keit bei Gelegenheit der Reprisen-Sonaten (Abschnitt I.S. 71 ff.) hingewiesen worden ist.
Die vielen bei Bach vorkommenden Pausen warenfür seine Zeitgenossen eine überraschende Neuerung. DerHörer, der sonst den mehrstimmigen Tonsätzen mit Auf-merksamkeit hatte folgen müssen, um den Faden des mu-sikalischen Gedankens nicht abreissen zu lassen, wurdehiedurch plötzlich aus einer Fülle von Melodie und har-monischer Wirkung vor sein eigenes Innere gestellt, seinePhantasie frei gemacht und er aufgefordert, für einenAugenblick selbständig weiter zu gehen, bis Bach es fürgut fand, den abgebrochenen Gang des Stückes wiederaufzunehmen. Darum nannte man zu seiner Zeit Bach'sMelodiengaug nicht selten einen „zerhackten". DieCiavierspieler jener Periode aber wurden durch die Eigen-thümlichkeit dieser Tonstücke förmlich gezwungen, mitUeberlegung, Ausdruck und Grazie zu spielen.
Schubarth, der sich sehr eingehend mit Em. Bachbeschäfti gt hatte, sagte von dessen Clavier-Oompositionen'):„Sie tragen alle das Gepräge des Ausserordentlichen. Soreich an Erfindungen, so unerschöpflich in neuen Modu-lationen, so harmonisch voll ist keiner wie dieser. WasRafael als Maler und Klopstock als Dichter, dass istso ungefähr Bach als Harmoniker und Tonsetzer. Wasman an seinen Stücken tadelt, ist eigensinniger Notensatz,wo er z. B. dem mittleren Finger immer seine eigneSphäre giebt, und Unbeugsamkeit gegen den Mode-geschmack. Wenu auch etwas an diesen Beschuldigungenwahr ist, so ist doch noch -wahrer, dass der wirklich grosseMann sich zwar bücken, aber nie zur Zwergheit seinerZeitgenossen herabwürdigen kann. Bach pflegte zu sagen:Wenn meine Zeitgenossen fallen, so ist es meine Pflichtsie aufzuheben, aber nicht, zu ihnen in den Koth zu liegen.Daher bemerkt man in seinen neuesten Stücken immer
h Aesthetik der Tonkunst, S. 177.