Knochen und Geweih zahlreiche Geräte hergestellt werden. In den halbin den Boden eingetieften Hütten leben die Menschen dörflich zusammen.Haustiere sind vorhanden. Viehzucht wird getrieben und etwas Acker-bau. Spitze Hölzer oder Geweihstücke dienen als Grabstöcke zur Locke-rung des Bodens, Töpferei, in dieser Stufe entdeckt, wird eifrig betrie-ben. Die Gefäße laufen oft nach unten spitz zu und sind mit linearenVerzierungen versehen. Aus unserer rheinischen Heimat konnte dasMuseum für Vor- und Frühgeschichte eine ausgedehnte Siedelung aufdem Lousberg bei Aachen und Spuren einer solchen bei Euskirchen fest-stellen. Im Stadtgebiet Köln fehlen Funde aus dieser Zeit noch voll-ständig.
Wohl älter als diese Campigny-Stufe ist eine Zeit, die durch die Klein-heit ihrer Geräte auffällt. Zierliche Späne werden von Kernstückenabgeschlagen und diese zu allerhand kleinen Geräten, auch von geome-trischer Form (Dreiecke, Trapeze, Vierecke) verarbeitet. Es ist eineausgesprochene Kleinsteintechnik, die uns in diesen Arbeiten entgegen-tritt, und werden dieselben deshalb auch „Mikrolithen“ genannt, derganze Zeitabschnitt nach seinen französischen Fundorten Stufe vonTardenois. Manche Gerätformen gemahnen direkt an solche des aus-gehenden Eiszeitalters, was Forscher (zuletzt Prof. Birkner-München)veranlaßt hat, diese Stufe als die älteste der Nacheiszeit zu bezeichnen.
Die Kleinsteinindustrie ist in Europa sehr verbreitet. Sie findet sich inItalien, Frankreich, Belgien, Holland und an zahlreichen Orten Deutsch-lands. Auch in der Umgegend von Köln hat das Museum für Vor- und Früh-geschichte mehrere Fundstellen feststellen können. Im Stadtgebiete Kölnsind die „Kleinsteingeräte“ ebenfalls vertreten, und zwar derart, daßman von einer Siedelung reden kann. Schon am Anfang der links-rheinischen Erhebungen, also an der Marienburg, wurde 1910 eine An-zahl Feuersteine gefunden, die der mikrolithischen Kultur entsprechen.Leider konnten der Ortsverhältnisse wegen keine Ausgrabungen dortvorgenommen werden. Desto klarer und deutlicher 1 ) werden jedochdie Spuren auf dem Gelände bei Fühlingen, wo durch den Bagger weiteStrecken freigelegt wurden. (Bild 3.) Nicht nur typische Kleingeräte, auchKratzer, Klingen und Abfallstücke, dabei Reste von Hüttenbewurf undKohle, kamen zum Vorschein. Es ist also hier die erste bestimmt nach-gewiesene Siedelstätte auf Kölner Gebiet. Sie reicht in das 5. bis 6. Jahr-tausend vor Christus zurück.
Auf der rechten Rheinseite wurde eine ähnliche Ansiedelung entdecktmit genau demselben Inhalt. Doch liegt dieselbe auf dem rechtenWupperufer, gehört also nicht mehr zum eigentlichen Bereich unsererStadt. Durch diese Fundstellen ist bewiesen, daß zu beiden Seiten desRheines in der Frühzeit dieses Gebiet besiedelt gewesen ist, und zwarjetzt zum erstenmal. Wie in der Folge immer, bildete der Rhein schondamals nicht die Scheidewand zwischen der rechts- und linksrheini-schen Bevölkerung.
Einfache Lehmhütten mit unbekannten Grundrissen erhoben sich aufdem hochwasserfreien Gelände von Köln mit Bewohnern, die vielleicht
1) Vgl. Heft 2 der „Neufunde“ des Stadt. Präh. Museums zu Köln, das sicheingehend mit diesen Funden befaßt.
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