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1 (1868)
Seite
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Wie wolil Bach's Ciavierstücke sehr oft eine populäreFarbe tragen, so findet man doch in ihnen Unterhaltungs-Musik in dem gewöhnlichen Sinne des Wortes nirgends.Bach vereinte in seinen Clavier-Compositionen die strengeSchule seines Vaters, dessen kunstvolle Architektonik undharmonischen Reichthum mit dem Schmelz der italienischenCantilene'). Wie Sebastian Bach in seinen Olavierwer-ken französische Eleganz, italienischen Wohlklang unddeutsche Gemüthstiefe zu vereinigen wusste, so war der Sohnsich bewusst,das Propre und Brillante des französischenGeschmacks mit dem Schmeichelhaften der welschen Artzu vereinigen."" Viele seiner Zeitgenossen hielten ihn fürbarock. In jedem Falle war er in allen Olavierschöpfungen,die nicht einen völlig secundären Charakter tragen, genial,kühn in seinen Harmonien, unerschöpflich in Erfindungund Gedankenfülle. Wenn Kirnberger-) von SebastianBach's Fugen sagen konnte, jede derselben trage einengenau begrenzten Charakter an sich, durch welchen siesich von allen übrigen unterscheide, so konnte Reichardt 3 )mit nicht geringerem Rechte von Emanuel Bach's Sonatenbehaupten:Jede hat etwas Besonderes, wodurch sie sichvon allen anderen deutlich unterscheidet. Ohnmöglichwäre es, zu sagen:die beiden Sonaten gehören zu-sammen, das ist ein Paar."

Seine Zeit war die des Uebergangs der alten Instru-mental-Technik für das Ciavier in den Gebrauch deranderen Instrumente, des verbesserten Flügels und desPianöforte. Obschon Bach selbst bis an sein Lebensendedem Clavichorddem Instrumente der Bache," rnrdseinem Silbermann'schen Claviere insbesondere treu ge-blieben ist, auf diesen Instrumenten Wunder der Ausübungvollbringend, so war er doch geistig frei genug, um auch

1) E. F. Baumgart, Vorrede zu der neuen Ausgabe der Sonatenfür Kenner etc. Breslau bei Leuckart.

2) Kunst des reinen Satzes. Tli. I. S. 203.

3) Briefe eines aufmerksamen Reisenden. Th. II. S. 10.