Druckschrift 
Die Unrugher : Versuch eines Anfanges zur Stoffsammlung für die Unruh'sche Familiengeschichte
Entstehung
Seite
65-66
Einzelbild herunterladen
 

65

Die Nürnberger Unruwer,

66

war bekanntlich damals sehr rege und viele derstädtischen Patrizier, die in der «ladt nicht schondurch Grundbesitz ihren gewiesenen korporativenAnschluß gewannen, fanden ihn durch Beitritt zueiner der mächtigen Innungen. Vielleicht hängtes damit zusammen, daß die aus Nürnberg ge-kommenen Hohcnzollcrn noch heute jeden Sohn ineinem Handwerk unterweisen lassen. So wurdeErhart Unruw 1416 Mitglied der Zimmerer-Innung i), Daß er auch alsZimmerer" einvornehmer Patrizier blieb, beweisen die in denlütilruiir, ^ollöraira abgedruckten Urkunden, wonachBurggraf Friedrich ihm, dem Bürger von Nürnberg,für ein großes Darlehen Stadt und SchloßSchwabach am 2g. 9. 1414 zum Pfände setzte,das er dann 1. 1l. 1414 bald einzulösen ver-spricht; er brauchte augenscheinlich Geld, um inKonstanz beim Konzil in würdiger Pracht auf-treten zu können.

Erharts Vater Bernhard, der 1460 zuletztin der Steuerliste vorkommt, scheint dann dieGüter Obcrndorf und Hitlenbach im Bamberg'schenerworben zu haben, mit denen sein Sohn Erhartals Erbe am 18. 8. 1422 belehnt?) wird. Bis1433 scheint der sie besessen und sie dann wiederseinem Sohne Heint? übertragen zu haben, derdamit am 24. 3. 1433 belehnt wird. DaErhart selbst aber schon von 1427 an in denNürnberger Steuerlistcn steht, scheint er da schonzum Stadtlebcn zurückgekehrt und dort 1433 ge-storben zu sein. Seine Schwester Clara wurdenur 1425 die dritte Frau des Ulrich Grundherr,,der seit 1395 im Rate saß, 1420alter Bürger-meister" wurde und 1434 starb. Darauf heiratetesie den Witwer Stefan Haller von Dachsbach,der 1447 zur abermaligen Ehe mit Klara Pfintzingschritt, also muß Clara U. um 1446 gestorbensein. Die Töchter aus dieser Ehe: Clara undMargarethe heirateten Niklas Lentzker und HansVilberg von Sulzbach. Beide bedenkt in seinemschon erwähnten Testament Onkel Jakob mitein silbrein Klehnot bei einer halben Mark."

Dieser freundliche Spender war der ältereSohn des 1421 gestorbnen Ratsherrn Jakob,dessen Schwester an Georg Zennerer verheiratet1436 starb. 5) Ihr Wappenschild hing bis zumjetzigen Restaurationsbau in der Sebaldkirche.Mit seinem Bruder Sebolt verkaufte Jakob am2. 8. 1421 die vom Bater Jakob geerbten 8 Tag-werk Wiesen zwischen Megelndorf und Werde anBurchard Pesler. °) Sebolt wird später zwarnoch in den Nürnberger Steuerlisten neben Jakobund Erhart genannt, er scheint aber auch inSchadlos angesessen gewesen zu sein. Dies Gutwird später von seineu 3 Kindern Anna, Hcintzund Sigmund gemeinsam besessen und am12. 1. 1479 vor dem Muntatkellnerci Gericht?)

9 KrSarch Nbg.

"I KrSarch Bamberg, Lclwbnch dcL Bischofs Friedrich.9 KrSarch. Bamberg, Lehnbuch d. Bisch. Anton.9 Stadtarchiv Nürnberg. BiedermannNürnbergerHochcdcl-Patriciat."

6 Topochronogr. Rcipubl. Norimvg Teil i>. Germ.Mns. Nürnbg.

°1 KrSarch. Bamberg, Lchnbnch d. Markgrf. Fridrich.h KrSarch. Bamberg. Orig. Pcrgmt.

