Natur darauf hindrängte, ihn zum Künstler zu machen,und der noch eine Zeit lang mit seinem Bruder Emanuelgemeinschaftlich von dem Vater unterrichtet wurde, hattePhilosophie, Jura und Mathematik studirt. Im Allgemeinenaber war es Sitte der Zeit, dass die Eltern, welche irgend-wie die Mittel dazu erschwingen konnten, ihre Söhne aufdie Universitäten schickten, auch wenn es nicht eigentlichin ihrer Absicht lag, das Studium die Grundlage ihrerLebensstellung werden zu lassen. Agricola, 6 Jahrejünger als Emanuel, studirte zu Leipzig die Rechte, wäh-rend er Sebastian Bach's Schüler in der Musik war,und der Ratli zu Hamburg nahm für seine Musik-Director-stelle am Johanneuni nur studirte Leute in Anstellung.
Wäre dem aber auch nicht so gewesen, so würde mandoch aus der Anlage, die Emanuel für die Musik zeigteund die, wie ein späterer Zeitgenosse 1 ) von ihm erzählt,so gross war, dass er schon in seinem eilften Jahre dieStücke des Vaters, wenn dieser sie setzte, über dessenSchulter weg zu spielen vermochte, so wie aus der Naturdes Unterrichts, den er empfing, kaum darauf schliessenkönnen, dass er die Musik bloss zu seiner Freude habelernen sollen.
Freilich ging nach der Sitte und dem Bedürfniss derZeit der Unterricht im Ciavierspiel mit dem der Theorieder Musik Hand in Hand und ein gebildeter Liebhabermusste mehr leisten können, als man etwa heut zu Tagevon einem solchen zu fordern berechtigt sein würde. Den-noch fand auch damals ein merkbarer Unterschied zwischender Ausbildung eines Liebhabers und der eines Musikersvon Fach statt. Dieser Unterschied war in der Lehr-methode Sebastian Bach's in auffallendem Grade be-merkbar.
Dieselbe war keineswegs darauf berechnet, blosseLiebhaber im Ciavierspiel auszubilden. Noch weniger
') Schubarth. Aesthetik der Tonkunst. S. 177.