Druckschrift 
1 (1868)
Seite
231
Einzelbild herunterladen
 

231

»Stücke sind dem Verfasser leider unbekannt geblieben. Abdas letzte was Bach für das Ciavier gesetzt hat, würdedie Kenntniss ihres Inhalts von höchstem Werthe sein. Nachclem Katalog der am 19. Februar 1827 in Altona verstei-gerten Gähler'schen Büchersammlung (No. 9327) sind dieOriginalien damals, Gott weiss wohin, verkauft.

In allen seinen Clavier-Compositionen, seien sie mit oderohne Instrumentalbegleitung gesetzt, findet man jene Ele-ganz, die feine poetische Farbe, welche den markigen, tief-sinnigen, alle Combinations-Möglichkeiten der Motive er-schöpfenden Arbeiten des Vaters zunächst fehlt. GeistigesLeben, Fülle der Gedanken, Kühnheit und überraschendeWendungen der Harmonie, Originalität in der Techniksind beiden gemein. Seb. Bach repräsentirt den voll-endeten Ciavierspieler der alten Schule. Em. Bach hatdie neuere Technik für dieses Instrument, die sein Vaterbegründet und gelehrt hatte, in seinen Tonstücken zumAusdruck gebracht. Auch er hat meist noch für dasClavichord geschrieben. Er bedurfte, wie Nägeli vonihm sehr treffend sagte '), eines Minimums von Materie,um ein Maximum von Geist zu offenbaren. Aber, wieschon oben erwähnt, componirte er auch für den Flügelund das Pianoforte. Er wusste sehr wohl, dass, wer jeneseigenthümliche und sinnige Instrument zu spielen im Standesei, auch die andern zu behandeln lernen werde.

Manches in seinen Compostionen erscheint bizarr.Vieles in den Formen und den oft gehäuften Verzierungenist veraltet. Hie und da sind seine Sätze, zumal dieSchlusssätze der Sonaten, kurz hingeworfen, ohne eigent-liche Durcharbeitung, mitunter selbst ohne Tiefe. Nachjetziger Auffassung würde man auch die Kleinheitmancher Motive, deren kurze Struktur tadeln können.Was für die jetzige Zeit ihnen am meisten fehlt, ist dieVervollständigung der Harmonie, auf deren Nothwendig-

!) Leipz. Allg. Mus.-Zeitung, Jahrg. 13. S. 666.