i säSa ^m warn Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. Ergänzungsheft IX. "'■'-' ■.-■'■■ ' : : WM _B$8 fflH Herausgegeben von Dr. Joseph Hansen. Enthält: 1. E. Braun, Beiträge zur Geschichte der Trierer Buchmalerei, im früheren Mittelalter (mit sechs Lichtdrucktafeln). 2. M. Keich, Erasmus von Rotterdam. Untersuchungen zu seinem Briefwechsel und Leben in den Jahren 1509—1518. TRIER. Verlag der Fr. Lintz'sehen Buchhandlung. 1896. muH BN Beiträge Geschichte der Trierer Buchmalerei früheren Mittelalter. Von Edmund Braun J)r. phil. ■■'■■■■.■■■-■.'■..■■■.■•■:■>■ p«ifPl!|ji| ■■.- .■■■; INHALT. Seite Capitel I. Ein Trierer Sakramentar vom Ende des 10. Jahrb. . . 1 Capitel II. Die Entwicklung der Trierer Buchmalerei im früheren Mittelalter ............'....... 49 Capitel III. Trier und Echternach............. 93 Capitel IV. Die Malerschule von München-Gladbach ...... 100 Anhang. Kalendar des Freiburger Sacramentars........ 111 Register....................... H? ■HHI Jskbsms ■ Ä > ..■ '■■ ■'.:■-..■ I HH "^^ HH w*sisi 'wi '' "*%■> äS ■ l&ll m HH H 1111$ p BS ü Vorwort. Vorliegende Arbeit, deren erstes Capitel im Sommer 1894 der philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg als Dissertation vorgelegen hat, war ursprünglich in grösserer Ausdehnung geplant, aber bei der grossen Zerstreutheit des Materials musste davon Abstand genommen werden. Doch beabsichtige ich, mein bereits gesammeltes Material zu vergrössern und wieder auf die Trierer Buchmalerei zurückzukommen. Meinen verbindlichsten Dank spreche ich den Vorständen und Beamten der von mir benutzten Bibliotheken und Museen aus, besonders Herrn Professor Dr. Steup, Herrn Dr. Pfaff und Herrn Dr. Längin in Freiburg, Herrn Dr. M Keuffer in Trier, Herrn Professor Dr. Adamy und Herrn Dr. Adolf Schmidt in Darmstadt. Ferner schulde ich herzlichen Dank Herrn Geh. Hofrat Professor Dr. Fr. X. Kraus in Freiburg, Herrn Donikai>itular Aldenkirchen und Herrn Domvikar Hulley in Trier, Herrn Provinzialkonservator Dr. Paul Clemen in Bonn für die gütige Überlassung seiner Notizen über Londoner, Pariser. Brüsseler und Lütticher Handschriften, Herrn Dr. K. Kautzsch in Halle und Herrn Arthur Haseloff in Berlin. Nürnberg, im März 1895. - ' j ■ Edmund Braun. Capitel I. Ein Trierer Sacramentar vom Ende des 10. Jahrhunderts. (Univers.-Bibl. in Freiburg i. B. Ms. 360a.) Die Sacramentarien des frühen Mittelalters haben ausser ihrer grossen Bedeutung für die Geschichte der mittelalterlichen Liturgie, für Pafäographie und politische Geschichte, auch einen ausserordentlich hohen kunsthistorischen Wert. Leopold Delisle, der unbestritten erste Kenner der ma. Paläographie, hat in seiner bahnbrechenden Arbeit über die „alten Sacramentarien des 7. bis 11. Jahrhunderts" 1 ) eine systematische Beschreibung (nebst Angabe der einschlägigen Lilteratur) von 127 ihm meist aus Autopsie bekannten Sacramentarien gegeben. Auf Grund dieser Publikation hat dann Springer in seiner Abhandlung: „Der Bilderschmuck in den Sacramentarien des frühen Mittelalters" 2 ) diese Klasse von Handschriften auf ihren kunsthistorischen Wert untersucht und ihnen ihre gebührende Stelle unter den mittelalterlichen Kitualbüchern angewiesen. Das [ebenfalls von Springer für die Handschriftenklasse der Psalterien bereits früher 3 ) gefundene] Grundgesetz mittelalterlicher Buchmalerei, wonach Manuskripte desselben oder verwandten Inhalts sowohl in ikono- graphischer Hinsicht — also in ihren Darstellungstypen —, als auch in ornamentaler und kalligraphischer Beziehung im Grossen und Ganzen nach einem einheitlichen Prinzipe angefertigt worden sind — natürlich unbeschadet der speziellen charakteristischen Schuleigentümlichkeiten — gilt auch für die Sacramentarien. War dieser neue Nachweis schon an und für sich von kunsthistorischer Bedeutung, indem dies oben erwähnte ') „Memoire sur d'anciens sacramentaires" in: Memoire de l'institut national de France: Academie des Inscriptions et Beiles-Lettres. T. 32. Paris 1886. Vgl. dazu Portheim in Lützows Kunstchronik XXII 1887. No. 43. S. 689 ff. 2 ) Abhandlungen d. philos.-hist. Klasse d. Kgl. Sachs. Ges. d. Wiss. XI. S. 339 ff. 3 ) Abhandlungen d. philos.-hist. Klasse d. Kgl. Sachs. Ges. d. Wiss. VIII. S. 189 ff. Westd. Zeitschrift. Ergänzungsheft IX. 1 h? Grundgesetz allgemeinere Ausdehnung und Unterstützung erhielt, so gewann diese nun auch für die Sacramentarien gesicherte Abhängigkeit der künstlerischen Ausstattung vom Inhalt, also die innere Zusammengehörigkeit beider, noch dadurch gesteigerte Wichtigkeit, dass die Sacramentarien auf Grund ihrer beigefügten Calendarien, Nekrologien, Gebete (die sich auf bestimmte lokale Ereignisse, Heilige, Feste etc. beziehen) meist eine genauere lokale und chronologische Fixierung eines scriptorium gestatten. Dadurch wird es allmählich ermöglicht, gesichertes Material zur Constatierung von Schreib- und Malschulen zu gewinnen, die mit derselben Technik, demselben Ornamenten- und Typenvorrat arbeiteten, wahrscheinlich unter Vorlage von bestimmten Malerbüchern, wie sie der noch öfters zu erwähnende Voege') für eine grosse rheinische Schule (mit dem wahrscheinlichen Sitze im Domkloster zu Köln) nachgewiesen hat. Dieser Eruierung von Schulen tritt noch der Umstand fördernd zur Seite, dass sich in jener Zeit in der bildenden Kunst, der Sprache und dem Schrifttum noch eine gewisse typische Allgemeinheit ausspricht, die einem künstlerischen Individualismus nicht zu viel Entfaltung gestattet 2 ). Über den Bilderschmuck der Sakramentarien ist ausser den Publikationen von Delisle und Springer noch wenig Material in der kunsthistorischen Litteratur zu finden. Von Oechelhäuser hat in seiner Heidelberger Habilitationsschrift 3 ) ein Reichenauer Sakramentar der Heidelberger Universitätsbibliothek mustergiltig beschrieben und eine Reihe prachtvoll ausgeführter Tafeln beigegeben. Sonst boten Wichtiges und Neues die Arbeiten H. Janitscheks, sowohl seine „Geschichte der deutschen Malerei" 4 ), als auch die Abhandlung über die Schulen der korolingischen Buchmalerei in der grossen Publikation der Adahandschrift 5 ). Dr. M. Zucker hat mit Recht in seinem Aufsätze über „ein Fragment eines Lorscher Sakramentariums in der Erlanger Universitätsbibliothek" fi ) darauf hin- 1 ) Voege. Eine deutsche Malerschule um d. Wende d. ersten Jahrtausends. Kritische Studien zur Gesch. d. Malerei in Deutschi, im 10. und 11. Jahrh. Strasshurger Dissert. u. erweitert. Ergänzungsheft VII d. Westd. Zeitschr. Trier 1891. 2 ) Lamprecht. Bonner Jahrb. LXX. 112. Ders. Deutsche Zeitschr. f. Geschichtswiss. VII 1892. I S. 16/7. 3 ) D. Miniaturen d. Universitätsbibl. Heidelberg. I. 1887. S. 4—55. 4 ) In Grotes Sammelwerk „Gesch. d. deutschen Kunst" Band III. s ) D. Trierer Adahandschr. Publik, d. Ges. f. rhein. Geschichtskunde VI. Leipzig 1889. 6 ) Repertorium für Kunstwissenschaft XIV. S. 34 ff. .,,„._...„.,.. s gewiesen, dass bei der eminenten Wichtigkeit der Sacramentarien für die mittelalterliche Kunstgeschichte die Veröffentlichung jeder Handschrift, die das Bildermaterial vermehrt, für die Wissenschaft von Nutzen ist 1 ). Zu der Geschichte der mittelalterlichen Buchmalerei, die erst geschrieben werden muss, ist noch viel Material zu sammeln. Jeder Beitrag ist von Wichtigkeit. Abgesehen von den z. T. prachtvoll illustrierten Monographieen 2 ) über einzelne hervorragende Monumente der mittelalterlichen Buchmalerei, wie wir sie Kraus, von Oechelhäuser, Beissel, Lamprecht, Graf Bastard, Delisle, Janitschek, Rahn u. a. verdanken, wurde der Bilderkreis mehrerer Manuskripte, die man zusammen verglich, meist mit Berücksichtigung der ikonographischen Seite untersucht. Wenn dabei auch öfters das Material ein grosses war, so fehlte doch meist der historische Gesichtspunkt, eine unter Berücksichtigung der lokalen und speziell auf die betreffende Schule einwirkenden Einflüsse geführte Vergleichung; es fehlte eine die historische, entwicklungsgeschichtliche Seite betonende Untersuchung. Die Publikation der Adahandschrift hat hier den ersten Schritt gethan. Janitschek hat daselbst den Begriff der Schule fixiert (a. a. 0. S. 72), hat die verschiedenen Einflüsse, die einer Schule das ihr eigentümliche Cachet geben, hervorgehoben und damit einen Kanon für ähnliche Untersuchungen geschaffen. Er fasst den Begriff der „Schule" als eine Gruppe von Künstlern und Kunstwerken, die unter individuellen und lokalen Eigentümlichkeiten mit derselben technischen Grundlage und verwandter Naturauffassung arbeitend, einen einheitlichen Charakter zeigen. Erstes Postulat ist eine mächtige künstlerische Persönlichkeit, die „Schule" macht, dann treten spezifisch lokale Eigentümlichkeiten hinzu. Bei den karolingischen Malerschulen fehlt jenes wichtige erste Element und ist daher der Stilcharakter der betreffenden Schulen das Resultat einer Summe mehr zufällig an jenem Ort wirkender, äusserlicher Eigentümlichkeiten. Künstlernamen, die man mit erhaltenen Kunstwerken in Connex bringen kann, fehlen nun allerdings nicht, aber „das Wesentliche ist, dass dem Künstler seine Thätigkeit nicht als persönliches Schaffen, sondern als handliche Thätig- keit erschien." Als wichtiger, ebenfalls schulbildender Teil kommen noch etwaige x ) St. Beissel publicierte* in Schnütgens Zeitschr. f. christl. Kunst VII 1894 S. 65 ff. ein Fuldaer Sacram. in Göttingen saec. 11. 2 ) Über den Wert und die Notwendigkeit solcher Publikationen vgl. P. Clemen in d. Kritik von Voeges Buch (Bonner Jahrbücher 1892. Heft 93. S. 233 ff.). 1* fflm \m 'mR£ gg&^&^aSjS] Üf iü $111 «111 §#1111 I I Hl II ■I ■HP Kesiduen früherer Techniken und Stilarten hinzu. Die durch lokale und historische Verhältnisse bedingte Combination aller dieser Einflüsse bestimmen den Stilcharakter. „Es wird die Probe auf die Richtigkeit der Stilkriterien sein, dass die von der Kunstgeschichte „geschaffenen" Schulen mit den von der Textkritik der Handschriften gefundenen Gruppen in strengem Zusammenhange stehen, und so wie der Kunsthistoriker mit Hülfe der Textkritik den führenden Faden fester spinnen konnte, so wird er andererseits wieder manche Vermutung der Textkritik fester begründen, ihr die geschichtliche Unterlage bieten können." Voege hat in der oben erwähnten Schrift und in seiner Abhandlung über die Mindener Schule 1 ) auf denselben Wegen fortschreitend, nur unter stärkerer Betonung der Technik als schulbildenden Faktors, für das Gebiet der ottonischen Kunst ein glänzendes Resultat erzielt, das die Sicherheit und Richtigkeit der neuen Methode auf das Beste bewährt. Nur fehlen leider für die ottonische Zeit noch die Schrift- und Textschulen, so dass die von Janitschek für die karolingischen Schulen geführte Ver- gleichung von Bild, Schrift und Text wegfällt. Voege gab übrigens viele interessante und neue Beiträge zur ottonischen Schrift- und Textkritik. Wie ich bereits oben angedeutet habe, ist eine zusammfassende Geschichte der mittelalterlichen Buchmalerei vorerst noch ein Postulat und wird es auch voraussichtlich noch für einige Zeit bleiben. Die Untersuchungen sind noch viel zu sehr im Flusse, um ein abschliessendes Resultat auch nur annähernd genügend zu ermöglichen. Wie hypothetisch die Wissenschaft noch verfahren muss, beweist auf das Deutlichste der Umstand, dass der Abschnitt über karolingische Buchmalerei in Janit- scheks „Geschichte der deutschen Malerei" von seinen sehr kurze Zeit später erschienenen Untersuchungen über dieselbe Materie in der Publikation der Adahandschrift vollständig überholt worden ist. Man kommt immer mehr zur Überzeugung, dass die breiteste geschichtliche und kulturgeschichtliche Grundlage den Studien über mittelalterliche Kunst zu Grunde gelegt werden muss. Eine genaue Kenntnis der historischen, litterarischen, ethnologischen und ethischen Zeitverhältnisse, etwa im Sinne Taines, kurz sämtlicher kultureller Faktoren und Organe 2 ), ein *) Repertorium f. Kunstwissenschaft. XVI. 1893. S. 198 ff. 2 ) Ich erinnere hier an die feinsinnige Arbeit von Lamprecht: Das deutsche Geistesleben unter den Ottoneu. Quiddes Zeitschrift 1892. I. (auch in der Deutschen Geschichte Bd. IL) Vgl. ferner die Arbeiten von Prof. Dr. Grosse in Freiburg. „Ethnologie und Ästhetik", Vierteljahrsschrift für wiss. Philosophie 1891. IV. und „Die Anfänge der Kunst". Freiburg 1894. Endlich Ficker, D. Mitralis d. Sicardus. S. 2. Wm KL ^^^^^^^^H genaues Durchforschen der gesaraten erhaltenen Altertümer, Münzen, Siegel etc. ist unumgänglich notwendig. Die Kunst ist, im mathematischen Sinne gesprochen, die Funktion der kulturellen Faktoren und Organe. Erst wenn das ganze grosse Material vollständig gesichtet vorliegt, kann man daran denken, mit einem wohlgefügten System von Fragen, die man hei den Einzeluntersuchungen gefunden hat, an die Masse heranzugehen. Die Fragen werden sich alle heantworten lassen. Sie ergeben sich also experimentell bereits bei den Detailstudien, sie fallen heraus, um zu einer wohlgeordneten Phalanx angeordnet zu werden, mit der man die Schwierigkeiten mittelalterlichen Kunstschaffens besiegen wird. Die bereits früher erworbenen, meist ikonographischen Eesultate sind festzuhalten und mitzuverwerten, doch muss stets der entwicklungsgeschichtliche Standpunkt festgehalten werden. Man wird sich hüten müssen, in die von Springer 1 ) schon abgethane Symbolisirei zurückverfallen. Auch die byzantinische Frage 2 ), der Einfluss der byzantinischen Kunst auf unsere mittelalterliche Kunstproduktion ist hoffentlich bald als gelöst anzusehen. Ferner ist es ein durch viele Belege bewiesenes Grundprinzip mittelalterlicher Kunst, dass sie ursprünglich als Bibel der Analphabetiker 3 ) galt. Man wird sodann die oft ausgesprochene Ansicht, als ob künstlerische Eigenart und Produktivität in der mittelalterlichen Kunst völlig fehlten, einschränken müssen. Der frühverstorbene feinsinnige Portheim hat schon davor gewarnt 4 ). Er wies darauf hin, wie ein mittelalterlicher Maler die lange Reihe von typisch festgestellten Heiligen- und Bibeldarstellungen hindurch, welche ihm wenig Abänderung gestatteten, sich nach einer Szene oft sehnte, wo er wirklich selbständig, künstlerisch schaffen konnte. Dabei bricht auch manchmal der tiefe deutsche Humor 5 ) hindurch, den *) Ikonograpliische Studien in Mitteilungen d. k. k. Centralkommission V 1860 u. Die Quellen der Kunstdarstellungen im Mittelalter in: Berichte der Verhandlgn. d. kgl. säcks. Ges. d. Wiss. Philologisch-histor. Klasse 1879. 2 ) Beissel, Stimmen aus Maria-Laach XXVII 1884. Weitere Litteratur bei Voege Malerschule S. 153 ff. 3 ) Ficker, Mitralis d. Sicardus S. 2/3. Schnaase 2 III 568. IV 330. Didron Iconogr. ehret, p. 5/6. Kugler, Gesch. d. Malerei 2 I 145. Rann. Mittlgn. d. antiq. Ges. XX. 31 ff. Springer in Lützows Zeitschr. IX. 387. 4 ) Repertorium XI S. 191. 5 ) Das Bild des thronenden Gregorius in dem zu Trier unter Egbert entstandenen Registrum Gregorii zeigt den Papst, wie er einem jungen Kleriker diktiert. Er ist dessen Blicken durch einen Vorhang entzogen, in den jedoch der vorwitzige Schreiber mit dem Stilus ein Loch macht und hindurchsieht. Vgl. unten. (5 wir das gauze Mittelalter hindurch in Litteratur und Kunst heobachten und der sich uns in seiner lautersten Gestalt bei Dürer vor Augen stellt. „Nur Empfindung und ein Bischen Liebe müssen wir den Kunstwerken des Mittelalters entgegenbringen, dann wird sich von ihnen zu uns ein Verhältnis entspinnen, von dem alle Gelehrsamkeit der Welt keinen Begriff hat" (a. a. 0. S. 191). Die Geschichte der mittelalterlichen Malerei wird die Aufgabe der Zukunft sein. Jetzt gilt es, mit Hilfe der Einzeluntersuchungen und auf Grund des durch diese gewonnenen Materials Malerschulen historisch und lokal zu fixieren. Sind die Schulen genügend gesichert, so folge die Vergleichung derselben, die Hervorhebung ihrer Eigentümlichkeiten und Unterscheidungen. Wir haben schon viele wertvolle Untersuchungen über einzelne, besonders karolingische Schulen, zu verzeichnen. Abgesehen von den Arbeiten Janitscheks, Voeges, Leitschuhs') nenne ich die Beiträge zur Geschichte der Reichenauer Schule von v. Oechelhäuser (a. a. 0.), zur Geschichte der Schule von St. Gallen von Rahn (D. Psalterium aureum 1878), die Arbeiten über die Schulen von Tours und Corbie, über die Fuldaer Schule von Clemen 2 ) und Schlosser, die sehr wichtigen Publikationen von Kraus, Beissel, Bastard u. a. m. 3 ). Hierher gehören auch Riehls Studien über die Regensburger Schule 4 ). Das Sakramentarium ist die älteste Form und der Vorgänger des umfangreicheren Missale, welches das ganze Mittelalter hindurch als erstes und vornehmstes Ritualbuch im Gebrauche der Kirche blieb und im Tridentinum seine abschliessende, heute noch gültige Gestaltung erhielt. Wir erfahren durch Paulus Diaconus, Warnefrieds Sohn, dass Papst Gregor (f 604) das bereits von Papst Gelasius (492 —96) eingerichtete officium missarum gesammelt und in verbesserter Form als sacramentarium dem Cultus übergeben habe. Im Verlaufe der Jahrhunderte hat sich das sacramentarium mit andern Ritualbüchern 5 ), dem x ) Der Bilderkreis der karoling. Malerei I. Strassburger Dissert. 1889. Ders. Geschichte d. karoling. Malerei. Berlin 1894. -) Repertorium f. K. XIII. S. 123 ff. 3 ) Die genaue Litteratur über die einzelnen Schulen vgl. Janitschek in d. Adahandschrift und Schlosser Schriftquellen der Gesch. d. karol. Kunst (Wiener Quellenschriften X. F. IV) S. 394. 4 ) Denkmale für mittelalterl. Baukunst in Bayern S. 148. Vgl. Voege a. a. 0. S. 9 Anm. 5 ) Eine kurze, aber erschöpfende Erklärung dieser Ritualtexte bietet: Ehrensberger Biblioth. Liturgica Manuscripta. Nach d. Hss. d. Grossh. Bad- Hof- und Landesbibliothek. Karlsruhe 1889. graduale, dem evangeliarium, dem epistolarium verschmolzen und das missale gebildet, von dem wir seit dem 11. Jahrhundert unzählige Copieen besitzen. Den Kern des sacramentarium, den canon missae, bildete schon in den Constitutiones apostolorum (lib. VIII), sowie in der koptischen Liturgie, die unverrückte Form des Messopfers 1 ) (Muratori: In canone tremendum sacrificii mysterium peragitur). Um diesen Urkern legten sich nach und nach verschiedene Teile, die durchaus nicht überall einheitlich gestaltet sind, sondern nach den verschiedenen Ländern variieren. Hauptsächlich sind es die von dem celebrierenden Priester gesprochenen Gebete (Secretae, Collectae, Postcommuniones oder Complendae, Bene- dictiones). Ausserdem finden sich festa sanctorum, die dem Proprium de tempore eingereiht sind, sowie die liturgischen Vorschriften und Gebete bei den andern Sacramenten. Als vollständige Teile traten noch hinzu Calendarien, Martyrologien und Nekrologien. Manchmal finden sich noch für die politische Geschichte hochwichtige Listen von Bischöfen, Mönchen, Wohlthätern der Kirche und von treuen Gläubigen, die auf den Band und die Zwischenlinien der Manuskriptseiten geschrieben wurden 2 ). Eine gewisse Norm für die Benennung der Sacramentarien scheint nicht geherrscht zu haben. Es finden sich die Bezeichnungen „sacramentarium", „über sacramentorum". Die Gesta abb. Fontanellensium [cap. 16. Scriptores M. G. H. II] nennen in einem Bücherverzeichnis von S. Vandrille (unter Abt Gervold, 787—806): „sacramentaria vol. 8"?). Daneben finden sich bereits im 9. Jahrh. die Bezeichnungen „missalis", „missales Gregoriani" 4 ). Bereits im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich unter den Theologen ein reger Eifer, die Geschichte der alten christlichen Liturgie aufzuhellen; die Arbeiten von Muratori (Liturgia Komana vetus, Venedig 1748), Mabillon (De Liturgia Gallicana libri III Paris 1719) und Gerbert (Iter Alemannicum acced. Italicum et Gallicum, St. Blasien 1776; Ders. Monumenta veteris liturgiae alemannicae, St. Blasien 1777) J ) Funck in Kraus' Realencyclop. s. v. Constitutiones. 2 ) Über eine solche Liste von St. Maximin vgl. Kraus: Westdeutsche Zeitschrift IV, 2. S. 138-56 und Delisle a. a. 0. S. 62/3. Vgl. bes. d. hochinteressanten über vitae d. Nonnenkloster Remiremont aus d. 9., 10. u. 11. Jahrh. (Ebner. N. A. 19. S. 51 ff.) 3 ) Zucker. Rep. XIV. S. 34. Schlosser Quellenschr. S. 396. 4 ) v. Oechelhäuser a. a. 0. S. 19. .Zucker a. a. 0. S. 34 Anm. Hl ^HH^HH 8 haben hier sehr fördernd gewirkt. Auch in unserm Jahrhundert sind sehr verdientsvolle Arbeiten zu nennen, z. B. Mones Griechische und lateinische Messen aus dem 2.— 6. Jahrh. (Frankfurt a. M. 1850), Guerangers Geschichte der Liturgie, übers, v. Fluck (Regensburg 1854), F. H. Schmidts Cultus der christlichen Kirche, Passau 1840, ferner die Artikel: Liturgie, Lektionarium, Caeremoniale, Mabillon, Muratori u. a. a. 0. m. in Wetzer-Weltes Kirchenlexikon. Ausserdem benutzte ich die bereits erwähnten Schriften von Delisle, v. Oechelhäuser, Ehrens- berger, sowie Brambach, Psalterium. Berlin 1887 (Sammlung blibliotheks- wissenschaftl. Arbeiten, herausgegeben von Dziatzko, Heft 1). Einzig der theologische, historische und palaeographische Gesichtspunkt war bei diesen liturgischen Forschungen massgebend gewesen, erst Delisle und besonders Springer betonten die kunstgeschichtliche Bedeutung der Sacramentarien, wie ich sie bereits oben charakterisiert habe. Das Sacramentar der Universitätsbibliothek Freiburg (Hs. 360a) stammt aus dem Nachlasse des bekannten Theologen Hug. Wie und woher es in dessen Besitz kam, konnte ich nicht feststellen. Es ist nur ganz kurz in der kunstgeschichtlichen Litteratur erwähnt worden, bei v. Oechelhäuser 1 ) und Kraus 2 ). Der Codex enthält 212 Pergamentblätter (30X23 cm). Die (moderne) Numerierung giebt zwar bloss 210 Blätter an, doch sind bei dieser Zählung aus Versehen zwei überschlagen worden und dann nachträglich als fol. 46 a und 63 a nachgetragen worden. Die Breite der jetzt beschnittenen Blätter beträgt durchschnittlich 230 mm, die Höhe durchschnittlieh 311 mm. Es ist dies für ein Sacramentar ein ziemlicher Umfang. Das Reichenauer Sacramentar in Heidelberg hat folgende Blattdimensionen: 185X240 (v. Oechelhäuser a. a. 0. S. 18), der Codex Egberti: 210X270 (Lamprecht Bonner Jahrbücher LXX, S. 61), der Codex Epternacensis: 315X440 (Lamprecht a. a. 0. S. 78), ein Sacramentar aus Echternach: 225X300 (Delisle a. a. 0. S. 254), ein Sacram. aus Freising: 235X265 (Delisle S. 254), d. Sacram. aus Angouleme: 210X324 (Delisle S. 91), d. Sacr. v. Autun: 240X338 (Delisle S. 96), d. Sacr. v. Metz: 214X266 (Delisle S. 100), d. S. von Corbie: 224X282 (Delisle S. 102), d. S. v. Nonantola: 204X270 (Delisle S. 124), d. S. v. Mans: 200X263 (Delisle S. 140), d. S. v. Paris: 188X272 (Delisle S. 149), d. S. v. St. Emmeran: 246X290 !) a. a. 0. S. 25, 36, 52. 2 ) Repertor. f. K. X S. 186. (Delisle S. 153), ein englisches Sacramentar 215X330), ein Sacram. v.Worms: 236X290 (DelisleS. 173),v. St. Gereon zu Köln: 195X268, von Lorsch: 236X290 (Delisle S. 238), von Trier: 185X230 (Delisle S. 250), ein anderes wahrscheinlich ebenfalls aus Trier: 193X227 (Delisle S. 253). Der Codex erhielt im 15. Jahrhundert einen ornamentierten Schweinsledereiuband. Der ursprüngliche, jedenfalls prachtvoll 1 ) ausgestattete Deckel wurde abgenommen und wohl anderweitig verwertet. Auf dem ersten, beim Einbinden hinzugefügten, unbeschriebenen Blatte steht die Jahreszahl 1636. Die Qualität des Pergamentes ist verschieden. Es findet sich dickere und dünnere, gut geglättete und rauhe Haut, doch überwiegt das dickere Pergament, was auf deutsches Fabrikat schliessen lässt 2 ). Die nicht sehr zahlreichen Löcher sind teils gestopft, teils auch nicht. Die beiden letzten Blätter der Hs., fol. 209 und 210, sind unten in der ganzen Breite sehr stark beschnitten. Vielleicht hat hier ein Vermerk oder das Siegel der besitzenden Kirche gestanden. Bei fol. 1—22 und fol. 23a, die das Calendarium (auf Purpurgrund mit Gold- und Silberschrift), den figuralen und ornamentalen Schmuck tragen, macht sich die Verschiedenheit des Pergaments deshalb unangenehm geltend, weil bei den Bünneren Blättern die Farben zum teil durchgeschlagen haben 3 ). Die mit dem Griffel scharf und deutlich markierten (18) Linien liegen in der gewohnten Weise zwischen je zwei Senkrechten, die mit 18 mm Abstand gezogen sind. Die Linien selbst sind 126 mm lang. Die erste und achtzehnte derselben sind über die ganze Breite des Blattes gezogen und schliessen die vier Senkrechten beiderseits ab. Ihre Entfernung von den äusseren Senkrechten zum inneren Rande beträgt 28 mm, bis zum äusseren 56 mm. Die goldenen, rotunterlegten und — umränderten Initialen 4 ) des ') wie meist in jener Zeit, vgl. bes. für Trier Lamprecht Bonn. Jahrb. LXX. S. 58. 2 ) Vgl. Wattenbach Schriftwesen 2 etc. S. 95 ff. 3 ) Vgl. v. Oechelkäuser a. a. 0. S. 52. 4 ) Ein Psalterium der Trierer Stadtbibliothek (Keuffer, Beschreibendes Verzeichnis der Hs. d. Stadtbibl. zu Trier. I. S. 8) zeigt eine angefangene Initiale mit Gummi und Okerunterlage, auf die Gold gelegt werden sollte. Diese Absicht wurde nicht ausgeführt. Nach Keuffers Vermutung brachte Egbert dieses vielleicht ebenfalls von Heribert oder Gerald geschriebene Psalterium von Reichenau mit. - 1 1' 11 mm 10 Textes siud in den Raum zwischen die beiden Senkrechten hineingeschrieben, wobei sich die senkrechten Läugebalken der Buchstaben, meist mit der ersten der Senkrechten decken, während die gerundeten Teile etwas über dieselbe hinausragen. Die Tinte ist von fol. 23b an, wo der eigentliche Text beginnt, braun. Auf fol. 31a setzt ein anderer Schreiber ein, der mit dunklerer, fast schwarzer Tinte schrieb. Bei ihm wird die Schrift grösser, die Buchstaben gewinnen an Sicherheit. Der Schreiber ist offenbar geübter als der erste. Die Buchstaben werden gerader, fast möchte ich sagen, der Druckschrift ähnlicher, während die des ersten Schreibers etwas schräge lagen. Der Text zeigt Minuskelschrift saec. X exeunt. Die meisten Anfangsbuchstaben und hervorragend wichtigen Worte und Sätze (besonders in der auf fol. 1—-23a angewandten sorgfältigen Majuskel und Minuskelzierschrift) sind Majuskeln. Letztere zeigen sich schwankend und unsicher; eine bestimmte Regel ist nicht eingehalten. Capitale und Unciale finden sich willkürlich nebeneinander, manchmal sogar in demselben Worte. Das Wort Redemptio z. B. auf fol. 13v° zeigt E und S, ferner M und (*) (vgl. Codex Egberti herausgeg. v. Kraus Tafel 3), (fol. 27a). 0^ D, ^SsA/, />, r,./y ( f, Von der Schrift unseres Codex, die eine grosse Ähnlichkeit mit der des Egbertcodex aufweist, lässt sich dasselbe sagen, was Lamprecht 1 ) über die des Echternacher Codex in Gotha mitteilt: „Es drückt sich ganz die Formenunsicherheit der Majuskel aus, welche das 10 , 11. und teilweise noch das 12. Jahrhundert im Rheinlande charakterisiert." Diese Formenunsicherheit, die v. Oechelhäuser 2 ) auch auf Reichenau konstatiert, war besonders den 10. Jahrhundert eigen, indem sich die Schrift von der karolingischen Tradition zu emanzipieren begann. Eine Beeinflussung der Schrift des Egbertcodex auf die des Freiburger Sa- cramentars ist nicht leicht von der Hand zu weisen. Die Notenschrift (fol. 64/5) der Neumen entspricht dem Modus Ottinc 3 ). Die erste Lage der Hs. ist' eine Ternio. Die Ternionenzahl b *) Bonn. Jahrb. LXX. S. 84. 2 ) a. a. 0. S. 18/9. 3 ) Vgl. de Coussemaker, Histoire de l'harmonie au moyen-äge, Paris 1852, und Pauls Grundriss der German. Philologie II, 2 S. 367. 11 auf dem unteren Räude stammt wohl aus der Zeit des Einbaudes, also vom Ende des 15. Jahrhunderts. Der Verbleib der Lage a, die jedenfalls beigebunden, aber später wohl aus unbekannten Gründen herausgenommen wurde, ist unbekannt. Sie mag den Anfang des Gregorianischen Sakramentars 1 ): „Incipit über sacramentorum" etc., das „Salvum fac servum tuum", das „angelicum Carmen", das „credo", vielleicht auch einen Index enthalten haben. Lage c ist ebenfalls eine Ternio. Die folgende (uubezeichnete) Lage ist eine Binio, wobei die Biniouenzahl d wohl beim Beschneiden weggefallen ist. Zwischen dieser Lage und der Ternio e liegt ein einzelnes Blatt, das wohl eingesetzt wurde, Zwischen fol. 21 und 22 wurde ein Blatt ausgeschnitten. Die folgenden Lagen sind Quinternionen, Ternionen und Quaternionen; erstere wiegen vor. fol. 1—12 nimmt das Galendar ein. Gold- und Silberschrift, auf Purpurgrund Reicher Ornamentrahmen in Deckfarbenmalerei, wie überhaupt die ganze Malerei des Codex Deckfarbenmalerei ist. fol. 13a enthält in reich ornamentiertem Rahmen auf Purpurgrund mit Gold- und Silbermajuskeln die Worte: „Est Deus in Caelo, cuius hie habetur imago. Nostra salus Christus, Spes atque redemptio Jesus. fol. 13b: Das Bild des heiligen Gregorius. fol. 14a beginnt der „Canon missae" (Goldschrift auf Purpurgrund mit Bordürenornamentrahmen). Die Formel entspricht der des Sakramentarium Gregorianum bei Muratori 2 ) mit den Varianten des Codex Othobonianus und den landschaftlichen und lokalen Zuthateu. fol. 14b und 15a tragen die „Praefatio" mit dem „sanetus". Das Zier-V des „Vere dignum" wird von einem knieenden Engel getragen. Darauf folgt fol. 15v" u. ff. das „Te igitur". In der gewohnten, unten noch zu erwähnenden Weise der Sakramentarien dient das T des „Te" als Kreuzesstamm für den Crucifixus. In der Heiligenreihe, welche fol. 16a steht, finden wir unter den gewöhnlichen, auch bei Muratori vertretenen Heiligen noch den h. Gereo, ebenso auf fol. 19a in einer ähnlichen Liste die h. Eugenia. Beide fehlen bei Muratori und sind als Lokalheilige anzusehen. Es wird nötig sein, auf dieselben unten zurückzukommen. Die Blätter 20b, 21a, 21b sind vollständig zum Schreiben hergerichtet. Liniierter Purpurgrund in ornamentiertem Rahmen aber unbeschrieben. J ) wie im Heidelberger Sakramentar, vgl. v. Oechelhäuser a. a. 0. S. 20. 2 ) Liturgia liomaua vetus II. S. 2. S. ■■■ j BS ■«•''■■ I ! '■ : ' IHhHHHHBI ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■1 12 fol. 22a ist vollständig unbeschrieben und unbemalt, in der Naturfarbe des Pergamentes belassen. fol. 22b trägt auf Purpurgrund in reichem Ornamentrahmen mit abwechselnder Silber- und Goldschrift die Worte: VIII Kai. Januarii vigilia natalis Domini. fol. 23a trägt in reichumrahmtem Purpurgrund eine Initialligatur IS) (== Deus) in Pflanzenornamentik. Mit fol. 23b beginnt in der oben charakterisierten Minuskelschrift der übrige nicht mit Malerei geschmückte Teil des Textes. Die Capitel- überschriften l ) sind mit Mennig geschrieben, die Anfangsinitialen (Majuskeln) sind golden mit rotem Contur. Ihre Grösse variiert bedeutend. Im folgenden sollen nur wichtigere Teile und z. T. solche Gebete hervorgehoben werden, welche die römische Redaktion des sacramentarium Gregorianum (wie es Muratori a. a. 0. bietet) nicht enthält und welche speciell germanisches und lokales Gepräge aufweisen. fol. 68b ursprünglich freigelassen, dann später (ca. 1020) ein Gebet in zierlicher Schrift aufgeschrieben: „In inventione rel. sc. Viti, Cornelii, Cipriani, Crisanti atque barbare." fol. 100b. Natl. S. Benedicti abb. Im Calend. zum 11. Juli, fehlt im Gregorianum. — fol. 107b S. Laurentii. — fol. 108b. Natl. S. Tyburtii. — fol. 109b Natl. S. Vpoliti. — fol. 109b Natl. S. Eusebii conf. — fol. lila Octaba S. Laurentii. (fehlen im Gregorianum und Gelasianum.) — fol. 111b Natl. S Agapiti M Eodem die Scae Elenae. Diese Collecte fehlt sonst überall. Im Calendar steht bloss Agapitus verzeichnet. (Vgl. übrigens v. Oechelhäuser a. a. 0. S. 36 Anm. 2, der hierin irrt.) fol. 114a S. Symphor. — fol. 123a Scor. Mauricii Sociorumque Eius (Mauricii, exsuperii, candidi, victoris, innocentis et uitalis). 125a Natl. S Hieronimi. — 126a Scor. Remigii, Germani Vedasti. — 128a Scor. Mart. Gereonis, Victoris, Cassici atque Florentii. — fol. 134a Natl. S. Kuniberti cf. — fol. 135a Natl. S Brictii cf. Es folgen dann die allgemeinen Messen: Iu dedicat. Aecclesiae (fol. 145b), pro peccatis (173b), ferner Exorcismus salis (176b), Missa de Tribulatione (fol. 189b), Missa pro pace (fol. 190a), pro populo Christiano (fol. 190b), pro amico fideli (fol. 191b), pro amico *) Diese roten Überschriften sind entweder in die rechts ausgeparten Zeilenräume geschrieben oder sie stehen, falls noch Platz dazu vorhanden ist, hinter den letzten Worten des vorhergehenden Gebetes. m «üsü ■HHHHshh 13 viventi 191b), ad plaviä postul (199b), pro defuncta familia (208b) etc. pro defuncto epo (205a) Der Eintrag auf fol 68 b ist ungefähr um 1020 zu setzen. Wir finden bereits die für den Anfang des 11. Jahrh. charakteristische Minuskel £ t U = t und i, die durch den Querstrich des t verbunden sind. Das t* reicht lang unter die Zeile. Schluss-i = 7 . Das cJ hat eine Einschnürung im Bauche. Abkürzungen für ffi = 6 und ß. Die aus derselben Zeit und demselben Scriptorium stammende Hs. 530 in Darmstadt hat die Abkürzungen e und #. Die allgemeine landschaftliche Zugehörigkeit ist für den Codex leicht zu bestimmen. Es wurde bereits oben darauf hingewiesen, dass jedes Land seinen speziellen Heiligen- und Gebetscharakter in den liturgischen Büchern aufweist. Hier ist der deutsche Charakter sofort zu erkennen. Noch mehr, auch bei nur oberflächlichem Durchblättern des Calendars ergiebt sich sofort, dass das Sacramentar für eine Kirche der Rheinlande geschrieben wurde. Den Beweis für diese Behauptungen wird natürlich auch die folgende Detailuntersuchung über das speziellere Lokal, wo das Manuskript geschrieben wurde, ergeben. Das Scriptorium ist in Trier, der alten Bischofsstadt zu suchen. Der Gang unserer Untersuchung wird sich naturgemäss an die durch das Calendar gegebene Reihenfolge der Heiligen anschliessen. Es wird unsere Hauptaufgabe sein, das Calendar mit anderen Calendarien, Nekrologien, Litanien, Gebeten etc. zu vergleichen, die sicher oder mit aller Wahrscheinlichkeit Trierer Ursprung dokumentieren. Der Trierer Historiograph Hontheim 1 ) giebt I, p. 373 ff. verschiedene Trierer Calendarien, die wir zum Vergleiche heranzuziehen haben, besonders das erste derselben, das Calendarium S. Maximini aus dem 10. Jahrhundert, ist wichtig. F. X. Kraus hat in seinen „Horae Belgicae" 2 ) eine Trierische Litanie publiciert, „die zur Kenntniss der im 10. Jahrhundert zu Trier hauptsächlich verehrten Heiligen nicht ohne Interesse ist." Sie ent- l ) Prodromus Historiae Trevirensis etc. Augsburg 1757. a ) Bonner Jahrbücher 50/1. 1871. M^S^IM^M t ■s wm WM ^m ■Mi HHUHH llfHI 14 stammt einem lateinischen Psalterium, saec. X, das früher St. Maximin bei Trier gehörte und heute im Besitze der Brüsseler Bollandisten ist. Ferner ist der bekannte Codex Gertrudianus x ) zum Vergleiche mit heranzuziehen. Nehmen wir nun an, dass der Codex auf Eeichenau für den Erzbischof Egbert 2 ) (977—993) geschrieben wurde, wie dies Kraus 3 ) thut, oder lassen wir ihn in Trier selbst unter starker Kei- chenauer Beeinflussung entstanden sein, wie dies die Ansicht von Lamprecht 4 ) und Beissel 5 ) ist, der ich mich anschliesse: die in demselben enthaltene Heiligenreihe ist sicher trierisch und entspricht der ältesten mythischen Bischofsliste von Trier (Hontheim a. a. 0. I. Index archiep.). Sie gestattet deshalb einen Vergleich mit unserm Codex. Grotefend 6 ) hat aus verschiedenen Calendarien ein Normalcalendar für das Erzbistum Trier zusammengestellt und dabei hauptsächlich Calendarien des 15. Jahrhunderts berücksichtigt. „Das beruht einesteils auf dem Umstände, dass diese Zeit den Höhepunkt kirchlichen Lebens zum kalendarischen Ausdruck bringt, und dass man durch vergleichende Forschung eher zum Abstrich neu eingerichteter Feste und zur Berücksichtigung der durch sie entstandenen Veränderungen gelangen kann, als man im Stande ist, aus den weniger zahlreichen Angaben älterer Kalender auf die spätere Geltung neu eingeführter Feste zu schliessen; anderenteils findet es seinen Grund darin, dass die zahlreiche Erhaltung der Kaiendarien dieser Zeit in den Frühdrucken eine gleichartigere und gleichwertigere Grundlage von authentisch beglaubigten Kaiendarien für ') Janitschek, Gesch. d. d. Malerei S. 65/6. Eitelberger Ges. kunst- hist. Schriften. B. III. Ders. Jahrbuch d. k. k. Centralkommission B. II. .1857; ebenda S. 253 Abb. d. ersten Widmungsbildes. Lübke, Gesch. d. d. Kunst S. 136. Reber Kunstgesch. d. MA. S. 368. Kraus, Bonner Jahrbücher II. 38. 1865, S. 43, wo auch die ältere Litteratur. Kraus, Jahrbuch d. kgl. preuss. Kunstsammlgn. XIV 1893/4 S. 3. Springer: „Deutsche Kunst im 10. Jahrh." Westdeutsche Zeitschrift III 1884 S. 225. Kraus, Bonner Jahrbücher II. 44. 1868. S. 166. Pertz' Archiv XII. 1874. S. 679. Bethmann, Wattenbach Deutsche Geschichtsq. 5 I. S. 314. Lamprecht, Bonner Jahrb. 70. 1881. S. 59. Ders. Initialornamentik S. 28. No. 46. 2 ) Über die Beziehungen Egberts zu Reichenau vgl. Kraus Miniaturen dos Codex Egberts, Einleitung. Lamprecht, Bonner Jahrb. 70. S. 75. Beissel, Stimmen aus Maria-Laach 27. 1884. S. 269 ff. 3 ) Jahrb. der kgl. preuss. Kunsts. XIV. a. a. 0. *) a. a. 0. S. 59. Initialornam. a. a. 0. 6 ) Stimmen aus Maria-Laach 27. S. 271. 6 ) Zeitrechnung des deutschen Mittelalters u. s. w. II, 1. 1892. ^^^^^^^^J 15 fast alle Diöcesen und Orden zu Gebote stellt, als dieses für irgend eine andere Zeitperiode möglich ist." ') Als Grundlagen dienten Grotefend: Missale Trev. (ca. 1480) Gymnasiumsbiblioth. Coblenz. Missale Trev. (1547) Gymnasiumsbibliotb. Coblenz. Breviar. Trev. (Lyon 1513) Stadtbibl. Mainz Übereinstimmend mit Brev. Trev. (Cöln 1583) Hofbibl. Darmstadt. Aus d. Hs. d. Maximinsklosters. Karlsruhe. Öffentliche Bibl. (Reichenau 67). Aus dem in St. Maximin hergestellten Totenbuche des Klostors Echternach 1511. Gedr. Publ. de Luxemb. XXVII. Aus d. Hs. Nr. 102 6 d. Maximinsklosters in d. Stadtbibliolh. zu Trier. Monum. Germ. hist. XXIV. 396. Ausserdem hat Grotefend in der ersten Auflage seines Buches 2 ) ein Heiligenverzeichnis publiziert, wobei dem Namen der Heiligen die Bistümer und Orte hinzugefügt sind, in denen sie besondere Verehrung genossen. Selbstverständlich werden sich bei der Vergleichung der verschiedenen Calendarien von gleicher Herkunft gewisse Verschiedenheiten zeigen. „Eines Teils bringen lokale Gebräuche und individuelle Zuneigung ein grosses Schwanken in die Verehrung der Heiligen, anderen Teils aber ist die Verzeichnung oder NichtVerzeichnung eines Heiligentages in den mittelalterlichen Kalendern gar oft dem Zufalle unterworfen." Auch v. Oechelhäuser 3 ) hat darauf hingewiesen, dass ein Reichenauer Psalter saec. XI der Karlsruher Hof- und Landesbibliothek 4 ) „trotz mancher auffallender Übereinstimmung mehrfache Abweichungen vom Heidelberger und Wiener Kalendar aufweist. Man sieht daraus, dass für die Kaiendarien keine bestimmte Norm existiert hat, resp. dass sich die Eintragungen mit der Zeit geändert haben 5 )." Ausser den bereits erwähnten Quellen und Schriftstellern wird es im Laufe der Untersuchung nötig sein, manchmal noch andere zum Vergleiche heranzuziehen, die an den betreffenden Orten genannt werden sollen. Hier erwähne ich noch Liehs: „Leben und Thaten der Heiligen, deren Andenken besonders im Bistum Trier gefeiert wird." Trier 1837. ») Vorrede p. III/IV. 2 ) Diese Abteilung ist noch nicht in zweiter Auflage erschienen. 3 ) a. a. 0. S. 8, Anm. 3. 4 ) Vgl. Ehrenberger a. a. 0. S. 2. B ) Vgl. ferner über die Verschiedenheit der Kalendarien innerhalb der selben Diöcese. Beissel, D. Bilder d. Hs. d. Kaisers Otto zu Aachen. S. 11. H tfiSB 1. .^^^^ 16 1861/62. — Mohr: „Die Heiligen der Diöcese Trier;" Trier 1892. Besonders auf letzteres Werkchen, das die Litteratur gründlich verwendet, werde ich oft hinzuweisen haben. Ausserdem seien selbstverständlich genannt die Acta Sanctorum der Bollandisten (Antwerpener Ausgabe). Januar: Die Heiligentage vom 1.—20. stimmen zum grossen Teile mit denen des Calend. Maxim, (bei Hontheim a. a. 0.) und des Trierer Kalenders (bei Grotefend) überein. Die auf den 21. eingetragene h. Agnes enthalten nicht nur das Cal. Maxim, und das Cal. Grot. : ), sondern auch die von Kraus publicierte Trierische Liturgie. Ferner besitzt die Biblioth. nationale zu Paris ein Evangeliarium saec. X/XI, in dem ein Blatt von einer Hand des 12. Jahrh. Nachrichten über die Dedikation der meisten Altäre von St. Maximin enthält 2 ). Dabei wird auch ein Altar mit Keliquien der h. Agnes erwähnt. Es ist selbstverständlich unmöglich und nutzlos, jede Übereinstimmung mit den übrigen Calendarien aufzuzählen. Ich werde mich darauf beschränken, nur diejenigen Heiligen aufzuzählen, die in Trier der Gegenstand besonderer Verehrung waren. Zum 29. ist der h. Valerius (A. A. S. S. Januar. II. 917—21) einzutragen, bereits die älteste Bischofsliste im Codex Gertrudianus (fol VII) führt ihn an. Ebenso finden wir ihn im Cal. Max. und einem Sacramentar in Paris, das Trierer Ursprung aufweist 3 ). Hontheim in dem Capitel „Historia Cultus Sanctorum Trevirensium" 4 ) zählt den Valerius, Triers zweiten Bischof, in der Liste der Trierer Lokalheiligen mit auf. Ebenso Grotefend und Mohr (S. 20 ff). Die zum 30. notierte h. Aldegunde findet sich im Cal. Max., in der Litanie, im Pariser Sacramentar, im Cal. Grotef. und auf dem Blatte mit dem Eintrag über die Altäre von S. Maximin 5 ). Mohr S. 23. Ferner enthält die Hs. 428 auf der Trierer Stadtbibliothek saec. XIII ineunt. unter den schwarznotierten Festtagen Aldegundis virg. Der h. Zoticus (31. Jan.) kehrt in der Litanie wieder. ') Ich wähle von jetzt an diese Abkürzung. 2 ) Publiciert: Bibloth. de l'e"cole des chartes. annee 1884 p. 578. vgl. Delisle Manuscripts latins et francais etc. Paris 1891. I. S. 238. Mon. Germ. S. S. XV, 1269 if. Neues Archiv etc. 19. S. 242. 3 ) Delisle a. a. 0. S. 252. 4 ) Prodromos etc. S. 361. 6 ) Der Einfachheit halber führe ich von jetzt an die Bezeichnung „Altarnachricht" ein. ■n IH H 17 Februar: 1. Die h. Brigida (A. A. S. S.- Febr. I. 99—185) führen das Cal. Max., das Cal. Grotef., die Litanie und die Altarnach- richt. Mohr S. 26 ff. Die zum 3. notierte h. Agathe ebenfalls im Cal. Grotef., der Litanie und der Altarnachricht. Auch der zum 6. Febr. eingetragene h. Vedastus (A. A. S. S. Febr. I. 782—815) wurde nach Mohr S. 30 ff. in Trier verehrt. Seine Collecte steht auf fol. 126a. 8. Paulus, Bischof von Verdun (A. A. S. S. Febr. II. 169—177). Grotefend') lokalisiert seine Verehrung auf Trier. Auch das Cal. Grotef. enthält ihn. Mohr S. 33 ff. 16. Juliana. Cal. Max., Cal. Grotef., die Litanie. 21. Hilarus. Auch im Cal. Max. und ausserdem im Heiligenverzeichnis bei Grotefend (S. 110). 24. Der Apostel Matthias war bekanntlich der Patron der Diözese Trier, wo seine Keliquien zum grössten Teile ruhen sollen. Vgl. Mohr a. a. 0. S. 53 ff. (A. A. S. S. Febr. III, 431—453.) März: 16. Eugenia. Dieselbe im Canon missae, wo sie ausser der typischen Heiligenreihe angerufen wird; ferner im Cal. Max., Litanie und Sacram. in Paris (Delisle S. 252). Nach den A. A. S. S. März II S. 620 geht nur hervor, dass die h. Eugenia auch in den Rheinlanden verehrt wurde. Es wird nötig sein, auf diese Heilige weiter unten wieder zurückzukommen. 17. Patricius. Cal. Max., Litanie und Sacram. in Paris (Delisle). 21. Benedictus abbas. Ebenso Cal. Max. und Cal. Grotef. Unter dem 11. Juli finden wir in diesen und unserem Calendar des Heiligen translatio. Dieser Umstand, sowie die grosse Menge der Benediktinerheiligen weisen auf die Entstehung der Hss. in Benediktineklöstern hin. Wir finden den h. Benedictus auch auf dem Echternacher Deckel in Gotha. 26. Liudgerus. Er wurde nach Grotefends Heiligenverzeichnis (S. 111) viel in Trier verehrt. Ebenso enthält ihn das Pariser Sacra- mentar (Delisle S. 252) u. d. Echternacher Deckel. 30. Eulalia. Ebenfalls die Litanie. April: 1. Gerthrudis. Ebenfalls die Litanie. 12. Julius. Grotefend 2 ) S. 111. Cal. Max. J ) S. 114 (d. 1. Auflage) vgl. auch Mabillon A. A. S. S. II. S. 268 ff. Friedrich Kirchengesch. etc. II, 225 ff. Ausserdem vergleiche die allerdings verdächtige Nachricht bei Gürz Mittelrhein. Urkunden I. 1876. S. 16. 2 ) a. a. 0. S. 253. Westd. Zeitschrift. Ergänzungsheft IX. 2 H Hl m \ 13. Euphemia. Grotefend S. 108. Cal. Grotef., Cal. Max., Litanie. Mai: Stimmt fast vollständig mit Cal. Max. überein. 13. Seruatius (A. A. S. S. Mai III 209—231). Mohr S. 106 ff. 19. Potentiana. Cal. Grotef., Litanie. 25. Urbanus. Cal. Grotef., Cal. Max., Litanie. 26. Augustinus. Grotefend S. 108, Cal. Max. 28. Germanus. Cal. Max., Cal. Grotef., Grotef. S. 108. 29. Maximin (A. A. S. S. Mai VII, 19—36). Der bekannte Trierer Bischof und Heilige. Grotefend 1 ) S. 113, Cal. Max., Cal. Grotef., Hontheim (a. a. 0. S. 364) in der Liste der Trierer Lokalheiligen, Altarnachricht, Mohr S. 116 ff., Friedrich, Kirchengesch. II. S. 211. 31. Petronilla. Cal. Max., Cal. Grotef., Litanie. Juni: 1. Nicomedes. Cal. Max., Cal. Grotef. (das ausser ihm an diesem Tage noch Simeon cf. Trev. anführt). Ausserdem enthält ihn das von Delisle 1 ) für Trier lokalisierte Sacramentar der Metzer Bibliothek (Ms. No. 343). 3. Juliana. Steht auch in der Litanie. 5. Bonefatius. Cal. Max., Cal. Grotef. Auch das Trierer Sacramentar in Paris (Delisle a. a. 0. S. 252) u. d. Echternacher Deckel enthalten ihn. Der heilige Medardus (8.; A. A. S. S. JuDi II 72—105; Nach Mohr S. 132 waren ihm in und um Trier verschiedene Kirchen geweiht, darunter eine neben St. Matthias). Primus et Felicianus (9.) Ileliseus (14.), Vitus (15.), Albanus 2 ) (21.) und Albinus (22.) kommen auch sonst in den Trierer Calendarien vor. Juli 3 ): 8. Kylian (A. A. S. S. Juli II, 599—619). Cal. Max. Pariser Sacramentar, Cal. Grotef., Mohr S. 149. 18. Arnulf, Bischof von Metz und Stammvater des karolingischen Hauses beweist, dass unser Sacramentar in einer altkarolingischen Cultur- stätte geschrieben wurde. Metz gehörte ausserdem zur Erzdiözese Trier. 24. Cristina. Cal. Max., Cal. Grotef., Litanie. 28. Pantaleon. Cal. Max., Cal. Grotef. ') a. a. 0. S. 253. 2 ) Albanus (A. A. S. S. Juni IV, 86—95), der bekannte Mainzer Heilige wurde, nach Mohr S. 141, auch in der Diözese Trier verehrt. 3 ) D. Zum 4. Juli ist d. h. Martin translatio eingetragen. Über d. Zushg. v. Trier u, Tours vgl. unten. iö WS 1 H 31. Der heilige Germanus, Bruder des Bischofs Numerian (f 666) wurde ebenfalls in Trier verehrt. Mohr S. 179 ff. August: 10. Laurentius. Über ihn wird unten genauer zu handeln sein. 12. Euplus. Cal. Grotef. 18. Die mit der Geschichte und Sage Triers enge zusammenhängende h. Helena (Mohr S. 207 ff.) ist im Calendar nicht verzeichnet, dagegen steht auf fol. 112v° ihre Collecte. Da das Calendar wohl von Hand 1 herrührt, während die Collecte auf Hand 2 zurückgeht, so kann eine solche Differenz zwischen Text und Calendar, zumal im Mittelalter, nicht zu sehr befremdlich erscheinen. 21. Privatus. Grotefend 1. S. 114, Cal. Max. 31. Paulinus, (Ä. A. S. S. Aug. VI, 668—679) Bischof von Trier. Cal. Max., Cal. Grotef, Litanie, Altarnachricht, Codex Ger- thrudian. fol XI. Mohr S. 238. Ausserdem als bes. Trierer Lokal- heiliger bei Hontheim (a. a. 0. p. 368) und in der dem Cal. Max. angehängten Litanie x ). - September: 4. Marcellus eps- Bischof von Trier, Grotefend 1 S. 112. Cal. Max., Hontheim (a. a. 0. I, S. 368) als bes. Trierer Lokalheiliger. Cal. Grotef., Altarnachricht. 16. Eufemia. Cal. Max., Cal. Grotef., Litanie. 17. Lambertus. Cal. Max., Cal. Grotef. 19. Januarius. Grotefend 1 S. 110, Cal. Grotef., Cal. Max., Altarnachricht. 22. Mauricius. (A. A. S. S. Septemb. VI, 308—403) Cal. Max., Cal. Grotef. Er war der Anführer der thebäischen Legion, von der eine Anzahl in Trier den Martyrertod erlitt und die hohe Verehrung in Trier genossen. 23. Tecla. Cal. Grotef., Litanie. October: 10. Gereo. Cal. Max, Cal. Grotef., Altarnachricht. Ausserdem wird er ausser der typischen Reihe noch im Canon missae angerufen. Ich werde unten auf ihn zurückkommen. 16. Gallus. Cal. Max., Cal. Grotef., Litanie. 22. Severus. Dessen Gebeine wurden von Robert, Egberts Vorgänger, aus Italien transferiert 2 ). ') Hontheim, Prodromus u. a. 0. I. S. 379. 2 ) Neues Archiv II. 1877. S. 292. Reiners in „Studien und Mitteilungen aus Benediktiner- und Cisterzienserklöstern" IV. 1883. II. S. 439 ff. Voege a. a. 0. S. 380. 2* mmm m Hl qhH£ 20 ■■ I 22. Severinus. Grotef. 1 S. 115. Das Cal. Grotef. und Hontheim (S. 371) setzen ihn auf den 24. October. November: 3. Hucbertus. Grotef. S. 110, Cal. Grotef. 7. "Willibrordus, der bekannte Echternacher Heilige. Cal. Max., Cal. Grotef., Altarnachricht, Hontheim in der Liste der bes. Trierer Lokalheiligen S. 371, Mohr S. 332. Ausserdem in der dem Cal. Max. angehängten Litanie (Hontheim a. a. 0. I. S. 379), dem Echternacher Deckel und einer Handschrift mit Heiligenleben in der Trierer Stadtbibliothek (Lamprecht, Initialornamentik No. 64, S. 29). Das sog. Martyrologium Epternacense (Paris Ribl. nat. No. 10 837) in saec. VIII enthält von jüngerer Hand den Todestag des Heiligen auf YII Id. Nov. festgesetzt 1 ). — Das Sacram. in Paris (Delisle S. 252) hat sonderbarer Weise den 6. Novemb. als Tag des h. Willibrordus notiert. 12. Cunibertus eps. geboren im Bistum Trier, war Diakon zu Trier und wurde später Bischof zu Köln, f 663 2 ), Cal. Grotef. 13. Der h. Bricius wurde ebenfalls in Tours verehrt, wo er nach d. Vita Eligii ein Grabmal besass 3 ). 22. Caecilia. Cal. Max., Cal. Grotef., Litanie, Altarnachricht. Dezember: 4. Barbara. Cal. Max., Cal. Grotef. 17. Ignatius. Grotef. 1 S. 110, Cal. Grotef. Am 29., 30. Novemb. und 7. Dezember finden wir die Vigilia Andreae, den Tag des h. Andreas und die Octaba Andreae angegeben. Der Apostel Andreas wurde in Trier, besonders im Dome, viel verehrt 4 ). Das Cal. Max. hat bloss den Tag des h. Andreas verzeichnet, das Cal. bei Hontheim (a. a. 0. IL S. 380) Tag und Octave, ebenso das Cal. Grotef., Altarnachricht. 22. Gregorius in. Der heilige Gregorius von Spoleto, den Mohr (S. 352) auf den 23. notiert, wurde in Trier verehrt. Egbert brachte dessen Reliquien aus Italien mit und schenkte sie dem Dome 5 ). Hl Hb J ) .Lucas d'Achery, Collectio scriptorum etc. Paris 1723. U, 214. 2 ) Wetzer-Weite, Kirchenlexikon. 3 ) Über d. Zushg. v. Trier u. Tours vgl. unten. Schlosser, Beiträge zur Kunstgesch. S. 179. 4 ) Lamprecht, Bonner Jahrb. LXX. S. 58. Beissel, Stimmen aus Maria- Laach a. a. 0. S. 480. 5 ) Mohr a. a. 0. Görz, Mittelrh. Urk. I. No. 1673. Mon. Germ. hist. S. S. VIII. S. 170. Codex B u. O. Acquisivit in Spoleto civitate ossa Gregorii martyris .... HH iKÜ$ SS* 21 Gereo und Eugenia wurden in den Rheinlandeu verehrt. Die Altarnachricht erwähnt Reliquien von Gereo in St. Maximin. Die h. Eugenia wird im Brüsseler Martyrol. erwähnt (Boll. I?, 135). Nach Stadler (Heiligenlexikon II, 104) berichtet der h. Abitus von Vienne, „dass Eugenia im 5. Jahrh. sehr berühmt war, wofür auch der Umstand zeugt, dass ihr Name ehemals im Messkanon stand und in der alten gallicanischen Liturgie ihrer und nicht der h. Anastasia wie jetzt in der 2. Weihnachtsmesse gedacht wird." Auch in unserm Codex finden wir die h. Eugenia noch im Messkanon; m. E. beweist dies eine Einwirkung fränkischer Texte, die ja auch durch unsere Theorie des turonischeu Einflusses auf Trier nur unterstützt wird. Das im Anfange des 11 Jahrh. auf fol. 68b eingetragene Gebet auf die Auffindung der Reliquien von Vitus, Cornelius, Ciprianus, Cri- santus und Barbara weist auf die Abtei München-Gladbach, wie unten auszuführen ist. Vitus, Cornelius und Crisantus erwähnt die Altarnachricht von S, Maximin. Eine Schädeldecke des h. Cornelius besitzt nach Mohr') der Trierer Dom; derselbe besitzt auch eine Reliquie der h. Barbara. Vom 13. Novemb. 898 haben wir eine Nachricht 2 ), wonach König Zuentibolt das neue Kloster des h. Chrisantus u. Daria im Ripuariergau (Münstereifel) besucht 3 ). Die Benediktinerabtei München-Gladbach 4 ) (Diözese Köln) wurde im Jahre 972 unter Erzbischof Gero von Cöln neu begründet und zwar durch Sandrad (disciplinis regularibus eruditum) aus St. Maximin bei Trier. Der Patron des Klosters war der h. Vitus. Als man die Trümmer der ersten Gründung aufgrub, fand man einen schon bei der ersten Gründung erwähnten hohlen Stein und unter demselben die Reliquien der h. Märtyrer Vitus, Cornelius, Cyprianus, ! ) a. a. 0. S. 13, 218. 2 ) Görz, Mittelrh. R. I, S. 230. Reg. No. 802. 3 ) vgl. auch: J. H. Floss, Romreise des Abtes Markward von Prüm u. d. Übertragung d. h. Chrysanthus v. Daria nach Münstereifel; Repertor. XI. S. 424. De "VVaal, Über eine Translation von Heiligen. Römische Quartalschrift I. 1887. S. 161 ff. *) Eckertz und Noever, Die Benediktinerabtei München-Gladbach. 1853. S. 10 ff. Lucas d'Achery Spicilegium tom. XII. S. 234. Neue Ausg. H, 655—57. Binterim u. Mooren, Alte und neue Diözese Köln III, 14. Böhmer Fontes rer. germ. III, 357. Ropertz, Quellen u. Beiträge zur Geschichte der Benediktinerabtei des big. Vitus zu München-Gladbach, ebenda 1877. Vgl. übrigens d. gesamte Litteratur bei Schweikert. Festschrift zur Einweihung des neuen Gymnasialgebäudes zu M.-G. 1892. ■ ■ mm H| 111 22 Mm i &&% tm «Ras» Chrysanthus und Barbara, also derselben Heiligen, welche der auf fol. 68b befindliche Eintrag aus dem Anfang des 11. Jahrh. aufzählt. Also ein schlagender Beweis, dass die ursprünglich in Trier (St. Maximin) geschriebene Handschrift entweder nach München-Gladbach von Sandrad gleich mitgenommen oder später nachgeschickt wurde. Letzteres ist anzunehmen, da nach stilistischen und paläographischen Gründen zu schliessen, der Codex nach 972 entstanden ist. Im Anfange des 11. Jahrh. fügte man dann den auf die Gründung bezüglichen oben erwähnten Eintrag hinzu. Bäumer (Historisches Jahrbuch d. Görresgesellschaft XIV 1893. S. 241 ff. „Über das sog. Sacramentarium Gelasianum" S. 245) erwähnt einen Züricher Codex, den Gerbert (Monum. vet. lit. Alem. I, 1. praef. fol VI, VIII) stark benutzt hat. Jetzt ist dieser Codex nicht mehr in Zürich, wie Bäumer u. Wilson (The Gelasian sacramentary Oxford 1894) bezeugen, an seiner Stelle liegt ein Convolut wertloser Schriftstücke mit einem einliegenden Briefe von Gerberts Hand, der unter anderem die Worte enthält: „Ego remitto vobis codicem extraordinarium etc." Es geht daraus hervor, dass Gerbert, ob mit Absicht oder aus Versehen, den Codex zurückbehielt und statt seiner eine andere Hs. schickte. Die Untersuchung eines Liturgikers würde ergeben, ob meine Vermutung, dass der Codex Turicensis Gerberts und das Freiburger Sacramentar 360a aus dem Nachlasse Hugs identisch sind. Auf jeden Fall aber ist eine Untersuchung des Codex von liturgischem Standpunkte aus äusserst wichtig und zu empfehlen. F. X. Kraus hat seinem Aufsatze über die Wandgemälde von San Angelo in Formis bei Capua*) eine Einleitung vorausgeschickt, die in übersichtlicher Weise die bisherigen wissenschaftlichen Ergebnisse über die Kunst des 10. Jahrhunderts darlegt und zugleich eine kurze Charakteristik dieser Kunst entwirft. Er hat als die drei Mächte, nach welchen sich das Kunst- und Kulturleben zwischen 800 und 1000 orientierte, den Hof der Karolinger, den der Ottonen und den Benediktinerorden bezeichnet; dabei gewinnt letzterer noch die verstärkte Bedeutung, auch die Anregungen der beiden ersteren Faktoren verwirklicht zu haben. Springer 2 ) hat mit Recht betont, dass es ganz unberechtigt ist, a ) Jahrbuch d. kgl. preuss. Kunstsammlgn. XIV. 1893. S. 1 ff. Vgl. auch den interessanten kurzen Nachtrag zur Kasineser Kunst von Ebner im Histor. Jahrb. d. Görres-Gesellsch. XV. 1894. S. 482. 2 ) „Über die deutsche Kunst des 10. Jahrh." Westdeut. Zeitschr. III. 1884. S. 201 ff. u. Bilder aus d. neueren Kunstgesch. 2 Bonn 1886 I. S. 115 ff. 23 liP^M einen prineipiellen Unterschied zwischen der karolingischen und der ottonischen Kunst zu machen. Ein solcher besteht in der That nicht; man kann „mit Fug und Recht von einer einheitlichen karolingisch- ottonischen Kunst reden" 1 ). Selbstverständlich findet innerhalb dieser Kunstepoche auch eine gewisse Weiterentwickelung statt, sowohl des figuralen, dekorativen und ikonographischen Schmuckes, als auch der technischen Methoden. Im Allgemeinen aber haben die Forschungen Springers, Kraus' u. a. ergeben, dass die Kunst dieser Jahrhunderte eine zum grössten Teile konservative retrospektive Richtung zeigt (vgl. Springers oben erwähnten Aufsatz, der besonders durch Kraus Publikation des Egbertcodex und der Reichenauer Wandgemälde veranlasst wurde). Man erkannte klar, dass die Oberzeller Wandgemälde auf Reichenau auf die altchristlich-römische Tradition zurückgehen und sie abschliessen. Ferner nahm Kraus an, dass die Quellen der Reichenauer Kunstübung in Ralien zu suchen sind, wobei in erster Linie die Benediktinerabteien Bobbio und Monte Cassino in Betracht kamen, als es sich darum handelte, eine von dort herkommende Beeinflussung zu bezeichnen. Ein Zeuge der Cassineser Kunst des 11. Jahrhunderts sind die oben erwähnten Wandgemälde der Kirche San Angelo in Formis bei Capua. Weitere Werke Reichenauer Ursprungs aus jener Zeit sind der Egbertcodex (ca. 980), das Heidelberger Sacramentar, das v. Oechelhäuser (a. a. 0.) publiciert hat, und vielleicht der Codex Gertrudianus in Cividale (vgl. oben S. 13 f.). Sie gestatteten die Annahme einer blühenden Reichenauer Kunstschule, mit der in engstem Causalkonnex andere Werke stehen, wie das Echternacher Evangeliar in Gotha 2 ) wohl in Trier zwischen 983 und 991 entstanden), das Aachener Evangeliar 3 ) und ausserdem noch eine Menge anderer Produkte der Buchmalerei. Voege hat (a. a. 0.) diese Frage für eine grosse Gruppe dieser Mss. untersucht und eine Centralschule in Köln (Domkloster) konstatiert, in deren Entwicklung die Reichenauer Werke (Egbertcodex und Wandgemälde) von aussen beeinflussend hineintraten. Gegen Springer und Voege, die der Miniaturmalerei die führende Rolle in der Kunst des 10. Jahrhunderts zuweisen, nimmt Kraus für die Wandmalerei die erste Stelle in Anspruch. Seine Begründung ist x ) a, a. 0. S. 203. -) Vgl. Lamprecht a. a. 0. Janitschek, D. Malerei. S. 66. — Eine vollständige Publikation dieser Bilderhandschrift lässt hoffentlich nicht mehr zu lange auf sich warten. 3 ) Beissel, Bilder der Handschrift des Kaisers Otto in Aachen. 1887. 24 L einleuchtend. Nach welcher Seite jedoch diese Frage entschieden werden wird, eines steht fest, dass gerade bei Wandmalerei in erster Linie römisch-italienische Einflüsse nachzuweisen sind, während bei der Buchmalerei solche zwar nicht fehlen, diese (die Buchmalerei) jedoch im Grossen und Ganzen weit konservativer an der karolingischen Tradition festhält und also der altchristlich-römische Kunstbrauch sekundär vorherrscht. Unmittelbare italienische Einflüsse sind allerdings auch vorhanden und diese bewirken wenigstens, „dass die Verhältnisse richtiger, das Oval des Gesichtes feiner, die Formen schlanker wurden, die antike Gewandung einen einfacheren Fluss bekam und jenen aufgebauschten Faltenwurf verlor, welchen die Mehrzahl der karolingischen Miniaturen zeigte 1 )." Ebenso verursachte das Beispiel der Wandmalerei ein Streben nach lebensvollerem kräftigerem Ausdruck der Empfindungen und Bewegungen. Versuche einer naturalistischen Schilderung und Ornamentierung treten dicht neben erstarrte karolingische Formeln und stilisierte Ornamente. Dennoch hielt man sich in der Darstellung der Ornamente 2 ), der Technik und Architektur der Kandbordüren besonders, an die karolingischen Tradition. Nur der Kampf zwischen Pflanzen- und Bandornamentik, dessen Anfänge bereits in die karolingische Zeit fallen, setzt sich fort und endet mit der Niederlage der letzteren. Wie stark und nachhaltig die karolingische Tradition wirkte, beweist der Umstand, dass die Hs. Cim. 56 (München saec. XI) noch ganz unter karolingischer Kunstweise war 3 ). Ferner erweist sich ein Lorscher Sacramentar (Fragment in der Erlanger Universitätsbibliothek) 4 ) aus der Wende des 10. und 11. Jahrhunderts in formeller Hinsicht (Farbe, Dekorationsformen, Behandlung der Gewänder, antikisierende Zeichnung der Köpfe) als noch vollständig unter karolingischer Beeinflussung stehend. Voege nahm, wie bereits erwähnt, eine Centralschule im Kölner Domkloster an, welcher er eine Reihe von Denkmälern der Buchmalerei zuschrieb. Dabei ergab sich 5 ), dass der Aachener Ottonencodex und die bekannte Hs. München Cim. 58 dieser Schule entstammen, in deren *) Janitschek, D. Malerei, S. 62. — Ein spezielles Charakteristikum der deutschen Kunst des 10. Jahrhunderts sind die unverhältnismässig langen Arme und grossen Hände. 2 ) Die Hauptmotive bilden immer noch der Mäander und die Palmette in den verschiedensten Varianten. 3 ) Voege a. a. 0. S. 9. Anm. 4 ) Zucker, Repertor. f. Kunstwiss. XIV. S. 37. 5 ) a. a. 0. S. 44. •■*&? 