort starbsie 13. 6. 1728 und wurde einen Monat späterbeigesetzt. Ihr Testament vom 21. 3. 1727 wurdein Glogau 6. 7. 1728 verkündet und bedenkthauptsächlich ihre 4 Kinder erster Ehe. Selbstim Besitz wurde Sigmund noch verfolgt, vomVberamt Breslau aus scheint man seine Gläubiger

9 Archiv Hochberg-Fürstenstcin.-) Grmidattcn.