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Die mitteldeutschen Unruchs der Übergangszeit.
des Landes. Der Lab dem Vetter des Herzogs, GrafConrad, ein Reichsbanner und sandte ihn gegen Curt,
Graf Conrad, tapfer und schlau zugleich, merktegar bald, wie mit Gewalt gegen den gut verwahrtenCurt nichts auszurichten sei, und deshalb nahm erseine Zuflucht zur List. Seine Reisigen mutzten sichscheinbar zurückziehen, und nur mit Wenigen blieb erversteckt im Walde liegen. Hier wutztc er durch Be-stechung einen Knecht CurtS, der auf Kundfchast aus-gcsandt in seine Hände fiel, zum Vcrrath zu bringen.Der Bube überlieferte durch Mittel, die in der Ge-schichte nicht bezeichnet werden, seine Gebieterin Els-beth dem Grasen, und Curt, in blinder Hast seine ge-liebte Ehefrau suchend, siel in dessen Hinterhalt. MitKetten belastet wurde er dem Könige Otto gesandt!doch konnte Conrad dem standhaften Muth des Ge-fangenen seine Achtung nicht versagen und gab dessenGattin ihrem Vater sonder Beleidigung zurück.
Der König hatte in seinem Zwinger einen Löwenvon furchtbarer Wildheit, dem schwere Verbrecher, dieer augenblicklich zerfleischte, oftmals vorgeworfenwaren. Auch Curt trak dieses Los. Mit männlichemMutke trat er in den Zwinger, und als der Löwe sichwütend auf ihn stürzen wollte, da ging Curt festenSchrittes ihm entgegen und stietz die Faust ihm inden Rachen. Das edle Tier sprang überrascht zurückund, mit glühenden Augen den Gegner betrachtend,standen beide Aug in Auge sich lange gegenüber. Deredle Leu schüttelte endlich die Mähne, wedelte mit demSchweif und legte sich zu Cnrts Fützen, der ihn immerscharf im Auge behielt und so einen ganzen Tag hin-durch unverletzt bei dem Löwen blieb. Dem Königward die wunderbare Mähr gemeldet. Erstaunt be-rief er Graf Conrad zu sich, um Mehrercs über denGefangenen zu erfahren. Conrad sprach manches zuseinem Lobe und erzählte dem König, wie nur Rachegegen Herzog Eberhard den Curt zu solchen Tatengeführt, die schwer seine Seele drückten.
Eberhard hatte um diese Zeit dem Könige die Treuegebrochen und sich mit Giselbert von Lothringen gegenseinen Herrn verbunden, darob dieser in gerechtemZorne gegen ihn entbrannte. Er lietz Curt aus demZwinger hervorholen und versprach ihm, wenn er ge-treulich in Zukunft ihm dienen wolle, die Freiheit undeinen Platz unter den Reisigen der Grasen Conradund Udo von Franken, welche gegen Eberhard ziehensollten. Cnrt entbrannte von innerer Freude bei derAussicht, gegen feinen Feind in offner Schlacht zukämpfen, gelobte Treue und Gehorsam und hieltmannhaft lein Wort. Gar bald that er sich durchseine Stärke und Tapferkeit vor Allen hervor. Ineiner Schlacht am unteren Rhein, als Eber-hard mit den Lothringern über den Fluh gehen wollteund Conrad »nd Udo ihn tapfer schlugen, da zeich-nete Curt sich besonders aus. Unaufhaltsam drang erin die Reihen der Feinde, um den Herzog zu suchen,bis seine Streitaxt ihn endlich auf der Flucht ereilte.Zerschmettert sank Eberhard zu seinen Fützen, undvon Cnrts Seele wich von diesem Augenblicke an derfinstre Unmuth. Dennoch blieb ihm eine stete Un-ruhe, die ihn immer wieder nach Schlacht und Kampftrieb.
Rühmlich ward er dem Könige genannt, der ihmdie Führung eines Fähnleins übertrug und ihn, alsdie Ungarn des Deutsche Reich mit neuen Einfüllenbedrohten, gegen die Ungläubigen sandte. Ruhmvollgingen des Königs Völker aus diesem Streit. Curthatte neue Lorbeeren errungen und durch seine Stärkesich den Feinden furchtbar gemacht. Mit Achtungnannten ihn seine Gefährten im eigenen Heere, dochhatte ihm sein ruheloses Treiben den Beinamen:„Ohne Ruhe" zugezogen. Als das Heer heimkehrendvor dem Kaiser vorüberzog, da machte Graf Conrad,dem Curt wegen mancher edlen That gewogen, auf-merksam aus ihn, und der Kaiser rief ihm zu: CnrtOhneruh, du hast dein Wort treulich gelöst! Du sollstedel sein fiir dich und deine Nachkommen und dasZeichen deiner Stärke im Schilde führen! Doch magein Andres dich auch an dein Thun mahnen! — GrafConrad gab ihm daraus den Ritterschlag, und fröh-lich führte Gole ihm die treue Elsbeth wieder zu.
