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aber derselbe schied sich in jener Zeit noch strenge vom altenritterlichen Adel und galt nicht als turnierfähig.
Gerade für die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts ist nundas Streben der reichen Bürger, dem Adel gleich zu werden,bezeichnend; gar oft trat dann der Wunsch hinzu, den bürger-lich klingenden Namen mit einem volltönenderen zu verbindenoder zu vertauschen. Das Unterfangen der Brüder zu Rogg-wil ist also gar nichts Aussergewöhnliches. Dass sie sich hie-für ein kaiserliches Diplom erkauft, ist an und für sich nichtunwahrscheinlich, überschwemmten ja in der Regierungszeitdes stets geldbedürftigen dritten Friedrich derartige Adels- undWappenbriefe förmlich das heilige römische Reich, so dass einZeitgenosse ausruft: „reiche kouffleut, schühmacher, Schneider,brodtbecken und kürsehner, die mögen all edell werden, wannsie gelt haben, denn es ist zu unsern zeiten ein kouffmann-schafft auß dem adel geworden." ] ) Da aber ein solches Diplomeinen etwas unangenehmen Beigeschmack besass, indem es jagerade die Neuheit des Titels oder Ranges bezeugte, so wares unter Umständen ratsamer, von einem solchen abzusehen.— Wie wenig gerade in schweizerischen Landen ein kaiser-licher Brief von nöten war, um einem neuen angemasstenRang und Namen Anerkennung zu verschaffen, zeigt das gleich-zeitige Beispiel der bernischen Schultheissenfamilie vonRinggol-tingen, vormals genannt Zigerli. 2 )
Ich bin zur Annahme geneigt, dass die Verwandlung der
') Geiler v. Kaisersberg in seiner Predigt von den Rühmnarren.
2 ) Sammlung bernischer Biographien II, S. 172 ff. Gust. Tobler, „RudolfZigerli" und „Thüring v. Ringgoltingen". — Die Erklärung solcher Erschei-nungen giebt uns wiederum Geiler: „Also mancher hoffertiger mensch derlaßt sich uffblasen, wenn man zuo im sprichet: ,gnad herr, gnad junckher'.Die fraw blast die Matter uff, sie spricht zuo irem man: ,junckherr, wennwoellent ir uffston?' Der knechl in dem liauß, so er das hoert, so sprichter ym auch junckherr und blaßet auch daryn, der schuomacher, so er kumptund will im die schuoh anlegen, so spricht er: ,wa ist der junckherr?', derblaßet auch darin, der metzger deßgleichen: junckherr, waz fleisch woel-lent ir haben?' und theten sie es nit, der junckherr geh dem knecht urlobund schlueg von dem schuomacher und von dem metzger. Also kumpt erdahinder, das er went, er sei ein juncker."