Druckschrift 
Chronik der Familie Johann Jakob Langen in Köln : auf Grund handschriftlicher Aufzeichnungen, der Kirchenbücher der evangelischen Gemeinden Marienberghausen, Mühlheim am Rhein und Bergisch-Gladbach sowie persönicher Mitteilungen im Frühjahre 1899
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

_ .

übertragene Stellung antrat. Dieser unterwies des Grossvaters ältesten Sohn Otto und dessen gleichfallsim Geschäfte angestellten Vetter Friedlieb Gustorf in allen Zweigen der Fabrikation auf's gründlichste undmit dem Erfolg, dass die Besserung in der Fabrikation sich bald geltend machte.

Am 10. April 1850 nahm der Grossvater seinen zweiten Sohn Gustav iu seine beiden Geschäftein Köln und auf der Friedrich-Wilhelmshütte als Teilhaber auf und beteiligte gleichzeitig au ersteremseinen Sohn Emil. Am Himmelfahrtstage des Jahres 1851 durfte der Grossvater mit seiner Gattin, um-geben von all seinen Kindern und einigen Enkeln, das Fest seiner silbernen Hochzeit feiern.

Die geschäftlichen Ergebnisse der folgenden Jahre waren recht erfreuliche, wenn auch die Rüben-zuckerfabrikation, vom Staate sehr begünstigt, immer grössere Fortschritte machte und dem KölnerGeschäfte, welches an der Raffinierung von indischem Zucker fest hielt, viele Schwierigkeiten bereitete.

Am 1. Mai 1854 wurde der vierte Sohn Jakob in beide Geschäfte als Teilhaber aufgenommen.D ie Friedrich Wilhelmshütte erforderte infolge notwendig werdender Erweiterungen von Jahr zu Jahr mehrKapitalien. Als diese bilanziellen Anforderungen infolge grösserer Ausdehnung des Geschäftes, ins-besondere durch die Anlage eines zweiten Hochofens und eines Walzwerkes, immer stärker wurden unddie Kräfte des Grossvaters überschritten, wurden Verhandlungen eingeleitet, welche im Jahre 1858 zurUmwandlung dieses Geschäftes in ein Aktien-Unternehmen unter der Firma »Siegrheinischer Bergwerks-und Hütten-Aktienverein« führten.

Der Grossvater erhielt für den Kaufpreis Aktienbeteiligung, während sein Sohn Emil zum General-direktor ernannt wurde. Letzterer trat gleichzeitig aus der Firma J. J. Langen & Söhne aus und anseiner Statt wurde sein jüngerer Bruder Eugen als Teilhaber in dieselbe aufgenommen.

Im Jahre 1859 verlor der Grossvater seine zweite treue Lebensgefährtin, die liebende Mutterseiner Kinder, die über 33 Jahre Freud und Leid mit ihm geteilt hatte. Nach langer Krankheit starbsie am 25. August an einer Herzlähmung und ging zur ewigen Ruhe ein.

Inzwischen gelang es dem Grossvater das Kölner Geschäft weiter auszudehnen, besonders seitdem er imJahre 1861 zur Verarbeitung von Rübenzucker übergegangen war. Im Frühjahr 1863 trat der ältesteSohn Otto aus dem väterlichen Geschäfte aus, um in M.Gladbach mit Herrn Christian Daniel Vowinckeleine Baumwollspinnerei zu errichten. An seiner Stelle übernahm dessen Bruder Eugen, welcher bis dahinhauptsächlich auf der Friedrich Wilhelmshütte thätig gewesen war, die technische Leitung der Zuckerfabrikin Köln. Infolge seiner vorzüglichen technischen Ausbildung und ganz aussergewöhnlichen Begabungbrachte dieser die ganze Zuckerfabrikation in andere Bahnen, machte die Raffinerie von J. J. Langen &Söhne zu einer mustergültigen und legte so den Grund zu einer neuen ungeahnten Blüthe des Geschäftes.

Am 30. März 1866 feierte der Grossvater sein fünfzigjähriges kaufmännisches Jubiläum, umgebenvon seinen sämmtlichen Kindern und Schwiegerkindern sowie von 50 Enkeln. Es war ein seltenes, herrlichesFamilienfest, an welchem der Jubilar, der als einfacher Schullehrer seine Laufbahn begonnen hatte, aufein an Thaten und Erfolgen gleich reiches Leben zurückblicken konnte. In seinem kaufmännischen Berufwar Gottes Gnade mit ihm gewesen, sie hatte ihm viele seiner Unternehmungen gelingen lassen und ihnmit irdischen Gütern und Ehren reich gesegnet. Aus dem Vertrauen seiner Mitbürger war er zumStadtverordneten gewählt worden. Längere Zeit bekleidete er das Amt eines Mitgliedes des Handelsgerichtes,auch war er Mitglied und später Präsident der Handelskammer geworden und hatte als solcher eine über-aus segensreiche Thätigkeit entfaltet. Als langjähriger Vorsitzender des Aufsichtsrats dos A. Schaaff-hausen'schen Bankvereins wirkte er wesentlich beim geschäftlichen Aufblühen seiner Vaterstadt mit, jaseine Thätigkeit kam weit über die Grenzen derselben hinaus den ganzen Rheiulanden zu gut. In

y • • ^ > -- - - ~ - --- - - - J

u