des Satzes dargestellt finden, indem sie nicht nur der Oom-position folgen, diese stützen und verschönen, sondern da-bei auch den Anspruch auf eigne künstlerische Bedeutungkeineswegs bei Seite setzen sollen? Eine übergrosse Mongevon Musikstücken. aus dem vorigen Jahrhundert erscheintleer, trocken, kahl, weil die dazu notliwendige ausfüllendeBegleitung fehlt und jene spielende Leichtigkeit, mit dersie damals hingestellt werden konnte, verloren gegangenist. Dies Buch lehrt uns, wie die alten Partituren gelesenund gespielt werden müssen.
Bei aller Trockenheit des Details, bei aller Mühsam-keit, welche die Systematisirung und Durcharbeitung dieserganzen Materie erfordert hat, entgeht dem Leser desWerks doch nirgends, wie sehr dasselbe von wahrer Liebezur Kunst getragen war, und welche Fülle von Wissenund Erfahrung darin niedergelegt ist. Dabei ist die Dar-stellung von einer Klarheit, einer überzeugenden Deutlich-keit, welche sie äusserst vortheilhaft vor dem unklarenSchwulst ähnlicher Arbeiten der späteren Zeit auszeichnet.
Neben dieser Schrift haben Kirnberger und Kittel,jener durch seine „Kunst des reinen Satzes", dieserdurch den „Angehenden Organisten", die übrigenMaterien der Schule ihres grossen Lehrers der Nachweltüberliefert. Durch diese Werke ist Sebastian Bach'sganze Lehrmethode unserer Zeit erhalten und klar gelegt.Wir ersehen daraus, dass hier die Grundlagen alles musi-kalischen Wissens nachgewiesen sind, dass die nachfolgendegrosse Musik-Epoche nur die künstlerischen Consequenzenaus ihnen ziehen und sie auf neue Formen, veränderteIdeenkreise und erweiterte Mittel der Darstellung an-wenden konnte.
Quantz, Em. Bach, Ivirnberger und mit ihnenMarpurg und Sulzer haben das damalige Berlin zumHaupt- und Vorort für die Theorie der Musik erhoben.Freilich machten sie, wie Reichardt sich treffend aus-drückt, den harmonischen gelehrten Theii der Musik (eine