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sehen müssen. Hiedurch war ihm der Wortlaut im Ein-zelnen in die zweite Linie getreten. Es ist bemerkens-werth, dass er diesen Uebelstand, den E. Schneider')gerade an seinen G ellert'schen Lieder so streng tadelt,so bestimmt als solchen signalisirt hat.

Die Frage liegt nahe, warum ein so genialer Musikerwie er es war, nicht dadurch auf den Gedanken gebrachtworden ist, die Lieder durchzucomponiren? Denn dassdie Strophenform dem grossen Inhalt der Texte gegenüber

oft sehr eng war, ist nicht zu verkennen. Aber

die Kunst Lieder zu setzen, war eben noch gar jung.Bach hatte ihr auf die Beine geholfen, sie frei und festgehen gelehrt. Berge zu ersteigen, steile Höhen zu erklim-men, dazu war sie noch nicht kräftig genug. Dennochwar es eben Em. Bach, der weiterhin auch über dieseGrenze fortstieg und mit durchcomponirten Liedern geist-lichen und weltlichen Inhalts die einmal besclirittene Bahnerweiterte.

Er setzt endlich ausdrücklich hinzu, dasser den Melo-dien die Harmonien und Manieren beigefügt habe, umsie nicht der Willkür steifer General-Bassspieler zu über-lassen." Bis dahin waren die Lieder nur mit dem beziffer-ten oder unbezifferten Bass gesetzt worden. Was der Ac-compagnist aus der Begleitung weiter machen wollte, warseine Sache. Bach hatte auch hier zuerst richtig erkannt,welchen Werth gerade für das Lied eine ihm angemesseneBegleitung haben, wie sehr der Eindruck auf den Zuhörer-kreis davon abhängig sein musste, dass diese Begleitungnicht bloss der Melodie die generalbassmässige Harmoniegeben, sondern dass sie auch den Charakter des Liedesheben und verstärken könne. Er hat grade mit dieserNeuerung (denn eine solche war es und als solche bezeich-net er sie selbst) den Boden des modernen Liedes betreten.Mit Recht sagt E. Schneider 2 ) hierüber:durch solche

1) Das musikalische Lied. III. S. 214.

2) Ebendort, Band III. S. 215.