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„Carl Philipp Emanuel Bach hatte einen Graunentgegengesetzten künstlerischen Charakter. Dieser geist-reiche und originelle Componist liebte den König auchals einen schönen Geist und grossen König, aber er liessdemselben keine seiner machthabenden Ansprüche an Genieund Kunst gelten. Er behauptete, der König sei zwargebietender Herr in seinem Lande, doch nicht im Reicheder Kunst, wo Götter walten, von denen alles Talent aus-gehe und wieder dahin zurückgehe. Ein Künstler sei einvon höherer Hand ausgestatteter Sohn des Himmels, derder Welt angehöre, wie die Welt ihm, und daher keinerBeherrschung unterworfen sei. Eine solche Gesinnung lagnun kaum in den Grenzen der Toleranz des grossenFriedrich; auch Bach's Compositionen fanden seinenBeifall nicht, aber der König achtete ihn und sah ihnsehr ungern nach Hamburg gehen."
In der Biographie Fasch's (S. 46) sagt Zelter hier-über: „Der König war dafür bekannt, dass er die Kirchen-Musik nicht liebte, weil er einmal in der Oper gesagthatte: Das schmeckt nach der Kirche! Man wollte ihmferner die Eigenschaften eines feinen und edlen Herzensabsprechen. Seine Ansprüche auf den besten Geschmackin der Literatur und in den Künsten, sein Macht-Regimenthier, wie in der übrigen Welt, war vielen unerträglichund verhasst. Unter diesen war Bach, Faschens Freund,einer der heftigsten, und es fielen wohl zwischen beidenFreunden kloine Streitigkeiten darüber vor. Der Königmerkte es Bachen an, hatte eine persönliche Abneigunggegen ihn und schätzte diesen grossen Künstler deswegennicht nach Verdienst."
Vielleicht mochte auch Emanuel Bacli's grosse Nei-gung zu spöttischem Scherze das ihrige dazu beitragen,ihm eine weniger nahe Stellung zu dem Könige zu geben,als sie anderen Kapellisten, z. B. Graun, Franz Bendaund auch Fasch zu Theil geworden war. Für seinenCharakter und seine Umgänglichkeit ist es aber bezcich-