Einleitung.
XI
Die Ausnahme geschah, um spätere Harscher rasch erkennen zu lassen, ob die ihnenbegegnenden Daten schon berücksichtigt oder neuer Zuwachs sind.
Da dem Familiennamen in seinen zahlreichen Wandlungen ein besonderer Teildes I. Abschnitts gewidmet ist, wurde der Name in den Darstellungen ganz fort-gelassen oder durch ein U, ersetzt. Ebenso ist das „von" tunlichst fortgelassen, daes mit dem Adel an sich nichts zu tun hat. Die sächsische Adelsgesetzvorlage führtes. Zt. an, daß in Deutschland an (00000 Personen das „von" führen, ohne adeligzu sein. Auch entspricht es den, bis vor kurzem allgemeinen Gebrauch, wie demgesunden Sprachgefühl, schlichtweg nur den Namen ohne Vorwort zu nennen, dasnur in Verbindung mit den: Namen des Stammortes oder mit der früher eximiertenBezeichnung: Herr von bl. bl. Sinn hat. Es klingt nicht nur, sondern ist auchsprachwidrig, zu sagen: von Funk hat das, von Schmidt hat jenes, von Unruh diesgesagt, getan usw. So lange das deutsche Volk — sagt Frhr. Lütgendorf — nochein feines Ghr für seine Sprache hatte, erfand man, als im (6. Jahrhundert das„von" Adelzeichen wurde, Grtsnamen, die man anhängte. Erst mit der Verwilderungunserer Sprache im 30jährigen Kriege riß die Unsitte ein, einfach das „von" zuverleihen . . . ein ebenso großer Unsinn, als auch ein. Verstoß gegen das Sprach-gefühl bei Namen, die aus Rufnamen, Eigenschaften, Amtern und Berussarten ent-standen sind, ein „von" vorzusetzen."
Noch über die Nlitte des (fi. Jahrhunderts hinaus zeichneten viele U's inbedeutenden Stellungen ihren Namen einfach: „Unruh". Der slavische Adel kannteursprünglich gar kein Adelsprädikat und fing erst neuerdings an, zur Kenntlichmachungsich des für ihn sremdwörtlichen deutschen „von" zu bedienen, übrigens dazu berechtigtdurch die starke Beimischung deutscher Blutsabstammungen (vgl. Abschn. XI). Sosoll denn diese Kürzung so wenig eine Herabsetzung — schon der Gedanke wärewidersinnig — sein, wie das Ganze als eine Verherrlichung des Geschlechts der U.aufgefaßt werden darf.
Es ist nicht nur hochmütige Eitelkeit, sondern ein Verbrechen an den Nach-kommen, wenn solche samiliengeschichtlichen Aufzeichnungen alles unterdrücken wollen,was uns heute unrühmlich, verwerflich, abscheulich erscheint. Heißt das nichtblödesten Dünkel züchten, wenn den Nachkommen das Dasein ihrer Voreltern alsfleckenlos, übermenschlich ideal geschildert, alles andere verschwiegen wird? Lernensollen die Nachkommen aus der Geschichte ihres Geschlechts, die Tugenden der Vor-eltern nacheifernd zu überbieten, ihre Schwächen und Mängel klug und edel zumeiden. Mit dem fürsorglich suchenden Eiser des Blutsfreundes, doch auch mit derstrengen Sachlichkeit eines fremden Prüfers, gilt es also, nicht einen die Eitelkeitfordernden Ruhmestempel, sondern einen Spiegel schaffen, der getreulich alles zeigt,wie es wirklich war und die Nachkommen vor den: Dünkel wahrt, schon die Ab-stammung von lauter tadellosen Edelmenschen sichere sie vor menschlichen Verfehlungen.Wieviel Unglück ist schon aus solchen: Wahn erwachsen, der nur als Vorrechtversteht, was er als heilig ernste Pflicht erfassen sollte. Denn erblicher Adel hatnur Sinn, wenn er die Erben geschickt macht, die ererbten Pflichten des Edelseinszu erfüllen.
Will man die leibhaftigen Menschen aus den dürftig trocknen Namen undZahlen erstehen sehn, um sie in allem ihren: Denken, Fühlen und Handeln gerechtzu beurteilen, so muß man scharf hinsehn, auch auf das armseligste Kleingut ihresDaseins, vor allen: den groben Zrrtum bannen, als sei eitel Glanz in Macht undReichtun: um sie gewesen. Wir haben falsche Vorstellungen vom wirtschaftlichenLeben früherer Zeiten, weil nur der Glanz vereinzelter Höhennrenschen aus den:Dunkel der Vergangenheit noch zurückleuchtet und das Auge blendet. Nein, die„alten Zeiten" waren nicht beneidenswert, nach unser,:: heutigen Kulturmaßstab eherdürftig, kleinlich, natürlich bis zur Roheit und naiv, auch in Dingen wie Ehe und