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3 (1893) Vom Jahre 1879-1893
Entstehung
Seite
314
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Mit großer Bcsorgniß sahen wir wehr und mehr seineKräfte schwinden. Sein Geist arbeitete in fieberhafterHast und schien an Klarheit immer mehr zu gewinnen.Noch sieben Betrachtungen mußte er ausarbeiten, um seinegroße erbauliche Erklärung über das Alte Testament zubeendigen. Viel haben wir in jenen Tagen über die end-liche Beendigung der jahrelangen Arbeit gesprochen undPläne zu neuen historischen Schriften entworfen. Der Plötz-liche Tod hat ihn an allen diesem gehindert.

Mit der Ernährung ging es immer schlechter. Stetsklagte mein Vater über großen Druck in der Magengegend,öfter auch über heftige Schmerzen dortselbst. Oester konnteer noch nicht einmal eine Tasse Bouillon zu sich nehmen.Geraucht hat er wenig in der letzten Zeit, da sein Geschmackmeist unangenehm war. Mit herzlicher Betrübniß sah ichdies alles, hoffte aber doch, daß die milde Frühjahrs- unddie warme Sommerluft ihn völlig genesen lassen werde.

. Sein Gang, der bisher so fest gewesen, die Stimme,die so männlich stark geklungen, sie wurden matt und schwer.Und doch wie traulich und eindringlich waren seine Unter-haltungen, gleichsam als wollte der Geist der Liebe nochmit letzter Kraft auf all dem Schönen und Herrlichen, dasihm diese arme Erde geboten, weilen.

Wie bisher hielt er am 8. März, wenn auch mitgroßer Schwachheit des Leibes, die Morgen-Andacht undReligionsstnnde in der Schule mit väterlicher Verwöhnung.Es war die letzte Schulstunde, die er halten sollte. AmNachmittag arbeitete er noch an seinen AlttcstamentlichenBetrachtungen und gab von 34 Uhr eine Privatstunde.Am Abend er eine leichte Eierspeise, die ihm auch gutzu bekommen schien.

Nach dem Abendessen las ich ihm einige lieblicheStellen aus dem früher von ihm bearbeiteten Lebensbildans der Brüdergemeinde: Andreas Kremser, vor, die erans dem Sopha ausgestreckt mit glücklichem Lächeln anhörte.Dann richtete er sich in die Höhe und in demselben Augen-blicke, als er auf dem Sopha saß, neigte sich sein Haupt.