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Aus der lyrischen Natur Bach's folgte, das* er daswesentlich entscheidende Moment auch für seine Kirchen-musik in der Melodie, d. h. im Einzelngesange suchte.So gross und bedeutend er als Harmoniker war, so findetman doch in seinen Arbeiten für die Kirche die Harmoniefast nur als Mittel verwendet, um die Melodie zur Geltungzu bringen. Nur selten ergriff ihn hier die Lust, sichdarüber hinaus in contrapunktische Aufgaben zu vertiefen,bei denen sie in die zweite Linie trat. Seine Melodie waraber nicht jene strenge ernste Melodie der Väter. Es warauch nicht die weich geformte und doch so edle innigeMelodie, welche die Kirchenwerke Graun's auszeichnet.Nein, es war die Melodie der Oper und des Liedes, dieer in die Kirche einzuführen bestrebt war. So Herrlichesund Grosses er in der figurirten Musik, in dem strengenStyl der alten Schule geschaffen hat, so waren es dochgerade seine Kirchenmusiken, in denen er, obschon hiersein Wissen und Können so sehr hätte zur Geltung kommensollen, sich mehr und mehr von dem strengen Satze ab-wendete, der bis dahin der herrschende gewesen war. Erverliess den polyphonen Styl und schuf die Mehrzahl seinerkirchlichen Arbeiten in einer melodisch rhythmischen Ho-mophonie, die für diesen Zweig der Kunst ein Neues war.
Diese Modification würde an sich einen Tadel in keinerWeise begründen können. Denn der polyphone Styl be-stand nicht um seiner selbst willen, und wurde nicht des-halb geschätzt, weil es der polyphone Styl war, sondernweil er tiefe, edle, ernste Wirkungen erzeugt hatte, weilsein Charakter unmittelbar in dem religiösen Ideenkreisewurzelte, dem die Musik der protestantischen Kirche ihreErfolge und ihre Verbreitung verdankte. Konnten dieseWirkungen auf anderem Wege erreicht, der Charakter zueinem neuen Ausdruck gebracht werden, wer wäre be-rechtigt gewesen, dagegen Einspruch zu erheben?
Aber man begegnet hier einer Erscheinung, derenHerr zu werden dem Verfasser ein sorgfältiges und langes