25 Entwicklung die Keichenauer Werke, besonders der Egbertcodex und die Wandgemälde von St. Georg von aussen hineintraten. Den Grund dieser Beeinflussung können wir in späteren Werken nachweisen. Selbstverständlich zweigten sich von dieser Centralschule verschiedene Filialschulen ab, die Voege in Trier, Limburg a. d. H., Echternach, Bremen 1 ) lokalisierte. Verwandt ist die Schule von Minden 2 ), doch ist letztere „kein unmittelbarer Seitenschössling der ausgedehnteren Kölner Schule." „Es muss genügen festzustellen, dass die Mindener Schule zu jener weitverzweigten Familie zu zählen ist, der eine ganze Reihe deutscher Klöster dieser Zeit angehört haben 3 )." Auf Trier weist auf Grund des Kaiendars das Sacramentar in Paris 4 ). In engstem Zusammenhange mit der Trierer Filialsehule steht die Echternacher Schule, für die Voege im Exkurs seines Hauptwerkes Material zusammengetragen hat. Für unsern Codex können wir in erster Linie den Einfluss einer Kunstweise konstatieren, wie sie sich im Münchener Ms. Cim. 58 und im Aachener Ottonencodex documentiert, ferner finden sich Reminiscenzeu an Keichenauer Werken, welche durch die Annahme, dass der Codex unter Egbert oder nach seinem Tode in den letzten Jahren des endenden Jahrtausends geschrieben wurde, selbstverständlich sind. Das Echternach- Evangeliar, das auf demselben Boden entstanden ist, sowie andere Werke Trierer Kunst weisen verwandte Züge und technische Übereinstimmungen auf. Man kann wohl mit Sicherheit annehmen, dass die für Trier bestimmte Hs. auch da geschrieben und gemalt worden ist. Voege 0 ) bezweifelt allerdings, dass ein textlich nach Trier weisender Codex notwendigerweise auch da geschrieben sein müsse. Aber in unserem Falle darf man doch mit Recht Trier als das Lokal des scriptorium bezeichnen. Seiner Schrift und Mal weise nach fällt der Codex in die Zeit des Erzbischofs Egbert (977—93) [Kraus 6 ) setzt ihn als spät- karolingisch an, von Oechelhäuser 7 ) bezeichnet ihn als saec. X/XIJ. Egbert war ein grosser Freund und Liebhaber kostbarer Handschriften 8 ). 1 ) Voege S. 177 ff. 2 ) Voege Repert. f. Kunstwiss. XVI. S. 198 ff. 3 ) Voege a. a. 0. S. 213. ") Veege, Malerschule S. 143, 178. 5 ) a. a. 0. S. 178. 6 ) Repertor. f. Kunstwiss. X. 1887. S. 185/6. 7 ) a. a. 0. S. 25 Anm. 2. 6 ) Lamprecht, Bonner Jahrb. LXX. S. 57. Kraus, Einleitung, woselbst auch weitere Litteraturangaben. Codex Egberti, 26 Zwei Hauptwerke mittelalterlicher Buchmalerei sind mit seinem Namen und Wirken direkt verknüpft, der Codex Egberti und der Psalter in Cividale. Ferner bezeichnet das sog. Registrum Gregorii (Trierer Stadtbibliothek) in seiner auf Purpur geschriebenen goldenen Vorrede Egbert als Auftraggeber 1 ). Kraus 2 ) hat auf das Anschaulichste das Wirken dieses Kirchenfürsten geschildert, der beim Eintritte in die Würde seinen Sprengel im traurigsten Zustande antraf. Er war unablässig thätig, die durch die verheerenden Normanneneinfälle zerstörten und niedergebrannten Kirchen und Klöster wieder aufzubauen und wieder auszuschmücken 3 ). Dass seine Bemühungeu von Erfolg gekrönt waren, beweist der plötzliche Aufschwung und die hohe Blüte der Trierer Kunst gegen Ende seines Episkopates 1 ). Produkte dieser Kunstepoche sind z. B. der Tragaltar des h. Andreas 5 ), der Deckel des Echternacher Evangeliars (! ), der Stab des h. Petrus 7 ) und andere Werke der Kleinplastik 8 ), ferner die Werke der Trierer Malerei im weiteren Sinne (d. h. die Leistungen der Echternacher Schule mit eingeschlossen), das Registrum Gregorii, der Echternachcodex, das Prümer Antiphonar in Paris, Cod. lat. 9448 (Suppl. lat. 641)°), die Hs. des Kaisers Heinrich III in Bremen aus Echternach 10 ), vielleicht auch der Codex Gertrudianus ^ Keuft'er, Beschreibendes Verzeichnis d. Hss. d. Stadtbibl. zu Trier II. S. 95. Janitschek, D. Malerei, S. 65. Lamprecht, Initialornam. No. 47. S. 28. Neues Archiv II. S. 437. Lamprecht, Bonner Jahrb. 70. S. 59. Abgeb. bei Palustre und Barbier de Montault Tresor de Treves. Vgl. übrigens unten. 2 ) Codex Egberti S. 5 ff. 3 ) Ausser Kraus a. a. 0. Görz, Mittelrh. Urb. I Coblenz 1876 u. ders. Regesten der Erzbischöfe von Trier, an vieleu Orten. ') Vgl. die Schilderungen Beissels: Stimmen aus Maria-Laach XXVII. 1884. S. 260 ff. 479 ff. ") Beissel a. a. 0, S. 480. Aus'm Werth, D. Kunstdenkmale des christl. M.-A. in den Rheinlanden I. 1860. 3. Abb. S. 81. Tafel 55. 6 ) Litteratur bei Voege a. a. 0. S. 381/2. Farbige Abbildg. Henne am Rhyn, Kulturgesch. d. deutschen Volkes -l. S. 152. ') Beissel a. a. 0. S. 481. Aus'm Werth, D. Siegeskreuz Constant. VII. 8 ) Beissel a. a. 0. S. 482 ff. D. Goldschmiede- und Emaillekunst zur Zeit Egberts u. d. Nachfolger gedenke ich in Kürze an anderem Orte zu behandeln. 9 ) Schnaase 2 IV. 633. Lamprecht, B. J. 70. S. 60 Anm. Laberte 2 II 451. pl. Li. Kraus, Codex Egberti S. 8 Anm. 2. I0 ) Müller, Mittlgn. d. k. k. Centralkomm. VII. 1862. S. 57 ff. nimmt Heinrich III an, Beissel (Hs. d. Kaisers Otto S. 28) und Lübke, Gesch. d. deutsch. Kunst S. 133, bezeichnen, wohl mit Recht Heinrich II. Nach Beissel a. a. 0. zeigt der Codex eine starke Benutzung des Codex Egberti und des Codex Epternacensis. ■■■■■Mg 27 ^ ■■ (vgl. oben S. 13 f.), ferner das Sacramentar in Paris 1 ), das Evangeliar in Paris (Bibl. nat. Cod. lat. 8851), (Suppl. lat. 667) 2 ;, vielleicht noch der Codex saec. X'XI mit Initialen 3 ) der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel. Diese durch den mächtigen Willen eines hochbedeutenden Mannes emporblühende Kunst wurde sogar mit kaiserlichen Aufträgen beehrt 4 ), Es existierten thatsächlich nähere Beziehungen Ottos II und Ottos III zu Egbert 5 ). Das Registrum Gregorii enthält Verse zum Lobe Ottos II (vgl. oben) und der Deckel des Echternachcodex zeigt bekanntlich die in Goldblech getriebenen Gestalten der Kaiserin Theo- phanu und ihres Sohnes. Es liegt also gar kein Grund vor anzunehmen, dass die Bestellung für das Sacramentar einer Trierer Kirche einem auswärtigen scriptorium gegeben wurde, da in Trier selbst die Kunst in so hoher Blüte stand. Wir finden ausserdem trotz der oben erwähnten fremden Einflüsse bei dem Sacramentar und andern Werken (Registrum Gregorii, Prümer Antiphonar, Pariser Evangeliar) noch ein ziemlich konservatives Festhalten an der altkarolingischen Hoftradition, konservativer als in der Reichenauer und Kölner Schule. Wie bereits oben erwähnt wurde, tragen fol. 1—22a den ornamentalen und figuralen Schmuck der Hs. Derselbe ist durchgängig in Deckfarbenmalerei ausgeführt. Die Farben sind ziemlich hell, gebrochen und von matter, glanzloser Oberfläche, also noch in antiker und karo- lingischer Weise 6 ). fol. 1—12 enthalten das Calendar. Dasselbe ist durchgeheuds in rechteckigem Bordürenrahmen auf sorgfältig liniiertem tiefgefärbtem Purpurgrund in goldener und silberner Zierschrifc geschrieben; der Purpur ist vorzüglich erhalten. Die leuchtende Farbe desselben ist gut zu studieren, wenn man eines der (beiderseits gefärbten) Blätter gegen das Licht hält. Die tiefe Färbung des Purpurgrundes wurde wohl gewählt, um das Durchschlagen des viel verwendeten Silbers zu verhüten 7 ). Das J ) Voege S. 143. 178. 2 ) Janitschek, Malerei S. 65. Waagen, Kunstwerke und Künstler in Paris S. 266. Voege S. 97. Schnaase IV 2 629. Kämmerer, D. Landschaft in d. deutschen Kunst S. 28 Anm. Willemin, Monuments fran^ais inedits I pl. 44. p. 31. Vgl. unten. 3 ) von Heinemann, D. Hss. zu Wolfenbüttel I, 3. No 1216. S. 59. ■») Lamprecht, B. J. LXX. S. 59. . 6 ) Lamprecht a. a. 0. Beissel, Stimmen aus M.-L. S. 269. 6 ) Janitschek, Malerei. S. 63. 7 ) V. Oechelhäuser. S. 52. 28 ist dennoch geschehen, ebenso wie bei den Initialen des Egbertcodex und den Silbergloriolen der Evangelisten im Adacodex l ). Unter Egbert blühte bekanntlich die Goldschrift auf Purpurgrund 2 ). Von Oechelhäuser findet 3 ) eine „auffallende häufige Anwendung von Silber, sowohl in der Schrift, wie bei den Bildern." Die Kölner Schule 4 ) zeigt nur ausnahmsweise Verwendung von Silber (die Schrift ausgenommen). Dagegen weist die Bibel saec. X in Trier 5 ) viel Silber, ebenso finden sich Silberinitialen in dem Echternacher Missale in Darmstadt l! ). Der Codex Egberti 7 ) hat in den goldkonturierten Initialen viel Silber als Füllung verwendet, Ebenso sind auf Tafel 54 (Kraus S. 26), wo Jesus den Jüngern erscheint und, nachdem er gegessen, ihnen Reste von Fisch und Honig giebt, die Fische und das Brod silbern. Im Codex Epternacensis 8 ) finden wir von fol. 426 an als Füllung für die mit Mennig konturierten Initialen vorwiegend Silber. Das Heidelberger Sacramentar weist ebenfalls eine nicht geringe Verwendung von Silber auf. Ebenso tragt das Kalendar hier Gold- und Silbertupfen in der Schrift wie unser Sacramentar. Ein rhein- läudisches Evangeliar in Köln 9 ) (saec. XI ex.) hat Initialen mit Silberfüllung. Wir finden also in Trier und den Rheinlandeu schon frühe (Adacodex) eine starke Verwendung des Silbers in Wort und Bild; diese Bevorzugung erhielt durch die Reichenauer Kunstweise nur noch Nahrung. Die den Purpurgrund umschliessenden Bordüren tragen alle Ornamente, deren Motive in spätkarolingischem Stile gehalten sind. Auf der inneren Seite trennt diese Ornamente ein rotunterlegter schmaler Gold- rahmeu mit weissem Kontur; der äussere Rahmen ist breiter und zweifarbig, gold und rot; diese beiden Farben trennt ein dünner weisser Strich. Die Ecken durchbrechen vier herzblattförmige goldene Abschlüsse, die in den Pergamentgrund hinausragen und die der weisse Trennungskontur bis zu den Enden begleitet, also den roten Rahmen durchbricht. Diese Art des Rahmens (vgl. Tafel 2) ist mit geringen Modifikationen J ) Tafel 15. Dort auch im Rahmen neben Gold ebenfalls Silber in den Füllungsfeldern. 2 ) Keuffer I 8, II 95. 3 ) a. a. 0. S. 52. 4 ) Voege a. a. 0. S. 170. s ) Vollmöller, Roman. Forschgn. S. 276. Voege S. 383/4. 6 ) Lamprocht, B. J. LXX. S. 77. ') Lamprecht a. a. 0. S. 84. 8 ) Tafel 4, 6, 7. 9 ) Lamprecht a. a. 0. S. 84. Ders. InitLalornamentik S. 30. No. 79. ■■■■ ^ 29 fast stets dieselbe, nur die Ornamente wechseln. Meist zeigen die zwei, bei aufgeklapptem Buche zugleich sichtbaren Bordüren mit demselben Ornamentmuster geschmückt. Im Ganzen lassen sich sieben Muster unterscheiden, die auf den Seiten 1 — 23a, die solche Rahmen tragen, stets wiederkehren und zwar in verschiedenen Farben. Die folgende anspruchslose Skizze giebt eine Umrisszeichnung von fünf Mustern, das sechste zeigt Tafel 2, das siebente ist eine Kombination von Muster drei und vier. Die Ornamente verteilen sich folgendermassen: I. fol la; 12b, 13a; II. lb, 2a; 7b, 8a; 9b, 10a; IIb, 12a; 16a; 18b, 19a; III. 2b, 3a; 4b, 5a; IV. 3b, 4a; 6b, 7b, 10b, IIa; 17b, 18a; V. 5b, 6a; 8b, 9a; 16b, 17a; 20b, 21a; 22b; YI. 14a; 23a; VII. 14b, 15a; 15b; 19b, 20a; 21b. Die Technik der Ornamente ist folgende: Auf die vorherrschende Grundfarbe wurde mit weisser Deckfarbe das Muster des Ornamentes gemalt. Die Blattrippen wurden schwarz oder mit dunklerem Lokaltone eingezeichnet; den Blattrippen entlang wurden weisse Punkte aufgesetzt (Tafel II). Sodann wurden die einzelnen Muster mit schwarzer oder dunklerer Lokalfarbe umgrenzt und von einander geschieden. Die Farben: kobaltblau: la; lb, 2a; 13a; lila: 2b, 3a; 5b, 6a; 9b, 10a; 12b; 14a; 16b, 17a; 19b, 20a; 22b, 23a; «SS <5&sp-lBB wSlmI i ' 1 P» PS 3ö grün: 3b, 4a; 6b, 7a; 10b, IIa; 14b, 15a; 17b, 18a; schieferblau: 4b, 5a; 7b, 8a; IIb, 12a; 15b, 16a; 18b, 19a, 21b; Zinnober: 8b, 9a; 20b, 21a. Bei blau und grün wurde schwarz zur Zeichnung der Blattrippen und zur Umgrenzung verwendet, bei rot und lila dunklerer Lokalton. Die Ornamentik knüpfte an die karolingische an, wie sie zur Zeit der Ottonen noch in Miniatur und Wandmalerei Anwendung fand (vgl. d. Ornamentfriese von Keichenau bei Kraus a. a. 0.). Ausser dieser in einem altkarolingischen Kultursitze selbstverständlichen Konstanz, ausser Reichenauer Einflüssen können wir auch eine direkte Einwirkung der Kölner Hauptschule feststellen. Hss. wie Cim. 58 und der Aachener Ottonencodex haben hier vorbildlich gewirkt. Ornament VI = Cim. 58 (Voege S. 89). Ornament III = K. Aachen (Beissel a. a. 0. Tafel 21), das Ornament, das auf den Säulen liegt. Ornament II = Cim. 58 (Voege S. 351). Ähnliche Ornamente: Voege S. 87, 185, 291, 384. S. 241 zeigt auch ein ähnliches Prinzip der Umrahmung, nur fehlen die Ausläufer an den Ecken. Im Allgemeinen ist die Ornamentik der Randbordüren in unserem Codex plumper, gerundeter, während sie in der Kölner Hauptschule spitzer, zerrissener, zackiger aussieht. Das für Köln geschriebene Evangeliar in Darmstadt, das von Oechelhäuser zusammen mit dem Heidelberger Sacramentar publiciert und mit demselben verglichen hat und das er ebenfalls auf Reichenau lokalisiert, während Springer 1 ), Lamprecht 2 ) und Voege 3 ) den Kölner Ursprung festhalten, möchte ich auf Grund der Ornamentik (vgl. Oechelhäuser a. a. 0. Tafel 9) ebenfalls für ein Kölner scriptorium in Anspruch nehmen. fol. 13a enthält in reichornamentiertem Rahmen auf Purpurgrund in Gold- und Silbermajuskeln die Worte: Est Deus in Coelo etc. (vgl. oben.) Das Prinzip der Umrahmung ist dasselbe, wie auf den vorhergehenden Seiten. Nur ist auf den Purpurgrund den inneren Seiten des Rahmens entlang ein zweiter, etwas schmalerer Rahmen gelegt (in weisser Deckfarbe). In der Mitte der vier Seiten liegen, die Breite *) a. a. 0. S. 367 Anm. 1, 2 ) Westd. Zeitschr. 1888 S. 78. ' 3 ) a. a. 0. S. 181. ■■^■B Si des ganzen, jetzt vergrössterten Rahmens ausfüllend, vier Quadrate, welche runde Medaillons einschliessen. Diese Medaillons, welche männliche Brustbilder auf Silbergrund tragen und deren Durchmesser kleiner ist als der Längen- und Breitendurchschnitt der Quadrate, werden je von einem schmalen, abwechselnd mit schwarzen und weissen Punkten besetzten Rundrahmen umgeben, der nach dem Silbergrunde, also nach innen, einen weissen, nach aussen einen rotbraunen Kontur hat. In dem äusseren, die Medaillons umschliessenden quadratischen Rahmen liegen andere, kleinere, aus weissen und roten Linien gebildete Quadrate, deren Seiten denen des äusseren parallel sind. Das innerste Quadrat wird von dem Medaillon so bedeckt, dass nur die vier Ecken herausragen; in den schwarzbraunen Zwickeln, die dadurch entstehen, liegen je drei weisse Punkte. Die Ecken der ineinanderliegenden Quadrate verbinden schwarzbraune Linien; dieselbe Farbe hat der abschliessende äussere Kontur. Der Silbergrund der Medaillons trägt das Brustbild eines bartlosen Mannes en face. Derselbe trägt ein blaues weissgehöhltes Untergewand, über dem auf der linken resp. rechten Schulter der lichtgrüne weiss- gehöhlte Mantel sichtbar wird. Er ist auf der Schulter mit einer grossen runden Goldfibula befestigt. Das Bild hebt sich in braunem Kontour vom Hintergrunde ab, nur das blaue Gewand und das blaue Haupthaar siud gegen den Silbergrund weiss kontouriert. Die Gesichtsfarbe ist purpurrosa mit weissen und roten Aufhöhungen. Es wird nötig sein, bei der Besprechung der Technik darauf zurückzukommen. Die Medaillons zeigen stets dasselbe Porträt, nur sehen die Köpfe nach rechts oder links je nach der Seite, auf der sie liegen (rechts und unten nach rechts, links und oben nach links). Auf den äusseren Seiten der Rahmen liegen in der Mitte rotunterlegte goldene Palmettenornamente mit braunem Kontur und brauner Blattrippeneinzeichnung (vgl. Skizze). ^M_ Schon die altchristliche Kunst übernahm aus der Antike die Sitte von Porträtdarstellungen in Form von Münzbildern 1 ). Allmählich jedoch x ) "Vgl. Schlosser, Beiträge zur Kunstgeschichte aus den Schriftquellen des frühen Mittelalters. Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissensch. in Wien. Philosophisch-histor. Klasse CXXIII. Wien 1891. S. 121 ff. 32 verflüchtete sich die eigentliche Bestimmung, nämlich die naturgetreue Wiedergabe der Gesichtszüge, das Beiwerk wurde zum Hauptzweck; die Medaillons wirkten nur noch dekorativ. Zuweilen kopierte man zu Deko- rätionszwecken sogar direkt antike Münzen, wie z. B. hier oder im Echternacher Codex. Ja, man verwendete sogar in der Goldschmiedekunst einfach antike Münzen selbst (Tragaltar des hlg. Andreas). Zu trennen von dieser Art der Medaillons, aber jedenfalls auch aus ihnon hervorgegangen, sind die Medaillons mit Darstellungen aus der Bibel, mit solchen der Personifikationen christlicher Tugenden etc. (z. B. das Sacram. v. Autun).') Die Bamberger Alcuinbibel zeigt auf fol. 339b in den Blattzwickeln einer blattgrossen Darstellung Medaillons mit den Brustbildern von Jesaias, Ezechiel, Jeremias und Daniel 2 ), ebenda auch in den Bandleisten öfters Anwendung von Medaillons, die jetzt meist herausgeschnitten sind; eines der erhaltenen trägt die Inschrift Alcuin. Für diese Darstellung hat nach Leitschuh 3 ) eine römische Goldmünze vorbildlich gewirkt. Der Echternacher Codex hat in den Ecken der rechteckigen Randbordüre auf fol 79r° Medaillons mit Darstellungen der Elemente 4 ). In St. Georg auf Reichenau erblickt man in den Zwickeln der Arkaden- bögen im Mittelschiff Medaillons mit Darstellungen von Propheten, wie sie Kraus 5 ) bezeichnet, dabei aber die Vermutung ausspricht, es könnten Bischöfe oder Äbte sein. Springer 0 ) schliesst sich ihm an. In den neuerdings von Kraus publicierten Wandgemälden 7 ) von San Angelo in Formis finden wir ähnliche Medaillons, die sicher Propheten darstellen, so dass man, wenn man sich noch dec Prophetenmedaillons in der Bamberger Alcunibibel erinnert, auch in den Reichenauer Brustbildern Propheten erkennen kann. Das in Trier entstandene Pariser Evangeliar zeigt in der Mitte der Randleisten goldene Kaisermedaillons mit Profilköpfen in weissen Umrissen 8 ). Wie bereits oben erwähnt, ist auf dem Tragaltare des hlg. ') Springer a. a. 0. S. 350. 2 ) Adahandschr. S. 76. 3 ) Karoling. Malerei S. 253. Vgl. auch im allgem. über dies aus d. altchristl. Kunst übernommene Dekorationsmotiv ebenda S. 38. 4 ) Lamprecht a. a. 0. S. 81. fl ) a. a. 0. Text S. 6. ") Westd. Zeitschr. III. S. 213. ') Jahrb. d. kgl. preuss. Kunstslgn. XIV. S. 84. 8 ) Janitschek, Malerei S. 65. Waagen, K. u. Kwke. in Paris S. 266. Siehe unten. ■y r -:■■■<;:: .-.-y «. , •. ■■ 33 Andreas eine antike Goldmünze befestigt 1 ) und von Quast sowie aus'm Weertb 2 ) weisen auf die in den Miniaturen des Echternacher Codex als Verzierungen dienenden Münzbilder bin; (fol. 79b: „in der Mitte der Leisten Medaillons in Gold mit weisser Zeichnung, ebenfalls aufs Lebhafteste an Emailtechnik erinnernd") 3 ). Ihre Inschriften machen sie als Münzen des Kaisers Constantin kenntlich 4 ). Auch die Medaillons im Freiburger Codex scheinen auf Kopieen von Münzen zurückzugehen. Die Medaillons zeigen immer denselben Kopf, es wurde also hier nach einer Vorlage gearbeitet. Das longob. Brustkreuz des Gisulfus (Mus. zu Cividale) zeigt z. B. auch unter den mit Stempeln eingeschlagenen Ornamenten achtmal einen Kopf mit langen Locken. Clemen Bonner Jahrb. 92. S. 43. Vgl. auch ebd. Anm. 103. Dass es im 10. Jahrh.. an antiken Münzen als Vorbildern nicht fehlte, beweist u. a. der bekannte Silberfund von Leissower Mühle im September 1894, der überhaupt ein charakteristisches Bild des Geldverkehrs im 10. Jahrhundert giebt. Er enthält neben gleichzeitigen und früheren Münzen aus aller Herren Länder auch Denare von Domitian, Marc Aurel, Lucius Verus und der Kaiserin Crispina, Comrcodus Gemahlin, also aus den Jahren 81—192 n. Chr. (vgl. Bahrfeld im Numismat.- sphrag. Anzeiger XXV 11. 1894. S. 95 ff.) Das Bild des sitzenden Gregorius (fol. 13b) ist ein im Bilderkreis der Sacramentarien häufig vorkommendes Motiv. Der Grund liegt nahe, da die Redaction des Sacramentariums auf diesen grossen Papst zurückgeht. Ein solches Bild ist zunächst als Dedikationsbild aufzufassen, wie sie in den Prachtwerken des Mittelalters fast ständig anzutreffen sind. Sie sind schon in karolingischer Zeit"') häufig und gehen in fortlaufender Reihe auf spätrömische Dedikationsbilder zurück. Janitschek weist (a. a. O.) 8 ) darauf hin, wie das Bildnis des Constantin II Augustus „in Haltung und Anordnung die auffallendste Verwandtschaft mit karo- lingischen Fürstenbildern" zeigt. ') Schlosser, Beiträge S. 92 erwähnt noch andere Fälle von solcher echt mittelalterlicher Naivität. 2 ) aus'm Weerth a. a. 0. Text I, 3. S. 81. 3 J Lamprecht a. a. 0. S. 81. 4 ) Janitschek, Malerei, S. 68. 5 ) z. B. im Lotharevangeliar Adahandschr. S. 78. Leitschuh S. 83. 6 ) Adahandschr. S. 78. Vgl. J. Strzygowski D. Calenderbilder des Chronographen vom Jahre 354. (Ergänzungsheft I zum Jahrhuch d. k. deutsch. Instituts) Berlin 1888. Tafel XXXIV. Text S. 90 ff. Westd. Zeitschrift. Ergänzungsheft IX. 3 Doch nicht als Dedikationsbilder allein*) sind die Bilder des Gre- gorius in den Sacramentarien zu verstehen, sondern sie repräsentieren zugleich noch einen inneren Zusammenhang mit dem Texte, wie oben angedeutet wurde. Das Dedikationsbild wurde ausserdem in diesem Falle noch zum Andachtsbilde, zum Caerimonienbilde. Ob die Verehrung desselben soweit ging, dass es auch zum Küssen gereicht wurde, wie dies eine Stelle Muratoris 2 ) für die Kanonbilder annehmen lässt, kann nicht entschieden werden. Der Typus des Gregorius 3 ) ist das ganze Mittelalter hindurch ein ziemlich konstanter. Meist erscheint der Papst in reicher priesterlicher Tracht sitzend und mit dem Schreiben seiner Werke beschäftigt oder dieselben Schreibern diktierend. Eine ihm auf der Schulter sitzende Taube, der heilige Geist, flüstert ihm Offenbarungen in das Ohr. Leitschuh 4 ) erwähnt eine Beschreibung, die Johannes Diakonus im 9. Jahrhundert von einem angeblich nach Autopsie gemalten Bildnisse im Andreaskloster zu Rom des Papstes entwirft. Die Beschreibung schildert das Gesicht Gregors, seine hohe Stirne, seine Habichtnase, das hervorragende Kinn so charakteristisch, dass wir diese (römischen) Eigentümlichkeiten auf allen Bildern mehr oder minder wiedererkennen, gewiss das sicherste Zeichen einer konstanten Tradition, die sich aus der altchristlichen Zeit das ganze Mittelalter hindurch, allerdings in allmählich verblassender Weise, erkennen lässt. Das Sacramentar von Autun 5 ) zeigt auf dem Titelbilde den Papst mit einem Buche in einem Tondo sitzend. Das karol. Sacramentar in Paris 6 ) (Bibl. nat. Cat. No. 41) zeigt ihn mit der Taube, wie er zwei Diakonen, die durch eine Draperie von ihm getrennt sind und vor einer geöffneten Büchertruhe sitzen, die Offenbarungen diktiert. Das etwa um dieselbe Zeit wie der Freiburger Gregorius und *) wie z. B. die Huldigungsbilder von Fürsten, die sogar manchmal besonders eingeheftet wurden z. B. Cim. 58, vgl. Voege S. 28. 2 ) Springer a. a. 0. S. 343. 3 ) Der Typus d. sitzenden, schreibenden u. diktierenden Papstes geht auf antike Vorbilder zurück, vgl. z. B. das Beamtendiptychon des Probianus (kgl. Bibl. Berlin) vom Ende d. 4. Jahrb. Abb. Westwood Fictile ivories Tafel 8, p. 13 u. besser d. Photogr. (Tafel 11} bei Meyer (Abb. d. philol.- philos. Cl. d. bayr. Akad. d. Wiss. XV. 1881. Text S. 78, wo weitere Litteratur.) 4 ) Karolingische Malerei S. 237. 6 ) Gazette des beaux-arts 1884 S. 185. Springer a. a. 0. S. 349. Adahandschr. S. 83, Leitschub S. 237. 6 ) Adahandschr. S. 102, Leitschuh S. 237. ■^^^^B ^H^^^H ^HB^K ■ 1 ■■■".'•' 1' ; '■':■: ; - Hl I 35 ebenfalls in Trier entstandene Registruin Gregorii (Leitsch. siehe oben) enthält ebenfalls ein Bild des Papstes, der auf einem Throne sitzt. „Sein Gewand ist violett und goldgestickt, darüber hängt das weisse mit drei einzelnen Kreuzen bezeichnete Pallium herab, das Untergewand ist hellbräunlich. Der Papst sitzt auf grünem, goldweiss verziertem Kissen, welches auf der rotgold verzierten Decke des Thrones liegt, unter der rechts und links je ein goldener Hundskopf hervorragt, unten goldene Klauen des Thrones. Seine Füsse, goldbeschuht, ruhen auf einem Vorsatze. Die Rechte hält ein goldgebundenes Buch, die Linke ruht auf einem Buche, das auf einem Pulte aufgeschlagen ist. Auf der rechten Schulter sitzt die weisse Taube, welche in sein Ohr flüstert. Um das Haupt der runde Goldreif; darüber mit weisser Schleife GREGORIUSpp. Darüber hängt eine goldene mit Edelsteinen gezierte Krone von der runden Decke, welche rechts von zwei gelben, links von zwei grünen Säulen, alle mit roten korinthischen Capitälen getragen wird. Die Säulen rechts 'und bis zum Papste hin sind mit grünlich- weissen velis verhängt; noch weiter rechts ist eine Nische mit grün und rotem velum, das aufgezogen ist; darin sitzt auf rotem Kissen mit Gold, halb stehend ein Mönch (?) in blauem Gewände, beschuht, zum Papste hingewendet, in der Linken') eine mit tironischen Noten beschriebene grüne Tafel, rechteckig mit geradliniger Handhabe, mit ziemlich breitem Rand um das "Wachs, in der Rechten einen goldenen Griffel an den Mund haltend. Über ihm steht mit weisser Schrift NOTAR1US." „Die Nische, worin der Papst sitzt, ist mit der des Notars verbunden, letztere eine Art Vorhalle mit besonderem braungelbem Dache. Über das ganze Haus geht ein purpurrotes Dach mit goldenem Knopfe" 2 ). Der Papst selbst ist bartlos, schlank, vornehm, also äusserlich unserem Gregorius unähnlich. Bei einer genauen Vergleichung der beiden Beschreibungen, mit Zuhilfenahme der Tafel 2, ergeben sich eine Masse von Ähnlichkeiten (der Nimbus, die Rhombenzeichnung des Daches etc.). Das Missale München Cim. 60, wahrscheinlich in Regensburg geschrieben, enthält ein Bild des schreibenden Gregorius. Das bekannte Bamberger Sacramentar 3 ) (saec. X) zeigt Gregorius und Gelasius, beide *) Diese Angabe ist ungenau, vgl. richtiger oben. 2 ) Neues Archiv der Ges. f. ältere deutsche Geschichtsk. II. 1877. S. 437. 3 ) Waagen, Kunstvv. u. K. in Deutschland. II, 58 ff. Bäumer, Histor. Jahrbuch 1893. XIV. S. 244. Die Rückseite des Deckels zeigt ebenfalls einen schreibenden Gregor, der aus einer Silberplatte ausgeschnitten ist. B. Riehl, D. bayr. Kleinplastik d. frühroman. Periode in Reinhartstötners Forschgu. 1894. Separatabdruck. S. 15. 3* m> mm man EnflF 36 schreibend. Im Antiphonar von St. Gallen (No. 390 und 391 der Stiftsbibliothek) sehen wir Gregorius mit der Taube und einem Schreiber in Diakonentracht 1 ). Endlich erwähne ich noch eine Hs. des 12. Jahrhunderts in der Wolfenbütteler Bibliothek 2 ). Das Brustbild des Gregorius schaut aus dem Initial P (Öffnung) heraus. Die rechte Hand segnet, die linke hält ein Buch. Auf seiner rechten Schulter sitzt die Taube. Beide sind nimbiert. Links schaut durch eine Öffnung des Initial ein Bischof mit Stab 3 ). Eine photographische Reproduktion des Bildes bietet Tafel 1. Das Bild ist von einem rechteckigen Rahmen umschlossen, also auch hier das Prinzip des antiken Rahmenbildes beibehalten 4 ). Der Ecken- auswuchs ist zu einem reicher profilierte Blatte geworden. Der zweiteilige Rahmen 5 ) ist aussen rotbraun, wie der oberste Streifen des Hintergrundes; der innere Teil ist blaugrün. Die. Ausläufer sind golden mit rotbraunem Kontur. Der blaugrüne Streifen ist nach aussen weiss und nach innen rotbraun konturiert. In einer von zwei Säulen getragenen Architektur sitzt der Papst ganz en face. Die Architektur ist ein tempelartiger Bau mit länglichem Dache. In der Front liegt auf der rechten Seite ein Giebel 0 ). Dach, Giebel und Dachaufsatz sind ganz im Stile des 10. Jahrhunderts ge= halten. Das silberne 7 ) Dach zeigt vom Giebel aus nach beiden Seiten parallele zinnoberrote Streifen; ebensolche Streifen ziehen parallel der der Dachlinie. Auf diese Weise entstehen lauter Rhomben, die auf der innern Seite einen weissen, jetzt ziemlich abgescheuerten Kontur, !) Janitschek, Malerei, S. 99. ä ) v. Heinemann, Hss. in Wolfenbüttel I, 2. S. 29 4. Tafel. 3 ) Eine Elfenbeinplatte im Stift Heiligenkreuz zeigt einen hlg. Gregorius mit der Taube auf der Schulter, unter ihm drei schreibende Mönche. Eine reiche Bogen- und Säulenarchitektur mit Vorhängen bildet den Abschluss. Die Platte gehört in die Mitte d. 10. Jahrb., steht „aber noch unter dem Einflüsse der karolingischen Kunst." , Clemen, Merowingische u. karoling. Plastik (Bonner Jahrb. 92) S. 132. Abb. Mitt. C. K. XVIII. Taf. S. 168. Ed. Braun, Mittlgn. d. Germ. Museums 1895, S. 21, Anm. 7. 4 ) Schlosser a. a. 0. S. 117. 6 ) D. Hs. AI 47 zu Bamberg, nach Voege eine direkte Weiterentwicklung des Aachener Ottonencodex, hat ebenfalls ein zweifarbiges (rothbraun und grünes) Doppelband als Bildumrahmung. °) Vgl. Hs. Aachen Tafel 9, 16, 33, nur sind die Giebel hier steiler und das Dach dort flacher. ') Die Kölner Schule zeigt Silberdach in Hs. II (München Cim 59) und Hs. V Hildesheim. _HHIH_ Bonn -.V'"' ; : - I '■■■■■■• 1 1 37 H der in jeder Ecke ein rundes Schleifchen bildete. In einer der untern Ecken liegt ein schwarzer Punkt. Der rotkonturierte Giebel ist aussen blau mit weiss gehöhten Strichen, dann rosagelb mit weissem Lappenmuster umsäumt. Ausserdem sind diesem Grunde die bekannten Punktrosetten aufgemalt. In der Mitte liegt ein zinnoberrotes Fenster mit weisser Einzeichnung. Der Doppelknopf 1 ) auf dem Dache zerfällt in zwei Kreise, gold mit weissem und rotem Kontur; der Verbindungsteil beider ist rot mit weisser Höhung und braunem Kontur auf der rechten Seite. Das Gesimse, auf dem Giebel und Dach ruhen, ist rotbraun mit weissen Strichen, die parallel laufen. Unter dem Giebel bildet es einen kleinen Vorsprung, der blaue Farbe mit zinnoberroten Wellenlinien zeigt. Die Säulen und Topfcapitelle ähneln sehr denen des Aachener Codex (Tafel IV ähnliche Art der Strichelung, um den Eindruck einer seltenen und kostbaren Steinart zu erzielen; ferner Tafel V). Das Capitell bei Beissel (Tafel XX) weist auch eine Ähnlichkeit mit dem auf unserem Gregoriusbild, nur ist der innere, von der Topfpalmette umschlossene Teil verkümmert. Ferner vergleiche man Tafel XXVIII (das untere der beiden Capitelle) und Tafel XXXIII. Unser Capitell zeigt denselben Prozess eines starken Eindringens der Bordürenornamentik in die Capitellformen, wie ihn Voege 2 ) konstatiert. Man vergleiche übrigens das Capitell auf Tafel I mit Bordürenornament VI (Tafel II) und man wird den Grad dieser Beeinflussung sofort erkennen. Die Säulen haben eine rotbraune Farbe mit zinnoberroten, weissen und dunkleren (in Lokalfarbe gehaltenen) Zickzacklinien. Der Säulen- fuss besteht aus zwei goldenen rot und weiss kontourierten Polstern, zwischen denen ein blaues Mittelstück mit links rotem, rechts weissem Kontour und ebensolcher Strichelung liegt. Der Hintergrund ist ein dreifarbiger Streifenhintergrund. Die Farben sind folgende: unten beginnt blau (kobaltblau), dann schliesst sich lila an, und oben schliesst ein stumpfes Purpurbraun. Die Übergänge sind scharf und ausserdem hat man bei der Abteilung des Hintergrundes die Verhältnisse des Bildes benutzt, also unten in der Höhe des Sitzes, oben vom Beginne des ') Die Dächer des Echternach Codex zeigen ebenfalls goldene rotkonturierte Knöpfe, vgl. die farbige Tafel bei Henne von Rhyn, D. Kulturgeschichte I 2 , 182. Ebenso die Bremer Hs. solche Knöpfe vgl. Abb. Lübke, Deutsche Kunst S. 137. 2 ) a. a. 0. S. 361. 38 Daches an, welches mit seinem Gesimse gerade die ganze Breite des Kahmens ausfüllt. Der Übergang der beiden unteren Streifen trägt sechs parellele Linien, von denen drei (schwarze) auf dem unteren und drei (weisse) auf dem mittleren Streifen liegen. Diese Streifenhintergründe sind bekanntlich ein Erbteil der Antike; in der karolingischen Zeit fanden sie starke Verwendung 1 ). Auch die Kölner Schule zeigt viele Streifenhiutergründe 2 ). Das Bremer Evangelistar 3 ) hat auf einem Blatte einen zweifarbigen Hintergrund, wobei der obere rötliche Grund allmählich in den unteren grünlichen übergeht. Zwischen den Säulen ist die ganze Breite des Gesimses entlang ein Vorhang mit schwarzen Schleifen au roten Nägeln befestigt. Goldene Bänder halten in Schulterhöhe des sitzenden Papstes den in der Mitte geteilten Vorhang an den Säulen fest. Der Vorhang ist dreifarbig, der oberste schmale Goldstreifen trägt doppelten (roten und weissen) Kontour. Es folgt ein zweiter, ebenso schmaler, blauer Streifen, der mit weissen Strichen in dem Bruche der Falten gehöht ist. Der übrige Hauptteil des Vorhanges ist blaugrün. Die durch die Falten hervorgebrachten Schatten und Lichter werden durch Höhung mit dunklerem Lokalton und Weiss hervorgebracht. Besonders letztere Farbe wurde mittelst vieler nebeneinander liegender Striche breit aufgetragen. An dem oberen Polster des Säulenfusses setzt je eine einfach profilierte Console an, hinter denen der Vorhang mit seinen zwei Enden niederfällt und unten mit der zinnoberroten weissgehöhten Kückseite noch etwas sichtbar wird. Der Vorhang ist in seinem blaugrünen Teile mit Punktgruppen besetzt (drei oder vier schwarze mit rotem Mittelpunkt). Die Kölner Schule wendet mit Vorliebe zweifarbige Vorhänge an, die oben purpurrosa, unten dunkelgrün sind 4 ). Der Papst sitzt also en face auf einem mit einem blauen Polster belegten Thronsitze. Der Sitz ähnelt in seinem architektonischen Aufbau denen in der Kölner Schule und im Codex Egberti gebrauchten Typus (Voege S. 208; Codex Egberti, Tafel 30). Er ist von ziegelroter Farbe, die Schatten, Lichter und architektonischen Hauptlinien sind dunkelbraun und weiss ausgeführt. In seiner Kleidung stimmt der Papst fast ganz mit dem Clericus J ) Adahandschr. S. 71. 2 ) Voege S. 166. 3 ) Müller a. a. 0. S. 62. 4 ) Voege a, a. 0. S. 171. ■ i ■'■ ,,;■ .....■'■',"'■ ■ .;■■ . ^■| 39 'Üü auf dem Widmungsbild von Cim. 58*) überein. Er sitzt würdevoll mit Bart und Tonsur da, der grosse Silbernimbus hat einen schmalen, abwechselnd mit schwarzen und weissen Punkten besetzten roten Rahmen, der nach innen einen weissen, nach aussen einen rotbraunen Kontur hat. Auf seiner Schulter steht die Taube mit rotbraun-konturiertem Goldnimbus. Die Taube, die ihm in das Ohr flüstert, ist von feiner blaugrüner Farbe, wie Bart und Haupthaar des Papstes. Das Gefieder wird durch feine weisse und rote Aufzeichnungen markiert, das Auge ist schwarz, der Fuss rotbraun. Der Papst trägt eine rotbraune Casula mit weissen Schraffierungen und dunklerem Lokalton getönt. Die Schatten und Lichter sind, wie bei den Vorhängen, mit einer gewissen Breite aufgetragen. Unten schliesst die Casula mit einer Goldborte ab. Über der Casula hängt das Pallium in Form eines Yförmigen Kreuzes, dessen Arme auf den Schultern liegen. Die Farbe ist ein stark weiss gehöhtes lichtes Rotbraun. Das Pallium ist mit roten Kreuzen besetzt 2 ). Der goldene Längsbalkeu reicht zum Halse empor. Die Rückseite der Kasel, von der ein Teil zwischen dem rechten Unterarm und dem Knie sichtbar wird, ist zinnoberrot 3 ). Die Rückseite des Pallium, welche vom Schosse an abwärts umgeschlagen und also sichtbar ist, ist grün mit zinnoberroter Höhung. Die blaugrüne, mit goldener Borte besetzte (sie ist am rechten Handgelenk sichtbar) Tunica ist mit weisser und dunklerer Lokalfarbe kräftig gehöht. Um den Hals trägt der Papst ein hellbraunes stark weissgehöhtes Hu- merale mit Lappen. Auf demselben geht ein wagrechter blaugrüner Streifen mit rotbraunem Kontur nach oben und unten; letzterer ist wellenförmig und wird noch von einem gleichlaufenden weissen Kontur begleitet. Unten sieht die silberne, mit goldener Borte verbrämte Stola heraus. Die in blauschwarzen Schuhen steckenden Füsse stehen auf einem blaugrünen Fussbrett mit weisser Strichhöhung und rotbraunem Kontur. Mit der linken Hand, in der er auch das Tintenfass hält 4 ), fasst x ) Janitschek, D. Malerei S. 72. 2 ) Da die Bezeichnung der Pallien mit Kreuzen erst, nach Kraus (Codex Egberti S. 17) im 10.—11. Jahrh. aufkommt, so ist es schon aus diesem Grunde unmöglich, die Handschrift höher hinaufzusetzen als iu die letzten Jahre des 10. Jahrhunderts. 3 ) Eine solche lebhafte Farbe der Rückseite von Stoffen und Gewändern hat der Codex auch sonst (Vorhang, Tunica, Gewand des Engels). Auch im Bremer Evangelistar finden wir denselben Zug. Müller a. a. 0. S. 59. 4 ) Dasselbe hat die Form eines kleinen Hornes, wie oft in karoling. Zeit, vgl. Leitschuh a. a. 0. S. 445. «:■■. * Sgl m 9B 40 der Papst das halbgeöffnete Buch; er hat aufgehört zu schreiben und lauscht auf weitere Offenbarungen, die Augen geheimnissvoll und starr geöffnet. Die rechte Hand hält die Feder zum Schreiben erhoben. Die lange goldene Feder mit weisser Spitze zeigt nach oben rotes Gefieder und Kontur, nach unten weisses Gefieder und Kontur. Ein kleiner blaugrüner gedrechselter Tisch mit Knöpfen trägt das Buch. Es ist dieselbe Art von Tischlein, wie sie die Kölner Schule auch aufweist 1 ). Auf der Kasel von den stark entwickelten Knietrommeln an abwärts sind verschiedene zu Gruppen von je dreien vereinigte zinnoberrote Zickzacklinien angebracht. In der Mitte des mittleren Farbenstreifens im Hintergrunde steht SCS GKEGORIUS. Die Punktrosetten und stilisierten Blätter werden unten zu besprechen sein. fol 14a und 22b zeigen dasselbe Prinzip der Umrahmung wie fol 13 a, nur finden wir statt der Medaillons in den kleinen Quadraten andere Ornamente auf Purpurgrund. Je zwei gleiche Ornamente liegen sich gegenüber. Im Ganzen sind es drei Arten, die folgende Skizze erläutert Das Ornament 1 ist der Versuch, ein altes Dekorationsmotiv durch naturalistische Nachahmung lebenskräftiger zu machen. Es scheinen reife Eicheln als Vorbilder vorgelegen zu haben. No. 2 ist eiu geometrisches Motiv, ein fünfseitiger, sechseckiger dachförmiger Körper, dessen eine Kante, die Firstlinie des Daches, nach vorne liegt, perspektivisch so wiedergegeben, wie der Zeichner von oben herab die vier Körper sah. No. 3 ist ein achtzackiger Stern, dessen Zacken wieder in zwei Hälften (weiss und rot) zerfallen. Bei Ornament 1 sind die roten Eicheln mit weisser und rotbrauner Deckfarbe so verständig gehöht, dass die Rundung, Licht und Schatten *) Voege S. 186. <®s W&M ^ 41 sehr gut zur Geltung kommen. Die charakteristischen Punktgruppen sind weiss. Ornament 2 ist ebenfass rot mit weissen Strichen gehöht auf den Purpurgrund aufgesetzt. Es handelt sich um das alte Motiv der symmetrischen Anordnung von 4 gleichen Teilen um einen fixierten oder angenommenen Mittelpunkt. Bei 1 ist der Mittelpunkt durch die zu einer Gruppe vereinten 4 Punkte bestimmt, bei 2 markiert sich derselbe schon durch das Zusammenlaufen der 4 Spitzen. Der Adacodex zeigt (Tafel 4, 16) solche Kombinationen, ebenso die Hs. 7 der Trierer Stadtbibliothek 1 ); diese zeigen auf ein Ornament der Goldschmiedekunst als Vorbild hin. Und in der That finden sich auf der Schmalseite des Andreasschreines ähnliche Kombinationen und die Langseite desselben Reliquiars weist, wie auch aus'm Weerth 2 ) und Beissel 3 ) bemerken, eine Verzierungsart auf, die darin besteht, dass um eine Perle als Mittelpunkt sich vier rotemaillierte Blätter zu einer Art von Blume legen, ebenso wie auf dem Deckel des Echternacher Codex. Die Goldschmiedetechnik nahm also dies alte schon im Adacodex 1 ) auftretende Motiv wieder stärker zur Verwendung auf und wirkte dadurch auf die Malerei anregend. Die Miniaturen des Echternacher Codex weiseu ebenfalls solche Motive auf. Das dem Echternachcodex sehr nahestehende Pariser Evan- geliar (Bibl. nat. Cod. lat. 88 S. 1. suppl. lat. 667) hat auf Bl. 2 b ein viereckiges Medaillon mit weissem Stern auf Gold 5 ). fol. 14b. Bereits oben wurde darauf hingewiesen, dass für die künstlerische Ausschmückung der Sacramentarien zwei Stelleu besonders in Betracht kommen. Bei der sogenannten Praefatio 6 ) hat sich nach dem litterarischen Zeugnisse des sogenannten Mitralis des Bischofs Sic- cardus von Creraona eine gewisse typische und monogrammatische Ligatur der Anfangsbuchstaben V" und D (Vere Dignum) gebildet, die wir in ') Lamprecht, Initialornam. T. 18, d. S. 29, No. 56. Sie stammt aus der 2. H. d. 10. Jahrh. ') Denkm. I, 3. S. 81. • 3 ) Stimmen a. M.-L. a. a. 0. S. 485. 4 ) Die Hs. 147. 2. H. d. 9. Jahrh. in Köln (Lampr., Initialor. S. 27. No. 16 Tafel 7, 9) ist vielleicht auch in Trier entstanden, denn nicht bloss in dem oben erwähnten Verzierungsprinzip, sondern auch in deu Bandverschling- ungen weist sie auf den Adacodex hin; besonders ähnlich ist das überhängende knollige Zusammentreffen zweier Bänder (vgl. Initialorn. Taf, 6). 5 ) siehe unten. 6 ) Vere dignum et iustum est, aequum et salutare etc. I 3 R Mk ^H ■ I BM »dl 42 fast allen Sacramentarien antreffen 1 ). Ebenso typisch war der Beginn des Messkauons selbst gebildet und geschmückt. Auch hier besitzen wir ein Zeugnis des Siccardus, wonach der Anfangsbuchstabe des ersten Wortes im Kanon (Te) durch seine an das Crucifix erinnernde Form den Anlass gab, einen Christus am Kreuze zu malen. Der Typus, wie er später vorliegt, hat sich erst allmählich herausgebildet. Springer weist darauf hin, dass das bekannte Sacramentar von Gellone das erste ist, welches an dieser Stelle einen Crucifixus trägt 2 ); ein älteres (saec VII/VIII) 3 ) kennt diese Sitte noch nicht 4 ). Springer 5 ) teilt die Sacramentarien in drei Gruppen. Die erste beschränkt sich auf die reiche ornamentale Ausschmückung der Anfangsbuchstaben und — Worte der Praefatio und des Kanon. V w ist mit D noch nicht monogrammatisch verschmolzen, sondern steht für sich, das „ere" liegt im Schenkelzwischenraum. Das „e" ist mit dem T verbunden, in dessen Stamm eingeschrieben. Dieser ersten Gruppe gehören besonders französische Hss. an, seltener deutsche. Die zweite Gruppe fügt zu der ornamentalen Zeichnung der Anfangsbuchstaben noch figürliche Darstellungen hinzu. Das T wird zum Kreuze für den Crucifixus, zugleich vertritt er weiter seine Funktion als Buchstabe. Das war seine Gestaltung gegen Ende des Jahrtausends, später kamen noch Maria und Johannes dazu, die z. B. unser Sacramentar noch nicht hat. Der Codex zeigt zu Beginn der Praefatio das von einem knieenden Engel getragene Zier-V. Das „ere" und „D" stehen ohne monogrammatische Beziehung daneben. Dagegen findet sich die typische monogrammatische Ligatur OjQ sonst in der Hs. (fol. 24a, 25b u. a. a. 0. m.) Der den Purpurgrund umgebende Rahmen ist ausschliesslich der Medaillons dem auf fol. 13 a analog. Der Engel ist eine knieende Figur halbrechts nach vorne mit weit auseinander gehenden Knieen. Der Oberkörper ist unter der Last des Buchstabens hintenübergebeugt und hält mit den emporgestreckten Händen das „V", dessen Spitze zwischen den erhobenen Unterarmen liegt. Der mit langem blauem Haare bedeckte Kopf ist von einem J ) Springer a. a. 0. S. 342. 2 ) Springer a. a. 0. S. 342 ff. 3 ) Delisle a. a. 0. No. 2. 4 ) Ficker, D. Mitralis etc. S. 23. Otte, Handbuch etc. I 5 , 139. Voege S. 201/2. 6 ) Springer a. a. 0. S. 356. ■■:.■*•"."-"■■■'■'■■■..... ■^B ^^ 43 grossen Silbernimbus umgeben und er schaut, der Richtung des Oberkörpers folgend, empor zum Buchstaben. Der Rahmen des Nimbus trägt in der dem Codex eigenen Weise (schwarze) Punkte; er ist nach aussen rotbraun, nach innen weiss kou- turiert. Der Engel trägt ein grünes Unterkleid, darüber einen Lilamantel. Derselbe fällt über die linke Schulter nach vorne in schwerfälligem Bausche, ebenso fällt er hinten herab. Die zum Teile sichtbare Rückseite ist rot 1 ). Der Mantel legt sich dann von den Hüften abwärts um Leib und Kniee. Das linke Knie lässt das grüne Untergewand unter dem Mantel hervortreten; die Kniescheibe markiert sich durch zwei dunklere halbkreisförmige und gleichlaufende Striche. Die Gewandteile werden von rotbraunem Kontur umzogen, die Einzeichnung der Falten ist ziemlich verständig mit weisser und dunklerer Lokalfarbe geschehen. Der linke Ärmel zeigt die kreisförmig vereinten weissen Punkte. Die Arme vom Ellbogen abwärts sind nackt. Der Engel trägt grosse zweifarbige Flügel. Der obere Teil derselben ist ziegelrot mit zinnober und rotbraunen Einzeichnungen. Der untere blaue Teil zeigt schwarze Strichelung und weisse Aufzeichnung des Gefieders; der Versuch einer naturalistischen, allerdings stilisiert anmutenden, Zeichnung und Modellierung. Auch hier zeigt die Figur die langen Hände und Finger. Es ist klar, dass der Engel zu dem langhaarigen Typus gehört, wie ihn die Kölner Schule 2 ) bei den Ganzfiguren ausgebildet hat. Er entspricht auch dem von Voege 3 ) für die Hauptschule fixierten antiken Schema, nämlich langes helles Untergewand mit langen weissen Armelu, so dass die nackten Unterarme hervortreten, darüber der lange Mantel, dessen eines Ende über den linken Arm in der gewöhnlichen Weise geschlagen ist. Die Sitte, eine Figur (Engel) als Träger eines Buchstabens zu verwenden (vielleicht eine dunkle Reminiscenz an die antiken Karyatiden?) finden wir auch im Echternacher Codex (Initialornarm. Tafel 24, 26. Janitschek Malerei S. 66; Engel mit Buch Bonner Jahrb. LXX S. 50.). Der Engel, den Voege 4 ) abbildet, zeigt, um nur ein Beispiel heranzuziehen, eine grosse Ähnlichkeit mit unserem Engel. 1 ) Vgl. oben S. 39, Anm. 3. 2 ) a. a. 0. Voege S. 306. 3 ) a. a. 0. S. 315. *) a. a. 0. S. 206. 44 Im Egbertcodex (Tafel 18 Text S. 20) finden wir einen Engel mit blauen Flügeln, ebenda (Tafel 59 Text S. 27) finden wir einen solchen mit rotgelben Flügeln. Wir haben also hier eine Farbendifferenz für denselben Gegenstand. Damit hängt zusammen die oft zu beobachtende vollständige Vernachlässigung der natürlichen Farbe eines Gegenstandes (z. B. im Freiburger Codex die blauen Haare der Medaillonsfiguren und des Engels, die grünen des Gregorius) 1 ). Lamprecht weist in seiner geistvollen Abhandlung: '„Deutsches Geistesleben im späteren Mittelalter" 2 ), wo er die Entwicklung der Malerei als das Aufeinanderfolgende Verhältnis derselben zu Kontur, Farbe und Licht sowie die Überwindung dieser Faktoren durch die Kunst, darstellt, auf die Gründe dieses Verfahrens hin. „Bis ins 11. Jahrhundert hinein, bis zum Schluss der typischen Periode des Umrisses, war die Farbe ein malerisch indifferentes Element. Nicht als ob man keine Freude an der Farbe gehabt hätte; das Wachsen der Teilnahme namentlich am farbig Glänzenden lässt sich vielmehr an der Mehrung der sprachlichen Bezeichnungen sehr wohl verfolgen; und die karolingische Zeit verfügte schon über einen besondern Geschmack für das Nebeneinander der Farben im bemalten Ornament. Was aber fehlte, das war die Verbindung der Farbenempfindlichkeit mit dem Sinn für unmittelbare künstlerische Wiedergabe der Aussen- welt: noch der St. Galler Psalter aus dem Ende des 9. Jahrb. enthält rote, grüne, gelbe Pferde." fol. lob. Das „Te igitur" mit dem Crucifixus auf umrahmten Purpurgrund 3 ). Das Kreuz reicht mit seinen vier Enden in den Kahmen hinein und schliesst ebenfalls mit dessen äusseren Rande ab. Das silberne Kreuz ist von rotem mit schwarzen und weissen Punkten in der bekannten Weise besetzten Kontour eingefasst. Christus trägt einen silbernen ebenso kontourierten Kreuznimbus, dessen Kreuzesbalken golden sind. Der nur mit einem straff herabhängenden Leudenschurz (violett) 4 ) bekleidete bärtige Crucifixus ist mit vier Nägeln angeheftet 5 ). Das blaue rotgestrichelte Haar fällt in einzelnen Locken auf die Schultern herab. Beine und Arme sind überlang, ebenso Hände und Füsse zu gross. Der J ) Die Haare im Bremer Evangel. häufig grünlich, Müller S. 58. Ein Hahn im Egbertcodex (t. 46 S. 24) violett, Himmel rosa. z ) Zeitschrift für Kulturgesch. I. 1894, S. 38. 3 ) Crucifixus auf Purpurgrund. Hs. VIII. Voege S. 168. 4 ) wie schon im Evangel. Franz II. Adahandschr. S. 95. 5 ) Aus Hand-, Fuss- und Brustwunde tröpfelt Blut heraus. T V ''"V''\ V'.' : : ; \-" : ■ '■'"• ••'■''' .." ''■■■''■■" ■ § ■ 45 Körper ist rötlichweiss mit aufgesetzten weissen Lichtern und dunklerem Lokaltone. Die Gelenke und die anatomischen Hauptlinien sind durch kräftige rotbraune Striche charakterisiert. Das Gesicht ist im Todeskampfe verzerrt, die Augen sind gebrochen. Die Inschrifttafel mit weisser lilaschraffierter Hauptseite trägt die Worte 1HO XRS, die Nebenseiten sind blau mit rot (wie das Haar Christi). Das Suppedaneum, auf dem die Füsse nebeneinander stehen, hat eine rote mit weissen Strichen versehene Oberseite und blau rotgestrichelte Nebenseiten. Das Suppedaneum sowohl als die Inschrifttafel sind braunkonturiert. Der Crucifixus hängt, und das ist ein gutes Zeichen für des Malers Beobachtungsgabe, ziemlich tief, die Arme nach seitwärts oben lang ausgestreckt, fast möchte man sagen, ausgerenkt. Sonst findet man bei dieser Darstellung meist einen geringen Wert auf die richtige Lage eines Hängenden gelegt. Die Kölner Schule wendet bis auf (Cod. XV) den unbärtigen altchristlichen Typus an. Thatsächlich bevorzugte das 10. Jahrhundert diesen Typus, während erst das 11. Jahrhundert eine stärkere Aufnahme des bärtigen Mosaikentypus zeigt. Von Oechelhäuser sagt übrigens, die karolingisch-ottonische Kunst brauchte beide Typen unterschiedslos nebeneinander 1 ). Der Deckel des Echternachcodex zeigt einen bärtigen Christus, die Miniaturen dieser Hs. haben meist unbärtigen Typus mit Ausnahme von zwei Darstellungen, wo Christus bärtig erscheint 2 ). Das Prümer Antiphonar enthält einen bärtigen Christus. Die Mindener Seitenschule 3 ) malt Christus bärtig, beim Crucifixus wird das lange Gewand durch den Schurz verdrängt, ebenso wie schon in der Cölner Schule (Hs. XII. saec. XI) 4 ). Der Christus des Codex Egberti ist stets unbärtig, während der in den Wandgemälden zu San Angelo in Formis bärtig ist (in der Hauptapside rotblond) 5 ). Die Ornamentik des Zier-V auf fol. 14b und die grosse Initialligatur (Tafel II) ]$) auf fol. 23a gehören zusammen. Letztere gehört 1 ) a. a. 0. S. 29 Anm. 2. 2 ) Lampreclit a. a. 0. S. 95. 8 ) Voege, Repert. XVI 212. 4 ) Voege a. a. 0. S. 291. 5 ) Kraus a. a. 0. S. 18, 91. mm ran 46 zur Gattung der grossen ganzseitigen Zierblätter mit Purpurgrund, von breiter Bordüre umrahmt, wie sie für die Cölner Schule charakteristisch sind 1 ). Nur kommt hier ausser dem gewöhnlichen blauen und grünen Füllungsgrund noch ein stumpfes Rotbraun hinzu, sowie die Abweichung, dass ein Teil des Initials silbern ist. Das V auf fol. 14b ist in goldenem und silbernem Rankenwerk auf den Purpurgrund gesetzt; die Füllung ist blau und rotbraun (grün fehlt also hier). Der Ausläufer >LJn ist in Silber gehalten, das übrige in Gold. Die dem grossen Initial eigenen Staubfaden und Punktrosetten fehlen, wohl weil der Initial zu klein ist. Die Punkte dagegen fehlen nicht. Das Gold und Silber ist rotunterlegt und rotkonturiert, das Silber hat ausserdem noch einen innern weissen Kontour Der grosse Initial (oder vielmehr die Initialligatur) ist mit seinen Enden flechtwerkartig in den Randleisten verknotet. Die Füllung ist also eine dreifarbige, die Einknotung rechts ist grün gefüllt, der innere Teil des D um das Ü3 (silber) herum ist blau gefüllt, sonst rotbraun (vgl. die Tafel). Die bekannten charakteristischen Punkte und Punktrosetten, sowie Staubfäden mit beigefügten Pünktchen werde ich unten zu behandeln haben. Der Initial auf fol. 23 a zeigt eine grosse Ähnlichkeit mit dem E des Egbertcodex (Tafel 8 Lei Kraus), ohne jedoch dieses Blatt an Zierlichkeit zu erreichen. Die Bewegungen der Ranke sind ebenfalls ziemlich lebhaft wie in der Kölner Schule, die gerade hier unter stark Reichenauer Einflüsse steht. Diese Ausläufer, wie auf fol. 14v° kennen sowohl der Egbertcodex wie- der Echternacher Codex. Die Knöpfe im Engelbertcodex und in der Kölner Schule lösen sich von der Ranke freier, stilisierend ab, während sie in unserem Codexe fest und plump ansitzen. Etwas freier, aber doch unserem Codexe ähnlicher, sitzen sie im Echternach Evangeliar 2 ), das die grösste Verwandtschaft mit demselben aufweist. Wie Voege mit Recht betont hat, ist die Technik ein Hauptmoment mit bei der Bestimmung einer Schule. Das Freiburger Sacra- mentar ist durchgehends in Deckmalerei ausgemalt. Ein ausgeprägt malerischer Charakter ist noch nicht ausgesprochen, wenngleich Anläufe ') Voege S. 344. 2 ) z. B. Tafel 22. H I " i v ' ■ '" >) a. a, S. 159. 2 ) a. a. 0. S. 157 ^^| E&l 47 M dazu nicht fehlen, wie z. B. das Auftragen breiter weisser Lichter, so dass der Ausdruck, den Voege') von Frimmel citiert, nämlich „milchig gebrochen," auch hier passt. Im Allgemeinen verzeichnen wir Höhung mit dunklerer Lokalfarbe oder weiss. In der folgenden technischen Untersuchung der menschlichen Gestalt halte ich mich eng an Yoege 2 ). Gregorius: Die Augen mit den Brauen sind mit rotbraunem Kontur auf die helle Fläche gesetzt; zwischen Oberlid und Braue liegt ein roter und weisser Strich, die sich der Form der ersteren anlegen (wie Cim. 58). Der braune Nasenkontur schliesst sich an die Braue an, auf der rechten Seite der Nase folgt der rote Strich über dem Oberlid, biegt an der Spitze natürlich um und nach beiden Seiten gehen die durch einen Punkt weissgehöhten Flügel. Die Echternacher Tradition, deren Ursprung wir in Trier zu suchen haben, schreibt vor, dass die „Nasenform stets auch bei mehr im Profil gedachten Köpfen wesentlich in Vorderansicht gegeben" wird. Dasselbe ist bei den Köpfen unserer Hs. der Fall. Den Mund bilden zwei Striche, ein brauner und ein roter. Letzteren, der die Unterlippe bildet, schliessen zwei Punkte (rechts und links) ab. Das Kinn ist weissgehöht und von halbkreisförmigem braunen Kontur begrenzt. Dann schliesst sich der blassblaugrüne Bart an, mit dunklerem Lokalton und weiss gehöht; ebenso ist das Haupthaar. Die rote weiss gehöhte Tonsur trägt braunen Kontur gegen das Haar und weissen gegen den Nimbus. Über der Oberlippe liegt eine weisse rotkonturierte Linie von dieser Form |.j , in der Mitte ein brauner Punkt. Das Ohr ist braun gezeichnet und innen weiss gehöht, darauf ein roter Strich. Bei den kleineren Köpfen ist die Zeichnung nicht so deutlich ausgeführt, da der rote Strich fehlt. Die schwarze Pupille wird rechts und links von zwei Punkten eingerahmt. Unter dem Auge liegt eine dicke weisse Schicht, der bei den grösseren Köpfen mehrere gleichlaufende weisse Striche folgen, bei den Köpfen, die kleiner sind, hat man diese Details nicht so sehr betont. Ähnlich ist es am Halse. Dem Nasenrücken entlang geht ein an den Brauen ansetzender weisser Strich. Die übrigen Körperteile, Arme, Hände, Füsse etc. nach denselben Prinzipien geschmückt. Die Finger sind durch Kontur geschieden, ebenso fanden die anatomischen Hauptlinien des Körpers Ausdruck. 4g Im Allgemeinen entspricht die Technik unserer Hs. der der Kölner Schule, einige Details abgesehen, die der Trierer Schule eigen sind. Unsere Hs. zeigt eine reiche Verwendung weisser Punkte, die oft einzeln, oft aber zu einer Gruppe vereint auftreten, manchmal mit Mittelpunkt und einschliessendem Kreise (den Punkte umgeben). Es entstehen folgende Kombinationen :o: Wir finden sie überall, in den Bordürenornamenten des Calendars (auf den Blattrippen), in den Zwickeln der Medaillons, auf dem Hintergrund und der Architektur des Gregorius, auf dem Vorhange, auf dem Gewände des Engels und in den Initialen, zur Füllung des Grundes und zur Krönung der Staubfäden. Sehen wir uns nach Verwandten um. Der Adacodex bereits hat ähnliche Abschlüsse der Staubfäden 1 ). Ähnliche bietet ferner der Bamberger Boetiuscodex, der im Besitze Ottos III. gewesen ist 2 ). Der Echternacher Codex weist in den farbigen Zwischenräumen der Grossinitialen weisse Tupfen auf 3 ). Ebenso hat er Punktrosetten als Aufsätze der Staubfäden 4 ). Ähnlich das Bremer Evangelistar n ). Staubfäden allein zeigt die Hs. Cim. 59 München (Voege S. 354). Cim. 58 6 ) zeigt Punktkreise auf der Borte des Vorhanges, auf letzterem selbst und auf dem vom Stuhle herabhängenden Tuche. Die Reichenauer Kunstweise kennt diese Verwendung der Punkte nicht. Sie ist rheinländisch, speziell trierisch. Der Nimbus mit einem Rahmen, den Punkte besetzen, findet sich auch in der Cölner Schule (Voege S. 56, 58, 59, 73, 123, 131, 137). Ebenso kennt ihn der Codex Egberti, daneben auch den einfachen Kreuznimbus. Das Echternacher Evangeliar hat ebenfalls diese Punktumrahmung, das Reichenauer Sacrameutar dagegen nicht. Das profilierte Blatt des Gregoriushintergrundes /^T ) findet sich ') Adacodex: Initialornam. Tafel 6. -) auch sonst d. turonischen Hss. z. B. d. Tonrser Bibel in London vgl. Tymras u. Wyatt: The art of illuminating London 1860. Tafel 18 u. 19. Über d. turonischen Einfluss vgl. unten. 3 ) Lamprecht a. a. 0. S. 84. *) Initialornam. Tafel 23. Bei den Pflanzen auf dem Kreuzigungsbild. Bonner Jahrb. 47/8. Tafel 15. 6 ) Vgl. d. Abbldgn. bei Müller. 6 ) Abb. Janitschek I). Malerei S. 72 V '■■--■'•■' '■■. - •• *M ■■"■;■■••■■■ .■■'■■■'■■■■■■'■'.■«■■•■' ■,■'■■■"■■' : -- ■■■■'■'■-"■■ ■•■■■ ■ •■■'■' i ■■''.•■'■■■•' '■■ ^H 49 ähnlich im Bremer 1 ) und Echternacker 2 ) Evangelistar, ebenso auf dem Andreasaltar und dem Echternaclier Deckel 3 ). Eine solche Beeinflussung der Plastik ist ohne Mühe und oft auch anderwärts zu konstatieren. Ebenso wie die Plastik oft in der Zeichnung der Gestalten und der Anordnung der Komposition eine Nachahmung malerischer Vorbilder erkennen lässt, wie z. B. Springer*) bei den Elfenbeinreliefs sowie bei anderen Elfenbeinen malerische Vorbilder annimmt (z. B. deu Utrechtpsalter), ebenso berechtigt ist die Annahme, dass die unter Erzbischof Egbert so glänzend und vielfach ausgeübte Goldschmiede- und Emailtechnik auf die Trierer Miniaturen vorbildlich gewirkt haben. Solche Arbeiten bei einer andern Kunstgattung sind in jeder Epoche des Aufblühens und Aufschwingens zu beobachten. Capitel II. Die Entwicklung der Trierer Buchmalerei im früheren Mittelalter. An der Spitze der Trierer Bilderhandschriften steht die bekannte Apokalypse r ') (Stadtbibliothek Trier No. 31). Sie ist deshalb von höchstem Interesse für die christliche Kunstgeschichte, weil sie das früheste erhaltene Beispiel einer totalen cyclischen Blustration der apokalyptischen Scenen repräsentiert, wie sie in altchristlicher Zeit existierten — die Handschrift geht auf eine ältere, wahrscheinlich italienische Vorlage zurück —; einzelne Scenen der Apokalypse wurden ja schon in der altchristlichen Kunst dargestellt (vgl. Frimmel a. a. 0. Einleitung). Janitschek (Adahs. a. a. 0.) weist auf die Verwandtschaft mit einer Apokalypse der Bibliothek zu Cambray (Ms. 360) hin, die der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts angehört. Eine Darstellung aus dieser Hs. bei Durieux 6 ) scheint eine ') Müller S. 62. 2 ) Bonner Jahrb. 47/8. Tafel 15. 3 ) Litteratur vgl. oben. *) Westd. Zeitschrift III. 1884. S. 208 ff. 5 ) Keuffer, Verzeichnis der Handschriften der Stadtbibl. zu Trier I S. 34. — Frimmel, D. Apokalypse in den Bilderhandschriften des Mittelalters. Wien 1885. S. 16 ff. — Leitschuh, Karol. Malerei S. 89, 213, 357. — Lamprecht, Initialornamentik S. 26. — Linke, Studien zur Itala. Programm 1889 des städtischen evang. Gymnas. zu St. Elisabeth. Breslau. Publik, d. Adahs. S. 5 Anm. 2 u. S. 105 f. 6 ) Les Miniatures de manuscripts de la bibl. de Cambray; ebenda pl. IH. Clemen, Bonner Jahrb. XCII, 1892, S. 56 Anm., S. 143. Schloner, W'atrl Zeitschrift. Ergäiiaungshoft IX. 4 n gl ■i ■*WÄ W HP direkte Kopie der betr. Scene aus unserm Codex zu sein (Bl. 37. Apokal. XII 1 ff. Beschreibung bei Frimmel a. a. 0. S. 33 ff. „Das Sonnenweib und der Drache") oder aber beiden lag derselbe Archetypus vor. Die Trierer Hs. wurde bisher etwas zu frühe datiert; Lamprecht a. a. 0. setzte sie in die zweite Hälfte des 8. Jahrb. und nahm an, sie sei von einem Schotten auf dem Kontinente geschrieben worden, er stützte diese Annahme durch den Nachweis von paläographischen Mischformen. Daneben konstatierte er traditionell-antike Einflüsse und deutsche Elemente. So tragen nach ihm die Ältesten der Gemeinde deutsche Schöffenmäntel. Frimmel (a. a. 0.) setzte die Hs. in dieselbe Zeit, betonte starke altchristliche Einflüsse und nahm eine italienische Vorlage des G. Jahrh. an. Keuffer, der Frimmel folgte, setzte als Grundstock des Textes die Itala fest, konstatierte aber dabei auch Einflüsse der Vulgata. Linke untersuchte darauf den Text und gelangte (a. a. 0. S. 24) zu dem Resultate, dass die Hs. den italienischen Vulgatatext, vermischt mit älteren Elementen darbietet. Keuffer wies dann ferner auf die allerdings vorhandene nahe paläographische Verwandtschaft mit dem Adacodex hin und stimmte Frimmel bei, der eine mögliche Entstehung der Apokalypse in einem Trierer scriptorium annahm, ja Keuffer gab sogar die Möglichkeit zu, dass die Adahs. dann ebenfalls in Trier geschrieben sein könne. Janitschek kam nach einer Analyse der Technik und des Stils zu dem Schlüsse, das scriptorium der Apokalypse sei in einem deutschen Kloster zu suchen. Die Handschrift zeige „schlichten Federzeichnungsstil" mit Reminiscenzen an die Hofkunst; ferner steht sie ihm quasi mit an dem Anfang einer neuen deutschen Kunst. Thatsächlich ist die Hs. aber der Ausläufer einer alten Kunst, sowohl technisch, als stilistisch. Der Codex war schon am Ende des 10. Jahrhunderts in Trier, fol. 2a finden wir den Besitztitel mit der für Tours und Trier besonders charakteristischen Anathemaformel 1 ) „Codex saneti Eucharii primi tre- Mittlgn. d. Instituts für österr. Gesch. XII, S. 344. Wolfram, Jahrb. für lothring. Gesch. u. Altertumsk. III. Clemen widerlegt mit Recht die falsche Datierung Wolframs und weist auf den paläographischen Zushg. mit Tours hin. Eine genaue Untersuchung, resp. Publikation dieser Hs. sowie eine Vergleichung mit dem Trierer Cod. ist sehr zu wünschen. Herr Dr. P. Clemen, der die Liebenswürdigkeit hatte, die Correkturbogen zu lesen, teilt mir mit, dass die Hs. zu Camhrai eine Wiederholung des Trierer Exemplars ist. Erstere enthält von den Bildern der Trierer Hs. die Illustrationen (nach Frimmel citiert) 1, 6, 8, 9—15, 17, 22, 24—38, 41, 43, 44—46, 57, 60, 63 und 64 zusammen, 65—72. Die Abweichungen sind sehr gering. ') Der Virgil zu Bern (geschrieben zu Tours, St. Martin, im 9. J.): 51 ^h virorum archiepiscopi siquis euin abstulerit, anathema sit amen." Ferner fand ich bei Bild 73 die bisher unbeachtete Notiz in roter Minuskelschrift saec. X exeunt. sei eucharii codex am. Sie steht auf dem Bilde der Breite nach. Also inschriftlich bezeugt war der Codex schon im 10. Jahrh. in Trier, da ich aber eine Beeinflussung desselben auf den wohl ebenfalls in Trier geschriebenen Adacodex finde, so muss er schon früher dagewesen sein. Sein Entstehen in Trier selbst scheint mir sehr wahrscheinlich. Bereits oben habe ich darauf hingewiesen, dass man bisher den Codex zu frühe datierte. Menzel hat (Adahs. S. 5 Anm. 2) mit Recht bemerkt, dass er bereits die so charakteristische turonische Halbunciale aufweist; er kann also, und stilistische Gründe unterstützen diese Annahme, nicht vor der Wende des 8. und 9. Jahrh. entstanden sein. Auf einen Zusammenhang mit Tours weisen nicht nur paläographische Indicien, sondern auch Stilkriterien (kompositionelle Verwandtschaft, Anordnung der Bildstreifen) und historische Nachrichten. Janitschek S. 105 sagt: „Die Schrift weist einen Zusammenhang mit den Leistungen der Schreibschule in Tours auf, die Bilder legen es nahe, an einen provinziellen Schössling der Schule von Tours zu denken." Auch er giebt die altchristliche Vorlage aus dem 5. Jahrhundert zu. Was nun die sog. turonische Halbunciale betrifft, so ist dieselbe allerdings nicht von dem bekannten Schreiber Adalbald erfunden, wie Delisle (Memoire sur l'ecole calligraphique de Tours au IXe siecle; Mem. de l'instit. national de France. Academ. des inscript. et belles- lettres XXXI 1886 S. 42) und Berger (Histoire de la Vulgate pendant les premiers siecles du moyen äge. Paris 1893) anzunehmen scheinen, Si quis eum furaverit, aut aliquo ingenio a potestate saneti Martini abstrahere temtaverit, maledictus sit et cum Juda etc. Die Hülse zum Stab des h. Petrus zu Limburg, die Egbert von Trier laut Inschrift 980 herstellen Hess (Kraus, Christi. Inschr. d. Rheinl. II. S. 212), der Tragaltar des h. Andreas zu Trier, der ebenfalls auf Veranlassung Egberts entstand (Kraus a. a. O. II, S. 172) zeigen ganz ähnliche Formeln. Desgl. nach einer Notiz im Trierer Domarchiv von 1776 (gütige Mitteilung des Herrn Domvikar Hulley daselbst) ein silbervergoldetes mit Perlen besetztes Kästchen mit Inscb., dass Egbert, der ehrwürdige Bischof, dies Werk verfertigen Hess und dem h. Eucbarius (St. Matthias) schenkte; auch hier eine Androhung des Looses von Judas. Ferner weisen ähnliche Formeln auf der Cod. Vindobon. 