konnte sein Unterricht in der Compositum darauf hinaus-laufen 1 ). Wer so lehrt, lehrt nur für Künstler und solche,die es werden wollen. Oder möchte man glauben, dassdie zahlreichen und gediegenen Arbeiten, die jener grosseMeister für Unterrichtszwecke schrieb, das Orgelbüchlein,die Inventionen, die Clavier-Uebungon, das Avolil-temperirte ülavier u. a., die Ausbildung von Lieb-habern hätten fördern sollen? Seb. Bach diente mitseinem ganzen Sein und Leben der Kunst. Ihrer Förde-rung, ihrem Dienste war auch die Erziehung seiner Kindergewidmet. Wo er nur geringeres fordern durfte, z. B. beider Unterweisung seiner zweiten Gattin Anna Magdalena,sehen wir ihn, wie deren Gedenkbuch zeigt 2 ), ganz andersauftreten.
In jedem Falle war der Unterricht, den Em. Bachvon seinem Vater genossen hat, auf seine künstlerischeAusbildung gerichtet. Wenn dies noch einer Bestätigungbedürfte, so würde diese unschwer in den Coucerten zufinden sein, die Seb. Bach für seine Söhne geschriebenhat, und von denen die zwei Flügel-Concerte mit Quartett-Begleitung (in C-dur und E-moll) in die Zeit von 1728oder 1729, die beiden Ooncertc für 3 Flügel aber (in G-durund D-moll) in das Jahr 1731 fallen. Man denke sichden grössten Ciavierspieler seiner Zeit mit seinen beidenSöhnen an drei Flügeln diese Conccrte spielend, in denendie Schwierigkeiten, Avenn nicht ganz gleich vertheilt, dochsicher bedeutend genug waren, um in der AusführungKünstlerhände zu erfordern, und man wird sich sagenmüssen, dass es auch in der musikalischen Erziehung eineGrenze giebt, bei der die Richtung auf das blosse Lieb-haberwesen durchaus aufhört.
Dieser Art der Erziehung hat dann auch die AveitereFolge A r on E manu ei Bach's Lebenslauf entsprochen.
') Bitter, J. S. Bach. Tk. I. S. 301 ff.
2 ) a. a. 0., Tb. I. S. 122.