Karl Otto Langen (vergi. 15).
Dem mir ausgesprochenen Wunsche, zu der in Ausführung begriffenen Familien-Chronik eine kurzeLebensbeschreibung zu liefern, will ich in Nachstehendem gerne entsprechen.
Geboren bin ich in Solingen (Regierungsbezirk Düsseldorf), am 11. März 1820 als zweites Kind,aber als ältester Sohn der Eheleute Johann Jakob Langen und Hermine Langen, geb. Zander. MeinGeburtshaus auf dem Kämpehen, an der nach Feld führenden Strasse gelegen, war wie fast alle Häuser desBergischen Landes äusserlich mit blauem Schiefer bekleidet; die mit kleinen Scheiben versehenen Schiebe-fenster weiss, die äussern Fensterladen grün gestrichen. Vor dem Hause stiassenwärts ein Brunnen-Häuschenmit zuckerhutförmigem Dach, hinter dem Hause Scheune, Stallung und ein Blumengarten mit den schönstenPrimeln, Aurikeln, Narzissen, Kaiserkronen, Stockrosen, Nelken; in der Milte eine mächtige, prächtige alteLinde, dahinter ein Gemüsegarten und seitlich ein mit wohlgepflegten Obstbäumen versehener Bauinhof. Daswar das Paradies, in dem ich meiner Kindheit erste Jahre verlebte; in dem ich als Greis im Geiste umherwandele, in der Erinnerung an längst vergangene Zeit. Das Haus war Eigentum meiner Grossmuttermütterlicher Seite, der Frau Wittwe Kreisphysikus Dr. med. Zander, welche mit ihrer unverheirateten TochterHenriette dessen hinteren Teil bewohnte, während der vordere Teil von meinen Eltern benutzt wurde. Noch nichtvolle fünf Jahre alt, verlor ich am 6. März 1825 nach kurzer Krankheit meine geliebte Mutter infolge einerakuten Leber-Entzündung. Nun vertraten Grossmutter und Tante Mutterstelle an mir und meinen drei Ge-schwistern; dabei wurden sie unterstützt von der besten Freundin der teuern Verstorbenen, Johanna Gustor ff,Tochter des Lehrers an der reformierten Elementarschule, Gottfried Gustorff in Solingen, welche am 4. Mai1826, nach dem Wunsche der lieben Entschlafenen, uns eine zweite Mutter wurde. Sie konnte aber nicht zuuns kommen, weil sie ihren alten Vater, dessen einzige Stülze und Hülfe sie war, nicht vorlassen durfte undso mussten wir denn das grossmütterliche Haus vorlassen und zu ihr kommen, um in der mit der Schuleverbundenen geräumigen Lehrerwohnung ein neues Heiin zu finden. Aber lange war unseres Bleibenshier nicht; Grossvater Gustorff starb im Jahre 1828 bald nach der Feier seines 50jährigen Amtsjubiläumsund nun mietete mein Vater eine passende Wohnung nebst Nebenhaus und Garten auf dem ObernMangenberg. Dies war für meinen Vater eine wesentliche Erleichterung, denn nunmehr hatte er bis zudem Geschäftslokale der Herren Schimmelbusch & Joest auf dem Untern Mangenberg, wo er thätig war,nur einen kurzen Weg zurückzulegen. Bis dahin hatte ich in Solingen die Elementarschule besuchtauch hatte mich mein Vater in den Anfangsgründen der französischen Sprache unterrichtet. Nunmehrdurfte ich teilnehmen an dem Unterricht, welchen Herr Karl Joest seinen Söhnen durch Hauslehrererteilen liess. Der erste war ein Dr. Hahn, der hatte aber bald ausgekräht, dann kam der Kandidatder Theologie, Herr Fr. Demmer aus Krefeld, der wohl mit uns fertig zu werden verstand und sich beialler Strenge die Liebe seiner Zöglinge zu gewinnen wusste. Meinem inzwischen nach Niederlegungseines Amtes zu uns gezogenen Grossvater, J. J. Langen, machte es besonderes Vergnügen, mir undmeinen Geschwistern den ersten Gesang- und Klavier-Unterricht zu erteilen. Aber auch auf dem Mangen-berge war unseres Bleibens nicht lange; am 21. November 1832 siedelten meine Eltern auf Veranlassungder Herren Schimmelbusch & Joest nebst' den Grosseltern nach Köln am Rhein über. Näheres über dieVeranlassung und Wirkung dieses Umzuges findet sich in der Chronik meines Vaters, weshalb ich hier