529 (Einhardi vita Caroli M.) mit Besitztitel v. St. Eucbarius (Frimmel a. a. 0. S. 18 Anm. 2). Ähnliche Formeln vgl. Keuffer III S. 4, 2t, 43 u. a. Jü 52 sondern sie ist nur die Nachbildung und Wiederholung einer italienischen Schrift des 6. Jahrhunderts 1 ). „Woher sollte ferner der Verfasser des Codex Paris 266 2 ) das jetzt verschwundene Bild des h. Hieronymus und des Papstes Damasus, von dem die Verse auf fol. 3r noch Zeugnis geben, genommen haben, oder woher stammte das grosse Bild in der Bibel Paris 13 ), welches schildert, wie d. h. Hieronymus aus Rom auszieht, über das Meer wandert und die Bibelübersetzung in Bethlehem herstellt" 4 ). Alles deutet auf italienische Vorbilder hin. Untersuchen wir die altchristlich-italienischen und die turonischen Einflüsse, wie wir sie für die Trierer Buchmalerei annehmen. Dass die altchristlich-italienische Kunst das ganze frühe MA. hindurch vorbildlich und befruchtend wirkte, wird wohl kaum mehr bestritten werden, und zwar äusserte sie sich nicht nur traditionell, d. h. die alten Vorbilder lassen sich stammbaumartig zurückverfolgen, sondern auch direkt: man griff bewusst zurück und kopierte (Import von Elfenbeinen, Hss., Reisen nach Italien, Berufung italienischer Künstler). Je mehr sich diese Ansicht von der Stärke des altchristlichen Einflusses stützen lässt, desto sicherer wird der byzantinischen Theorie der feste Boden entzogen und gewiss mit Recht 5 ). Zwei Kunstübungen sind es hauptsächlich, die technisch und inhaltlich vollständig unter altchristlich-antikem Banne stehen, die Elfenbeinschnitzerei und die Buchmalerei. Es ist hier nicht der Ort, die frühma. Elfenbeine zu untersuchen; beschränken wir uns auf die Buchmalerei 6 ). Eine entwicklungsgeschichtliche Darstellung der altchristlichen Buchmalerei in ihren Gruppen steht leider noch aus. Die Monumente sind noch zn wenig publiciert. Doch ist hier ein erfreulicher Aufschwung gerade in den letzten Jahren zu verzeichnen. Den Publikationen des 1 ) Corssen in der Besprechung des Berger'schen Buches. Güttinger gelehrt. Anz. 1894. No. 11. S. 872. 2 ) das sog. Lotharevangeliar. Adahs. S. 78. Leitschuh S. 83. Janitschek weist auf die altchristl. Dedikationsbilder als Vorbilder der karolingischen Fürstenbilder hin, vgl. oben S. 32 f. über den Gregorius, vgl. auch Delisle a. a. 0. S. 34. Berger a. a. 0. S. 403. 3 ) Bibel Karls d. Kahlen. Leitschuh S. 84. Berger S. 399. Adahs. 'S. 80. ") Corssen a. a. 0. S. 872. 6 ) Hauck hat im neuesten Bande seiner Kirchengesch. (III,i) ebenfalls den starken Einfluss der altchristl. Kunst, sowie die negative Einwirkung des Byzantinismus betont. °) Die Initialornamentik allein ist eine selbständige Schöpfung des ma Kunstschaffens, vgl. unten. ■■H m i | HEBB m "- BMH '■"''•■■,'■"-"'■'■■•■■■■'■■■'■ ■ Dff/1 53 Ashburnham-Pentateuch 1 ) und des Codex Rossanensis 2 ) schlössen sich die Herausgabe des Wiener Codex 847 3 ) (saec. VI/VII) und der Wiener Genesis 4 ) an, so dass hier schon ein genügendes Material vorliegt. Wickhoff hat es gelegentlich seines Aufsatzes über den Wiener Codex 847 versucht, in grossen Zügen die verschiedenen Gruppen altchristlicher Buchmalerei zu fixieren und ist dabei zu folgenden Resultaten gelangt. Der Codex 847 5 ) selbst, aus Schloss Ambras stammend, enthält die Fragmente einer griechischen Evangelienhandschrift und eine lateinische Abhandlung des Rufinus. Beide Teile stammen, wie die vollkommene Übereinstimmung von Schrift und Bild beweisen, aus derselben Zeit und sogar derselben Schreibstube. Aus dieser Thatsache resultiert mit Sicherheit, wie verkehrt es ist, jede Hs., und wohl auch jedes Elfen, bein, mit griechischen Buchstaben als byzantinisch zu bezeichnen. Vor allem ist hervorzuheben, dass Ornamente im engeren Sinne dem Codex fehlen, wie überhaupt allen altchristlichen Bilderhandschriften, die wir besitzen. Die Ornamentik, besonders die der Initialen, ist wohl die einzige wirklich neuschöpferische That, welche die Kunst des früheren MA. auf dem Gebiete der Buchmalerei zeitigt. Hier können wir thatsächlich von einer Entwicklung reden. Im Wiener Dioscorides fallen Bild und Schrift noch vollständig auseinander: keine Spur von einer ornamentalen Vereinigung beider ist zu bemerken. Der Ashburnham-Pentateuch hat ebenfalls noch keine irgendwie hervorstechenden Initialen 6 ), ebensowenig der Codex Rossanensis, die Virgile im Vatikan oder die Ilias der Ambrosiana. Die Vorbedingungen einer Initialornamentik finden wir allein in dem Wiener Codex mit seiner im Flächenstil gehaltenen Darstellung und Verwertung architektonischer und plastischer Elemente. Hier ist ein Archetypus. Wickhoff unterscheidet zwei Gruppen altchristlicher Bilderhss., von 1 ) The Miniatures of the Ashburnham-Pentateuch edited by Oscar von Gebhardt. London Asher u. Cie. 1883. 2 ) Evangeliorum Codex graecus purpurens Rossanensis. v. Gebhardt u. Harnack. Leipzig 1880. 3 ) Wickhoff im Jahrbuch d. Kunstsammlgn. d. Allerhöchsten Kaiserhauses XIV. *) D. Wiener Genesis v. W. v. Hertel u. Fr. Wickhoff. I. Hälfte. Beilage zum XV. Bande des Jahrb. d. K. d. Allerh. Kaisern. Leider stehen d. II. Hälfte u. d. kunsthistor. Text von Fr.. Wickhoff noch aus. 8 ) Früher schon behandelte Portheim (Über den dekorativen Stil in d. altchristlichen Kunst. S. 37 f.) den Codex, 6 ) Springer, Genesisbilder S. 5. " "V Hl 54 denen die erste wieder in inhaltlich verschiedene Unterabteilungen zerfällt. Eine Untergruppe umschliesst den Virgil No. 3225 saec. IV der Vatikana mit grossen breit ausgeführten Bildern, die nach dem Vorbilde der tabula iliaca pädagogischen Interessen dienten (hier das Vorbild der Goldhöhung bei den Gewändern für die karolingischen Codices), den Virgil 3867 und die Ambrosianische Ilias, eine andere die ältesten christlichen Miuiaturcodices, die neuen Inhalt in alte Formen giessen, wie die Wiener Genesis und die Josuarolle x ) im Vatikau (Cod. Vat. Pal. Graec. 431 bis) (diese in Komposition und Technik ganz unter antikem Einflüsse stehend und wohl auch pädagogischen Zwecken dienend) eine dritte wird repräsentiert durch den Wiener Dioscorides (ca. 500 für Julia Anicia geschrieben, mit dem aus der Antike überkommeneu Dedikationsbild), für den z. T. Bilder neu erfunden werden mussten, und endlich eine letzte Gruppe, die sich schon im 5. Jahrhundert isoliert und kompositionell von den in dieser Zeit sich entwickelnden Monu- mentalcyclen abhängt, wie die Cottoubibel und der Codex Rossanensis. Trotz dieser Verschiedenheiten lassen sich die eben erwähnten Handschriftenkreise im Gegensatz zu einer andern Gruppe zu einer gemeinsamen Abteilung zusammenfassen: Wort und Bild treten darin vollständig separat auf. Die in Rahmen 2 ) gesetzten Bilder erklären einfach den Text. In schroffem Gegensatze zu diesen Handschriften steht nun der Codex 847 der Wiener Hofbibliothek. Die Decorationen sind vollständig im Flächenstile gehalten, es sind Canones, ein Kranz mit flankierenden Tauben und ein Kranz mit Pfauen, sowie ein Titelblatt. Schreiber und Maler sind nach Wickhoffs Ansicht identisch. Die Säulen und ') Die Rolle ist zurückzuverfolgeu bis in den Anfang des 16. Jahrb., wo sie Marcanton Michiel, der bekannte Anouimo Morelliauo in Padua im Hause des Leonico Phomeo Phylosopho sah. Er beschreibt sie als „Lo rotolo in membrana che ha dipinta la istoria de Israelite et Yesu Naue, eun lhabiti et arme a lanticha, cuu le immagine delle monti, fiumi, et cittadi humane, eun la explicatione della istoria in greeco, fu opera eonstantinopo- litana, dipinta giä 500 anni". Frimmel, D. Anonimo Morellino. Wiener Quellenschriften N. F. I. 1888, S. XIV u. 18. Die Idendifikatiou geht auf Frimmel zurück (Chronique des arts 1887. No. 29). Später kam die Hs. in die Palatina nach Heidelberg und von da nach dem Vatican, dem jetzigen Aufbewahrungsorte. Bereits Kondakofi hatte (Histoire de Part byzantin Paris 1846) die Josuarolle als Original erwiesen und Janitscheks Zustimmung gefunden (Re- pert. XI. 3. 188). Abb. der Hs. Garrucci III, Tafel 157—67. Text S. 97 ff. Beissel, Vatikanische Miniaturen S. 7, Tafel IV. 2 ) Die weitere reichere Entwicklung dieser Rahmen strebte rein nach plastischer Wirkung, vgl. das Titelblatt des Dioscorides. ^I^HI^H I m m 55 Bogen der Canonestafeln sind mit Flachornamenten besetzt und beweisen das Unverständnis der architektonischen Formen: sie stehen in offenbarem stilistischem Zusammenhange mit der Schrift. Die Säulen machen den Eindruck, als ob sie „Pfosten oder gemalte Bretter" wären. Die verwandten Motive sind Motive von Fussbodenmosaiken und Wandbelagen (geflammte Steinarten), sowie Zirkelspiele. Die Blätter mit dem Kranz und den "Vögeln gehen auf antike und altchristliche Denkmale der Steinplastik zurück, besonders auf Aren. Und zwar war die Umsetzung des plastischen Motives in das zeichnerische schon vorhanden, denn der Maler hat aus Missverständnis die Bandschleifen des Kranzes als dessen Basis verwandt 1 ). Das umrahmte Titelblatt mit den alternierenden Ornament- und Schriftfrieseu des Evangeliars suchte nach "Wickhoff sein Vorbild in einem doppelten mit Metallnägeln zusammengenagelten Holzrahmen, auf dessen Kückseite man einen buntgewebten Teppich spannte, analog den leichten Fensterverkleidungen im Süden. Also eine „Entwicklung zu einem dem Wesen der Buchmalerei entsprechenden Flächen- oder Teppichstil. Von der Anfertigung der Canones aus entwickelt sich also in der Buchillustration ein Schreiberstil, einfacher als jener Bilderstil der Kinderbücher, der sich schliesslich aufgeschwungen batte, Fürstinnen zu ergötzen, gemein und plebejisch in seinem Beginn, bald aber sich reckend und rankend, bis er in jenen irischen und karolingischen Büchern in ihre Art nie wieder erreichte Kunstwerke ins Leben rief." Wickhoff führt die dekorative Ausgestaltung der Canonesbogon auf diese Herübernahme architektonischer Vorbilder zurück und knüpft dabei an das im Palaste Diokletians zu Spalato zuerst auftretende Prinzip des direkten Aufsetzens des Bogens auf die Säule an 2 ). Somit ist die Ansicht Janitscheks von dem syrischen Ursprung der Canonesbogen 3 ), den schon Portheim 4 ) angezweifelt hatte, wenigstens in dieser Fassung unrichtig. Andererseits hat Janitschek aber wieder insofern Recht, als die Canonesbogen in Syrien wohl schon sehr frühe angewandt wurden — bei dem engen Zusammenhange der syrischen Barockarchitektur 5 ) mit J ) Dasselbe Missverständnis der Kranzschleifen bietet der Elfenbeinbuchdeckel saee. 6 im Domschatze zu Mailand, der in der Mitte das Lamm trägt. Westwood, Fictile ivories S. 38. No. 95. Abb. Labarte 2. Aufl. Sculpture t. 5. 2 ) Vgl. d. vortreffliche Auseinandersetzung v. Schneiders in Ilgs Kunst- gesch. Charakterbilder aus Oesterreich-Ungarn. Wien 1893. S. 45 f. 3 ) Strassburger Festgruss an Anton Springer. 1885. S. 3 ff. 4 ) Über d. dekor. Stil. S. 39. 5 ) Vgl. Frauberger, Die Akropolis von Baalbek. Frankfurt a. M. 1892 (und meine Notiz: Beilage zur Allgem. Ztg. No. 91, 19. April 1892). . ü MtSM 'i"$i?' : <> •■■'/■' warn 'A;!^^^^^ 56 HM der von Spalato leicht erklärlich — und auf manche fränkische ßilderhss. ein syrischer Einfluss anzunehmen ist. Aber gewiss ebenso stark und wohl noch stärker wurden die Canonesbogeu des frühen MA. nach italienischen Bilderhss. kopiert. Syrer wohnten übrigens im Fraukenreiche schon lange und gerade in der Karolingerzeit in ziemlich ausgedehnter Weise 1 ). Auch in Trier waren Syrer. So finden wir im Trierer Provinzialmuseum (G. 112) den Grabstein des Syrers "Ajjiog 'Aypraa 2 ). Wie die l'rühma. Tradition an die altchristliche anknüpft, so ist auch diese wiederum in Technik und Darstellungsweise eng verbunden mit der späteren Antike 3 ). Man hat in letzter Zeit diese Thatsache durch eingehendere Studien erwiesen, vor allem sind hier J. v. Schlossers Arbeiten zu nennen (Beiträge zur Kunstgeschichte aus den Schriftquellen des frühen MA. Sitzungsberichte d. Kais. Akad. d. Wissensch. in Wien. Philosophisch-histor. Classe. Band CXX1II. 1891 f. u. kurz zusammenfassend: Heidnische Elemente in der christlichen Kunst des Altertums. Beilage zur Allgem. Zeitung. 1894. No. 248, 249, 250). So geht z. B. das so häufige Motiv einer Person, bes. Petrus, die mit bedeckten Händen etwas empfängt (z. B. am bekannten Relief am Neuthor zu Trier saec. XI die Gestalt Petri, Abb. u. Lit. bei Kraus Chr. J. II, 199) auf eine heidnische Devotionsbewegung dem Kaiser gegenüber zurück. Der thronende Christus mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger — die antike Geberde des Sprechens — das Zeichen des Segnens ist vom römischen Imperatorentypus übernommen; dasselbe Motiv ist auf alle en face thronenden Gestalten der ma. Buchmalerei übertragen worden. Ferner weist Schlosser 4 ) darauf hin, dass der Christus des Godescalcevangeliars fast genau die Gestalt des richtenden Probianus auf dem Berliner Beamtendiptychon des 4. Jahrh. repliciert 5 ).' : ) Scheffer-Boichorst, Mittlgn. d. Instituts für österr. Geschichtsforschg. VI. 1885. S. 549 ff. a ) Kraus, Christi. Inschr. d. Rheinlande I. S. 44. No. 80 (daselbst d. weitere Litteratur). Eine Unterstützung der Theorie Janitscheks, die ich bis jetzt noch nirgends fand, wäre übrigens die Thatsache, dass der Codex argen- teus in Upsala, das älteste Exemplar der Ulfilasbibel, bereits Canonestafeln aufweist. Ulfilas war aber Bischof von Antiochia. Vgl. d. Faksimile bei Henne am Rhyn, Deutsche Kulturgesch. I 2 . S. 69. 3 ) Vgl. Melanges d'archeologie et d'histoire publies par l'Ecole fran- caise de Rome: De quelques types de temps paiens reproduits par les Premiers chretiens Rome 1885 u. dann Repert. IX, 214. *) a. a. 0. No. 296. S. 6. 5 ) Abb. Meyer. Zwei antike Elfenbeintafeln. Abh. d. bayr. Akademie d. Wissenschaften Philosoph.-philol. Classe. XV. 1881. Tafel II. ^^^M ■■ ."■■•',.''.''"' ■■'.".'■; ,"'•" '■■■'.. M$ '■ '■'■■.'" "■..■■.-■.■■ • 57 Man ersieht aus diesen wenigen Andeutungen, von welcher Wichtigkeit diese retrospektive Methode der Untersuchung ist, besonders für die Miniaturmalerei der nordalpinen Länder. Wie bereits oben angedeutet wurde, sind es aber nicht bloss die alten Elemente, welche nach dem Prinzip der Filiation immer und immer wiederholt worden, sondern es lassen sich neue Zuflüsse, Auffrischungen konstatieren 1 ). Eine solche Renaissance, wenn sie auch mehr oder minder lokal beschrankt war, findet sich besonders in der karolingischen und der ottouischen Zeit. Teils waren es aus Italien exportierte Hss. und Elfenbeine oder daher berufene Künstler, teils ahmte man wohl auch antike oder altchristliche Werke nach, die schon lange an Ort und Stelle waren, resp. da entstanden waren. Solche Fälle eines direkten Einflusses antiker Denkmäler sind nicht vereinzelt. Die romanische Plastik. Südfrankreichs, besonders von Arles, suchte und fand Anregung bei den Sarkophagen 2 ); dasselbe ist, allerdings in umfassenderem Masse, von der Kunst Niccolö Pisanos anzuführen. Schon im frühen Mittelalter existierte ein ziemlich reger Haud- schriftenexport nach dem Norden. Nach G. B. de Rossi 3 ) verschickte Rom bereits im 7. Jahrhundert Bilderbibeln mit typologischer Anordnung über die Alpen, offenbar zum Zwecke von Vorlagen: die Archetypen der ma. Malerbücher, wie sie Voege wahrscheinlich machte. Der Ashburnham-Pentateuch ist z. B. eine norditalienische Bilderhandschrift des 7. Jahrh., die schon frühe 4 ) über die Alpen, höchstwahrscheinlich sofort nach Tours kam, wo sie später aufbewahrt wurde, bis sie Libri im Jahre 1842 stahl. Es liegt kein Grund vor anzunehmen, dass die Handschrift nicht fofort nach Tours kam 5 ). RH ■ x ) Springer, Quellen d. Kunstdarstellungen im MÄ. Berichte d. philol.- histor. Classe d. Kgl. sächs.. Gesr d. Wiss. 1879. I. S. 7. Vgl. dort den Hinweis auf d. Codex v. Nicander v. Kolophons Theriaca, dessen Bilder antike Vorbilder copiereni 2 ) Voege, Die Anfänge des monumentalen Stils im Mittelalter S. 109 ff. s ) Repertor. XIII. 455. . 4 ) Nach d. Gutachten der Paläogr. Society schon im 9. Jh. Vgl. d. Einleitung der Publikation von v. Gebhardt. 5 ) Springer, D. Geuesisbilder in der Kunst d. frühen MA. Abb. d. philol.-histor. Classe d. Kgl. sächs. Akad. der Wissensch. IX. 1884. S. 667 f. Die'daselbst Tafel II reproduzierte Darstellung aus dem Codex weist schon dieselbe Art der Städtedarstellung, die Dächer mit dem durch zwei sich tangierende runde Scherben gebildeten Knauf, dieselben Faltstühle, den ganzen Habitus der Figuren wie in der karolingisch-ottonischen Buchmalerei. Dort finden wir auch schon das Motiv des Mannes mit der Hacke, der in der 58 Das sog. Evangeliar des h. Corbiuian ist eine italienische Handschrift des 6./7. Jahrh., die der Heilige selbst aus Italien mitgebracht haben soll (München Staatsbibl. cod. lat. 6224 cod. Fris. 24. Cim. 13). Geschrieben ist die Handschrift von einem italienischen Schreiber Vale- rianus 1 ). Der geringe künstlerische Schmuck weist die alten, schon in der Kunst der ersten Jahrhunderte angewandten Motive auf: Hunde verfolgen den Hasen (aus der Sarkophagplastik vgl. die Tafeln von Le Blant: Etüde sur les sarkophages chretiens antiques de la ville d'Arles) und das uralte Katakombenmotiv: zwei Vögel zu beiden Seiten einer Vase oder eines Kreuzes. Einzelne neue italienische Einflüsse in der ottonischen Buchmalerei fehlen ebenfalls nicht. So ist z. B. der Markus im Echternacher und Bremer Evangeliar Heinrichs II 2 ) als Bischof dargestellt, ferner ausdrücklich als solcher bezeichnet in dem zu Trier entstandenen Cod. lat. 8851 (suppl. lat. 667) der Pariser Nationalbibl. (vgl. unten S. 86). Das ist aber ein spezifisches Charakteristikum der italienischen Kunst, weil ihn dort die Sage als Bischof von Alexaudria und Aquileja bezeichnete 3 ). Von Kaiser Heinrich II wissen wir, dass er bei, der Neugründung des Bistums Bamberg dasselbe mit allen möglichen Hss. ausstattete, deren Provenienz z. T. noch feststeht (aus St. Gallen, Lobbes, Mailand, Reims und Tours) 4 ). Besonders der unteritalienische Zug des Kaisers im Jahre 1022 hat die Erwerbung vieler Handschriften mit sich gebracht. „So enthält der Sammelband *E III. 14, welcher die Vita Alexandri Magri des Archiprcsbyters Leo birgt, auch eine Anzahl von Bearbeitungen historischer Werke, deren Entstehung auf die Bücherfabrikation am Hofe des Herzogs Jobannes von Campanien zurückzuführen ist." Ferner gelangten aus der Privatbibliothek Ottos III wertvolle Hss. an Heinrich II und wurden von diesem dem neuen Bistume überwiesen. „So ist es nun z. B. zur vollen Gewissheit geworden, dass karolingisch-ottonischen Malerei als Schmuck der Canonesbogen dient. (Einige in Trier entstandenen Codices, nämlich der Echternacher Codex und der Evangeliar der St. Chapelle (Willemin, Monuments' frangais inedits I pl. 44), wenden dasselbe Motiv an. Ferner finden wir dort schon die com- plicierte Händepsychologie. ') Riehl, Gesch. d. Sittenbilds in d. deutschen Kunst 1884. S. 3 f. — L. v. Kobell, Kunstvolle Miniaturen und Initialen aus Handschriften des 4- bis 16. Jahrh. München. S. 7, wobei zwei Tafeln. 2 ) Die Litteratur über diese Hs. Voege, D. Malerschule S. 383. 3 ) Beissel, D. Hss. d. Kaisers Otto zu Aachen. S. 76. 4 ) Giesebrecht, Gesch. d. d. Kaiserzeit II 2 S. 63; ausfuhr!. Leitschuh, Führer durch d. Kgl. Bibl. zu Bamberg, 9. Aufl. 1889. S. 38 f. ■ ■ ■''. ..' ;■ ■ I J. M ,' ■ I I j HHHHM 59 die *Livius-Codices M. IV, 9 und M. IV, 8 die für Kaiser Otto III erworbenen „duo Libri Liviani" sind, wie die Handschrift LIII,8 der in dem kleinen Verzeichnis der Bibliothek Ottos erwähnte „medieinalis über" ist." Das Verzeichnis der Privatbibliothek Ottos III selbst befindet sich in eben dieser Hs. L. III, 8. Auch der Boethius (H. J. IV, 12), der in Tours geschrieben wurde, kam aus der Bibliothek Ottos III nach Bamberg 1 ). Aber nicht bloss Handschriften bezog man aus Italien, man berief auch Künstler und Kunsthandwerker dorther. So berief z. B. Otto III einen Johannes zur Dekoration der Aachener Palastkapelle 2 ). Aus Norditalien (Venedig) hatte Karl der Grosse einen Orgelbauer, Georgius, kommen lassen, der in Aachen eine Orgel baute („Organum, quod graece hydraulica vocatur") 3 ). • ■ Untersuchen wir jetzt den italienischen Einfluss auf Tours. Bereits oben wurde erwähnt, dass die sog. turonische Halbunicale direkt auf italienische Schrifttypen zurückgeht. 4 ) Ein analoger Fall mag dies illustrieren. Der bekannte Codex Amiatinus ist allerdings in Jarrow oder Wearmouth geschrieben worden, aber ein Angelsachse, wie Berger (a. a. 0.) meint, ist der Schreiber nicht. Corsseu sagt in der Recension des Berger'schen Buches (a. a. 0.): „Nicht nur die Schrift, sondern auch die Orthographie, hat, ausser ganz schwachen Spuren, nichts angelsächsisches. Man braucht, um dessen inne zu werden, den Amiatinus nur mit dem nahe verwandten Evangeliar Cotton Nero D IV zu vergleichen, die in beiden Stücken ein echter Vertreter angelsächsischer Schreibübuug ist." Der Codex Amiatinus ist vielmehr die Copie eines römischen Originals 5 ). Ebenso *) Vgl. darüber Leitschuh, Karol. Malerei S. 84 ff. '-') Vita Balderici ep. Leod. cap. 13 f. Mon. Germ. S. S. IV. 628 f. Schnaase IV 2 S. 693, wo weitere Beispiele von ital. Künstlern in Deutschland. 3 ) Translatio SS. Marcelli et Petri cap. 75. A. A. S. S. Boll. Juni I. Schlosser, Schriftquellen. 4 ) Die Vorliebe und Vorsorge für eine schöne Schrift war in den ersten Jahrhunderten in Italien nicht abhanden gekommen. Ich erinnere nur an den Kalligraphen Philocalus, der für Papst Damasus, den grossen Katakomben- restaurator, so viele Inschriften anfertigte. Vgl. Kraus, Roma soterranea- S. 24 f. Strzygowski, D. Kalenderbilder des Chronographen vom Jahre 354. (Ergänzungsheft I zum Jahrbuch d. K. deutschen archäol. Institus. Berlin 1888.) 5 ) Das Evangeliar saec VI ex. im Cambridger Corpus Christi College (Katalog v. Wanley No. 286) ist z. B. höchstwahrscheinlich einer der nach Beda dem h. Augustinus von Gregor d. Gr. 601 nach England mitgegebenen vielen („plurimi") Codices. Ficker, die Aposteldarstellg. S. 136. Garrucci III, Tafel 141, Text S. 64 ff. Perate" L'arche"ol. ehret. S. 280 u. Abb. d h. Lucas. 60 wie der Amiatinus, in England geschrieben, direkt auf italienische Vorlagen hinweist, so lagen sicher ähnliche italienische Hss. in den Schreibschulen von Tours und der andern Culturcentreu des fränkischen Reiches vor (vgl. den Ashburnham-Pentateuch). Gerade in Tours, das von jeher als die Hochburg des orthodoxen Glaubens angesehen wurde, war sicher ein starker altchristlicher Einfluss ununterbrochen wirksam. Gallien war ja noch im 4. Jahrb. wegen seiner Grammatiker- und Rhetorenschulen berühmt; Männer wie Sidonius Apollinaris zeichneten sich durch eine wirkliche tiefe Liebe zur klassischen Litteratur aus, und auch in der Folgezeit dauerte diese Tradition fort, allerdings sich etwas abstumpfend. Eine rein formale Ausbildung der Sprache und rhetorischer Schwulst sind vorherrschend. Sogar ein Merowinger, König Chilperich, hatte litterarische Neigungen und dichtete selbst nach dem Vorbilde des Sedulius 1 ). Der Boden war also hier vorbereitet, und es bedurfte nur eines äusseren Anlasses, um hier wieder neue Blüten emporspriessen zu lassen. Diesen Anlass gab die durch die Macht eines Weltbeherrschers wie Karls des Grossen hervorgerufene Renaissance. Man kann in dieser Zeit den italienischen Einfluss nicht hoch genug •anschlagen. In Italien sind ausschliesslich die Vorbilder der karo- lingischen Bilderhandschriften zu suchen. Papst Paul I (737—767) sandte an Pipin gelehrte Schriften, die nach Menzel (Adahs. S. 3) zur Verbesserung der total verrohten Schrift dienten 3 ). Lupus von Ferneres, der einen ungeheuren Drang nach Wissen und Kenntnis der Alten hatte, wandte sich überall hin, sogar bis nach Rom, mit der Bitte, ihm Handschriften zu übersenden 3 ). Ob Godescalc selbst in Italien (Rom) war, wie folgende Verse 4 ) schliessen lassen und wie auch Janitschek (Adahs. S. 85) annimmt, ist nicht ganz sicher. Dennoch möchte ich mich Janitscheks Vermutung anschliessen, obgleich .■.\AW# I -!s*Aa>; ') Loebell, Gregor von Tours. 2. Aufl. 1869. S. 31 f. 2 ) Jafle, Bibl. rer. gerra. IV. Mon. Carol. p. 101. 3 ) L. Traube, Untersuchungen zur Überlieferungsgesch. röm. Schriftsteller. Sitzungsber. d. phil.-hist. Ciasse d. bayr. Akad. d. Wiss. 1891- III. S. 390 ff. *) Ultimus hoc famulus studuit complere Godesscalc Tempore vernali transcensis Alpibus ipse Urbem romuleam voluit quo visere consul Ut Petrum sedemque Petri rex cerneret atque Plurima celsithrono deferret munera Christo. Adahs. S. 85. m^^mf^^m^m^^^mm 61 iüfi ■ Traube 1 ) anführt, dass diese Verse auch durch ein Exemplar der „Men- suratio orbis", d. h. der Chorographie des Augustus, veranlasst sein können. Dieses Exemplar war allerdings an den kaiserlichen Hof gekommen. Aber es ist ja schliesslich irrelevant, ob Godescalc wirklich in Italien war oder nicht, die Thatsache eines äusserst regen Iland- schriftenexports aus Italien nach allen Teilen des Reiches steht fest. Dass bei solchen Handschriften nun nicht bloss Text und Schrift copiert wurden, sondern dass auch Technik und Dekorationsweise beeinflussend wirkten, ist klar. Hier arbeiten sich Kunsthistoriker und Textkritiker gegenseitig in die Hände. Schon in der ersten Zeit Karls des Grossen war Tours ein Hauptcentrum des wissenschaftlichen Lebens und der Anfertigung von Hss. der h. Schriften sowie der klassischen Autoren. Die Blüteperiode aber war unter Alcuin. Unter ihm wurden Handschriften 2 ) auf Bestellung nach auswärts angefertigt. Von Tours aus spinnen sich Fäden nach Metz, Trier, Paderborn, ja sogar nach Baiern. So entlehnte Arn, der Metropolit Baierns, Bücher von Tours, z. B. einen Traktat des h. Ambrosius. Alcuin ist ferner der Träger einer Bibelreform; ein Exemplar der Al- cuin'schen Bibelversion ist z. B. der Trierer Adacodex. Dümmler 3 ) hält den Codex No. 28 zu Trier für die Evangelienhss., die Alcuin Karl dem Gr. ca. 800 geschickt haben soll (ep. 205), Corssen 4 ) bestreitet dies allerdings. Aus allen Nachrichten geht hervor, dass die Handschriften der turonischen Schreibstuben unter Alcuin grosses Ansehen genossen und überall zu Rate gezogen wurden. Nun existiert eine Reihe von Prachthandschriften 5 ) der Evangelien (Gold auf Purpur), die auf ein gemein- ') a. a. 0. S. 406 f. 2 ) und zwar, wie oben bereits erwähnt wurde, nach alten italienischen Hss. Solche waren in Tours z. B. der Ashburnham-Pentateuch und der Archetypus, auf den die Trierer Apokalypse zurückgeht. Für ital. Hss. spricht „schon die Entwicklung der karol. Schrift. Die ausgezeichnete Majuskel, die wir in diesen Hss. finden, weist schlechterdings auf solche Vorbilder hin." Corssen Gütt. gel. Anz. a. a. 0. 3 ) Mon. Alcuin p. 697. Anm. 1. 4 ) Adahs. S. 35. 5 ) z. B. der Adacodex, das diesem verwandte Evangeliar Cod. Vatic. Palat. lat. 50 (siehe unten S. 71 ff.), und die der Adahs. textlich ebenfalls sehr nahestehende Evangelienhs. der Hamiltonsammlg. (jetzt in Amerika), vgl. Berger a. a. 0. Ferner v. Seidlitz, Repertorium f. K. VI 257. Beschreibung der Hs. giebt Wattenbach Nationalzeitg. 28. Nov. 1882 u. Neues Archiv etc. VIII p. 336, 343 ff. P ■ ■ •^^^^^ 62 m BM SHBT sames Entstekungslokal verweisen. Janitschek') suchte es in Metz, Berger 2 ) und Menzel 3 ) dagegen entschieden sich für die palatin. Schule, ohne dass es ihnen gelungen wäre, ihre Annahme mit unanfechtbaren Gründen zu belegen. Am nächsten liegt es, das scriptorium dieser Hss. oder wenigstens einige derselben in Tours selbst zu suchen. Andere Exemplare, wozu ich auch den Adacodex und das Evangeliar Cod. Vatic. Pal. lat. 50, (siehe unten S. 71 ff.), rechne, welche beiden ich auf Trier lokalisieren möchte, sind textlich direkte Copieen turonischer Handschriften 4 ) oder von Mönchen geschrieben, die ihre Ausbildung einem turonischen scriptorium verdanken. Beziehungen zwischen Köln und Tours existierten. So wurde z. B. der Codex Col. CVI der Dombibl. auf Wunsch Erzbischofs Hildebald von Köln (794—814) in Tours geschrieben 3 ). Von Tours aus wurden ferner Schrift und Bild in der Buchmalerei Reichenaus und von da in der St. Gallens stark beeinflusst 6 ). Waldo, Abt von Reichenau, ein Verwandter Grimalds, hatte einen Conventualen nach Tours geschickt, der von dort aus der Bücherei seines Klosters Handschriften zusandte 7 ). Die in Tours aus altchristlichen Handschriften (vgl. den Wiener Codex 847) übernommene Dekorationsweise, rechteckige Farbenstreifen mit Buchstaben zu beschreiben (z. B. Gold, Silber und Weiss auf Purpur), wie wir sie in dem Quedlinburger, in Tours entstandeuen Evangeliar 8 ) treffen, findet sich auch in Hss. aus Reichenau (vgl. d. Publikation von Oechelhäuser) und Trier (Registrum Gregorii der Stadtbibliothek). Nach Bamberg kam aus Tours die Alkuinbibel und der Boethius (vgl. oben) 9 ). An Erzbischof Ricbodo von Trier (795—804), seinen Schüler, ij Adhs. S. 85 f. — 2 ) a. a. 0. S. 271. — 3 ) Adahs. S. 9. 4 ) dass turoniseke Codices als Vorlagen versandt wurden, ist oben bereits erwähnt worden. ") Menzel in d. Adahs. S. 5 Amn. 3. ») Rahn, D. Psalterium aureum v. St. Gallen. 1878. S. 88 ff. S. 12 Anm. 19. ') Gallus Oheim ed. Barack. Bibl. d. lit. Ver. LXXXIV. 1866. S. 44. 8 ) Delisle a. a. 0. Tafel II. B ) Die Echternacher Schule besitzt übrigens gleichfalls einen Boethius- Codex (vgl. Voege, Malerschule S. 383). Eine Vergleichung beider Hss. wäre sehr interessant und würde sicher neues Licht auf die Beziehungen zwischen Tours und Trier werfen. Eine zusammenfassende Darstellung der frühma. Boethiushss. wäre jedenfalls sehr lohnend. Ich nenne hier noch eine Hs. saec. X auf d. Schlettstadter Stadtbibliothek (Kraus, Kunst u. Altertum in Elsass I. S. 289). Wie viel Interessantes bei solchen zusammenfassenden Darstellungen von Hss. desselben Inhalts sich ergeben kann, beweist R. Stettiners soeben erschienene Abhandlung über die Prudentiushss. H . ■ m ■■;. |J."; : : j || ; 63 i^%M£)&M9fej schreibt Alcuin (ep. 21ö) und beklagt sieb, dass Ricbodo den Aeneide den vier Evangelien vorziehe 1 ). Sonst hatte er eine hohe Meinung von ihm, dedicierte ihm sogar ein Gedicht 2 ). Abgesehen von den Beziehungen zwischen Alcuin und Trier erwähne ich, dass in der Litanie des Trierer Sacramentars auf der Freiburger Universitätsbibliothek (vgl. oben) die h. Eu- genia figuriert, welche wir sonst bloss in der alten gallikanischen Liturgie finden (vgl. oben S. 21), also ein direkter Beleg fränkischer Beeinflussung. Ferner sind im Kalendar eingetragen die translatio S. Martini (zum 4. Juli) und der h. Briccius (zum 13. November). Der h. Bric- cius war der 4. Bischof von Tours, dessen Tag nach Gregorius von Tours (histor. francor. X, 31) schon unter Perpetuus, dem 6. Bischöfe, als Festtag galt 3 ). Ferner wurde oben schon darauf hingewiesen, dass die Trierer Schule das so überaus oft angewandte Motiv der Staubfäden und Punktrosetten in den Initialen und auf dem Hintergrunde, der später in die Echternacher Malerei ebenfalls übernommen wurde, sowie in den Handschriften von München-Gladbach, die stilistisch ganz von Trier abhängen, auftritt, dass dieses Motiv aus der turonischen Malerei herstammt. Von hier aus lässt es sich wieder zurück verfolgen über den Wiener Codex 847 bis in die Katakombenmalerei (z. B. de Rossi R. E. II, 6). In Tourser Handschriften vergl. diese Details in der Bibel in London 4 ) und dem Bamberger Boethius"). Auch die von der Decke herabhängenden Kronen, Lampen und Weihrauchgefässe in den Trierer Hss. scheinen von Tours her gekommen zu sein 6 ). *) ep. 100 Jafte VI 454. Trotz dieser Missbilligung der klassischen Studien in Trier darf mau sich Alcuin nicht als Eiferer gegen dieselben denken. Im Gegenteil, in Tours selbst bluten diese Studien, vgl. den Vergil zu Bern (No. 165. Delisle S. 39), ferner eine Sammlung von grammat. Schriften, bes. des Nonius Marcellus aus d. Nachlass v. Isaak Vossius (Leyden Univbibl. No. 73 fol.). Von dem Vergil sagt Delisle a. a. 0. S. 46 sehr schön: „L'initiale Tityre tu patulae y a ete tracee avec le meine soin et le meme luxe, que l'initiale du Te igitur des plus somptueux sacramen- taires carlovingiens. II est assez curieux de voir ainsi honorees au IX« siecle, dans le monastere de Saint Martin de Tours, les oeuvres d'un poete que les religieux de cette maison ne pouvaient lire qu'en cachette du temps de Charlemagne." 2 ) Dümmler P. L. I 248. 3 ) Beissel, Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien S. 31. 4 ) farbige Reprodukt. Shaw. A handbook of the art of illumination etc. London 1866. Tafel II. S. 10. 5 ) Abbgn. Leitschuh Karol. Malerei S. 421, 454, 455. ") Vgl. die Vivianusbibl. u. d. Bocthius. Leitschuh S. 298. 111" 18 I k ■ '"'-'■^^^^^ ^m 64 Doch kehren wir jetzt zur Trierer Apokalypse zurück. Initialen, die dekorativ ausgebildet sind, hat der Codex noch nicht, was die Annahme einer altchristlichen Vorlage nur unterstützt. Nur glaube ich nicht, dass diese italienisch-altchristliche Vorlage direkt copiert wurde, sondern eine fränkische (Tourser) Copie derselben. Solche immerhin charakteristische Details wie das fränkische Kostüm finden sich noch nicht in der ersten Copie nach einem Originale, sie finden sich erst bei sekundären Copieen. Ausserdem sind die Sterne in dem Archetypus bereits zu ganz dekorativen Symbolen geworden, kleine weisse Scheiben, umgeben von 6—8 weissen Punkten (Punktrosetten). Sie wurden später ein dekoratives Hauptcharakteristikum der Schulen von Tours und Trier, wie oben bereits ausgeführt. Das Pergament ist deutschen Ursprungs. Die Bilder sind von Frimmel (a. a. 0.) beschrieben worden, so dass ich mich darauf beschränken kann, einzelne Zusätze und kleinere Bemerkungen zu geben. Das Titelbild (fol. lb, vgl. Tafel VI), Johannes und der Engel (Frimmel a. a. 0. S. 19 f.), zeigt in Architektur und Ornamentik eine grosse Ähnlichkeit mit der Dekorationsweise des Wiener Codex 847 (Wickhoff a. a. 0.) besonders in der Verwendung der flankierenden Vögel auf Blütenzweigen, Ausfüllung des Grundes mit kombinierten Punkten. Das auch in turonischischen Hss. auftretende und später, besonders in der ottonischen Kunst so beliebte Ornament, das gebildet ist durch ineinandergesteckte dreiteilige Blumenkelche, bildet die Giebelfüllung. Interessant ist es, die Anordnung und Unterscheidung der verschiedenen Bildscenen innerhalb desselben umschliessenden Kahmens zu beobachten. Der Versuch, die oben charakterisierten beiden Hauptgruppen frühchristlicher Bilderhss. zu verschmelzen, ist bereits im Gange. Einerseits der dekorative Flächenstil, andererseits die Absicht einer Darstellungsweise, die ursprünglich aus der "Wandmalerei und Sarkophagplastik herstammt, nämlich solche Begebenheiten, die einander eigentlich zeitlich folgten, innerhalb eines Kahmens in der Weise wiederzugeben, dass die handelnden Personen verschiedene Male erscheinen 1 ). Die Teilung der Scenen, die später, von der karolingischen Zeit an, meist durch Horizontallinien bewerkstelligt wird, geschieht durch verschiedenartige, unregelmässig gebogene Linien (so Bild 4 und 6). Auf Bild 71 findet sich ein Baum mit staubfädenartigen Auswüchsen, die später von der Rankenornamentik verwendet wurden. Auf Bild 7 ') Wickhoff, Repertor. f. K. XVII. S. 14. 65 ■r- -'■'■>■'■■■■£■ •■*"■ ■■'■■■-." HSHsft ragt aus der oberen Abteilung, dem blauen braun-konturierten Himmel heraus die Hand Gottes mit weitem Ärmel. Der Satan auf demselben Bilde ist nackt, im Ganzen menschlicb gebildet, Tierfüsse, Hörner, Schwanz und lange entenschnabelförmige Nase. Tn der Apokalypse zu Cambray ist der Teufel als „alte Schlange mit Widderhörnern" gebildet. Bild 15. Christus umgeben von den 4 Evangelistensymbolen, die also hier schon in Beziehung auf den Erlöser selbst auftreten, wie in Codex 134 der Dombibliothek zu Trier (vgl. die Verse auf fol. lb der Hs. Paris Bibl. nat. Cod. lat. 8851 (Suppl. lat. 667) siehe unten S. 84). Auf Bild 20 findet sich bei der Bekleidung der nackten Märtyrer eine naturalistische Andeutung der Schamhaare. Die Darstellung der Heuschrecke auf Bild 28 wird gebildet durch einen nimbierten Menschenkopf mit langen Haaren, dürren Arme mit Krallen und kurzem wespenförmigen Unterkörper mit langem Eudstachel. Bild 37. Der schlangenförmige geflügelte Drache ist ganz klassisch gebildet, etwa wie wir ihn auf den antiken Triptolemosdarstcllungen finden. Ungefähr gleichzeitig mit der Apokalypse, vielleicht sogar noch etwas früher, fällt das Evangeliar No. 134') des Trierer Domschatzes, aus dem Kesselstattschen Vermächtnisse stammend (4° Ende des 8. Jahrb.). Lamprecht setzt die Hs. 8. Jabrh. 2. Hälfte, Schäfer 9. Jahrh. und Görtz, allerdings viel zu spät, Ende d. 9. oder Anfang d. 10. Jahrb., Westwood 8. Jahrh. Die Schrift ist teils irisch, teils merowingische Unciale; oft treten beide Hände auf derselben Seite, ja sogar derselben Zeile auf, so dass ein gleichzeitiges Zusammenarbeiten beider Schreiber evident ist. Der künstlerische Schmuck rührt ebenfalls von 2 Händen her, einerseits finden wir eine irische oder doch irisch geschulte Hand, anderseits eine einbeimische, unter stark altchristlichem Einflüsse arbeitende ') Kugler, Kleine Schriften IL, 341. Janitschek, Adahs. S. 104. Lamprecht, Initialornam. S. 11 Anm. 3. S. 26 No. 4. Lotz, Kunsttopographie I., 593. Schnaase, III 2 609, 616. Görtz, Repertorium f. Kunstw. V. 297. Waagen, Handb. d. d. u. niederländ. Malersch. I. S. 6. Leitschuh, Karo]. Malerei S. 88. Woltmann-Woermann I. S. 198. Schäfer, D. Malerbuch vom Berge Athos S. 100, 298, 299, 301, 302. Westwood, Fac-similis of the mi- niatures ond Ornamentes of Anglo-Saxon and Irisch Manuscripts London. 1868. S. 72 ff. Knackfuss, Deutsche KG. I. S. 23. Lübke, Gesch d. d. K. S. 16. Janitschek, D. Malerei, S. 14. Abbildungen: Lamprecht a. a. 0. Tafel 3—5, 17. Westwood a. a. 0. pl. 19, 20 u. 52 3 . Görtz, Über den Zustand der Malerei im nördl. Europa von Karl d. G. bis zum Beginn der roman. Epoche etc. Moskau 1873, russisch. Tafel III (vgl. Repert. a. a. 0.). Westrt. Zeitschrift. Ergänzungähoft IX. 5 66 ü . wm Hü Im i §111 HP ■■;";;a;,:., IH 1 ! ■" ■Hj Hand. Der irische Schreiber und wohl auch Maler nennt sich durch die Inschrift: „thoraas scribsit" (Lamprecht, Tafel 4 u. 5, Westwood, pl. 20) in roter Unciale. Lamprecht hält diesen Thomas für den „Ornamentenmaler", und seine Annahme wird dadurch bestätigt, dass er seine Künstlerinschrift auf die Bilder setzt (Schnaase a. a. 0. S. 616). In St. Gallen braucht der Schreiber nicht erzogen zu sein, wie Schnaase (a. a. 0.) annimmt; gerade in nächster Nähe Triers, in Echternach war altirische Kunst und Kultur heimisch; einige irische Hss. aus diesem Kloster, dessen Malerschule ja auch noch in späterer Zeit in engstem Zusammenhange mit der Trierer stand, sind noch erhalten (vgl. unten). Die Identifikation unseres Thomas mit dem späteren Abt von Hohen- augia bei Strassburg, die Westwood (a. a. 0. S. 76 f.) versucht, ist doch nicht stichhaltig, zumal so gewichtige Indicien für Trierer Ursprung sprechen. Die Annahme von Görtz, es hätten drei Hände den künstlerischen Schmuck ausgeführt, kann ich nach einer Untersuchung des Originales nicht teilen; man muss wohl auf die alte Annahme der beiden, auch national unterschiedenen Hände, zurück greifen, deren Thätigkeit eine innig verbundene, eng ineinandergreifende war. fol. la steht in von roten Punkten umsäumtem viereckigen Felde die einleitende Inschrift von der irischen Hand: „Scriptori vita eterna. Legenti pax perpetua. Videnti felicitas perennis. Habenti possessio cu saluti. Amen. Do gratias. Ora pro me. Ds tecum". fol. Ib. Die vier Evangelistensymbole bilden, in vier oblonge Rahmen eingeschlossen, die Form eines Andreaskreuzes, (Anordnung: oben homo und leo, unten vitulus und aquila) dessen Mitte ein Medaillon bildet. In demselben sieht man ein Brustbild des jugendlichen unbärtigen Christus mit einem Buche in der Hand. Ein einfacher gelber Nimbus mit rotem Kontur umschliesst das Haupt des Erlösers. Der Hintergrund des Medaillons ist dunkelblau mit weissen Punkten, die zu Dreiecken vereint sind. Die Malerei, von der altchristlich beein- flussten Hand ausgeführt, ist in Deckfarbentechnik. Von den Evangelistensymbolen rühren drei von der irischen Hand (Hand 1) her, während der homo des Matthäus, ein hübscher Mann ohne Nimbus, mit einer Buchrolle in der rechten Hand, Sandalen an den Füssen, in feiner Federzeichnung mit leichter Aquarellkolorierung, auf Hand 2 zurückgeht. Das ganze umgiebt ein Bahmen, der dem Rahmen um den Matthäus im Willibrordevangeliar zu Paris (Bibl. nat. fonds. lat. 9389. saec. VII.) 1 ) ') Vgl. Voege, Malerschule S. 380 die Litteratur übor diese IIs. 67 aus Echternach sehr ähnelt (vgl. S. 73, Tafel 21 bei Westwood a. a. 0.), ebenso wie die Evangelistensymbole mit denen im Pariser Evangeliar fast identisch sind. fol. 2—5a Praefationes und Text. fol. 5b Tetramorph 1 ) (Lamprecht, Tafel 5. Westwood, pl. 20. Görtz, a. a. 0., Tafel III) mit der Künstlerinschrift des Thomas. In einem reichen, mit irischem Formgeschmacke ausgestatteten rechteckigen Rahmen, an dessen Ecken sowohl als in der Mitte der Aussenseiten Ausläufer in Thierornamentik (Vogelküpfe) ansetzen, steht in der Mitte, die Höhe des ganzen Rahmens ausfüllend, der Greis mit grauem Bart und Haar (Matthäus) und irisch stilisiertem Gesichte. Ein langes, bis auf die. Füsse herabreichendes Gewand, eine verzierte Ärmeltunika um- schliesst den en face dastehenden Körper, während die Füsse en profil stehen, bekanntlich ein Charakteristicum der altirischen Miniaturmalerei. Die Tunika ist schieferblau mit braunem Kontur und gelben sowie braunen Höhungsstrichen. Dieselben Höhungen weisst das orangerote Pallium auf, das die rechte Schulter und den linken Arm freilässt (e£w[juc;). Zwei gelbe, mit braunem Zickzackmuster besetzte Clavi gehen an der Tunika herab. Über dem Pallium liegt um die Hüften ein Gürtel, von dem die Haut und die Klauen des Löwen, des Kalbes und des Adlers herabhängen in verschiedener Färbung (also die Komposition der vier Symbole). Die über der Brust gekreuzten Arme tragen je einen Gegenstand. Die linke Hand fasst den gelben Griff eines langen schieferblauen Messers mit Strichverzierungen auf der Schneide, während die rechte Hand einen Gegenstand trägt, der sich darstellt als ein langer gelber Stiel, welcher oben in einem achtblätterigeu Sterne mit rotem runden Innenteile endet. Dass hier kirchliche Geräte dargestellt sind, ist ausser allem Zweifel. Das Messer ist wohl ein eulter eucharisticus, um das heilige Brod zu teilen 2 ).. Schwieriger ist die Deutung des zweiten Gegenstandes. Man hat an ein aspergillum gedacht, aber wir können wohl mit Sicherheit auf das in liturgischem Gebrauche schon frühe erwähnte flabellum deuten, das : ) Der Tetramorph, d. h. die Combination der 4 Tiere in der Vision des Ezechiel (Cap. 10). Ezechiel wurde für seine Schilderung durch assyr. Denkmäler inspiriert, ebenso wie Rabula oder dessen Vorgänger bei dieser Darstellung. Janitschek, Strassburger Festgruss an Ant. Springer I. S. 6. Vgl. ferner Schäfer a. a. 0. Leitschuh, Karol. Malerei S. 212, 384. 2 ) Kraus, Realencycl. II. S. 392. Westwood a. a. 0. Appendix S. 153, wo weitere Litteratur. 5* H m H Hb ■HföftP wm j ü : '■"'.^^^ dazu diente, die Hitze zu zerteilen und die Fliegen davon abzuhalten, sich den heiligen Geräten zu nähern 1 ). Das Bild ist in Deckfarbentechnik mit vollständig irischem Farbengeschmack ausgeführt. Einer Scheidung in eine irische und eine einheimische, aber stark irisch beeinflusste Hand, wie sie Görtz a. a. 0. gemacht hat, kann ich nach einer Untersuchung des Originals nicht beistimmen; sie ist zu subtil. Offenbar rührt der Tetramorph von Hand 1 her, wie auch Janitschek annimmt. Die nächsten Seiten enthalten den Brief des h. Hieronymus an Papst Damasus, worauf das Incipit des Matthäus folgt. Ein irischer viereckiger Rahmen (Westwood pl. 18) mit Vogelkopfausläufern an den Ecken zeigt auf grauem Grunde zwei geflügelte Engel, die mit der linken resp. rechten Hand in der Mitte ein rechteckiges Purpurblatt halten, das auf einer kurzen Säule anfliegt; auf einer treppenförmig viermal abgestuften Basis ruht der Schaft (ganz im Flächenstil gehalten) und darauf als Kapitell ein geflochtener irischer Bandknoten. Die irischen Charakter zeigende gelbe Inschrift lautet: INCIPIT/EVANGE/LIUM SE+/CVNDVM MATTEÜM. Oberhalb der Inschrift liegt eine klassische Schnecke und darüber ein irischer Bandknoten. Über den beiden Engeln stehen in irischen Buchstaben die Inschriften Scs. Michael und Scs. Gabriel. Bühren die bisherigen Teile des Blattes von Hand 1 her, so stammt die Darstellung der beiden Erzengel von Hand 2. In ungezwungener Haltung stehen die beiden langflügeligen gedrungenen Gestalten in Vorderansicht; die beiden freien Hände tragen lange gelbe Stäbe mit je einem roten Knopf an beiden Enden. Eine blaue in weiss und dunklerem Lokalton gehöhte Tunika, deren Ärmel bis au den Ellenbogen reichen, trägt zwei gelbe Clavi mit roten Querstrichen, darüber liegt ein ähnlich gezeichnetes rosafarbenes Pallium, das links und rechts s£(i)pic; lässt. Gleichfalls rosafarben sind die Flügel; das Gefieder ist schwarz eingezeichnet. Ein braungelber Nimbus mit breitem blauen Kontur umschliesst den Kopf, der üppige rotbraune Locken (mit gelbbraunem Haarband) trägt. Über den Nimben wird durch weisse und blaue halbmondförmige Striche eine Wolkenformation ausgedrückt. Die Füsse sind nackt. Also ein vollständiges Ineinandergreifen beider Hände! Es folgen dann die rundbogigen zehn Kanonestafeln; ein Hauptbogen überspannt die vier kleineren Bögen (ein Beispiel Westwood Tafel 19). r ) Kraus, Realencycl. I. S. 529 ff. Westwood a. a. 0. Appendix S. 153. Westwood Tafel 53 7 reproduciert ein ähnliches Flabellum aus dem Book of Keils. Vgl. auch meinen Aufsatz über eine longobardische Elfenbeinpyxis in den Mitteilungen des Germanischen Museums 1895. S. 32. ^ wmm www*. 69 Die Hauptarbeit verrichtete die Hand 2. Einige kleinere ornamentale Details und die Säulenbasen x ) der vierten Kanontafel kommen auf Rechnung der irischen Hand. Die Lunette des Hauptbogens nimmt stets ein rundes Medaillon ein mit den Brustbildern von Aposteln; dieselben lassen an italienische Musivarbeiten denken. Die Füllung der grossen Arkatur weist auf altchristliche Vorbilder (vgl. Wickhoff a. a. 0. zu Codex 847 in Wien) hin. Ein dreiteiliger gelb, rot und weisser Rundrahmen, mit Punkten besetzt, umgiebt die Medaillons. Auf tiefblauem Hintergrunde sind en face die Brustbilder gemalt mit starker Weiss- höhung der Gewänder. Der Nimbus ist gelb. In der Hand halten die Apostel Bücherrollen, mit Ausnahme Petri, der den doppelten Schlüssel trägt (Westwood pl. 19). Die Kopfhaare und der kurze Bart sind grau- weiss; eine stark ausgeprägte römische Kranztonsur ist vorhanden. Es ist noch der alte Typus, wie er auf Goldgläsern vorkommt 2 ). In gleicher Höhe mit den Aposteln steht zu beiden Seiten derselben auf einem ornamentalen Ausläufer der Hauptarkatur je ein Vogel (Tauben, Pfauen, Enten, Kraniche und Hähne). Die Hähne sind die Attribute des Petrus. Vor jedem der folgenden Evangelien findet sich jedesmal, mit Ausnahme des Johannes, welcher fehlt, in rechteckigem irischem Rahmen das Bild des betreffenden Evangelisten. Der bärtige nimbierte Matthäus steht da mit einem Buche in der Hand. Auch hier weist Westwood auf die ganz ähnliche Umrahmung des Echternacher Evangeliars in Paris hin (vgl. oben S. 66). Marcus, unbärtig und nimbiert, stehend, hält eine eutfaltete Rolle; neben ihm auf einem hohen Stuhle ein aufgeschlagenes Buch. Zu seiner Seite steht der geflügelte Löwe mit einem geschlossenen Buch in den Pranken. Lucas (Lamprecht Tafel 4, Westwood pl. 52 3 ) sitzt auf einem hochlehnigen Stuhle. Vollständige Unfähigkeit, einen sitzenden Körper darzustellen, zeigt sich darin, dass man die Figur in der gewöhnlichen Haltung des Stehens (Körper in Vorderansicht und Füsse in Profil) einfach etwas kleiner darstellt. Der Evangelist trägt weisses Haar und einen Spitzbart; die linke Hand hält ein aufgeschlagenes Buch, die rechte ist mit etwas aufgespreiztem Daumen in Brusthöhe erhoben; die Füsse ruhen auf einem verzierten Schemel. Rechts von dem Evangelisten, in der Höhe des Buches, ist ein merkwürdiger Gegenstand abgebildet, dessen Bestimmung unklar ist. Überhalb x ) Sonst ruhen die korinthischen Kapitelle auf Basen von der Gestalt umgekehrter ionischer Kapitelle. 2 ) Kraus, R. E. IL S. 607 ff. Joh. Ficker, D. Darstellung der Apostel in d. altchristl. Kunst, Beiträge zur Kunstgeschichte. N. F. V. ■$ i ■ ■ ■^^^ 70 " ff 1 7:1 HB 'Mi ■ ■■■Vi ■ ■ desselben befindet sich das Symbol des Lucas mit einem Buche. Den unteren Teil dieser rechten Seite nimmt die Inschrift ein: „Incipit evangelium seeun- dum Lucam." Der umschlicssende Rahmen ist ähnlich den übrigen gebildet. Unterhalb des Rahmens findet sich nochmals die Inschrift: „thomas scribsit". Vergleicht man den Tetramorph mit den Evangelisten, so erscheint es zweifellos, dass alle diese vier Darstellungen auf dieselbe Hand zurückgehen. Ferner konstatierten wir ein enges Zusammenarbeiten beider Hände; auch eine gegenseitige Beeinflussung ist vorhanden. Beide Hände weisen im blauen Hintergrunde die kombinierten Punktrosetten auf. Die altchristlich beeinflusste Hand weist auf turonische Elemente hin (die Vögel auf einer Ranke zu beiden Seiten der Medaillons, perspektivischer Mäander mit Punkten besetzt). Janitschek glaubt ebenfalls, dass die Handschrift in Trier entstanden ist; ein solcher altchristlich- römischer Einfluss ist ihm auf dem „Boden Triers" nichts wunderbares. Bereits oben wurde auf die Nähe Echternachs hingewiesen, wodurch der irische Einfluss vollkommen erklärt ist. Die fürstlich Waller- stein'sche Bibliothek zu Maihingen bei Nördlingen besitzt ein irisches Evangeliar von einem Schreiber Laurentius zu Echternach geschrieben 1 ). In Trier selbst scheint in St. Maximin irischer Einfluss stark vorhanden gewesen zu sein. Görtz (a. a. 0.) zählt drei deutsch-irische Miniaturhandschriften auf, die aus St. Maximin stammen; da ich dieselben nicht aus eigener Anschauung kenne, setze ich ihre Beschreibung nach Görtz hier ein. „1. No. 548 der öffentlichen Bibliothek zu Gent, verschiedene Abbandlungen Bedas enthaltend. Ausser den Initialen in irischem Stile enthält diese Handschrift zwei Zeichnungen: a) innerhalb eines Kreises ein griechisches Kreuz, das wiederum an der Durchschneidungsstelle und den Enden der vier Arme kleine Kreise zeigt, innerhalb deren zu lesen ist, oben RRR, rechts AAA, unten FFF, links VW, im mittleren Kreise aber L.S.P., b) eine Säulenstellung mit der Unterschrift: Si quis abstulerit anathema sit. Amen. 2. Ein jetzt in der Bibliothek der Jesuiten zu Brüssel befindlicher Psalter. Die häufig ein ganzes Blatt in Folio füllenden Initialen mit ihren Schlangen-, Vogel- und Drachenköpfen sind in rein irischem Stil sehr sorgfältig mit der Feder gezeichnet und mit Aquarellfarben leicht bemalt. Der den Psalmen voranstehende Kalender mit gleichzeitigen Beischriften geschichtlichen Inhalts ist von Hontheim (Prodomus Historiae Trevirensis Bd. I. S. 357 u. 373) herausgegeben worden. a ) Vgl. die Litteratur bei Voege S. 385 f. Eine getreue farbige Kopie der Miniaturen dieser Hs. besitzt das Kupferstichkabinet des German. Museums in seinem „Bilderrepertorium". ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ 71 3. No. 457 der öffentlichen Bibliothek zu Gent. Die Dekaden des h. Augustin, aus dem Ende des 10. Jahrhunderts, mit sorgfältig, wenn auch nicht sehr fein ausgeführten grossen Initialen, die mit roten Blumenlinien umwunden sind." Nach den mir von Herrn Provinzialkonservator Dr. Paul Clemen zur Verfügung gestellten Notizen füge ich zu diesen Bemerkungen noch Folgendes hinzu: Cod. 548 (jetzt aufgestellt 306) stammt aus dem Ende des 10. Jahrhunderts. Masse 20X27 cm. Cod. 457 (aufgestellt 96) Pergam. 28X37 cm. sec. X/XI lspaltig. toi. la. Grosse Initiale I— . mit feinem Flechtwerk und brauner LsJ Federzeichnung; der Grund ist alsdann hunt ausgefüllt. Der Adacodex selbst, der durch Janitschek bereits eine genaue Publikation und eingehende Beschreibung erfahren hat, mag hier nur kurz behandelt werden. Ebenso wie er textlich in allernächstem Zusammenhange mit Trier steht, ist dies auch künstlerisch der Fall. Für eine Entstehung in Metz spricht sehr wenig, für eine solche in Trier dagegen sehr viel. Der Zusammenhang mit der Apokalypse wurde oben schon betont, noch wichtiger aber ist die Thatsache, dass die unten zu beschreibenden Handschriften, die sicher aus Trier stammen, nämlich Ms. 839 der Stadtbibliotkek (sec. X ineunt.) und Ms. 23 ebenda sec. 9 (Mitte oder 2. Hälfte) sich stark von der Adahs. als beeinflusst erweisen, der Codex also schon kurze Zeit nach seinem Entstehen in Trier nachzuweisen ist. Also liegt die Annahme einer Entstehung der Adahs. in Trier am nächsten und ist sehr wahrscheinlich, während die Versuche, dieselbe in Metz zu lokalisieren, auf starken Widerspruch gestossen sind. In die Nähe der Adahs. fällt ein Evangeliar der Vatikana (Evan- gelia sec. Lucam et Johannem sec. IX. Cod. Pal. lat. 50; vgl. S. 61 Anm. 5 u. S. 62 : ). Ich verdanke die Beschreibung dieser Hs. der Güte des Herrn Dr. P. Clemen. 27X37 cm. 127 Bl. 1 ) Auf der Rückseite des letzten Blattes findet sich quer geschrieben folgende Notiz: „Renovatus est über iste sub reverendissimo domino praeposito Eberhardo de Wassen monasterio Lorssens anno do- mini (1)479." Ein Propst Eberhard II (von Wasen) wird in Lorch er- ') Über den Codex vgl. ferner Adahs. S. 8, 38, 40, 89 f. 91 u. Beissel, Vaticanische Miniaturen S. 10 f. 72 wähnt in deu Jahren 1478, 1479 und 1480, so dass die Identität evident ist 1 ). Ferner die Notiz: „Ligatus per Johannem Faber (?) de Silligeustat viearium ecclesie Wormaciensis." Leider kann ich das Alter dieser Notiz nicht angeben, indess wird in einer Wormser Urkunde vom Jahre 1258, März 25, ein dominus Johannes vicarius altaris sancti Bartholomei quod est in ecclesia sancti Martini "Wormaciensis, erwähnt 2 ). Förster, der diese Notizen bei Beschreibung des von ihm fälschlich ins 11. Jahrhundert gesetzten Elfenbeindeckels ebenfalls erwähnt (Denkmale deutscher Baukunst, Bildnerei und Malerei IX. 1864. Bildnern Tafel I), wird durch die im Mittelalter schon seit dem 11. Jahrb. nachweisbare Sitte, den Tausender wegzulassen, verführt, die Notiz in das Jahr 1079 zu setzen. Der früher auf dem Codex befestigte, jetzt im christlichen Museum des Vatikan befindliche Elfenbeindeckel (Westwood No. 117, Gori tbesaurus III, 25. t. IV. Labarte I 2 p. 112. Schäfer, Denkmale der Elfenbeinplastik zu Darmstadt S. 30. Clemen, Merowing. und karol. Plastik. Bonner Jahrb. LXXXXII. 1892. S. 117) ist eine sichere ravennatische Arbeit des 7. Jahrhunderts. Der neue Einband in rotem Leder mit Goldpressung stammt aus dem 17. Jahrh. Bl. Ob enthält ein ganzseitiges Bild des Evangelisten Lucas (vgl. Beissel a. a. 0. Tafel V), der unter einem von zwei Säulen mit silbernem Blattkapitellen getragenen Bogen sitzt, welcher mit blauen und goldenen Ranken auf gestricheltem Grunde gefüllt ist; im Scheitel sitzt eine Gemme (weiss in rot) mit Darstellung eines geflügelten Genius. Der sehr hohe Horizont schliesst in der Höhe der Kapitelle wellenartig ab. In dem halbrunden, lichtblauen (ultramarin) Grunde befindet sich der nimbierte geflügelte Stier (Halbfigur) mit der rechten Vorderpranke das mit den Edelsteinen bedeckte Buch haltend. Der Evangelist selbst sitzt im Hauptfelde vor dem orangegelb- farbeuen Hintergrunde mit welliger Terrainangabe auf einem braunroten Throne mit gelbem Sitze und halbkreisförmiger Lehne mit goldenem Rahmen und blauem Polster; vor diesem läuft an einer vergoldeten Stange ein weisser, rotgesäumter Vorhang hin, der um die eine Seiten- J ) Dalil, Historisck-topograph.-statisiscbe Beschreibung des Fürstentums Lorch. 1812. S. 87. Urkundeubuch S. 153 Anm. 18. a ) Boos, Quellen zur Geschichte der Stadt Worms I S. 183. Über die struktiv und stilistisch vom Petersdom abhängige Kirche St, Martin vgl. Otte, Handb. II 5 S, 93. ■■IM Hb 73 stütze geschwungen ist. Lukas sitzt mit übergeschlagenen Beinen, in beiden Händen ein geöffnetes Buch haltend. Er hat einen bartlosen Kundkopf und krauses dunkelbraunes Haar. Der Nimbus ist mit goldenen und silbernen Blättern bedeckt. Die Kleidung besteht in einer laugen, roten mit schwarzen Besatzstücken besetzten Tunica und blauem weissgehöhtem Mantel, Vor dem Evangelisten rechts steht ein kleiner graublauer Pulttisch mit rotem Fusse, darauf Tintenfass und Feder. Die Füsse sind nackt. Die Technik ist Deckmalerei. Die Falten sind nie verstrichen; starke schwarze Umrisse und weisse Lichter, auf der roten Tunika goldene Lichter. Das Gesicht ist sorgfältig modelliert mit leicht grünlichen Tönen, nur die spitzesten Lichter sind in hellrot aufgesetzt. Die Hände und Füsse sind rot und mit gekreuzten Strichlagen umrissen. Bl. la. Incipit argumentum evangelii sec. Lucam. Der Text ist zweispaltig in goldenen Uncialen; nur die kleinen Ueberschriften und seitlichen Nummern sind in rot. Die Einfassung ist analog der des Adacodex. In der Mitte scheiden zwei Bänder das Blatt; auf jeder Spalte sind je 31 Zeilen. Die äussere Rahmeneinfassung des Textes besteht aus Gold, dann Silber und zuletzt blau oder rot mit wechselnden Ornamenten (Ranken, Flechtwerk, Mäander, Palmettenfries, Akau- thusfries), die nur stets auf zwei gegenüberliegenden Seiten übereinstimmen. Die inneren Balken enthalten wieder andere Ornamente, aber ohne die goldenen und silbernen Säume. 7b enthält in analogem Rahmem mit grossen Kapitalen die Worte: Incipit evangelium seeundum Lucam. 8a innerhalb desselben Rahmens in etwas kleinerer Capitalschrift, der Beginn des Evangeliums: Quoniam quidem multi etc. 66b. Explicit evangelium seeundum Lucam. 