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2 (1923) Die römische Periode
Entstehung
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des Mittelalters und der Neuzeit an Urbarmachung erscheint hinsichtlichder Ausdehnung nicht besonders beträchtlich, wohl aber nach der Inten-sität der Bebauung. Doch ist in römischer Zeit das Innere großer Wald-gebiete vom Ackerbau ziemlich unberührt geblieben.

Ein zweiter neuer Faktor war die Schaffung großer Industrien, diefür den gewaltigen Meeresbedarf wie für die in den Städten angesammelteMenge der Zivilbevölkerung zu sorgen hatten, und im Zusammenhangdamit die Entstehung eines vielköpfigen, gutausgebildeten Handwerker-und Handarbeiterstandes, aber belastet mit allerlei Beschränkungen undherabgedrückt durch das Sklavenwesen, wie ähnliches weder Gallier nochGermanen kannten. Diese namentlich in den Städten wohlorganisierteuGewerbebetriebe und Handelsvereinigungen wurden geradezu die Grund-lage des mittelalterlichen Zünfte- und Städtewesens. Aber schon damalstauchten neben den Vorteilen auch die Nachteile der Großstadt und Groß-organisation auf.

Auch in kultureller und geistiger Beziehung welcher Fortschritt!Eine Sprache, e i n Recht, e i n Gott, eine Münze durch das ganzeReich, vom Rhein bis zum Atlantischen Ozean und Schwarzen Meer, vomMittelmeer bis zur Nordsee, überall Heimatland fiir den civis Romanus!Und für den unterworfenen Neurömer überall äußerste Duldsamkeit nachSprache, Sitte und Religion, falls er sich sonst den römischen Gesetzenfügte. Und in den Ansätzen der christlichen Religion welcher Trost fiirdie Armen und Schwerbedrückten! Aber die Kehrseite der Medaille zeigteinen rücksichtslosen Imperialismus, Unterjochungs- oder Vernichtungs-Willen gegen alle Völker außerhalb der Reichsgrenze, falls sie nicht durchbesondere Verträge an Rom fest geknüpft waren, Verpflanzung ganzerStämme, wie der Brittones in den Odenwald, von Sarmaten und Frankenin das linksrheinische Gebirgsland, ganz abgesehen von den lnmdert-tausenden in den Kriegen niedergemetzelten oder als Sklaven verkauftenGefangenen.

Allein nicht nur staatsmännische und organisatorische Willenskraftschuf ein neues, wertvolles Glied des großen Weltreichs an den Ufern desRheins, auch die italisch-hellenistische Liebe zu Kulturbehagen und zurKunst hat ihren Einzug am Rhein gehalten und hat Prachtbauten undKunstwerke hinterlassen, die in mancher Beziehung mit denen Italienssich messen können. Wer andächtige Stunden in den malerischen Ruinendes „Kaiserpalastes“ in Trier, vor dem Marmortorso der Amazone undden Neumagener Denkmälern im dortigen Provinzialmuseum verbrachthat, wer die Bronzestatue des Xantener Genius in Berlin und die Juppiter-Säule in Mainz gesehen hat, wer die Villenbauten im Moseltal und in derEifel mit ihren herrlichen Mosaiken kennt, wer die Mosella des Ausoniusmit ihrem ganzen landschaftlichen und kulturellen Hintergrund zu ge-nießen versteht, der fühlt den Flügelschlag desselben Geistes, den er einstin glücklicheren Tagen in.der ewigen Roma oder in der Campania felix