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Man findet auf der anderen Seite, dass für die Kirchen-musiken überhaupt ein lebhaftes Interesse vorwaltete. Nichtbloss die immerhin ziemlich bedeutenden Mittel, welchedie Stadt hierauf verwendete und welche erst nach Bach'sTode einer Einschränkung unterworfen wurden, deutendarauf hin. Es ergiebt sich dies auch aus der Aufmerk-samkeit, mit der man von vornherein Bach's Musikauf-führungen gefolgt ist'). „Da Herr Kapellmeister Bach seinHamburgisches Musilc-Directorat auf Ostern des verwichenen1768. Jahres angetreten hat, so dient den Musikliebhabernhiemit zur Nachricht, dass nunmehro von da bis hieherein completer Jahrgang der Texte zur Musik, welche indiesei' Zeit von gedachtem Herrn Kapellmeister in hiesigenHauptkirchen aufgefiibret worden, bei Herrn Grund amFischmarkt für 1 Mark 8 Schilling zu haben sind." Könnteeine solche Sammlung von blossen Texten für erforderlicherachtet worden sein, wenn nicht das Interesse an der Musikein verhältnissmässig lebhaftes gewesen wäre?
Nun sind zwar Aeusserungen von Bach wie von Burneybekannt, welche darauf schliessen lassen, dass das HamburgerPublikum keine sonderliche Neiguug für tiefe und ernsteMusik gehabt habe, und dass sich Bach selbst schämte,einein Fremden wie Burney so wenig Vorzügliches bietenzu können. Auch sagt Reinhardt 2 ) über die zur Aus-führung von Musiken vorhandenen Mittel: „Die Ripienistensind hier grösstentheils schlecht und die Sänger elend,"eine Beobachtung, die Burney bestätigt, indem er be-merkt 3 ): „Nach diesem Besuche brachte mich zwar Bachnach der Catharinen-Kirche, woselbst ich eine schöne Musikvon seiner Compositum hörte, die aber für die grosse Kirchezu schwach besetzt war und die auch von der Versammlungzu unaufmerksam angehört wurde." Aber könnte dies nicht
1) Hamb. Uuparth. Correspondent. 1769. 43.
2 ) Briefe eines aufmerks. Reisenden. Th. II. S. 40.
3) Musik. Reise. Th. III. S. 191.