67a frei. 67b. Ganzseitiges Bild des Evangelisten Johannes (abg. Seroux d'Agiucourt tav. LXXXI No. 5). Er sitzt unter einem Schuppenbogen, der von Säulen mit marmorierten rotbraunen Schäften und goldenen Kapitellen getragen wird; an den Ecken aufstehende Rankenbäumchen. Der Horizont ist hier etwas tiefer. Ein blauer Himmel in zwei Streifen, von Kapitell zu Kapitell ist eine rote Stange gezogen, an der zwei Vorhänge, gelb mit roten und purpurnen Streifen, befestigt sind. Auf der Stange sitzt, nach links gewendet, der rote Adler mit goldenem Nimbus in grünlicher Mandorla. Der Evangelist selbst sitzt en face auf einem breiten Kastenthron mit rotem Behang und lila, rot, blau gestreiften Kissen; die nackten Füsse stehen nebeneinander auf einer jk 74 « —M Ji H i ■$* Hfl Fussbank, welche auf der Stufe des Thrones steht. Die Gewandung besteht aus einer dunkelblauen Tunika mit roten Streifen und einem um die linke Schulter geschlungenen und um den Leib festgewickelten hellrosafarbenen Mantel, der mit grossen goldgeräuderten, helllilafarbenen Tupfen mit weisser Musterung besetzt ist. Der Kopf ist ein bartloser Rundkopf mit kurzem, rotbraunem Haar und starken grünlichen Schatten. Der Nimbus ist ebenfalls aus goldenen und silbernen Blättern zusammengesetzt. Die linke Hand hält auf dem Knie ein offenes Buch, die rechte taucht die Feder in ein Tintenfass, welches links neben dem Evangelisten auf einem Tischlein steht. Der Hintergrund besteht aus drei welligen Streifen in lila, hellgrün und dunkelgrün; unten sind Pflanzen. Das zweite Ganzbild ist besser erhalten als das erste, aber in der Zeichnung ist es nicht so charakteristisch wie das erste. fol. 116a—124e. Incipit capitulare evangeliorum anni circuli. Der Codex ist nach Zeichnung, Farbengebung, Komposition, Textausschmückung und -Umrahmung in die Nähe des Adacodex zu setzen. Man ist sogar versucht an die Entstehung beider Codices durch dieselbe Hand zu denken beim Vergleiche der Evangelistenbilder. Corssen hat (Adahs a. a. 0.) nachgewiesen, dass beide Hss. mit dem Evangeliar von Soissons (Paris Bibl. nat. 8850) textlich übereinstimmen. Letzteres ist turonischer Herkunft, während die Codices zu Trier und Rom nach turonischer Vorlage gearbeitet sind (vgl. oben S. 61); darauf deutet auch hin, dass das Fest des hl. Martin im Comes der Vatikanischen Hs. „mit grossen, roten Buchstaben bezeichnet ist gleich den höchsten Festen des Kirchenjahres" (Beissel a. a. 0.). Andererseits scheint die Vatikan. Hs. zu sicheren Trierer Werken Analoga zu haben und stützt dadurch die Ansicht vom Trierer Ursprung der Adahs. Ms. 839 der Trierer Stadtbibliothek, aus Kloster St. Maximin stammend und bisher in der Litteratur unbekannt, besteht aus zwei Bänden in Grossfolio und enthält Gregorii moralia in Job. Schrift und Bild verweisen die Hs. in den Anfang des 10. Jahrhunderts; sie steht stark unter dem Einflüsse der Adahandschrift, fol. lb enthält gleich ein äusserst charakteristisches Zierblatt: einen von zwei Säulen getragenen Giebel. Die dünnen Säulen sind folgendermassen gebildet: zu unterst drei abgestufte Platten, sodann eine hohe, breit ausgebauchte Basis von der Form einer Kugelflasche, worauf nach zwei Platten die Säule ansetzt. Das doppelte korinthisierende Kapitell trägt oben zwei Platten, von denen die untere etwas ausgeschnitten ist; unten liegt es auf zwei Platten auf. Diese beiden Platten, sowohl diejenigen oben, als die 75 unten sind mit einer Rosette besetzt (wie in der Apokalypse und Ada- handschrift). Von der Mitte der obersten Platte aus steigt ein dreieckiger Giebel empor, zugleich gehen aber auch von deren Ende Pfosten horizontal in die Höhe bis in die Höhe des Giebelabschlusses; ein vertikaler Verbindungspfosten verbindet dann den Giebel mit den beiden Eckpfosten. Der Giebel enthält einen Akanthusfries, dessen Ausführung und Farbengebung ganz dem Schulcharakter entspricht (lilafarben mit dunklerer Rippeneinzeichnung und weisser Höhung; die Rippen mit Punkten besetzt). Die äussere rechteckige Umrahmung zeigt auf Purpurgrund einen mit grösster Delikatesse ausgeführten zierlichen weissen Rankenfries, ganz im Stile der Adahandschrift. Die Giebelfelder sind ausgefüllt durch einen Zweig, auf dem ein Vogel (Kranich) steht. Ein dritter Vogel (Hahn) steht in der Spitze des Giebels auf Zweigwerk. Von dem inneren Scheitel des Giebels hängt eine Ampel herab (grün mit roter Innenzeichnung). Dann folgen nach unten zu mit Zwischenräumen zwei rechteckige Purpurstreifen mit Silber- und Goldschrift und sodann ein grosses grünumrändertes Quadrat aus Purpurstreifen mit abwechselnder Gold- und Silberschrift zusammengesetzt. Die Initialen (häufige Füllung mit weissen Punktrosetten) halten die Mitte zwischen karolingischer und ottonischer Weise. Es lassen sich zwei Hände unterscheiden, eine einheimische von der Adahandschrift beeinflusste und eine irisch beeinflusste Hand. Beide Thatsachen sind leicht erklärlich, da der Codex aus St. Maximin stammt. Auch hier macht sich wieder neben den stilistischen Unterschieden die Verschiedenheit der Farbengebung bemerklich; einerseits die hellen irischen Farben (mehrfarbige Buchstaben), andererseits eine dunkle, oft etwas schmierige Farbengebung. Manche der z. T. ganz vortrefflich gezeichneten Initialen sind nur goldbraun unterlegt, offenbar zur späteren Aufnahme eines goldenen Überzuges. Im zweiten Bande der Hs. ist das Verhältnis dasselbe. Das Titelblatt ist ähnlich komponiert. Drei Säulen tragen zwei Spitzgiebel, über die von den beiden Aussensäulen ein grosser Rundbogen sich schlägt, über diesem steht wieder ein rechteckiger Architekturabschluss. Sowohl von dem Scheitel des Bogens als auch von den Giebeln herab hängen diese Ampeln. In dem mittleren durch die beiden Giebel gebildeten Felde stehen zwei einander zugekehrte Pfauen. Zwischen den Säulen linden wir auf Purpurrechtecken Gold- und Silberschrift. Ferner finden sich solche Purpurstreifen mit weisser Schrift. Die Füllung der Initialen ist violett und grün; weisse Punktrosetten sind eingestreut. ' ■Hfe_ '•^v#@ 76 wm Stadtbibliothek zu Trier Hs. 23'). Evaugeliar 2 Bde. Eichendeckel. In dem Oberdeckel rechteckige Vertiefung eingelassen mit Nägelspuren; offenbar zur Aufnahme von verzierten Deckelplatten. Fol. Perg. Nach Lamprecht: Mitte bis 2. Hälfte 9. Jahrb. Die Hs. stammt aus S. Maria ad Martyres in Trier, wie sich auf Grund der fol. 120b bis 121b des zweiten Bandes eingetragenen Altarweihen ergiebt. Geschrieben ist der Codex wohl in St. Maximin. Man vergleiche z. B. die von Lamprecht a. a. 0. Tafel Hb abgebildete Initiale mit denen im Adacodex. Ferner ist ein irischer Einfluss in den Initialen nicht zu verkennen. Band I. fol. Ha—26b. Kanouestafeln in vier Keinen; helle bunte Farbengebung. fol. 27a ganzseitige glänzend verzierte Initialligatur rN (ci—28b piunt capitulae). Das J geht oben in zwei Hundsköpfe aus, in der Mitte, dem Kreuzungspunkte von J und N, findet sich ein Kreis mit eingelassenem vierteiligen Pflanzenornament (Lamprecht a. a. 0. Tafel 10). fol. 22b Ganzblatt. Christus sitzt unbärtig en face und stützt mit der linken Hand ein Buch, das auf dem linken Knie aufliegt, die rechte Hand ist mit zwei Fingern segnend erhoben. Er trägt den Kreuznimbus, der in einige concentrische Ringe zerfällt (gold, rot und rosaweiss mit weissen Höhungsringen). Langes gelbbraunes Haar fällt in Locken auf die Schulter und umgiebt das schmale Gesicht mit seinen schwarzen weitgeöffneten Augen. Das Pallium ist blau mit goldener Borde, die Tunika rotbraun mit goldener Borde. Die Höhungen sind mit dunklerem Lokalton und weiss ausgeführt. Der Kontur ist rotbraun. Christus sitzt auf der grünen Erdkugel, die Füsse ruhen auf einer braunen Kugel. Die grüne Erde hat einen goldenen schwarz eingefassten Randring, sowie verschiedene dunklere und schwarze Ringe. Der Hintergrund ist vierteilig in fast gleich getönten Streifen (rosa, hellrötlichviolett, rosa, hell- rötlichviolett). Zu beiden Seiten Christi, die Erdkugel und den Nimbus teilweise überschneidend, erblickt man die vier goldnimbierten Evangelistensymbole, links unten und oben Löwe und Engel, rechts unten und oben Stier und Adler. Das Bild sieht aus, wie auf einen Vorhang gemalt und vor die Architektur gehängt, die dadurch z. T. verdeckt wird. Sie besteht aus zwei Säulen mit doppeltem korinthisiereuden Kapitell und einem MM. Sil J ) Keuffer, Beschreib. Verzeichniss etc. I. S. 25 ff. Lamprecht, Initialornamentik S. 27. No. 14. Tafel 10., 11., 12 Initialabbildungen. M^^M ■hm ■"■* ■ ■■'■'-'■"■-.' »■■■■■' ■■'.•■■■•■■ :■'■ :■■..■. • . ■ mr® lM .K N 77 flachen Friesgebälk. Die Säulen und ihre Basen sind okerfarbig mit rotbrauner und weisser Einzeichnung (Nachahmung eines Marmormusters durch Wellenlinien wie im Adacodex). Das untere Kapitell ist grün, das obere braun. Der Akanthusfries, ganz im Stile der Schule, ist grün mit schwarzer Rippeneinzeichnung und Höhung durch Weiss und dunkelblauen Lokalton. — Dieses Bild ist später als die übrigen Teile der Hs.; es gehört in den Anfang des 10. Jahrhunderts. fol. 23b. Christus in Rundmedaillon (Brustbild); links und rechts von ihm je zwei Medaillons, links Engel und Löwe, rechts Adler und Stier. fol. 80 wie 23b, „nur steht hier das Symbol des Markus links oben. Die Symbole wandeln auch weiter hin im Kreise, sodass beim Lukasevangelium das von Job. links oben steht" (Keuffer a. a. 0.). Ferner finden sich noch eine Menge künstlerisch ausgestatteter Initialen, z. T. Ligaluren. Konnten wir bei den beiden letzten Codices (Ms. 839 u. Ms. 23) ein starkes Nachwirken der Adabs. und irische Reminisccnsen konstatieren, so finden wir bei den folgenden Handschriften ein anderes Bild vor. Die Änderung hängt zusammen mit dem Besteigen des erzbischöflichen Stuhles durch Egbert. Es ist hier nicht der Ort, die bisher viel zu niedrig angeschlagene Bedeutung dieses prachtliebenden Kirchenfürsten zu schildern, aber so viel kann hier kurz konstatiert werden, dass er den übrigen geistlichen Mäzenaten wie Bernward v. Hildesheim, Meinwerk von Paderborn, Anno von Köln ruhig an die Seite treten kann; manche übertrifft er vielleicht noch. Egbert brachte den nach ihm benannten Egbertcodex nach Trier (vgl. die vorzügliche Publikation von F. X. Kraus) und von da an ist ein starker Reichenauer Einfluss in der Trierer Buchmalerei nachzuweisen. Zwei Handschriften sind hier in erster Linie zu nennen, der Codex Gertrudianus') zu Cividale in Friaul, den ich bisher für Trier lokalisierte (vgl. Anm. 1) und das Fragment des Registrum Gregorii der Stadtbibliothek zu Trier. Eine Beschreibung der Hs. zu Cividale gab Eitelsberger (Ges. kunsthistor. Schriften III und Jahrbuch d. k. k. Ceutralkommission - :; -V-' ; J ) Soeben, beim Lesen der Correktur, gehen mir photogr. Aufnahmen von 7 Bildern des Codex Gertrudianus zu, die Herr cand. last, artis A. Ilaseloft' so liebenswürdig war, in Cividale für mich zu machen. Nach deren Untersuchung glaube ich Kraus Recht geben zu müssen, der für Reichenauer Ursprung plaidicrt. Ein endgültiges Urteil behalte ich mir bis nach der Einsicht des Originals vor. ■H ^^ Wh mä 78 Bd. H. 1857; ebenda S. 253. Abb. des ersten Widmungsbildes; vgl. übrigens die Litteratur oben S. 14); da ich den Codex nicht aus Autopsie kenne, gehe icli gleich zum Registrum Gregorii über. Eine kurze Schilderung der Kunstthätigkeit unter Erzbischof Egbert findet man oben. Ich behalte mir vor, dieselbe an anderem Orte zusammenhängend zu schildern. Das Fragment des Registrum Gregorii (vgl. S. 26, 34 ff. u. Tafel V) auf der Trierer Stadtbibliothek ist deshalb von hervorragender Wichtigkeit, weil es als ein sicheres Spezimen der Trierer Kunst zur Zeit Egberts anzusehen ist 1 ). Es stammt aus der Schenkung Hermes und besteht aus drei Blättern, einem Doppel- und einem Einzelblatte, fol. la enthält Verse in Goldschrift auf Purpur, fol. lb die Vorrede und 2a das Bild des h. Papstes Gregorius, dem die Taube des h. Geistes Inspirationen in das Ohr flüstert, die er einem Schreiber diktiert (vgl. Tafel 5). Die auf fol. la stehenden Verse verherrlichen Otto II. und sind von Egbert veranlasst; sie stellen somit die enge Verbindung Egberts mit Kaiser, die für das politische Gebiet schon längst bekannt war, auch für das künstlerische Gebiet fest (Lamprecht a. a. 0.). Sie lauten: Temporibus quondam tranquilla pace serenis Caesaris Ottonis Romana sceptra teneutis Italiae nee non Francorum jura regentis, Hoc in honore tuo scriptum Petre sanete, volumen Auro contectum, gemmis pulcherrime comptum, Ekbertus fieri jussit presul Trevirorum, Magnifici fuerat qui compater imperatoris, Ejus et in tota eunetis gratissimus aula. Qui pater et patriam imperali rexit honore, Justiciae eultor, qui pacis semper amator Extitit, et clarus qui fulsit ubique triumphis. Aurea quae perhibent, isto sub rege fuere Saecula: sie placida populos in pace regebat, Deterior donec paulatim ac decolor aetas Et belli rabies et amor successit habendi 2 ) Sceptriger Imperium qui postquam strenue rexit, Decessit Romae tua ad atria, Petre sepultus, Vivat ut aetherei suseeptus in atria regni. ') Keuffer II. S. 95. Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen I 6 ) S. 365. Janitschek, Gesch. d. deutsch. Mal. S. 65 Anm. Lamprecht, Ini- tialorn. S. 28. No. 47. Lamprecht, Bonner Jahrb. LXX. S. 59. Neues Archiv II 437/8. Rohault de Fleury, La Messe V. S. 112. Schmitt, Kirche des h. Paulinus, S. 108. Palustre u. Barbier de Montault, Tresor de Treves, Tafel XXX. S. 59 f. 2 ) Vergil Aeneis. VIII. 324—327. ÜSH ^■■1 «5 ■H .'?,;/•>.- DJ H| 79 H Ich habe diese Verse vollständig hierher gesetzt, weil sie Kunde geben von einem Werke der unter Egbert blühenden Goldschmiedekunst. Die auf fol. lb stehende Vorrede ist in Capitale (Goldschrift) auf 7 Streifen gesehrieben, welche letztere alternierend purpurviolett und grün sind. Die rechteckige Umrahmung der Verse ist eine zusammengesetzte. Zuerst kommt, von innen, dem Purpurgrunde zu, ein rotbrauner schmaler Streifen mit weissem Kontur nach innen. Dann folgt ein breiterer grüner Streifen, der nach ebenerwähnten rotbraunen Streifen zu mit dunklerer Lokalfarbe überlegt ist. Ein weiterer schwarzbrauner Streifen ist mit weissen Punkten besetzt, worauf ein roter Rahmen, so breit wie der grüne, mit braunem Kontur nach aussen schliesst. Die Gestalt des Papstes und seines Schreibers ist bereits oben beschrieben 1 ). Die Deckfarben sind ziemlich matt; es ist ungefähr dieselbe Farbengebung, wie sie dem Maler des unbärtigen Christus im Egbertcodex eigen ist. Der Egbertcodex hat überhaupt stark auf unsern Maler eingewirkt. So ist z. B. die Umrahmung des Bildes ganz dieselbe wie auf den meisten Bildern des Egbertcodex, ein Purpurstreifen mit einem goldenen Muster, nämlich abvvechelnd eine langgezogene Raute und ein in der Breite daliegender Strich. Dasselbe Muster findet sich auch im Aachener Ottonencodex (Beissel, Tafel 21) und in der Münchener J ) Den obenerwähnten Darstellungen des Papstes Gregorius mit einem oder mehreren Schreibern füge ich noch ein Bild hinzu, das in einer Hs. des Registrum Gregorii in der Leipziger Universitätsbibliothek (2. Hälfte des 11. Jahrh.) enthalten ist. (Abb. Hefner-Alteneck. Trachten, Kunstwerke und Gerätschaften P 1879, S. 33, Tafel 58). Gregorius sitzt en face, bekleidet mit Alba, darüber Dalmatika und Casula und dem weissen mit schwarzem Kragen besetzten Pallium; auf dem Haupte die „gerundete Papstkrone des späteren Mittelalters." Merkwürdig ist der vollständig stilisierte, nach unten in zwei Schneckenvoluten auslaufende Schnurrbart. Die linke Hand hält ein geöffnetes Buch, die rechte ist lehrend erhoben. Von rechts naht im Fluge die Taube; ihr Schnabel zielt auf den Mund, nicht auf das linke Ohr. Der Stuhl trägt die Sitzpolster; die Architektur besteht aus zwei oben rhomben- artig zugespitzten Strebepfeilern, an denen je eine einfache Säule mit Würfelkapitell anliegt. Der darüber lagernde Rundbogen ist von einem Spitzbogen mit einer Kugel als Krönung, überragt Links von dem Papste sitzt unter einem kleineren, von den grösseren durch einen grünen Vorhang getrennten Rundbogen auf einem thronartigen Stuhle, die Füsse auf einem Schemel, ein unbärtiger, reichgelockter Schreiber; er ist Gregorius zugewandt. Die linke Hand hält den auf dem Pergament aufliegenden Schaber, die rechte Hand ist mit der Feder erhoben und verstärkt den aufmerkenden Habitus des Schreibers. tfMwtat Hs. Cim. 58. Es ist aus der Elfenbeinplastik lierübergenommen, wie Voege S. 37 ganz richtig vermutet, und z. B. ziemlich häufig auf ravennatischen Werken des 6.—8. Jahrhunderts; aber schon früher tritt es auf, z. B. in dem bekannten Elfenbeinmedaillon mit dem Brustbilde Christi im Museo cristiano des Vaticans, das de Rossi in das Ende des 4. Jahrb. setzt, Kraus aber mit Recht etwas später datiert (Abb. z. B. Kraus Realencyclop. I. S. 404. Perate L'archeologie chretienne, in der Bibliotheque de l'enseignemeut des Beaux-Arts. Paris, Quantin, 1892 S. 337). Der Stuhl des Gregorius entspricht dem des Erzbischofs Egbert in dessen Evangeliar. Die perspektivische Verkürzung und "Wiedergabe der durch einen Vorhang gebildeten Nische, durch die der Papst den Blicken des neugierigen Schreibers entzogen ist, ist im Allgemeinen gut. Das Bild macht überhaupt den Eindruck, als ob es auf eine alte, gesicherte Kunsttradition zurückgeht. Die eigentümliche schneckenartige Fältelung des Gewandes auf dem Bauche des Schreibers finden wir ebenfalls im Egbertcodex wieder, z. B. beim Erzbischofe selbst (Kraus, Tafel 2). Dieselbe Fussstellung wie der Papst weist der Evangelist Lukas auf (Kraus, Tafel V), nämlich die beiden Füsse und Beine im rechten Winkel zu einander, wobei das linke Bein nach links zurückgebogen, das rechte nach vorne gestellt ist. Der Maler des Gregorius hat dabei noch die gezwungene unnatürliche Haltung des Evangelisten verbessert, indem er die linke Schulter des Papstes ebenfalls etwas zurücknahm. Das Pallium zeigt bereits die Kreuze, so dass wir für Erzbischof Egbert dieselben ebenfalls annehmen können; Kraus hatte (a. a. 0. S. 17 zu Tafel II) diese Vermutung zurückgewiesen. Das Dekorationsmotiv des Sitzpolsters ist ähnlichen Motiven im Egbertcodex entnommen (z. B. Tafel 15, 30, 42).') ') Ferner findet es sicli bei dem Christus des Darmstädter Evangeliars, das nach Oechelhäuser (Die Heidelberger Miniaturen a. a. 0.) eine Replik des Heidelberger Bildes (in dem auf Reichenau geschriebenen Reichenauer Sakramentar) und ebenfalls auf der Reichenau entstanden ist. Springer, Lamprecht und Voege halten am Kölner Ursprung fest (vgl. oben) und ich möchte mich ihnen, nach einer zweimaligen genauen Prüfung des Originals, ebenfalls anschliessen. Eine Reichenauer Vorlage ist aber nicht zu leugnen. Merkwürdig ist die grosse Verwandtschaft, welche die Figuren im ganzen Habitus, der Farbengebung und dem Beiwerk mit den Evangelisten im Adacodex aufweisen (v. Oechelhäuser verzeichnet diese Thatsache ebenfalls S. 15). Eine absolute Notwendigkeit, das Heidelberger Sacramentar als Vorbild des Darmstädter Evangeliars anzunehmen, liegt fBBfflWBWWiln^TBlffHnMBBMMHn Wawxm 8i Die Unterzeichnung des Bildes geschah mit brauner Tinte; bei genauerem Zusehen bemerkt man bei derselben sehr interessante Details, die noch deutlicher hervortreten, wenn man das Blatt gegen das Licht hält. Einiges davon kommt auch bei der Eeproduktion in Palustre und Montault und auf unserer Tafel V zum Ausdrucke. Es decken sich nämlich die Unterzeichnung und die Ausführung in Deckfarben nicht stets; so war z. B. das Ornament am Dache ursprünglich anders beabsichtigt, ebenso die Faltenzeichnung der Kleiderstoffe. Die Votiv- krone war viel einfacher und höher hängend angelegt, die Architektur war ebenfalls anders beabsichtigt, indem ursprünglich Rundbogenfenster vorgezeichnet wurden. Kurz, wir haben hier die freie, fast möchte man sagen, künstlerische Aus- resp. Umarbeitung der Unterzeichnung. Ob hier zwei Hände anzunehmen sind? Auf fol. 13 des Egbertcodex (Kraus, Tafel 12, die das z. T. ebenfalls ausdrückt) ist an der Engelgruppe rechts der Deckfarbenauftrag z. T. abgeblättert, wobei ebenfalls eine braune Unterzeichnung zu Tage tritt; auch hier decken sich nicht Vorzeichnung und Ausführung. Die Unterzeichnung zeigt klassisch schöne Köpfe von entschieden anderer Hand. Unter dem Stabe des mittleren Hirten kommt eine Fussspitze zum Vorschein. Ähnliche Abweichungen vgl. Tafel 20, 41, 51. Man gestatte mir hier einen kurzen Excurs über den Egbertcodex sowie eine andere, vielumstrittene Handschrift, den Aachener Ottonen- codex. Der Codex Egberti zeigt eine milde harmonische Farbengebung. Die Übergänge der Hintergründe sind allmählich. Hände und Füsse zeigen in der Regel einen roten Kontur, der allerdings manchmal auch bloss eingeritzt, augedeutet ist. Die Architektur weist ganz entschieden auf italienische Vorbilder hin (vgl. Kraus Tafel XXXIX). Kraus hat für die Reichenauer Wandmalerei die Quellen in Italien gesucht und gefunden (S. 22 ff.), für die Miniaturmalerei Reichenaus muss man südliche Zuflüsse ebenfalls annehmen und zwar mit aller Energie. Der ganze Habitus der Figuren, die ruhige, gesicherte Technik, die Farben- gebung, ikonographische Merkmale, kurz alles weist auf ältere italienische Vorlagen hin. Schon Lamprecht (B. J. 70. S. 95) hat her- nicht vor, ja wird sogar durch die Verschiedenheit des Textes sehr unwahrscheinlich gemacht. Die vier Evangelistensymbole weisen schon auf ein Evangeliar als Vorlage hin. Es liegt gar nicht in der Technik einer mehr mechanisch arbeitenden ma. Schreibschule, bei der Ausschmückung eines Evangeliars Darstellungen aus einem andern liturgischen Ruche, in diesem Falle einem Sacramentar, zu kopieren. Westd. Zeitschrift. Ergänzungsheft IX. G Wm mm ■■ HB vorgehoben, dass die Scene der Hirten auf dem Felde sowie auch andere Bilder solchen italienischen Einfluss aufweisen; zugleich wies er auf den Codex Rossanensis zum Vergleiche hin (vgl. auch seine ausführliche Besprechung der Ausgabe des Codex Bossan. von Geb- hard und Harnack. Bonner Jahrb. 69, S. 90 ff.) Ein direkt aus einem italienischen Vorbilde entnommener Zug ist der hinter dem Haupte Egberts ausgebreitete viereckige Nimbus der Lebenden. Man findet ihn auf italienischen Kunstwerken wieder, z. B. in einer lateinischen Hs. des 9. Jahrh. aus Italien (Abb. L. Twining, Symbols and Emblems of Early and Mediaeval Christian art. London 1852, pl. XCIII 7 nach Didrons Iconogr. chretione. Twining sagt von diesem Nimbus: „is only found in Italian works of art." Vgl. überhaupt diesen ital. Bischofskopf mit dem Egberts.) Derselbe Nimbus kehrt wieder in einem Pontificale der Minerva-Bibliothek zu Rom (saec. XI, Abb. Rohault de Fleury, La Messe VI. Tafel CDLXXIII). Der von Voege in Köln lokalisierte Aachener Ottonencodex wurde von Beissel in seiner Ausgabe desselben und in Schnütgens Zeitschrift für christliche Kunst I. S. 59 als auf der Reichenau entstanden bezeichnet. Vielleicht gewinnen wir durch eine Vergleichung des Codex mit dem Egbertcodex einige Klarheit. Die Kreuzigung wird von beiden Handschriften (Beissel 30 u. 31, Kraus 49 u. 50) in zwei Teile zerlegt, welche Cim. 58 wiederum zu einer Scene kombiniert (Voege S. 61 Abb.). Kraus T. 50 und Beissel T. 31 weisen eine geradezu überraschende Ähnlichkeit auf. Dieselben aufeinandergehäuften Erdschollen, auf deren Spitze das in beiden Fällen oben krückenförmig abgeschlossene Kreuz steht. Identisch ist auch die Figur des eben das Haupt senkenden und verscheidenden Herrn mit den welk herabhängenden Fingern, das nach links bauchig heraustretende Gewand; die Füsse sind parallel nebeneinander angeheftet und nach links gewendet. Abänderungen zeigen die Bewegungen des Longinus und der beiden Tortores; übereinstimmend ist bei dem linken derselben das Heraustreten der Hände und der Keule aus dem Bildrahmen. Auch die Gewandung und Kopfhaltung der Schacher ist etwas differenziert. Es lässt sich für den Codex das Urteil Voeges unterschreiben (S. 78 f.). Wir haben hier keine direkte Vorlage in dem Egbertcodex, aber eine starke ikonographische Verwandtschaft. Aber auch technische und dekorative Momente bekunden Rei- chenauer Einfluss. Es liegt mir fern, gleich eine Entstehung des Aachener Codex auf der Reichenau anzunehmen, ich möchte nur für 83 eine erneute Untersuchung des Reichenauer Einflusses auf die Buchmalerei der Rheinlande von der Frühzeit der karolingischen Malerei an plaidieren. Gerade jetzt, da Kraus den nahen Zusammenhang der Reichenauer Malerei mit Italien nachgewiesen hat, wäre eine solche Untersuchung doppelt interessant und vor allen Dingen gewinnbringend. Neben die sekundären und tertiären altchristlichen Residuen, die immer weiter wirken, treten in dieser Zeit neue südliche Elemente primärer Natur auf. Und Reichenau war sicher eine Etappe auf diesem Wege aus dem Süden. Auf Tafel 1 des Aachener Codex finden wir im Architrav und dem Giebeldreieck fast dasselbe, gewiss sehr eigentümliche Ornament wieder, welches z. B. auch das aus der ersten Hälfte des 10. Jahrli_ stammende Reichenauer Sacramentar (Heidelberg. Universbibl. Sal. IXb) in der kreisrunden Umrahmung des thronenden Christus aufweist (und die in die Zwischenräume eingestreuten Punkte fehlen nicht, vgl. Oechel- häuser a. a. 0. Tafel 1). Ähnlich kehrt das Ornament in der Umrahmung des Liutharblattes wieder, ebenso Tafel 20 auf dem Bilde der Verkündigung, Tafel 21, 23, 26, 27. Ebenda findet sich als Einfassung des das Bild umgebenden Rundbogens das für den Egbertcodex so typische Motiv eines fortlaufenden Rhombenfrieses mit dazwischen quergestellten Strichen. In die nächste Nähe des Registrum Gregorii setze ich die Hs. Paris Bild. nat. 12117, das sogenannte Evangeliar von Luxeuil. Ich kenne das Original nicht, sondern schliesse nur nach den von Rohault de Fleury in La Messe gegebenen Abbildungen (V. Tafel CCCXCVII, S. 114; VI. Tafel CDLXXIII, S. 90). Rohault de Fleury nennt es „un des beaux manuscripts que l'art allemand du XI siecle nous ait legues. Ses miniatures, de larges dimensions, appartiennent ä une grande ecole; elles sont d'une peinture magistrale par leur compositum." Man vergleiche die beiden Abbildungen (Papst Gregor und Petrus) bei Fleury mit dem Gregorius des Registrum und mau wird sofort eine grosse Ähnlichkeit sowohl in der Haltung der sitzenden Figuren als auch in den Details entdecken. Trierisch ist auch das oben S. 27 kurz erwähnte Sacramentar der Pariser Nationalbibliothek (Cod. lat. 18 005) saec. XI in. Da ich die Hs. aus Autopsie nicht kenne, so verweise ich auf die Beschreibung bei Voege a. a. 0. S. 143, der die Litteratur genau gibt. Hinzuzufügen ist noch: Labarte II 8 S. 215. In den Kreis der Egbertschen Kunstübung gehört ferner noch das wiederum von der Adahs. stark beeinflusste Evangeliar saec. X der Paiiser Nationalbibliothek (Cod. lat. 8851; suppl. lat. 667). Es wurde H 1 H 84 s. Zt. der Sainte Chapelle zu St. Denis von König Karl V geschenkt. Perg. 28,5X^8,5 cm. 145 num. Bl., die beiden letzten unbeschrieben, 2spaltige Goldschrift. 30 Zeilen 1 ). Bereits Janitschek hat die Hs. für Trier lokalisiert, während Voege sie mit dem Echternacher Codex zusammenstellt. Beide Bemerkungen sind vollkommen richtig. Die Hs. gehört, ebenso wie der Echternacher Codex und die Brüsseler Hs. Bibl. du roi No. 9428 (siehe unten S. 96 ff), zu einer grösseren Gruppe von Trierer Codices, die, stark beeinflusst vom Adacodex, eine ausserordentliche Verwandtschaft zeigen. Diese (Trierer) Gruppe enthält die Vorbilder für die Echternacher Buchmalerei. Auch der Echternacher Codex in Gotha, der unten bei der Echternacher Schule besprochen wird, gehört ihr an. Der Pariser Codex enthält auf fol. la ein leeres Purpurblatt, fol. lb in Ganzblatt einen thronenden Christus in Mandorla (23,3X31,8 cm Bildgrösse). Auf dem Goldgrunde der Mandorla sitzt der bartlose Christus en face in blauem Gewand und rotem Mantel, ein Buch in der Linken, mit erhobenen Rechten. Die weisse griechische Umschrift auf Gold lautet: H BACIAGIA COY KYRIE BACIAGIA HANTGON TOöN AICDNON KAI AICnOTGlA COY GN HACE TGNeA KAI TENEA In den vier Ecken des Grundes sind in vier grüne Felder die Brustbilder der Evangelisten eingelassen, während parallel zu den Mitten und Spitzen der Mandorla in vier runden Medaillons die Evangelistensymbole sitzen. Eine goldene Inschrift bei denselben lautet: Quatuor hoc dominum signant animalia Christum Est homo nascendo vi/tulusque sacer moriendo Et leo surgendo cae/los aquilaque petendo Nee minus hos scribas animalia et ipsa figurant. fol. 2a leeres Purpurblatt, dessen Randbordüre ein weisses Ornament (ineinandergesteckte Blütenkelche) auf grünem Grunde hat. ] ) Waagen, Kunstwerke u. Künstler in Paris. S. 266 f. Voege a. a. 0. S. 97 f. Willerain, Monuments francais inedits I. pl. 44. Text p. 31. Janitschek, D. Malerei. S.- 65. Schnaase IV 2 629. Woltmann-Woermann I. S. 248, 250/1. Labarte II 2 . S. 216 ff. Kämmerer, D. Landschaft in der deutseben Kunst. S. 28 Anm. Eine genaue Beschreibung der Hs., auf welche die folgenden Mitteilungen z. T. zurückgehen, verdanke ich der Güte des Herrn Dr. P. Giemen. ^^^^H I m WW^ : $öögteÄs*äylfit 85 fol. 2b Zierblatt, dessen Randbordüre ein verschiedenfarbiges Blattornament zwischen Goldsäumen trägt. Die Mitte jedes Streifens enthält ein viereckiges Medaillon mit einem weissen Stern auf Goldgrund; also ganz dasselbe Dekorationsmotiv wie im Freiburger Sacramentar und in der Hs. Brüssel Bibl. du roi No. 9428, siehe unten S. 96 Anm. 2. Der grüne Grund trägt auf sechs Purpurstreifen mit Goldbuchstaben das Incipit der praefatio des h. Hieronymus. fol. 9a—14b tragen die Eanonesbogen. Je fünf goldene, gold oder grün und lilafarbene marmorierte Säulen sind durch kleine Bogen verbunden, die wiederum von einem grossen Bogen überspannt werden. Die Säulen tragen antikisierende Blattkapitelle, sowie regelmässige und ziemlich einfache Basen. Die kleineren Bogen sind, zwischen zwei Goldsäumen, mit Blattwerk gefüllt, während der grössere, ebenfalls golden konturierte, als Füllung Zickzack, Zickzack und Blattwerk, sowie letzteres allein trägt. Zwischen den kleineren Bogen wachsen einfache Goldblumen hervor, ebensolche, z. T. mit Trauben, finden sich an den Ecken. An Eckverzierungen sind zu verzeichnen: fol. 9a je ein Kranich; 9b je ein Hahn, sehr naturalistisch, vortrefflich gezeichnet und gefärbt; 10a je ein Pfau mit gesenktem Schweif; 10b Ente oder Gans, grau; IIa Ente, etwas phantastisch rot und blau; 12b Kraniche oder Störche; 13a Tauben; 13b Sperber oder Falke, in der linken Klaue einen Fisch, in der rechten ein Zicklein; 14a und 14b unbestimmter Vogel. Nur fol. IIb und 12a enthalten die bekannten, schon von Voege erwähnten menschlichen Figuren (vgl. d. Abb. b. Willemin), fol. IIb ein junger unbärtiger Mann mit schwarzem Haar in blaurotem Rock hackt in gebückter Stellung. Die stahlgraue Hacke trägt einen gelbbraunen Stiel. Ferner ein junger schwarzhaariger grabender Mann in orangefarbenem Gewände. Beide haben nackte Beine, fol. 12a: Ein Alter mit weissem Barte und Haar spaltet in gebückter Stellung mit der Axt ein Brett. Er trägt einen blaugrauen Rock und grüne Hosen. Ihm entspricht ein junger schwarzhaariger Mann in blauen Hosen und grünem Rocke, der einen Keil eintreibt. fol. 15b enthält in ganzseitigem Bilde den Evangelisten Matthäus. Derselbe, mit kurzem grauen Barte, sitzt in hellblauem Rock, lilafarbenem Purpurmantel, das Buch zwischen den Beinen geklemmt und sprechend. Der Engel hält ein Band mit der Inschrift: Cum esset desponsata mater Jesu Maria Joseph. Auf der grossen Purpurtafel zu Häupten des Evangelisten steht in Goldschrift: Hoc evangelium quod ponitur ordine primum / Hebraicos sanctos scribit sermone Matheus, H !§i§ tB Hb ■ WSm in .....^^^ 86 toi. 16a enthält ein grüngrundiges ganzseitiges Zierblatt, umrahmt von zwei golden gesäumten Blattornamenteu. Die Goldsäume bilden in den Ecken Flechtwerk. In der Mitte jeder der Seiten des Rahmens befindet sich je ein Medaillon (Dchm. ders. 26 cm), das auf Goldgrund in weisser Zeichnung je einen Kaiserkopf trägt. 1, Profil nach rechts. Otto Imperator aug. Romanorum; 2. Profil n. 1. Henricus rex Francorum Aug.; 3. Profil n. 1. Otto minor, imperätor augustus; 4. Profil n. r. Henricus rex Francorum 1 ). Sämtliche Porträts sind unbärtig und tragen langes Haar; sie gehen offenbar auf Münzen als Vorbilder zurück. Der Mantel ist auf der Schulter mit einer Spange angeheftet. Im grünen Grunde Purpurstreifen mit der goldenen Inschrift: Incipit | textus | sei | evangelii se ] eundum | Matheum |. fol. 16b Zierblatt. Der Rand ist weiss mit Goldranken, Goldsaum. Die Ecken bilden viereckige Medaillons mit den Evangelisten- symbolen auf Goldgrund. Die Mitte jeder Seite trägt je ein rundes Medaillon mit dem Brustbild einer Tugend auf Goldgrund (langes Haar, Goldkleid mit breitem Purpursaum). Oben Prudentia, links Temperantia, rechts Fortitudo, unten Justitia. Der Grund des Blattes ist purpurn IBTÖE E I EA mit Flechtwerk. RJ.TIO nis. Jesus Christus filii David. fol. 52b. Ganzseitiges Bild des Evangelisten Marcus 2 ). Er trägt hellblaue Tunicella, weisslichgelbe Alba, dunkelblaue Casula und weisse Stola. Die Haare sind weissgrau, es zeigt sich der Ausatz eines dünnen Kinubartes. Oben im blauen Segment zu Füssen des geflügelten Löwen eine Inschrifttafel: Scriptor et interpres Petri sacer atq: mathites Hie alexandrinus est Marcus epistata primus 3 ). fol. 75b. Ganzseitiges Bild des Evangelisten Lucas. Grund zwischen den Säulen grün, Segment blau, Zwickel purpurfarben. Das Blatt sehr-bunt, die Architektur polychrom. Der Apostel selbst trägt blauen Rock und zinnoberfarbenem Mantel mit Goldlichtern (! sonst nicht in Codex). Links neben dem Schreibenden eine Rolle. fol. 115b. Ganzseitiges Bild des Evangelisten Johannes. Das Blatt ist einfarbiger als die übrigen Blätter; auch die Architektur ist ') Otto imp. oben, Ütto miuor uuteu, beide Heinrichporträts r. u. 1. 2 ) Abgeb. bei Woltmann-Woermann I. S. 251. Die Zeichnung dazu, aus Weltmanns Nachlasse, befindet sich im Strassb. kunsthistorischen Institut. 3 ) Vgl. dazu oben S. 58 über Marcus als Bischof von Alexandria. m, 87 weit einfacher. Der unbärtige, braungelockte Evangelist sitzt in hohem goldenem Lehnstuhle mit grünem Rückenteppich, in blauem Rocke und leuchtendem Purpurmantel. Darüber weiss: Johannes apostolus evan- gelista. Verse: More aquilae alta petit meri/ tis verboque Johannes. fol. 116b. Zierblatt mit grünem Grund. Der Rand ist lila mit Goldranken, zwischen rotem und goldenem Saume. 5 Purpurstreifen mit Goldmajuskeln. Incipit tex / tus saiicti / evangelii / seeundum / Johannem. Der Text ist durchweg zweispaltig, 30 Zeilen in Goldminuskeln, sehr sorgsam, ziemlich hoch, mit wenig Abbreviaturen. Technik: Starke Deckmalerei mit den lebhaftesten karolingischeu Traditionen. Die Umrisse sind mit schwarz nachgezogen, die Schatten dunkel aufgesetzt und wenig vertrieben, die Lichter sind weiss mit Ausnahme der Goldhöhung bei Lucas. Das Incarnat verrät weit mehr das unsichere Tasten als die Gewänder. Sehr vorsichtig und sichtlich zögernd sind die Köpfe angelegt. Ihre Färbung ist ungesund und bleich. Die Farben sind nie glänzend, aber gesättigt. In den Gesichtern finden wir eine starke Modellierung mit Grün-Braun. Die Linien in Auge und Nase sind weit naturalistischer als z. B. im Egbertcodex. Das Kinn ist stark herausmodelliert. Aus dem Kloster Prüm, von dem in dem Codex lat. regin. Christin. 438 (ol. 255) der Vatikana (Gedichte des Wandalbert v. Prüm. saec. X in perg. 14X19 cm. 36 Bl.), eine Kunstleistung aus dem Anfange des 10. Jahrh. vorliegt, stammt auch das Prümer Troparium in Paris, Cod. lat. 9448 (Suppl. lat. 641), das eine deutliche, technische und stilistische Beeinflussung der Egbert'schen Kunstweise nicht leugnet 1 ). Nach Lamprecht (a. a. 0.) trägt der Codex auf fol. 1 und fol. 48b Einzeichnungen, welche ihn in die Zeit um 990 setzen lassen, also gerade in die Blüteperiode der Egbertscheu Kuustübung. Beendigt wurde der Codex nach 993. Der Codex hat 91 num. Blätter. 16X 32 >6 cm P er S' Roter Ledereinband mit Goldpressung. ') Kraus, Codex Egberti 8. 8, Aum. 2. Schnaase IV 2 , S. 633. Lamprecht B. J. 70, S. 60 Aum. Labarte II«, S. 451, pl. LI. Waagen, Kunstwerke und Künstler in Paris, S. 276. Voege, Malerschule S. 13 Anm- Deckel vgl. Rohault de Fleury. La sainte Vierge I, 277. Strzygowski, Ikonographie der Taufe Christi, S. 46 (ebenda Tafel ll 3 , Abb. der Taufscene). Vgl. Reiners: Corr.-Bl. d. Wd. Ztschr. VII, 232. — Die folgende Beschreibung gründet sich auf die gütige Überlassung der Notizen Paul Clemens. m WM WM Hl BHHH HU ■' ■ Mm ■ ■n ■ ■ tft V $■** I iljjjj ■', n 88 fol; la. Unten Inschr. saec. XVII. Hie Über seriptus sub Stephano de Sassenburg a Notkero Prumieusi monacho circa annura 989. Darunter: Haec nota est falsa, seriptus fuit a Wickungo monacho Prumensi (Prüm abbatia immediata ord. S. Benedicti) sub abbatibus Friderico et Stephano prout legitur fol. 48b. Mangerard. Auf fol. 48b findet sich die Eintragung von der Hand des Schreibers in Rahmen: Codicem istum cantus modulamine pleuum, domni Bildend venerabilis abbatis tempore eiusque liceutia Yuickingi (sie!) tidelis mo- uachi impensis atque precatu scribere coeptum. domni ü Stephani suc- cessoris praefati abbatis tempore atque benedictione diligentissime ut cernitur consummatum. Sancti Salvatoris domni nostii Jesu Christi altari impositum. Huic saneto prumiensi coenobio perhenni memoria novimus traditum 1 ). — Am Rande innen Fortsetzung: ad laudem et gloriam nominis sui quod est benedictum in secula seculorum. fol. Ib. Ganzseitige Darstellung. 2 Scenen. a. oben Verküu- digung. Maria rechts unter einem Thorbogen sitzend, beide Hände erstaunt erhebend. Von links kommt der Engel, b. unten Begegnung von Maria mit Elisabeth, die sich umarmen. Rechts Architectur. Der Grund ist graugrün; später wurde darüber blau aufgetragen, welches fast ganz abgeblättert ist. fol. 2a. (Anfang des Textes fehlt.) Beginnt: Et nunc deus et homo regnans domine dominator. Mit Noten. Zuerst ein Stück des Graduale der zweiten Weihnachtsmesse. fol. 4a. Darstellung in 2 Scenen untereinander. Vorher geht der Text: Exulta filia Syon, lauda filia Jerusalem, ecce rex tuus vetiit sanetus et salvator mundi. 1. Scene: Architektur einer Stadt. Mitten darin ein grosses Thor mit Vorhang. Sitzender bartloser König en face mit einer kappenartigen Krone, die linke Hand hält das Scepter, die rechte den Apfel. Rechts von ihm ein Speerträger. 2. Scene: Architektur einer Stadt. Iu dem eingerahmten Platz sitzt gebückt ein Schreiber. fol. 4b. Ganzseitige Darstellung in drei Scenen nebeneinander. 1. Auszug Josephs mit Maria nach Bethlehem. Joseph geht rechts voran, auf seiner linken Schulter langer Stab mit Mantel darauf. In der Rechten hält er die Zügel der Eselin, auf der die stark schwangere Maria sitzt. Rechts das Stadtthor. 2. Geburt. Architektur. Vorne *) Abb. Hildericus f 993. Abb. Stephanus f 1001. Gallia christiana XIII 591. ■1 % 9 (PBÖ; .!* B |DBh HM ewsSt WS '■■'.'• '■'"• . ; ■■".■'- ■......',. . ■ 89 rechts Maria liegend, über ihr das Kind mit Ochs und Esel. Links Joseph, von dem nur Kopf und Arm sichtbar sind, die Linke trauernd an die Wange legend. 3. Zwei Evangelisten neben einander, aufblickend und schreibend. fol. 5a. Sequentia aurea von Notker. — fol. 7a. Gut ausgeführter goldener Initial H mit roten Rändern auf lilafarbenem Grund fol. 10b (abgebildet bei Labarte a. a. 0.). Stephanuslegeude in zwei Darstellungen. 1. Stephanus predigend. 2. Stephani Steinigung. fol. 14b. Halbseitige Darstellung. Johannes evangelista sitzt graubärtig en face auf einem Kissenthron in grünem Rock und braunem Mantel mit einem aufgeschlagenen Buche auf dem Schoosse, das er mit beiden Händen hält. In principio erat verbum etc. fol 18a. Kindermord. 3 /4seitige Darstellung mit zwei Scenen in einem Felde. Oben sitzt Herodes, die Rechte erhoben, die Linke hält ein Scepter. Links von ihm zwei, rechts ein Diener (Schwertträger). Unten rechts steht ein Knecht, mit der Rechten ein Schwert haltend; auf dem Boden viele Kinderleichen 1 ). fol. 18b. Sequenz de sanctis innocentibus. fol. 25b. • Halbseitige Darstellung der Anbetung. Rechts sitzt Maria, das Kind auf dem Schoosse, welches in der Linken ein Buch hält und die Rechte segnend erhebt. Von links nahen die drei Könige in phry- gischen Mützen, unter dem aufgerafften Mantel flache Schaalen haltend. fol. 26b. Ganzseitige Darstellung in zwei Scenen. 1. Taufe Christi (Abb. Strzygowski a. a. 0.). Dieser steht en face in der Mitte, über ihm die Taube und die Hand Gottes in einem Halbkreis, links hinter dem "Wellenberg Johannes, die Rechte auf Christi Haupt legend, rechts zwei Engel mit Gewändern. Zwei halbnackte, links und rechts einseitig knieende männliche Gestalten giessen aus zwei Krügen *) Die Scene des Kindermordes ist nach Voege a. a. 0. S. 244 von Reichenau aus in die rheinische Centralschule gekommen, da früher keine Belege vorhanden sind. Die Darstellung im Codex Egherti fol. 15b (Kraus Tafel XIII, Voege S. 67) hat ikonographisch auf die Darstellung in Cim. 58 (fol. 31b, Abb. Voege S. 68), die einzige in der Hauptschule, eingewirkt. Ferner hängen ikonographisch zusammen die Darstellungen im Echternacher Codex (fol. 19b, Abb. Lamprecht a. a. 0. Tafel III) in der auch in Trier entstandenen Brüsseler Hs. Bibl. du roi No. 9428 (Voege S. 384; links Herodes mit Schwertträger, rechts Krieger, Frauen und Kinder) und in dem vom Echternacher Codex abhängigen Bremer Evangelienhs. (Abb. Lübke, Gesch. d. d. K. S. 137). Unsere Darstellung dagegen fällt aus dem Rahmen heraus; es fehlen die klagenden Frauen, 90 BOB "i-V' täli I Wm H ■n i •Y" das Wasser. Auf beiden Krügen die von Strzygowski besprochene Namensnennung IOR — DAN. Die Brustwarzen Christi sind stylistisch durch zwei Punktrosetten dargestellt. 2. Hochzeit zu Kana. Vorue links stehen sechs Krüge, rechts ein Knecht, welcher Wasser zuschüttet. Darüber links Christus, die Rechte befehlend ausstreckend, neben ihm rechts, die rechte Hand mit der Geberde des Erstaunens erhebend, Maria, dahinter sechs Apostel. fol. 28a. Die Darstellung im Tempel in zwei Scenen. 1. Der Tempel als Basilika, in dem offenen Thor sieht man unten rechts den Altar. 2. Maria von links nahend, legt das ganz bekleidete Kind, welches die Rechte erhebt, in die Hände des Simon. Neben Maria steht Joseph mit Tauben und einer Henne. fol. 31a. Ganzseitige Darstellung (Abb. bei Labarte a. a. 0.). 1. Christus im Tempel. 2. Einzug in Jerusalem. fol. 33a. Halbseitige Darstellung der drei Marien am Grab. Rechts sitzt der Engel mit der erhobenen Rechten. In der Öffnung des Grabes liegt das Schweisstuch. Von links nahen die drei Frauen, deren vorderste mit aufgerafftem Mantel in der rechten Hand das Salbengefäss trägt. fol. 43b. Halbseitige Darstellung: Der auferstandene Christus erscheint seinen Jüngern. Architektur: Halle. Unten Thore. Christus steht inmitten seiner Jünger in Vorderansicht, beide Hände ausstreckend; links legt ein Jünger seine Finger in die Nagelmale. fol. 44b. Halbseitige Darstellung: Christi Himmelfahrt. Unten steheu in lebhaftester Bewegung die Jünger, erstaunt die Hände hebend, nach rechts oben fährt Christus, beide Hände ausbreitend, in einer Wolke hinauf; von rechts ragt aus den Wolken hervor die Hand Gottes. fol. 49a. Halbseitige Darstellung: Ptiugstfest. Zwei Reihen zu je sechs Personen übereinander in bedecktem Hause. In der Mitte der oberen Reihe Maria, die Linke erhebend zu dem rechts neben ihr sitzenden Petrus, der in der rechten Hand ein Buch hält und die Linke ein wenig erhebt. fol. 52a. Halbseitige Darstellung: Der Hohepriester Zachanas im Tempel am Altar. Von rechts erscheint ihm der weissagende Engel'). Es schliesst sich au: Quem prophetae ceciuerunt agni fore praecusorem. Es beginnt der zweite Teil des Tropars, Proprium Sanc- torum. *) Abgeb. Rohault de Fleury, La Messe V. PI. CDXX. Text S. 158. '■'''■'■■"■'■''"'." ■■'■*'■■■' ■■ ■ .'. ^H 91 fol. 54b und 55a. Vier Scenen aus der Geschichte Petri und Pauli (je ganzseitig). fol. 54b. 1. Vor einem Könige steht ein Prediger, während rechts Petrus und Paulus zuhören. (Es scheint, als ob auf diese Darstellung die im Malerbuch vom Berge Athos ed. Schäfer S. 349 beschriebene Scene eingewirkt hat, wie Paulus den Magier Barzeser blind macht). 2. Die beiden Apostel knieeu links unten vor einem Thurm, über ihm schwebt, von zwei Teufeln entführt, eine männliche Gestalt, rechts dieselbe Gestalt, zerschmettert. (Darstellung der ebenfalls im Malerbuche a. a. 0. S. 348 beschriebenen Scene, wie Petrus den Magier Simon sterben lässt.) fol. 55a. 1. Petrus mit dem Kopf abwärts gekreuzigt. 2. Pauli Enthauptung. fol. 60b. Tod der Maria. Ikonographisch seltene Darstellung, bedingt durch den zur Verfügung stehenden schmalen Raum. Grund blau. Christus, bärtig, hält die Seele seiner Mutter empor, die ein aus der Wolke herkommender Engel aufnimmt; obeu links in den Wolken schwebt der Engel dann mit der Seele, der die Hand Gottes eine Krone über das Haupt hält 1 ). fol. 62b. Halbseitige Darstellung. Thronende Maria in der Man- dorla, wie sonst Christus auf einer Erdkugel sitzend, die Hände flach vor die Brust erhoben. (Das Darmstädter Evaugeliar No. 1948 vom Ende des 10. Jahrb. enthält ebenfalls eine Darstellung der thronenden Maria. Abb. v. Oechelhäuser Miniaturen etc. I. Tafel 2.) fol. 66b. De seto. Benedicto abbate. Halbseitige Darstellung: St. Benedictus thronend mit einem Stab in der Linken, nimmt ] ) Der Tod Mariae ist in der christlichen Kunst des Abeudlaudes vor 1000 selten, während die byzantinische Kunst denselben schon früher kennt und ihn wahrscheinlich auch nach dem Westen verpflanzt. Ikonographisch scheiden sich die Elfenbeine in zwei Gruppen, die Voege a. a. 0. S. 12 Anm. besprochen hat. Der zweiten Gruppe schliessen sich die Miniaturendarstellungeu an in München, Cim. 57. Voege S. 128: Wolfenbüttel, Cod. 84, 5, saec. 11 (abgeh. Schönemann, Hundert Merkwürdigkeiten etc.), Voege S. 136; Cod. membr. U. I, 19, saec. 11. Hildesheim, Voege S. 138; Paris, Bihl. nat. 18005, saec. 11 in. Voege S. 143; Bamberg Ed. V, 9, saec. 10, Voege S. 147- Brescia, Bibl. Querin. Voege S. 149. Ms. saec. 13, British museum, abg. L. Twining, Symbols and Emblems of early and mediaeval Christian art. 1852. Tafel LXX, 2. Vgl. auch Voege a. a. 0. S. 235 ff. Kisa in Bonner Jahrb. XCIV S. 82 Anm. ff. ■ SGäB 92 mit der Rechten ein offenes Buch, das ihm ein rechts vor ihm stehender Geistlicher entgegenreicht. fol. 68a. Halbseitige Darstellung des h. Laurentius, der mit einem Buche in der Linken in Vorderansicht dasteht. fol. 69b und 70a. Drei Scenen zur Geschichte des h. Mauritius. 69b: König vor seinem Zelt auf einem Kissenthron sitzend, weist seinen vor ihm stehenden Feldherrn an. 70a: 1. Der Feldherr mit dem Schwert an der Seite vor seinen mit sagum, tunicella, Schild und Speer versehenen Kriegern; auf dem vordersten Schild die Inschrift „Mauritius dux". Der Träger des Schildes, der Heilige selbst, macht abwehrenden Gestus. 2. Hinrichtung sämtlicher Standhaften. fol. 71a. Halbseitige Darstellung: St. Michael den Drachen tötend. Der bärtige Heilige mit Flügeln, Sandalen, langer Ärmeltunica und Mantel hält in der Linken einen grossen Schild, in der Rechten den Speer. Rechts am Boden krümmt sich der Drache. fol. 72b und 73a. Drei Darstellungen zur Geschichte der heiligen Crisantus und Darias. 72b. Crisantus belehrt von einem h. Abte. 73a. 1. Taufe des Crisantus durch diesen Abt. 2. Crisantus und Darias im Bogengang in Unterredung. fol 76a. Ganzseitige Figur des h. Bischofs Martinus in Vorderansicht als Bischof mit Buch unter einem Thorbogen. fol. 81a. Ganzseitige Darstellung in zwei Scenen: 1. Kreuziguug des Andreas Virilis; dieser ohne Nägel festgeschnürt; rechts und links zwei Laien. 2. Der Heilige im Grabe von zwei Frauen beweint. fol. 83a. Virgo plorans. Kleine Figur unter Thorbogen. — fol. 84a ebenso: puella turbata. fol. 93b—95b. Litania unter einer den Ka- nonesbogen gleichenden Einrahmung. Technik: Deckmalerei. Dünne sehr feine hellblaue Vorzeichnuug, wie sie fol. lb an dem abgeblätterten Kleide Mariae gut sichtbar ist. Die geistreichen Faltenmotive der Vorzeichnung durch die grobe Übermalung meist verdeckt. Die Umrisse sind nur selten schwarz nachgezogen (regelmässig nur bei Nimbus und Architektur) und meist mit der Farbe der Ausfüllung gegeben. Umriss und Modellierung der Köpfe ziegelrotbraun; schwarz sind Pupillen, Nasenlöcher und Mundwinkel. Die Farben durchweg schmutzig, vorherrschend sind graugrün, graublau und braun, daher monotoner Eindruck. Weisse Lichter sind Ausnahmen. Der Codex ist ikonographisch ziemlich selbständig (z. B. die Darstellung des Auszugs Marias und Josephs, welche die ravennatischen Elfenbeine bevorzugten, z. B. auf der Maximinskathedra (Westwood S. 32) u. d. .''''>■.-■■"■•■ '■-■!.■*■ :■''■■''■.'• ' 93 Mindener Pyxis zu Berlin, (Bode-fschudi S. 122 Tafel 63, Fleury La Messe PI. CCCLXVI1I, Westwood S. 458, wo fälschlich als Flucht nach Ägypten bezeichnet) und lässt vermuten, dass verschiedene Scenen erst für ihn erfunden wurden, z. B. die Legende von Crisantus und Darias. • H p m m Capitel III, Trier und Echternach. Als Voege den Versuch machte, eine grosse rheinische Central- schule zu konstatieren, mussten ihm selbstverständlich hie und da aus der ganzen grossen Masse der Bilderhandschriften einzelne Monumente auffallen, die eine gewisse Verwandtschaft mit der Ilauptschule allerdings nicht verleugnen konnten, die aber unter sich wieder ein enger verbindendes Band aufwiesen: kurz, es mussten sich Lokalschulen ergeben, die allerdings unter dem mächtigen Druck der Centralschule arbeiteten, aber doch eine gewisse lokale Selbständigkeit, charakterisiert durch gewisse, oft kleinere technische Details, sich wahrten. Oft ist es möglich, eine solche durch technisch-stilistische Momente zusammengefundene Schule durch historische Notizen, Einträge u. s. w. zu lokalisieren. Nicht anders ist dies mit Trier der Fall. So wenig gewisse Einflüsse der grossen Hauptschule zu leugnen sind — ich habe sie oben anlässlich der Beschreibung des Freiburger Sacramentars hervorgehoben — so ist doch die Trierer Schule wieder bedeutend, selbständig und lebenskräftig genug, um ihrerseits wieder Fäden nach benachbarten Scriptorien zu spinnen, Filialschulen zu erzeugen. Unter dem künstlerischen Banne Triers standen die Klöster Prüm, Echternach, Metz, München-Gladbach in der näheren Umgebung; weiterhin glaube ich Trierer Einflüsse konstatieren zu können zu Regensburg 1 ), ') Der künstlerische Zusammenhang zwischen Regensburg und Trier zur Zeit Erzbischof Egberts, der gestützt ist sowohl durch Monumente der Goldschmiede- und Emailtechnik (Codex aureus von St. Emmeran und Giselakreuz in der Reichen Kapelle zu München) als auch durch litterarische Zeugnisse, wurde von Wolfgang M. Schmid in seiner Münchner Dissertation (Eine Goldschmiedschule in Regensburg um das Jahr 1000. 1893) eingehend geschildert, so dass ich hier darauf verzichten kann. Nur erstreckt sich diese Trierer Unterstützung der Regensburger Kunst auch auf die Buchmalerei. WM 94 Fulda 1 ) und Remiremont 2 ). Darauf ist später zurückzukommen. Eine Prümer Handschrift habe ich oben im Zusammenhange mit der Hauptschule behandelt, weil sie technisch und stilistisch zu wenig Abweichendes bietet und sicher auf Trier selbst lokalisiert worden wäre, hätten nicht sichere Indicien zur Annahme des Prümer Ursprungs gezwungen. Anders verhält es sich mit der uralten Benediktinerabtei Echternach, der Stiftung Willibrords. Künstlerische Beziehungen zwischen Trier und Echternach hatten schon früher bestanden, wie wir oben anlässlich der Hs. 134 der Trierer Dombibliothek festzustellen Gelegenheit hatten. Vielleicht stammt der stark irische Zug in der karolingischen Buchmalerei des Klosters St. Maximin auch aus Echternach. Ganz rege aber war der Verkehr zwischen beiden Orten unter den Ottonen, besonders im goldenen Zeitalter der Trierer Kunst, unter dem herrlichen Erzbischof Egbert, einer vornehmen markanten Persönlichkeit, den man — mutatis mutandis •— als einen Vorläufer jener grossartigen Kirchenfürsten der Renaissance, eines Julius II und Leo X, bezeichnen kann. An zwei Codices knüpfte die kunstgeschichtliche Forschung schon früher an und bewies, allerdings mehr auf Grund einer ikonographischen Vergleichung, die Abhängigkeit der Echternacher Klosterkunst von Trier. Es sind der Echternacher Codex der herzoglichen Bibliothek zu Gotha und der Evangeliar Heinrichs III auf der Bremer Stadtbibliothek. Letzterer „ikonographisch eine Kompilation aus dem Codex Egberti und dem Echternacher Codex, schliesst er sich stilistisch und technisch unbedingt dem letzteren an, muss als Schulhs. des Codex bezeichnet werden" (Voege a. a. 0. S. 383). Eingehendere Studien auf dem Gebiete der ottonischen Buchmalerei bewiesen, dass der Echternacher Codex in eminentem Sinne schulbildend wirkte. Dies dokumentieren eine grosse Gruppe Echternacher Bilder- ') So ist z. B. das Fuldaer Sacramentar saec. XI der Universitätsbibliothek zu Göttingen (Cod. ms. theol. 231) von einem Maler geschaffen worden, der sowohl technisch und stilistisch als auch ikonographisch sicher unter Trierer Einflüssen stand. Vgl. z. B. die Kreuzigung (die Hs. besprochen u. z. T. abgeb. von Beissel in •Sehnütgens Zeitschrift für christl. Kunst 1894 No. 3) mit derselben Darstellung im Echternacher und Egbert-Codex. 2 ) Vgl. Neues Archiv etc. 19. Ebner über den Index liber vitae und Nekrologium von Remiremont (Bibl. angel. zu Rom A II 12). Ebner S. 62. fol. 7a. Rotbertus archiepiscopus cum omnibus suis, wobei die Erwähnung des Standes und der Begleitung selten und wichtig ist. fol. 236 (Ebner S. 68) Nomina der Mönche von Prüm. Canones von 862. S. 59. 95 handsehriften evident. Da Voege dieselben bereits (a. a. 0. Excurs) mit Beifügung der betreffenden Litteratur aufgezählt, verzichte ich auf eine systematische Darstellung der Echternacher Buchmalerei an diesem Orte, wo sie ja über den Rahmen hinausginge. Nur einige den Schulzusammenhang mit Trier und die Entstehung des Gothaer Codex betreffende Worte mögen hier folgen. Der Echternacher Codex in Gotha hat schulbildend gewirkt in stilistischer, technischer und ikonographischer Beziehung. Von aussen kam dieser Markstein in der künstlerischen Produktion des Klosters, das beweist sein mächtiger in breiter Linie auftretender Einfluss. Er ist für Echternach von derselben epochalen Wirkung, wie die Reichenauer Werke für die Kölner und Trierer Schreibstuben. Wo ist der Codex entstanden? Lamprecht, der ihn s. Zt. auf der Düsseldorfer Ausstellung von 1880 (Katalog S. 281 f. No. 959a) genau untersuchte und sich der verdienstvollen Arbeit unterzog, seinen Bilderkreis mit dem des ikonographisch und stilistisch verwandten Egbertcodex zu vergleichen (Bonner Jahrbücher H. LXX. 1881. S. 56 ff.), scheint sich für die Annahme des Trierer Ursprungs zu entscheiden (a. a. 0. S. 78), Ja- nitschek (a. a. 0. S. 66) nennt den Codex eine „edle Frucht des durch Egbert geförderten Aufschwungs künstlerischen Lebens," denkt also ebenfalls au Trier. Und in der That, für Trierer Ursprung spricht sehr viel, für einen anderen dagegen nicht viel, gewiss nichts Sicheres. Die Emails auf dem Deckel sind trierisch, echt egbertisch. Ferner zeigt der Deckel') die in Goldblech getriebenen Gestalten einer Theophaun imperatrix und eines jugendlichen Otto rex (also jedenfalls Otto III). Man vergleiche nur die Emails mit denen am Andreaschrein und der Nageltheca im Trierer Domschatz und dem Petrusstab im Limburger Domschatz! 2 ) Egberts enger Zusammenhang mit Otto ist durch die Widmungsverse im Registrum Gregorii (vgl. oben) bezeugt, so dass der Deckel in doppelter Beziehung urkundlich-historisch sowohl als technischstilistisch nach Trier weist. Er ist nach einer alten Tradition zusammen mit dem Codex vielleicht auf Bestellung einer der beiden fürstlichen Persönlichkeiten für Echternach gefertigt worden 8 ). 'Es ist nun nicht J ) Eine vorzügliche farbige Reproduktion des Deckels findet man in Henne am Rhyn, Deutsche Kulturgesch. I 2 . S. 152. Ebenda S. 182 eine färb. Reprod. d. Weinberggleichnisses. 2 ) D. Litteratur siehe oben. 3 ) Lamprecht a. a. 0. S. 82. Vgl. da auch über die Beziehungen der Ottonen zu Echternach. 3® _H Hh 06 anzunehmen, dass die Bestellung für einen Codex, dessen Deckel sicher in Trier gefertigt wurde, einem anderen scriptorium als einem Trierer übertragen wurde, zumal dort wie sonst selten irgendwo die Fähigkeit vorhanden war, den inneren Schmuck dem äusseren aequivalent zu gestalten. Sodann spricht noch für Trierer Ursprung der enge, schon von Lamprecht hervorgehobene, Zusammenhang mit dem Egbertcodex, der nicht bloss ikonographischer, sondern auch stilistischer Natur (Rankenwerk der Initialen) ist. Auf die Adahandschrift weisen der zweispaltige in Gold geschriebene Text 1 ) und die Evangelistengestalten hin. Ferner ist eine grosse Verwandtschaft mit dem Trierer Evangeliar in der St. Chapelle (Bibl. nat. Cod. lat. 8851 saec. X) zu verzeichnen: die Canones mit naturalistisch aufgefassten Tieren, einem Zimmermann, einem grabenden Bauer, dem weinlesenden und kelternden Winzer (fol. 17b und 18a), vergleiche man mit den analogen Gestalten im Pariser Evangeliar fol. IIb und 12a'-). Auf das Evangeliar 134 der Trierer Dombibliothek scheinen die beiden eine Tafel haltenden Erzengel zurückzugehen (fol. 3a). Endlich konstatierte schon Lamprecht (a. a. 0.) mit Recht einen starken italienischrömischen Einfluss. „Der Prophet Daniel auf Bl. 26 in der unteren Ecke rechts trägt durchaus römische Züge. Zu den hieraus sich ergebenden Vermutungen stimmen durchaus die auf dieses Bl. 26 bezüglichen Verse Bl. 3a, wo Christus als regnator olympi, als deus deorum erscheint. Das alles scheint auf römische Tradition, unter späterer Umwandlung gemäss der jeweilig modernen Anschauungsweise hinzudeuten." Egbert selbst war ja in Rom und sandte auch „scholasticos" nach Italien, wie ein Brief Gerberts (datiert 983 aus Pavia) beweist, wo er anfragt, ob Egbert solche zu ihm schicken wolle 3 ). Der Echternacher Codex enthält auf fol. 17b u. 18a, 51b u. 52a, 75b u. 76a, 109b u. 110a unbeschriebene Purpurblätter mit der Imitation textiler, offenbar byzantinischer Muster, was schon Schnaase 4 ) zu Gunsten eines starken byzantinischen Einflusses hervorhob. Ich kann aber hier absolut keinen byzantinischen Einfluss — unter byzantinischem Einfluss versteht man doch immer eine mehr oder minder tiefgehende x ) Lamprecht a. a. 0. S. 78. 2 ) Siehe oben S. 83 u. ff. u. d. Abb. bei Willemin. Vgl. dazu Lamprecht a. a. 0. S. 98 über d. Tracht d. niedrigen Leute in Deutschland. *) Havet, Lettres de Gerbert, Collection de textcs etc. histoire, Paris, Picard. 1889. 4 ) IV 2 . S. 628 f. ^M 97 technische, stilistische oder ikonographische Abhängigkeit —, sondern eben einfach die Imitation eines Dessins sehen, welches durch seine Fremdartigkeit den Miniatur zur Nachbildung reizte. Dass in Trier solche Gewebe vorhanden waren, ist als ebenso sicher anzunehmen, wie am kaiserlichen Hofe, in dessen nächster Nähe die Ehestiftungsurkunde Ottos II mit Theophaun (herzogl. Archiv Wolfenbüttel) entstanden ist, welche einen ähnlich verzierten Pergamentgrund aufweist 1 ). Ebenfalls Trierer Ursprungs, aber doch mit dem Echternacher Codex zusammengehörend, so dass sie hier besprochen werden muss, ist die Hs. Brüssel Bibl. du roi No. 9428 Liber evangeliorum per anni circulum mbr. 14,5X20,5. 183 Bl. saec. X. ex. Voege hat die Hs. und ihren Bilderkreis bereits, unter Angabe der Litteratur, besprochen, so dass ich mich kurz fassen kann. Es sei hier nur noch erwähnt, dass eine ganze Reihe der Initialen, sowie ein Ganzzierblatt mit Initial O 2 ) bereits v. Cahier-Martin Nouveaux melanges Bd. Bibliotheques 1877 publiciert worden als aus einem Ms. der Bollandisten in Brüssel herrührend (p. X, p. I 2 , 5, 7, 8, 9, 11 (Initial 0), 14, 16, 19, 21, 28, 31, 32, 38, 39, 40, 47, 56, 59, 60, 67, 76, 79, 81 2 , 83, 89, 97, 100, 109, 110, 114, 115, 120, 122, 129, 136, 141, 161, 167, 171, 184, 187, 192, 193, 200, 205, 215). Schon von Dobbert und Strzygowski (vgl. Voege a. a. 0.) wurde der ikonographische Zusammenhang der Hs. mit dem Egbert- und Ech- tcrnachcodex hervorgehoben. Aber der Zusammenhang technischer und stilistischer Natur ist noch grösser. Übereinstimmend sind z. B. die Purpurgründe mit Teppichmuster, ferner erwähne ich die enge Verwandtschaft der Initialornamentik. So vergleiche man z. B. den Initial S bei Cahier-Martin S. 5 mit demselben Initial aus der Gothaer Hs. bei Lamprecht, Initialornamentik Tafel 22c 3 ). Wir finden dieselbe Weise, die Knöspchen und Ausläufer mit einem runden Knollen abzuschliessen. Der Egbertcodex schliesst meist mit dreiteiligem herzblattförmigem Knollen ab, der z. T. auch in den Echternacher Codex übernommen ist. *) Sickel, Diplom. Ottos II, 21. Abb. Sickel-Sybel Kaiserurk. IX, 2. Stumpf, R. 568. Schlosser, Schriftquellen zur Gesch. d. karol. Kunst. S. 407. B. Bücher in s. Techn. Künsten I. S. 203 spricht merkwürdigerweise von „bedruckten teppichartigen Mustern." 