wurde über durch ruhige Klarheit der Auffassung der realen Verhältnisse und früh er-worbene, in allen Lebenslagen ungetrübte Besonnenheit und Selbstbeherrschung zucharaktervoller Mannheit gemildert. In der Gesichtsbildung, in dein klaren, festenund doch sanften Blicke seiner blauen Augen, sowie in dem gesamten Gesichtsausdruckehat ein ganz auffallender Atavismus stattgefunden: zwischen ihm und dem Ahnherrnaller jetzt lebenden „Ebersteine, dein Feldmarschall Ernst Albrecht, fand eine auster-ordentlich groste Ähnlichkeit statt.
Da Gustav aus eigener Anschauung die traurige Erfahrung gemacht hatte, wiepietätlos mit den Familienbildern und überhaupt mit allen übrigen Familien-Reliquiennach dein Tode seines zu Grost-Leinungen ff Onkels, des Kriegsraths Karl, umgegangenworden war, so lehnte er jede Aufforderung, ein Portrait von sich anfertigen zu lassen,ab. Dast von der grossen noch 1812 im Schlosse zu Leinungen vorhanden gewesenenAnzahl Familienbilder bis zum I. 1846 noch über 40 Stück daselbst sich vorfanden,war allein Gustav's Verdienst: er kaufte bei seiner ersten Anwesenheit in Leinungendie nach der KriegSräthin Tode verauktionirt gewesenen und zerstreuten Bilder, welchemeist als Vorsetzer zerbrochener Fensterscheiben und von Dachluken in Bauernhäuserndienten, wieder zusammen. Die in meiner „Beigabe" über der Kabinets-Ordre von1808 befindliche Kopie seiner Silhouette ist 1807 von seiner Schwester Emilie ange-fertigt worden und danach zu beurtheilen.
Den ersten Unterricht erhielt Gustav mit seinen Brüdern Moritz und Franzdurch einen Hauslehrer, einen alten Magister, und kam darauf zusammen mit Moritzin das adlige Kadetten-Corps zu Dresden. In dieser Anstalt blieb er jedoch blostein Jahr^) aus folgender Veranlassung. Sein Vater, ein hitziger, rasch aufbrausenderMann, hatte sich eines Abends in der Ressource bei dem L'hombre-Spiele mit demKommandanten des Kadetten-Corps, Obersten Georg v. Christiani, überwarfen, warsofort aufgesprungen, zu dem au einen: anderen Tische sitzenden preußischen GesandtenGrafen Vitzthum getreten und hatte diesen gebeten, bei seinen: Schwager, den: preust.General Grafen Wartensleben, anzufragen, ob er bei seinen: Regimente ein paarJunker brauchen könne. Die nach acht Tagen eingetroffene Antwort Wartenslebcn'sfiel bejahend aus, und so wurden von dem rasch handelnden Vater die beiden BrüderMoritz und Gustav (14Vz bzw. 12 Jahr alt) sofort in der Nacht aus demKadetten-Corps geholt, in der Sophicnkirche konfirmirt und den andern Tag nachLieg nitz zu den: Wartenslebenschen Regimente geschickt. Hier angekommen, erregt aber
'I Nr. 552. Des durchlauchtigsten Pürstens und Herrn, Herrn,
Friedrichs Augnsti,
Herzogs zu Sachsen, Jülich, Eleve, Berg, Engern und West-phalen, des heil. Rom. Reichs Erzmarschalls und Ehurfür-stons, Landgrafens in Thüringen, Markgrafens zu Meißen,auch (Uber- uud Nieder-Lausitz, Burggrafens zu Magdeburg,gefürsteteu Grafens zn Henneberg, Grafens zu der Mark,
Ravensberg, Barby uud Hanau, Herrn zu Ravenstein rc.
Meines gnädigsten Herrn bestaltcr Gbrister der Infanterie,
Tommandant des Adlichen Kadctencorps und Ritter despreußischen Militair-Verdienst-Vrdcns.
Ich George Gottfried von Christiani, füge hiermit zu wissen: Demnach Vorzeigerdieses der Wohlgcbohrne Gustav Adolph Freyherr von Gberstein gebürtig aus Dresden,t Jahr als Eadct, sich nicht nur in den, bei dem gnädigst mir anvertrauten Adlichen Aadeten-korps, der Ausbildung geschickter uud dienstfähiger Gfficiers gewidmeten Gegenständen des classcn-mäßigen Unterrichts in Sprachen, Wissenschaften und Lxercitiis hinlänglich habilitiret, sondernauch sonst durch gute Aufführung und Eonduite sich um den Beifall seiner vorgesetzten und Lehrerverdient gemacht hat: Nuninehro aber von Familien-Angelegenheiten veranlaßt worden, nin seinenAbschied vom Aorps geziemend zu bitten. Als habe demselben um deswillen solchen hiermit er-thcilen, demnächff aber alle Hohe und Niedere Militaire und Eivil-Bediente, denen solcher zuHänden kömmt, nach Standes-Gebühr dienst und freundlichst ersuchen wollen, ernannten v. Eber-stein seiner guten Eigenschaften und Verhalten halber, alles geneigte Wohlwollen wiederfahrenzu lasseu. Gegcbeu uuter eiqenhändiger Unterschrift uud vorqedruckten Wappen. Zu Neustadtbei Dresden am 2ssten Sept. :?9s. (v. g.) George von Christiani.