— 275 —
Passions-Musiken gegeben und geboten worden war. Sie
bestanden in, einer Art scbablonenmässiger Fabrikarbeit, il
in der Bach, seiner selbst keineswegs würdig, für jedes
Jahr eine besondere Passion aufzuputzen sich bemüht hatte,
und der die ein- für allemal componirten Evangelisten-Texte
als Grundlage dienten. War für diesen grossen Aufwand
an unbedeutender Arbeit eine Nothwendigkeit vorhanden?
Man möchte meinen, dass ein vierjähriger Turnus genügt
haben würde, dem Bedürfniss vielfachen Wechsels zu
genügen. Seb. Bach hatte, um nach dieser Seite hin das
Seinige zu thun, mit seinen Thomas-Schülern neben seinen
eigenen Passions-Musiken auch solche von anderen Meistern
in den Kirchen Leipzigs zur Aufführung gebracht. Der
Sohn, weniger ernst arbeitend als jener, weniger gross in
seiner Auffassung der kirchlichen Dinge und mit geringerer
Tiefe seine Aufgaben erfassend, konnte ein und zwanzig
solcher Musiken schreiben, von denen eine einzige, im
Sinne und Geiste dos Vaters gesetzt, hingereicht haben
würde, ihm für alle Zeiten den immergrünen Kranz des
Ruhmes auf die alternden Schläfen zu drücken.
Welche Wirkung er nach dieser Seite hin erreichthaben mag, darüber ist keine Nachricht auf uns gekommen.
Dass aber diese nicht die der Passions-Musiken seinesVaters sein konnte, ist zweifellos. Uebrigens hatte auchTele mann nicht weniger als 19 Passions-Musiken geschrie-ben, und die Hamburger Kirchen-Gemeinden waren daherwohl daran gewöhnt, in der Charwoche die Arbeiten ihrerheimischen Tonsetzer zu hören, wie denn auch E. Bach nurseine eignen, für die Charwoche jeden Jahres componirtenPassionen hat aufführen lassen.
Von diesen sind theils ganz, theils in Bruchstückenbekannt:
1. Die Passion nach Matthäus von 1777.
Matthäus von 1781.
Lucas von 1783.
Johannes von 1784.
18 *