Druckschrift 
Chronik der Familie Johann Jakob Langen in Köln : auf Grund handschriftlicher Aufzeichnungen, der Kirchenbücher der evangelischen Gemeinden Marienberghausen, Mühlheim am Rhein und Bergisch-Gladbach sowie persönicher Mitteilungen im Frühjahre 1899
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

das Raffineriegeschäft eintreten solle; ja, nach Ablauf des zweiten Vertrags fand keine Erneuerung des-selben statt, weil Herr Joest mit seinen inzwischen erwachsenen Söhnen selbständig ohne Mitwirkung desGrossvaters das Geschäft weiter zu führen wünschte.

Um nun seinen eigenen Söhnen ein anderweitiges Feld der Thätigkeit zu schaffen, kaufte derGrossvater im Jahre 1843 von den Eheleuten Windgassen einen Holzkohlen-Hochofen, die an der Aggerbei Troisdorf gelegene »Friedrich Wilhelmshütto«. Zu dieser gehörte auch die Eisensteingrube »Gottes-segen« und zwei zu Sieglar und Eschmar gelegene Fruchtmühlen.

Laut Cirkular vom 1. Oktober 1844 nahm der Grossvater für dieses Geschält die FirmaJ. J. Langen zu Friedrich Wilhelmshütte bei Siegburg an und übertrug die Leitung desselben seinemauf der Bergschulo zu Siegen zum Hüttentechniker ausgebildeten Sohne Emil, welchem er Prokura erteilte.

Am 31. Dezember 1844 erfolgte dann sein Austritt aus der Firma Karl Joest & Söhne, der erzwölf Jahre seine ganze Kraft gewidmet hatte. Anfangs 1845 kaufte der Grossvater die in Köln amalten Uler gelegene Zuckerfabrik der Herren Schleussner & Heck und machte die Weiterführung diesesGeschäftes, in welches er seine Söhne Olto als Teilhaber, Emil als Prokurist und Gustav als Lehrlingaufnahm, unter der Firma J. J. Langen & Söhne in Köln durch Cirkular vom 31. März 1845 bekannt.Gleichzeitig erfolgte die Aufnahme seines Solines Otto als Teilhaber in die Firma J. J. Langen zuFriedrich Wilhelmshütte.

Die ersten Jahre waren für das Geschäft recht trübe, besonders das Jahr 1846 sehr verlust-bringend. Teils lag die Ursache dieses Verlustes in einer rückgängigen Konjunktur auf dem Rohzucker-markte, teils in den mit der Fabrikation verbundenen Schwierigkeiten. Mit schlimmen Aussichten begannauch das Jahr 1848. Infolge der am 24. Februar in Paris ausgebrochenen Revolution entstanden auchin Deutschland Unruhen, welche eine grosse Störung in allen geschäftlichen Verhältnissen zur Folgehatten und unter anderen den Fall des bestrenommierten Bankhauses Ahr. Schaaffhausen in Köln ver-anlasston. Da dieses Haus die Geldgeschäfte der Firma J. J. Langen & Söhne und namentlich dieDeckung der am 25. jeden Monats fällig werdenden kreditierten Zollgefällo von eingeführtem Rohzuckerbesorgte, so wurde die Firma des Grossvaters in die grösste Verlegenheit gebracht, als das genannteBankhaus kurz vor einem solchen Fälligkeitstermine ohne jede vorherige Benachrichtigung seine Zahlungeneinstellte. Bei den unruhigen Zeiten war für die besten Sicherheiten und Wechsel kein Geld zu erhalten,selbst die Königliche Bank hatte die Diskontierung von Wechseln eingestellt. Die Deckung der am 25. Märzfälligen Zollrate von ca. 20 000 Thalern konnte nur dadurch ermöglicht werden, dass die Königliche Banknicht ablehnen konnte, in letzter Stunde ein dreimonatliches Accept der Firma J. J. Langen & Söhne zudiskontieren, nachdem bekannt geworden war, dass dieselbe kurz vorher der Firma vom Rath & Söhne aus-nahmsweise ein solches diskontiert hatte. Die Einlösung dieses Acceptos wurde dann später dadurchermöglicht, dass die Stadt Barmen auf wiederholtes dringendes Ersuchen des Grossvaters für die ihr vonder Friedrich Wilhelmshütte für die Anlage der städtischen Gasbeleuchtung gelieferten Rohre Zahlung leistete.

Dio Geschäfto erholten sich indessen bald, nachdem Gesetz und Ordnung wieder die Oberhandbekommen hatten, und das Jahr schloss besser, als man bei seinem Beginn zu hoffen gewagt. Nur mitdem technischen Betriebe der Raffinerie ging es nicht nach Wunsch, weil der damit betrauteMeister sich als untauglich erwies. Durch eine freundliche Fügung Gottes gelang es dem Grossvater,einen früheren erfahrenen Meister der Firma Karl Joest & Söhne, namens Rhoenius, den er gelegentlieheiner Geschäftsreise auf einem Dampfboote zwischen Mannheim und Heilbronn traf, auf die Dauervon sechs Wochen gegen eine Vergütung von 500 Thalern zu gewinnen, ehe er eine ihm neu