- 280 —
lauteten die Nachrichten ans der Heimath nicht immergünstig. Meine liebe Mutter war ja krank, mehr denn je.Das ist schmerzlich für ein treues Kindesherz, wenn dieGenossin unserer Jugend dahin siecht, wenn das Herz, demwir uns am liebsten anvertrauen mochten, von Qualenund Sorgen um das leibliche Wohlergehen bedrängt wird.Es thnt tveh, sich mit dem Gedanken vertraut machen zumüssen, daß sie nnu bald für immer schlafen gehen könnte,bitterweh, wenn ein Kindcsherz so an seiner Mutter gehangenhat, wie meines. Das Jahr ging zu Ende in dem Sinneund mit den Gedanken des köstlichen Liedes:
Das Jahr acht still zu Endc,
Nun sei auch still mein Herz!
In Gottes treue HändeLcq' ich nun Freud' und Schmerz.
Und was dies Jahr nmschtossen,
Was Gott der Herr mir weiß,
Die Thräncn, die geflossen,
Die Wunden brennend Heist.
Warum es so viel Leiden,
So kurzes Glück nur gicbt?
Warum denn immer scheidenWo wir so sehr geliebt?
So manches Aug' gebrochenUnd mancher Mund nun stumm,
Der erst noch hold gesprochen —
Du armes Herz, warum?
Ein Magenleiden, das ihr schon länger beschwerlichwar, verschlimmerte den Znstand meiner Mutter von Tagzu Tag. Dennoch ließ sie sich nicht abhalten, mit liebe-vollen: Eifer ihren Pflichten nachzukommen und rüstig zuschaffen von früh bis spät. Seit dem Sommer 1882 warsie zu Zeiten wochenlang ans Bett gefesselt. Ihr Znstandbildete sich aus zu einer Rippenfellentzündung. Seit derZeit hat sie sich nie wieder ordentlich erholen können. Dieis83 Leiden mehrten sich. Von Ostern dieses Jahres an konntesie das Bett nur noch auf wenige Stunden des Tagesverlassen. Ihre Schmerzen wurden immer heftiger, aber