heit im Verändern, die sieh auf Kosten des Ausdrucksgeltend macht, als die sonderbaren Verzierungen einerCadenz, die nur um des Beifalls willen geschaffen wordenist, höher als das Jagen und Haschen nach dem Bravodes Zuhörerkreises. Man ersieht aber auch aus dieser Vor-rede, was für die Beurtheilung der Ciaviertechnik desvorigen Jahrhunderts von Bedeutung ist, dass
1. bei den Wiederholungen das Verändern und Ver-zieren für ebenso unentbehrlich gehalten und vondem Publikum erwartet und verlangt wurde, wiedies bei den Wiederholungen der Arien der Fallgewesen ist;
2. dass ein gleich hoher Werth auf die Einflechtunglanger, mit Ausschmückungen reichlich versehenerCadenzen gelegt wurde;
3. dass die Ciaviervorträge stark geübt zu werdenpflegten, womit die Vorbereitung auf das Ver-ändern und Verzieren sowie auf die Cadenzen ver-bunden worden sein wird;
4. dass das Jagen nach dem Beifall des Publikumsnicht erst ein Product der neueren Zeit ist.
Dass gleichzeitig mit der deutschen Ausgabe ein zweiterAbdruck mit französisch geschriebener Vorrede erfolgenmixsste, ist nebenbei ein Zeichen, dass der deutsche Künstler,dessen Ai'beiten schwerlich bis Frankreich vordrangen, nichthatte hoffen dürfen, in seinem Vaterlande in der Mutter-sprache von Allen verstanden oder mindestens geschätzt zuwerden.
In jedem Falle hat man in dem vorliegenden Werkeden Versuch eines Kampfes gegen den Ungeschmack unddie Vordringlichkeit schlechter Virtuosen zu erkennen,dessen Aufnahme einem Manne von der künstlerischenBedeutung Bach's nicht hoch genug angerechnet werdenkann. Da diese Sonaten für „Anfänger und solcheLiebhaber" gesetzt waren, „denen es an Geduld undZeit zur Uebung und zum Studium fehlte," so ist