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2 (1923) Die römische Periode
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und gallische Volkstracht war im wesentlichen dieselbe: langesHaupthaar, Schnurrbart (die älteren Leute auch mit Kinn- und Backen-bart), nackter, nur mit Mäntelchen bedeckter Oberkörper, lange, eng-anliegende Hosen mit Strumpfschuhen. Hoch gewöhnten sich die Gallierrascher als die Germanen an die römische Tracht mit kurz geschnittenemHaupthaar, Bartlosigkeit, Tunika und Toga, Sandalen und machten nachAusweis der Grabdenkmäler Galliens in den Oberschichten auch diewechselnden römischen Moden getreulich mit. Hie gallischen Grabdenk-mäler gestatten die Einzelheiten der Tracht in den wohlhabenden Stän-den wie im Bauern- und Handwerkerstand zu erkennen, während fiir dieGermanen nur wenige Darstellungen, aber von um so größerem Interesse,vorhegen. Das somatische Material läßt uns infolge der Leichenverbren-nung teilweise im Stich.

Vertreter germanischer S t ä mmed er R h e i n 1 a n d e sind vor Augen geführt aufden Reitergrabsteinen des 1. Jahrh. von Worms,

Mainz, Wiesbaden, Köln. Auf ihnen stürmt derrömische Reiter über einen oder zwei Germanenhinweg, die, wie der Römer, nach Aussehen,

Tracht und Bewaffnung in derber, realistischerWeise gut charakterisiert sind. Bald sehen wil-den Germanen nur mit Mäntelchen, bald mit lan-gen Hosen, gelegentlich auch ganz nackt auf-treten, bewaffnet mit kurzem (gekrümmtem?)

Schwert und sechseckigem Schild, als Germane(und nicht bloß als „barbarischer Gegner“) ge-kennzeichnet durch die ausgeprägten Lang-schädel, bisweilen mit langen Spitzbärten undgelegentlich auch durch, den suebisclien Haar-knoten. Tacitus schreibt über letzteren in derGermania 38: insigne gentis (der Sueben)

obliquare crinem nodoque substringere, also Abb. 72. Germane.

„es ist suebische Sitte, das Haupthaar über ; Terrakotte

den Schädel zu streichen und an der Schläfe im akacl - Kunstmuseumzu einem Knoten zu vereinigen“ und weiter zu I5onn -

apud Suebos usque ad canitiem horrentem ca-

pillum retro sequuntur ac saepe in ipso vertice religant (bei den Suebenstreichen sie bis zum Greisenalter das sträubende Haar rückwärts undbinden es oft auf dem Scheitel fest). Der Grabstein des Reiters Can-taber (jetzt im Museum zu Mannheim) und des Andes, beide von einer inMainz stehenden ala (ala Hispanorum bzw. Claudia), lassen diese Haar-tracht deutlich erkennen und beweisen, wie auch ein in Köhl gefundcnerKopf, daß sie nicht bloß bei den Sueben im Innern Germaniens, sondernauch bei den rheinischen üblich war. Vgl. Abb. 71—73.