— 49 —
der neueren Instrumental-Technik Genüge zu leisten. Undso sind seine Ciavierstücke nicht bloss für seine, sondernauch noch für unsere Zeit geschrieben.
Emanuel Bach hat bei diesen, wie auch bei manchenseiner anderen Compositionen, nicht überall den absolutenStandpunkt im Auge gehabt, den die Kunst streng genommenerfordert und den man in den Arbeiten seines Vaters und indenen Beethoven's so" unverrückbar fest gehalten findet.Er war ein praktischer Kopf und schrieb für Bedürfnisse undForderungen, die nicht immer mit den Bedingungen reinkünstlerischer Zwecke in Uebereinstimmung waren. Roch-litz behauptet 1 ), Bach habe seine Musikstücke für ver-schiedene Klassen von Spielern gearbeitet und diese immerstreng geschieden. Zur ersten Klasse hätten die Schülergehört, für die er Uebungsstiicke gesetzt habe; zur zweitenKlasse habe er die Virtuosen gerechnet, für die erschwere, oft ungewöhnliche Sachen geschrieben; die dritteKlasse habe die Musik bezahlen müssen, damit ervon der Einnahme aus derselben bequem und angenehmhabe leben können; in der vierten Klasse endlich seiendiejenigen gewesen, die er auf den Titeln als „Kennerund Liebhaber" bezeichnet habe. Diese Klassificirungmöge man im Auge behalten, wenn man aus Bach's Ar-beiten Resultate ziehen will, die für die Kunstgeschichtevon Werth sein sollen.
Von den Arbeiten Bach's aus seiner früheren Zeit(in Frankfurt und Leipzig) ist nur Weniges bekannt. Esmag gestattet sein, seines Erstlingswerkes für die Oeffcnt-lickkeit, der im Jahre 1731, also in seinem 17. Lebens-jahre von ihm selbst in Kupfer gestochenen Menuett mitübergeschlagenen Händen als einer Arbeit, welche mitseinem künstlerischen Charakter in keinem weiteren Zu-sammenhange steht und etwa als ein gelungener Schiiler-
i) Dialogen über musikal. Zeit-Gegenstände. Leipz. Allg. M.-Z.Jahrgang 25. S. 90.
Bitter, Emanuel und Friedemann Bach. 4