Auf dem Zuge gen Italien begleitete er den König,als dieser sich die schöne Adelheid erwarb, und bei demEntsätze von Canossa zeichnete er sich so aus, daß derKaiser ihm mit eigner Hand eine Gnadcnlcile umden Hals hing. Er soll dem Könige, als ihm das
Pferd getötet wurde, sein eigenes gegeben haben undin der schweren Rüstung mit gleicher Schnelligkeit ihmgefolgt sein, ihn gegen die andringenden Feinde ver-theidigend, woraus derselbe dem Wappen des Heldenauch noch die drei Strautzenfedcrn zufügte und demLöwen einen doppelten Schweis verlieh. (!!)
Schwer verwundet zog Curt sich darauf nach Sachsenzurück, ans ein Schlotz an der Elbe, womit ihn Her-mann Billing, des Königs Vetter, belehnte. Hier ver-lebte er seine letzten Tage in der nun gefundenenRuhe mit Elsbeth, feinem treuen Weibe, die ihm nnreinen Sohn gebar, von dessen großer Nachkommen-schaft sich sein Stamm weit verbreitete. Treulichdienten seine Nachkommen dem Kaiser, ihrem Herrnund errangen zum öfteren hohen Lohn in seinenLanden, wie Hans Wolfgang, Truchsetz von Oesterreichund Hans Sigismund, Feldmarschall des Kaisers.Unter dem Letzteren kam der Hauptstamm nach Schle-sien und verblieb dort bis auf Hans Curt von Un-ruhe, der Brnndcnburgisch wurde.
Hcincrsdorf, den 4. Mai 1818.
gez. Barbara v. Unruhe geb. v. d. Marwitz.
Die Nennung des Grafen Gole erinnert andie noch im l8. Jahrhundert im heutigen Depar-tement Mayenne aus Schloß Gontier bei St. Garrltgesessenen Grasen Vontisr cls<Ag.rrIt. Auch unweitVitry in derFreigrafschaftgibtes einschloß (Zlault.Nur mit Lächeln kann man aber lesen, wie dieSucht nach äußeren Ehren auch diese so treueErzählerin verführt, schon Gtto den Gr. sich umdas Unruhwappen bemühen zu lassen. Auch dasHaschen nach einer Erklärung des Namens, diedann auch schulmeisterlich genug ausfällt, be-weist nur die naive Überzeugung der Erzählerin,die hie und da gehörtes zusammenfaßt. Gradedarum gewinnt die Angabe „ums Jahr 940"bedeutsameren Wert, da die Verfasserin sichernicht die eingewobenenGeschichtsdaten beherrschte.Will man also nicht annehmen, die edle Barbarahabe sich das Ganze von einem Gelehrten fertigenlassen und es nur unterschrieben — dagegenspricht die echt weibliche Fassung,,— so stehtman hier vor einem Fall treucster Überlieferungbis in Einzelheiten hinein.
Nachdem inzwischen längst erforscht ist, daßdaß Gtto d. Gr. Enkel der Hatwig U. war, be-darf es aber gar keiner legendären Erklärungmehr dafür, daß ein U. leicht seine Gunst findenkonnte, namentlich wenn er tapfer und tüchtigwar. Auch scheint in die Legende eine Er-innerung an den U. verwoben, der sich (vergl.Sp. ZZ) in Italien unter Gtto III bewährte.Es ist historische Wahrheit, daß der Eberhard,der 940 Herzog von Franken war, sich 940 gegenGtto I empörte und gegen ihn mit Giselbertvon Lothringen verband, daß Eonrad und Udovon Schwaben gegen sie auszogen. Herzog Eber-hard und Giselbert fielen tatsächlich in derSchlacht 94 s bei Andernach, also „unten amRhein", wie noch heute im Elsaß, Baden undSchwaben diese Lage bezeichnet wird. GrasEonrad wurde dann Gtto des Großen Schwieger-sohn. Historisch sind die Slawenkämxse, dieHeerschau bei Merseburg, dann der Zug nachItalien gös, die Erwerbung der italienischenKrone und die Vermählung Gttos mit KönigLothars Witwe Adelheid von Burgund. InItalien zurückbleibend flüchtete sie vor neuenfeindlichen Erhebungen zum Bischof Adelbert in