sie ertrug alles mit stiller Geduld im festen Glauben anihren Erlöser, hoffend, er werde sie bald den Ihrigengcsnnd wieder schenken. Und diese Hoffnung hat sie biszum letzten Stündlein festgehalten.
Sehr bald artete die Krankheit aus in eine Wasser-sucht und bereitete ihr unaufhörlich große Schmerzen, die»vir nur von Ferne ahnen konnten, weil unsere gute Mutterden Ihrigen zu Liebe nicht klagen wollte und mochte. Massie auSgehalten und erduldet, wußte nur sie und Gottallein. Mcuschcnhilfe und Menschenknnst waren vergeblich!O wie herzlich berührten sie die Beweise der allgemeinenliebevollen Theilnahme von nah und fern, die sie währendihrer schweren Krankheit erfahren hat! Ueber jede, wennauch noch so geringe Erfrischung und Erleichterung ihrerschweren Lage konnte sie sich so sehr und inniglich freuen.
Aber ihre Tage waren gezählt. Nachdem sie EndeMai eine Operation bestanden hatte, von der sie völligeGenesung hoffte, hat sie noch gerade vierzehn Tage stillihr Kreuz getragen, bis zum Tode ermattet. Doch hofftesie, auch diese Ermattung werde vorübergehen. Und fastwollte es so scheinen. Aber der Herr hatte es in seinemunerforschlichen Rathe anders beschlossen. Am Sonnabend,den l>. Juni, war sie noch Nachmittags aufgestanden, wiesie denn überhaupt jeden Tag ans einige Stunden ihrLager verließ, ließ sich noch in ein anderes Zimmer führen,und nachdem sie dort bis Abends 5 Uhr gesessen, undmeine Schwester Wilhelmiue ihr vorgelesen hatte, ging sieganz allein zurück, ließ sich zu Bette bringen und lag dortstill und ruhig bis sechs Uhr. Dann verlangte sie anseine andere Seite gelegt zu werden sallein vermochte siedas nicht), aber im nächsteil Augenblicke drang ein Blnt-strom ihr aus dem Munde. Darauf lag sie noch ohneSprache etwa drei Minuten. Mein Vater beugte sich zuihr hernieder und sagte ihr mit lauter Stimme ins Ohrdie Worte: „Glaube an den Herrn Jesum -Christum, sowirst du selig!" Dann bewegte sie noch einigemnle dieLippen, als ob sie Abschied nehmen wollte, aber es klang