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Die Erfindung der Buchdruckerkunst nach den neuesten Forschungen
Entstehung
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Falsche Ansichten über die Erfindung der Presse.

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Deutschlands, im Tage jeder 300 Blätter machen.« Die Uebersetzungvon forma durch Matrize ist um so weniger gerechtfertigt, als dasWort Matrize schon von Trithemius gebraucht wurde, folglich damalsschon in seiner jetzigen Bedeutung bekannt war; auch ist die Ueber-einstimmung der Matrizen mit den in sie eingeschlagenen Stempelnoder Patrizen eine so selbstverständliche, dass niemand Ursache hatte,dies hervorzuheben; ist dagegen Patrone als Muster oder Druckvorlageaufgefasst, welche von dem gedruckten Buche als vollständiges Eben-bild wiedergegeben wurde, so war die Erfindung des Buchdrucks eineso wunderbare Neuheit, als wenn heutzutage ein Buch mittels anastati-schen Drucks vervielfältigt würde.

Ueber die Entstehung der Buchdruckerpresse haben sich ähn-liche, auf vollständiger Unkenntnis des Druckverfahrens beruhendeSagen gebildet, wie über die Erfindung der Buchdruckerkunst selbst.Schon hundert Jahre nach der Erfindung trat der Mainzer CorrectorBergellanus mit dem Märchen auf, eine Weinpresse sei das Urbildder Buchdruckerpresse gewesen, und auf dem Denkmal in Strassburgprangt in Stein ein solches Werkzeug, mit welchem man wohl Traubenpressen, aber nie einen bedruckten Bogen Papier erzeugenkann. Ich habe daher in meiner »Ulustrirten Geschichte der Buch-druckerkunst« der Meinung Raum gegeben, dass die Presse der Papier-macher, welche der Buchdruckerpresse ähnlich ist, den Anstoss zuletzterer gegeben habe, inzwischen bin ich aber durch die Forschungennach dem Leben des Erfinders auf eine andere Spur gestossen, welcheden richtigeren Weg zeigen dürfte. Friele Gänsfleisch, der muthmass-liche Vater des Erfinders, war Hausgenosse, d. i. Geldwechsler, inMainz; als solcher stand er mit der Münze in Verbindung, in welcherdie Hausgenossen ihr Silber in Münzen umprägen Hessen, und daherdürfte die Presse, auf welcher die Münzen geprägt wurden,und welche dem jungen Gänsfleisch-Gutenberg wohl bekannt seinmusste, das Vorbild der Buchdruckerpresse, überhaupt die Münze dieVorschule der Buchdruckerkunst geboten haben. Im Münzwesen findenwir viele Ausdrücke der Buchdruckerei: das Schmelzgut, den Graphit-tiegel, die Giessformen oder Giessflaschen, in denen die Zeine gegossenwurden, dasjustieren, die Matrizen, die Stempel und die Stempelschneider.