und gelegentlich auch Bauten der Zivilbevölkerung ausgruben, hattenwenig Gelegenheit, jenseits des Grenzwalls „im Ausland“ Erkundungenoder gar Grabungen vorzunelnnen. Ebensowenig gibt es eine Zusammen-stellung des in Literatur und in Museen ungemein zerstreuten, im ganzenseltenen Fundmaterials germanischer Zeit aus dem Vorgelände des Limes.Und doch darf man mit großer Wahrscheinlichkeit erwarten, daß einesolche Zusammenfassung sowohl fiir die Geschichte und die Siedelungs-weise der betreffenden Germanenstämme als fiir die Einrichtungen derrömischen Grenzsperre neue Aufschlüsse erbringen wird.
1. Strecke: Vom Rhein durch Westerwald undTaunus zum Main.
Der obergermanische Limes nimmt seinen Anfang am Rhein etwasoberhalb von Hönningen, wo keineswegs ein sicherer Abschluß desRheintals und auch kein besonders günstiger Aufstieg in das Gebirgevorhanden ist, sondern einzig und allein die Anlehnung an die gegenüber-liegende, durch die Vinxtbachmiindung gebildete Grenze zwischen derGermania Superior und Inferior maßgebend war. Fragen wir, was dieRömer bald nach dem Saturnin’schen Aufstand im Jahre 89/90 zur Wahldes doch wenig markanten Einschnittes des Vinxtbaches als Grenzmarkebestimmte, so kann es nur die Rücksicht auf die hier anzunehmende alteGrenze der gallischen Treverer und germanischen Ubier gewesen sein,welch letztere von Agrippa 38 oder 19 v. Chr. auf das linke Rheinuferübergesiedelt worden waren und mit den Sugambern (= Kugernern)und Batavern den Grenzschutz gegen die rechtsrheinischen Germanenübernommen hatten, wie die Vangionen, Nenieter und Triboker amOberrhein.
Eine solche Anpassung der Römer an die bestehenden politischenund privatrechtlichen Verhältnisse begegnet auch noch späterhin bei derAnlage der Grenzsperre. Für die rechtsrheinische Grenzfestlegung durchden Limes kam auch die (von der Forschung bis jetzt viel zu wenig be-rücksichtigte) Erwägung in Betracht, daß das ganze Neuwieder Beckenbis zum Beginn des letzten Jahrhunderts v. Chr. von Galliern bewohntwar, das Siegtal und alles Land nördlich davon aber seit der Mitte desletzten Jahrtausends v. Chr. von Germanen, zwischen denen das Sieben-gebirge einen öden Grenzstreifen bildete (Nass. Ann. XLIV, 1916/17,S. 195 f.). Seit dem Cimbern- und Teutonenzug schoben sich zwar so-wohl die istwäonischen Rheingermanen (Sugambrer, Ubier, Tenkterer undUsipeter) als die herniinonischen Sueben aus Mitteldeutschland gegen dasNeuwieder Becken und den Taunus und das Untermaintal vor, aber auchnach Festsetzung der Germanen blieben viele Gallier im Land, so daßsich hier eine deutlich zu erkennende Mischbevölkerung und Mischkulturergab. Namentlich die Ubier, die sich in ihren alten Sitzen bis zum unteren