Druckschrift 
1 (1868)
Seite
69
Einzelbild herunterladen
 

soll, zu verändern: ist er auch allezeit dazu aufgelegt?Ereignen sich nicht bey unbekannten Sachen desswegenneue Schwierigkeiten? Ist nicht die Hauptsache beym Ver-ändern diese: dass der Ausführer sich und zugleich demStücke Ehre mache ? Muss er nicht folglich beym zweytenmahle eben so gute Gedanken vorbringen? Jedoch dieserSchwierigkeiten und des Missbrauchs ohnerachtet behaltendie guten Veränderungen allezeit ihren Werth. Ich be-ziehe mich übrigens auf das, was ich am Ende des erstenTheils meines Versuchs hievon angeführt habe.

Bey Verfertigung dieser Sonaten habe ich vornehm-lich an Anfänger und solche Liebhaber gedacht, die wegengewisser Jahre oder andrer Verrichtungen nicht mehr Ge-duld und Zeit genug haben, sich besonders stark zu üben.Ich habe ihnen bey der Leichtigkeit zugleich auf eine be-queme Weise das Vergnügen verschaffen wollen, sich mitVeränderungen hören zu lassen, ohne dass sie nöthig haben,solche entweder selbst zu erfinden, oder sich von anderenvorschreiben zu lassen und sie mit vieler Mühe auswendigzu lernen. Endlich habe ich alles, was zum guten Vor-trag gehöret, ausdrücklich angedeutet, damit man dieseStücke, allenfalls auch bey einer nicht gar zu guten Dis-position, mit aller Freyheit spielen könne.

Ich freue mich, meines Wissens der erste zu seyn,der auf diese Art für den Eutzen und das Vergnügenseiner Gönner und Freunde gearbeitet hat. Wie glücklichbin ich, wenn man die besondere Lebhaftigkeit meinerüienstbeflissenheit hieraus erkennt.

Berlin, im Monat Julius 1759.

C. P. E. Bach."

In diesem nach mehr als einer Seite hin bemerkens-werthen Schriftstück findet man den Verfasser vor allemauf dem Standpunkt, der dem Künstler ziemt und vondem aus der Versuch über die wahre Art des Ciavier-spiels geschrieben ist. Ihm steht die Eihheit der Gedanken,ihr richtiges Verhältniss zu einander höher als die Kühn-