2 ) Derselbe weist ganz dasselbe Sternmuster in viereckigem Medaillon auf wie das Freiburger Sacramentar und ähnlich die Pariser Hs. Cod. lat. 8851 (suppl. lat. 667) siehe oben S. 84. 3 ) Vgl. überhaupt die Initialbuchstaben bei Cahier mit den von Lamprecht aus der Gothaer Hs. zusammengestellten Initialalphabet. Westd. Zeitschrift. Ergänzungsheft IX. ( m Uüil IH 9b los 98 im ■ UM ■ Der von Voege S. 383 erwähnte Codex der Darmstädter Hofbibliothek (No. 1946, 4°, Missale saec. X ex ; vgl. die Litteratur bei Voege) stammt aus einem Echternacher scriptorium, wie der in Gebeten genannte Name des Patrons Willibrord, noch vielmehr aber der enge technische und stilistische Zusammenhang mit den übrigen Werken der Echternacher Schule beweist. Eine genaue Beschreibung der Hs. wird am deutlichsten die Abhängigkeit von Trier illustrieren. fol. 9b. Ganzzierblatt mit Goldschrift auf Purpurgrund. Initial P mit Gold und Silber im Stile der Schule; Füllung blau und grün. In der Füllung sind weisse Punkte, auf dem silbernen Grunde rote Punkte eingestreut. Die Umrahmung setzt sich aus drei Farben zusammen. Ein äusserer, schmalerer, rotkonturierter Goldrahmen beginnt, es folgt ein breiteres, perspectivisches Mäanderband in Rot, Grün, Blau und Rötlichviolett mit eingestreuten, bis zu 5 kombinierten Punkten auf dem schwarzen Grunde. Zuletzt schliesst ein schmaleres Silberband, das nach aussen rot, nach innen rot und weiss konturiert ist. fol. 10a. Ganzblatt: Initialligitur Vere dignum bildet einen Tierkopf, der in die Ranke beisst, wie z. B. im Echternacher Codex (Lamprecht, Tafel 23). Die Füllung des Grundes, auf dem weisse Tunkte, ist rötlichviolett, grün und blau. Das Umrahmungssystem ist ein ähnliches, nur ist der Mäander einfacher. In den Ecken des Rahmens sind in je einem viereckigen Medaillon auf rotem Grunde rote Rosetten mit roter Einzeichnung eingelassen. fol. 10b. Ebenfalls Ganzzierblatt mit der Fortsetzung der Litanie in Goldschrift auf Purpur. Die Rahmenverzierung weist eine Art von merkwürdig gebrochener Bandverschlingung auf, die wie aus Blech gebogen aussieht (ähnlich im Echt. Codex, Lamprecht, Tafel 23 und in der von Voege auf Echternach lokalisierten Hs. Egerton 608 d. British museum fol. 3a, vgl. auch Tafel IV). fol. IIa. Ähnliches Umrahmungsmuster des Ganzzierblattes. Fortsetzung der Litanie. fol. llv. Ebenfalls Ganzzierblatt mit Purpurgrund und grossem Initial T-e igitur in demselben in der typischen Schulweise. In den Ecken des Rahmens sind Quadratmedaillons ausgespart, die auf Silbergrund in roter Zeichnung männliche Köpfe en face tragen. fol. 12. Umrahmung Mäanderband. Auf dem Purpurgrund der unbärtige Crucifixus. Das Incarnat ist warm rötlich gelb. Schwarze lange Haare fallen vom Haupte herab. Aus den Fuss- und Handwunden fliesst Blut herab, das unter den Füssen von einem rötlichvioletten, ■ ■ ■., ■■ B ■ ■ ,";■'■ ■■■ \ : ^H öd weissgehöhten und schwarz umrissenen Kelche aufgefangen wird. Ein rotbrauner, oben links künstlich verknoteter, bis zum Knie reichender Lendenschurz ist gut gezeichnet. Arme, Hände und Füsse sind zu lang. Sonst sind aber die anatomischen Hauptliuien gut charakterisiert, /.. B. die Knöchel und die Kniescheiben. Der Kopf ist nach der rechten Schulter zu gesenkt. Der rötlichviolette Kreuznimbus ist mit dunklerem Lokalton geschattet und zeigt eine mehrfach geteilte Umrahmung (in Zinnober und Rotbraun, letzterer mit weissen Punkten besetzt). Die Gesichtseiuzeichnung ist mit Rotbraun vorgenommen, die weissen Höhungen sind nicht so sehr sorgfältig durch parallele Strichelchen ausgeführt, sondern breiter, mehr malerisch verwaschen. Ein Vergleich der Crucifixusdarstellungen im Darmstädter und Freiburger Sacramentar beweist, abgesehen von dem etwas differierenden Incarnat, grosse technische Übereinstimmung. Die Art und Weise der Gesichtsbehandlung ist bei beiden Darstellungen ähnlich. Charakteristisch ist ferner die starke Betonung des Daumenballens, der im Darmstädter Sacramentar einer Geschwulst gleicht, während sie in der Freiburger Hs. zwar nicht so nachdrücklich, aber immer noch deutlich genug zum Vorschein kommt. fol. 17a. Ganzseitiges, umrahmtes Blatt mit der Darstellung des Lammes in einem runden Medaillon auf Purpurgrund. Die Umrahmung zeigt ein sorgfältig ausgeführtes Akanthusmuster in Rötlichviolett und Grün, mit schwarzer Einzeichnung und Höhung in weiss und dunklerer Lokalfarbe. Der mehrfach geteilte Medaillonrahmen schlicsst einen Purpurgrund ein, in dem auf fünf grünen, dunkler und weiss gehöhten Erdschollen l ) das Lamm mit grünem Kreuznimbus steht. Dasselbe ist, ungeschickt in der Zeichnung, in Weiss auf den ziemlich hellen Purpur- grund aufgesetzt. Gelenke, Weichen und Kontur sind schwarz. Vom Hals an bis zur Schwanzspitze läuft eine fortlaufende Folge von schwarzen Punkten. fol. 17b und 18a leer. ') Dieselben bezeichnen einfach den Boden, sie sind als Abbreviatur desselben anzusehen. Otte spricht in d. Publikation eines in der kgl. Landesbibliothek zu Düsseldorf befindlichen Blattes mit zwei Darstellungen, die stilistisch aufs Engste mit dem TJtrechtpsalter zusammenhängen (vgl. Goldschmidt, Repert. XV S. 167 f.) bei der Heilung des Leprosen irrtümlicherweise von „hügeligem Boden", wo es sich ebenfalls nur um diese Abbreviatur handelt. Bonner Jahrb. LXXII S. 77. Vgl. auch Kautzsch, Einleitende Erörterungen zu einer Gesch. der deutsch. Ilandschriftenillustrat. im späteren Ma. S. 13. 7* - . ■' ■ ■Hk SM 'km ■ ■■1 wm §m ■HBHa 'S ll II 100 fol. 18b. (vgl. Tafel III.) Ganzblatt mit Purpurgrund. Christus stehend, mit aufgeschlagenem Buche in der Linken, die Eechte lebrend erhoben; links unten kniet mit zum Gebete erhobenen Händen ein Mönch (Schreiber), vgl. die Abbildung. Christus trägt weissblaues Untergewand und hellpurpurvioletten Mantel. Die Haare sind wiederum schwarz, der Kreuznimbus grün. Der Boden ist violett. Der Mönch trägt braune Kutte und weissblaues Untergewand. Technisch und stilistisch wie die übrigen Blätter (Daumenballen Christi!). fol. 19a. Ganzblatt mit Purpurgrund. Initial A, vgl. die Abbildung (Tafel IV). Füllung grün, blau und rötlichviolett. Man vergleiche den Initial mit denen im Echternachcodex und im Freiburger Sacramentar. (Streumuster des Hintergrundes, Punktrosetten.) fol. 146r. Ganzblatt mit Purpurgrund. Grosser Initial R, wie die übrigen. Ferner sind noch zu erwähnen eine Reihe kleinerer Initialen im Texte. Eine weitere Beschreibung der Echternacher Hss. muss hier unterbleiben. Ich verweise zu diesem Zwecke auf die Litteratur bei Voege a. a. 0. Hier galt es nur, den engen Zusammenhang der Echternacher Schule mit den Trierer Werken und deren Abhängigkeit von letzteren zu erweisen. Capitel IV. Die Malerschule von München-Gladbach. ■■ m Wie bereits oben S. 21 f. gelegentlich des in München-Gladbach in liturgischem Gebrauche gewesenen Freiburger Sakramentars bemerkt wurde, ging die durch Erzbischof Gero von Köln veranlasste Neugründung des Klosters von Mönchen aus St. Maximin unter Führung des gelehrten und frommen Sandrard aus. Ausser einem Sacramentar bezog man für den liturgischen Gebrauch sicher noch andere Codices, so ein Evangeliar u. a. Die Spuren davon lassen sich in der München-Gladbacher Buchmalerei selbst nachweisen. Es existieren nämlich einige Codices, deren Provenienz aus M.-G. feststeht, nämlich Cod. 530 der Darmstädter Hofbibliothek, sowie Cod. 508 des dortigen Museums 1 ). Sie sind wohl auch da entstanden. Wahrscheinlich stammt ferner aus M.-G. das Einzel- J ) Der Deckel besprochen b. Schäfer. D. Denkmäler d. Elfenbeinplastik im Mus. zu Darmst. S. 57, abgeb. Nöhring und Frisch, Kunstschätze aus dem Grossli. Museum zu Darmstadt. Lübeck o. J., Tafel 3. Ha ^^$$- '■■■•-..■.'•.'.■■,■■■■■■..■.■■, ■■■■,-■■■%■ 101 Matt mit dem linital B im Germanischen Museum zu Nürnberg'). Aus späterer Zeit (saec. XII) ist eine Handschrift der Chronik Alberts vou Aachen 2 ) zu verzeichnen, die laut Eintrag ebenfalls aus M.-G. stammt, während die von Wattenbach 3 ) erwähnte Hs. der Collationes patrum des Cassian (saec. XII), mit Miniaturen und dem Eintrag saec. XV „Liber monasterii Sancti "Viti martyris in Gladbach", im Kölner Walrafmuseum, welche ein Mönch Amandus für seinen Bruder und Abt Otine schreiben Hess, in einem anderen scriptorium zu lokalisieren ist 4 ). Die beiden Darmstädter Handschriften stammen beide aus dem Anfange des 11. Jahrhunderts und kamen aus der Sammlung Hüpsch von Köln an ihren jetzigen Ort. Hs. 530 5 ) ist ein Evangeliar (perg. fol. 1—204. 28X22, 4b. Hdschriftl. Verzeichn. v. Dr. Adolf Schmidt.) Schöner, aber ungenau geschriebener Text, vielfach verbessert. Initialen in roter Federzeichnung, z. T. mit grüner und blauer Füllung, vou fol. 110 an schwarze Initialen mit roten Strichen. fol. 15b—21a. Canonestafeln in architektonischer Umrahmung; rote Federzeichnung mit roter, gelber, blauer und grüner Wasserfarbeneinzeichnung. Kapitelle: Akanthus, Löwenkopf (einfach oder doppelt) etc. Die Basis ist meist gebildet durch zwei Wulste und eine Einschnürung, die durch dünne Platten getrennt sind. Die Säulen tragen entweder die bekannten Nachahmungen von verschiedenen Steinarten (Adahs.) oder weisen geometrische Muster auf. Von fol. 20b ist die Basis durch Tierkörper gebildet. fol. 14b. Thronender Christus, in der Mandorla, umschlossen durch einen rechteckigen Rahmen (21,5X15>6 cm), der in der Mitte der vier Seiten durch je ein rundes Medaillon durchbrochen wird. Ein goldener Leisten, mit dünnem rotem Kontur nach aussen und innen bildet die äussere Einfassung des Rahmens. Dann folgt die Rahmen- IE. HP ! ) Miniatur No. 22, perg. kleinfol. mit runden Medaillons von Klerikern und des h. Vitus. Essenwein, Anz. für Kunde d. deutsch. Vorzeit 1880, S. 69, ebenda Abbildung. a ) B. Kugler im Tübinger Doctorenverzeichnis 1893. 3 ) Anz. f. Kunde d. d. Vorz. 1872, S. 15. 4 ) Die Hs. C 58 (Breviar, saec. 13) und D 6 (Graduale, saec. 13) der Düsseldorfer Landesbibliothek, welche Lamprecht, Initialornamentik S. 32 No. 136/137 kurz beschreibt, und von deren Initialblättern ich photograph. Aufnahmen bei A. Haseloff gesehen, scheinen ebenfalls aus M.-Gladbach zu stammen. 5 ) Kurz erwähnt v. Ernst Dümmler im Neuen Archiv 11, S. 411, JSk ■ »i 102 I 'äs.; wm ] ii |^^ bordüre, die der auf fol 14a des Freiburger Saoramentars nachgebildet seiu könnte. Die Höhung und Einzeicbnung ist hervorgebracht durch Weiss, Schwarz, sowie Hellrosa und dunkleren Lokalton. Die Blattrippeu sind mit weissen Punkten besetzt. Auf die Bordüre folgt ein dünner, rotkonturierter Silberrahraen, auf diesen ein dunkelgrüner mit rotem Kontur nach innen; ein weisser Konturstrich schliesst nach dem inneren himmelblauen Grund zu ab. Die nach aussen weiss, nach innen rot kouturierte Mandorla ist regenbogenartig in verschiedenen Farben abgestuft (zinnoberrot, rosa, weiss, hellblau, dunkelblau, schwarz, silber). Der innere Grund ist golden. Der Erlöser sitzt auf einem Regenbogen, der durch ähnliche Farbengebung wie die Mandorla bezeichnet ist (gelb, rot, grün, weiss, rosa, rot, schwarz). Die rechte Hand ist im lateinischen Gestus segnend erhoben, die linke Hand hält ein Buch und ein silbernes Kreuz. Das am rechten Arme sichtbare Untergewand ist grün, das Obergewand rosa mit roter und starker weisser Höhung und Falteneinzeichnung, sowie einem silbernen, schwarz umrissenen Clavus, der zwischen rechter Schulter und Leib sichtbar herabläuft, der Mantel ist blau mit silberner Bordüre und braungelbem Saume; die innere Seite des Mantels ist rosa. Die Falten auf dem Mantel sind in Schwarz und Dunkelblau angegeben. Die rechte Brust und der rechte Arm sind e^couig, desgleichen sind frei von der Bedeckung des Mantels das linke Knie und der linke Fuss. Ein Zipfel des Mantels liegt über der rechten Schulter. Die nackten Füsse sind schwarz umrissen, derselbe Kontur scheidet die Zehen von einander. Das rotbraune Fussbrett zeigt oben ein Marmormuster, der nur wenig sichtbare vordere Teil ist grün mit weissem Eckkontur; drei kleine rote, weissumzogene Rundfensterchen schmücken ihn. Die Finger der rechten Hand sind nach aussen schwarz, nach innen (zur Scheidung von den andern Fingern) rotbraun konturiert. Das Buch in der linken Hand hat einen weissen, rotgestrichelten Schnitt und eine gelbbraune Decke mit dem bekannten, schon in der altchristlichen Kunst gebräuchlichen Edelsteinmuster (4 oder mehr Steine in griechischer Kreuzform um einen Mittelpunkt). Die grünen Edelsteine sind rot umrissen; dazwischen sind weisse Punkte eingestreut. Der silberne Kreuznimbus ist rot und weiss konturiert. Die Einzeichnung des Kreuzes wird bewirkt durch vier goldene, rot und weiss umrissene Balken, auf denen je ein Punktmuster (4 rote Punkte in griechischer Kreuzform um einen grösseren Mittelpunkt angeordnet) ruht. Christus trägt einen kurzen, graubraun-gelben Spitzbart und einen '■'' '■'• , '■■"'•''• : >:-- ! ■'■ 103 ^M Schnurrbart. Dieselbe Farbe hat das in der Mitte gescheitelte und zu beiden Seiten das Gesieht umrahmende Haupthaar. Das Haar ist stark schwarz gestrichelt. Das Inkarnat ist ein gesättigtes Rosa. Der doppelte Nasenrücken läuft unten in die breit und derb gezeichneten Flügel aus. Zwischen Nase und Lippe liegt ein kleiner Halbmond, desgleichen über der Nasenwurzel. CrS Unterlid und Unterlippe sind rotbraun, » II « Oberlid, Pupille und Au- genbrauen sind schwarz gezeichnet, desgleichen der stark mar- "~^~ kierte, breite untere Teil der Nase und der flache Bogen ""><** unter dem Unterlide. Über den Brauen, unter der Pupille im Auge, über der Oberlippe und unter dem Schnurrbarte, sowie unter dem obenerwähnten (unter der Unterlippe) befindlichen schwarzen Bogen sind weisse Höhungen, meist in Form flacher Bögen angebracht. Auf jeder Backe liegt ein zinnoberroter Punkt. Das nach aussen spitz zulaufende Ohr ist schwarz gezeichnet; dem schwarzen Kontur folgt nach innen ein weisser. Die vier runden Medaillons enthalten in goldenen Rahmen die Evangelistensymbole auf blauem Hintergrunde. Der silberne Nimbus ist schwarz und weiss konturiert. Der homo unten sieht mit zurückgebogenem Kopfe zu Christus auf. Sein Inkarnat ist rosa, die Augenbrauen, Pupille, unterer Teil der Nase und ein Teil des Gesichtskonturs (nämlich vom rechten Ohr über die Stirne oben herum bis zum Kinn) sind in Schwarz; sonst ist die Gesichtszeichnung und der Kontur in Rotbraun. Das Haar ist tief rotbraun mit schwarzem Kontur und vereinzelter schwarzer Einzeichnung. fol. 21b frei. fol. 22a. Ganzblatt: St. MatthiasinrechteckigeniRahmen(15,3X20,6 cm). Der Rahmen beginnt, von aussen, mit drei Leisten (schwarz, rot, gold), worauf die Bordüre auf schwarzem Grunde folgt, ein perspektivischer Mäander, bei dem einzelne Teile langgezogen sind, wobei eine rohe dreiteilige Palmette eingesetzt ist. Die Langseiten haben drei, die Breitseiten zwei Palmetten erhalten. Die Farben des Mäanders sind blau, rot, grün und gelb in verschiedenen Tönungen; die Höhungen sind weiss, der Kontur schwarz gehalten. Die ziegelroten Palmetten zeigen Höhung und Kontur in dunklerem Lokalton. Ebenso und ausserdem noch in Schwarz sind die Blattrippen eingezeichnet. Aus den Palmetten wachsen Staubfädchen mit roten weiss umzogenen Knollen hervor, ausserdem sind in die Palmetten auf den schwarzen Grund ebenso wie zwischen die Mäanderschlingungeu die zu einer runden Gruppe kombinierten weissen Punkte mit rotem Mittelpunkte eingestreut. ■ ■HB^hd Wm M Hni 104 ■ WH« .1 i ■ ! H ■ |^H M 1 JJr ; r.-l?i.J-. i ■ Als weitere Teile des Rahmens folgen nach innen ein rotkonlu- riertes Goldband und ein breiterer (14 mm) schmutziggrüner Rahmen, der nach dem blauen Mittelgrunde (13,2 X 8 e m ) ZP eiuen i'Oten und weissen Kontur zeigt. Dieser grüne Rahmen trägt die Worte Scs. Mattheus. Der Evangelist sitzt auf hohem Polsterstuhle, nach links gewendet, wo ein Schreibpult (Tierfüsse mit aufgesetztem Akanthusblalt, darüber das Pultblatt mit Buch) steht. Die linke Hand mit einem Messer (silbern, rot konturiert mit graublauem schwarz konturiertem Hefte) liegt auf dem Buche. Die rechte Hand mit einer Feder greift nach rechts, wo auf einem kleinen Tische drei Töpfchen mit Farbe oder Tinte stehen. Das blaue Untergewand mit silbernem rot konturiertem Clavus trägt Falteneinzeichnung in dunklerem Lokaltone und weisse Höhung. Das Pallium ist graugrün und ebenso behandelt. Der silberne Nimbus ist rot und weiss konturiert. Die nackten Füsse (ebenso wie die Hände schwarz konturiert) stehen auf einem Fussbrette. Der kurze Spitzbart des Evangelisten ist rotbraun mit schwarzer Einzeichnung. Das Inkarnat ist ziegelrot mit weissen Höhungen, gesunder als das Christi. Das Haar, ebenso graubraun wie dasjenige Christi, zeigt längs der Stirne und am Hinterkopfe runde schwarzgezeichnete stilisierte Schneckenlöckchen. Die Technik der Gesichtsbehandlung ist hier bis in die kleinsten Details vollkommen übereinstimmend mit der im Freiburger Sacrameutar, so dass das oben gesagte auch hier gilt. Gerade diese Übereinstimmung zeugt für den engen Schulzusammenhang. fol. 22b. Ganzzierblatt in rechteckigem ornamentalem Rahmen mit Initiale L auf rotbraunem, Purpur imitierendem Grunde; die Schrift ist weiss. Kontur und Einzeichnung des silbernen Rankenwerkes selbst sind rot und schwarz gehalten. Der Grund ist blau und grün gefüllt. Der Längsbalken des L endet unten in einem Tierkopf, aus dessen Rachen der Querbalken herausläuft; die beiden Balken sind golden und rot gefüllt. fol. 75a. Ganzblatt (19,4X16,6 cm). S. Marcus. Erst hatte der Maler beabsichtigt, auf dem jetzt freien fol. 74b den Evangelisten anzubringen, wie die dort noch etwas sichtbare abgeschliffene braune Unterzeichnung eines halb im Profil sitzenden Evangelisten, über dem das Symbol mit langem herabhängendem Schriftblatt, beweist. Der Initial J sollte dann als Ganzblatt auf fol. 75a stehen. Der Maler hat aber dann seine Absicht geändert und auf fol. 75a in einem goldenen B ahmen mit dem für die Schule charakteristischen Bordürenornament BM '■ ''''" ' ' '"' : ' ' "' ■ ■■•■ ' 105 eine Zweiteilung vorgenommen, so dass zwei gesonderte schmale Rechtecke entstanden. In dem linken Rechtecke sitzt der Evangelist auf einem Stuhle, nach links gewendet und auf einer Rolle schreibend. Das Untergewand ist blaugrün mit silbernem Clavus, das Obergewand rot mit weisser und Lokaltonhöhung. Inkarnat und Gesichtsbildung entsprechen der des Mathäusbildes. Nimbus silber, deutlich hervortretende Stirnlöckchen. Auf dem blauen Grunde: S. Marcus. Das zweite Rechteck enthält den Initial J auf Purpurgrund. Der goldene rotgefüllte Initialbalken ist im Grunde blau und grün gefüllt; der Grund selbst ist ziemlich willkürlich, der Buchstabenform des J etwas angepasst, abgeschlossen. fol. 109b. S. Lucas in Ganzzierblatt (20,2X14,5 cm). Der Rahmen wird gebildet durch zwei goldene rotumrissene Leisten, zwischen denen das Bordürenornament sich durchzieht. Es wird gebildet durch einen den Seiten parallel gehenden dünnen roten Streifen, der mit weissen Punkten besetzt ist; nach beiden Seiten sind dicht nebeneinander einfache Blätter angesetzt 1 ). Unterbrochen wird das Ornament durch zehn Vierecke (an den Ecken, in der Mitte der Breitseiten und zweimal in den Längsseiten), die wiederum übereck gestellte Vierecke enthalten. Letztere enthalten wieder Rosetten; die Zwickelecken werden ausgefüllt durch weisse Tupfen mit einem grösseren roten Tupfen in der Mitte. Ähnliche Motive zeigen auch das Freiburger Sacramentar sowie der Trierer Codex der Pariser Bibl. nat. (Cod. lat. 8851, suppl. lat. 667) saec. X ex. Der seine Feder spitzende Evangelist selbst sitzt halblinks vor einem Schreibpult, dessen Blatt auf einem Akanthus (eingestreute Punktrosetten und Staubfäden) ruht. Der goldene Nimbus hat einen silberneu Rahmen, welcher nach dem Golde zu rot, nach dem blauen Grunde rot und weiss konturiert ist. Der Bart ist weiss, in dem braunen Haar sind weisse Einzeichnungen und schwarze Striche; die Stirnlöckchen fehlen nicht. Der Stuhl trägt zwei Reihen romanischer Arkaden übereinander. fol. 110a. Ganzblatt (20,9 X 15 ) 4 cm )- Zwei goldene rotkon- turierte Rahmen schliessen eine Bordüre ein (Palmette). Initial Q auf rotbraunem Grunde (Quoniam quidem, optime Theophile etc. rechts und Multi cornati sunt etc. links, beide Texte durch den Schwanz der Initiale geschieden). Der Initial selbst (gold und silber mit roten Umrissen) ruht auf blauem und grünem Grunde; die Umrahmung des ! $33 •sST ') dieselben sind nach aussen graugrün, nach innen blau. Kontur beiderseits schwarz, desgl. ist die Rippeneinzeichnung schwarz. isSaSKSalsSI tu '■ ■ 106 l *»»>? . vfsf vif ; I Grundes ist wieder ziemlich willkürlich. In die Initiale sind Palnietten- und Akanthusteile eingelassen in der gewohnten technischen Ausführung. Unten geht der Schwanz des Q in einen Tierkopf aus, dessen Rachen eine Palmette entquillt. fol. 110b rote Federzeichnung (Initial F) auf blauem und grünem Grunde. fol. 158b war ursprünglich ebenfalls in rechteckigem Rahmen ein Bild des schreibenden Johannes beabsichtigt. Reste sind jetzt noch in der Unterzeichnung sichtbar. Johannes sitzt im Lehnstuhle auf einer Rolle schreibend, die von oben, und zwar von dem Symbole gehalten, auf das Pult herabfällt. fol. 15 9a. Das Bordürenornament des rechteckigen Rahmens entspricht dem des Christusbildes. Der Rahmen ist wieder zwei geteilt. Links sitzt der schreibende Johannes mit silbernem Nimbus und den bekannten Löckchen; auch der silberne Clavus fehlt nicht. Die Technik sonst auch dieselbe. Rechts der Initial J, gold und rot mit einem silbernen rotkonturierten Akanthusband auf blauem und grünem Grunde als Füllung des Buchstabens. Unten kniet in einer Aushöhlung ein Mönch mit weisser Tonsur, gelbem Unterkleid, das an den Unterarmen sichtbar ist, sowie einem rosafarbenen Obergewand (Höhung weiss und dunklere Lokalfarbe). Gesicht und die ausgestreckten Hände sind nach oben gewendet (vgl. ähnliche Darstellungen im Egbertcodex und dem oben beschriebenen Echternacher Sacramentar in Darmstadt Hofbibl. 1946); nur sind die Hände nicht parallel wie in letzterem Codex, sondern übereinander angeordnet. Auf fol. 204b, 184a ist am Rande der h. Vitus genannt, der ja der Patron von M.-Gladbach ist. Die Schrift der Handschrift ist eine schöne und charakteristische. Die Buchstaben stehen meist auf der Linie, wie z. B. in der gleichzeitigen Schrift des Freiburger Sacrameutars auf fol. 68b, der sie überhaupt sehr ähnelt. Über die Abkürzungen vgl. oben S. 13. Das Evangeliar 508 des Darmstädter Museums ist in derselben Zeit entstanden wie das Evangeliar 536 der Bibliothek. Der bildnerische Schmuck ist nur z. T. ausgeführt. fol. lb ist z. B. eine angefangene Initiale P in brauner Federzeichnung. Die Kanonestafeln mit Architektur sind ebenfalls nicht über die Unterzeichnung mit roter und schwarzer Tinte hinausgekommen. Die Evangelisten zeigen noch nicht viel mehr als Federunterzeichnung, nur rot und Silber sind z. T. aufgelegt und gestatten so einen interes- 107 santen Einblick in die verschiedenen Phasen der Herstellung ma. Bilderhandschriften. Eine Initial L zeigt die Kombination von weissen Punkten mit rotem Mittelpunkt. Vollständig ausgeführt ist ein segnender Christus mit Buch in der Mandorla, der grosse Ähnlichkeit zeigt mit dem Christus in Hs. 530. Auf der Seitenschnittfläche findet sich die alte Bibliothekssignatur A 10, während die Hs. 530 an demselben Orte die Signatur A 9 trägt; ferner tragen beide Hss. auf der oberen Schnittfläche die Signatur 3. Hs. 530 hat als Einband einen alten, mit rotgefärbtem Leder überzogenen Holzdeckel. Das Leder enthält eingepresste Verzierungen, meist kleine Schildchen, die abwechselnd den Doppeladler und ein gekröntes Meerweib, das mit den Händen die beiden Fischschwänze umschliesst, enthalten. Auf den Deckeln findet sich noch der Messingbeschlag der beiden Schliessen, die selbst fehlen. Auf der Seitenschnittfläche steht A|9|4EVANGE|LIA|MANUSCP|. Dem Vorderdeckel ist ein Schildchen aufgeklebt mit der Nummer 489 (alte No. von Hüpsch). Der Metallschmuck des Vorderdeckels, von dessen Befestigung Spuren zu sehen sind, ist abgenommen. Herr Dr. Adolf Schmidt, der mich auf die übereinstimmenden Signaturen und die Provenienz dieser beiden München-Gladbacher Hss. hinwies, teilte mir brieflich mit, dass er nach einer genauen Vergleichung beider Hss. zu dem Resultate gelangte, dass der Elfenbeinschmuck, der jetzt auf der Museumshs. ist, ursprünglich auf Hs 530 sass. Der Deckel lässt noch ganz deutlich erkennen, wo die neun Elfenbeinstücke befestigt waren. Auch die beiden Giebel gehörten wohl zum alten Schmuck, während der Renaissancegiebel in die Zeit des auf dem unteren Streifen der Metalleinfassung inschriftlich genannten Abtes Jacobus de Heggen fällt (V. D. DNVS. IACOBVS. DE HEGGEN ABB. HVIVS LOCI), der wohl auch den Schmuck von der einen Hs. auf die andere transferieren Hess. Nun war nach Eckertz und Noever (D. Abtei München-Gladbach S. 125) ein Jacobus de Hecghen 1574—1583 Abt von M.-Gladbach. Alle Umstände wirken zusammen, um den Ursprung der Hs. in M.-Gladbach unnmstösslieh zu beweisen. Neben der schon erwähnten Initiale B im Germanischen Museum, deren Herkunft aus M.-Gl. infolge des Medaillons mit dem h. Vitus und aus technisch-stilistischen Gründen wahrscheinlich ist, entstammt der Schreibstube dieser Abtei noch eine Hs. der Chronik Alberts von Aachen (vgl. Kugler a. a. 0.), welche im Besitze des Freiherrn von dem Bussche-Hünnefeld ist (perg. saec. XII). Die Innenseite der vorderen Alte ^^^ 108 ■s '•an ■ 1*% | HF ; ■: HB ■ 111 Holzdecke trägt den Eintrag: Liber monasterii saneti Viti iu Gladbach. Jeweils der erste Buchstabe vom Texte der 12 Bücher ist ein grosser Initial (schwarz, rot, blau, grün) mit Arabesken und figürlichen Details. Der Initial A (Anfangsbuchstabe des 12. Buches) enthält oben in rundem Medaillon das Brustbild des h. Vitus en face. Er hält in beiden erhobenen Händen je ein Pergamentblatt, neben denen je ein Mönch sitzt; der eine schneidet die Feder, der andere hält den Pinsel (Abb. Kugler a. a. 0. S. V). Der Schreiber der Hs., denn dafür dürfen wir den ersten Mönch ansehen, heisst nach der abgekürzten Inschrift Conradus, der Maler nennt sich Godefridus. Der Liber de fundatione et abbatibus monasterii S. Viti martyris in Gladbach nennt um 1130 und 1150 im Kloster einen „frater Godefridus subdiaconus" und einen „frater Conradus subdiaconus." Der Maler besass nach Kugler ein „überraschend künstlerisches Auge und eine sichere Hand. Die Arabesken zeigen zumeist kühnen Schwung, die figürlichen Details eine zartere, oft sinnige Ausführung." Die von Kugler gegebenen Abbildungen beweisen dies auch. Dass Codices, wie die beiden Darmstädter, dem Maler vorlagen, ist zweifellos. Die reiche Verwendung von kombinierten Punktmustern, die Einfassung der Inschriften mit Punkten, die Art des Rankenwerks und der Initialen weisen darauf hin. Das Medaillon des h. Vitus macht einen merkwürdig archaischen Eindruck. Der Initial J des Incipit (Kugler Abb. S. 16) zeigt einen geharnischten Ritter mit Schild und Lanze. Fast möchte man die Copie einer Metallgrabplatte darin vermuten. Einen Cod. Gladeb. (Archiv der Stadt Köln VIII, 24. 12. Jahrb..) mit Miniaturen erwähnt Lamprecht (Bonner Jahrb. 70. 1881. S. 99). Was die beiden Darmstädter Handschriften anbetrifft, die noch ganz unter dem Einflüsse der importierten Trierer Handschriften stehen, so ergiebt sich klar, dass sie technisch und stilistisch ganz von diesen abhängig sind, allerdings etwas provinziell verroht und verzerrt. Später aber finden wir einen selbständigeren Aufschwung zu einer gewissen Blüte, wie die Chronik Alberts von Aachen beweist. 9 jr ■I > KTaliSMi Schluss. Die Produkte der Trierer Buchmalerei aus den ersten Zeiten der karo- lingischen Aera sind längst als hervorragende Werke erkannt worden, und die Schule erhielt sich in der Folgezeit nicht nur auf derselben Stufe, sondern zeigt bei gesteigerter Thätigkeit auch eine Entwicklung- m ! HSH HH 109 Jäh aber wird diese sich entwickelnde Trierer Buchmalerei auf ein weit höheres Niveau gehoben durch den machtvollen Willen und die mächtige Kunstliebe eines Kirchenfürsten, dessen Bedeutung nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Verschiedene Male schon hatten wir Gelegenheit, Egberts Bedeutung für die Kunst seiner Hauptstadt zu schildern. Einige Prachtwerke ersten Ranges zeugen neben den übrigen Durchschnittsarbeiten von der Kraft und Höhe der Schule. Denn als die Werke einer enge geschlossenen, konzentrierten Schule von individuellem Charakter müssen die Trierer Bilderhandschriften jener Zeit bezeichnet werden. Einerseits war diese Schule vernünftig und konservativ genug, um den überkommenen karolingischen, so oft erprobten, soliden Bestand beizubehalten, andererseits verschluss sie dem Neuen nicht den Zutritt. Dies Neue, hauptsächlich vermittelt durch Reichenauer Werke, enthielt sowohl altchristlich-römische Zuflüsse aus Italien, als auch eine Bereicherung des ikonographischen Darstellungsmaterials. So ist die Trierer Schule in der ottonischen Zeit von einer eminenten Bedeutung, die der von Voege konstatierten Hauptschule ebenbürtig an die Seite tritt, ja ihr gegenüber für uns eine gesteigerte Bedeutung gewinnt, da sie vermöge ihres stark individuellen Charakters eine zuverlässigere Lokalisierung gestattet, als die oft nur lose verknüpften Hss. der Kölner Hauptschule. Zeuge ihrer Bedeutung ist ferner der Umstand, dass sie nicht bloss die nähere Umgebung in ihren künstlerischen Bann zieht, sondern auch weiterhin beeinflussend gewirkt hat. Nach der Wende des ersten Jahrtausends erhielt sich die Schule zunächst auf der alten Höhe, aber dann tritt ein gewisser Verfall ein. Ausserdem lassen uns hier die Belege mehr im Stiche. Doch die gute Technik und das gediegene Schulinventar erhielten sich noch lange, und manchmal tauchen aus den Trierer Bilderhandschriften des späteren Mittelalters tüchtige Arbeiten auf, die der alten Bedeutung der Schule sich würdig erweisen, und die als künstlerisch wertvolle Produkte zu bezeichnen sind. So z. B. die Hs. 261 *) der Trierer Stadtbibliothek vom Anfang J ) Vgl. meine Beschreibung der Hs. in Schnütgens Zeitschrift für christl. Kunst 1894, No. 11, S. 345 ff. Ähnlich nennt sich in einer Hs. saec. XII zu Sigmaringen (Hofbibliothek Cod. 9) auf fol. 244a ein Frater Rufillus aus Kloster Weissenau. Er setzte sich mit den Malutensilien in das Rund des Initials und lässt sein Abbild den Namen in den Zwischenraum des Buchstabens schreiben. Vgl. den Katalog d. Hss. v. Lehner. Anzeiger d. Germ. Mus. N. F. 14, 1867. S. 235/6. Mitteilungen des Vereins für Kunst und Altertum in Oberschwaben. 1865 S. 25. Hassler, Ulmer Gymnasialprogramm von 1855. ■■ ■im HfögftgK IH iiö I i-mß"-^ '•f'V'r' I ■I des 12 Jahrh., die einen Engilbertus pictor et scriptor nennt, die Hs. 428 ebenda vom Anfange des 13. Jahrh., die neben sorgfältigen Initialen und reizend ausgeführten Darstellungen der Tierzeichen einige prachtvolle Ganzzierblätter auf Purpurgrund aufwies, welche letztere z. T. stark mit altem Schulinventar gearbeitet sind und einen bewusst archaisierenden Eindruck erwecken. Würdig beschliesst dann die lange Reihe der Codex Balduini im Koblenzer Staatsarchiv sowie das Breviar Balduins in der Koblenzer Gymnasialbibliothek. | m m ■H ü iV'J m Wm : : VI m I ■ ■ ■•"..■.'"'•:'■''■'■•■■'■■:■'■'-■'■.■'■,.:-' Hb Anhang. Kalendar des Freiburger Sacramentars (Ms. 360a). ■ ■H Bl. la. Januar. 1 ) A Kai. Jan. Circumcisio domini. B IUI Non. Jan. Natl. Ysidori. C III „ „ S. Genovefe uirg. D II „ „ Natl. Aquilini. E „ i) Simeouis cf. F VIII Idus Jan. Epiphania domini. G VII Idus Jan. Luciani presbyteri. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. Bl. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. A VI „ „ Natl. timothei. B V „ „ Fortunati episcopi. C IUI „ „ Pauli heremite. I) III „ „ Gregorii episc. E II „ „ Ciriaci episc. F Idus „ Octaba Epiphan. G XVIIII Kai. Febr. Felicis cf. A XVIII Kai. Febr. abacuc proph. Ib. Febr. Marcelli pap. „ Sulpitii epi. „ Prisce uirg. „ Januarii. „ Sebastiani martyr. „ Agnetis uirg. „ Uincentii martyr. „ Emerentiane uirg. „ Babilli epi. „ ConversioS.Pauli. „ Policarpi. B XVII Kai C XVI „ D XV „ E XIIII „ F XIII „ G XII „ AXI „ BX C Villi „ D VIII „ E VII „ F VI „ G V A IUI „ B III „ CII Bl. 2a. „ „ Artemii. „ „ Uictoris. „ „ Ualerii Epi. „ „ Aldegunde uirg. „ „ Zotici martyr. Februar. 1. D Kai. Febr. Brigide uirg. 2. E IIH Non. Febr. Purific. s. Marie. 3. F III Non. 4. G II „ 5. A Non. 6. B VIII Id. 7. C VII „ 8. D VI „ 9. E V „ 10. F IUI „ 11. G III „ 12. A II 13. B Idus 14. C XVI Kai Bl. 2b. 15. D XV „ 16. E XIIII „ 17. F XIII „ 18. G XII „ 19. A XI „ 20. B X 21. C Villi „ 22. D VIII „ 23. E VII „ 24. F VI „ 25. G V 26. A IUI „ 27. B III „ 28. C II Febr. Blasii episc. „ Aquilini. „ agathe uirg. „ Uedasti episc. „ ammonis. „ Pauli episc. „ Emeliani. „ Erenei. „ Desiderii episc. „ Damiani. „ Stephani episc. . Mart. Ualentini. „ Marcelli episc. „ Juliane uirg. ,, Concordie. „ Siluani. „ Juliani. „ Gai episc. „ Hilarii episc. „ Cathedra s. petri. „ Policarpi. „ Mathie apostoli. „ Donati. „ alexandri. „ Taciani. „ Macharii. Bl. 3a. März. 1. D Kai. Mart. Suitberti episc. 2. E VI Non. Mar. Luci episc. 3. F V 4. g im 5. A III 6. B II 7. C Non. 8. D VIII 9. E VII Id. Julii. Gregorii m. Uictoris. Claudiani. Felicitatis. Cyrilli episc. XL coronatorum. *) Die Überschrift lautet in der Hs. M. Jan. Imbet dies .XXX. j. und so bei jedem Monat. 1 I s ■ »m ■HM ^^p* 112 IBI ■ II ■ ■ ■ ■ BBBl ■ HM ■ ■ Hr Hb 10. F VI Id. Mar. Agapite uirg. 18. C XIIII Kai. Mai. Eucbarii cf. 11. G V )1 ?? Candidi. 19. D XIII I) n Uitalis martyr. 12. A IUI ?! » Gregoriipapae. 20. E XII 11 rt Uictoris cf. 13. B III » ?? Eufraxie uirg. 21. F XI ?? n Gai pap. 14. C 11 » n Leonis episc. 22. G X J! n Philippi. 15. D Idus ii Longini. 23. A Villi ?! n Georgii martyr. Bl. 3b. 24. B VIII ?? n Corone uirg. 16. E XVII Kai. Aprilis Eugenie uirg. 25. C VII W » Letania maior. 17. F XVI n » Patricii episc. 26. D VI n j? Cleti pap. 18. G XV n ?i Primus dies sedi. 27. E V » n Castoris. 19. A XIII1 ii ?! Bassilei. 28. F IUI » ?? uitalis. 20. B XIII » ?' Cutberti episc. 29. G III ?! „ Gtermani presbyt. 21. C XII i) ?! Benedicti abbatis. 30. A II ?! ji Quirini martyr. 22. D XI ?! ?! Primum pascha. 23. E X ?! » Theodori. Bl. 5a. Mai 24. F Villi J? !? Cyrini martyr. 1. B Kai. Mai Philipp! & Jac. 25. G VIII n J? Dominus cruci- 2. C VI Non. Mai. Athanasi episfixus. 26. a vn n )7 Liutgeri eonfess. 3. D V copi. Inventio sancte 27. B VI j? )) Resurrectio do- crucis. mini. 4. E IUI Floriani. 28. C V « )» audacti. 5. F III Ascensio domiui. 29. D IUI ?? )! Uictorini. 6. G II Ualerii. 30. E III n » Eulalie uirg. 7. A Non. Marcellini. 31. F II » n Felicis. 8. B VIII Id. n Uictoris martyr. Bl. 4a. April. 9. C VII j> n afrodisii. 1. G Kai. Apri . Gerthrudis uirg. 10. D VI n n Gordiani&Epi- machi. antemii. 2. A III Kai. April. IUI Corona- trtMlIYl 11. E V y> r> 12. F IUI Pancratii m. 3. B III Donati. n " 4. C 11 ?* Jl Theodoli. 13. G III ?! )? Sancti seruatii. 5. D Non. n V Martiani. 14. A II 1? n Pachomii. 6. E VIII Idus )5 Ambrosii epis- 15. B Idus » Primus pent. copi. Bl. 5b. 7. F VII n n Timothei. 16. C XVII Kai. Iun. Eracli.' 8. G VI » V Successi. 17. D XVI n n Basille. 9. A V H » Fortunati. 18. E XV n n Marci pap. 10. b im 1! » Ezechiel. 19. F XIIII n ri Potentiane. 11. C III n M Domnini. 20. G XIII n n Eustachii. 12. D II » y Julii episcopi. 21. A XII ?? n Timothei. 13. E Idus n Eufemie uirg. 22. B XI n n Felicis. 14. F XVIII Kai. Mai Tiburtii et ualer. 23. C X ?? » Disiderii epis15. G XVII r> p Diogenis. copi Bl. 4b. 24. D Villi j] n Augustini epis16. A XVI » n Martialis. copi. 17. B XV r> n Martiani. 25. E VIII » n Urbani pap. ■hsh Ena '■' ' ' '"■ ■' •'■■"■''' ■■- : - '■•■ ' •■ - ■'.■■. - 26. F VII Kai. Iun. Augustini epis- copi. 27. G VI „ „ Julü. 28. A V „ „ Germani con- fessoris. 29. B IUI „ „ Maximini epis- copi. 30. C III „ „ Crispoli. 31. D II „ „ Petronille vir- ginis. Bl. 6a. Juni. E Kai. Iun. Nicomedis raartyris. F IUI Non. Iun. Marcelliui & pet. C 7. 8. 9. 10. 11. G III „ A II „ B Non. V6.III Id. I) VII „ EVI „ F V G IUI „ AIII ; 12. B II 13. 14. 15. Bl. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. C Idus „ D XVIII Kai. iul EXVn „ „ 6b. FXVI „ „ GXV „ „ AXIIII „ „ B XIII „ „ C XII „ „ D XI „ „ E x t, n f vmi: „ 24. G VIII 25. A VII 26. 27. B VI „ , c v „ „ Westd. Zeitschrift. Juliane uirginis. Saturnini. Bonefatii epis- copi. Claudii. Uictoris. Medardi. Primi & felicis. Maurini martyris. Barnabe apos- toli. Sanctorum Basi- lid. C. N. & N. Luciani. Helisei proph. Uiti martyris. Ualerie. Quiriaci. Marci marcellini. Geruasi Protasi. Crispini. Albani. albini. Uigilia sancti iohannis. natl. sancti Jo- hannis. Leujiuuini con- fessoris. Johannis & Pauli. Justini. Ergänzungshei't IX. 28. D IUI Kai. Iul. Bl. 1. 2. 3. 113 Uigilia aposto- lorum. 29. E III „ „ Petri & Pauli. 30. F II „ „ Martialis epis- copi. 7a. Juli. G Kai. Iul. Gai episcopi. A VI Non. Iul. Processi et mar- tini. B V „ „ Juliani. C IIII „ „ Translatiomar- tini episcopi. D III „ „ Marini. E II „ „ Octaba aposto- lorum. F Non. „ apollonii. G VIII Id. „ Kyliani martyris A VII „ „ Effrem. B VI „ „ VII sanctorum. C V „ „ Benedicti abbatis. DUO „ „ Felicis. E III „ „ Margarete uirginis. F II „ „ agrippini. G Idus „ Divisio' aposto- lorum. o. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. Bl. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 7b. A XVII Kai. Au B XVI Kai. Aug C XV „ „ DXIIII E XIII F XII G XI A X B VIIH C VIII D VII E VI F V G Uli A III B II Hilarini. Januarii. arnulfi confes- soris. Sisinnii. Cyriaci. Praxedis uirginis. Cyrilli. apollonaris. Christine uirg. Jacobi apostoli. martiani. Felicis. Pataleonis mart. Sanctorum Fe- licitatis S. F. et B. abdon & senn. Germani episcopi. 8 &PÜÜ ilr rag 114 Bl. 8a. August. HB ■ ■ HHh H . - ÄäCBä«! HHB ■ -■ lall ÜB ÜB #1 mß C Kai. Aug. D HU Non. 3. E III 4. F II G Non. A vin Id. B VII „ C VI „ D V „ 10. E IUI 11. 12. 13. 14. 15. Bl. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. F in G II A Mus Aduincula s. p. Aug. Stephani epis- copi. „ Stephani mar- tyris. „ Justini confessoria. „ Erenei. „ Sixti episcopi. „ Donati. „ Cyriaci martyris. „ Uigilia sancti Laurentii. „ Laurentii martyris. „ Tiburtii martyris. „ Eupli diaconi. „ Ypoliti martyris. B XVIHI Kai. Sep. Eusebii. C XVIII Kai. Sep. assumptio sanc- te Marie. 8b. D XVII „ E XVI „ F XV G XIIII A XIII B XII C XI D X E Villi F VIII G VII A VI B V 29. C HU 30. D IH 31. E II „ aaronis martyris. „ Octaba sancti Laurentii. „ agapiti martyris. „ Magni martyris. „ Samuhel pro- phetae. „ Priuati martyris. „ Timothei martyris. „ Dionisii. „ Bartholomei apos- toli. „ Juliani. „ anastasii. „ Bufi martyris. „ Hermetis martyris. „ Decollatio Jo- hannis. „ Felicis & au- dacti, „ Paulini episcopi. Bl. 9a. September. 1. F Kai. Sept. Nat. Prisci. 2. G IIII Non. Sept. Justi episcopi. 3. A III „ „ Remacli episcojii. 4. B II „ „ Marcelli episcopi. 5. C Non. „ Quintini conf'es- soris. 6. D Villi Id. „ Zacharie pro- phetae. 7. E VII „ „ Sinonimartyris. 8. F. VI „ „ Natal. Santae marie. 9. G V „ „ Gorgonii martyris. A IIII „ „ Hilarii. B III „ „ Proti et Jacincti. C II „ „ Siri episcopi. D Idus „ Theodoli episcopi. E XVIII Kai. Oct. Cornelii & C. F XVII Kai. Oct. Apriconfessoris. 9v°. 10. 11. 12. 13. 14. 15. fol. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. G XVI A XV B XIIII C XIII D XII E XI F X G VIIH a vm B VII C VI D V E IIII F III G II Eufemie uirginis. Lantberti episcopi. Eustorgii. Januarii. Uigilia math. Mathei apostoli. Mauritii. Tecle uirginis. Tirsi diaconi. Firmini. Cipriani. Cosme. & da- miani. Justini. Sancti michahel. Jheronimi. Bl. 10a. October. 1. A Kai. Oct. Sancti Remigii. 2. B VI Non. Oct. amandi. 3. C V „ „ Duorum euald. 4. D IIII „ „ marcelli. ÜB 115 5. E III Non. Oct. 6. F II 7. G Non. 8. A VIII 9. B VII 10. C VI Id. 11. D V 12. E IUI 13. F III 14. G II 15. A Idus Bl. 10b. Eutici. Bomani. marci pap. Januarii. Diouisii. Gereonis mar- tyris. Eracli. Eucharisti. anastasii. Calisti pap. In colon. mau- rorum. Oct. Galliconfessoris. „ Donati. „ Luce euuange- liste. „ Januarii. „ Zosimi. „ XI milia uirgi- num. „ Seueri episcopi. „ Seuerini episcopi. „ Claudiani. „ Crispini crisp. „ Luciani. „ Uigilia Simonis & Jude. „ Natal. Simonis. & Jude. „ Feliciani. „ Germani. „ Uigilia omnium sanctorum. Bl. IIa. November. 1. D Kai. Nou. Festum omnium sanctorum. 2. E IUI Non, Nou. Uitalis martyris. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. B XVII Kai C XVI „ D XV „ E XIIII „ E XIII „ G XII „ AXI B B X „ c vmi „ D VIII „ E VII , F VI „ 8. D VI Id. Nou. 28. G V 29. A IUI 30. B III 31. C II 3. F III 4. G II 5. A Non. 6. B VIII 7. C VII Id. Hucberti episcopi. amandi. Domnini. Eusebii. Uuillibrordi. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. Bl. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. _______________ IUI coronato- rum. E V „ „ Theodori. F IUI n „ Eustochii. G III „ „ Martini episcopi. A II „ „ Cuniberti episcopi. B Idus „ Brictii. C XVIII Kai. Dec. Heraclii. D XVII Kai. Dec. Saturnini. IIb. E XVI F XV G XIIII A XIII B XII C XI D X E Villi f vni g vn A VI B V c im D III E II Augustini episcopi. Tecle. Bomani. Januarii. agapiti. sisinnii. Cecilie. Clementis. Crisogoni. luciani. Sirici. Johannis. Darie. Uigilia and. Andree apostoli. Bl. 12a. December. 1. F 2. G 3. A Kai. Dec. Candidi martyris. IUI Non. Dec. Biuiani. III „ „ Lutii confes- soris. 4. B II „ „ Barbare uir- ginis. 5. C Non. „ Julii. 6. D VIII Id. „ Agathe virginis. 7. E VII „ „ Octaba andree apostoli. 8. F VI „ „ Successi. 9. G V „ „ Syri confessoris. 10. A IUI „ „ Eulalie virginis. 11. B III „ „ Damasi pap. 12. C II „ „ Hermogenis. 13. D Idus „ Lucie uirginis. 14. E XVIHI Kai. Jan. Tyrsi. 15. F XVIII „ „ Maximi. 8* 116 16. 17. 18. 19. 20. 21, G XVII Kai. Jan. Ualentini. A XVI Kai. Jan. Ignatii episcopi. B XV C XIIII D XIII E XII 22. F XI 23. G X Basiliani. Darii. Ignatii martyris. Thome apos- toli. Gregorii martyris. apolloni. 24. A Villi Kai. Jan. Uigilia domini. 25. B VIII 26. C VII 27. D VI 28. E V 29. F im 30. G III 31. A II Nat. domini. SanctiStephani martyris Johannis apos- toli. Innocentium. Calisti. Seueri. Siluestri pap. 1 ;m^--i !/«?«»■;•'. raral KffiWH am *> - ■■ '*f,f *.■»"?* T Sv"> Wm BMgfliflw ShHhB HU! GH ,':&,„ ■H ran WBm ^ ■ VI Register. ■■''''■'■•■,'■'■'■■"■■■■■•-.'"'■■''•■■'..■■ A. Aachen. Otton. Evangeliar im Domschatz. S. 23, 25, 36, Anm. 6, 79, 82. Abbreviaturen in der ma. Buchmalerei. S. 99, Anm. 1. Agnus dei. Darmstädter Hs. 1946. S. 99. Altchristliche Kunst. Zush. ders. mit Antike. S. 56 ff. Einfluss auf die spätere Kunst. S. 24, 52, 57 ff. Ana themaform ein. S. 50 u. Anm. 1. Angelo in Formis. Wandgemälde. S. 22 f. S. 45. Autun. Sacramentar in der Seminarbibliothek. S. 34. Aspergillum. S. 67 f. B. Bamberg. Hss.-import bei der Neubegründung. S. 58 f. Bibliothek: Sacramentar saec. X. S. 35. — Hs. A I 47. S. 36, Anm. 5. — Hs. *E III 14. S. 58. — Liviushss. M. IV, 9 und M. IV, 8, S. 59. — L. III, 8, S. 59. — Boethiushs. H. J. IV, 12, S. 59, 62, 63. — Hs. Ed. V, 9. S. 91, Anm. 1. Berlin. Kgl. Museen. Probianusdip- tychon. S. 56. — Pyxis aus Minden. S. 93. Bern. Bibliothek. No. 165. Virgilhs. aus Tours. S. 50, Anm. 2, S. 63, Anm. 2. Bernhard, h. Darstellung dess. im Prümer Antiphonar. Paris Bibl. nat. Cod. lat. 9448 (Suppl. lat. 641) S. 91 f. Bethlehem. Auszug nach — im Prümer Antiphonar. S. 88. Boethiushss. S. 62, Anm. 9. Bremen. Miniaturmalerei. S. 25. — Stadtbibliothek. Evangeliar aus Ech- ternach. S. 26, 37, Anm. 1. S. 38. S. 89, Anm. 1. S. 94. Brescia. Bibl. Queriniana. Hs. saec. XI. S. 91, Anm. 1. Brüssel. Biblioth. d. Jesuiten. Psalter. S. 70. — Bibl. du roi. No. 9428. S. 84, 89, Anm. 1. S. 97. Buchmalerei, ma. Allgemeines über dieselbe. S. 3 ff. 49 ff. Bussche-Hünnefeld, Freiherr von — Hs. d. Chronik Alberts v. Aachen. S. 101, 107 f. Byzant. Einfluss. S. 5. S. 93. C. Caeremonienbilder. S. 34. Cambrai. Bibliothek. Apokalypse. S. 49 f. Cambridge. Corpus Christi College. Evangeliar. S. 59, Anm. 5. Canonesbogen. Entstehung desselben. S. 55 f. Christus thronend, auf antiken Typus zurückgehend. S. 56. Taufe S. 87. Cividale. Codex Gertrudianus. S. 14, 23, 26, 77. Coblenz. Gymnasialbibliothek: Bre- viar Balduins. S. 110. Staatsarchiv: Codex Balduini. S. 110. Cöln. Malerschule. S. 23 ff. 28. — Archiv Cod. Gladeb. S. 108. Ms. 147. S. 41, Anm. 4. — Museum. Hs. saec. XII. S. 101. Crisantus und Daria. Darstellungen d. Legende. S. 92 Vgl. auch S. 21. Crucifixus. Vgl. Kreuzigung. Cultus eucharisticus. S. 67. stm Mi 1 H ■■l H BHSi 118 D. Daria. Vgl. Crisantus. Darmstadt. Hofbibliothek: Hs. 530. S. 13, 100 ff. - Missale. No. 1946. S. 28, 98 ff. Evangeliar No 1948. S. 30, SO Anm. Museum: Cod. 508. S. 100 ff. Deckel dess. S. 107. Dedikationsbilder, ma. S. 33, 52, Anm. 2. Düsseldorf. Kgl. Landesbibl. Hs. B 113 (Rabanus Maurus) S. 99 Anm. — Hs. C. 58. S. 101, Anm. 4. - Hs. D. 6. S. 101, Anm. 4. E. Echternach. Malerschule. S. 23,84, 93 ff. — Irischer Einfluss auf dieselbe. S. 66. Ornamentation. S. 97 Egbert, Erzbischof. Thätigkeit und Bedeutung. S. 25 ff., 77 f., 94 f. S. Beziehungen zu den Ottonen. S. 27, 78, 95, 108 f. Einfluss, altchristlich - italienischer, auf Tours und Trier. S. 24, 52 ff., 58, 86. Einfluss, irischer, siehe „Irischer". Engelfigureu als Buchstabenträger. S. 42 f. Erlangen. Universitätsbibl. Fragment eines Sacramentars. S. 24. Flabellum. S. 67 f. Ferrieres, siehe Lupus. Florenz. Laurentiaua. Codex Amia- tinus. S. 59. Freiburg i. B. Universitätsbibl. Ms. 360a. S. 1 ff., S. 111 ff. Fulda. Malerschule. S. 94 G. St. Gallen. Buchmalerei von Tours beeinflusst. S. 62. — Stiftsbiblioth. Äntiphonar (Hs. 390 u. 391) S. 36. Gent. Öffentl. Bibl.: Ms. 548 (jetzt 306). S. 70 f. — Ms. 457 (jetzt 96). S. 71. Gotha. Herzogl. Bibliothek: Echter- nacher Evaugelienkodex. S. 23, 25, 26, 27, 28, 84, 89, 94 ff. 98. Boe- thiushs. S. 62, Anm. 9. Göttingen. Universitäts-Bibliothek: Fuldaer Sacramentar (Cod. ms. theol. 231). S. 94, Anm. 1. Gregorius, d. h. Papst. Bild desselben. S. 33 ff. 79. H. Hamiltonsammlung, frühere. Evangeliar, jetzt in Amerika. S. 61, Anm. 5. Handschriftenexport aus Italien nach dem Norden. S. 57. Heidelberg. Universitätsbibliothek. Sacramentar. S. 23, 80, Anm. 1. Heiligenkreuz, Stift. Elfenbeintafel. S. 36, Anm. 3. Hildesheim. BeverinscheBibliothek. Cod. membr. U I, 19. S. 91, Anm. 1. I. Irischer Einfluss auf die karoling. Buchmalerei (bes. S. Maximin in Trier und Echternach). S. 65 ff., 74 ff. Italienischer Einfluss auf d. fränk. u. deutsche Buchmalerei. S. 24, 52 ff. 58, 86. K. Karlsruhe. Hof- u. Landesbiblioth. Reicbenauer Psalter saec. XI. S. 15. Kindermord, ikonogr. Typen. S. 89 u. Anm. Kreuzigungsdarstellungen. S44 f., 82 f, 98. L. Laurentius, Schreiber, Mönch zu Echternach. S. 70. Laurentius, h. Darstellung der Legende dess. S. 92. Leipzig. Universitätsbibl. Hs. d. Re- gistr. Gregorii. S. 79, Anm. 1. Limburg a. d. L. Dom. Petrusstab. S. 26, 51 Anm. ,:....'-.,. Hl WS&k London. British museum. Alkuinbibel. g 63 _ Ms. saec. 13. S. 91, Anm. 1. Hs. Egerton 608. S. 98. Lupus v. Ferneres. S. 60. M. Maihingen. Fürst]. Wallensteinsche Sammlung. Bibl.: irisches Evange- liar aus Echtcrnach. S. 70. Mailand. Domschatz. Elfenbeindeckel saec. VI. S. 55, Anm. 1. Maria, Tod derselben. Ikonograph. Typen. S. 91 Anm. Michael, St. den Drachen tötend. S. 92. Minden. Malerschule. S. 25, 45. Miniaturmalerei. S. 41, 49 f, 53 ff. München, kgl.Staatsbibliothek: Hs. Cim. 56. S. 24. — Cim. 57. S. 91 Anm. — Cim. 58. S. 24 f., 30, 39, 80, 82. — Cim. 59. S. 36, Anm. 7. — Cim. 60. S. 35. Codex aureus S. 93 Anm. — Cod. lat. 6224 (Cod. Fris. 24. Cim. 13) S. 58. Reiche Kapelle. Giselakreuz. S. 93. München-Gladbach. Neubegründung der Abtei. S. 21 ff. Malerschule. S. 100 ff. H. Nimbus der Lebenden. S. 82. Nürnberg. Germ. Museum. S. 70, Anm. 1, S. 100 f., S. 107. Ornamentik des Freiburger Sacra- mentars. S. 28 ff. S. 46, 48, 63. Einfluss der Bordürenornam. auf die Capitellformen. S. 37. Entstehung der ma. Orn. S. 53 ff. Paris. Bibl.nationale: Cod.lat. 18005. S. 25, 27, 83, 91 Anm. — Cod. lat. 9448 (Suppl. lat. 641) S. 26, 45, 87 ff. — Cod. lat. 8851 (Suppl. lat. 667). S. 41, 83 ff. 96. — Cod. 119 41, S. 34. — Cod. 266 (Lotharevan- geliar) S. 52. — Cod. 1 (Bibel Karls des Kahlen) S. 52. — Cod. 8850 Soissonsevangeliar) S. 74. — Cod. 12117 (EvangeliarvonLuxeuil)S. 83. Paulus, h., Darstellung der Legende. S. 91. P et rus,h.,Darstellg.d. Legende. S. 91. Philocalus. S. 59, Anm. 4. 0- Quedlinburg. Gymnasialbibl.: turo- nisches Evangeliar. S. 62. Ravenna. Ravennatische Elfenbeinplastik. S. 72, 80, 92 f. Regensburg. Buchmalerei. S. 35, 93, Anm. 1. Reichenau. Malerei. S. 23, 25, 81 f., 82 (ital. Einfluss), 62 (beeinflusst von Tours), 89 u. Anm. 1 (ikonogr. Einfluss auf die rheinische Schule). Remiremont. S. 94 u. Anm. 2. Ricbodo von Trier S. 62 f. Rom. Vatikana: Cod. lat. regin. christin. 438 (255) S. 87. — Virgil 3225 S. 53, 54. — Virgil No. 3867. S. 53 54. — Josuarolle. S. 54. — Cod. Vatic. Pal. lat. 50. S. 61, Anm. 5. S. 71 ff. Minervabibliothek: Ponti- ficale saec. XI. S. 82. Museo cristiano: Elfenbeindeckel. S. 72. — Elfenbeinmedaillon S. 80. Rossano. Evangeliar. S. 53, 82. Sacramentarium. Bedeutung desselben für die ma. Kunstgeschichte und Bilderschmuck. S. 1 ff., 6 ff., 41 f., 44. Schlettstadt. Stadtbibliothek: Boe- thiushs. S. 62. Anm. 9. Schrift des 10. u. 11. Jahrh. S. 10 ff. 13. Sigmaringen. Ilofbibliothek. Cod. 9. S. 109, Anm. 1. v I ■' a i a Wm ■;■«?. i .-■■■'..'- - ; '■ ■" ■s H Silber. Verwendung dess. in der rhein. Buchmalerei. S. 28. Stephanus. Darstellung der Legende dess. S. 89. Streifenhintergründe. S. 38 Taufe Christi, siehe Christus. Tethramorph. S. 67 u. Anm. 1. Thomas. Maler. S. 66 f. Tours. Buchmalerei. S. 61, altchrist.- ital. Einfluss in ders. S. 52 ff., 59. Schrift S. 51 f. Einfluss auf Trier. S. öl f., 62 ff., — auf Köln S. 62, auf Keichenau S. 62. Trier. Buchmalerei. S. 100ff. Calen- darien. S. 13 ff. S. 111 ff. S. Maximin, irischer Einfluss. S. 70, 74. Stadtbibliothek: Egbertcodex S. 25, 28, 44, 77, 79, 80, 81. 82, 84, 89. — Registrum Gregorii S. 26, 35, 77 ff. — Apokalypse S. 49 ff. — Adahs. S. 50, 61, 71, 79, 80, Anm. 96. — Hs 261, S. 109. — Hs. 428, S. 110. — Hs. 839, S. 71, 74 ff. — Hs. 23, S. 71, 76 f. chatz Doms Hs. Evangeliar 134, S. 65 ff., S. 96. Andreasaltar S. 26, 57 Anm. Tugenden. Darstellung ders. S. 86. U. Unterzeichnung, in der Miniaturmalerei hervortretend. S. 81. w. Wandmalerei im 10. Jahr. S. 23 f. Wien. Hofbibliothek. Cod. Vindob. 529. S. 51 Anm. -. Cod. 847. S. 53 f, 64. — Genesishs. S. 33. — Dioscorideshs. S 54. Wolfenbüttel. Bibliothek: Hs. saec. X/XI. S. 27. - Hs. saec. XII. S. 36. — Cod. 845. S. 91 Anm. Herzogl. Archiv. Urkunde Ottos II. S. 97 u. Anm. Z. Zierblätter, ganzseitige. S. 45. Berichtigungen: Seite 25 Note 4 lies Voege statt Veege. „ 28 „ 6 „ Lamprecht statt Lamprocht. „ 41 Zeile 8 v. u. lies Cod. 1851 statt 88 S. 1. r v "V' mm ■9 ■■■'>■■■<"y ; ■■■■ - : --\-- ■. iiiiiiiiiii r f II I /k I I I I— ä ' : '. : ts! Ms. 3fiOa der Proibnrger Universitätsbibliothek. Sacramentar. fol. 13 b. Vgl. oben S. 33 ff. ■■■■'■'■■■■ ^'■■,■■' ■'■' «sreasäöi sS«Jf§i*s5 r HH W m «^j n» piT I I s TT /i Ms. 360 a der Freiburger Universitätsbibliothek. Sacramentar. fol. 23 a. Vgl. oben S. 45 f. mm Ms. 194(5 der Darmstädter Ilufbibliothek. Missale. fol. 18b. Vgl. oben S. 99. m mm H ~ H ^H äfcsKSj Ms. 1946 der Darmstädter Hofbibliotliek. Missale. fol. 19 a. Val. oben S. 99. ■pa< m - ■■■■■ ■HP ; HL Hb **$ "■.-.■ : ''''■.'■/. Fragment des Registruui (iregorii auf der Trierer Stadtbibliothek. Vgl. oben S. 26, 34 ff. und 77 ff. ■■i tim&w- ^^H ( ! ^jjv#^v Apokalypse der Trierer StadtMbliothek (Ms. 31). fol. Ib. Vgl. oben S. 64. SmHnSHH ''•■•■''■■,■■■■.''■■■..' Erasmus von Rotterdam Untersuchungen zu seinem Briefwechsel und Leben in den Jahren 1509—1518 von D 1 Max Reich. um •hm ■ INHALT. Seite Vorbemerkungen.................... 123 I Erasmus in London und Cambridge (1509—1514)...... 129 II. Erste und zweite Basler Reise (1514—1516)........ 155 III. Erasmus in Brüssel. Verhandlungen mit Rom (1516—1517) . . 194 IV. Studien in Löwen bis zur dritten Basler Reise (1517—1518) . . 226 Anhang I .....„.............. 252 II .................... 254 Chronologie der Briefe................. 256 Briefverzeichnis .................... 273 ■H ■gn m mm ■ MB ■ Hl Berichtigungen und Nachträge. Während der Bearbeitung des letzten (IV.) Abschnittes haben sich mehrere Änderungen als notwendig herausgestellt, welche, da mit dem Druck der ersten Abschnitte schon begonnen war, nur zum Teil in den Text aufgenommen werden konnten, in den Brief Verzeichnissen dagegen sämtlich berücksichtigt sind. Zu S. 125: App. 219 und App. 220 sind richtig datiert, dagegen falsch adressiert; s. S. 242 ff. Zu S. 182: App. 7 ist nicht vom 22. Juni, sondern vom 23. Mai 1516 (X. Kai. Junius); vgl. Kan S. 6, Nr. 242. Zu S. 224: App. 137 ist nicht vom 5., sondern 4. Mai 1517 (IV. Non. Maias); vgl Kan S. 6, Nr. 188. App. 45 nicht vom 11., sondern 10. Januar 1516: Kan, Nr. 245. App. 64 nicht vom 21., sondern 20. Juni 1516: Kan Nr. 255. Falsch adressiert sind ausser App. 219 und 220 und den in den „Vorbemerkungen" erwähnten noch App. 203 (s S. 233 f.) und App. 313 (s. S. 250). m m Hl -o-se-o- ; v IM ■ü il Vorbemerkungen. Es lag ursprünglich in meinem Plane, diese Untersuchungen zum Briefwechsel und Leben des Erasmus von seiner Jugend zu beginnen, und ich hatte das Material gesammelt, zum Teil auch schon verarbeitet, als mir im November 1892 die fleissige Arbeit von Arthur Richter (Erasmus-Studien. Leipz. Dissert. Dresden 1891) zu Gesicht kam, welche die Korrespondenz von den Anfängen bis zum Jahre 1509 behandelt und im Wesentlichen mit meinen Ergebnissen übereinstimmte. Musste ich auch so den ersten Teil meiner Arbeit fallen lassen, so glaube ich doch, die zweite Hälfte nicht zurückhalten zu dürfen, die als Fortsetzung der Richterschen dem noch erwarteten Historiker des Erasmus und des deutschen Humanismus überhaupt vielleicht von Nutzen sein kann. Allein aus der Lektüre der Richterschen Schrift und im Laufe meiner eigenen Arbeit bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass eine lediglich regestenartige Ordnung der Briefe dem Benutzer die Nachprüfung erschwert, und dass nur eine fortlaufende Darstellung, zumal in den Zeiten eines ausgebreiteten Briefwechsels, dem Leser das volle Verständnis der brieflichen Zusammenhänge zu vermitteln imstande ist. Auch habe ich mich im Gegensatze zu Richter nicht auf die Ordnung der Briefe beschränkt; ebenso wichtig erschien mir die Aufgabe, durch die Feststellung biographischer Daten der Forschung möglichst weit vorzuarbeiten. Scheint in dieser Verbindung von Kritik und Darstellung, wie ich sie mir zum Ziele gesetzt, die letztere sich bisweilen ins Kleinliche zu verlieren, so wolle man es aus dem Bestreben erklären, auch dem scheinbar Unbedeutenden seinen Platz anzuweisen; ist doch kein noch so harmlos auftretender Brief unwesentlich genug, dass er nicht, im rechten Zusammenhange betrachtet, zum Verständnis vielumstrittener Charakterzüge eines so sehr von Stimmungen beherrschten feinen Geistes seinen Beitrag lieferte. Den ersten Versuch zu einer Ordnung des seit lange als verwirrt erkannten Briefwechsels unternahm im Jahre 1829 der Schleswiger Joh.. Gaye in einer Kieler Dissertation (Disquisitionis de vita Erasmi specimen) mmm ■ ■H 126 Sil m ■ i w EMS H sü«! mit eben so viel Eifer als Missgeschick. Seitdem thut die ersten glücklichen Griffe erst Arthur Richter, der über Gayes Schrift viel zu günstig urteilt. Die Biographen des Erasmus, unter denen sich in den letzten Jahrzehnten besonders Franzosen und Engländer hervorgethan haben, gehen entweder über diese Kernfrage hinweg 1 ), oder sie haben, wie Seebohm, Durand de Laur, Drumraond, zu denen als Nichtbiograph Brewer in seiner Ausgabe der englischen State-Papers tritt, die Konsequenzen dieser notwendigen Voraussetzung mehr oder weniger eingehend gezogen, aber damit nur bewiesen, dass die Datierung einzelner aus dem Zusammenhang gerissener Briefe zu Fehlschlüssen führt. Die Zeit, die hier zur Behandlung kommt, umfasst die Jahre von der Rückkehr aus Rom (1509) bis zur 3. Basler Reise (1518), also von dem Abschluss seines geistigen Entwickelungsganges bis zum Beginn des Gegensatzes zu Luther. Den Grundstock der Korrespondenz bildet die Leydener Ausgabe (III. Band der Opera omnia ed. Ckricus, 1703—6), nach der auch zitiert wird, und zwar bezeichnet „App." vor der Nummer die in den Appendix S. 1521 ff. aufgenommenen Briefe. Zu den an anderen Orten gedruckten sei nur erwähnt, dass Rieggers „Amoenitates litterariae Friburgenses" nach der Ausg. von 1779 zitiert wird, die in den Seitenzahlen von der älteren von 1775 bisweilen abweicht. Von unvollständig gedruckten oder schwer zugänglichen Briefen habe ich zwei iu den Anhang' aufgenommen. Dass die Litteratur möglichst vollständig angeführt ist, auch wo ich keine Belehrung aus ihr habe schöpfen können, wird vielleicht der Arbeit zu gute kommen. Nicht besonders erwähnt, ausser wo eine Veranlassung vorlag, sind die Artikel in Ersch und Grubers Allgemeiner Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, der Allgemeinen Deutschen Biographie, Biographie universelle, Nouvelle biographie generale, Dictionary of National Biography, Van der Aa's Biographisch Woordenboek der Nederlanden. Das Briefverzeichnis am Schlüsse der Arbeit umfasst 580 Briefe, von denen etwa 290, also die Hälfte, im Datum u. a. haben geändert werden müssen. Erwägt man aber, dass die aus Mss. veröffentlichten und trotz mancher Mängel weitaus zuverlässigeren Briefe des Appendix, die annähernd die Hälfte jener 580 ausmachen, fast ausschliesslich dieser Zeit angehören, so darf man behaupten, dass mindestens 2 U sämtlicher Briefe der Leydener Ausgabe ein falsches Datum tragen. Für die Ign J ) Ich nenne von Neueren Feugere (1874), Pennington (1875), Amiel (1889), zuletzt James Aut. Frouile (Life and letters of Eraamus London 1894). BSHflHH "•äEöfVSFS ^1^^^^^^! 127 ■ 9 Jahre 1509 bis 1518 schwankt in den einzelnen Fällen die Differenz gegenüber dem richtigen Datum zwischen 1 Tag und 15 Jahren. Die Gründe für diese auffallende Erscheinung erklären sich in verschiedener Weise. Schon Richter hat mit Recht darauf hingewiesen, einmal dass dem Datum der zwischen den 1. Januar und 24. März fallenden Briefe häufig der Jahresanfang nach dem Ostertermin zu Grunde gelegt ist, sodann dass die Ursache in der Entstehungsweise der einzelnen Sammlungen zu suchen ist. Hoffentlich giebt die von ihm angekündigte Arbeit über die Erasmischen Briefsammlungen hierüber genaueren Auf- schluss. Sicherlich sind viele ursprünglich undatierte Briefe überhaupt erst für die Herausgabe aus der Erinnerung schlecht und recht mit Daten versehen worden; die Daten der Briefe an die Kardinäle Grimani und Riario (ep. 167 und 168), Bovillus (ep. 148), von Bude (ep. 220) u. a. m. mögen so entstanden sein. Einen wie grossen Teil der Schuld aber auch die unglaubliche Nachlässigkeit des Herausgebers der Leydener Ausgabe trägt, davon sei hier eine Probe gegeben. In der Stadtbibliothek- zu Deventer wird ein MS.-Briefkodex aufbewahrt, von dem der Direktor des Erasmus-Gymnasiums in Rotterdam, Herr J. B. Kau, in dem Programm seiner Anstalt von 1881 Mitteilung macht. Der Kodex, der 359 von und an Erasmus geschriebene Briefe, teils im Original, teils in Abschriften, enthält, hat, wie mit der Leydener Ausgabe wörtlich übereinstimmende Notizen zeigen, dieser Ausgabe, namentlich dem Appendix, zu Grunde gelegen. Aus der Zusammenstellung bei Kan, die mir durch die Güte des Herrn Verfassers zuging, — leider erst dann, als sie mir viele Feststellungen nur noch bestätigen und präcisieren konnte —, und aus dem Vergleich mit der Leydener Ausgabe geht hervor, dass den meisten Briefen Datum, Ort, oft auch Empfänger erst für diese Ausgabe, also nach 2 Jahrhunderten, hinzugesetzt ist und dass, wo ein solches Datum zu finden ist, dies meistens auf den Herausgeber zurückgeht. Er hat nicht nur in einer Unzahl von Fällen solche Jahreszahlen hinzugefügt oder Daten ganz oder teilweise übersehen, sondern auch richtige Daten geändert; er hat oft den römischen Kalender falsch umgerechnet, aus flüchtiger Lektüre unmögliche Beziehungen zwischen Briefen hergestellt, gleiche Briefe doppelt in verschiedener Fassung und mit verschiedenen Daten aufgenommen (ep. 261 = App. 65, ep. 209 = App. 262); ähnlich lautende Heiligentage sind verwechselt, so statt Petri Stuhlfeier — Peter und Paul (ep. 321, App. 286, App. 287), statt Lucas — Lucia (App. 219; Matthias statt Matthäus in App. 52 scheint überkommen zu sein); ja er hat einen an Langenfeld iüa m WBSn ■ ' ^H I n 128 (Longicampianus) gerichteten Brief (App. 293), dessen Name ausdrücklich im Text genannt wird, mit „Eschenfeld" überschrieben, und damit auch das heitere Element nicht fehle, hat er einen unadressierten, aber zweifellos an den Lord Mountjoy gerichteten Brief (App. 312), wo es am Schlüsse heisst: „bene vale cum dulcissima coniugali liberisque ca- rissimis", ohne weiteres dem — Erzbischof Warham zugewiesen. Darf man aus diesen Ungeheuerlichkeiten auf den Text der Briefe schliessen, so scheint auch dieser einer genauen Vergleichung mit den ursprünglichen Quellen, soweit sie noch auffindbar sind, bedürftig. Allein die chronologische und textkritischc Sichtung des gesamten Briefwechsels ist eine mühsame und entsagungsvolle Aufgabe, deren Lösung nur den vereinten Anstrengungen Mehrerer gelingen kann. Wenn ich hoffen darf, dass die vorliegende Arbeit als eine Förderung auf diesem Gebiete angesehen wird, so werde ich mich stets dankbar der gütigen Teilnahme erinnern, mit der meine hochverehrten Lehrer, die Herren Professoren Max Lenz und Geh. Hat Herman Grimm, von denen auch die Anregung zur Beschäftigung mit Erasmus von Kotterdam ausgegangen ist, sie von den Anfängen bis zu ihrer Vollendung begleitet haben. ■ Berlin, im Dezember 1894. \m Max Reich. 