Ans der vorstehenden durchweg auf authentischenMittheilungen beruhenden Darstellung des musikalischenLebens am Hofe Friedrich's des Grossen wird der ge-neigte Leser einen ungefähren Einblick in die Verhält-nisse erlangt haben. Die Aufmerksamkeit des Königswar nach dieser Seite seines merkwürdigen Lebens hinzwischen der Pflege der grossen (italienischen) Oper undzwischen der Kammermusik getheilt, in der die Uebungdes Flötenspiels weitab die bedeutendste Stelle einnahm.Dies hat oft genug Veranlassung gegeben, die Einseitigkeitzu tadeln, mit welcher die Musik am Hofe des Königsbehandelt worden sei. Doch sind auch die Urtheile, diehierüber laut geworden, sind nicht ohne Einseitigkeit.Friedrich der Grosse war ein besonderer Verehrer desitalienischen Opernstyls, aber die Opern der Italiener liess ernicht auf seine Bühne kommen. Graun und Hasse, diedeutschen Tonsetzer, waren seine Männer. Die franzö-sische Musik (Gluck vielleicht mit eingerechnet) mochteer nicht. In der Kammer überwog bei ihm das Interessefür sein eigenes Instrument, und er blies ausser seineneigenen nur Flöten- Concerte von Quantz. Alles diesdarf nicht hindern anzuerkennen, dass Friedrich derGrosse einer der Haupthebel der musikalischen Bildungseiner Zeit gewesen ist. Mag er mit dem herannahendenAlter hinter dem Fortschritt zurückgeblieben sein, in wel-chem wir die Kunst am Schlüsse seines Jahrhunderts be-wundern, finden wir auch keine Spur davon, dass er fürdie Tonwerke Händel's oder Gluck's, deren Glanz-periode in die Zeit seiner Regierung fiel, Sympathie ge-zeigt habe, so ist es doch Thatsache, dass ausser den be-deutenden Musikern seiner Umgebung Sebastian Bachvon ihm hochgeschätzt, mit Königlicher Gunst empfangenund behandelt worden ist. Ebenso ist es unzweifelhaft,dass sein Beispiel, sein Mitwirken, seine persönlicheUebung einen bedeutenden und nachhaltigen EinflusS aufdie musikalische Bildung und die künstlerischen Bestre-
Druckschrift
1 (1868)
Seite
30
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