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seine Schriften ganz verstanden habe und Gebrauch davonzu machen wisse. Haydn hatte bei dem Kauf des Werksviel auf den Zufall ankommen lassen. Das Glück war ihmbesonders hold. Es spielte ihm unter so vielen den höchstenTreffer in die Hände."
„Hätte ihm", setzt der Biograph hinzu, der diese Mit-theilung nach Haydn's eigenen Angaben auf uns gebrachthat 1 ), „der Zufall Kirnberger's Schriften statt derjenigenBach's in die Hände gespielt, vielleicht wäre sein Bildungs-Gang ein anderer geworden." Welche grössere Genug-thuung, welch' höherer Lohn könnte seiner mühsamenund schwierigen Arbeit zu Theil werden' 2 )? Wäre er nichtauch sonst ein Mann gewesen, dessen schöpferischem Geiste,dessen liebenswürdiger Phantasie, dessen reicher Erfindungs-gabe Bewunderung und Verehrung im reichsten Masse ge-bührten, dieser eine Erfolg von so ausserordentlicher Be-deutung und Tragweite würde hingereicht haben, sein
0 Dies, Biographische Nachrichten von J. Haydn. S. 37.
Uebrigens studirte Haydn auch noch Matthesons vollkommenenKapellmeister und das Lehrbuch von Fux. Kirn berger fand erzu ängstlich, „zu viele unendlich kleine Fesseln für einen freien Geist.' 1
2) Auch Reichardt, in dessen Jugendzeit das Erscheinen diesesWerkes fiel, darf als einer derjenigen genannt werden, die ihm einengrossen Theil ihres theoretischen und praktischen Wissens verdankthaben.
J. A. P. Schulz sagt in seiner Selbstbiographie (von Ledebur,Berliner Tonkünstl.-Lex. S. 529): „Schmiigel (sein Lehrer 1761)hatte eine artige Sammlung Musikalien von den neuesten BerlinerComponisten, die damals in Deutschland für die Muster der Kunstgalten. Er hatte auch mehrere zu der Zeit in Berlin geschriebeneBücher (darunter offenbar Bach's Versuch und Kirnberger's Kunstdes reinen Satzes) über die Musik und was dazu gehört. Ich ver-schlang das Alles mit der grüssten Begierde. Bach und Kirnbergerwurden meine Helden für die praktische, so wie Marpurg für dietheoretische Musik."
Die Leipziger Allg. Mus. Zeit. Jahrgang 13. S. 667, in dem sieHaydn's Worte bestätigt: „Alles was ich weiss, habe ich vonEmanuel Bach," fügt hinzu: „Ebenso dachten die übrigen jüngerenKünstler der Zeit, von denen Gluck, der Harfenist Krumholz, derFlötist Du Ion, Clementi und Pleyel zu nennen sind."