Die Unrugher.

zu Gunsten der Frau Agnes Witwe von FritzNockenbachmit l Gulden rheinischer Landswährungund 1 Pfund Gelts zu jährlichem und ewigenZins und Gült" belastet. Dann verliert sich ihreSpur. Eine Generation später erscheint aberwieder ein Erhart Unruwe oder vielmehr dessenWitwe Kunigunde geb. Koler, deren SohnMartin Unrwe als Pfarrer zu Abschwind, seineMutter bei der Regelung des Nachlasses vonHerrmann Kolcr,^) wchland Bürger zu Nürnbergam 24. 7. 1563 und 6. 9. 1563 vertritt. EinUnrw wird noch 1564 bei der Belagerung vonArtzberg im Ficbtelgebirge erwähnt. Er schoß denAnführer der böhmischen Angreifer nieder.

Der 1433 mit den väterlichen Gütern Oberndorsund Hittenbach belehnte Heinrich 1k. oder Hcinhist zweifellos ein unternehmend tatkräftiger Manngewesen. Am 17. 3. 1436 wird er noch und zwarvom Markgrafen Friedrich von Zollern mit zweihinter der Nürnberger Beste?), also in der Gegenddes heutigen schönen Stadtparks von Nürnbergbelegnen Gartengrundstücken belehnt, aber am 24. 2und 19. 5. 1438 verkaust er alles und MarkgrafFriedrichs) belehnt die Käufer. Heintz selbst ziehtnach Nürnbergam Weinmarkt" und erscheint1438 das einzige Mal dort neben Jakob, seinemOnkel, in der Stcuerliste, Heinrich als Vnrn,Jakob als Vnrw bezeichnet. Dann ist für langeZeit Jakob der einzige Unruh in der Stadt, woHeinrich nur noch einmal und zwar in OnkelJakobs Testament erwähnt wird, der ihm darinzeitlebens eine Rente von 16 fl. aussetzt. Fürdamalige Verhältnisse ein beträchtliches Geld. Unddoch muß der Alte, der als reicher Junggesell starbund zahlreiche Vermächtnisse hinterließ, ihm etwas

verübelt haben wahrscheinlich, daß er

sortgezogen war mit dem Brandenburger und nundahinten an der Pohlnischen Gräntz' in Klemzig beiZüllichau sich plagte, statt im schönen gemütlichenNürnberg zu bleiben und dem Erbonkel um denBart zu gehen. Bestens besorgte das indessen dieliebe Muhme Anna, Georg Zennerers längst ver-witwete dritte Frau, nachdem die zweite, die schonerwähnte Schwester Jakobs 1430 jung gestorbenwar. Diese liebe Anna setzte Jakob sogar alsTestamentsvollstreckerin zusammen mit ErkenprechtKoler dem Jüngeren ein und wenn er auch sichausdrücklich vorbehält, sein Testamentzu vercndernund zu verkeren, wenn wie und so oft ich wil",so läßt er sich doch fest vom Rate bekräftigen, daßwenn Anna oder der Erkenprecht etwa vorzeitigmit dem Tode abgingen, der Rat den Ersatznachfolgerbestimmen und einsetzen werde. Soviel starrköpfigerSelbstwille aus diesen und ähnlichen Bestimmungenspricht, soviel weiche Herzensgüte zeigen seinesonstigen Vermächtnisse an die Kranken-, Siechen-und Findelhäuser und an die Pilgerstätten zuSt. Martha und Heilig Kreuz,das man denarmen Pilgrein ihre pette und lailach davonpessere." Denn Betten und Laken dieser Pilger-lagerstätten waren gewiß sehr bessernngsbedürstig,ohne daß sich sonst Jemand darum gekümmert hätte.

>> Stadtarchiv Nbg. Urknndbnch.

-> KrSarch. Bamberg.

9 Ebenda.