Druckschrift 
3 (1893) Vom Jahre 1879-1893
Entstehung
Seite
288
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Mutter der Waisen, die ihrer Pflege und Obhut anver-traut wurden. Wer wollte verkennen, wie schwer ihr Berufwar. Sie war wahrlich dabei nicht auf Rosen gebettet.Denn wenn sie auch verstand hauszuhalten und mit wenigenMitteln viel auszurichten, und wenn auch Gott ans ihrtreues Haushalten seinen Segen legte, daß die vielenKleinen anständig und ordentlich gehalten werden konntenin Nahrung und Kleidung, es kamen doch mancherlei ernstereSorgen, und es gehörte ein Gcbctslcbcn und ein lebendigesVertrauen auf Gottes gnädige Durchhülfc dazu, damit derMuth nicht sank, damit eine immer gleichmäßige Freund-lichkeit und Zuversicht das Haus belebte.

Aber schwerer als die äußeren Sorgen war doch dieBethätignng der Mutterpflicht an der immer wechselndenund nach der Natur der Sache gar verschieden geartetenSchar der Knaben und Mädchen, die nach und nach nnterihre mütterliche Aufsicht gestellt werden. Wer da weiß,wie schwer es ist, die eigenen Kinder zu erziehen, der wirdsich eine Vorstellung machen von der Schwere des Berufesder Entschlafenen. Eine aufopfernde Liebe mußte sie be-weisen und hat sie bewiesen! Sie konnte es, weil sie eineChristin war, weil sie sich fühlte als eine Dienerin dessen,der selbst die Kinder lieb hatte. Sie hat wohl hier undda Undank erfahren müssen, aber das hat sie nicht abge-halten, sondern nur angespornt zu noch größerer Liebe.Aber im Großen und Ganzen hat sie doch schöne Früchteihrer Thätigkcit sehen dürfen. Denn sie hat doch an vielenKindern Freude erleben und die manchmal aus gar traurigem,verwahrlostem Zustande ihr übergeben wurden, als tüchtigeund strebsame Jünglinge und Mädchen ans jenem Hausegehen sehen. Und es ist ein Beweis, daß vielen, der indem Waisenhause erzogenen Kinder dies Haus ein rechtesElternhans geworden ist. die Thatsache, daß auch die ihmlängst Entwachsenen selbst aus großer Entfernung gernwieder auf Stunden oder Tage, ja wenn sie krank oderstellungslos sind ans längere Zeit hierher zurückkehren.Daß eine solche Anhänglichkeit der Zöglinge au das Haus