9 t : :' HD ■ H 'sf-J-.--*'- I. Erasmus in London und Cambridge. (1509—1514.) m HB Erasmus weilte in Rom im Verkehr mit den italienischen Humanisten und Prälaten, als am 22. April 1509 Heinrich VIIL von England, der seit seiner Jugend ein Verehrer des damals nur in engeren Kreisen bekannten Gelehrten war und der ihn soeben noch durch einen eigenhändigen Brief ausgezeichnet hatte 1 ), seinem Vater in der Regierung folgte. Die leisen Hoffnungen, die sich für ihn an den Regierungswechsel knüpften, fachte ein gegen die Mitte des Juni in Rom eingetroffener Brief des Lord Mountjoy, seines Schülers und Gönners (ep. 10, 27. Mai) zu heller Flamme an. Er versah ihn zwar nur mit Reisegeld und konnte ihm von dem Erzbischof von Canterbury eine Pfründe vorläufig nur versprechen; aber die vagen Erwartungen, die der Lord in die Regierung eines jungen, humanistisch gebildeten Monarchen setzte, konnten in einem Manne, der in allen noch nach Jahren gepriesenen Herrlichkeiten der ewigen Stadt doch immer nach den materiellen Interessen auf der brittischen Insel ausgeschaut hatte, wohl die überschwänglichen Hoffnungen nähren, die schon nach wenigen Jahren so grausam getäuscht werden sollten. Mit schnellem Entschlüsse verliess er Rom und Ilalien, und ohne auf der Reise zu rasten, kam er in den ersten Tagen des Juni in England an. Das Jahr seiner Rückkehr aus Italien ist zweifelhaft gewesen; Seebohm nimmt die Zeit vom Herbst 1509 bis Herbst 1510, Durand de Laur das Jahr 1510 an, hauptsächlich darum, weil er nach der Ankunft des Briefes an Mountjoy, im Juni 1509, abreiste, dagegen die ') Vgl. den Brief an Servatius, App. 8; der Brief App. 451, den R. Blackley Drummond (Erasmus his life and Charakter as shown in his works. London 1873 I, 182) für den erwähnten hält, gehört in das J. 1507, da er auf den Tod Ferdinands von Castilien (f 25. Sept. 1506) anspielt. Vgl. Richter, Erasmus-Studien. 1891. S. ßl Nr. 183.) Westd. Zeitschrift. Ergänzungsheft IX. 9 I Wk ■ Ali 130 Widmung des „Encomium Moriae", das er auf der Reise verfasste, aü Thomas More, das Datum „V. Idus Iunias", also des 9. Juni trägt 1 ). Neuerdings hat Pierre de Nolhac überzeugend nachgewiesen, dass Erasmus nur wenige Wochen im Frühjahr 1509 in Rom sich aufhielt, und er vermutet, dass das Datum der Widmung nicht „V. Idus Iunias", sondern „Iulias" (11. Juli) heissen soll 2 ). Ausschlaggebend ist der Brief des päpstlichen Sekretärs Jacob Piso an Erasmus vom 30. Juni 1509 (ep. 108); er ist die Antwort auf ein Abschiedsschreiben, das dieser bei seiner Abreise aus Rom an Piso gerichtet und das Piso schon vor längerer Zeit erhalten hat. Der Brief bestätigt, dass Erasmus auf die frohe Kunde von Mountjoy abgereist ist. Piso ging im Spätsommer oder Herbst 1509 als Gesandter Julius' II. an den Hof Sigismunds II. von Polen, um ihn für den Türkenkrieg zu gewinnen; er kam am 6. Januar 1510 in Krakau an und war nicht lange vor dem 29. August 1510 nach Rom zurückgekehrt 3 ). Gehörte der Brief an Erasmus in das Jahr 1510, so müsste seine Rückkehr, was hiernach wenig wahrscheinlich ist, vor den 30. Juni fallen; aber auch das zugegeben, hätte er dann wohl seiner diplomatischen Mission mit einem Worte Erwähnung gethan und seine verspätete Antwort mit seiner Abwesenheit, nicht, wie er thut, mit seinen Geschäften entschuldigt. Von der Thätigkeit des Erasmus im Sommer und Winter 1509 ») Seebohm, The Oxford Reformers of 1498. London 1867. S. 111 Anm. 2; Durand de Laur, Erasme precurseur et initiateur de l'esprit moderne; Paris 1872; I, S. 100 u. 682. Die Widmung des „Encomium Moriae": Opp. omn. IV, 402. 2 ) P. de Nolhac, Erasme en Italie. Paris 1888. S. 92. — Ein Brief des Erasmus an Reuchlin, dat. 1. März, den Geiger (Reuchlins Briefwechsel, Tübingen 1875. S. 119 Nr. CX1II*) mitteilt und in das Jahr 1510 legt, gehört demnach hierher. Er ist kurz vor der Reise nach Rom, also in Siena, geschrieben : „in procinetu scripsimus . . . nam Romam avolamus" ; den Plan, nach Rom zu gehen, hatte Erasmus auch 1515 und 1516 in Basel, aber er führte ihn nie aus. Die scharfsinnige Kombination Nolhac's (S. 64), dass Erasmus Ende Februar oder Anfang März nach Rom gekommen sei, findet durch diesen Brief, den Nolhac übersehen hat, ihre Präcisierung: es war im Anfang März. — Der Brief fehlt auch bei Richter. 3 ) Jod. Lud. Decius, De Sigismundi regis temporibus. 1521. S. 71; Acta Tomiciana (Posen 1852) I, 53. Die Schreiben des Papstes an Sigismund und den Bischof von Plock sind vom 28. Juli und 2. Aug. 1509 (A. T. I, 46 ff.), der vom Kardinalbischof von Reggio vom 8 August 1509 datiert. (A. T. I, 48); nach diesem Termin verliess Piso Rom. Zu seiner Rückkehr vgl. Julius II. an Joh. Laski vom 29. Aug. 1510 („nuper", A. T. I, 100). TL. JP GM 131 haben wir keine Nachricht; seine nächste Sorge wird wohl gewesen sein, alte Beziehungen wieder aufzunehmen und neue Fäden zu knüpfen, und zuzusehen, wie seine optimistischen Träume sich in die Wirklichkeit umsetzen Hessen. Briefe aus dieser Zeit sind uns nicht erhalten; denn mit seinen Freunden, deren Kreis sich auf London beschränkte, stand er im persönlichen Verkehr; die Beziehungen zu Italien blieben immer mehr gelegentlicher Natur; in den Niederlanden und Deutschland ging seine Sonne erst in einigen Jahren auf. Zunächst aber sah das gastliche Haus seines Freundes Thomas More das lebensvollste, individuellste seiner Werke, das „Lob der Narrheit", den Niederschlag seiner Weltanschauung, entstehen, wenn wir auch einigen Zweifel in seine später geäusserte Behauptung setzen dürfen, dass er diese Satire in der kurzen Frist von 7 Tagen fertiggestellt habe 1 ). Im Anfang April 1510 machte Erasmus eine Reise über Dover nach Paris, wo er vor dem 27. April ankam 2 ). Aus der Zeit dieser Pariser Beise sind uns die Briefe 110, 175, 169 und App. 465 erhalten. Ep. 169 deckt sich inhaltlich mit ep. 110: Erasmus hat Gedichte des Andrea Ammonio aus Lucca, des päpstlichen Nuntius am englischen Hofe, zum Druck nach Paris mitgenommen; in ep. 169 (Dover, 10. April) erwartet er von Ammonio einen Brief an Jobst Bade, den Buchhändler in Paris; er theilt ihm mit, dass dem Lord Mountjoy die Vorrede zu den Gedichten wegen der Anspielung auf die Schwächen seiner Standesgenossen missfalle und rät mindestens zu einer Änderung; dieselbe Aufforderung findet sich in ep. 110. In seiner Antwort, ep. 175 (London, 19 Mai), wonach Ammonio den geänderten Text sendet, giebt er als Datum des letzten Briefes von Erasmus den 27. April (also ep. 110) an. Augenscheinlich waren die Gedichte Ammonios dem Lord Mountjoy gewidmet, da dieser sonst seine Wünsche nicht so bestimmt geäussert hätte und Ammonio ihnen nicht so beflissen nachgekommen wäre. Eine solche Widmung, wie es scheint die abgeänderte, enthält nun ein undatierter Brief (App. 465), in dem sich Ammonio offen um die Gunst Mountjoys bewirbt; auch dieser gehört also in den Mai 1510. Über den Zweck der Pariser Reise erfahren wir wenig oder nichts; Erasmus bereitete wohl eine Neuausgabe seiner „Adagia" vor, die 1508 bei Aldo Manuzio in Venedig erschienen waren. Er besorgte ') Epistola apologetica ad Dorpium, vom J. 1515; Opp. omn. IX, 3. 2 ) Drummond erwähnt diese Reise nicht; Gaye (Disquisitionis de vita Erasmi speeimen. Diss. Kiel 1829. S. 77) stellt sie ausdrücklich in Abrede. Durand de Laur (S. 103) legt sie in das J. 1511. iL Ht wm '.■■■- : - ':■ ■ ■■" ...■■■■• ■■■■-,■ . M 1H i 1 ■■. ■ •' m BH BS I I I 132 auch die erste Ausgabe seines „Encomium Moriae" oder wohnte ihr doch wenigstens bei. Im Jahre 1515 schrieb er zwar an Dorp, dass seine Freunde, wie sie ihn schon zur Abfassung der Satire fast gegezwungen, so auch das Werk ohne sein Zuthun, wie er glauben machen will, nach Paris geschickt hätten; wir werden aber, was die angebliche Teilnahmslosigkeit anlangt, gut thun, dieser rein apologetischen Behauptung nicht völligen Glauben zu schenken. Allein sie steht auch nur in scheinbarem Widerspruch zu einer anderen Äusserung vom J. 1523, wonach Erasmus bei dem Drucke in Paris anwesend war'); dass seine Londoner Freunde das Manuscript nach Paris schickten, ist trotz der inneren UnWahrscheinlichkeit nicht ausgeschlossen. Der erste datierte Druck ist der von Wimpfling besorgte aus dem August 1511 bei Schürer in Strassburg 2 ), der erste Druck überhaupt ist der von Erasmus selbst als ungenau und verstümmelt bezeichnete bei Gourmont in Paris 3 ), für den sich also das Jahr 1510 ergiebt. Denn noch im Laufe dieses Jahres kehrte Erasmus nach England zurück; auf dem Wege muss er seine Heimat berührt haben und durch Löwen gekommen sein. Hier suchte ihn der Fürst von Weere, Adolf von Burgund, der Sohn seiner alten Gönnerin Anna von Borssele, durch verlockende Anerbietungen, aber vergeblich, festzuhalten. Erasmus schrieb 3 Jahre später darüber selbst an den Fürsten (ep. 143 4 j, zu einer Zeit, als die Enttäuschungen in England ihn die Ablehnung der ') Vgl. den „Catalogus Lucubrationum" an Botzheim, Opp. omn. I, [6]. Die ursprüngliche Fassung des ersten Druckes von 1523 (S. b3y: „aderam Lutetiae, cum per Ricardum Crocum pessimis formulis depravitissime excude- retur" ist später in „per nescio quos" geändert, vielleicht mit Rücksicht auf ep. 149, die von 1513 datiert ist,, aber in das J. 1511 gehört; s. unten S. 134. 2 ) MORIAE ENCOMIVM ERAjSMIROTERODAMI | DECLAMATIO.|| Ad Lectorem. | Habes hie Lector syxcöfiwv zfjs iJ.coQi.as, hoc est laudem stul- titise, libellü oppido q*3 facetiffimü, ab | Erafmo Roterodamo Germanolt de- cojre concinnatü, in quo varij homi | nü i'tatus mire taxanf. Hunc | tu fi emeris, & legeris, | difpereä fi nö impe | dio gaudebis. | Vale. || Am Schluss: Argentorati in aedibus Matthiae Schurerij, | mense Augufto Anno | M. D. XI. || Conrado Duntzenhemio. II. dietatore | Argentorat. || REGNANTE CAESARE MAXI|MILIANO PIO FOELICI | A V G. — Dieser Ausgabe ist ein Brief Wimpflings an Erasmus beigedruckt: Ex Argentorato. xiiij. Kai'. Septembres. Anni salutis nostrse. M. D. XI. (d. i. 19. Aug.) In dem Schürerschen Drucke vom October 1512 trägt derselbe Brief das Datum xiiij. Kai. Sept. M. D. XII, und dies Datum ist irrtümlich auch in [Riegger,] Amoenitates litterariae Friburgenses. 1779. S. 333 f. übergegangen. 3 ) Brunet, Manuel du libraire. Paris 1861. II, 1037. 4 ) vom J. 1513, nicht 1512, s. unten S. 146. j^HH ^^^H 133 Vorschläge bitter bereuen Hessen. Der Ausdruck „ante trienniura" spricht für seine Kückkehr schon im J. 1510, da er auf der Hinreise nach Paris, zwischen dem 10. und 27. April, kaum Brabant berührte; denn am 27. April erwähnte er die Ankunft in Paris und die Heise selbst, entgegen seiner Gewohnheit, mit keinem Worte; er scheint also bereits vor längerer Zeit in Paris angekommen zu sein. In die Zeit des jetzigen Aufenthalts in London, vielleicht schon vor die Pariser Heise, scheint ein ganz allgemein gehaltener und undatierter Brief von Watson (App. 500) zu gehören, worin dieser mitteilt, dass er eine Pfarrstelle in der Nähe von Cambridge erhalten habe und Erasmus zu sich einlädt. "Wenn er hier sagt: „ . . . orabo assidue, . . . ut tibi hie contingat fortuna aliqua te digna, quo possis- regnum hoc ornare et amicis tuis, qui hie plurimi sunt, usui esse", so scheint daraus hervorzugehen, dass Erasmus in England ist, aber noch nicht in Cambridge war. In diesem Zusammenhange lassen sich auch die Worte: „gratulor fortunae tuae, magis gavisurus, cum spes nunc dilata, qnae animum affligit, in rem praesentem dedueta fuerit", nur auf die von Warham versprochene Pfründe beziehen, die Erasmus im Februar 1512 erhielt. Auch weist das Fehlen jeder Erwähnung seiner Werke den Brief der frühesten Zeit des dritten englischen Aufenthaltes zu. In London schloss und befestigte er seine Bekanntschaft mit den hohen geistlichen Würdenträgern Englands, die sich zumeist in der Nähe des Hofes aufhielten; als seine Gönner nennt Erasmus in diesen Jahren Thomas Ruthall von Dm-ham, Richard Fox von Winchester, hauptsächlich aber John Fisher von Rochester und Wilhelm Warham von Canterbury, dieser gegenwärtig Kanzler und Grosssiegelbewahrer des Königs, bis er von Wolsey abgelöst wurde. Bischof Fisher („Roffensis"), zugleich ständiger Kanzler der Universität Cambridge, hatte sich um die Pflege des Griechischen dortselbst hoch verdient gemacht *); er mag auch unsern Gelehrten als Professor der griechischen Sprache gewonnen haben. Im August 1511 siedelte Erasmus an seine neue Wirkungsstätte über, da, wie wir annehmen müssen, die ersten Briefe aus Cambridge ep. 117 und 118 (24. und 25. August) sind. Er machte Colet und Ammonio Mitteilung von den Beschwerden der Reise, auf der er von Bovillus (Bullock) begleitet war, dem Docenten für Mathematik in Cambridge, worauf sich auch die scherzhafte An- n tili ^^m j ■■.;■ fcl l ) Vgl. Mullinger, The University of Cambridge. Cambridge 1873. S. 496. ^^^^^^ s fBBga 1 | ■. ^^H HS» ■i mm. 134 spielung auf seine astronomischen Beobachtungen beziehen mag. Seine Vorlesungen hat Erasmus noch nicht begonnen: das spricht gegen die Annahme eines Aufenthalts in Cambridge vor dieser Zeit; zur Kräftigung seiner wie stets angegriffenen Gesundheit bittet er Ammonio um eine Flasche („lagena") griechischen Weines, für den er ihm sofort das Geld zusenden will. Über diesen Zusatz zeigte sich das Zartgefühl des Freundes ein wenig verletzt, und Erasmus suchte ihn zu beschwichtigen (ep. 116, fälschlich 17. August); zugleich lud er ihn zu einem Besuche nach Cambridge ein; nebenher erwähnte er ein Gerücht vom Tode Julius' II. Aus diesem Zusammenhange ergiebt sich, dass ep. 116 auf ep. 118 folgt, also nicht auf den 17. August, sondern etwa in den Anfang des September fällt; dagegen scheint ep. 116 vor dem 13. September, also vor ep. 149, zu liegen. — Diese 3 Briefe sind die einzigen aus Queen's College datierten, in dem Erasmus nur wenige Tage wohnen wollte (ep. 118). Hochfliegende Hoffnungen setzte Erasmus auf seine Cambridger Professur nicht; wie er spöttisch darüber spricht (ep. 117), mag er sie als vorübergehenden Unterschlupf betrachtet haben, den er bei jeder günstigen Strömung, nach der er unablässig ausschaute, zu verlassen bereit war. Da musste es denn seinen optimistischen Glauben an die englische Opferwilligkeit tief herabstimmen, als er auf keiner Seite, auch bei den Männern der Wissenschaft nicht, ein Entgegenkommen sah. John Colet, der Dekan zu St. Pauli in London, hatte 1510 als Depen- denz seiner Kirche die Paulsschule gegründet, zu deren Gunsten er, ein wohlhabender Mann, am 4. November 1511 ein Legat aussetzte 1 ). In dem Bestreben, alle Kräfte für sein junges Unternehmen zu gewinnen, hatte er bei Erasmus durchgesetzt, dass dieser sein neues Werk „De duplici copia verborum ac rerum", das er dem jungen Prinzen Karl von Burgund, seinem Fürsten, zu widmen gedachte, für die Paulsschule bestimmte, allerdings nur gegen eine Entschädigung 2 ); das geschah im April 1512. Da Colet Linacre, den Leibarzt des Königs, durch die Zurückweisung seiner Grammatik für die Paulsschule verletzt zu haben glaubte, beruhigte ihn Erasmus darüber (ep. 149, 13. Sept.); er sandte *) Knight, Leben Colets; übers, v. Arnold. Leipzig 1735. S. 309 f. — Seebohm, a. a. 0. 138 ff. — Hartfelder, Das Ideal einer Humanistenschule, in d. „Verhandl. d. 41. Versamml. Dtsch. Philol. u. Schulmänner in München. Leipz. 1892. S. 166 ff. 2 ) vgl. ep. 115, S. 107 A, u. den Catal. Lucubr. an Botzheim, Opp. I, [3]: „extorsit potius quam impetravit". ■■■■,.■;■■■.■;■•■■..'■ MB SB H ™f 135 ihm das „Officium" des Chrysostomus und einen Brief, und teilte ihm mit, dass er den Commentar des Basilius zum Jesaias für den Bischof von Rochester übersetze, um von ihm eine Unterstützung zu erhalten; zum Schluss bat er, Croke, der gegenwärtig in Paris sei J ), und der, wie wir wissen, dem Erasmus hei der Herausgabe seiner „Moria" schätzbare Dienste geleistet hatte, zu unterstützen. Diese Bitte rief einen peinlichen Zwischenfall hervor. In seiner Antwort (App. 4) rühmte Colet die Studien seines Freundes, den er noch einmal für seine Schule zu gewinnen hoffte; doch für Croke etwas zu thun, schlug er rundweg ab; er belächelte die Naivetät des Erasmus, in seiner eigenen Bedürftigkeit für Croke zu bitten; „doch", schloss er, „wenn Du demütig bittest, habe ich vielleicht für Dich etwas übrig". Erasmus sah in diesem Scherze nur eine Demütigung: „soll ich mich noch weiter wegwerfen als bisher, da ich doch schon Linacre zu wenig zartfühlend scheine?" das etwa ist der Inhalt seiner Antwort vom 29. Oktober 1511 (ep. 150). Aber die Not zwang ihn, die Demütigung zu übersehen: er nahm das Anerbieten Colets an. Doch seit dieser Zeit ist eine Verstimmung zwischen ihnen zurückgeblieben, die dann gelegentlich bei Erasmus zum Durchbruch kam. Zwar rühmte er stets Colet als einen seiner treuesten Freunde, aber er musste es doch noch öfter erfahren, dass der eigenwillige Patricier, den More später einmal als einen aus Princip zum Widerspruch geneigten Mann schildert 2 ), den gelehrten Vaganten in allen materiellen Fragen sich fern zu halten suchte. — In ep. 149 erwähnte Erasmus seiner Übersetzung des Jesaias- kommentars von Basilius, die er dem Bischof Fisher zu widmen gedachte; er brach, wie wir aus ep. 150 erfahren, die Übersetzung ab, als ihm Zweifel an der Autorschaft des Basilius aufstiegen, aber auch darum, weil der Bischof auf eine ihm zugesandte Probe sich abweisend äusserte. Die Widmung dieses von Erasmus 1532 veröffentlichten Bruchstückes ist „E tua Cantabrigia, anno MDX" datiert (Opp. VIII, 483), muss aber zwischen dem 13. September und 29. Oktober 1511 liegen; das Jahr ist wohl erst später hinzugefügt, denn 1510 können wir Erasmus nicht in Cambridge nachweisen. Ende September 1511 hatte Erasmus einen kurzen Besuch in London gemacht, ohne indes Colet zu sprechen; hier erfuhr er von OB HEB 1 KHK lyiwiwHiff ') also 1511, nicht 1513, wie u. a. Lee, im Dict. of Nat. Biogr. XIII, 119. 2 ) App. 52: „Solet, ut scis, disputandi gratia repugnare suadentibus, etiamsi id suadeant, in quod ille sua sponte maxime propendeat". Der Brief ist vom 22. Sept. 1516, nicht 25. Febr., s. unten S. 191f. f m HHm| 136 Colets Schreiben (App. 4), das er bis zum 5. Oktober noch nicht erhalten hatte (ep. 121) und das er nach seiner Rückkehr, wie wir gesehen, beantwortete. Vielleicht fällt der Besuch kurz nach dem 26. September, denn ep. 120 an Gonell, vom 26. Septbr., ist augenscheinlich kurz vor dem Aufbruch in der Freude über das gute Aussehen seines Pferdes geschrieben, dessen Pflege er Gonell anvertraut hatte Mit Sicherheit lässt sich indes das Datum dieses, übrigens recht unwesentlichen Briefes nicht, bestimmen. Dass ep. 121 in das Jahr 1511 gehört, zeigt, ausser dem gleichen Datum, auch die innere Ähnlichkeit mit ep. 122 an Ammonio, den er ebenfalls in London nicht angetroffen hatte. Mit dem Nuntius verband ihn immer engere Freundschaft. Auch Ammonio war, sein Glück zu suchen, nach dem Norden gekommen. Als Italiener und Schüler der päpstlichen Diplomatie ein ungleich gewandterer Höfling als der kränkliche Gelehrte, weniger nervös empfindsam, dabei ein uneigennütziger, treuer Freund und für Erasmus von hingebender Anhänglichkeit, war er vielleicht der rechte Mann dazu, das Glücksschifflein des mehr zum Denken als zum Handeln geneigten Gelehrten durch alle Klippen zu leiten. Bis zu seinem Tode, im J. 1517, ist Ammonio der Unterhändler des Erasmus in seinem Werben bei den englischen Bischöfen und dem päpstlichen Hofe; es giebt in den nächsten Jahren kaum einen wichtigeren Schritt, den Erasmus ohne seinen Freund thut, kaum ein Ereignis, das nicht herüber und hinüber diskutiert wird. Der Briefwechsel mit Ammonio ist der feste Kern, um den sich die mannigfachen Verhandlungen dieser Zeit krystallisieren. Den politischen Hintergrund für die Korrespondenz des Erasmus in diesem Jahre bilden die Kriege, welche die am 5. November 1511 zwischen Julius IL, Venedig und Spanien geschlossene „heilige Liga" gegen Frankreich führte. Erasmus, der von der grossen Welt abgeschlossen in Cambridge über die Grammatik des Chrysoloras Vorlesungen hielt, Hess sich von seinem diplomatischen Freunde mit grosser Regelmässigkeit über die politischen Ereignisse, für die er reges Interesse an den Tag legte, Bericht erstatten. Aus dieser Zeit stammt mit wenigen Ausnahmen die Reihe der Briefe 122 bis 142, die in der Leydener Ausgabe die Jahreszahlen 1511 und 1512 tragen. Dass sie indes in dieselbe Zeit gehören, lehrt sofort der Inhalt mit den ununterbrochenen Beziehungen auf einander. In ep. 122 vom 5. Oktober, zugleich mit ep. 121 an Colet, auf den auch der ergebnislose Besuch in London und die erwartete Ankunft Mountjoys hinweist, und in ep. 123 H 137 (16. Okt.) ziebt Erasmus Erkundigungen über den Krieg ein: „si quid est de rebus Italicis Gallicisque, quod tuto litteris committi potest" (ep. 122), ,, . . . quid procedant res Italicae, quid agat iuvictissimus Julius" (ep. 123). In 124 (Cambridge, . . . Okt.) sendet er Ammonio die leere Flasche des Weines, den Ammonio ihm auf seine am 25. August (ep. 118) ausgesprochene Bitte gesandt hatte, mit launigen Versen zurück und bittet, die beigefügten Briefe den Bischöfen zu übergeben. Diese 3 Briefe beantwortet Ammonio durch einen einzigen, ep. 125 (27. Okt.): „ego tres tuas epistolas accepi" ; er bestätigt den Empfang der Verse, hofft die Briefe des Erasmus in wenigen Tagen den Bischöfen von Durham und Winchester persönlich zu übergeben und teilt als Antwort auf ep. 122 und 123 die neuesten kriegerischen Ereignisse mit. Noch ehe Erasmus diesen Brief des Ammonio erhielt, schrieb er an ihn von neuem am 2. November (ep. 126); denn er nimmt hier keinen Bezug auf Ammonio's Mitteilungen, meldet dagegen nochmals die Übersendung der Weinflasche und der Verse und verspricht, zum 1. Januar nach London zu kommen; er fragt, wie die Bischöfe seine Briefe aufgenommen hätten und bittet, neue Briefe nach Italien zu befördern. Hierauf antwortet Ammonio am 8. November (ep. 127): er bedauert, dass Erasmus erst am 1. Januar nach London kommen wolle und meldet die Veröffentlichung und den Inhalt des Bundes Vertrages der heiligen Liga; des Erasmus Briefe wolle er am nächsten Tage nach Italien senden. Am 11. Novbr. (ep. 138) bestätigt Erasmus den Empfang des Briefes 127: „animadverti lagenam non cum proximis litteris, quas ad VI. Idus Novembres (d. i. 8. Novbr.) scripseras, sed cum superioribus fuisse missam"; er dankt für die unerwartete neue Weinspende und für die Ausführung seiner Aufträge; er berührt die Wohnungsfrage für seine bevorstehende Ankunft in London; seine ungünstigen Verhältnisse lassen ihn die Kückkehr aus Italien bedauern, aber er will wenigstens die gegenwärtige Lage, so gut es geht, ausnutzen: „Set xö rcap&v eö xifteaiW. Diese letzten Punkte finden wir in der Antwort Ammonios vom 18. Novbr. (ep. 128) wieder: auch er bedauert, Italien verlassen zu haben, und das mit mehr Grund als Erasmus; dann macht er verschiedene Vorschläge zur Wahl der Wohnung in London. Am 26. Novbr. (ep. 130) konnte Erasmus auch den erst zwei Tage vorher eingetroffenen Brief Ammonios vom 27. October (ep. 125) beantworten: „tandem ad VIII. Kai. Decbr. mihi redditae sunt tuae litterae, quas VI. Kai. Nov. scripseras"; er lehnt bescheiden das Lob seiner Verse ab, die nur seiner Freundschaft für Ammonio entsprungen seien; er spöttelt über die friedliche Wallfahrt des kriegerischen Julius nach i ■ m i ■ m '■ I ■I H g i ■ 138 Loretto, von der ihm Amnionio berichtet hatte, und beklagt das von Kriegen zerrüttete Italien. Schon am folgenden Tage schickte er mit einem kurzen Billet (ep. 139) an Amnionio den Icaromenippus des Lucian, dessen Empfang jener am 5. December (ep. 132) bestätigte. Am 28. November (ep. 140), wo er das Übergewicht der Franzosen in Italien und den Fortgang des schismatischen Konzils von Pisa meldet, äussert Ammonio auch die Zuversicht, die Wohnungsfrage in London zur Zufriedenheit zu lösen. Die letzten Briefe, 128 vom 18. Novbr. und 140 vom 28. Novbr., beantwortet Erasmus eingehender am 2. December (ep. 141): „aceepi tuas binas litteras, quas his unis re- spondeo"; seine Ansprüche an die Wohnung seien sehr bescheiden; er tröstet den Freund über seine Abwesenheit von Rom und giebt auch ihm den Rat, nicht rückwärts sondern vorwärts zu schauen: „xo rcapöv eu Ttfreafrai". Auf die Aufforderung des Ammonio, ihm den Weg zu diesem Ziele näher anzugeben (ep. 132, vom 5. Decbr.), giebt Erasmus unverhüllt seine praktische Lebensphilosophie preis (ep. 142, 9. Decbr.): „Zeige eine dreiste Stirn, dass Dich nichts je schäme; mische Dich in alle Dinge; wen du kannst, schiebe zur Seite; liebe niemand, hasse niemand von Herzen, sondern miss alles nach Deinem Vorteil; gieb nur, wo Du Zinsen erwarten kannst! Du kennst den eifersüchtigen Ehrgeiz („^rjXotura'a") der Britten, vernutze ihn zu Deinem Vorteil!" — Alle diese Briefe bilden also eine un unterbrochene Kette und sind im Laufe weniger Wochen geschrieben; wir müssen sie dem Jahre 1511 zuweisen, da die politischen Ereignisse, die ihren Inhalt ausmachen, dieser Zeit angehören 1 ). Ein von Neve 2 ) mitgeteilter, gänzlich undatierter und fast jedes Anhaltes zu einer Datierung ermangelnder Brief von Hieronymus Bus- leyden, dem Propst von Aire in Artois und Mitgliede des Grossen Rates in Hecheln, scheint in dieser Zeit zu liegen. Busleyden hat nach langer Erwartung von Erasmus einen Brief erhalten; er freut sich, dass dadurch das Gerücht von seinem Tode widerlegt ist und hofft, noch einmal näher und nachbarlicher mit ihm zu leben (aliquando daturus nos propius atque vicinius agere); er geht auf den Brief ein und tadelt seine allzu freimütige Kritik der Könige, die man doch sicherer vertrauten Ohren als dem Briefe anvertraue; es könnte sich gar leicht ein Angeber finden, deren, wie Erasmus wohl wisse, an ') Vgl. Ulmann, Kaiser Maximilian I. 1891. II, 431 ff. 2 ) Felix Neve, La renaissance des lettres et l'essor de l'e"rudition an- cienne en Belgique. Louvain 1890. S. 122 f. ■V«: ( ■ I^B mm Sswäs 139 Fürstenhöfen es eine stattliche Zahl gebe. Was die erwartete Pfründe anlange (de sacerdotio tibi parando), so solle er nur die Hoffnung nicht verlieren, da sie ihm so feierlich und oft zugesagt sei; er solle nur „täglich" seineu Maecen drängen, der ihm so viel verdanke und in dessen Dienste Erasmus schou so viele Jahre sich mühe; „uecesse est, mo- destiae tuae oblitus, perfrices frontem: dediscas esse philosophum te: induas personam clientuli cuiusvis improbissimi". Die letzten Worte weisen in ihrer Tendenz und einem wörtlichen Ausdruck (perfrices frontem) auffallend auf die Lebensregeln, die Erasmus am 9. December 1511 (ep. 142) Ammonio gab; sollte der Brief von Busleydeu jenen inspiriert haben? Das wäre möglich, wenn wir auch sonst Gründe haben, die für die Gleichzeitigkeit beider sprechen. Das Gerücht von dem Tode des Erasmus ist vielleicht das später von Bebel erwähnte (App. 19); die in weiter Ferne liegende Hoffnung Busleydens, „einmal" (aliquando) Erasmus in seiner Nähe zu sehen, ist zu allgemein gehalten und lässt nur schliessen, dass Busleydeu lange von Erasmus getrennt war und dass dieser noch nicht den Plan hatte, nach Brabant zu ziehen. Die erwartete Pfründe kann sich auf drei Fälle beziehen: auf das uns bekannte Versprechen Warhams, auf ein späteres von Wolsey, der 1515 Tournay ihm in Aussicht stellte.') und auf die Bewerbung bei dem burgundischen Kanzler Sauvage, durch deu Erasmus 1516 die Pfründe Courtray erhielt 2 ). Aber in den Jahren 1515 und 1510 reiste Erasmus wiederholt durch die Niederlande, im Juli 1515 können wir ihn sogar in Hecheln selbst nachweisen, und im Jahre 1516 wurde der Wunsch Busleydens, Erasmus in seiner Nähe zu haben, erfüllt; seit dem September 1516 finden wir sie auch im Briefwechsel 3 ). Die Unzufriedenheit des Erasmus mit den Königen oder allgemeiner „Fürsten" trifft mehr Heinrich VIII. als den jugendlichen Karl von Burgund; dass er von diesem persönlich etwas erwartete, finden wir nirgends, seine Hoffnungen hatte er auf Sauvage gesetzt; dagegen hatte er von dem englischen Könige so häufig Beweise des Wohlwollens erfahren, dass er sich von ihm wohl etwas versprechen durfte. Was wir hier über den ungenannten Mäcen erfahren, lässt sich eher auf Warham als auf Sauvage deuten. Erasmus sollte „täglich" in ihn dringen, er wohnte also in derselben Stadt; nach Brüssel zu Sauvage kam er erst, als die Entscheidung schon zu seinen Gunsten gefallen war; dagegen war Erasmus wo nicht ständig, so doch häufig in London, von wo aus er wohl auch an Busleyden geschrieben hatte. Besonders kann der J ) S. unten S. 168. 2 ) S. unten S. 184f. 3 ) S. unten S. 194. «SB HHH : '> .V-'.i' m ■ 140 Ausdruck „cui iam tot annos tuum desadat ingenium" wohl nur auf Warham bezogen werden, den er seit der 2. Reise nach England (1505 —1506) kannte. Nehmen wir hinzu, dass hier noch keines der Werke des Erasmus genannt ist, so erhalten wir als spätestes Datum des Briefes Ende 1511, da schon im Februar 1512 Warham seinem Schützling die ersehnte Pfründe übertrug. Während des Januars 1512 hielt sich Erasmus in London auf, wohin er sich für den 1. Januar angemeldet hatte;-er wollte wohl die Wirkung der „Köder", die er zum Jahreswechsel auszuwerfen beabsichtigte (ep. 139), persönlich beobachten. Einer von diesen fiel auch Warham zu; denn die Übersetzung der Saturnalien des Lucian, die er an den Erzbischof mit ep. 189 (also etwa Anfang Januar 1512) sandte, gehören in diese Zeit, da sie, gleichzeitig mit dem ja auch im November und December (ep. 139 und 132) genannten Icaromenippus u. a., am 29. April 1512 Warham gewidmet wurden (Opp. I, 183). Erasmus überreichte also vorläufig nur handschriftliche Exemplare, wie er auch Ammonio gebeten hatte, den Icaromenippus sauber abschreiben zu lassen. Auf diese Zeit weist auch die Fülle der Geschäfte Warhams, die Erasmus erwähnt und die wir auf die Reformsynode des Klerus der Diöcese Canterbury beziehen können, die durch königliches Mandat vom 28. November 1511 berufen und am 6. Februar 1512 eröffnet wurde'). Bis gegen die Mitte des Februar finden wir Erasmus noch in der Residenz, und nur einem Zufall hatte es es zuzuschreiben, dass er wieder nach Cambridge zurückkehrte. Der Bischof Fisher von Rochester, der seinen Monarchen auf dem zum 19. April 1512 berufenen Laterankonzil vertreten sollte und dessen Kreditiv von dem Könige am 4. Februar unterzeichnet war 2 ), hatte den Gelehrten zu seinem Begleiter ausersehen; aber da diesem das Anerbieten zu plötzlich und zu spät gemacht wurde, musste er es — ohne grossen Schmerz, wie es scheint — ablehnen. Aber er Hess die Gelegenheit nicht vorübergehen, der Gesandtschaft einige Briefe mitzugeben, die zum ersten Male eine hoffnnngsfrohe Stimmung spiegeln. „Ich bin fast ganz", schreibt er an Anton von Berghes, den Abt von St Bertin 3 ) (ep. 135, ') Letters and papers, foreign and domestic, of the reign of Henry VIII», ed. by Brewer. London 1862 ff. I, Nr. 2004 u. 2090. a ) Brewer I, No. 2085; vgl. Hefele, Concilien-Geschichte. Freiburg i. Br. 1887. VIII, 497ff. 3 ) Über diesen vgl. Goethals, Hist. des lettres, des sciences et arts en Belgique. Brüssel 1840. I, 85 ff. i ■"■'-,,'.-•■■• an -■■■■■•■■■■■■■ ITilHnfll '■W*^ ■ MB ■Ul .141 BvsBisfi? 6. Febr. 1512), „zu einem Engländer geworden, mit so ausgezeichnetem Wohlwollen behandeln mich viele, zumal mein Maecen, der Erzbischof von Canterbury". Ihn rühmt er auch dem in Rom anwesenden Kardinal Guibö von Nantes 1 ) gegenüber (ep. 136, 8. Februar 1512), als den Einzigen, dessen Güte seine unbezwingbare Sehnsucht nach Rom stillen könne. Kaum mehr als ein Billet empfing Thomas Halsey 2 ) (ep. 109, 8. Febr. 1512), dem er Grüsse an den englischen Gesandten Pace und den ungarischen Gesandten Johannes Polonus auftrug. Ob diese Briefe ihrer Bestimmung richtig und ohne Verzug zugeführt wurden, wissen wir nicht; denn die Gesandtschaft war infolge der Aufschiebung des Konzils zurückberufen worden, wie Erasmus bei seinem Aufbruch von London erfuhr; und erst im April 1512 empfingen die Vertreter Englands eine neue Vollmacht für das Konzil, dessen Eröffnung denn auch am 3. Mai erfolgte 3 ). Die letzte Londoner Reise war insofern nicht ergebnislos, als Erasmus nun in nähere Beziehungen zum Erzbischof Warham trat. Denn es ist auffällig, dass Warham, der doch nach Mountjoys Mitteilung an Erasmus diesem eine Pfründe in Aussicht gestellt hatte, in den Briefen an und von Ammonio in den letzten Jahren kaum irgendwo erwähnt wird. Nur um die Bischöfe von Durham und Winchester bewirbt sich Erasmus, ja, wie aus ep. 128 geschlossen werden kann, sucht er von diesem eine Pfründe zu erhalten; von Warham nirgends auch nur ein Wort. Hatte Mountjoy's Enthusiasmus ihm mehr versprochen, als Warham zu bieten imstande war? hatte er etwa eine flüchtige Andeutung des Erzbischofs als Versprechen aufgefasst? wir wissen es nicht. Doch so viel geht aus den Briefen hervor: umworben war Erasmus in England noch nicht; Mountjoy Hess kaum etwas von sich hören, Colet behandelte ihn um so hochmütiger, je devoter er wurde, die Bischöfe von Winchester und Durham speisten ihn mit allgemeinen Versprechungen ab, wie wohl viele andere, die ihnen mit ähnlichen Anliegen kamen; Fisher von Rochester hatte ihm eine, übrigens wenig *) vgl. Hefele VIII, 508; er starb 1513, war aber seit 1511 nicht mehr Bischof von Nantes, wenn wir Garns (Series episcoporum, Regensburg 1873. S. 582) glauben dürfen. ' 2 ) In ep. 590 (S. 661 E) nennt Erasmus Halsey Bischof von Elphin ; Garns (S. 220) kennt nur einen Thomas Walsh als Bischof von Elphin. Nach Brewer (I, 1478 Anm., wo aber der Brief in d. J. 1511 gelegt ist) war Halsey Bischof von Leighlin in Irland und Busspriester der englischen Nation in Rom. 3 ) Brewer I, No. 3108. Hefele VIII, 497 ff. 142 einträgliche Professur in Cambridge verschafft, das war aber alles; seinen Unterstützungsgesuchen wich er aus und glaubte nicht oder gab vor nicht zu glauben, dass Erasmus den Jesaiaskommentar des Basilius selbst übersetzt habe. Eine Änderung trat erst ein, als Warham sich des Gelehrten annahm und von nun an ununterbrochen in Wort und That sein Gönner blieb; er zeigte von allen Engländern am meisten ein Verständnis für seinen Schützling und wandte ihm mehr als alle andern eine rein menschliche Teilnahme zu. Im Januar 1512 hatte ihm offenbar Warham seine Absicht mitgeteilt, ihm ein Kanonikat zu übertragen, denn die Briefe vom 6. und 8. Februar stehen ganz unter dem frischen Eindrucke dieser frohen Wendung. Am 16. Februar (ep. 113) bat Erasmus von Cambridge aus seinen Freund Ammonio, ihm gewisse wichtige Nachrichten, die er erwartete, möglichst schnell zugehen zu lassen. Als sie eintrafen, eilte Erasmus nach London zurück, und am 22. März machte Warham ihn zum Inhaber der Pfründe Aldington in Kent. Die Urkunde ist datiert: „22. die Martii anno 1511, nostrae translationis anno nono"; es ergiebt sich leicht, dass hier die Jahresrechnung nach dem Ostertermin zu Grunde gelegt ist, denn Warham wurde am 29. November 1503 Erzbischof von Canterbury, und Erasmus hatte nach Ammonio's Erklärung dem Bischof von Winchester gegenüber (ep. 128) im November 1511 noch keine Priesterstelle bekleidet. Die amtlichen Pflichten, nicht bloss die Einkünfte des Kanonikats zu übernehmen, hat Erasmus natürlich nie beabsichtigt; denn schon 4 Tage darauf, am 26. März, betraute er Wilhelm Shragar und Richard Hardyng durch eine vom Notar Wilhelm Goldsmith beglaubigte Urkunde mit der Verwaltung der Pfründe, und am 31. Juli desselben Jahres leistete er unter Zustimmung Warhams zu Gunsten des Bischofs von Ciron, John Thorneton, gegen eine aus den Einkünften der Pfarre in zwei jährlichen Raten zu zahlende Rente von 20 Pfund auf sie gänzlich Verzicht 1 ). In den Februar oder März 1512, nach der Rückkehr des Erasmus aus London, wie ausdrücklich gesagt, muss App. 406 von Colet fallen; denn die diesem Briefe beigegebene „Oratio" ist die Rede, die Colet zur Eröffnung der Reformsynode im Erzbistum Canterbury am 6. Februar *) Die Urkunden sind abgedruckt bei Vischer, Erasmiana. Progr. zur Rectoratsfeier der Univ. Basel. Basel 1876. S. 8 ff. — Die Bestallungsurkunde (bei Vischer No. I) findet sich auch in Knight's Leben des Erasmus, übers, v. Arnold. Leipz. 1736. Anhang S. 34 f. ' 8 ■■-:.■ ■■:'<.';■.""" ■ -'," v-,V. , .• ..'•■ ^^^^^^^^3pK 143 1512 hielt 1 ). Der Wunsch Colets, bald den 2. Teil der „Copia" fertiggestellt zu sehen, wurde schnell erfüllt: am 29. April 1512 konnte Erasmus die Widmung dieses Buches datieren (Opp. omn. I, 1), das nicht lange darauf gedruckt wurde 2 ). Die Widmung ist in London geschrieben; entweder also war Erasmus von Ende März ab in der Hauptstadt geblieben oder hierher zurückgekehrt. Am 8. Mai schon holte er von Cambridge aus (ep. 114) bei Ammonio Nachrichten über die oberitalienischen Kriege und Papst Julius II. ein — ein Grund gegen das Datum 1513, da der Papst am 21. Februar 1513 starb, während andererseits im Mai 1511 Erasmus noch nicht in Cambridge war. Auf das Jahr 1512 weist auch die Teilnahme an den kirchlichen Angelegenheiten, für deren Fortgang er eine Wallfahrt nach Walsingham plante, mögen wir diese Äusserung nun auf die Diöcesansynode in London oder auf das Laterankonzil beziehen, wenn auch dessen Eröffnung am 3. Mai ihm noch nicht bekannt sein konnte. Sein Gelübde führte Erasmus aus; er beschreibt die Wallfahrt, wahrscheinlich mit den Ausschmückungen der poetischen Lizenz, in seinen Colloquien 3 ). Wenn ep. 114 der einzige Hinweis in den Briefen auf die Wallfahrt nach Walsingham ist, so finden wir eine andere in demselben Colloquium geschilderte Heise, zum Grabe des Thomas Bekket nach Canterbury, überhaupt nicht erwähnt. Dass die Reise nach Walsingham in den Sommer 1512 fällt, dafür spricht ep. 114 mit aller Wahrscheinlichkeit; wenn die nach Canterbury nicht etwa eine blosse Fiktion ist, mag sie in dieselbe Zeit gehören. Denn in Cambridge scheint Erasmus nicht gewesen zu sein, weil die Korrespondenz hier eine grosse Lücke aufweist; in London wissen wir ihn nur am *) Vgl. Seebohm S. 154 ff. — Der Druck erfolgte bald darauf, und das irrtümliche Datum 1511 des Pynsonschen Druckes (Panzer, Anuales typo- graphlci VII, 240 No. 27) ist wohl, wie so oft, auf die Osterrechnung zurückzuführen. 2 ) Nach Seehohm (148, Anm. 3, ohne Angabe der Gründe) im Mai 1512; der erste datierte Druck erschien im Januar 1513: Panzer, Ann. typ. VI, 61, 289. Der erste Druck überhaupt ist in Paris zu suchen; mit der Angabe des Erasmus in App. 13 (apud Parisios ateunque edita) stimmt die Mitteilung Sebastian Murrho's an seinen Lehrer Joh. Gebwiler vom 17. Jan. 1513 überein, dass Joh. Kierher das Werk im Herbst 1512 aus Paris mitgebracht habe; vgl. Knod, im Centralblatt für Bibliothekwesen V (1888), S. 464 Anm. 3. 3 ) Colloquium „Peregrinatio religionis ergo", Opp. I, 774 ff. Seebohm (S. 201 ff.) legt die Wallfahrt in das J. 1513, obwohl er sich inkonsequent auf Brewer (I, 1652) bezieht, der doch ep. 114 1511 datiert. V Hl 144 31. Juli bei der Verzichtleistung auf Aldington anwesend, lind es heisst in dem Colloquium, dass er von Canterbury nach London zurückritt. Im Oktober ist er wieder in Cambridge zu finden. Am 28. Oktober (natali Simonis et Judae) schrieb er nach London an den Juristen Johann Sixtin ans Friesland einen nicht vorhandenen Brief, wahrscheinlich als Antwort auf Sixtins Brief vom 18. Oktober (ohne Jahr, App. 493), der sich beklagt, dass Erasmus an die Londoner Freunde, nur nicht an ihn schreibe. Denn in dem nächsten Briefe vom 20. November (App. 1) freut sich Sixtin, dass Erasmus seine Sehnsucht gestillt habe. Der Herausgeber hat ihn nach einem zufällig auch vom 28. Oktober datierten Briefe (ep. 13), zu dem er innerlich gar keine Beziehungen hat, fahrlässig genug in das Jahr 1497 gelegt. Die Vollendung der „Copia", von der Sixtin sich ein Exemplar wünscht, lässt kein früheres, und da der Druck neu zu sein scheint, auch kein späteres Datum als 1512 zu. Läge er im J. 1513, so wäre es zudem unerklärlich, dass Sixtin, dem Erasmus am 28. Oktober seine baldige Ankunft in London in Aussicht gestellt hat, keinen der beiden Besuche erwähnt, die er im Anfang September und Ende Oktober der Hauptstadt abstattete 1 ). In die Zeit dieses Aufenthalts in Cambridge ist ein unvollständig datierter (9. November) und nicht adressierter Brief zu legen, der, bisher ungedruckt, von Brewer im Auszuge mitgeteilt worden ist 2 ). Erasmus hat von dem Empfänger zugleich mit einem Briefe am 24. Oktober einen Käse erhalten; das Geschenk erwidert er mit der Zusendung eines Manuscriptes (codicillum) von Vegius „De pueris educandis", das ihm sehr nützlich sein werde. Wir dürfen hieraus schliessen, dass der Brief an Colet gerichtet ist; dann kann er aber nur 1512 liegen, da die Briefe an Colet vom 29. Oktober 1511 (ep. 150) und vom 1. November 1513 (ep. 107) 3 ) nicht auf einen am 24. Oktober empfangenen Bezug nehmen; 1513 war Erasmus auch Ende Oktober in London. Im Winter 1512 wird Erasmus, wie gewöhnlich, sich in London aufgehalten haben; von hier aus ist am 1. Januar 1513 die Widmung von Plutarch's „De tuenda bona valetudine" an John Young, den Vorsteher der königl. Kanzlei, datiert 4 ), während im übrigen der Briefwechsel eine Lücke >) S. unten S. 149. 2 ) Brewer I, No. 5570, fälschlich in d. J. 1514 gelegt. 3 ) Zum Datum siehe unten S. 149. 4 ) Der erste Druck ist noch vom Jahre 1513; vgl. Van Iseghem, Biographie de Thierry Martens d'Alost. Alost 1852. S. 243 No. 76. — Die Widmung fehlt in der Leydener Ausgabe der Werke des Erasmus; sie ist ^H 145 aufweist, wie immer, wenn er mit seinen Freunden im persönlichen Verkehr stand. Dass das Datum der Widmung richtig ist, geht aus ep. 119 vom 1. September 1513 x ) hervor: „uyistva uapay^eAp-axa, quae quondam sacrorum scriniorum magistro nuncupavi." Wahrscheinlich ging er erst im Juli 1513 nach Cambridge zurück, denn am 28. November schrieb er Ammonio (ep. 131), dass er sich vor noch nicht 5 Monaten dorthin begeben. Das erste Zeichen seiner Anwesenheit ist ein Brief an Colet, verlegen scherzend, demütig, wie immer, wenn er ein Anliegen an ihn hatte; eine schroffe Abweisung war die Antwort, über die der Gelehrte sich mit einem klassischen Citate tröstete, ohne sich jedoch abhalten zu lassen, an seinen „stolzen Patron" noch einmal zu schreiben (ep. 115, 11. Juli 1513), diesmal mit dem zuerst wohl bescheiden vermiedenen Hinweis auf das Versprechen Colets bei der Widmung der „Copia", das noch nicht eingelöst war und dessen Erfüllung Erasmus „nicht als Schuld, sondern als Gefälligkeit" annehmen will. Im Juli 1512, wohin Drummond ep. 115 legt 2 ), mitten in der Freude über den Erwerb der Pfründe, hätte er nicht so jammervoll über seine Geldnöte geklagt. In einer Nachschrift macht er Mitteilung von der Beendigung der Textvergleichung des Neuen Testamentes und dem Beginn der Arbeit am Hieronymus, wobei ihm Lupset treffliche Dienste leiste, ein Schüler Colets, wie er ihn in einem Briefe an Thomas More nennt (ep. 112); dieser gehört also in dieselbe Zeit, und zwar vor ep. 115, da Lupset erst seit kurzem seinen Unterricht geniesst, während ihn ep. 115 schon in der Teilnahme an den Erasmischeu Studien zeigt. Für ep. 112 ergiebt sich das Jahr 1513 ausserdem aus der Mitteilung, dass Erasmus mit der Übersetzung von Plutarchs „De discernendo adulatorem ab amico" beschäftigt ist, das er in acht Tagen zu vollenden hofft. Er widmete die Schrift dem Könige Heinrich VIII., und in dem Briefe, mit dem er am 9. September 1517 die 3. Auflage begleitete (ep. 268), sagt er, dass er sie ihm zum ersten Male „in den Stürmen des Krieges" zugesandt habe; die Widmung 3 ) wird also in den August oder September 1513, den Höhepunkt des Krieges zwischen England und Frankreich zu legen sein. In diesen Krieg, dessen Schauplatz die Heimat des Erasmus abgedruckt bei Jortin, Life of Erasmus. London 1760. Setzung selbst: Opp. omu. IV, 29. ') Das Datum s. unten S. 147. 2 ) Drummond I, 218. ;l ) abgedruckt Opp. omn. IV, vor S. 1. Westd. Zeitschrift. Ergänzungslieft IX. II, 164. Die Ubor- 10 'Hü 11 HÜ! mm «n m;&mi SSse* 146 war, versetzt uns auch App. 387 (o. D.) an Peter Äegidius, den Stadt- sclireiber von Antwerpen. „Dici non potest," sagt er, „quam doleam nostros paulatim his involvi bellis, tot iam bellis vel, ut verius dieam, latrociniis divexatos." Diese „latrocinia" sind für ihn der geldrische Krieg, der nun schon wieder seit dem Jahre 1507 die Niederlande in Unruhe hielt 1 ). In das Jahr 1513 weist diesen Brief auch die Bitte um Nachricht über die Verhandlungen, die der oft auftretende Buchhändler Franeiscus (Bergmann oder Pirkmann) mit dem Drucker Bade in Paris über ein Manuscript des Erasmus pflog. Seine Unruhe beschwichtigte bald ein fälschlich 1515 datierter Brief des Bade vom 20. August (App. 28), in dem dieser Klage führt, dass durch den Neudruck der „Adagia" in Oberdeutschland „cum praeconio tuo novo et instrumento" sein geschäftliches Interesse beeinträchtigt werde. Diese so von Bade beschriebene Ausgabe der „Adagia", nämlich in der neuen Aldinischen Cursivschrift und mit einer für Erasmus ehrenvollen Vorrede Frobens, erschien 1513 in Basel 2 ); auch das Werk Bude's „De Asse", an das der französische Gelehrte die letzte Hand legt (Budaeus opus De Asse relambit), kam im März 1514 bei Bade heraus 3 ). Über die Verheerungen des Krieges in dem Vaterlande klagt Erasmus auch in einem Briefe an den Fürsten von Weere, Adolf von Burgund (ep. 143), mehr aber noch über die Enttäuschungen, die ihm die letzten Jahre in England gebracht haben; er bedauert, vor 3 Jahren, wahrscheinlich auf der Rückreise von Paris, wie wir gesehen, seiner Einladung nach der Heimat kein Gehör geschenkt zu haben und wünscht nichts weiter, als wie Odysseus den aufsteigenden Rauch der heimatlichen Hütten zu sehen. Es waren die trübsten und drückendsten Tage, die Erasmus in England sah. Seine Professur hatte er noch bis zum Ende des Jahres 1513 inne, ohne indes materiell gesichert zu sein. Dringend, offenbar unter dem Zwange hoher Not, stellte er an den Bischof Fisher das Ansinnen, ihn aus den seiner Obhut anvertrauten Fonds zu unterstützen; fast schmerzlich bewegt muss dieser es ablehnen (App. 430), aber er spendet ihm doch von dem Eigenen; er tröstet ihn mit der Hoffnung auf Mountjoy und will sich selbst bei diesem ') Vgl. Henne, Histoire du regne de Charles-Quint en Belgique. I (1858). S. 249 ff. 2 ) Stockmeyer und Reber, Beiträge zur Basler Buchdruckergeschichte. Basel 1840. S. 87 u. 88. 3 ) Panzer VIII, 12 No. 699; vgl. Stockmeyer u. Reber (Beiträge zur Basler Buchdruckergeschichte. Basel 1840). S. 87. ^^ 147 verwenden, um nicht seine Universität ihres griechischen Lehrers zu berauben. Dieser Brief mag im Sommer 1513 geschrieben sein, spätestens im August, wo Erasmus selbst in London war, und demnach vor ep. 143. Denn am 1. September bat die Universität Cambridge den Lord um einen Zuschuss zu dem hohen Gehalt ihres griechischen Professors, den sie sonst verlieren müsste 1 ). Durch die Teilnahme seiner Gönner an den politischen und kriegerischen Wirren wurde sein Schicksal noch mehr in den Hintergrund gedrängt. „Der Krieg,"' schrieb er einige Monate später (ep. 144), „hat den Geist dieser Insel plötzlich umgewandelt." Am 5. April 1513 war Heinrich VIII. dem antifranzösischen Bündnis beigetreten, im Juni setzten die englischen Streitkräfte nach Calais über, und nach der „Sporenschlacht" bei Guinegate ergab sich am 25. September Tournay in die Hände des Siegers 2 ). Zu derselben Zeit war dem englischen Könige in seinem Schwager Jacob IV. von Schottland ein neuer Feind erstauden; aber schnell ging die Gefahr für England vorüber: in der Schlacht bei Flodden, am 9. September, verlor Jacob sein Leben, ihm zur Seite sein natürlicher Sohn Alexander (Stewart), der junge Erzbischof von St. Andrews, dessen Studien einst Erasmus in Padua geleitet hatte 8 ). Im Lager Heinrichs VIII. befand sich auch Ammonio, und in seinem Briefwechsel mit Erasmus ziehen alle diese Ereignisse vorüber. In seinem ersten Briefe nach der Bückkehr, ep. 186 vom 25. Novbr. 4 ), erwähnt Ammonio dreier Briefe, die er von Erasmus im Lager erhalten habe; den ersten habe er sofort von dort aus beantwortet. Dieser erste Brief ist uns nicht erhalten, eben so wenig die Antwort Ammonio's. Den letzten („novissimas") erhielt er bei seinem Fortgang aus Frankreich, und aus der Antwort, die er jetzt erst auf die Aufträge seines Freundes erteilt, sehen wir, dass es ep. 119 vom 1. September ist: er hat den Abt von St. Bertin gegrüsst, ihm das Verzeichnis seiner Freunde in St. Omer vorgelesen, die Erasmus in ep. 119 in der That aufzählt, und er hat dem Kanzleivorsteher des Königs (John Young) die ihm gewidmete Plutarchübersetzung gegeben, nämlich nach ep. 119 die „öyieiva Tiapay-j'eX[xaxa", die 1513 im Druck erschienen. Den ') Mitgeteilt bei Brewer I, 4428. 2 ) Vgl. Ulmann, a. a. 0. II, 460 ff. 3 ) Vgl. Brewer, Bd. I, Introduction S. LI ff. Nolhac, Erasme en Italie S. 53 f. 4 ) septimc- Kai. Decbr., nach der Basler Ausg. d. Briefe vom J. 1538 (S. 305), nicht 24. November, wie die Leydener Ausg. hat. 10* IHIH mm ..... ' §W: • 1 ' i ■ §| -■ mm | ■ .., ■„-.■■ 0 • s3§ Hga 148 zweiten Brief besitzen wir nicht; die in ep. 186 erwähnte Nachricht dass der Bischof von Durham ihm 10 Kronen geschenkt, und der Glückwunsch zu Ammonio's Beförderung (zum königlichen Sekretär) findet sich zwar in ep. 129, und das Datum (26. November) würde bei der steten Unsicherheit der Datierung allein kein Hindernis sein, ihn als den erwähnten 2. Brief zu betrachten. Aber die sonstigen Hinweise des Briefes 186 auf einen solchen des Erasmus fehlen in ep. 129. Erasmus hatte geschrieben, dass er aus Furcht vor der Pest Cambridge verlassen habe, davon steht in 129 nichts; die Unterredung mit dem Bischof von Durham über Ammonio, die diesen so interessiert, findet sich dort nicht; auch den Ausdruck „fortissimus", den Erasmus dem Freunde beigelegt hat, suchen wir vergebens in ep. 129. Und umgekehrt weiss Ammonio am 25. November nichts von der Nachschrift zu ep. 129, die bittere Klage führt über jemand, „den Ammonio wohl kenne," der ihn so schmählich im Stiche gelassen habe und von dem er doch abhänge 1 ). Dies Billet ist also nur eine vor dem Eintreffen von ep. 186 geschriebene teilweise Wiederholung des verlorenen Briefes, den wir in den August setzen würden. Die Antwort auf ep. 186 ist ep. 131 vom 28. Novbr.: Erasmus hat nur diesen einen Brief erhalten, der erste war verloren; er wiederholt und ergänzt seinen Bericht über das Gespräch mit dem Bischof von Durham, und er verteidigt scherzhaft seinen Ausdruck „fortissimus". Dagegen enthält ep. 186 nicht die Bezeichnung „sanctissimus", die Ammonio auf Erasmus angewandt haben soll; wahrscheinlich fand sich das Wort ursprünglich in dem Briefe des Ammonio und ist bei der Herausgabe der allgemeinen Phrase gewichen: „quod me fortissimum appellas, pari te talione percutiam." Ammonio schickte darauf eine Hymne auf die jüngsten Waffenthaten König Heinrichs; in ep. 111 (21. Dezember) unterzieht sie Erasmus einer scherzhaften Kritik, die in eine beissende Satire auf die ewigen Geldnöte des Kaisers Max ausläuft 2 ). Die Richtigstellung der Aeusserung des Bischofs von Durham und die Erwähnung des schottischen Krieges, dessen Geschichtsschreiber Ammonio geworden war, weisen auf den Zusammenhang mit der oben besprochenen Briefgruppe, deren Zugehörigkeit zum Jahre 1513 keinem Zweifel begegnen kann. J ) Er scheint Mountjoy im Sinne zu haben, denn dieselbe Klage findet sich in ep. 111 vom 21. Dezember mit deutlicherer Anspielung auf ihn, der „ihn in den Hafen gerufen." 2 ) Auch Erasmus hatte in einem Epigramm für die Saciie der Engländer das Wort genommen; s. Opp. omn. I, 1224 F: „In fugam Gallorum insequen- tilms Anelis." im ^^ 149 In diese Zeit ist auch ein Brief an Colet zu legen: ep. 107 (dat. Cambridge, 1. November), den Brewer und nach ihm Seebohm dem Jahre 1512 zuweisen 1 ). Die Thätigkeit des Erasmus im Herbst 1512 entzieht sieh allerdings unserer Kontrole, und es wäre möglich, dass er zweimal in London gewesen ist, ohne Colet zu begrüssen, wie es in ep. 107 heisst; denn das Datum von App. 493 und App. 1, welche die Annahme einer solchen Reise nach Loudon abweisen, lässt sich hauptsächlich gerade durch ep. 107 bestimmen. Es würde aber eben so nahe liegen, ep. 107 mit 121, vom 5. Oktober 1511, in Verbindung zu bringen; auch hier entschuldigt sich Erasmus wegen der unterlassenen Begrüssung. Zu Gunsten von 1512 spricht verführerisch die Einleitung: der Suffragan, der bei der Auszahlung der Rente Schwierigkeiten macht, obwohl er bei der Übernahme der Verpflichtung von der Verteilung der Zehntenlast kein Wort gesagt; da sich diese Äusserung nur auf die Pfründe Aldington beziehen kann, muss der Brief nach dem 31. Juli 1512 liegen. Nur eins ist zu beachten: die erste Semesterrate der Rente war zu Michaelis 1513 zu zahlen, wie die Abtretungsurkunde bei Vischer stipuliert; erst hierbei können sich Schwierigkeiten ergeben haben. Ferner beglückwünscht Erasmus Colet, dass er endlich zur Ruhe gekommen sei, und noch am 11. Juli 1513 (ep. 115) hatte er ihn in einer aufreibendeu Geschäftigkeit bedauert. Die Pest, die Erasmus aus London nach Cambridge und von hier aufs Land getrieben hatte, grassierte nach andern Briefen an und von Erasmus im Winter 1513, und dass er in der That sich aus Cambridge zurückgezogen hatte und, was er hier vorläufig nur als Absicht äussert, aus Mangel an Wein in die Stadt zurückgekehrt war, hatte Ammonio von Sixtin erfahren, wie er am 25. November 1513 (ep. 186) Erasmus mitteilte. — Hierher werden wir auch einen undatierten Brief an einen nicht genannten Freund, offenbar in Cambridge, legen 2 ); er zeigt heftige Furcht vor der Pest und scheint nach der Flucht aus Cambridge im Oktober 1513 geschrieben zu sein, denn Erasmus überlegt, ob er nicht dorthin zurückkehren solle. — Die beiden Besuche in London, von denen Erasmus in ep. 107 spricht, fanden um den 1. September, wo er ep. 119 an Ammonio schrieb, und vor dem 1. November statt; diesen letzten Aufenthalt in der Hauptstadt scheint auch ep. 129 (26. Novbr.) zu bestätigen, wonach er von dem Bischof von Durham ein Geschenk von 10 Kronen, das heisst doch wohl persönlich, erhielt. x ) Brewer I, 3495. Seebohm, S. 186 Anm. 2. *) Mitgeteilt bei Brewer I, 5734. H-' r I *>&; Wffl ■ $<&' * ■ JB ■ 150 Der Mangel an Wein rief bei Erasmus, wie er Warliam mitteilte (ep. 188), wieder sein altes Steinleiden hervor, das ihn auch vor zwei Jahren, im Dezember 1511 (ep. 142), gepeinigt hatte. Dass es sich jetzt um einen neuen Anfall handelt, also ep. 188 nicht 1511 fällt, sehen wir — abgesehen von der Andeutung des französischen Krieges in ep. 188 — aus einer Mitteilung an den Abt Anton von Berghes vom 14. März 1514 (ep. 144) *), dass er neulich („nuper") an einem Steinleiden fast gestorben wäre. Ep. 188 muss nach dem 21. Dezember 1513 liegen, da sich in dem Briefe an Ammonio (ep. 111) nicht die geringste Hindeutung darauf findet, und vor dem 5. Februar 1514, da das von herzlichem Wohlwollen getragene Schreiben Warhams (ep. 134), wonach er seinem Schützling mit gutmütigem Scherze als „wirksamstes Heilmittel" eine Summe Geldes übersendet, die Antwort auf jenen ist. Beziehen wir ihn auf die Erkrankung vom December 1511, so würde er auf den 5. Februar 1512 fallen, wo doch Erasmus, gesund und mit Beiseplänen beschäftigt, in London anwesend war und dann die Spende des Erzbischofs persönlich in Empfang genommen hätte. Ep. 188 gehört deshalb in den Januar 1514. Nun aber verliess Erasmus endgiltig Cambridge und siedelte nach London über. Der Umzug fand nicht vor der Mitte des Februar statt; denn die Widmung der Übersetzung von Plutarchs „De utilitate capienda ab inimieis" ist in der ursprünglichen Fassung an „Thomas [Wolsey], episcopus Lincolniensis, serenissimi Anglorum regis magnus elemosynarius" gerichtet 2 ). Wolsey wurde am 6. Februar 1514 Bischof von Lincoln, am 15. September desselben Jahres aber schon Ei'zbischof von York 3 ); von der Ernennung kann Erasmus frühestens Mitte Februar Kenntnis erhalten haben, und er schrieb die Widmung vielleicht noch in Cambridge oder doch gleich nach der Ankunft in London; denn sein erster Brief nach der Abreise ist ep. 171 an Gonell, wo mit dem Geschenk für Wolsey, der hier gleichfalls „Grossalmosenier des Königs und gegenwärtig Bischof von Lincoln" genannt wird, offenbar nur die zur Überreichung fertige Plutarchübersetzung gemeint ist 4 ). Zwei und ein halbes Jahr hatte Erasmus, mit Unterbrechungen *) Das Datum s. unten S. 151. 2 ) Nach dem Druck von Martens in Löwen von 1516; vgl. Van Iseghem, Tkierry Martens, S. 266 No. 106. In der Leydener Ausg. (IV, 23) ist Wolsey schon „Archiepiscopus et Cardinalis Eboracensis" genannt. 3 ) Brewer I, 4722—4724; I. 5411 ff. 4 ) Über ep. 171 vgl. auch unten S. 153. '■-■■', ^^■^■^1 ^ mfä 151 freilich, in Cambridge gewohnt und die griechische Professur innegehabt. Der Beginn seiner Vorlesungen fällt in den Spätsommer 1511, und noch im November 1513 (ep. 131 E) sind Spuren seiner Lehrtätigkeit vorhanden: nur ein Goldstück, klagt er, habe er während der letzten 5 Monate von seinen Zuhörern, und auch das nur mit Mühe, erhalten. Es ist also eine tendenziöse Entstellung, darauf berechnet, seine angebliche Freiheit von drückenden Pflichten und seine ganze Hingabe an die Wissenschaften zu erweisen, wenn er kurz darauf, am 9. Juli 1514 (App. 8) an den Prior Servatius in Stein schreibt, er habe nur mehrere Monate („complures menses") in Cambridge griechische und theologische Vorlesungen gehalten, und ebenso falsch ist es, wie er fortfährt, dass er es umsonst gethan habe 1 ). Dass er von der Universität ein Gehalt bezog, geht deutlich aus der Bitte an Mouutjoy hervor, ihr zu dem hohen Gehalt ihres Professors einen Zuschuss zu gewähren; und wenn die Honorare von den Studenten nicht viel einbrachten, wie ja zugegeben werden muss, so entsprach das durchaus nicht dem Wunsche des Erasmus. Immerhin aber war seine Lage nicht beneidenswert, und seine Begeisterung für England hatte einen argen Stoss erlitten. Aber Erasmus war um einen Ausweg nie verlegen: vorsichtig, ohne mit den Engländern völlig zu brechen, richtete er seine Blicke nach dem Vaterlande, dessen junger Fürst, der spätere Kaiser Karl V., soeben heranwuchs; bei ihm suchte Erasmus, wie er am 14. März 1514 an Anton von Berghes, den Abt zu St. Bertin, schrieb (ep. 144), die äussere Sicherung, „die seine Müsse nähren könnte." Nicht etwa, so erklärt er — vielleicht etwas zu eifrig, als dass es ganz aufrichtig klingt —, weil ihm Britannien oder seine englischen Mäcene missfielen; die Schuld liege allein an der Ungunst der Zeiten; „der Krieg hat den Geist dieser Insel völlig umgewandelt. u Von einer friedlichen Zeit Strömung, die er von dem Einflüsse des humanistisch gebildeten Leo X. erhofft, verspricht er auch sich persönlich eine Besserung seiner Lage. Weniger verhüllt tritt das bittere Gefühl der in England erlittenen Enttäuschungen in einem Brief an Roger Wentford (ep. 166) hervor; „an goldenen Versprechungen," spottet er, „bin ich reich, sonst aber muss ich wacker hungern." Er hatte nach Cambridge mehr als 72 Nobeln mitgebracht, von denen nichts übrig geblieben sei; daraus könne er schliessen, wie ') App. 8, S. 1529 A: „Cantabrigiae menses complures docui Graecas et sacras litteras, idque gratis, itaque semper t'acere decretum est." ■ 152 viel mehr er „hier" (also in London) ausgebe, wo er ganz auf eigene Kosten lebe. Der Brief gehört wahrscheinlich in den März 1514, jedenfalls aber in die letzte Zeit vor der ersten Basler Reise, da die „Copia", deren Herausgabe hier beabsichtigt ist, am 15. Oktober 1514 (App. 13) Schürer in Strassburg zum Druck zugewandt wurde. Sein letzter, viermonatlicher Aufenthalt in London brachte Erasmus in Konflikt mit dem Leibarzte des Königs, dem Genuesen Giambattista Boerio, dessen Kinder er im Jahre 1506 nach Italien begleitet hatte. Die seitdem erkalteten Beziehungen lebten nach der Rückkehr der Söhne im Herbst 1513 wieder auf und folgen uns versteckt durch den Briefwechsel mit Ammonio. Am 1. Septbr. 