Druckschrift 
Chronik der Familie Johann Jakob Langen in Köln : auf Grund handschriftlicher Aufzeichnungen, der Kirchenbücher der evangelischen Gemeinden Marienberghausen, Mühlheim am Rhein und Bergisch-Gladbach sowie persönicher Mitteilungen im Frühjahre 1899
Entstehung
Seite
43
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Karl Eugen Langen (vergi. 20).

Eugen Langen wurde am 9. Oktober 1833 in Köln geboren, Die Erziehung zu ernster, gewissen-hafter Arbeit, welche er im Elternhaus erhielt, hat neben seinen aussergewöhlichen Geistesgaben ohneZweifel mitgewirkt, dass er zu einem hervorragenden Manne wurde. Er erhielt seine Schulbildung auf derhöheren Bürgerschule (späteren Realschule) seiner Vaterstadt. Sein Abgangszeugnis von der Bürgerschulewar keineswegs ein gutes; er verschmähte selbst eine Prüfung im Lateinischen wegen unzureichenderKentnisse; sehr gut waren seine Leistungen nur im Turnen. Den engen Fesseln des Schullebens glücklichentronnen, ist Engen Langen iu Karlsruhe ein flotter Student gewesen, hat aber dabei seine Pflichtnicht versäumt, wie aus den von ihm selbst Reissig- ausgearbeiteten Vorlesungen zu ersehen ist und wieuns dies sein späteres Leben zur Genüge beweist. Die Elemente der Mechanik und Physik waren ihmgewissermassen zur zweiten Natur geworden. Sein Fleiss wurde auch bald durch die Liebe angespornt,denn in Badeweiler lernte er die damals 17jährige Henriette Thurneysen aus Basel kennen, welche er bereitsals Gattin heimführte, bevor er noch seiner Militärpflicht genügt hatte. Ihm wurde als einjährig-freiwilligemPionier der erste Sohn geboren. An der Seite dieser schönen, begabten und tüchtigen Frau verlebte ereine Reihe der glücklichsten Jahre voll angestrengter Arbeit. Oft hat er im späteren Leben geäussert,wie viel er ihr verdanke, und dass er seine Erfolge in erster Linie ihrem Einfluss zuschreibe. Nach ihremTode führte er seinen sieben Kindern eine neue, liebevolle Mutter zu, die Tochter seiner ältesten Schwester,Hermine Schleicher aus Antwerpen. Auch mit ihr hat er in treuer Liebe ein schönes Familienleben bisan sein Ende geführt. Wie glücklich strahlten seine liebevollen, braunen Augen im grossen Kreise derBeinen! Dort ruhte er fröhlich geniessend aus, um mit neuer Kraft immer wieder eine Arbeitslast aufseine Schultern zu nehmen, welcher die wenigsten Menschen gewachsen sind.

Seine erste praktische Thätigkeit entwickelte Eugen Langen auf der vom Vater gegründetenFriedrich Wilhelmshütte bei Troisdorf, welche damals sein Bruder Emil leitete. Seine eindringendeBeobachtungsgabe führte ihn hier zur Erfindung des Etagenrostes, an welchem er noch in den letztenJahren neue Verbesserungen anbrachte und welcher auch heute noch für viele Feuerungen unübertroffenist. Um diese Erfindung zu verwerten, machte er sich in Köln als Civil-Ingenieur selbständig. Erbei eiste England, Frankreich und Spanien, überall seinen Etagenrost für damalige Verhältnisse mit vielErfolg einführend.

Nachdem sein ältester Bruder Otto sich 1863 von der Leitung der von seinem Vater gegründetenZucker-Raffinerie J. J. Langen & Söhne in Köln zurückgezogen hatte uud aus dieser Firma ausgetretenwar, wurde Eugen Langen als Teilhaber in dieselbe aufgenommen und ihm die Betriebsführung übertragen.Seine neue Stellung bot ihm reichlich Gelegenheit, seinen erfinderischen Geist weiter zu bethätigen. Dieerste von ihm eingeführle Verbesserung im Betriebe galt der Regeneration der Knochenkohle. Sodannschuf er ein neues Centrifugen-Verfahren, um den Zucker für die Würfelzucker-Fabrikation direkt inPlatten herzustellen. Diese Erfindung, in welcher die Grundlage einer totalen Umwälzung in der Zucker-industrie zu erblicken ist, machte seinen Namen in den weitesten Kreisen des In- und Auslandes bekannt.Zur vollen Ausnützung dieses von ihm erfundenen Verfährens gründete er im Verein mit andern KölnerZuckeriudustriellen, dem Kommerzienrat Emil Pfeifer und dessen Söhnen, die Firma Pfeifer & Langen,