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Deutsche Speisekarte : Verdeutschung der in der Küche und im Gasthofswesen gebräuchlichen entbehrlichen Fremdwörter
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nicht in der Abhängigkeit der deutschen Kochkunst von der fran-zösischen, sondern in der beklagenswerten Unterjochung des deut-schen Geistes durch Frankreich seit dem dreißigjährigen Kriege.Als die deutschen Fürsten und Edlen ihren Stolz darein setzten,französische Sitte uud Uusitte nachzuäffen, als in Staat und Heer,in Wissenschaft nnd Kunst, im öffentlichen und im häuslichen Lebenalles auf französischen Fuß gebracht wurde, da mußte natürlich auchdie Küche französisch werden. Die deutschen Köche waren gezwungen,dieser Welschsucht nachzugeben und mit französischen -Menüs« dendeutschen Männern aufzuwarten, die vergessen hatten, daß sieDeutsche waren. Übrigens entwickelte sich die Unsitte, rein französischeTaselkarten zu gebrauchen, erst allmählich. Noch nnter Friedrichdem Großen finden wir auf den Küchenzetteln Deutsch und Fran-zösisch gemischt (vgl. E. von Makortie, Das Menu 1° S. 229).

Wenn die Deutschen des 18. und kg. Jahrhunderts alles,was französisch war, bewunderten uud verehrten, so ist das zubeklagen; es ist aber aus der Leidensgeschichte unseres Vater-landes erklärbar. Unwürdig jedoch ist es, wenn jetzt, nachdemsich Deutschland von der Vormundschaft Frankreichs befreit hat,noch immer französische Tafelkarten zum Gespött unserer Nachbarnauf deutschen Tischen liegen.

3.

Rücksicht auf Ausländer.

Der dritte Grund, der für die französische Speisekartegeltend gemacht wird, ist die Rücksicht auf die in Deutschlandreisenden Ausländer. »Wir haben oft Gelegenheit gehabtFranzosen zu sprechen-, so sagt unser Gegner in der Wochenschriftder Gasthofsbesitzer, »nahmen aber nur große Befriedigung wahr,daß ihnen der Deutsche das Reisen so erleichtere«. Also um diein Deutschland reisenden Franzosen zu befriedigen, muß derDeutsche seine Sprache verleugnen? Wie viele Franzosen undfranzösisch sprechende Ausländer reisen eigentlich in Deutschland?Es ist eine verschwindend kleine Zahl, und deshalb sollen indeutschen Gasthöfen französische Speisekarten auf den Tischenliegen?! Sehr richtig heißt es in einem trefflichen Aufsatze derZeitschrift -Daheim- (1899, Nr. 43): »Ist in einem Hotel die