Druckschrift 
1 (1868)
Seite
151
Einzelbild herunterladen
 

brachte Melisma, auch nur von zwei, drei oder vier Tönen,ist in der Liederkunst eine Perle, die gleichsam an einergoldenen Kette hängt." Er fügt hinzu:Emanuel Bachhat sie am ausdruckvollsten und zugleich zwanglosestenin die Form der Lieder verwebt. In seinen Compositionenzu Gramer's Psalmen und Sturm's Gedichten finden sichmitunter Melismen, die ein wahrer Perlenschmuck sind."Wenn dies als richtig bestätigt werden darf, so muss auchhinzugefügt werden, dass Bach in der Anwendung dieserVerzierungen vorsichtig und massig gewesen ist, und dassdieselben, zumal in den Geliert'sehen Liedern, nur seltenvorkommen.

Diese Lieder aber sind selbst einer Schnur von Perlenedelster Art zu vergleichen. Ihr tiefer Inhalt und dieSchönheit und Abrundung ihrer Form bewähren noch jetzt,nachdem 110 Jahre glanzvoller und grossartiger Vervoll-kommnung seit ihrem Entstehen dahingegangen sind, ihreProbehaltigkeit. Nur wenige aus der reichen Sammlungvon 54 Liedern könnten als unbedeutend und veraltet be-zeichnet werden. Die meisten sind in Melodie, Declama-mation und Harmonie voll von dem treffendsten Ausdruck,dabei von einer Einfachheit und Natürlichkeit, die in Er-staunen setzt.

Sollte Einzelnes besonders hervorgehoben werden, sowürden zu bezeichnen sein:

Das Abendlied: Für alle Güte sei gepreisst; Ge-duld: Ein Ilerz, o Gott; Bitten: Gott, Deine Gütereicht so weit; Gottes Grösse in der Natur;

Es mögen ferner erwähnt werden:

Güte Gottes; Das Passions-Lied: Erforsche mich,erfahre; Die Ehre Gottes: Die Himmel erzählen;Das Gebot: Dein Heil, o Christ, nicht zu ver-scherzen; Trost: Du klagst, o Christ; Preis desSchöpfers: Wenn ich, o Schöpfer, Deine Macht; Buss-lied; ferner die Warnung vor der Wollust: Der WollustReiz zu widerstreben. Abendlied: Herr, der Du mir