— 11 —
üebrigens war wohl das Haus Sebastian Baeh's nichteben der Ort, seine Söhne etwas Anderes als wirklicheKünstler werden zu lassen. Die unausgesetzte Beschäfti-gung mit der Kunst, die Hilfe, welche sie dem Vater beimAusschreiben der von ihm eomponirten Stücke und selbstbeim Stechen einiger derselben leisten mussten, der Um-gang mit den zahlreichen zum Theil ausgezeichneten undtalentvollen Schülern des Vaters, die Musik-Uebungen inder Thomas-Schule, die Aulführungen in der Thomas- undNicolai-Kirche, alles das konnte ein anderes Bewusstsein,als das der vollkommensten Zugehörigkeit zur Musik beiihnen gar nicht aufkommen lassen. Emanuel Bach sagtselbst: „Der Mangel an auswärtigen Reisen würde mirbei meinem Metier mehr schädlich gewesen sein, wenn ichnicht von Jugend an das besondere Glück gehabt hätte,in der Nähe das Vortrefflichste von aller Art von Musikzu hören und sehr viele Bekanntschaften mit Meisternvon erstem Rang zu machen und zum Theil ihre Freund-schaft zu erhalten. In meiner Jugend hatte ich diesenVortheil schon in Leipzig, denn es reiste nicht leicht einMeister in der Musik durch diesen Ort, ohne meinen Vaterkennen zu lernen und sich vor ihm hören zu lassen. DieGrösse dieses meines Vaters in der Composition, imOrgel-und Ciavierspielen, welche ihm eigen war, war viel zubekannt, als dass ein Musikus von Ansehen die Gelegen-heit, wenn es nur möglich war, hätte vorbei lassen sollen,diesen grossen Mann kennen zu lernen." Dass er auchschon als Knabe manchem Künstler in Spiel und Compo-sition überlegen war, und dass Sebastian Bach hiervoneine sehr deutliche Einsicht gehabt hat, das ergiebt sichzur Genüge aus der bekannten Geschichte, die sich indessen Hause mit dem Orgel- und Klavierspieler Hurle-busch aus Braunschweig zugetragen hat 1 ).
So kann es wohl schwerlich als ein blosser Zufall be-
L ) Bitter, J. S. Bach. Tb. II. S. 302.