Druckschrift 
2 (1923) Die römische Periode
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen
 

50

238) führte zwar noch das Heer persönlich siegreich gegen die Alamannenund verstärkte den Grenzwall, auch seine Nachfolger machten mancherleiAnstrengungen, aber unter Gallien um 260 sollte er beim gemeinsamenAnsturm der Alamannen und Chatten für immer den Römern verlorengehen. Oie inneren Wirren und Kämpfe, während welcher Gallienusbei der Belagerung von Trier verwundet wurde und rheinische Truppenund Brittones nach Italien abzogen, hatten die Widerstandskraft des Rei-ches nach außen gebrochen. Hie Germanen gelangten bis zur Rhein-ebene, wenn auch am unteren Neckar und Main bei Heidelberg und Flörs-heim suebische und mattiakische Söldner ihnen Halt geboten und einigeenergischeren Kaiser gelegentlich sogar wieder bis zum Grenzwall vor-drangen. Angst und Sorge für das linke Rheinufer und Gallien erfülltedie Machthaber in Rom.

Der siedelungsgeschichtliche Charakter dieser zweitenPeriode ist der eines friedlichen und erfreulichen Fortschrittes auf allenGebieten im städtischen wie ländlichen Leben. Weite Landstriche, nament-lich rechtsrheinische, die in der ersten Stufe noch schwach bevölkertwaren, erhielten jetzt starken Zuzug und gleichmäßige Anbauung, wiedas Hervorquellen der Einwohner über den Mauerring in Ladenburg,Wimpfen und Rottenburg oder das Entstehen neuer Dörfer wie des vicusBiviensis (Oos-Sandweier), Aurelianus (Öhringen) u. a. lehrt und dieHunderte von neuen villae rusticae bestätigen. Der Badeort Aquae Au-reliae am Schwarzwald erhielt nach, den Inschriften durch Kaiser Cara-calla große Förderung, und auch die Thermen von Badenweiler werdenerst in dieser Periode ihre volle Blüte erreicht haben. Das Straßenwesen,das bisher der Heeresverwaltung oblag und durch Septimius Severus imganzen römischen Reich größte Beachtung erfuhr, wurde, wie oben schonerwähnt, den Bürgergemeinden zur Unterhaltung übertragen, was demAusbau reiner Verkehrsstraßen und von Vizinalwegen sehr förderlich war.Die Schaffung der fundi limitanei, kleiner Bauerngüter für die Familiender veterani und zum Teil auch für die aktiven Grenzsoldaten, hat dieKolonisation des östlichen Dekumatenlandes besonders beschleunigt.

Die Entwicklung der Kultur und Kunst unterschied sichauf dem rechten und linken Rheinufer vor allem dadurch, daß hier durchdas Verbleiben der Legionen, durch die zahlreichen größeren Städte unddie ziemlich enge Verschmelzung des römischen, gallischen und ger-manischen Elements ein gleichartiger, vom benachbarten Italien undGallien genährter hoher Kulturzustand eintrat, während rechtsrheinischnur wenige Kulturzentren vorhanden waren und die Trennung zwischenjenen drei Bevölkerungsteilen eine schärfere war. Wohl haben auch hiermanche Städtchen, wie Heddernheim, Ladenburg, Rottenburg, ihren sitti-genden Einfluß auf einen weiteren Umkreis geäußert, auch manche Lager-orte haben durch Handel, Gewerbe und Ackerbau einen hohen Auf-schwung genommen, wohl herrschte in den großen villae rusticae ein