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2 (1764) Des oekonomischen Lexici zweyter Theil
Entstehung
Seite
3235-3236
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z-z; Wirtschafft

Eeschäffte, die man zur Nothdurfft mit Geld,Geldes-Werth, Diensten und Credit vornimt,heißt- in dcm einen und andern Sinnverstehet mans offt, wenn man spricht: Estreibe einer Wirtschaffr. Jedoch wird gemei-niglich die han^wirtschafftliche Wirrschafft dar-unter verstanden. Allein in noch engerm Ver-stände nimmt man das Wort und diese Re-dens-Art , wenn man dadurch eigentlich dasbesondere Nakriinas- Geschafft der Gast- oder«zchenck-icvn'rsckafft verstehet, und spricht:Es treibe emer Wirtschafft, das ist, er halteGast- oder Sehen ck-Wirtschafft. Viele undsonderlich ehemals glaubten auch, das rechteeigentliche Wirtschafften werde vornemlich aufdem Lande mit dem Feld-B.?» und dcr Vieh-zucht getrieben. Und dcher verstund manauch durch einen, dcr Wirtschafft triebe, ei-gentlich einen Landwirt, und contradistinguir-te also sein Gewerbe von denen andern Nah-runasMrten in Städten, bey Höfen, unter de-nen Soldaten :c.Ia,man verstehet noch sonder-lich in Nieder-Sachsen per ex e»enli>im durc»einen Wirt, eine Landwirt oder einen Gastwirt,«der prasclle eincn guten Wirt, lilid dieböieWirtschafft, würdiget man nicht einmal diesesNamens. Wirtschafft und Wirtschafft trei-ben, heißt also in diesem Sinn eigentlich guteWirtschafft treiben, und daher spricht manvon einer schlimmen Wirtschafft: Es wirdkeine Wirtschafft getrieben, oder er ist keinWirt. Man stehet also, daß in allen diesenBedeutungen entweder wirtschafftl. Geschäff-te, oder zusammen gesellte Personen, die solchetreiben, verstanden werden, oder man zeigt einebesondere Art, eine besondere Eigenschafft, ei-nen besondern Ort, und dergleichen von dieserSache an. Und daher nimt mans bald im weitläufftigen, engern, und allerengcsten, iedvchbey allen wiederum in verschiedenenVerstandeWie nun eine so grosse Vieldeutigkeit, undein so gar schwankender Sprach-Gebrauch ei-nes Wortes oder ein l^rminuz n°n K»u5.theils daher kommt, wenn sich so vielerlei, Leu-te von verschiedenen Begriffen und Stufender Erkenntniß, alle gelehrte und uugelchrte,kluge und einsaitige, vornehme und verstandi-ge, geringe und gemeine Leute mit dcr Sacheoder einem Theil derselben beschäfftigen, undalso weder Begriffe noch Worte im bestimm-ten und festen Gebrauch erhalten werden kön-nen , alles aber in der Welt gewisser MassenWirtschafft treibet; theils aber auch daherkommt, wenn eine Sache in einer Nationnichtgleich, hernach aber nur stückweise nachund nach bekannt und geübet worden: Alsokan man beydcs gar sonderlich mitdem Wor-te Wirtschafft erläutern. Denn die Wirtschafft ist eine gemeine Sache, hiernächst aber1>ey uns Deutschen anfänglich sehr wenig be-kannt gewesen, nur aber mit der Zeit stück-weise bekannt worden, und sonderlich unterungelchrre« und gerinnen Leuten lange Zeit, al-lein geblieben, weil die'Gelehrten, Grossen, Ed-len und Vornehmen sonst das Wirtschafften vorwas verächtliches und lvrrll-l»- hielten, indem

Wirtschafft z-zs

sonst das meiste nur auf dem Lande mit Viehund Mist vorkam, Sclaven und Knechte allesthaten, Bauren die geringsten Leute waren,Stadt-Wirtschafft aber ein non en5 oder dochsehr geringe, die Küche aber auch so telicatnicht wie ictzo war, und all» viele eigentlicheHaus-Geschaffte der Wirtschafft fehleren,Krieg, Jagd, ein biMN Studire», Saufen,Spielen und Faullentzen aber der DeutschenSache war. Mit der Zeit aber hat sich alle«geändert. Ja nach solcher Aenderung fehle-re es auch au einer eignen Wissenschafft oderAnweisung in Lehr-Sätzen und Regel», die-ser nun immer schwerer aber auch nöthigerund nünlicher werdenden Geschafften und der-selben gemeinen und künstlichen Ausübung.Man wüste noch viel weniger von dcr beson-dern Anweisung, die publiqve Wirtschafft ei-nes gantzen Landes zu befördern und zu diri-giren, oder aber eine Privat-Wirtschafft, theilsder Fürsten, theils anderer Leute zu regieren,zu verbessern, und zu führen. Und also wü-ste man von einer occonom!schen Wissenschafft,s» ferne dadurch ein ganzer Lehr-Begriff zumUnterricht und zur Vorbereitung auf die Ui-bung dieser verschiedenen Wirtsckafft, ver-standen wird, nichts oder nicht viel, Ja manhielt gar dafür, es sey nicht möglich, einen sol-chen Lehr-Begriff, ausser dem, dcr ctwan inden allergeneraleste» philosophischen Lehrenbestünde, zu verfertigen, weil die Wirtschafftendlich so gar vieles in sich begriff, und alle8k>eciz>i-> sich in so viel 5inxul»ri!>> ja !>mßulz-riMmz vertheilte» Endlich aber verschwandauch dieser Mangel unserer Erkenntniß, undverschwindet ietzv imer mehr- Ja man erkennetnunmehro, daß die unzähligen 5mßu>>->ri->, diebey allen recht praktischen WiffenschMen v»r-handen, gar incht hinderlich sind, solche nachund nach aus Spccial, Sähe zureduciien, die-se aber in den allgemeinen Sätzen zu finden,und solcher Gestalt ein System» der wirt-schafftlichcn Wissenschafft zu machen. Ebendiese Wissenschafft nun, wenn man sonderlichdie blosse Anweisung zur Privat-Wirtschafftinsgemein, und nicht der Fürsten insbesonde-re, als welches das Caminer- und Finantz-Wesen ist, darunter verstehet, Heisset nun auchzum öfftern heut zu Tage die Wirtschafft, wennman sprichtiEr studiret, er höret die Wirtschaft,oder die Oeconomie. Solcher Gestalt aber wirddieses Wort auch vor die Lehre und eine ge-lehrte Wisscnschafftgcbrauchet, weichein derThat, sowohl bey der Policey -Wisscnschafft,oder der Lehre von der öffentlichen Landes-Wirtschafft, alsbcnderFinantz- undCainum-Wissenschafft zum Grunde lieaet. Eben diesePrivat Wirtschafft insgemein ist es nun, wel-che dieses Lexikon in zergliederten Artickelngroiientheils, wo nicht alles, nach allen 8mß»-wrui;m,5 und 6>nxull>r>bus, oder aber nach al-len Zpecialldui, doch nach dene» jzenci^Iibut'vorstellel, ob es gleich immer auch den Zusam-menhang mit der Police» und dcm Cauieral-Wcsen, sowohl als denenjenigen Disciplinen,die bey der Wirtschsffts - Lehre !»m Grunde

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