Bodmanns Fälschungen. Lindes falsche Beweise.
93
Hätte sich Bodmann die Mühe genommen, diesen Brief aufPergament oder auf Papier des XV. Jahrhunderts zu schreiben, sowäre derselbe als vollgiltiger Beweis des Daseins der Schwester Berthabetrachtet worden, und die eigenhändige Unterschrift Guten-bergs, nach der sich Fischer so sehr sehnte, würde millionenfachvervielfältigt und von der dankbaren Nachwelt mit Rührung betrachtetworden sein. Glücklicherweise liess es Bodmann bei der Abschriftbewenden, und so hat man dieses Schriftstück, von dem man sonstgewiss behauptet hätte, es »strotze vor Wahrheit«, als eine Fälschungerkannt.
Eine andere Abschrift, welche Bodmann durch Fischer veröffent-lichen liess, betraf eine angeblich mit vier anhängenden Siegeln ver-sehene Urkunde, laut welcher Henne Gensfleisch von Sulgeloch, ge-nannt Gudinberg, und Friele Gensfleisch im Jahre 1459 dem KlosterReichenclaren (in welchem sich nach dem vorigen Briefe die SchwesterBertha befinden sollte, aber nunmehr eine Schwester Hebele befand)Bücher schenken, welche Gutenberg gedruckt hat und fernerdrucken wird. Glücklicherweise hat Bodmann das Original nichtangefertigt, und daher gilt auch diese Abschrift bei den leichtgläubig-sten »berufenen Forschern« als Fälschung.
Bodmann schuf durch einen angeblichen Ausschnitt aus einemProtokoll des Mainzer St. Peterstiftes einen Conrad Fust, SchwagerPeter Schöffers. Durch diesen Ausschnitt wurden Bernard, Holtrop,Matten und van der Linde irre geführt. Der letztere bildete darausals »exacter Forscher« folgenden Beweis: »Der Verleger Johann Fusthinterliess drei Kinder: Johann, der Geistlicher wurde und 1501 starb;Conrad, Nachfolger des Vaters und gestorben nach 1480; Dyna, ver-heiratet mit Peter Schöffer. Beweise: 1. Conrad Fust, Civis magunt.,kommt 1467 beim St. Peterstifte um einen Codex zu Abdruck einund deponiert dafür ein anderes Druckwerk, Schöffer ist offenbarNebenperson. 2. Conrad wurde 1467 einer der zwölf Kirchenge-schworenen (sein Vater war es 1464) und in dem betreffenden Docu-mente wird von ihm gesagt: Und es ist der Conradus JohannesFusten seiger Nachfahre. 3. Nach 1470 stiften die drei Söhne Johann,Conrad und Peter zu Paris gemeinschaftlich ein Jahresgedächtnis,