Druckschrift 
Beiträge zur Geschichte der Trierer Buchmalerei im früheren Mittelalter
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

236

Schon bald nach der Absendung der Porträts an More kehrteErasmus nach Löwen zurück, diesmal mit der ausgesprochenen Absicht,sich dort dauernd niederzulassen, und bis zu seinem gänzlichen Fort-gange aus den Niederlanden im Jahre 1521 blieb er Löwen getreu.Seitdem er im August 1516 bei der Universität immatrikuliert wordenwar, begann sein Bestreben, in Löwen zu bleiben; aber erst jetzt nahmer auf den Wunsch der dortigen Theologen eine Professur in der theolo-gischen Fakultät an, obwohl eigentlich nur in Löwen Promovierte dieseStellung bekleiden konnten. Ende August schrieb er an Tunstall (App.172):Mihi adeo convenit cum tbeologis, ut velint me in suum or-dinem cooptare, quod honoris vix cuiquam impertiunt, nisi hie doctorisadepto titulum"; und ähnlich an Aegidius (App. 144): ; .Agunt nescioquid theologi de me cooptando in suum ordinem". Fast gleichlautendwiederholt er diesen Ausdruck in einem Briefe an Peter Barbier (App.230), der also auch in die letzten Tage des August gehört. Im An-fang September muss er den Kuf angenommen haben, denn am 7.schrieb er an Laurin (App 176):nondum plane consedi Lovanii, sedintra quadriduum consedero sat, idque in Collegio Liliensi apud erudi-tissimum pariter atque doctissimum virum M. Joannen! Naevium Hon-discotanum." App. 233 an Dorp, den er mit Nevius versöhnen will,ist bereits aus dem Liliencolleg geschrieben, vielleicht im Septemberoder Oktober; ein näheres Datum lässt sich nicht fesstellen.

Vollends notwendig machte seine Anwesenheit in Löwen seineBeteiligung an einer gelehrten Stiftung. Auf der Reise nach Spanien,wohin er dem Könige Karl folgte, war Hieronymus Busleyden am 27.August 1517 in Bordeaux gestorben. Schon vor der Abreise hatte erdurch Testament vom 22. Juni sein Vermögen zur Gründung einer hohenSchule bestimmt, in der die drei Kultursprachen des Humanismus, La-tein, Griechisch und Hebräisch, Pflege fänden. Unter den Testaments-vollstreckern befand sich auch Erasmus, dessen rastloser Eifer für dieSache dasCollegium triliugue" fast zu seiner eigenen Schöpfung machte.Nach einem Jahre, am 1. October 1518, konnte mit dem Unterrichtbegonnen werden').

Mit schwärmerischer Verehrung pflegte Erasmus das Andenken

') Über dasCollegium Buslidianum" vgl. Valerius Andreas, Fastiacademici studii generalis Lovaniensis. Löwen 1650. S. 275 ff., und be-sonders Fälix Neve, Memoire lnstorique et litteraire sur le College des Trois-Langues ä Louvain; in: Memoires couronnes ... et publies par l'AcademieRoyale. Bruxelles 1856. Bd. 28.