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1 (1868)
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III

weniger als zwei Versionen, nämlich einmal Worte zudem Moment, wo Socrates den Giftbecher trinkt, unddann eine Philosophie Hamlets über den Selbstmord.Gerstenberg hat mit dieser Curiosität eine erhöhte Pro-gramm-Musik ohne Nutzen und Zweck geschaffen, welche

Flug seiner erhabenen Einbildungskraft zum Einschlage eines poe-tischen Gewebes und zur Darstellung der Empfindungen eines Ge-sangstücks fähig wäre. Aus allen den nicht einmal in Takte undRhythmen zwangbaren Schwingen und Sprüngen dieses durch alleGefilde der Modulation einherziehenden Wolken-Gebildes hob seinplastischer Genius, gleich dem Lesbi'schen Tragelaph, hier einenFuss, dort einen Arm, hier eine Nase und wieder ein Auge heraus,und setzte Euch so diese Gestalt tiefer Empfindung zusammen, diefreilich nicht einem jeden gleich anschaulich sein dürfte, aber denWeisen belohnen wird, sie zu studiren.

Und nicht genug an einer Gestalt! Aus ganz verschiedenartigenPhrasen dieser Phantasie bildete er eine doppelte sogar, und kneteteso künstlich am widerstrebenden Stoffe, dass er die zweifache Situation,Hamlet, der über den Selbstmord räsonnirt, und die des Socrates,der im Begriff steht den Giftbecher zu trinken, vor dem verwundertenHörer auspunktirte.

. . . Ich glaube fast, dass dieser excentrische Versuch zu denwichtigsten Neuerungen gehört, auf die je ein Kenner verfallen ist,und dass er einem denkenden Künstler, der sich nicht immer unterdie Sklaverei des Hergebrachten schmiegt, eine Wünschelruthe seinmag, manche tiefliegende Goldader in den geheimen Schachten derMusik zu erspähen, indem er durch die That beweist, was für ganzandere Effecte noch aus dieser dithyrambischen Verbindung von In-strumental- und Vocal-Musik resultiren können, als bei der bisherigen,in eigensinnigen Formen und Rhythmen eingezwängten möglich sind.

Schulz, der zuerst auch hier Licht sähe und in verschiedenenGesangstücken die Taktstriche und das willkürlich angenommeneJoch, das sie mit sich führen, abwarf, wäre der Mann, sie zunutzen."

Man sieht, auch das Ende des 18. Jahrhunderts hatte seine Zu-kunftstheorien. Ist es nicht grade als ob man hier den Lehren einesMusikers der neueren Schule lauschte, die in dem Zerbrechen derForm, dem Abstreifen der als lästiger Zwang verschrieenen Regeln,die den freien Flug kühner Seelen hindern, das Wesen der Kunstsuchen möchten? Und doch war Gramer ein Mann von eminentklassischer Richtung und sein Zukunfts-Musiker war Philipp Ema-nuel Bach!