1513 (ep. 119) hatte Erasmus seinem Freunde einen Gruss an ihn aufgetragen und wunderte sich dann (ep. 129), dass Ammonio ihn in seiner Antwort gar nicht erwähnte; es lag ihm offenbar viel an Boerio. Am 11. Novbr. widmete er dem Arz'.e die Astrologie des Lucian (ep. 137); das überlieferte Datum (1512) kann nicht zutreffend sein, denn in London, von wo die Widmung datiert ist, war Erasmus im November 1512 nicht, sonst wüsste Sixtin (App. 1) davon. Auch lässt sich nicht nachweisen, dass die Astrologie vor dem Jahre 1513 übersetzt war; im Gegenteil: in dem ersten Drucke, vom Mai 1514 bei Bade in Paris, der ältere und neue Übersetzungen enthält, zählt der Iudex die Astrologie zu den kürzlich (recentius) übersetzten Dialogen. Bade entschuldigt sich, dass er die Astrologie nicht an der richtigen Stelle eingefügt: „sed sero recepimus. Errore enim nescio quo Basileam usque oberraverat, prius- quam ad nos perferretur"'). Erasmus hatte schon am 21. Dezember 1513 (ep. 111, S. 105 D) an Ammonio geschrieben, dass Franciscus (Pirkmann) das für Bade bestimmte Manuscript nach Basel gebracht habe 2 ); spätestens im November war es also druckfertig, und es ist ') jüiirtnui Srnfmo iiitcruictc j Dialogi & alia emuncta. Quorum quoedam recentius, qutjdam | annos abhinc octo funt verfa: fed nuper recognita: vt iudice ad | finem apponendo declarabimus. | Qutedam etiam a Thoma Moro latina facta: & [ Queedam ab eodem concinnata. || (Druckermarke, darstellend das Innere einer Druckerei mit der Inschrift: jJrrlü ^fseftanü.) || Jlemitiönittur in ebilms HfieiiCtnnis. | Auf Blatt r VI 2 : Parrhifiis, ex officina Afcenfiana rurfus. | Tertio Calen. Junias. Anno. M.D.XIIII. Am Schluss (Blatt sIV): Fiuis rurfum in cedibus Afcenfiauis ad kalendas | Junias Anni. MDXIIII. — Die „Astrologie" findet sich Blatt s—sIII. 2 ) Beatus Rhenanus giebt in dem bekannten Brief an Karl V. (Opp. Erasmi I) diesen Vertrauensbruch des Pirkmann als Veranlassung zur ersten Basler Reise des Erasmus an, *«*5^*'t"'--'+:.' 153 nicht anzunehmen, dass es bereits ein Jahr vorher Boerio gewidmet worden ist 1 ). Nach dieser Freundschaftsbezeugung muss eine Änderung in ihren Beziehungen eingetreten sein; interessant ist in dieser Hinsicht ep. 111 (S. 103 EF) vom 21. December: Boerio, der erkrankt war, hatte an Erasmus zugleich mit Ammonio geschrieben; der Brief, der augenscheinlich eine Einladung enthielt, war nicht eingetroffen; ironisch äusserte Erasmus, dass ihm durch das Ausbleiben die Sorge um die Krankheit erspart sei und zeigte überhaupt eine seltsame Mischung von Unbehagen und Verachtung für Boerio. In London brach das lange verhaltene Misstrauen in offene Feindseligkeit aus. In einem Briefe an Gonell in Cambridge (ep. 170) machte Erasmus Andeutungen von einem „kleinen giftigen Insekt' - ; nähere Erklärung giebt er dem neugierigen Freunde in ep. 172: es sei Johannes Baptista aus Ligurien (Genua), mit dem er in seiner Naivetät fast die Wohnung geteilt hätte; aber sobald er sein Gift gekostet, sei er ihm entschlüpft; aus Ärger darüber habe jener seinen Geifer gegen ihn ausgespritzt. Welches die Veranlassung zu dem Konflikte war, und ob Erasmus wirklich so schuldlos gewesen, wie er glauben machen will, wissen wir nicht. — Zu diesen beiden Briefen gehört auch ep. 171, ebenfalls an Gonell, alle drei also in das Jahr 1514. Dieser ist bald nach der Übersiedelung von Cambridge geschrieben, aber nicht in London, woher er in der Briefsammlung datiert ist, sondern wahrscheinlich in einem Vororte in der Nähe der Hauptstadt; denn Erasmus sagt wiederholt „Londini", wo wir „hie" erwarten sollten, und er betont, dass London ihn abgeschreckt habe („Londino offensus"), seine Gönner zu begrüssen 2 ). Auf das Jahr 1514 weist in ep. 171 die Erwähnung Wolsey's als Bischof von Lincoln und die Absicht des Königs, seine Schwester Maria im Mai ihrem Verlobten, Karl von Burgund, zuzuführen; denn im Jahre 1514 noch wurde der Heiratsplan aufgegeben, und im Januar 1515 warb eine Gesandtschaft für Karl um die Hand der französischen Prinzessin Renee 3 ). In ep. 172 wird die Vollendung des „Cato" mitgeteilt, der 1514 in London und Kölu erschien 4 ). Ep. 171 liegt vor 170, nicht zwischen beiden, da Erasmus die Mitteilungen aus 170 in 172 aufnimmt; läge ep. 171 ') Die Leydener Ausg. registriert den Brief irrtümlich uuter dem Namen des Venetianischen Humanisten Giambattista Egnazio. 2 ) So ist auch ep. 107, obwohl ausserhalb Cambridge geschrieben, von Cambridge selbst datiert; s. oben S. 149. 3 ) Baumgarten, Geschichte Karls V. Stuttgart 18S5. I, 29. 4 ) Panzer VII, 241, 40; VI, 374, 239. ■ j m : WM §§1! • ■ w% m m& & 154 nach ep. 172 (vom 28. April), so müsste er in den Mai fallen, während Erasmus doch von „proximo Maio" spricht. Aus bibliographischen Hinweisen lässt sich schliessen, dass in den März 1514 auch ep. 154 an Peter Aegidius in Antwerpen gehören muss. Erasmus hat hiernach die Sammlung der „Proverbia" so bereichert, dass es fast ein neues Werk wird; diese Absicht hatte er schon im Dezember 1513 Ammonio mitgeteilt (ep. 111); sie erschienen 1515 bei Froben, um fast einen 4. Teil vermehrt, wie es auf dem Titel heisst'). Die Dialoge des Lucian, die an Bade geschickt, aber noch nicht herausgekommen sind, wurden Ende Mai gedruckt; der im Briefe erwähnte Auszug von Martens in Löwen war schon 1512 erschienen 2 ). Da Erasmus zu Ostern (1514: 16. April) Aegidius zu sehen hofft, muss der Brief vorher liegen; es muss also im Datum „Londino" statt „Lovanio" heissen, da er erst Anfang Juli England verliess. In London erhielt Erasmus auch noch den Brief von Johann Becker van Borssele (Johannes Borsalus 3 ) aus Middelburg vom 20. April 1514 (App. 6), denn er war einem Boten an den Decan zu St. Pauli (Colet) mitgegeben worden. Borsalus erzählt, dass Sixtin und Augustinus Aggeus, die auf einer Beise von England vor etwa 6 Monaten ihn besuchten, ihm ein Exemplar der neuen Übersetzung des Erasmus von Plutarchs „De tuenda bona valetudine" mitgebracht hatten. Von einer Beise Sixtius nach Brabant spricht Erasmus am 1. September 1513 (ep. 119); auch der erwähnte Druck fällt in das Jahr 1513*). In den FrühjahrsmoDaten 1514 machte Erasmus noch einmal den Versuch, seine Gönner freundlicher zu stimmen und sein trostloses Geschick zu wenden. Aber schon stand sein Entschluss fest, England zu verlassen, wenn seine Lage sich nicht bessere (ep. 172); und als auch diese letzte Hoffnung zu nichte wurde, ging er aus dem ungastlichen Lande, einer ungewissen Zukunft entgegen. ') Panzer VI, 194, 193; Stockmeyer u. Reber, Beitr. z. Basler Bucli- druckergesch., S. 100, 43. 2 ) Ausg. von Bade: Panzer VIII, 14, 710; ebd. X, 9, 710; vgl. oben S. 152 Anm. 1; der Löwener Auszug: Panzer VII, 259, 7 u. Van Iseghem, a. a. 0. S. 234, 65 u. Suppl. S. 15. 3 ) Über Borsalus vgl. Neve, La renaissance des lettres... en Belgique. 1890. S. 197 ff. 4 ) Hieraus lässt sich der bei Van Iseghem, Th. Martens, S. 243 No. 76 verzeichnete Druck näher bestimmen: er muss vor den September 1513 gehören. 155 1 ■ II. Erste und zweite Basler Reise. (1514—1516.) "Bis Anfang Juli hielt Erasmus sicli in London auf, dann trat er die Reise über den Kanal an. Die erste Nachricht, die wir nach dem Aufbruch von ihm haben, ist ein Brief an Ammonio (ep 159), den er am 8. Juli aus dem Schlosse Ham bei Calais, dem Wohnsitze des Lord Mountjoy, schrieb und der richtig 1514 datiert ist, da unter den Gönnern der Bischof von Lincoln, also Wolsey, genannt ist. Aus dem „letzten Lebewohl" an den treuesten Freund und den Geleitsgeschenken der englischen Grossen gewinnen wir den Eindruck eines Abschiedes auf längere Zeit; denn Erasmus wollte, wie er hier sagt, nach Deutschland und zwar, so schreibt er am folgenden Tage an Servatius (App. 8, 9. Juli 1514), nach Basel gehen, um schliesslich nach England wieder zurückzukehren. Servatius, einst sein Jugendfreund im Kloster Stein bei Gouda, jetzt Prior desselben Klosters, hatte Erasmus aufgefordert, mit Rücksicht auf das natürliche Ruhebedürfnis des nahenden Alters seine Lebensweise und Kleidung zu ändern, d. h. in das Kloster zurückzukehren uud wieder Mönchstracht anzulegen. In seiner Antwort bezieht sich Erasmus auf die allgemein und auch dem Prior bekannte Thatsache, dass er wider seinen Willen in das Kloster gethan sei; wenn er auch sein Ordensgelübde freiwillig abgelegt habe, so sei es doch unmöglich, von einem unerfahrenen, siebzehnjährigen Jüngling ein richtiges Urteil über seine Neigungen zu verlangen; auch ausserhalb des Klosters habe er der Kirche gedient und wolle ihr sein ganzes Leben widmen. Den wiederholten Wechsel der Kleidung erklärt er aus der Rücksicht auf die nationalen Gebräuche der Völker, unter denen er zu leben gewohnt sei und beruft sich auf eine Dispensation des Papstes Julius II. von dem Kleidungszwange. An eine Rückkehr nach dem Kloster auch nur zu denken, lag ihm natürlich fern; aber wie er sich hier ohne jede Empfindlichkeit herbeilässt, Servatius geradezu Rechenschaft von seiner Lebensweise abzulegen, müssen wir doch ein formelles Recht des Priors zur Einmischung erkennen. Schon im Jahre 1506, nach der zweiten englischen Reise, hielt er es für nötig, dem geistlichen Mahner zu versichern, „dass nur gewichtige Gründe und der Rat kluger Männer ihn V TWi nffii ■MT s ■ R^Ka ■ 156 zur Rückkehr nach England bewogen hätten 1 )." Denn Erasmus hatte nicht aufgehört, Mönch zu sein; er stand noch immer unter den Ordens- gesetzen, und sein Vorgesetzter war es, der nun freundschaftlich warnend ihn an seine Pflicht erinnerte, da er. den Vorschriften zuwider, das Ordenskleid mit der Tracht des Weltgeistlichen vertauscht hatte. So frei sich der humanistische Weltbürger seit vielen Jahren zu fühlen gelernt hatte —: mitten in grossartigen Zukunftsplänen ward ihm die Fessel gewiesen, die ihn an eine längst vergessen geglaubte Vergangenheit und einen tief verachteten Stand kettete; sie für immer abzustreifen, werden wir von nun an als den Leitstern seines Strebens in den nächsten Jahren erkennen 2 ). Nicht lange nach diesem Briefe setzte Erasmus seinen Weg nach Basel fort. Über den Reiseweg giebt uns besondtrs ein Brief an Mountjoy Kuude (ep. 182), der vom 29. August aus Basel datiert, jedoch aus zwei Teilen kontaminiert ist, von denen der erste in Gent („Gandavi dies aliquot commoratus sum... nunc Antwerpiam pergam"), der zweite in Basel geschrieben ist. Hiernach war er über St. Omer, wo er bei dem Abte von St. Bertin zwei Tage weilte, und über Berghes, wo er den Fürsten von Weere begrüsste, nach Gent gereist; durch Krankheit aufgehalten, hatte er seinen Weg nach Antwerpen fortgesetzt. Am 1. August finden wir ihn in Löwen, wo er die Widmung des „Cato* an Job. Nevius schrieb 3 ); von hier brach er nach Deutschland auf. Er berührte Mainz, wie wir aus App. 85 erfahren, und hier machte er die Bekanntschaft Hutteus 4 ); in Strassburg begrüsste ihn Jacob Wimpf- ling als Sprecher der dortigen litterarischen Gesellschaft 5 ); während seines kurzen Aufenthaltes besorgte er eine Neuausgabe seiner „Ratio J ) App. 485 vom Anfang des J. 1506; zum Datum vgl. Richter, Erasmus- Studien. S. 58, No. 166. 2 ) Der Brief ist, mit Abweichungen im Einzelnen, gedruckt in Opp. omn. I und in den Briefen als App. 8; beide Texte sind verderbt, Jortin (Life of Erasmus II, 322) hat aus ihnen den richtigen Text zusammenzustellen gesucht. J. B. Kan (Erasmiana, in: Bibliogr. u. litt. Chron. d. Schweiz, 1878, S. 112) vermutet mit Unrecht, dass der Brief später geschrieben ist, weil Erasmus 1514 noch nicht sagen konnte, dass er „alt und grau" sei; Wolsey wird ja auch hier als Bischof von Lincoln genannt. 3 ) S. unten Anhang I. 4 ) Strauss, Ulr. von Hütten. Leipzig 1858. I, 110. — Zum Dat. von App. 85 s. unten S. 160. 5 ) Ch. Schmidt, Histoire litteraire de l'Alsace. Paris 1879. I, S. XVIII, S. 86. • ■ ■ ■i ■■ ■■■■■■■■■■■■ i al 157 studii"'). Auch in Schlettstadt ehrte den Durchreisenden der Magistrat mit reichen Geschenken; Sapidus geleitete ihn bis nach Basel, wo nur Beatus Rhenanus, Gerhard Listrius und Bruno Amerhach um seine Ankunft wussten 2 ): am 15. August traf er in Basel ein 3 ). Hieraus und aus der Erwähnung des festlichen Empfanges in Oberdeutschland schliessen wir, dass ep 182 in das Jahr 1514 gehört, denn 1515 kam er schon am Ende des Juli nach Basel 4 ); schliesslich weist auf 1514 auch der Vergleich mit App. 85, der Antwort Colets auf einen Brief des Erasmus vom 30. August; beide erwähnen das Gelübde des Erasmus an den Apostel Paulus, App. 85 ferner die Erhebung Wolsey's zum Erzbischof von York, die am 15. September 1514 erfolgte 5 ). Was Erasmus nach Basel führte, sagte er in App. 8: der Druck seiner in den letzten Jahren in England verfassten Werke, von denen die wichtigsten die Ausgaben des Neuen Testamentes und des Hieronymus waren. Wie Beatus Rhenanus in seiner Lebensbeschreibung des Erasmus sagt, ist er durch den eleganten Nachdruck der „Adagia" von 1513 auf die Frobensche Druckerei aufmerksam gemacht worden; wenn das der Fall ist, so kann er nicht vor dem Anfang des Jahres 1514 den Plan zur Reise gefasst haben, denn im December 1513 (ep. 111) hielt er noch die Ausgabe, die das erste Werk in der von Froben neu angewandten Aldinischen oder Cursivschrift ist 6 ), für einen Tübinger Druck; Frobens Druckerei war ihm also noch nicht recht bekannt. Dagegen konnte er wissen, dass der am 25. December 1513 7 ) gestorbene Buch- 1 ) Panzer VI, 67, 334: „Ex recognitione autoris dum mense Augusto Argentinae degeret, anno 1514." 2 ) Erasmus an Wimpfling, vom 21. Sept. 1514; s. unten S. 159. 3 ) Infolge eines Lesefehlers heisst es in ep. 182 „post annuntiationem" (25. März) statt „assumptionem" (15 August); so liest auch Durand de Laur (I, 126) und Drummond (I, 255 Anm. 4). Drummond datiert den Brief 1515. 4 ) S. unten S. 170. 5 ) Das Jahr 1514 als erste Reise des Erasmus nach Basel muss betont werden; häufig findet sich 1513 genannt, so in den noch zu zitierenden Schriften von Fechter über Bonif. Amerbach (S. 186), Stintzing, Zasius (S. 172), und auch noch neuerdings trotz der Feststellung von Durand de Laur und Drummond bei Neil, Zasius (II, 11), Fritzsche, Glarean (S. 10), Steitz, Nesen (S. 38); Kämmel, in der Allg. dtsch. Biogr. VI (1877), S. 167, nimmt in den nächsten zwei Jahren gar drei Reisen nach Basel an: 1513, Winter 1514/15 und Sommer 1515. °) Stockmeyer u. Reber, a. a. 0 , S. 87. ') nicht 1514, wie Stockmeyer u. Reber, S. 32, angeben; in App. 12 vom 4. Oktober 1514 ist er schon „feliciter defunctus" genannt. WM__ HH B äSEM m ?£Ü£ 38255 158 drucker Hans Amerbach das Werk seines Lebens, die Herausgabe des Hieronymus, bei der ihm Reuchlin und später der gelehrte Dominikaner Joh. Conon (Kuhn) aus Nürnberg ihre Dienste geliehen, seinen Söhnen als Erbe hinterlassen hatte; um sich davon zu überzeugen und möglicherweise seine Arbeit mit der ihren zu vereinigen, traf er unter dem Vorwande einer Reise nach Rom in Basel ein 1 ). Hier in Basel beginnen nun die persönlichen Beziehungen des Erasmus zu den deutschen, vornehmlich den oberdeutschen Humanisten. Mit" Reucblin, vielleicht auch sonst mit dem einen oder dem andern von ihnen, war er schon früher bekannt; in seinem Briefe an jenen vom 1. März 1509 sagt er, dass er schon zweimal an ihn geschrieben. Als er noch in England weilte, im April 1514, teilte ihm Reuchlin von Frankfurt aus das Urteil des Bischofs Georg von Speyer, des päpstlichen Schiedsrichters in dem Reuchlinschen Händel mit den Kölner Dominikanern, vom 29. März 1514 in einem kurzen Schreiben mit (App. 5), das den Gang der Angelegenheit bis zu der bischöflichen Entscheidung erzählt und die kurze Bitte um die Verteidigung seiner Sache in England enthält. Eine Begegnung zwischen ihnen in Frankfurt, wie Geiger annimmt, hat vorher nicht stattgefunden, denn Erasmus kam erst im August in Oberdeutschland an. Damit ist auch die Hypothese hinfällig, dass dies Promemoria eine Folge der Zusammenkunft gewesen und dass daraufhin Reuchlin Erasmus „gleichsam zum Schiedsrichter" aufgerufen habe 2 ); vielmehr fand das Zusammentreffen erst ein halbes Jahr später statt. Gleichwohl gehört App. 5 in das Jahr 1514, da die Entwickelung des Reuchlinschen Prozesses bis zum März 1514, eben bis zum Urteil des Bischofs von Speyer, berichtet ist; wir dürfen ihn sogar vor den 25. April legen, da Reuchlin später die hier noch nicht erwähnte Appellation Hochstratens nach Rom kennen musste. — Erasmus beantwortete diesen Brief, noch von England aus, etwas zurückhaltend; als er aber, wie er aus Basel an Reuchlin schreibt 3 ), in Mainz die Schrift selbst las, lachte er laut auf und trat ganz auf Reuchlins Seite. Wir werden diesen Brief, da nach ihm Erasmus Mitte September nach Italien reisen will und vorher noch einen griechischen ') Beatus Rhenanus an Karl V., Opp. Erasmi I; vgl. Geiger, Reuchlins Briefwechsel, No. CIX u. CXIII?. 2 ) Geiger, Johann Reuchlin. Leipzig 1871. S. 337. 3 ) Mitgeteilt iu Reuchlins Briefwechsel, herausg. von Geiger. Tübingen 1875. S. 224, No. CXC; Geiger legt ihn irrtümlich nach Lüwen, obwohl er ihn auch vom August 1514 datiert. »f 159 Kodex des Neuen Testamentes von Reuchlin erwartet, in den August legen; auch hierin finden wir keine Andeutung eines Zusammentreffens der beiden Gelehrten. In einem Schreiben vom 1. September sandte ihm Wimpfling') den Gruss der Strassburger litterarischen Gesellschaft, den der Gefeierte am 21. Septbr. in seiner bestrickenden Liebenswürdigkeit beantwortete 2 ). Am 7. Septbr. richtete Ulrich Zasius (Zäsi), der Freiburger Jurist 3 ), sein erstes Schreiben an Erasmus (App. 9), und da er nicht schnell genug Antwort erhielt, wagt er unterwürfig ein zweites (App. 10,' 21. Septbr.), denen in den nächsten Jahren in Reihe in trunkener Begeisterung geschriebener Huldigungen folgt, ungeachtet der Mahnung des Erasmus (App. 11, 23. Septbr.), diese eines deutschen Mannes unwürdigen Schmeicheleien zu unterlassen; zugleich aber sagt er selbst dem Zasius so viel Schmeichelhaftes, dass der wackere Mann, wie er voll Entzücken jubelt (ep. 161, 11. Oktober), allein infolge dieses Briefes, der in Freiburg von Hand zu Hand wandere, mit ehrfurchtsvoller Scheu betrachtet werde. In seiner Antwort vom 28. Oktober 4 ) bedauert Erasmus, dass die Herausgabe der Adagia und des Hieronymus ihn an der sofortigen Beantwortung gehindert hätten; er preist die Universität Freiburg und ganz Deutschland glücklich zu dem Besitze eines solchen Gelehrten. Obwohl ohne Jahreszahl, ergiebt sich das Datum und der Zusammenhang dieses Briefes mit ep. 161 aus dem Schlüsse: „Quod scribis meam epistolam sie circumferri. . .". Das erste unter Erasmus' Leitung bei Froben gedruckte Werk, die Plutarchübersetzung vom August 1514 5 ), sendet der Autor ihm zu, und Zasius ringt mit den "Worten x ) Über ihn vgl. P. v. Wiskowatoff, Jacob Wimpfeling. Berlin 1867 Charles Schmidt, Histoire litteraire de l'Alsace. Paris 1879. Bd. I. 2 ) Beide Schreiben sind der Ausg. der „Copia" von 1514 beigedruckt, dasErasmische unter dem Titel: „Erasmi de laudibus litterariae societatis, Reipublicae ac magistratuum urbis Argentinae epistola"; der Brief „De laudibus Argentinae", den Jortin (II, 593 Anm.) nicht finden konnte, ist eben dieser. Die Briefe sind zuletzt gedruckt in [Riegger] Amoenitates litterariae Friburgenses. Ulm 1779. S. 368f. 3 ) Über ihn zuletzt Jos. Neff, Udalricus Zasius; Progr. des Gymnasiums zu Freiburg i/Br. 1890 u. 1891, wo leider kein Versuch zur Ordnung der Korrespondenz gemacht ist. Daneben behält das treffliche ältere Werk von Stintzing (Ulr. Zasius. Freiburg 1857) noch immer seinen Wert. *) Mitgeteilt bei Neff, a. a. 0. II, 33. 5 ) Stockmeyer u. Reher, S. 100 No. 38. Panzer VI, 192, 120 u. IX, 394, 128. V üm^?x< HMBH BH 1 WiMwmW® ■ 160 des Dankes (App. 14, 7. Novbr.); doch da Erasmus in seinem vorletzten Briefe (superioribus litteris, also App. 11) „wie Juppiter gedonnert" habe über seine Lobpreisungen, will er ihn statt den „grossen" den „dreimal grössten" nennen. Auf das Geschenk des Erasmus bezieht sich Zasius auch in ep. 152 (22. Decbr.), auch dieser Brief gehört in das Jahr 1514; er rühmt hier den Juristen und kaiserlichen Rat Hie- ronymus Baidung in Ensisheim, der „nicht wusste, dass Erasmus ihm so nahe war;" 1515 wäre ihm das nicht mehr unbekannt gewesen. Auch hätte Zasius am 22. Decbr. 1515 nicht sagen können, dass er so selten an Erasmus schreibe, da wir doch wenige Tage zuvor, vom 15. Decbr. 1515, einen Brief von ihm besitzen (App. 40). In den Briefen an Wimpfling und Zasius spricht sich Erasmus über seine wissenschaftliche Thätigkeit im Winter 1*14/15 aus: die Adagia sollen in neuer, vermehrter Auflage erscheinen, der Hieronymus und das Neue Testament siud in Vorbereitung, die „Copia" ist durchgesehen, und Erasmus sandte sie am 15. Oktober Schürer in Strassburg zum Drucke zu (App. 13); die Seuecaausgabe steht nahe bevor, die Plutarchübersetzung hat die Presse bereits verlassen — eine Fülle von Arbeit. Ausserdem bearbeitete er die „Parabolae sive Similia", die er am 15. Oktober 1514 seinem Freunde Peter Aegidius widmete'). Als Gehilfen bei seiner Arbeit rühmte er Beatus Rlienanus und Gallinarius; sein Begleiter von der Niederlanden her war Gerhard Listrius, der Commentator des „Encomium Moriae", das jetzt wieder (im März 1515) 2 ), von Erasmus totgeschwiegen, ans der Frobenschen Offizin hervorging. Von seinen englischen Freunden scheint Erasmus vollständig losgelöst; wenigstens wissen wir ausser dem Briefe an Mouiitjoy vom 29. August (ep. 182) nur von einem kurzen Schreiben desselben Datums an Colet, das dieser am 20. Oktober beantwortete (App. 85); dass dieser Brief in das Jahr 1514 gehört, ergiebt sich aus den Worten „Lincolniensis regnat nunc Eboracensis", also aus der am 15. Septbr. 1514 erfolgten Übertragung des Erzbistums York an Wolsey, den bisherigen Bischof von Lincoln. Auch nach Paris scheint Erasmus, aber nicht direkt, Nachricht von sich gegeben zu haben; denn auf einen Gruss antwortet Jacob Faber Stapulensis (Jacques Lefevre aus Etaples 3 ), der 1518 gegen den gleichstrebenden Gelehrten in litterarischer Kontroverse *) Abgedruckt Opera Erasmi I, 559. ») Vgl. Stockmeyer u. Reber, S. 100 No. 39. Panzer VI, 193, 139. 3 ) Ch. Henry Graf, Essai sur la vie et les ecrits de J. Lefevre d'Etaples. Strassburg 1842. Derselbe, in der Zeitschr. für bist. Theologie. 1852. S. lff., 165ff. 161 ■M auftrat. Der Ausdruck in seinem Briefe (App. 427, 23. Oktbr., o. J.): „te intellexi in Germania inter typographos versari", weist auf einen Aufenthalt in Basel (1514 oder 1515), während die Stelle „publica utilitas ... et litterarum . . . amor te Britannos deserere suasit" nur auf die erste Basler Reise bezogen werden kann. Aber daraus, dass hier Faber nur gerüchtweise mit seiner Abreise aus England und seinen gelehrten Plänen sich bekannt zeigt, sehen wir, dass Erasmus intimere persönliche Beziehungen zu Paris noch nicht besass. Um so lebhafter sammelten sich um ihn die deutschen Humanisten, wie schon äusserlich aus dem Umfang der Korrespondenz hervorgeht, die bei weitem mehr Briefe an, als von Erasmus enthält. Am 4. Oktbr. (App. 12) erteilt in einem streng sachlichen Schreiben der Karthäuserprior Gregor Reisch, der vielgerühmte Verfasser der „Margarita philo- sophica"'), seine Ratschläge für die bevorstehende Ausgabe des Hiero- nymus. Am 9. Dezember bittet der feinsinnige Nürnberger Ratsherr Wilibald Pirckheimer Beatus Rhenanus um seine Vermittelung einer Bekanntschaft mit Erasmus (App. 15); Rhenan willfahrt der Bitte, und so ist es Erasmus, der am 24. Januar 1515 (App. 48) seinerseits — eine seltene Ehre — den Briefwechsel mit Pirckheimer eröffnet 2 ). App. 48 kann deshalb nicht in das Jahr 1516 gehören, weil ihm dann App. 39 vom 13. Dezbr. 1515, das den Empfang schon mehrerer Briefe von Erasmus konstatiert, vorausgehen müsste; dass dieser nun aber nicht 1516 liegt, geht daraus hervor, dass er nach Basel gerichtet ist, während Erasmus im Winter 1516/17 in Brüssel war. Auch andere benutzten jede Gelegenheit, dem Gelehrten ihre Huldigung darzubringen. Zvvingli besuchte ihn beim Herannahen des Frühlings, vielleicht eingeführt von Heinrich Glareanus (Loriti aus Glarus), dem Basler Mathematiker, der sich bald darauf nach Italien begab (App. 21) und später Fausto Andreiini in Paris ersetzte 3 ); noch nach der Abreise des Erasmus aus Basel, am 29. April, schrieb ihm Zwingli V *) Über Reisch vgl. Hartfelder in der Zeitschr. für Geschichte des Oberrheins. 1890. N. F. V (Bd. 44), S. 170-200. J ) Über Pirckheimer: Rud. Hagen, in den Mitteil, des Vereins für Gesch. der Stadt Nürnberg. 1882. S. 61 ff.; neuerdings Roth, Wil. Pirckheimer, in den Schriften des Vereins für Reform.-Gesch. 1887, und Drews, W. Pirckheimer's Stellung zur Reformation. 1888. 3 ) H. Schreiber, H. Loriti Glareanus. Freiburg 1837. 0. F. Fritzsche, Glarean. Frauenfekl 1860. Vgl. Vischer, Geschichte der Univ. Basel (1460 bis 1529). Basel 1860. S. 197. Westd. Zeitschrift. ErgänzungsheCt IX. 11 iH ■ von GJarus aus (App. 22). — Heinrich Bebel 1 ) freut sich, dass ein früheres Gerücht von seinem Tode sich als falsch herausgestellt hat, und fordert ihn auf, sich offen als Deutschen zu bekennen (App. 19, 20. Jan. 1515). Johann Sapidus 2 ), Lehrer an Dringenbergs Schule in Schlettstadt, kündigte ihm den Besuch des kaiserlichen Kates Jacob Spiegel, des Neffen Wimpfiings, an und zeigte sich wohl bekannt mit des Erasmus Absicht, zum 1. März Italien aufzusuchen (App. 20, 31. Jan.). Schon vorher (am 4. Jan., App. 18) hatte sein alter Freund Borsalus (Johann van Borssele) aus Arlon in Luxemburg ihn um Nachricht über seine wissenschaftliche Thätigkeit gebeten; auch er wusste von der bevorstehenden Reise nach Italien. Wenn Erasmus je diesen Plan ernstlich erwogen hatte, und wenn er nicht nur vorgeschützt war, um sein plötzliches Erscheinen in Basel zu verschleiern, so hatte er ihn jetzt doch aufgegeben. Schon am 24. Januar schrieb er an Pirckheimer, dass er im März nach England zurückzukehren gedenke. Vielleicht verzögerte sich die Abreise bis in den April, denn erst Ende dieses Monats finden wir ihn in London wieder. Seine unterbrochenen Arbeiten wurden unter der Leitung seiner Mitarbeiter Beatus Rhenanus 8 ) und Wilhelm Nesen 4 ) rüstig gefördert, und von Zeit zu Zeit sandten ihm diese Bericht über den Stand des Druckes und erbaten Auskunft über Varianten, so Rhenanus in App. 21 (17. April) und App. 23 (30. April), Nesen in App. 107, der wohl in dieselbe Zeit gehört, da er Rat über eine Randbemerkung im Seneca erbittet, der nach App. 21 und 23 im Druck ist. Um den Vertrieb des Neuen Testamentes bewarb sich Frohen eifrig; Erasmus hatte also hierüber noch keine Entscheidung getroffen, und noch nach seiner Rückkehr nach Basel im August werden wir ihn in Unterhandlungen mit Schürer darüber finden. Reissend war der Absatz der „Moria": im *) Zapf, Heinr. Bebel. Augsburg 1802. Heyd, in der Tübinger Zeitschr. für histor. Theologie. 1839. H. A. Erhard, Gesch. des Wiederaufblühens wissenschaftl. Bildung, vornehmlich in Teutschland. Magdeburg 1827 ff. III, 141—170. 2 ) Über Sapidus: Strüver, Die Schule von Schlettstadt. Diss. Leipzig. 1880. S. 35 ff. 3 ) Über Beatus Rhenanus: Horawitz, in den Sitzungsber. der Wiener Akademie, phil.-hist. Klasse. Bd. 70—72 u. 78; seine Korrespondenz herausg. v. Horawitz u. Hartfelder. Leipzig 1886. Geny u. Knod, Die Stadtbibliothek zu Schlettstadt. Strassburg 1889. 4 ) Haupt, Wilhelm u. Conrad Nesen. Zittau 1843. Steitz, Wilh. Nesen, im Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst. 1877. N. F. VI, 36—160. ■■HS ■ ,; '^mm^m*, ■Vi w0f>>* Hl SP • ■■■■■■ 163 März 1515 gedruckt, waren nach Verlauf eines Monats von 1800 Exemplaren nur noch 60 übrig! Einen kurzen Gruss sandte am 1. Mai (App. 24) auch Bruno Amerbach, der älteste Sohn des Gründers der Amerbachschen Druckerei, nach dessen Tode die Söhne ihr Wissen in den Dienst Frobens stellten 1 ). Erasmus reiste über Frankfurt, von wo er an Beatus Khenanus schrieb (s. App. 23), und hier war es jetzt, im April 1515, wo er mit Eeuchlin, zugleich auch mit Hermann von dem Busche und, zum zweiten Male, mit Hütten zusammentraf. Ausgeschlossen, wie wir sahen, ist die Zusammenkunft im Jahre 1514; da sie aber schon am 13. Juni 1515 von Hütten bezeugt wird 2 ), kann sie nicht auf der zweiten Reise von England nach Basel stattgefunden haben. Demgegenüber ist Ursinus Velius im Irrtum, der in seinem 1517 entstandenen „Genethliacon De- siderii Erasmi" sagt, dass Erasmus „illinc (d. i. aus England) reversus" Reuchlin kennen gelernt habe; Velius konnte diese Ereignisse nur aus Erzählungen kennen 3 ). — Auf der "Weiterreise verweilte Erasmus drei Tage in Gent bei dem Kanzler Jean de Sauvage, in Tournay bei Mountjoy, dem Statthalter dieser Eroberung Englands aus dem letzten- Kriege*), in St. Omer bei Anton von Berghes; vorher hatte er in Brügge den englischen Vizekanzler Cuthbert Tunstall und Thomas More begrüsst, und auch in Antwerpen mag er bei Peter Aegidius eingekehrt sein, dem er von London aus diesen Reisebericht am 7. Mai (ep. 155) giebt. Der Brief liegt darum nicht im J. 1516, da Erasmus dann erst im Juli nach England kam und der nach ep. 155 noch unvollendete Hie- ronymus 1516 bereits gedruckt war. In London kam Erasmus erst Ende April an, nicht schon im März, wie es nach ep. 167 und 168 an die Kardinäle Dominico Gri- mani von San Marco und Raffael Riario von San Giorgio scheinen könnte, die in sämtlichen Ausgaben der Erasmischen Korrespondenz auf den 31. März gelegt sind. Denn wenn wir auch übersehen dürfen, ') Über die Familie Amerbach im allgemeinen s. Stockmeyer u. Reber, a. a. 0., S. 30 ff. 2 ) Hütten an Jac. Fuchs, bei Böcking, Hutteni opera I, 43; vgl. Strauss ) Hütten, I, 110. Die ausführliche Arbeit von Liessem, Herrn, van dem Busche ) Sein Leben u. seine Schriften. 1. Teil. Progr. des Kaiser-Wilhelm-Gymn. zu Köln, 1881—1889, ist noch nicht bis hierher gediehen. 3 ) Das „Genethliacon" findet sich Opp. omn. I, 21 und ep. 228, die citierte Stelle S. 226 D in den Briefen; vgl. darüber unten S. 204. *) Seit dem 20. Januar 1515; Brewer II, 1, No. 41. 11* ■ I ^■^ ^^H wams HHHhmb I HWHWi ; ■ Hü II m. 164 dass der Brief an Aegidius (ep. 155) vom 8. Mai, der sofort beginnt: „diutius commoratus sum in itinere quam putaram," noch ganz unter dem Eindrucke einer soeben vollendeten Reise steht, so ist doch das Widmungsschreiben an Beatus Rhenanus, womit er die „Enarratio primi psalmi ,Beatus vir'" begleitete, aus St. Omer vom 13. April 1515 (Idibus Aprilibus) datiert 1 ). Da hier Erasmus schon von ihren gemeinsamen Studien spricht („communis studiorum amor tarn arcta necessi- tudine copulavit"), lässt sich der Brief nicht vor das Jahr 1515 legen; 1516 aber reiste Erasmus erst im Juli nach London und kehrte im August von dort zurück, 1517 überschritt er in den ersten Tagen des April den Kanal und landete auf der Rückkehr am 1. Mai in Boulogne; diesmal machte er auch in St. Omer keine Rast. Dagegen erwähnt einen solchen Aufenthalt bei dem Abt zu St. Bertin ep. 155 vom 8. Mai, also auf der Reise nach, nicht von London, so dass die Richtigkeit des Datums der Widmung in allen Stücken erwiesen ist. Da ausserdem der Plan, an den Papst und die Kardinäle zu schreiben, wohl schon seit der Unterredung mit Reuchlin in Frankfurt feststand und diese Briefe gleiche Wirkung haben sollten, so wäre es sonderbar, wenn Erasmus an die Kardinäle am 31. März und an den Papst vier Wochen später, am 28. April (ep. 174) geschrieben hätte. Die grösste Wahrscheinlichkeit spricht also dafür, dass ep. 167 und 168 vom 30. April stammen, obwohl sie schon im August desselben Jahres bei Froben mit dem Datum „pridie Kalendas Apriles" gedruckt wurden 2 ). Die ursprüngliche Fassung der Briefe kennen wir nicht, da Erasmus sie in erweiterter Gestalt („locupletatas", App. 3) herausgab — ein Zeichen, welche Bedeutung er ihnen beilegte und welche Wirkung auf das Publikum er ihnen sichern wollte. Denn es scheint, dass nur sie es gewesen sind, die ihn nach England, zu seinem Unterhändler Ammonio, geführt haben. Er hatte zwar auch in Basel die Hoffnung nicht aufgegeben, auf der brittischen Insel sein Glück fester und dauernder zu gründen, aber was Colet ihm *) Abgedruckt Opp. V, 171. — Der erste Druck ist der von Martens in Lüwen vom Oktober 1515; vgl. Van Iseghem S. 255 No. 91. 2 ) Sie erschienen, zugleich mit der Apologie gegen Dorpius (worüber unten) und dem „In laudem urbis Selestadii Panegyricum Carmen", zusammen mit „Jani Damiani Senensis ad Leonem X. Pont. Max. de expeditione in Turcas elegia" und Briefen von Piso, Heinr. Penia und Sigismund I. von Polen. Am Schluss: „Basileae, Joannes Frobenius typis suis excudebat. Mense Augusto M.D.XV." Vgl. Panzer VI, 193, 142; Stockmeyer u. Reber, 100, 42. 165 auf eine solche gelegentliche Äusserung erwiderte, war seine eigene alte Erfahrung: „die es können, wollen nicht, und die es wollen, können nicht" (App. 85). Aber hätte eine bestimmte Aussicht von dieser Seite her ihn zur Unterbrechung seiner dringenden Arbeiten vermocht, die er sogar in England fortzusetzen genötigt war (ep. 155), dann hätte er, als Wolsey nun wirklich etwas ihm bieten konnte, diesem nicht so überstürzt und nur schriftlich seinen Dank gesagt (ep. 187). Der Inhalt der beiden Briefe an die Kardinäle ist fast gleich; sie zeigen zunächst seine ungestillte Sehnsucht nach Italien und lassen hinter dem Preis seiner englischen Mäcene doch seine getäuschte Erwartung hindurchblicken; weiterhin äussert Erasmus seine Absicht, die bevorstehende Ausgabe des Hieronymus Leo X. zu widmen, ergeht sich von hier aus des Weiteren über seine Studien und kommt mit einer geschickten Wendung auf Reuchlin zu sprechen, dessen Streitsache eben damals durch Grimani entschieden werden sollte. Nicht wesentlich verschieden, nur modifiziert, ist der Inhalt des Briefes an den Papst; nach einem wortreichen Hymnus auf die Mediceer im allgemeinen und Leo im besonderen, den er als Friedensstifter zwischen England und Frankreich und als Schutz gegen die Türkengefahr preist, geht er auf den eigentlichen Zweck seines Briefes über: er bittet den Papst, die Widmung des Hieronymus entgegenzunehmen. So unwesentlich die inhaltlichen Abweichungen der drei Briefe sind, um so mehr ist es ihre Form. Während in den Schreiben an die Kardinäle Erasmus selbst, seine Sehnsucht nach Italien, womit er den Ruhm römischer Bildung gewandt zu verflechten weiss, seine angesehene, dabei aber nicht befriedigende Stellung in England den ersten Platz einnimmt, tritt seine Person in dem Briefe an den Papst ganz zurück; Warkam und Petrus Caraffa, Bischof von Chieti und damals Gesandter Leo's in London (später bekannt als Papst Paul IV.), werden nicht als seine Gönner, sondern als Förderer der Wissenschaften gerühmt, und das Lob Caraffas mag im Manuscript noch karger ausgefallen sein, da der Papst in seiner Antwort (ep. 178) nur Warkam, nicht aber Caraffa nennt; es sollte wohl nur den Bischof bestechen, dem Erasmus seine Erwähnung in dem Briefe auch ausdrücklich mitzuteilen für gut fand (App. 16). Dagegen bildet den Mittelpunkt des Briefes der Papst selbst; Reuchlin, den zu schützen er Grimani gebeten hatte, erwähnt er hier nur als seinen Vorläufer in der Bearbeitung des Hieronymus, in gleicher Reihe mit Conon aus Nürnberg und Beatus Rhenanus. Und merkwürdig ist auch die ganze Art, wie er in dem Briefe an Grimani von Reuchlin spricht: er habe HUB m$ 166 die Absicht, sein ganzes Leben den heiligen Wissenschaften zu widmen, doch dazu bedürfe er seines Schutzes; „Du weisst ja, dass grossen Plänen der giftige Neid folgt; das hat soeben noch der hochverdiente Keuchlin erfahren müssen — und was dann, wenn jemand in böswilliger Absicht meinen Hieronymus läse?" Und wie führt Erasmus die Verteidigung Reuchlins? Wir erwarten doch, da er in vertrauten Briefen sich ganz auf seine Seite stellt, ein offenes Eintreten für ihn und seine gerechte Sache; statt dessen, echt erasmisch, eine schwächliche Klage über das Ärgernis, das „ein deutsches Büchlein, fast nur ein Brief," ausgesäet habe; schon mit Rücksicht auf die Verdienste Beuchlins und sein hohes Alter müsse man von einer Verfolgung der Sache absehen und ihn „den Musen und Wissenschaften wiedergeben." In Basel, im persönlichen Verkehr mit den deutschen Humanisten, hatte Erasmus den Gang des Reuchlinschen Streites in allen Einzelheiten kennen gelernt; und als er hier zum ersten Male das lebendige Gefühl von der Macht bekam, die in den Kreisen einer erstarrten Weltanschauung zum Nachteil jeder geistigen Freiheit noch immer wirksam war, da erfasste ihn immer steigende Besorgnis um das Gelingen seines Lebenswerkes, das auf demselben Princip freier Forschung beruhte, wie es Reuchlin im Kampfe gegen die Kölner Dunkelmänner, doch nur mit wechselndem Glücke, vertreten hatte. Und da ihn nun in Frankfurt Reuchlin und seine Freunde bestürmten, seinen Einfluss in Rom zu Gunsten ihrer Partei geltend zu machen, hatte er innerlich wohl längst schon Reuchlins Sache zu seiner eigenen gemacht. Darum änderte er seine Absicht, Warhams Namen an die Spitze des Hieronymus zu setzen, um den klangvolleren Leo's X. als Schild gegen gefährliche Angriffe zu benutzen; darum riss er sich aus seinen Basler Studien los, weil er von London aus durch Ammonio und damals auch durch Caraffa wirksamere Verbindung mit dem päpstlichen Hofe herstellen konnte. Erst als Erasmus im December 1515 sah, dass das Neue Testament zuerst die Presse verlassen würde, bestimmte er dies für den Papst und über- liess, gemäss seiner ursprünglichen Absicht, den Hieronymus dem Erzbischof Warham 1 ). Die Briefe sind also in ihrer Tendenz zunächst nicht, wofür sie immer gelten, eine rein freundschaftliche Verteidigung Reuchlins; wurden sie es aber in ihrer Wirkung? Ein direkter Zusammenhang zwischen J ) Das Neue Testament hatte er anfänglich dem Bischof Fisher von Rochester zugedacht; s. ep. 256, '■'■'"•:.- 167 ^H ihuen und dem über ein Jahr später (am 2. Juli 1516) *) gefällten päpstlichen Urteilsspruch wird sich wohl nicht nachweisen lassen; allein das „Mandatum de supersedendo", das nach der gerade wegen der reuchlinfeindlichen Majorität doppelt günstigen Kommissionsabstimmung doch ein recht mattes Kompromiss darstellt, entspricht durchaus dem, was Erasmus gewollt: nicht sowohl ausdrücklichen Sieg Reuchlins, als Beruhigung der Parteien — und, fügen wir hinzu, Ruhe für ihn selbst. Doch der Papst kannte ohne Zweifel den Brief an Grimani und damit die öffentliche Meinung Deutschlands: warum sollte er einen mächtigen Orden vor den Kopf stossen, wenn die Reuchlinistenpartei gar nicht mehr erwartete und wünschte, als schlichten Frieden? Liesse sich ein derartiger Einfluss des Erasmus auf die Curie nachweisen, so hätten seine Briefe eher hemmend als fördernd gewirkt. Förderlich waren sie indes für ihn selbst, und ihre Wirkung muss in der Umgebung des Papstes von andern unterstützt worden sein; denn nur von diesen kann Leo erfahren haben, dass Erasmus, wie er in seiner Antwort (ep. 178) sagt, auch das Neue Testament bearbeitet hat, während Erasmus nur den Hieronymus nennt und die andern Arbeiten summarisch abthut. Dem Einflüsse dieser Freunde am päpstlichen Hofe, unter denen wir später Silvester Giglis, den Bischof von Worcester und englischen Gesandten in Rom, kennen lernen werden, verdankte er vielleicht auch die wohlwollende Antwort Leo's vom 10. Juli 1515 (ep. 178), worin er die Befriedigung über die Anerkennung seiner kirchenpolitischen Bestrebungen ausdrückt und ihm bei gegebener Gelegenheit seine Dienstwilligkeit verspricht. An demselben Tage empfahl er ihn, aus freien Stücken, wie er selbst sagt, dem Wohlwollen Heinrichs VIII. (ep. 179). Zu gleicher Zeit (am 18. Juli, ep. 180) antwortete auch der Kardinal Riario, der ihn dringend nach Rom einlud. Erst nach vielen Irrfahrten erreichte der päpstliche Brief Erasmus im Sommer 1516; den von Riario hatte er im April 1518 noch nicht erhalten, ein anderer von Grimani ging gänzlich verloren 2 ). Er verbreitete also seine eigenen durch den Druck, ehe er noch von den Antworten Kenntnis erhielt. Inzwischen hatte in London auch Wolsey des Gelehrten gedacht; 3 ) Vgl. Strauss, Hütten I, 213 f.; Geiger, Reuchlin, S. 319. 2 ) ep. 315; vgl. unten S. 182f. — Beiläufig: der Brief Geräander's an Reuchlin (R.'s Briefwechsel, ed. Geiger, No. CCXX), worin er von dem Kardinal (wohl Grimani) sagt: „Habuit nuper litteras ab Erasmo Roterodamo," gehört in den Juni 1515, nicht 1516. :v< : n ■Hl 168 von Mountjoy erhielt dieser Nachricht, dass der Erzbischof ihm irgend eine Gunstbezeigung in Aussicht gestellt, und Erasmus dankte ihm schriftlich kurz vor seiner Abreise (ep. 187) ! ) mit dem Bedauern, dass seine dringenden Studien ihm nicht gestatteten, persönlich seinen Dank auszusprechen. Diese Entschuldigung und den Dank wiederholte er von Basel aus am 30. August (App. 74), wo er über seine Studien näher berichtet. Dass diese Briefe in das Jahr 1515 gehören, dafür spricht in ep. 187 der Satz: „libri, iam pridem relicti, me iamdudum revocant," ferner in App. 74 die Aufzählung der während des zweiten Basler Aufenthaltes beendeten Arbeiten und die Überschwemmung des Oberrheins, auf die sich auch ein 1515 datiertes Epigramm bezieht, dessen Aufschrift: „Basileam repetens" auf die zweite Reise deutet 2 ). Dem Briefe an Wolsey (ep. 187) geht ep. 156 an Aegidius kurz voran; nach diesem wollte sich Erasmus von Mountjoy und einigen Freunden verabschieden, dabei, so schreibt er an Wolsey, erfuhr er von dem Lord die Absichten des Erzbischofs. Den Buchhändler Franciscus, der ohne ein Schreiben von Aegidius gekommen war (ep. 156), hatte er schon am 7. Mai (ep. 155) erwartet. "Welches die Pläne Wolsey's mit Erasmus waren, erfahren wir mehrere Monate später von More (ep. 227): Mountjoy hatte bei ihm die Verleihung einer Pfründe in Tournay an den Gelehrten durchgesetzt; aber Erasmus zeigte sich diesem Plane durchaus nicht geneigt, und als auf seiner Keise durch Brügge bei More und dem Vizekanzler Richard Sampson die Rede auf die Angelegenheit kam, hielt er mit seinen Einwänden auch nicht zurück; er zweifelte, dass der nominelle Bischof von Tournay (Ludwig Guillart) bei seiner politischen Eifersucht auf Wolsey nach der Wiedereinsetzung die Verleihung aufrecht erhalten werde (App. 3, ep. 227). Die Abreise des Erasmus aus London und damit die Briefe 187 und 156 müssen Ende Juni 1515 fallen, da er schon Ende Juli in Basel eintraf und auf seinem Wege dorthin nirgends länger als hier und da einige Tage rastete. Welche Städte er ausser Brügge sonst noch berührte, sagen uns nur gelegentliche Äusserungen. In Antwerpen erhielt er einen Brief des jungen Martin Dorpius (Van Dorp) aus Löwen 3 ), ') Die Anrede Wolsey's als Kardinal ist verfrüht und wahrscheinlich erst später hinzugesetzt; die Notifikation der Erhebung Wolseys zum Kardinal ist datiert vom 10. Septbr. 1515, die feierliche Überreichung des Kardinalshutes erfolgte am 18. Novbr. 1515; s. Brewer II, 1, 893 u. 1153. 2 ) Opp. omn. I, 1225. 3 ) Über Dorp vgl. Neve, S. 174 ff. — Der Brief findet sich nieht in ^m ..... Sit- 169 mit dem die ärgerlichen Kämpfe begannen, die er zunächst um das „Lob der Thorheit", dann um seine kritischen "Werke überhaupt zu bestehen hatte. Die „Moria", schrieb ihm Dorp, habe durch ihre Angriffe auf die Theologen, deren Autorität am wenigsten im Volke erschüttert werden dürfe, gerade unter seinen treuesten Anhängern heftige Stürme erregt und dem Ansehen des Verfassers sehr geschadet; nun im Begriffe, den hl Hieronymus und das Neue Testament herauszugeben, solle Erasmus doch bedenken, dass unmöglich die Kirche so viele Jahrhunderte geirrt haben könne; darum bittet er ihn freundschaftlich, im Neuen Testament, wo es nötig sei, nur den Ausdruck, nicht den Sinn zu verändern. Erasmus ging der Brief zunächst noch gar nicht offiziell zu; er sah ihn nur in einer Abschrift, ein Zeichen, dass Dorp gleich zu Anfang für seine Verbreitung sorgte. Sogleich hatte er eine Antwort bereit^, die in versöhnlichem Tone gehaltene erste Apologie seiner Werke; er beschäftigt sich hauptsächlich mit dem „Lobe der Thorheit", dessen völlige Harmlosigkeit er zu beweisen sucht; aber wer schon an diesem Werkchen Anstoss nehme, dem werde er es freilich mit dem Hieronymus ganz und gar nicht recht machen können; denn das sei doch gerade die Aufgabe des Herausgebers, die Verschiedenheiten der bisherigen Lesarten, wenn es nötig sei auch radikal, zu beseitigen, und dies treffe eben hier zu. Diese Antwort Hess Erasmus sofort nach seiner Ankunft iu Basel, im August 1515, zugleich mit den Briefen an den Papst und die Kardinäle bei Froben drucken, ehe noch der Angriff Dorps der Welt bekannt wurde *); denn dessen Brief erschien mit der Antwort des Erasmus der Leydener Ausg., sondern zuletzt bei Jortin, Life of Erasmus, II, 336 bis 339, ohne Datum; nach Van Iseghem (S. 255 Anm.) ist er im Druck vom August 1515 datiert. >) Opp. omu. IX, 1-16. 2 ) Es ist ein Irrtum, wenn Panzer (VI, 193 No. 139) schon im März lölö einen Druck der Epist. apolog. ad Dorpium, zusammen mit dem Seneca, Synesius (laus calvitiae) und Encomium Moriae anführt; der Druck dieser Werke von Froben aus dem März 1515, von dem die Berliner Kgl. Bibliothek ein Exemplar besizt, enthält die Apologie nicht. Derselbe Fehler findet sich bei Stockmeyer u. Heber (S. 100 No. 39), deren Verzeichnis der Frobenschen Drucke oft nur ein Auszug aus Panzer ist. Indes existiert ein späterer, Panzer unbekannter Druck der Apologie an Dorp zusammen mit dem Encomium Moriae, etwa vom September oder Oktober 1515, den auch Paul Voltz am EO. Oktober 1515 (App. 34) erwähnt. Ein Exemplar dieses Druckes fand ich in dem Katalog No. 72 von Rosenthals Antiquariat zu München aufgeführt. " mm .■•.;r..\ r y '■■^•'y-S-lf, •BS fet r mm ^JSß 170 erst im Oktober 1515 bei Martens in Löwen 1 ). So war Erasmus in der Gewinnung des gelehrten Publikums klugerweise dem Gegner zuvorgekommen. Geschrieben sind beide Briefe, trotz ihrer Datierung vom August, wohl schon im Juli 1515; denn Ende Juli war Erasmus schon in Oberdeutschland, und er hatte den Weg dorthin noch einige Male unterbrochen. Von Antwerpen kam er nach Mecheln, von wo er an Pirckheimer schrieb; so erfahren wir aus den falsch datierten Biefen App. 83 und App. 194 2 ). In Lüttich wollte er Andreas Hochstraten begrüssen; da er ihn nicht antraf und die Stadt ihm missfiel, liess er ihm einige Zeilen zurück (ep. 296, also Mitte Juli 1515); das Datum ergiebt sich aus App. 111 vom 11. Januar 1516, nicht 1517, wo Hochstraten mit dem deutlichen Hinweis auf ep. 296 sein Bedauern über dies Missgeschick „vor mehr als einem Jahre" — eine kleine Un- genauigkeit — ausspricht; er dankt für ein Geschenk, das ihm Erasmus am 5. Oktober aus Basel gesandt habe, d. h. 1515, da er Anfang Oktober 1516 in Brüssel war, und er hofft, ihn auf der Rückreise bei sich zu begrüssen — jener Brief war also auf der Hinreise nach Basel geschrieben. Weiterhin wird Erasmus auch nach Köln gekommen sein. Dass er in diesem Jahre dort war, erfahren wir von dem Kölner Professor Johannes Caesarius in App, 93 vom 3. Dezember 1515 3 ); das „nuper" hierin deutet eher auf den Juli als auf den März, also auf die Reise nach Basel, nicht nach England; und wenn er, um in Lüttich Hochstraten zu besuchen, von dem Wege „ein wenig abweichen" musste (deflexi), so könnte das für die Reise von Mecheln nach Köln sehr wohl zutreffen. In Speyer war er bei dem Dekan Thomas Truchsess und bei Maternus zu Gaste und begrüsste den Domherrn Johann Kierher (ep. 184); auch den Hirschauer Mönch Basellius lernte er hier kennen, der an ihn später von seinem Kloster aus schrieb (App. 101), wohl im Anfang 1516, da er von der Arbeit am Hieronymus, aber noch nichts vom Neuen Testament weiss. In Strassburg empfing er die Ehren der Erasmusgemeinde (App. 42, App. 74). Die Überschwemmung des Rheines verzögerte seine Reise, aber im Ende des Juli war er bereits in Basel, wo er am 30. Juli die Vorrede zu dem „Libellus de octo orationis partium construetione" schrieb 4 ). Am 8. August (App. 26) erwähnte *) Van Iseghem, 255 No. 91. 2 ) Zum Datum s. unten S. 172f. 3 ) Zum Datum s. unten S. 173. 4 ) Opp. omn. I, 167. 171 Nicolaus Gerbel, der Jurist und Korrektor bei Schürer'), ein Schreiben, das er wenige Tage zuvor an ihn gerichtet: nämlich App. 42, das seinen Abschied aus Strassburg beklagt und über die Schürerschen Drucke seiner Werke Bericht erstattet, den App. 26 wiederholt und fortsetzt. Auch weiterhin hält er Erasmus in Kenntnis von dem Fortschreiten des Druckes, so in App. 29 (31. August); in App. 30 (9. Septbr.) und App. 31 (11. Septbr.) stellt er seine Ankunft in Basel in Aussicht, hauptsächlich wohl, um mit Erasmus die Übernahme eines neuen Werkes zu verabreden. Es handelte sich um das Neue Testament, das im Frühling desselben Jahres Frohen hatte drucken wollen (App. 23); am 31. August bat Gerbel den Erasmus um Mitteilung seiner Absichten, dann reiste Lachner, Frobens Schwiegervater, nach Strassburg, und dessen Verabredung mit Gerbel teilte dieser dem Autor in einem nicht erhaltenen Briefe mit (s. App. 30). Schon zwei Tage darauf (App. 31) setzte er seine Bedenken gegen die von Erasmus geplante äussere Gestaltung des Werkes auseinander; hier erfahren wir auch ausdrücklieh, dass es sich um das Neue Testament handelte. Erasmus wünschte im Druck den griechischen und lateinischen Text synoptisch nebeneinander gestellt; Gerbel schlug mit Rücksicht auf den Gebrauch des gelehrten Publikums und die Handlichkeit eine Trennung der Texte vor. Froben hat vielleicht selbst, mit Druckaufträgen überhäuft,. das Werk an Schürer abzutreten gewünscht, da sein Schwiegervater den Unterhändler machte; doch übernahm er es schliesslich, vielleicht da bei dem Besuch Gerbeis in Basel — dass er dort war, sagt uns ep. 164 — sich eine Einigung nicht erzielen Hess. Schon am 2. Oktbr. schreibt Erasmus an Ammonio (App. 3), dass der Druck begonnen sei. Allmählich stellten sich auch die andern deutschen Humanisten wieder ein. Aus Schlettstadt schrieb am 12. Septbr. Johann Sapidus (App. 78), nicht, wie im Druck, 1516, wo Erasmus in Brabant war; unter den kürzlich durch Froben dem Sapidus zugesandten Schriften von Erasmus und anderen, worin des Sapidus Vaterstadt gepriesen sei, ist zweifellos die im August 1515 gedruckte Sammlung zu verstehen, die ausser den bekannten Schreiben an den Papst und die Kardinäle das Lobgedicht auf Schlettstadt enthält. Am 15. Septbr. führte sich Oecolampadius durch einen Brief von Sapidus (App. 32) bei Erasmus ein. Jetzt auch wird Capito seine Bekanntschaft gemacht haben, der zugleich mit x ) Vgl. Adolf Büchle, Der Humanist Nicolaus Gerbel aus Pforzheim. Beilage zum Progr. des Pro- u. Kealgymn. zu Durlach. 1886. m ■ : ra n hhhh 172 Oecolampadius im Somniersemester 1515 in Basel immatrikuliert worden war 1 ). Ein anderer Freund von Sapidus und Wimpfling, Paul Voltz, der Abt des Klosters Haugshofen bei Schlettstadt 2 ), erfreute sich an dem „Encomium Moriae" und der ihm beigedruckten Verteidigungsschrift gegen Dorpius (App. 34, 30. Oktober 1515) 3 ); später bat er ihn um Erklärung einer Stelle im Propheten Hesekiel (App. 38, 25. Novbr.). Ähnlich hatte schon früher Kierher in Speyer um die Deutung einer dunklen Stelle des Hieronymus gebeten (ep. 184, 16. Septbr.), und Erasmus verwies ihn auf seine demnächst erscheinende Ausgabe (ep. 185). Seinen wortreichen Briefwechsel eröffnete auch Zasius wieder; am 9. August (App. 27) begrüsste er den Zurückgekehrten, dessen Adagia, Lob der Thorheit und Copia zu rühmen er nicht müde wird. Unter überschwänglichen Dankesworten für ein Geschenk des Erasmus, wohl eins seiner neuen Werke, lud er ihn zur Hochzeit seiner Tochter dementia mit einem Freiburger Kaufmann ein (App. 33, 21. Septbr.), deren Verlobung er ihm schon im August durch Bonifacius Amerbach mitgeteilt hatte 4 ). Aber Erasmus lehnte die Einladung ab; in seiner Antwort (ep. 164, etwa Ende September) sandte er ihm ein Exemplar des neuerschienenen „Enchiridion Militis Christiani" zu und meldete die Anwesenheit von Gerbel und Oecolampadius: hieraus ergiebt sich das Datum 1515. Noch ehe er von Zasius Antwort erhielt, sandte er ihm einen kurzen Gruss mit Bezug auf das kürzlich abgesandte Enchiridion (ep. 289); die beiden letzten Briefe beantwortete Zasius am 30. Oktbr. (App. 35). Am 15. Dezember sandte er zwei Bogen seiner Scholien zum Ursprünge des Rechts 5 ) (App. 40), deren baldige Vollendung er schon vorher gemeldet hatte; in erdrückendem Wortschwall bat er bald darauf (App. 41, 26. Dezbr.) um das Urteil des Erasmus, und dieser spendete sein feinsinniges Lob: „Zasianisch, das heisst vollendet" (ep. 162). — An den ersten Erasmischen Brief vom letzten Winter (App. 48) knüpfte Pirckheimer an (App. 83, 1. Oktober). Er hatte die Antwort auf jenen Brief dem englischen Gesandten bei Maximilian (Robert Wingfield) zur Beförderung übergeben; aber Erasmus erhielt ihn nicht. ') Vgl. Vischer, Geschichte der Universität Basel. S. 227. 2 ) Über Voltz vgl. Röhrich, Mitteilungen aus der Geschichte der evangelischen Kirche des Elsass. Strasshurg u. Paris 1855. III, 203. 3 ) S. oben S. 169, Anm. 2. «) Vgl. Stintzing, Zasius S. 177. 5 ) Vgl. Stintzing, Zasius, S. 126. Gedruckt wurden die Scholien erst 1518, s. Stintzing S. 347. «I 173 Inzwischen hatte der Gelehrte auf der Rückreise von England, wie er in App. 194 (vom 16. Oktober) sagt, in Mecheln an Pirckheimer geschrieben; das Datum dieser Briefe lässt sich aus der Anwesenheit des Erasmus bei More in Brügge und aus der Aufzählung seiner soeben vollendeten Werke schliessen. Übrigens war es nicht Robert Wingfield, den Erasmus in England gesprochen haben will, denn der Gesandte hatte während des ganzen Sommers Bayern und Österreich nicht verlassen 1 ). Das bestätigt auch Pirckheimer in seiner Antwort vom 13. December (App. 39): Wingfield hatte dem Kaiser nach Wien folgen müssen. Aus Köln schrieb am 3. December Johannes Caesarius (App. 93, fälschlich 1516); er preist die „Herculesarbeit" des Erasmus, deren Früchte, also das Neue Testament und den Hieronymus, er erwartet. Hieraus ergiebt sich das Datum 1515; denn auch 1514 kann nicht zutreffen, da Glarean, der hiernach aus Italien zurückgekehrt ist, dorthin im April 1515 gereist war (App. 21) und im März 1516 (App. 53) in der That wieder in Basel zu finden ist; seine Heimkehr fällt also vor den December 1515 2 ). — Im Begriff, seine zweite Reise nach Italien anzutreten, schrieb aus Worms auch Ulrich von Hütten am 24 Oktbr. an den damals von ihm noch hochverehrten Mann (App. 86); er bedauerte, seinen Plan, Erasmus in Basel zu besuchen, an dem Widerspruch seiner Begleitung scheitern zu sehen. Da Erasmus hiernach in Basel ist, trägt der Brief im Druck fälschlich das Datum 1516 3 ). Am 19. Oktober sandte aus Hagenau Wolfgang Angst von Kaisersberg, der in der Anshelmschen Druckerei als Korrektor thätig war, an Erasmus den aus dieser Offizin hervorgegangenen ersten Teil der „Epistolae obscurorum virorum" (App. 389): „Obscuri viri ad myrtum canentes, apud me in sterili arena orti, fronte iam perfricata, in tuum conspectum prodire volunt." Da die erste Sammlung der Briefe 1515 erschien, werden wir diesen undatierten Brief in dies Jahr legen 4 ). ') Vgl. Brewer, passim. Erasmus mag ihn mit Richard Wingfield, dem englischen Gesandten in Paris, verwechselt haben. 2 ) Vgl. Vischer, Geschichte der Universität Basel. S. 197. 3 ) Von Seiten Huttens ist Strauss (S. 156 Anm.) zu demselben Resultat gekommen; s. auch Böeking, Hutteni Opera I, 102. 4 ) Vgl. Böeking, Hutt. opp., Suppl. tom. poster. pars I, S. I f. — Den Versuch Mohnicke's (Art. „Angst" in Ersch u. Grubers Encyklopädie der Wiss. u. Künste IV (1820) S. 105 ff.), aus diesem Briefe die Teilnahme von Angst an der Abfassung der Dunkelmännerbriefe herzuleiten, lehnen Strauss (I, 268) u. Böeking (Suppl. tom. post. p. II, 301) entschieden ab. fü tBsB $11? TM fifffl SB - ■■■■■ 174 In seiuer Beschäftigung mit dem Neuen Testament und dem Hie- ronymus sah sich der unermüdliche Gelehrte zwischenein auch zu anderen Arbeiten genötigt. Als die 1514 bei Schürer gedruckten „Sirnilra" vergriffen waren, regten sich allerorten die Nachdrucker, die sich das Verlangen des Publikums nach dem begehrten Werke zu nutze machten. Um ihnen zuvorzukommen, bat Schürer Erasmus durch Gerbel (App. 43), schleunigst eine Durchsicht der Sammlung für eine Neuausgabe vorzunehmen. Erasmus erfüllte den Wunsch, denn am 21. Januar 1516 (App. 47) erwartete Gerbel das bereits revidierte Exemplar. App. 43 liegt also vor App. 47 und demnach etwa im December 1515. Wäre es umgekehrt, d. h. wäre das in App 43 genannte, von Erasmus an Schürer „in den letzten Monaten" (mensibus superioribus) gerichtete Exemplar dasselbe, um welches Gerbel in App. 47 bittet, so müsste App. 43 mehrere Monate später, frühestens in den März 1516 fallen; Gerbel erwartet aber in App. 43 noch das Neue Testament, das im Februar 1516 bei Froben erschien 1 ). Während so in Basel die schreibfrohen deutschen Humanisten ihren Meister umschwärmten, hatte dieser seine gespannte Aufmerksamkeit von England und seiner Heimat nicht abgewandt. Dass er Wolsey bald nach der Ankunft in Basel den Dank für seine wohlwollende Absicht wiederholte (App. 74, 30. August) — mehr aus Höflichkeit als freudiger Zustimmung —, ist schon erwähnt. Am 2. Oktober (App. 3) teilte er auch Ammonio mit, dass der Erzbischof ihm die Pfründe in Tournay verliehen habe, ein „äompov S&pov", da Wolsey in Tournay einflusslos sei; er habe es indes angenommen, denn es aufzugeben sei leicht. Erasmus hatte also seine ursprünglichen Bedenken bekämpft, und um diese Zeit mag es gewesen sein, dass er More seine Zustimmung zu dem Plane wissen Hess und durch Mountjoy's Vermittelung die Sinecure anzutreten wünschte 2 ). Er wusste eben noch nicht, dass von Wolsey gleich nach seiner Abreise in Tournay Gegenordre eingetroffen war, die Pfründe dem ursprünglichen Kandidaten zu übertragen und Erasmus anderweitig zu entschädigen; daran konnte auch More's Eintreten für den Freund nichts ändern. Bald erfuhr dann Erasmus von Johann Dumoulin (App. 37, 23. Novbr.), dass Wolsey die Pfründe dem Sohne des Königlichen Leibarztes gegeben habe. Schmerzlicher als den Verlust empfand der Getäuschte die Kränkung, die in der Rücksichts- ») Panzer VI, 196, 159. 2 ) s. oben S. 168 u. ep. 227, S. 220 D. 175 losigkeit dieses summarischen Verfahrens lag; „magis dolet ludribrium quam dispendium," schrieb er an Ammonio (App. 224, 23. December, fälschlich 1517). Bald darauf schilderte ihm More in dem schon öfter erwähnten Schreiben (ep. 227) den Vorgang der Angelegenheit; das Datum seines Briefes (nach dem 24. Decbr. 1515) ergiebt sich einmal aus der Anwesenheit des Erasmus in Basel, da er Grüsse an Beatus Bhenanus enthält, genauer noch aus dem Bericht über Mores Gesandtschaftsreise nach Brügge und dem Rücktritt Warhams vom Kanzleramt und seinen Ersatz durch Wolsey, der am 24. Dezbr. 1515 den Eid in des Königs Hand leistete l ). — An demselben Tage wie an Ammonio (23. Decbr.) schrieb er an Caraffa (App. 16), dem er für ein Geldgeschenk dankte; er teilte ihm den Druck des Briefes an den Papst mit, worin auch sein Name erwähnt sei. Durch die Verzögerung seiner Arbeiten war der Aufenthalt des Erasmus in Basel verlängert worden. Am 2. Oktober (App. 3) schrieb er, dass er nur bis "Weihnachten zu bleiben gedenke, und auch Johannes Borsalus hatte er diese Absicht mitgeteilt, wie wir aus dessen Antwort vom 21. Novbr. (App. 36) erfahren. Borsalus vermutet schon deshalb seine baldige Rückkehr nach Brabant, weil er von seinen Freunden gehört, dass ihm eine ehrenvolle und gut dotierte Stellung am Hofe Karls von Burgund, der kürzlich die Regierung in den Niederlanden angetreten hatte, in Aussicht stehe. Trotzdem wir Näheres noch nicht erfahren, haben wir es hier nicht mit einem blossen Gerücht zu thun; denn schon im Februar 1516 (App. 51) spricht Erasmus selbst von seinen Verpflichtungen gegenüber seinem Fürsten Karl 2 ). Auch aus Deutschland gingen dem Gelehrten ehrenvolle Anträge zu. Hieronymus Emser, der Leipziger Jurist 3 ), der sich durch Pirck- heimer an Erasmus hatte empfehlen lassen (App. 110), lud ihn durch denselben nach Leipzig ein und versprach ihm die Unterstützung seines Kurfürsten (App. 109, 110). Eine genaue Datierung dieser Briefe ist leider nicht möglich; am 15. März 1517 (App. 116) wiederholte Emser sein Anerbieten schon im direkten Auftrage des Kurfürsten durch Richard Croke; vorher muss also App. 110 und 109 — in dieser Reihenfolge — liegen, vielleicht im Anfang 1516, zweifellos aber während des zweiten Basler Aufenthaltes, da Pirckheimers Bekanntschaft mit Erasmus nicht über die letzten Monate der ersten Basler Reise hinausgeht. Es ') Brewer II, 1, No. 1335. 