— 31 —
billigen nicht bloss seiner Hauptstadt, sondern auch seinerZeit überhaupt ausgeübt haben. Dies beweist schon derZusammenfluss und das Zusammenwirken so vieler musi-kalischer Kräfte, die sich unter ihm, ungeachtet seinergrossen Vorliebe für die italienische Musikrichtung, zu derklassischen Berliner Schule zusammen fanden undfast ein halbes Jahrhundert lang wahrlich nicht ohneWirkung und Erfolg mit einander gewirkt haben. Diesbeweist ferner nicht weniger der bedeutungsvolle Umstand,dass, während diese Männer in der Oper wie in denKammermusiken vollauf thätig waren, sich gerade durchsie nicht bloss cler neuere deutsche Styl zu entwickelnbegann, sondern dass sich zu gleicher Zeit auch in ihnenfür die Theorie der Musik eine Pflanzschule bildete, derenResultate die künstlerische Richtung ihrer Zeitgenossenweithin überdauert haben. Wäre dies möglich gewesen,wenn Friedrich's des. Grossen musikalische Richtungnicht klassischer Natur gewesen wäre? Gehörten die bei-den Graun, die Benda, .Fasch, Agricola, Nichelmannund Bach nicht der klassischen Schule an? Und bezeugtnicht das treffliche Werk von Quantz über die Flöte,dass dieser grosse Künstler durch und durch von dem alt-klassischen Geiste der Musik erfüllt war? In Dresdenhatte die grosse, besonders reich ausgestattete und vonHasse so trefflich geleitete Oper unter August III. kei-nen anderen Zweck, als den der Unterhaltung für denKönig und den Hof. Friedrich II. diente mit seinerOper der Kunst. Er leitete sie bis in das Detail hineinselbst. Wenn dies unter Umständen für die Personen,die dabei mitzuwirken berufen waren, lästig sein konnte,so gab es dem Ganzen doch ein gewisses Gepräge vonBedeutung und Grösse, das wohl geeignet war jene per-sönlichen Uebelstände als untergeordnet und erträglicherscheinen zu lassen, zumal einem Manne wie dem grossenKönige gegenüber.