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Die Unrugher in Böhmen.
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gedenken. Dabei betragen die rückständigenZinsen schon weit mehr als das ursprünglicheKapital!
Als nun die Pestzeit über Prag hereinbrach,— die „eontaZioii" sagte man damals — packtejähe Angst die Polyxena, die noch dazu ingesegneten Umständen war. Beide slohen nachSüdwesten ins Land, aber sie kamen nicht weit.Auf dem Gut SlatinH wollten sie bei Adamvon Gppel Zuflucht nehmen, wurden aber ab-gewiesen nnd erhielten nur die Erlaubnis, beieiner Gutstagelöhnerin Nachtquartier zu nehmen,vorzeitige Niederkunft überraschte und tötete dadie Polyxena am 22. s. ;s80 und Wil-helm Frtdrich hatte gerade noch Zeit, vonAdam Gppel gegen Verpfändung seiner Kammcr-prätension qo fl. zu leihen nnd dein Schwiegervater seinen letzten Willen, daß er sich seinesKnaben Franz Anton annehmen möge, zuschreiben, dann rafsie auch ihn die Seuche hin^j.Am 28. 6. tS80 war F ranz Auto n eine hilf-lose p/slöhrige Waise, deren sich GroßvaterHeldeuwig aber nur insofern annehmen durfte,daß er mit Mühe für Neuausfertigung des beiGppel in Slatin verlorengegangenen Dokumentsund für Unischreibung dieser nnd aller sonstigenKammcrprätensionen seiner Tochter sowie seinerauf dem gräfl. Bouqnojschen Gut Hrzetz stehendenHypothek auf Franz Anton Unruhcr von VbcrEhodaus Namen Sorge trug. Es hat ihm nichtviel genutzt, denn als er später „zu seiner weiter»Ausbildung" ;ooo fl. haben wollte, hieß eswieder, Geld sei nicht da, aber er könne — ab-züglich p/g Türkcnstener — etwas Eisen, Alaun»nd Getreide angewiesen erhalte». Kleine Be-träge von 20 und so fl. wurden ihm nach undnach gezahlt.
Die sonstigen Geschicke dieses verlassenen zeigtergreifend eine Abtretungsurkunde, die er bei derKaiserlichen Kammer zu Prag am 22. H. lögg,nun 2 t jährig, hinterlegte^), als er, Soldatgeworden, zum Kriege ausrücken mußte. Er hatgewußt, daß dies zugleich sein Testament war.Das Schriftstück lautet im wesentlichen: „IchFranz Anton vnruher von Bber-Kodau, derzeitbei Jhro Hochgräfl. Gencral-Feldmarschall GrafsTaunischcn Regiment zu Fuß unter Haubtmannvon Kcrnbcrgs Eompagnie Musketier, da ichvon allen meinen Freunden verlassen bin undbei meiner täglich s Kreuzer Soldatcnportion nichtleben kann, will doch nicht untreu und undankbargehalten werden. Weilen mir aber auf meinfreundliches Bitten mein Taufpathe, der EdleGestrenge Herr Ferdinand Kaplan von Röschitzbereits in die 2^ Jahr mit Kost, Wäsche undallem verschen, ich ihm danken will. Denn alsmeine Eltern im Jahr ts?g von Prag wegender damaligen Eontagion sich gegen Schlüsselburggeflüchtet und in einer Scheuer bei SchlackenwaldUnterschlupf gesucht, früh morgens ist mein lieberVater, der Wohledelgeborene Gestrenge RitterHerr Fridrich Wilhelmb unruher von ober Kodau
n Statth. Arch. Prag.
si Ebenda.
Ebenda
und meine liebe Frau Mutter polexina Aemiliavnruhin geborne Geldwigin, beede in der Scheuertodt und ich als ein 2jährig Kind wcincndt vonselbigter Bäuerin des Hauses gefunden worden,welche Bäuerin mich bei sich gehalten Nach dercontagion ist ein gewisser Pater Norbertus, eincapuciner, gegen Schlüsselbnrg verreißet, welchenmein Taufpath Herr Ferdinand Kaplan freundlicherbethen, meinen Eltern und mir nach zu erfragen,so er auch gethan und hat sich obig alles befunden,welches der kr. paler Norbertus meinem Tauf-pathen von Budwcis nacher Prag geschrieben.Der ist 2 mal zur Bäuerin hinausgcreißt, ehe siedas Kind hat abfolgen lassen. Sodann meinGroßvater selig Hr. Johann Georg von Geldwigmich zu sich genommen und zu meiner Großmutterselig nach Tupan geschickt. Nachher hat michmein Herr Vetter, der Hochcdelgeborne RitterHerr Adam Bernhard vnruher von Gber-Kodau, der Röm. Kais. Majestät GbristLcnthenand als meines seligen Vaters leiblicherBruder nacher Eonstanz ani Bodensee, alwo erdamahlen Eommendant war, abholen, in dieSchul gehen und stndiren lassen. Als ich abernach etlichen Jahren nach Prag kommen, hatmich mein Herr Taufpathe wieder angenommen,mit allem Unterhalt und Information versehenund mir 2 böhmische Kammerprätcnsions inRichtigkeit gebracht. Wenn ich dann diese Gutthatnicht anders zu ersetzen weiß, znrmahlen ich zuihm allein ferner vertrauen trage, daher thueich anstatt seiner seinen 2 Töchtern meine eineKammerfordcrung per ;o?5 fl. Kapital und;y;o fl. aufgelaufene Interessen zu 2 gleichenTheilcn dergestalt abtreten, daß die 2 Schwesterndarüber zu quittiren völlige Vollmacht und alleszu ihrem eignen schalten und walten haben ..."
Hier steht zwischen den Zeilen, wie nahe-liegend es doch gewesen wäre, wenn GnkelAdam Bernhard den Neffen auch nach derSchulzeit bei sich in Konstanz behalten und beiseiner Truppe eingestellt hätte. Aber die kinder-lose hochvornehme Tante, deren Hypotheken-gläubiger er obenein war, wird den vielleicht zuderben und lauten Jungen nicht ferner imHanse geduldet haben. Seifensicderblut! Daherdas schmerzliche Bekenntnis des Jünglings, wieverlassen und verstoßen er sich fühlt „und zuNiemand mehr Vertrauen hat. — Übrigensdurfte der Großvater Geldwig oder Hellwig nichteinmal sein Vormund werden, weil er dasböhmische Jncolat noch nicht besaß. Ausdrücklichdeshalb war seine Bestellung zum Vormundabgelehnt und Prokurator Holtzhay amtlich dazueingesetzt^.
Im Jahr l?os protestirt Vbristltnt. AdamBernhard gegen die Auszahlung obigerKammerprätension an die Schwestern Kaplan;er sei der alleine berechtigte Intestaterbe. Dabeireicht er folgende Urkunde^) ein:
„Dero Röm. Kais. Maj. deß löbl. Gencral-fcldt-Marschall graff Daun'schen Regts. zu
!) Statth. Arch. Prag.
Ebenda.