gründer und Schöpfer des deutschen Liedes in sei-ner jetzigen Bedeutung geworden.
Die Compositum weltlicher Lieder, d. h. solcher,welche nicht unmittelbar den Beruf hatten, der Kirche alsChoräle zu dienen, war von den Musik- und anderen Ge-lehrten jener Zeit mit überwiegender Geringschätzung be-trachtet worden. Dass die ersten Versuche in dieser Rich-tung zum nicht geringen Theile anonym erschienen, istnicht ohne Bedeutung. Freilich lindet man auch in denLiedern selbst der besseren Tonsetzer zu altmodischen, derZopfperiode der deutschen Literatur angehörigen Textennoch lange Zeit hindurch jenen steifen Charakter, der,durch die Kindheit der Musikform begründet, Melodieohne Leben und "Wärme, Begleitung ohne harmonischenund charakterischen Zusammenhang mit dem Inhalte desLiedes gab.
Es muss als ein besonderes Verdienst der BerlinerSchule gerühmt werden, dass sie zuerst dem Liede einespecielle Aufmerksamkeit widmete. Em. Bach, beideGraun, Kirnberger, A gricola, Niclielmann, Quantz,Marpurg und Fasch scheuten sich nicht, dem alten Vor-urtheile entgegen einfache Melodien in der bezeichnetenManier, zu einfachen hie und da bezifferten Bässen zusetzen l ). Freilich war die Melodie eben ohne Tiefe undInhalt, ohne Verschmelzung mit dem begleitenden Ciavier.Es waren rhythmische Gesänge zu allerhand Worten, dieebensogut auch auf andere Texte hätten gesungen werdenkönnen und kaum einem anderen Zwecke dienen konntenund sollten, als dem Dilettantismus jener Tage. Zwarhatten Emanuel Bach, Graun und Kirnberger denVersuch gemacht, über das Maass des Hergebrachten hin-aus ansprechendere Formen, inhaltsvollere Gedanken in
i) Auch von Sebastian Bach und Telemann wissen wir, dasssie zu ihrer Zeit Lieder gesetzt haben. Friedemann Bach hat sich7.11 solcher Niedrigkeit nie herabgelassen.