2 ) Über diese Beziehungen zu Karl s. unten S. 208 ff. 3 ) Waldau, Leben Emsers. Anspach 1783. n ■ ;,.>■■;, | ^M m ■ .. tmffl öl 176 wird in derselben Zeit gewesen sein, als an Erasmus, auf dem die Blicke des ganzen gelehrten Deutschland ruhten, auch aus Bayern Einladungen ergingen. Urbanus Regius (Rieger) richtete im Auftrage des jugendlichen Herzogs Ernst von Bayern, des späteren Bischofs von Passau, der 1515 unter Avenlins Leitung in Ingolstadt studierte, und des bayrischen Rates Leonhard von Eck an den Basler Kanonikus Johann Faber (Heigerlin) das Ersuchen, den gefeierten Gelehrten durch weitgehende Versprechungen zur Übernahme einer 'ordentlichen Professur in Ingolstadt zu bewegen (ep. 229) 1 ). In einem vertraulichen Schreiben (ep. 230) formulierte er seine Anträge genauer: der Herzog verspräche 200 Goldgulden und eine Pfründe; sollte trotzdem Erasmus nicht darauf eingehen, so möge er wenigstens Ingolstadt einen Besuch abstatten, dessen Kosten der Herzog ihm ersetzen wolle. Diese Einladung mag im Anfang Februar erfolgt sein, denn am 24. Februar (App. 51) lehnte Erasmus sie höflich aber bestimmt ab. Statt seiner empfahl er am 7. März (App. 53) mit warmen Worten Glarean. Aber je mehr sich Erasmus, mit Arbeiten überhäuft, allen Kundgebungen zu entziehen suchte, je spärlicher aus der Studierstube in Basel die Nachrichten nach aussen drangen, um so grösser war die wissbegierige Teilnahme seiner Freunde und Verehrer. „Vivi-ne adhuc," schrieb am 15. Januar (App. 46) der alte, kranke Wirapfling, den die Gicht nicht mehr das Maultier besteigen Hess, um nach Basel zu kommen, „vivi-ne adhuc an vita functi sunt, aut inter martiales et feroces inhumanitatem quandum contraxerunt dominus Erasmus Roterodamus, Joannes Oecolampadius, Beatus Rhenanus?" — „Vivimus," antwortete ihm der also Gemahnte am 3. Februar 2 ), „valemus, tui meminimus, te ') Herzog Ernst in Ingolstadt: Friedr. Schmidt, Gesch. der Erziehung der bayrischen Witteisbacher (Monum. German. Paedag., herausg. von Kehrbach, Bd. XIV) Berlin 1892, S. XXIX ff. Über Regius: Heimbürger, Hamburg u, Gotha 1851; Uhlhorn, Urb. Rhegius'Leben u. auserwählte Schriften. Eiber - feld 1861. Über Faber: Horawitz, Joh. Heigerlin gen. Faber, Bischof von Wien. Wien 1884. — Uhlhorn (S. 345 Anm. 13) legt die Verhandlungen in das J. 1514, da er die erste Basler Reise 1513 ansetzt und als Geburtsjahr 1465 annimmt; er scheint auf Von der Hardt, Hist. litt. Reform. (Frankf. u. Leipz. 1717) I, 13 zurückzugehen. Richter (Erasmus-Studien; Anh. I) hat es wahrscheinlich gemacht, dass Erasmus am 28. Oktober 1466 geboren ist; vgl. indes hierzu die Recension von Max Herrmann in d. Zeitschr. f. dtsch. Altertum 1894. S. 43 ff. 2 ) Zuletzt abgedruckt bei Riegger, Amoen. litt. Friburg. (1779) S. 478, mit dem falschen Datum „postridie purificationis MDXVII" statt MDXVI. I ■MM S*J«! 17? amamus omnes, et si tno fiat commodo, adveutum (juoquö tuum exspec- tamus." — Zwei Schwiegersöhne des Zasius, die Erasraus zu sehen begehrten, brachten von jenem einen Brief mit (App. 50, 20. Februar). Aus seinem Kloster Ottenbeuren bat Nicolaus Eilenbog 1 ) um Nachricht über den Hieronymus und um ein Exemplar des Neuen Testamentes (App. 55, 30. März); Erasmus gab ihm kurze Antwort in einem undatierten Billet, das also wohl in den April 1516 gehört: der Hieronymus werde zum nächsten Herbst vollendet werden, das Neue Testament sei eher überhastet als herausgegeben 2 ). Georg Pritzel (Pri- cellius) in Ulm wüuschte die baldige Ausgabe eines Werkes über die Metaphern bei den Klassikern, das einst Richard Pace versprochen habe (App. 57, 5. April). Unter dem Eindruck einer Unterhaltung mit Lucas Paliurus über Erasmus entschloss sich Hieronymus Baidung in Ensisheim, den Gelehrten zu begrüssen (App. 59, 24. April). Es war in der That so, wie Sapidus bei der Übersendung eines panegyrischen Gedichtes: „Wettstreit zweier Nationen über die Abstammung des Erasmus", an ihn schrieb (App. 58, 11. April), dass aus ganz Deutschland die Männer der Wissenschaft zu ihm strömten. Aber Erasmus lehnte das Lob des Sapidus bescheiden ab (App. 96, also nach dem 11. April); seine Eindrücke und Erfahrungen während eines fast zweijährigen Aufenthaltes in den Kreisen der deutschen Humanisten zusammenfassend fand er, nur ihm dürfe man Glück wünschen, dass er in eine Reihe hochgebildeter Männer getreten sei 3 ). Das klang wie ein Abschiedsgruss an Basel, das er nun zu verlassen gedachte. Die letzten Monate waren ganz der Vollendung seiner grossen Werke gewidmet gewesen. Am 23. Dezember 1515 (App. 16 und App. 224) hatte er zum ersten Male gegen Ammonio und Caraffa die Absicht ausgesprochen, das Neue Testament Leo X. zu widmen; am Die ersten Drucke finden sich in „Baptistae Mantuani Carmelitae theologi fastorum libri XII«, 1518 bei Schürer (Panzer VI, 89, 522) und 1520 bei Hupfuff (Panzer VI, 93, 570); Riegger citiert nach dem letzteren. ') Über Ellenbog: Geiger, in der Österreich. Vierteljahrsschrift für kathol. Theologie, herausg. v. Wiedcmann. 1870. S. 45—112, 161—218. Nachträge u. Berichtigungen dazu: Jahrg. 1871, S. 443—458. 2 ) Abgedruckt bei Horawitz, Erasmiana; Wien 1878—83; I, 71. Ho- rawitz legt den Brief 1516 oder 1517; das letzte Datum ist durch die Bemerkung über das N. T. ausgeschlossen. 3 ) Dieser Brief bezieht sich nicht, wie eine Anmerkung in der Leydener Ausg. besagt, auf das von Glarean am 5. Septbr. 1516 (ep. 217) übersandte Gedicht des Sapidus, das Erasmus in den Niederlanden empfing, während App. 96 aus Basel datiert ist. Westd. Zeitschrift. Ergänzungsheft IX. 12 m i SS» ; i -. 178 1. Februar 1516 datierte er das Widmungsschreiben an den tapst (Opp. VI, [2]), im Februar noch ward der Druck vollendet. Aber während er in dem Briefe an Caraffa sich recht zufrieden mit der Ausgabe gezeigt hatte, nannte er sie schon am 3. Februar 1516 gegenüber Wimpfling, dann auch später gegen Eilenbog und Pirckheimer (ep. 274, 2. Novbr. 1517) überhastet 1 ). Den Plan zu einer zweiten Ausgabe, die ihn im Sommer 1518 wieder nach Basel führte, fasste er bald darauf; am 2. September 1516 (App. 75) wusste schon Capito davon. Dem Erzbischof Warham fiel wieder der Hieronymus zu, dessen Widmung vom 1. April 1516 datiert ist 2 ). Den Druck des Hieronymus wartete Erasmus nicht mehr ab. Nach Monaten ernster Arbeiten schied er aus der liebgewonnenen Stadt, die seine zweite Heimat werden sollte. Fremd war er gekommen, Freunde liess er zurück; fast zwei Jahre innigen Verkehrs mit den jungen Talenten des aufstrebenden deutschen Humanismus lagen hinter ihm, bedeutungsvolle Jahre für Erasmus, dem hier zum ersten Male Ehren entgegengebracht wurden, die man ihm vorher versagt oder nur kärglich gespendet hatte, der nun eine willige Gefolgschaft gefunden hatte, die seine Ideen aufzunehmen und fortzupflanzen fähig war; bedeutungsvoll auch für den deutschen Humanismus, dem seither der Name des Erasmus das Banner wurde, um das die zerstreuten Scharen sich sammelten. Verstärkt durch den persönlichen, hatte der litterarische Einfluss des Erasmus in den deutschen gelehrten Kreisen von nun ab an Umfang wie an Tiefe beträchtlich zugenommen. Mitte Mai verliess Erasmus Basel. Am 9. Mai (ep. 213) lud ihn noch Zasius dringend zu sich ein, der es bedauerte, bisher nur immer brieflich mit ihm verkehrt zu haben. Das Datum 1516 ergiebt sich aus der bevorstehenden Ausgabe des Hieronymus (haec tuus Hieronymus docere poterit), genauer aus dem Umstände, dass Erasmus im Jahre 1515 schon im März oder April Basel verliess. Da er bei dem Empfange dieses Briefes schon im Begriff abzureisen war (ad iter accineti), entschuldigte er sich in einem kurzen Schreiben an Bonifacius Amerbach, der bei Zasius in Freiburg studierte, dass er keine Zeit ') Franz Delitzsch, der (im „Serapeum", Leipzig 1862, S. 17 ff.) den griechischen Text der Apokalypse mit dem von ihm 1861 aufgefundenen, von Erasmus benutzten sog. „Codex Reuchlini" verglichen hat, macht ihm Willkür und Nachlässigkeit zum Vorwurf. 2 ) Sie findet sich nicht in den gebräuchlichen Ausgaben der Werke des Erasmus, sondern ist zuletzt abgedruckt bei Jortin II, 528—535. 1?9 * M Xl mehr habe, diesem zu antworten 1 ). Aus dieser Beziehung dürfen wir wohl, ohne das Jahr 1515 durchaus abzuweisen, den undatierten Brief an Amerbach in das Jahr 1516 legen, da 1515 ein der Abreise kurz vorhergehender Brief des Zasius sich nicht nachweisen lässt. Er mag dann etwa auf den 12. Mai 1516 fallen; denn auch von JPirckheimer verabschiedete sich Erasmus „schon zur Heise gerüstet" am Tage „pos- tridie Pentecostes" (App. 62), d. i. am 12. Mai, da Ostern auf den 23. März fiel. Ehe dieser Brief in Nürnberg eintraf, forschte Pirck- heimer am 20. Mai (ep. 214) nach dem Verbleib seines Schreibens, das er vor vier Monaten, nämlich am 13. Dezember 1515 (App. 39) an ihn gerichtet. Aber dieser Brief und die Grüsse von Stabius und Charitas Pirckheimer erreichten Erasmus nicht mehr in Basel. Ein weitaus wichtigerer Brief hatte dasselbe Schicksal. Schon am 17. Februar (ep. 236) hatte Ammonio, als Erwiderung auf Erasmus' Schreiben vom 2. Oktober und 23. November 1515, ihm die Antwort des Papstes auf seinen Brief vom 28. April 1515 mitgeteilt. Es waren drei päpstliche Schriftstücke in London angekommen, zwei Breveu an Erasmus gleichen Wortlautes (ep. 178) und eines an Heinrich VIII. (ep. 179); jene hatte Ammonio geöffnet und schickte nun an Erasmus das eine Exemplar, zugleich mit einer Abschrift des Breves an den König; das andere Exemplar bewahrte er ihm auf und überliess es seiner Entscheidung, ob das Empfehlungsschreiben an Heinrich nach so langer Zeit diesem überhaupt noch zu übergeben sei. Johann Froben nahm diese Sendung in der Abwesenheit des Erasmus an sich und schickte sie am 17. Juni (App. 25, also nicht 1515) 2 ) mit anderen Briefen ihm nach; es waren nach seiner Aufzählung das Breve Leo's, die Abschrift des Breves an den König, mit anderen Beilagen, nämlich dem Briefe Ammonio's, vielleicht auch dem Briefe von Bedillus, Warhams Sekretär, der ihm über die, auch von More (ep. 227) erwähnte Verzögerung bei der Auszahlung seiner Pension berichtet hatte (App. 49, 10. Februar); ferner nennt Froben-den Brief Pirckheimers (ep. 214) und einen Brief Reuchlins, zweifellos App. 63 vom 5. Juni, der über die Intriguen ') Abgedruckt in den „Epistolae familiäres ad Amerbachium." Basel 1779. S. 7, No. HI. 2 ) Hier nennt Froben zürn ersten Mal Erasmus „Gevatter" (compater); Erasmus war der Pathe seines jüngsten Sohnes, der nach ihm den Namen Erasmius erhielt; wir werden also Stockmeyer u. Reber (S. 92) dahin berichtigen, dass seine Geburt vor den 17. Juni 1516 (nicht 1516) fällt. Ein genaueres Datum lässt sich nicht feststellen. 12* §§111' : . HH ■«p*. 180 seiner Gegner in Rom berichtet. Aber auch jetzt trafen ihn die Briefe nicht unmittelbar; sie folgten ihm zweimal über den Kanal auf seiner Reise, deren Hin und Her auch die Verwirrung in der Korrespondenz entspricht. Den Reiseweg können wir im allgemeinen in dem Briefe an More (ep. 364) verfolgen, der, obwohl vom Jahre 1518 datiert, doch in den Sommer 1516 gehört, da hier auf die soeben vollendeten "Werke, namentlich das Neue Testament, Bezug genommen und das auch sonst in dieser Zeit (ep. 256 u. 258) genannte Pferd des Bischofs von Basel, Christoph von Utenheim, erwähnt wird, ein Geschenk des Bischofs, das Erasmus, ein guter Geschäftsmann der er stets war, sofort vor den Thoren Basels um 50 Goldgulden verkaufte. Als er schon bis Kaisersberg gekommen war, hinderten ihn an der Weiterreise durch Lothringen die kriegerischen Unruhen; da zog er den Rhein abwärts nach Köln, wo er mit der päpstlichen Gesandtschaft zusammentraf, und kam am 30. Mai in Antwerpen an. Hier finden wir ihn noch am 1. Juni, wo er an den Kanzler Sauvage ein Schreiben richtete (ep. 176), dessen Datum (1516) sich aus dem Hinweis auf kürzlich vollendete Arbeiten ergiebt. An demselben Tage schrieb er einige Zeilen ähnlichen Inhalts an den Florentiner Rimaclus, fürstlichen Geheimschreiber in Brüssel (ep. 252). Von Antwerpen aus schrieb er auch an den soeben verlassenen Kölner Dompropst Grafen Hermann Nuenar 1 ); dieser erhielt den Brief am 1. Juli und beantwortete ihn am 14. Juli (App. 69). Erasmus wollte, wie er an Sauvage schrieb, über Brüssel und Mecheln nach Harn zum Lord Mountjoy gehen, um von dort den bereits fertig gestellten Teil des Hieronymus dem Erzbischof Warham zu schicken, einige Briefe nach England zu schreiben und zugleich die fällige Rate seiner Rente von Aldington erheben zu lassen; dann wollte er zu Sauvage zurückkehren. Von einer Reise nach England hören wir noch nichts. Auf der Durchreise durch Brüssel, also zwischen dem 2. und 4. Juni, muss Erasmus den erwähnten Reisebericht an More (ep. 364) geschrieben haben; denn er liegt vor der beabsichtigten Reise nach Ham zu Mountjoy und nach St. Omer zum Abt Anton von Berghes (Montjoium conveniam et Abbatem), die er am 4. oder 5. Juni antrat. Am 5. Juni schrieb er in St. Omer die Briefe nach England; wir besitzen fünf von ihnen: ep. 157 an den königlichen Leibarzt Linacre, ep. 158 an Ammonio, ') Über den Grafen Nuenar (Neuenar, auch Neaetins und De Nova Aquila) vgl. Erhard, Gesch. des Wiederaufblühens wiss. Bildung. 111,417—421. SB«!?!!«! 1 m8BHMpH|H ^iwiii&tiTO ^^m^mmSa^m ^^^^^^^^1 ^^^■^^^^^^^^^^^^H 181 ep. 254 an Latimer, ep. 255 an Urswick, den früheren Kaplan Heinrichs VII., jetzigen Abt von Abbiugdon, ep. 256 an den Bischof Fisher von Rochester. Von anderen Briefen desselben Datums, die uns nicht erhalten sind, erfahren wir später; so von einem Briefe an Warham in ep. 364 (F: scripsi Cantuariensi per hunc tabellionem), an den Bischof Ruthall von Durham in ep. 215, au Watson in dessen Antwort ep. 183'), an Sixtin in App. 494, wahrscheinlich auch an Lupset, da App. 459 die Antwort darauf zu sein scheint. Gemeinsam ist diesen Briefen zunächst das Tagesdatum (5. Juni), während sie in verschiedene Jahre gelegt sind 2 ). Ihr Zusammenhang wird auch sonst noch aus zahlreichen Beziehungen deutlich: ep. 157 erwähnt die Vollendung des Neuen Testamentes wie ep. 364; das von Linacre erbetene Heilmittel soll gegen das Fieber angewandt werden, das ihn nach ep. 256 an der Schiff fahrt hindert; ep. 256 giebt denselben Reisebericht wie ep. 364 an More; die am 1. Juni (ep. 176) beabsichtigte Übersendung eines Teiles des Hieronymus an Warham wird nach ep. 255 ausgeführt; der „einäugige Peter", der uns in den Antworten als „Petrus Codes" oder „Cyclops" begegnet (ep. 177, App. 388), ein früherer Famulus Colets (ep. 121), wird als Überbringer der Briefe in ep. 158, 255 und 364 genannt. Zahlreich sind die Briefe, die dieser Peter aus England zurückbrachte. Zunächst dankte Warham für die Übersendung des Hieronymus. Sein Brief ist doppelt überliefert: nach der Redaktion des Erasmus oder seiner Herausgeber, ep. 261 der Leydener Ausgabe, datiert: 20. Juli, und aus einem Manuscript 3 ) als App. 65, datiert: 22. Juni. Das letzte Datum scheint, abgesehen von der grösseren Wahrscheinlichkeit der handschriftlichen Überlieferung, das richtige zu sein; denn auch Warham's Sekretär Bedillus antwortete, ebenfalls aus Oxford, am 22. Juni. Die Textvergleichung zeigt, dass der erste Herausgeber in ep. 261 den ganzen Teil fortgelassen hat, der die Zahlung der Warhamschen Pension an ') Zum Datum s. unten S. 187. 2 ) ep. 158 an Ammonio in der Leydener Ausg.: 1514, in der Basler Ausg. von 1538, S. 286 f.: 1513. 3 ) wie es scheint, einer Copie vom Originale, die sich in dem MS.- Codex zu Deventer befindet, von dem J. B. Kan (Erasmiana. Erasmiani Gym- nasii programma litterarium. Rotterdam 1881) Mitteilung macht; dieser Brief S. 6 No. 247. Die hier zutreffende Jahreszahl 1516 ist erst in dem Codex hinzugefügt, aber auch die falschen Daten der im folgenden behandelten Briefe App. 142 (1517), App. 252 (1517) und App. 7 (1514), bei Kan bezügl, No. 327, 337, 242, sind erst vom Herausgeber hinzugesetzt. «*S ■Hl Hra H bhbh ■ IIP H n H ■1 BS H M —i 1H BH ■BBI ■■■I Mm m ■■■■■■■ I ■■■■■ ■■■■■■■■■■ ■ ■- ■ ■■■■■■1 182 Erasmus betrifft; er bricht mitten im Satze ungeschickt ab: „mensarius in culpa est, qui, et cetera;" auch der Name des Banquiers Maruffus ist dem allgemeinen „mensarius" gewichen. Bedillus (App. 142) bedauerte seinen Fieberanfall und lud ihn zur „Erholung von den Herkulesarbeiten " nach England ein. Den letzten Brief des Erasmus (ep. 364) beantwortete auch Thomas More (App. 252), wahrscheinlich am 26. Juni, wie die andern Londoner Briefe (ep. 177 und App. 494) datiert sind; Erasmus hatte ihm geschrieben, dass ihm Basel ausserordentlich gefallen habe; More's Apologie des „Encomium Moriae" habe er noch "nicht ganz gelesen; er hatte ihm einen Auftrag für Face gegeben und von seiner Einladung zu Tunstall erzählt. Alle diese Punkte berührte More in seiner Antwort, namentlich aber berichtete er über die von Erasmus erbetene Vermittelung bei Warham und Maruffus, der beauftragt war, die Pension gegen Quittung an Erasmus abzuführen oder J n den Niederlanden anzuweisen und die verauslagte Summe nach dem Eingang der Quittung sich von Warham erstatten zu lassen 1 ). — Etwa an demselben Tage (26. Juni), da der einäugige Peter als Bote genannt wird, dankt Fisher von Bochester für die Übersendung des Neuen Testamentes (App.. 103); auch die Briefe von Sixtin (App. 494, 26. Juni) und von Lupset (App. 459, 28. Juni) beförderte der Famulus. Am wichtigsten sind jedoch die Briefe Ammonio's, App. 7 vom 22. und ep. 177 vom 26. Juni, die uns über das Schicksal der päpstlichen Breven Kunde geben. „In der Meinung," schrieb Ammonio am 26. Juni, „dass Codes schon fort sei, habe ich einem nach Brüssel reisenden Freunde ein paar Zeilen .(tres versus) an Dich mitgegeben (d. i. App. 7), dazu eine Abschrift des Briefes, den ich Dir schon früher durch Pace geschrieben; diesem Brief (nämlich dem durch Pace beförderten) hatte ich die Breven des Papstes an Dich beigefügt; das andere Exemplar hatte ich hier behalten und sende es jetzt durch Codes. Das Empfehlungsschreiben des Papstes (an den König) bewahre ich Dir bis zu Deiner Ankunft auf." Ammonio hatte also drei Briefe geschrieben: 1. durch Pace nach Basel, mit dem einen Exemplar des Breves an Erasmus und einer Abschrift des Breves an Heinrich VIII.; es ist dies ep. 236 vom 17. Februar 1516; 2. durch den nach Brüssel reisenden Freund mit einer Abschrift von ep. 236, nämlich App. 7 vom 22. Juni 1516; 3. den vorliegenden Brief ep. 177 vom 26. Juni mit dem zweiten Exemplar des Breves an Erasmus; das päpstliche Schreiben an Heinrich ') Diese Art des Geldverkehrs geht aus App. 80 hervor. ^^^^ 183 hatte Ammonio noch immer bei sich, und es ist mindestens zweifelhaft, ob der König es je gesehen hat. Von diesen Briefen erhielt Erasmus zunächst App. 7 und ep. 177, und zwar schon nach wenigen Tagen; den ersten Brief (ep. 236), den ihm Froben am 17. Juni nachgesandt hatte (App. 27), erst kurz vor dem 2. Oktober in Antwerpen (ep. 160)'). Von ep. 236 erhielt er jetzt erst durch Ammonio Kenntnis, er zog sofort in Basel Erkundigungen ein, die ihm Beatus Rhenanus am 3. September (App. 76) beantwortete 2 ). Auf diese wichtigen Nachrichten mag Erasmus seine Reise nach England beschlossen haben, die freilich in der nächsten Zeit noch durch seine Krankheit verzögert wurde; aber am 9. Juli schrieb er aus Antwerpen dem Bischof Ruthall von Durham (ep. 215) als Antwort auf den von Peter überbrachten Brief, dass er soeben genesen sei und bald seiuc Gönner wiederzusehen hoffe. Getreu seinem dem Kanzler Sauvage (ep. 176) mitgeteilten Plane war Erasmus inzwischen von St. Omer, wo er die Briefe nach England geschrieben — ob er bis nach Ham zu Mountjoy gekommen war, wissen wir nicht —, nach Brüssel zurückgekehrt. Hier machte Martin Dorp, dessen vorjährige Kontroverse mit Erasmus auf beiden Seiten eine leichte Verstimmung zurückgelassen hatte, einen Annäherungsversuch. Paludanus, der alte Löwener Gastfreund des Erasmus, hatte bei einem Besuch in Brüssel, wohl nicht ohne den Auftrag Dorps, von dessen ernsthaftem Bestreben gesprochen, seine Zuhörer zum Studium der hl. Schrift anzuleiten. Erasmus sprach ihm darüber seine Freude und Anerkennung aus, die Tunstall mit ihm teile (App. 423). Diese Gelegenheit ergriff Dorp, um Erasmus seiner aufrichtigen Anhänglichkeit zu versichern und das von andern ausgesäete Misstrauen zwischen ihnen zu heben; er möge nur bald zu ihnen nach Löwen kommen (App. 247). Diese beiden ungenau datierten Briefe gehören in das Jahr 1516, denn Johann von ') Zum Datum s. unten S. 195. 2 ) Den stillschweigenden Vorwurf der Lässigkeit, den Erasmus in dem Briefe au Bovillus vom Ende August 1516 (ep. 148, S. 129 E, s. unten S. 190. gegeu Pace erhebt, weist dieser in einem Schreiben aus Konstanz vom 5. Aug. [1517] zurück; der Brief ist aus einem MS. im British Museum mitgeteilt von Jortin II, 347 ff. und im Auszug von Brewer II, 2 App. 37*. — Wir erfahren hier, dass Pace die Antwortschreiben von den Kardinälen Grimani und Riario 1516 von Mailand aus an Ammonio geschickt; wir besitzen nur den Brief von Riario (ep. 180). — Den Brief an Bovillus lernte Pace aus den Drucken vom Oktober 1516 oder April 1517 kennen; vgl. Van Iseghem, Thierry Martens, S. 265 No. 105 und S. 270 No. 110. ■ m ■• J HB "„. ■ ; m El ■ iSssa Mm £ l&^Mffi$Ö ^^^ 184 Langenfeld (Longicampiauus), den Dorp hier an Erasmus empfiehlt, ist späterhin auf Erasmus' Empfehlung bei Gerhard Listrius in Zwolle, wie aus einem Briefe des Listrius (App. 104) hervorgeht, der vor dem März 1517, vielleicht im Anfang des Jahres liegen muss, weil der im März 1517 beendete Druck der Kabbalistik Keuchlins 1 ) hier als bevorstehend erwähnt wird. Ins Jahr 1517 können sie schon deshalb nicht gehören, weil dann Erasmus sich von Ende Juni oder Anfang Juli ab dauernd in Löwen niederliess. Dann muss aber auch das überlieferte Datum von App. 423, 10. Juli, falsch sein; am 10. Juli, genauer vom 19. Juni bis Mitte Juli, war Erasmus in Antwerpen, von wo aus wir Briefe vom 9. und 14. Juli haben (ep. 215 und 260). App. 423 ist dagegen in Brüssel geschrieben, weil Tunstall bei Erasmus ist. Dass dieser nun aber vor dem 19. Juni in Brüssel war, schreibt er an Bude (Anfang von ep. 251) 2 ). Darum ist App. 423 sicherlich am 10. Juni und App. 247 bald darnach geschrieben. — Die Verständigung mit Dorp war übrigens nicht von langer Dauer; Allard von Amsterdam, der ihn am 1. Juli „Deinen" Dorpius nannte (App. 66), schrieb schon am 11. November (App. 89), dass er auf seiner „Ketzerei" beharre. Kurz vor dem 19. Juni kam Erasmus von Brüssel nach Antwerpen. Er kehrte, wie so oft in den nächsten Jahren, bei dem Stadtschreiber Peter Aegidius ein, einem gelehrten Juristen und feinfühligen, fast weiblich zarten Menschen, für den er die Freundschaft eines älteren Bruders fühlte 3 ). Hier empfing er erfreuliche Nachrichten von Sauvage, mit dem er vor kurzem in Brüssel Verhandlungen gepflogen hatte. Der Kanzler schrieb ihm am. 8. Juli (App. 68), dass er ihm eine Pfründe in Courtray auch jetzt noch übertragen wolle, wenn er sich entschliessen könne, im Lande zu bleiben; zugleich deutete er an, dass er wohl noch mehr vom Könige erwarten dürfe. Peter Barbier, Sauvage's Kaplan, hatte sich bei diesem für Erasmus verwandt und das Kesultat seiner Vermittelung schon vorher ihm mitgeteilt, denn schon am 11. Juni erhielt er die Wünsche und Vorschläge des Erasmus für die Verleihung. Welcher Art diese Wünsche waren, erfahren wir aus Barbiers Antwort *) Geiger, Reuchlin. S. 185 Anm. 5. 2 ) s. unten S. 186. 3 ) Über Aegidius (Gilles): M. Britz, im Messager des sciences historiques en Belgique. Gand 1864. S. 181—208. Seine Charakteristik giebt Erasmus in ep. 219. — Völlig missglückt ist der Artikel in Van der Aa's Biogr. Woor- denb. d. Nederl., I (1852), S. 99, wo Peter Aegidius mit Aegidius Dilphus verwechselt ist. &3K Sas 185 vom 18. Juli (App. 70): Sauvage hatte für die Besetzung des Kanonikats nächst Erasmus einen jüngeren Mann in Aussicht genommen; sobald Erasmus sah, dass er die Oberhand behalten würde, hatte er sofort — also noch vor der offiziellen Bestallung — die amtliche Bürde von sich abzuwälzen gesucht und den Vorschlag gemacht, seinen Mitbewerbe)' gegen eine Rente von 30 flandrischen Pfund als seinen Stellvertreter einzusetzen. Inzwischen stellte sich heraus, dass dieser die zur Ausübung der kirchlichen Funktionen erforderlichen Weihen nicht besass und vorläufig auch noch nicht erlangen konnte; bei Erasmus war dies kanonische Hindernis nicht vorhanden. Da empfahl Barbier als Ersatz einen Freund von ihm, dessen Person genügende Sicherheit gewähre; auf 30 Pfund sei indes nicht zu rechnen, aber der Freund böte 25 Pfund, die bei der Abtei zu St. Michael in Antwerpen zahlbar sein sollten. Dieser Hintermann war Johann de Hondt, genannt Canius, dem Erasmus auf die besondere Empfehlung des Quästors Potelberg die Pfründe übertrug (App. 255) und an dem er besonders seine Pünktlichkeit in der Auszahlung der Rente zu rühmen wusste (ep. 307). Schon am 9. Nov. 1516 schrieb er an Ammonio, dass er die Pfründe geschickt in eine Pension umgesetzt habe (ep. 151). Es zeigt sich uns hier dasselbe Bild wie früher bei der englischen Pfründe und wie es, bei weniger Rücksichtslosigkeit Wolseys, das Schicksal des Kanonikats von Tournay geworden wäre: ein systematisches Handelsgeschäft mit kirchlichen Ämtern. Züge dieser Art sind typisch für Erasmus wie für das Gelehrtentum seiner Zeit; sie beleuchten vielleicht am deutlichsten die innige Interessengemeinschaft des Humanismus mit der offiziellen Kirche und erklären, warum es ihm unmöglich war, offen gegen Missbräuche zu kämpfen, von denen er sich selbst nicht frei wusste. — Welche Absichten Sauvage und durch ihn der junge König sonst noch mit ihm hatten, erfahren wir ebenfalls durch Barbier und genauer noch später aus einem Briefe an Aegidius (ep. 219): Erasmus sollte ein Bistum in Sicilien erhalten, das mit dem Tode Ferdinands von Spanien (f 23. Januar 1516) an seinen Enkel gefallen war; und es scheint, dass man nur auf eine Vakanz wartete, um den Gelehrten mit diesem unwillkommenen Geschenk zu beglücken. In diese Monate fallen die nachweisbaren Anfänge der brieflichen Beziehungen zu Wilhelm Bude in Paris 1 ). Die Briefe der beiden Fürsten ') Rebitte", Guiflaume Bude, restaurateur des etudes grecques en France. Paris 1846. — Eugene de Bude, Vie de Guillaume Budö. Paris 1884. illNI m ■ mm HP ■ 186 deutscher und französischer Gelehrsamkeit haben durch den Mangel des unmittelbar persönlichen Elementes für uns ausschliesslich literarisches, fast könnte man sagen antiquarisches Interesse; den Zeitgenossen erschienen sie doppelt wertvoll durch ihren Inhalt und durch die Stelle, von der sie ausgingen. Sie sind eine Keihe teils geistvoller Plaudereien, teils wissenschaftlicher Essays, deren Tendenz Erasmus schon dadurch dokumentirte, dass er sie nach nnd nach, zuerst im Oktober 1516 bei Martens in Löwen 1 ), der wissenschaftlichen Welt zugänglich machte. Erasmus eröffnete den Verkehr schon in Basel mit der Übersendung des Neuen Testamentes. Sein Begleitschreiben beantwortete Bude mit ep. 250, als dessen Datum er den Himmelfahrtstag angiebt, d. i. den 1. Mai; damit stimmt seine Angabe überein, dass er den Seneca und das Neue Testament (apologia, paraclesis, praefatio, S. 247 E) am Sonntage, dem 27. „dieses" Monats, d. i. jedoch April, gelesen habe, da er diese Worte oder auch den ganzen Brief in den letzten Tagen des April geschrieben und das Datum nachträglich hinzugefügt haben wird 2 ). Erasmus erhielt den Brief, wie er in seiner Antwort (ep. 251) sagte, bei seiner Ankunft von Brüssel nach Antwerpen am 19. Juni über Köln; da der Bote schon zur Abfahrt bereit war, beantwortete er ihn sofort: ep. 251 ist also wohl am 19. oder 20. Juni geschrieben. Das Jahr 1516 ergiebt sich für beide Briefe aus den Mitteilungen des Erasmus über seine letzten Basler Studien und die Verhandlungen mit Sauvage. Ein wenig verletzt verteidigte er sich gegen Bude's Äusserung (S. 249 B), dass er so viel Scharfsinn und Sprachgewandtheit doch nur auf Haarspaltereien (XeTrxoXoyiQfxaTa) verwende. Bude erhielt den Brief am 1. oder 2. Juli, wie er in seiner Antwort vom 7. Juli (ep. 257) sagt; er nahm den Ausdruck Xe7ixoXoYTj[iata zurück und wollte dafür lieber auyypa[i|j,aTLa setzen. Diesen Brief sandte der Buchdrucker Bade an Erasmus ab; in seinem Begleitschreiben, App. 67 vom 6. Juli, beklagte er sich zurückhaltend aber ernst über die Verluste, die er durch den von Erasmus begünstigten oder doch stillschweigend gebilligten Nachdruck der „Copia" und „Adagia" durch Schürer in Strassburg erlitten; darum lehnte er es ab, die ihm von Erasmus zugesandten „Similia" zu drucken, da sie soeben bei Dietrich Martens in Löwen ') Van Iseghem, Th. Martens. S. 265, No. 105. 2 ) Van Iseghem, (S. 116 f.) schliesst irrtümlich auf den 31. Mai als Datum von ep. 250, da er, ohne den Ostertermin zu berücksichtigen, den 27. Mai als Datum der Lektüre annimmt. s •' - ■"•' ■ ■■..■. ■ ' ^^H 187 erschienen seien '). — Yor der Ankunft von ep. 257 schrieb Erasmus, im Begriffe nach England abzureisen, einen kurzen Nachtrag zu ep. 251 (ep. 260, am 14. Juli). Bude hatte in cp. 250 (S. 248 E F) eine Stelle der Übersetzung im Neuen Testament bemängelt, und da Erasmus der Text nicht zur Hand war (S. 350 C), hatte er ihm keine Auskunft geben können; das holte er jetzt nach. Nach der Herstellung seiner Gesundheit stand seiner Keise nach England nichts mehr im "Wege. Am 14. Juli war er „zur Keise gerüstet" ; Barbiers Brief vom 18. Juli wird er noch in Antwerpen erhalten haben; dann machte er sich nach London auf, wo er Ende Juli oder Anfang August eingetroffen sein mag. Von hier beantwortete er am 9. August (ep. 181), nach eingehender Beratung mit Ammonio, das Breve des Papstes vom 10. Juli 1515. Nachdem er ihm für die Anerkennung gedankt, die er seinen wissenschaftlichen Bestrebungen gespendet habe, geht er einen Schritt weiter : gestützt auf die wohlwollenden Verheissnngen Leo's und im Vertrauen auf seine Güte wage er, eine Bitte an ihn zu richten; worin sie bestehe, werde der Papst durch Silvester Giglis, den Bischof von Worcester und englischen Gesandten in Rom, und durch Ammonio erfahren;' die Angelegenheit beziehe sich nicht nur auf sein persönliches Ansehen (dignitas), sondern auf das allgemeine Wohl (publica orbis utilitas). Welchen Inhalts diese Bitte war, werden wir später zu • erfahren suchen. Nur wenige Tage hielt Erasmus sich in London auf; bald nach der Abfassung dieses Briefes, den er durch Ammonio befördern Hess, wahrscheinlich am 12. August, reiste er ab. Dem Scheidenden gab Sixtin einen Brief an Aegidius mit (App. 495, 12. Aug., o. J.) Zwei Briefe von Watson (ep. 183) und Bovillus (ep. 216), beide wohl von demselben Tage (13. August), die ihn nach Cambridge einluden, erreichten ihn nicht mehr in London. Bovillus' Brief beantwortete er auf der Rückreise in Rochester (ep. 148), jedoch nicht am 31. August, wie der Brief datiert ist, sondern bereits, wie wir noch sehen werden, vor dem 27. August. Seine Antwort hat mehr den Zweck, eine ausführliche und später im Druck wohl noch erweiterte Apologie seiner l ) Van Iseghem (S. 252, No. 88) kennt eine Ausgabe der „Similia" nur vom Juni 1515, App. 67 kann jedoch nur in das Jahr 1516 gelegt werden. Denn ein Brief des Erasmus an Bude lässt sich 1515 nicht nachweisen, und das N. T. konnte Bade, wie er droht, erst 1516 nachdrucken. Giebt es nun einen Martensschen Druck der „Similia" vom J. 1516 oder begeht Bade einen Irrtum ? m ! :' M) 1 m m HD8 RS >■■;■''- m WmBß 188 Werke gegen die in der Universität Cambridge sieh jetzt schon erhebenden Angriffe zu sein; schon im Oktober 1516 gab er ihn an die Öffentlichkeit 1 ). Auf Watsons Schreiben antwortete er erst aus Brüssel am 13. Januar 1517 (ep. 192): er hatte nicht nach Cambridge kommen können, weil er in London den Bischof Fisher erwartete. In die kurze Zeit des Londoner Aufenthaltes, also in den Anfang August, gehören 3 undatierte und schwer datierbare Briefe an Freunde in Cambridge: ep. 165 an Koger Wentford, ep. 173 an Gonell und ein bisher nur im Auszuge bekannter an zwei ungenannte Freunde: ,,M. G. et Omfredo amicis unicis" 2 ). Gemeinsam ist allen die Entrüstung über den Vater eines gewissen Johannes, der bei Erasmus eine Zwitterstellung von Schüler und Diener einnahm und den der Vater wieder zu sich zu nehmen wünschte. Aus späteren Briefen vom April 1518, besonders aus App. 127, der auch auf App. 282 und App. 311 weist, erfahren wir, dass es Johann Smith war, derselbe, der im letzten Winter Erasmus nach Basel begleitet hatte (App. 78) und an den Beatus Rhenanus und Nesen noch in den Jahren 1516 und 1517 Grüsse auftragen (App. 76, 106, 108, 119). Erasmus will dem Drängen des einfältigen Vaters und der überzärtlichen Mutter, über die er noch im April 1518 spottet, nachgeben und ihn in England zurücklassen, wenn er selbst Anfang November nach dem Kontinent übersetze; es sei thöricht, dort Wohlthaten zu erweisen, wo man nur Undank ernte. Der Satz in ep. 165: „nihil autem aeque perit atque id, quod con- fertur in ingratos" findet sich wörtlich in ep. 173 wieder. In wenig schmeichelhaften Ausdrücken äussert er seinen Unmut in dem 3. Briefe, wo er, wie in ep. 165, versichert, dass der junge Mann bei ihm grössere Fortschritte gemacht habe, als in irgend einer Schule. Die Briefe sind in London und im Ausgang des Sommers geschrieben; in London, denn in dem Briefe an G. und Omfried verspricht er, am Mittwoch nach Cambridge zu kommen, ein Plan, den er nach ep. 192 in London hatte; im Spätsommer, denn in ep. 165 stellt er seine Reise über den Kanal für den Anfang November (paulo post Kalendas Novembres) in Aussicht, und ep. 173 sagt ausdrücklich: ,,iam instat hiems". Zwar scheint dieser Ausdruck für den Anfang August verfrüht, aber in keinem andern Jahre als 1516 finden wir Erasmus in verhältnismässig so später Jahreszeit in London und zugleich im Begriff, eine Reise anzutreten; •) Van Iseghem S. 265 No. 105. 2 ) Mitgeteilt bei Brewer I, 5733; Freunden George und Omfried Smith. Brewer vermutet in den beiden 189 1514 war dies im Anfang Juli der Fall, 1515 ebenso oder schon Ende Juni, 1517 gar Ende April. Auch konnte er, wie im 3. Briefe, in keinem Jahre zuvor sagen, dass er „wahrscheinlich" eine weite Reise vor sich habe, während ihn doch immer feste Pläne nach Basel führten. Die Behauptung in ep. 173, dass er „vor 15 Jahren" bei der Rückkehr von England nach Frankreich ausgeplündert sei und darauf in wenigen Tagen seine Adagia herausgegeben habe, beruht auf einer bei Erasmus nicht seltenen chronologischen Ungenauigkeit'); diese Rückreise nach Paris und die Ausgabe der „Adagia" bei Bade gehört in das Jahr 1500 2 ). — Die Fürsprache der Cambridger Freunde muss bei den Eltern des Smith Wirkung gehabt haben ; der Famulus, den Erasmus mit dem Briefe an die ungenannten Freunde nach Cambridge sandte und an dessen Abwesenheit er sich bald gewöhnte (ep. 173), ist in Rochester schon wieder bei ihm (ep. 147), begleitete ihn nach den Niederlanden und trat erst im April 1518 aus seinen in Mores Dienste. Die Briefe sind charakteristisch für das leicht erregbare Misstrauen des Erasmus, der überall Intriguen witterte und dessen nervöse Empfindlichkeit in einem so erklärlichen Wunsche des Vaters eine beabsichtigte persönliche Kränkung sah : „ego praeter ceteros videor idoneus oai sie tracter". Auch hiervon abgesehen ist ihre genaue Datierung nicht unwesentlich; sie zeigen, dass Erasmus im Sommer 1516 für die nächste Zeit keinen festen Plan, auch nicht für die Wahl des Wohnsitzes, hatte. Er wollte nach Cambridge kommen, bis zum November in England bleiben und dann vielleicht eine weite Reise antreten. Auch wohin diese führen sollte, wissen wir: im Anfang Juni schon hatte er an More geschrieben (ep. 364), dass er, wenn seine Verhandlungen mit dem Brüsseler Hofe einfrieren sollten, geraden Weges nach Basel wolle. Diese Feststellung wird uns das Verständnis seiner Beziehungen zum Hofe von Brüssel wesentlich erleichtern. Vorläufig überliess er sich gänzlich dem Zufall. Nach Cambridge reiste er nicht; er harrte in London einige Tage der Ankunft des Bischofs Fisher; statt seiner traf ein Brief des Bischofs ein (App. 429, undatiert), der ihn nach Rochester einlud, wenn sein Weg nach Basel ihn vorüberführe. Freilich könnte, dem Inhalte nach, dieser Brief auch ') So sagt er am 30. April 1515 (ep. 167, S. 142 E), dass er „ante biennium" den Bischof nach Rom hatte hegleitcn sollen; thatsächlich war es 1512 der Fall; s. o. S. 140. . ' 2 ) Richter, Erasmus-Studien. S. 35 u. 38. SB HB ■ ■■■■■■ 190 in die Jahre vorher gehören, aber nur 15i6 treffen wir Erasmus wirklich in Rochester. Bei seiner Abreise aus London hinterliess Erasmus für den augenblicklich auf der Jagd abwesenden Ammonio einen Brief (ep. 133, etwa vom 12. August): er habe Urswick durch die Uebersendung des Neuen Testamentes gewinnen wollen, um von ihm das versprochene Pferd zu erhalten; den Brief an den Papst bittet er sorgfältig abschreiben und versiegeln zu lassen. Ohne eine Antwort abzuwarten, wiederholte er diese Mitteilungen wenige Tage darauf von Rochester, wo ihn der Bischof festgehalten hatte (ep. 146, 17. August). Vergleichen wir damit Ammonios Brief an Erasmus, ep. 145: er hätte ihn gern noch in London zurückgehalten, aber es könne eben nicht jeder Bischof von Rochester sein; den bei More zurückgelassenen Brief habe er erhalten, seine Angelegenheit (bei dem Papste) wolle er gern besorgen, aber Schnelligkeit sei nicht zu erwarten. Da dieser Brief zweifellos die Antwort auf ep. 146 vom 17. August ist, muss das überlieferte Datum: 26. Juli, auch in den älteren Ausgaben ausdrücklich VI. Kai. Sextiles, falsch sein. Erasmus beantwortet diesen Brief am 22. August (ep. 147); ep. 145 liegt also zwischen dem 17. und 22. August. — In Rochester blieb Erasmus, wie er an Ammonio und am 27. August an Reuchlin schrieb, zehn Tage, also etwa bis zum 23. oder 24. August. Bis zu diesem Tage, jedenfalls aber vor dem 27. August, muss der noch aus Rochester, aber fälschlich vom 31. August datierte Brief an Bovillus (ep. 148) geschrieben sein; denn am 27. August finden wir Erasmus schon in Calais, wo er an Reuchlin schrieb*); es ist derselbe Brief, dessen Empfang Reuchlin am 27. März 1517 (App. 123) bestätigte; er giebt ihm Nachricht über die Antwort des Papstes auf sein Schreiben 2 ) und das uns bekannte Schicksal der Briefe und rühmt die Opferwilligkeit seines Maecens, des Erzbischofs Warham. Von Calais reiste Erasmus über St. Omer zunächst nach Brüssel, wenn More recht berichtet ist (App. 251), dann nach Löwen, wo er am 31. August als „Doctor bullatus" bei der Universität immatrikuliert wurde 3 ). Aber er verliess die Stadt bald; schon am 5. September ') Mitgeteilt in Reuchlins Briefwechsel, ed. Geiger, S. 251 No. CCXXK 2 ) Es ist nicht, wie Geiger (a. a. 0., S. 253, Anm. 2) bemerkt, die Antwort auf die Widmung des Neuen Testamentes, sondern auf ep. 174 vom 28. April 1515. 3 ) Vgl. Valerius Andreas, Fasti academici studii generalis Lovaniensis. Löwen 1650. S. 85. ■ ■• i ■'-■."' l '■■■'■•■■■'■..'''■ ' I ü '" : - ■<■■■■/•[ ^^H 191 schrieb er aus Antwerpen an Wilhelm Nesen. Hier hielt er sich bis zum 2. Oktober auf (ep. 218) und kam vor dem 6. Oktober wieder nach Brüssel (ep. 160, ep. 219). Als er London verlassen hatte, war ihm sein Freund More nach Rochester nachgeeilt. Nach London zurückgekehrt, schickte ihm More am 3. September (App. 174) das Manuskript seines neuen Werkes, der „Utopia" (Nusquama), zu, das er auf seiner Gesandtschaftsreise in den Niederlanden verfasst hatte. Die Sendung war für Aegidius bestimmt, den er seit eben dieser Anwesenheit in den Niederlanden kannte 1 ) und der das Werk im Februar 1517 bei Martens in Löwen im Druck erscheinen liess 2 ). Mit der Herausgabe seiner Epigramme betraute er Erasmus, bat ihn aber, die gegen Germain Brice gerichteten zu unterdrücken; eine Geldsumme, die Erasmus bei ihm hinterlegt, wollte er ihm zu Michaelis nach Antwerpen schicken. Ein Brief, den Erasmus an ihn von Calais schrieb, besitzen wir nicht, wohl aber More's Antwort darauf: App. 251. Maruffus, der säumige Zahler der Warham- schen Pension, den More im Juni überlistet hatte (App. 252), hatte sich über einen Verlust bei der Auszahlung beklagt; „ich habe ferner", fährt More fort, „an Dich neulich einen andern Check von ihm über 20 Pfund vom Erzbischof geschickt .... der Ueberbringer dieses Briefes wird die 20 Pfund, die Du bei mir deponiert hast, an Aegidius zahlen, und zwar 30 einheimische (flandrische) Pfund für 20 englische." Zunächst sei also festgestellt, dass hiernach App. 251 auf App. 174 folgt. Doch auch der erwähnte, dem App. 251 voraufgehende Brief mit dem Check des Maruffus ist vorhanden; es ist App. 52, aber vom 25. Februar datiert. „Der Erzbischof von Canterbury", heisst es hier, „hat an Dich 20 Pfund schicken lassen; ich habe daher die Anweisung Maruffus' und zugleich den Brief des Erzbischofs an mich Dir zugeschickt." Dann weiter: „Ich habe neulich einem Landsmann geschrieben, der das Geld von mir zur Messe erhalten wird, er möge an Aegidius 30 flandrische Pfund zahlen, wogegen Aegidius über die 20 Pfund quittieren wird, die Du neulich (uuper) bei mir hinterlegt hast". Wir vergleichen ferner folgende Stelle: „Deinen Brief habe ich an Latimer ') Über More in seinen Beziehungen zu Brabant vgl. Neve, La renais- sance des lettres . . . en Belgique. S. 124 ff. — Beiläufig: das Bild, das als Thomas Monis die Leydener Ausg. der Briefe des Erasmus schmückt (S. 55), ist weder das Portrait More's noch nach einem Holbeinsohen Gemälde gestochen; es rührt von einem französischen Künstler her. Vgl. Woltmann, Holbein und seine Zeit. Leipzig. 1874 u. 1876. I, 340 ff. a ) Van Lseghem, S. 267 No. 108. HM MM I ■Hl H ■1 RH» ITITiii ■1 ^■^ 192 geschickt, ebenso den meinen über die Angelegenheit mit dem Bischof von Rochester; aber bis jetzt habe ich weder von jenem noch vom Bischof Nachricht erhalten", mit App. 87 vom 31. Oktober: „Dein und mein Brief, worin wir Latimer aufforderten, ein paar Monate bei dem Bischof von Rochester zuzubringen, ist ihm zu spät zugegangen, da er schon vorher nach Oxford zu gehen beschlossen hatte." Das war also die Angelegenheit mit dem Bischof, die in App. 52 noch in der Schwebe und hier entschieden ist. Alle diese Zusammenhänge weisen auf den Herbst 1516. Dazu kommen andere Gründe. Am 2. Oktober (ep. 218) wunderte sich Erasmus, der die Anweisung des Maruffus, also damit auch die Nachricht über die Zahlung der 30 Pfund an Aegidius erhalten hatte, dass der Engländer von diesem Gelde überhaupt nichts erwähnt habe; aber More zweifelt nicht daran (App. 87, 31. Okt.), dass es an Aegidius gezahlt sei; das bestätigte ihm sein „procurator" nach der Rückkehr (App. 250, im November). Seitdem ist von dem Gelde keine Rede mehr, und es wäre sonderbar, dass More im Februar die Angelegenheit wieder aufnähme, ohne der missglückten Anweisung vom letzten Herbst auch nur zu erwähnen. Ferner: der Brief Warhams an More, den dieser mit App. 52 an Erasmus schickte, ist App. 80, vom 16. September; sodann vermutet More in App. 52 Erasmus in Löwen, wohin auch "Warham nach App. 80 das Geld anweisen Hess, und wir wissen, dass Erasmus in England die Absicht hatte, den Winter über in Löwen zu bleiben (ep. 148 C), wo er that- sächlich nur wenige Tage war. App. :52 muss also nach dem 16. September und vor App. 251 liegen, dieser wiederum vor ep. 208 vom 2. Oktober, denn Erasmus sagt hier, dass er beide Briefe gleichzeitig erhalten habe. Dies annähernde Datum lässt sich noch genauer bestimmen. In dem der Ausgabe zu Grunde gelegten Manuskript ist der Brief „postridie Matthiae apostoli" datiert x ); wahrscheinlich hat nun der Abschreiber „Matthiae" statt „Matthaei" gelesen, das Datum wäre dann der 22. September 2 ). ') Es ist eine Abschrift vom Original; s. Kan, Erasmiana. 1881. S. 6. No. 306. 2 ) Auch der 25. Februar 1517 lässt sich mit einem Schein von Recht verteidigen. Denn auch App. 112, vom 13. Januar 1517, erwähnt eine Anweisung von Maruffus, mit derselben Bitte um schleunige Quittierung wie App. 52; dies könnte also eine Wiederholung von App. 112 scheinen. Auch war Erasmus vor dem 13. Januar 1517 in Löwen (worüber unten S. 201), wo ihn doch More vermutet. Aber ausser den oben angeführten Gründen be- ^^^H 193 Erasmus beantwortete beide Briefe Mores (App. 52 und App. 251) am 2. Oktober (ep. 218): er habe den Check Warhams nicht einlösen können, da er dabei einen Verlust erlitten hätte; um sich fernerhin dagegen zu schützen, Hess er seinen Gönner bitten, ihm durch More's Vermittelung das Geld baar auszahlen zu lassen. achte man, dass dieser Besuch in Löwen ganz unvermutet und kurz war, so dass More nichts davon wissen konnte, dass ep. 208, vom 1. März 1517, von dem Gelde an Aegidius durchaus nichts erwähnt, dass ferner die Anweisung vom Januar 1517 auf Brügge lautete, wie aus dem Schluss von ep. 208 hervorgeht, die vom September 1516 dagegen auf Lüwen. — Man wird hieraus erkennen, mit welchem Misstrauen man auch scheinbar untrüglichen Daten entgegentreten muss und welche Schwierigkeiten sich der Ordnung des Briefwechsels in den Weg stellen. Wstd. Zeitschrift. Ergänzungsheft TV, 13 m m m ■■■ wwsa assTö J§H*g$ ^^v 194 III. Erasmus in Brüssel. Verhandlungen mit Rom. (1516 — 1517.) Die Briefe von Thomas More (App. 251, App. 52) fanden Erasmus im Begriffe, nach Brüssel überzusiedeln. Die bittere Not trieb ihn aus Antwerpen fort, wo er keine Einnahmen hatte und ganz aus eigenen Mitteln leben musste. Der "Winter nahte, er war kränklich und brauchte warme Kleider. „Glaube mir", schrieb er an More, „ich habe 400 Gulden für meine Kleidung ausgegeben, aber gut gekleidet muss ich fürchten, Hungers zu sterben." Der Mangel Hess ihn auf sonderbare Auswege sinnen. Er bot dem kaiserlichen Rat Hieronymus Busleyden zwei Pferde zum Kauf an (App. 81, 28. September); wir wissen nicht, ob es ihm glückte 1 ). Aber am 17. Oktober schrieb er an Aegidius (App. 388), dass er das eine Pferd halb verschenkt habe. Anfangs hatte er gedacht, in Löwen den Winter zu verbringen; der flüchtige Zwist mit Dorp war äusserlich beigelegt; dieser selbst hatte ihn nach Löwen geladen. Aber Erasmus traute ihm nicht; ein neuer Gegner war ihm in Johann Briard aus Ath (genannt Atensis) erstanden; „blanditur coram, mordet absens", sagt er von ihm (ep. 160), und später „hostis amicum praestat" (ep. 231). Dazu behagte ihm die ewig nörgelnde Engherzigkeit der Löwener Gelehrtenzunft nicht, wo der Obskurantismus noch lange eine Zuflucht fand. Er brauchte Buhe und Behaglichkeit, die fand er in Löwen nicht. Da forderte ihn Sauvage auf, nach Brüssel zu kommen; „was er will, weiss ich nicht", sagte Erasmus (App. 81). J ) Nicht die Antwort auf App. 81, aber doch in diese Zeit gehörig ist App. 88 (vom 9. November) von Busleyden. Erasmus hatte ihn um irgend eine Gefälligkeit, einen Brief, gebeten, wir wissen nicht, zu welchem Zweck. Busleyden erfüllte seinen Wunsch „non sine periculo famae et dispendio aestimationis suae". Der Gruss au Tunstall in Brüssel weist auf das Jahr 1516. Was enthielt dieser Brief, bei dem Busleyden so um seinen Ruf bangte ? war er für Sauvage bestimmt ? 195 .'<'';■':'■.■'■■.''■' Er erfuhr es, als er zwischen dem 2. und 6. Oktober in Brüssel eintraf. Der König, oder richtiger Sauvage, der „in Wirklichkeit der Fürst" war, wollte ihn zum Bischof in Sicilien machen; aber da dem Papste die Verfügung über die Besetzung zustand, hatte ihn Karl um seine Zustimmung gebeten. „Wenn das nur gut abläuft", sagte Erasmus zu Ammonio, dem er davon Mitteilung machte (ep. 160, am 6. Oktober), „denn fast zu gleicher Zeit habe ich aus England und diese hier aus Brabant geschrieben." Er fürchtete, dass seine Bewerbungen bei dem Papste dadurch gestört würden. Für Sauvage's Plan selbst halte er nur ein Lächeln; „glücklicherweise ist es ein Irrtum", schrieb er an seinen eben verlassenen Freund Aegidius (ep. 219, 6. Oktober), „hätte ich gewusst, dass der Kanzler mich deshalb rufen liess, ich wäre langsamer gekommen." Der Lord Mountjoy billigte zwar seine Absicht, in Brüssel zu bleiben (App. 90, 12. November); aber das Bistum rät er abzulehnen, da es zu fern liege und „für wenig fett gelte". In der Residenz blieb nun Erasmus den Winter über. Von Zeit zu Zeit kamen Nachrichten aus Oberdeutschland zu ihm. Den Brief Keuchlins vom 5. Juni (App. 63) hatte er mit den andern von Froben nachgesandten Schriftstücken (App. 25), darunter auch das Breve Leo's X. (ep. 160), erst Ende September in Antwerpen erhalten und Reuchlin am 29. September 1 ) geantwortet; er dankte für die Übersendung seines Codex zum Neuen Testamente, den Froben bereits an ihn zurückgesandt hatte; er versicherte ihm, wie hoch ihn der Bischof Fisher und Colet schätzten und teilte als ein Ereignis mit, dass Colet, „schon ein alter Mann, noch Griechisch lerne"; dass er vor kurzem erst damit begonnen, wissen wir von More (App. 52). Als im Juli die wichtigen Nachrichten von Ammonio (App. 7 und ep. 177) eingetroffen waren und die Verleihung der Pfründe Courtraj r seinen Plänen eine andere Richtung gegeben hatte, forschte er in Basel nach dem Verbleib des päpstlichen Breves und nahm seinen Freunden die Hoffnung, ihn in diesem Jahre wiederzusehen. Sie alle sprachen ihm ihr Bedauern aus: Wolfgang Faber (Fabritius) Capito 8 ) (App. 75, 2. Sept.), der inzwischen den Erasmischen Geist in Basel weiter pflegen will, Beatus Rhenanus (App. 76, 3. Sept.) trotz seiner Freude über sein Ansehen bei Sauvage, Bruno Amerbach (App. 77, 5. Sept.), der für seine Reise nach Italien ') Mitgeteilt in Reuchlins Briefwechsel ed. Geiger, S. 258 Nr. CCXXVI, und von Geiger zutreffend in das Jahr 1516 gelegt. 2 ) Über Capito vgl. Baum, Capito und ßueer, Strasslmrgs Reformatoren. Elberfeld 1860. 13* Ifii in Mi 196 im nächsten Frühling von Erasmus eine Empfehlung an Bombasio erbat. Huldigungsgedichte von Hermann Busch in Köln, von Sapidus und eigene Distichen sandte Glarean (ep. 217, 5. Sept.); er hoffte, nach dem Friedensschluss zwischen der Schweiz und Frankreich eine Anstellung in Paris zu finden, andernfalls wollte er zu Pfingsten zu Erasmus kommen. Dass dieser die Gedichte selbst von Glarean sich ausgebeten hatte, erfahren wir von diesem am 13. November (App. 92). Die Mitteilung Amerbachs, dass Lachner den Rest des Hieronymus für Warham und ausserdem 7 Exemplare des ganzen Werkes schickte, machte auch Wilhelm Nesen von der Frankfurter Messe aus (App. 106). Doch liegt dieser undatierte Brief später als die obigen Basler. Erasmus hatte ihm aus Antwerpen am 5. September seine Absicht mitgeteilt, eine neue Ausgabe der „Copia" zu veranstalten, die Nesen durch seine Teilnahme zu seiner eigenen gemacht habe („ut magis iam tui sint usucapione, quam mei qui genuerim" '). Nesen sagt nun, dass er diesen Brief nicht mehr in Basel, sondern in Frankfurt erhalten habe; App. 106 wird also in die 2. Hälfte des September gehören. — Den Hieronymus und die Basler Briefe erhielt Erasmus wahrscheinlich erst im Oktober; am 2. Oktober schrieb er More, dass der Hieronymus in zwei Tagen mit einer Menge Briefe kommen werde (S. 203 A), aber am 6. Oktober hatte er ihn noch nicht (S. 138 A); erst am 17. Oktober (App. 388) bat er Aegidius um die Zusendung, und als er seine Bitte nicht schnell genug erfüllt sah, drängte er am 18. November von neuem (ep. 345). Die darin ausgesprochene Absicht, den Winter über in Brüssel zu bleiben, die Anwesenheit Tunstalls in der Residenz, der schwebende Streit mit Dorp weisen App. 388, der bevorstehende Druck von More's „Utopia" auch ep. 345 dem Jahre 1516 zu. Nach einigen Wochen gingen neue Nachrichten aus Basel ein. Ausser Glarean (App. 92, 13. Novbr.) schrieb Ludwig Bär au ihn (ep. 223, 12. Novbr.), beglückwünschte ihn zur Verleihung der Pfründe und meldete, dass er seinen Brief und den Warhams an den Bischof von Basel, um dessen Beförderung Warham am 22. Juni gebeten hatte (App. 65), dem Bischof zugestellt habe. In seiner Erwiderung (ep. 191, 1. Januar 1517) teilte ihm Erasmus mit, dass er die Pfründe in eine Pension umgewandelt habe. Zugleich mit Glarean und Bär wird ') Der Brief des Erasmus an Nesen ist aus der Frobenschen Ausgabe der „Copia" vom April 1517 abgedruckt bei Maittaire, Annales typographici II, 292; Haupt, Willi, u. Conr. Nesen (Zittau 184H) S. 59 Anm. 2, und am zugänglichsten bei Jortin II, 593. 197 auch Wilhelm Nesen geschrieben haben (App. 108); er zeigt sich hocherfreut über die Absicht des Erasmus, ihm die neue Ausgabe der „Copia'"' zu widmen und will Sorge tragen, dass sie recht schnell und gut ausgestattet erscheine. Im September (App. 106) hatte er das Werk noch nicht erhalten, es war also inzwischen eingetroffen. Die „Copia" erschien neu im April 1517, das „Encomium Moriae", das nach App. 108 fast vollendet ist, kam schon 1516 heraus 1 ). Ein dunkles Schicksal hatte ein weit bedeutungsvollerer Brief von Spalatin aus Lochau (App. 94, 11. Dec. 1516), den er auf Bitten eines Freundes, eines Augustinermöuches, schrieb: „nuper rogatus a sacerdote Augustiniano, non minus vitae sanctimonia quam insignibus theologiae claro, eodemque et ipso tui nominis subscriptore sincerissimo". Dieser Freund habe aus den Kommentaren des Erasmus zum Neuen Testament gesehen, dass der Verfasser das Vorhandensein des Begriffes der Erbsünde bei Paulus leugne und in der Kechtfertigung durch das Gesetz und die Werke nur die Beobachtung der Ceremonien sehe; demgegenüber verweise der ungenannte Theologe zum besseren Verständnis des Apostels auf den hl. Augustin und betone, dass die Rechtfertigung richtiger in der Erfüllung der Gebote bestehe. Es liegt auf der Hand und ist auch nicht unbekannt geblieben, dass wir hier die in ihrer äusseren Form unauffällige, in ihrem Wesen so symptomatische erste Berührung Martin Luthers mit seinem späteren grossen Gegner haben 2 ). Spalatin sah diesen Brief als ein offiziöses Stück an, das er im Namen seines Fürsten an Erasmus richtete; aber Erasmus Hess nichts von sich hören. Da bat er ihn am 13. November 1517 (ep. 278) von neuem um Antwort schon mit Rücksicht auf den Kurfürsten: „neque enirn tarn privato quam publico ad te scripsi nomine"; das Übrige werde er von Peter Alamir, dem Kaplan König Karls, erfahren. Als die Antwort trotzdem ausblieb, hat ihn wohl ein anderer, wahrscheinlich Justus Jonas, daran erinnert; denn am 29. Mai 1519 (ep. 425) teilte er Spalatin mit, dass er keinen Brief erhalten habe, vielleicht sei er von den Gegnern unterwegs aufgefangen. Am 7. August 1519 (ep. 450) endlich schrieb er, dass er im Anfang August mit anderen verspäteten *) Zur „Copia": Panzer VI, 200, 183; Stockmeyer u. Reber S. 102, 62. „Encomium Moriae" : Panzer VI, 189, 169; Stockm. u. Reber 102, 57. Dem letzteren fügt Panzer hinzu: „editio dubia". Der Brief Nesens scheint ihr Vorhandensein zu bestätigen. 2 ) Vgl. Köstlin, Martin Luther. Elberfeld 1883. P, 140 f. Luthers Briefwechsel, herausg. von Enders. I (1884), S. 62 ff. liHfffl -■SSF SB m 198 Briefen, die er aufzählt, Spalatins Brief aus Altenburg vom 13. November 1517, d. i. ep. 278, empfangen habe. Von dem ersten Briefe aber, App. 94, erwähnt Erasmus nirgends etwas, weder dass er ihn erhalten noch dass er ihn nicht erhalten habe. — Der Hof Karls in Brüssel, wo Erasmus mehr als 4 Monate hindurch seine Wohnung hatte, war damals der Mittelpunkt der europäischen Politik; französischer und englischer Einfluss suchte sich hier wechselseitig zu durchkreuzen; Diplomaten aus allen Ländern kamen und gingen, Gesandte vom Kaiser und den italienischen Städten, spanische Granden und ihre Agenten. In der Nähe des englischen Vertreters Cuthbert Tunstall hatte der Gelehrte, wie er an Äegidius schrieb (ep. 219, 6. Okt.), seine Wohnung gefunden; mit ihm schloss er innige Freundschaft, sein Name kehrt in allen Briefen wieder. Dass Erasmus litterarisch thätig war, davon hören wir nichts; wohl aber stand er in regem Verkehr mit allen litterarischen Kreisen. So hatte er auch mit Paris den Briefwechsel wieder aufgenommen. Von Bade, sagte er am 17. Oktober (ep. 388), habe er soeben zwei Briefe erhalten, von Bude einen langen, aber herzlichen. Jetzt erst war nämlich Budes Schreiben vom 7. Juli (ep. 257) angekommen; es war durch Bade, von dessen Brief (App. 67) begleitet, am 31. Juli an den Genter Katsherrn Anton Clava gelangt, der beide am 3. August Erasmus zusandte (App. 72); auch er vermutete ihn, wie später noch More (App. 52, 22. Sept.), in Löwen, denn er trug ihm Grüsse an Paludan, Adrian von Barland und Rutger Rescius, Dryopolitanus genannt nach seinem Geburtsort Maaseyck, auf. Der zweite Brief von Bade ist App. 82 vom 29. September, der bestätigt, dass die vorigen nach Gent gegangen waren, sonst nur eine Wiederholung von App. 67; wieder beklagte er sich über die.Unsitte des Nachdrückens, die Erasmus noch unterstütze; er bat ihn, von seiner Gewohnheit zu lassen, einem anderen Drucker ein Werk zu übergeben, ehe die ältere Auflage vergriffen sei. Budes Brief beantwortete Erasmus am 28. Oktober (ep. 221), wie die Beziehungen auf ep. 257 ergeben: er habe gelacht über die geschickte Änderung von XeTcxoXoy/jfiata in auyypa[i[i^Tca; er plaudert in Selbstverspottung, wie in ep. 251 und wie Bude in ep. 257, über seine Ehe mit der Dürftigkeit, der „Penia", die ihm Weib und Kind ersetze. Unrichtig datiert (vom 27. Oktober) ist dagegen Budes Brief ep. 220, die Antwort auf ep 221, wie leicht erkannt wird. Denn Bude ist stolz darauf, dass Tunstall, wie ihm Erasmus mitgeteilt (S. 212 D), seine griechischen Studien lobe; er glaubt, dass Erasmus sich über die XeTzxoXoy^at« beruhigt habe und seine Erklärung gelten jstf&*3)*3 m&L 199 lasse; er citiert einen Ausspruch des Erasmus, den er, da ihm der Brief augenblicklich nicht vorliege, aus der Erinnerung wiedergiebt (S. 206 B): „ais, quae nativam siniplicitatem redolent, melius et gratius insidere in animos hominum . . . etc.", bei Erasmus (S. 216 C): „quod nativum sit, id occulta quadani vi tangit et allicit omnes . . etc. Ä Daraus erhellt zunächst, dass ep. 220 nach ep. 221 liegen muss; dass aber ep. 220 später als in den Oktober fällt, also das Datum von ep. 221 nicht nach diesem zu. ändern ist, ergiebt sich aus S. 205 B: der eine Brief Budes, nämlich ep. 250, war mit einem sinnstörenden Druckfehler, „quinque" statt „quique" (S. 249 D), in die Briefsammluug des Erasmus aufgenommen; diese Sammlung erschien im Oktober 1516 bei Martens in Löwen 1 ), im November erst kann Bude davon Kenntnis erhalten haben. Wahrscheinlich soll also das Datum von ep. 220 statt „VI. Kal.Novembres" „VI. Kal.Decembres", also 26. November, heissen 2 ). Nach England hin stand Erasmus mit Colet nur in gelegentlichem Verkehr; so hatte der Dekan erst jetzt erfahren, wo sein Freund sich aufhalte (App. 84, Stepney, 13. Oktober); er rühmte den Umfang seiner Studien und seine neueD, grossen Werke, das Neue Testament, den Hieronymus, die erwartete „Institutio principis Christiani"; sein sehnlicher Wunsch sei, dass der Gelehrte sich in England dauernd niederlasse. — Begelmässig ist der Briefwechsel mit Ammouio und Thomas More, die er wie alle seine Bekannten bei aller Freundschaft zu benutzen verstand, jenen in der Angelegenheit, die in Rom schwebte, diesen zu allerlei Kleinigkeiten, bald um sich von Urswick ein Pferd schenken zu lassen, bald um Zahlungsstockungen bei Warham und Maruffus zu heben. Stine Uebersiedelung nach Brüssel und die Überraschung durch Sauvage hatte er Ammouio sofort am 6. Oktober mitgeteilt (ep. 160); Ammonio lachte ebenso wie er selbst über das merkwürdige Zusammentreffen zweier Gesuche bei dem Papste, an den, wie auch an den Bischof von Worcester, er sofort nach des Erasmus Abreise aus London geschrieben habe 3 ); aber er gab ihm doch den „höfischen" Rat, dem „Jupiter", Sauvage, und dem Hofleben überhaupt näher zu treten (ep. 163, 1. Novbr.). Erasmus wollte diesem Rate folgen (ep. 151, 9. Novbr.), und dann um so mehr, „wenn er spähend ein sicheres Orakel *) Van Jsegliem, Thierry Martens. S. 265 Nr. 105. 2 ) Van Jseghem, S. 116, Anm. 3, vermutet „VI. Nonas oder Idus No- vembres" statt „Kalendas"; das erstere ist natürlich unmöglich. 3 j Der Entwurf des Briefes Ammonios an den Papst ist abgedruckt bei Vischer, Erasmiana, S. 24. 4»W I I I 200 gehört, wovon seine Existenz abhänge" ; um diese Entscheidung herbeizuführen, wolle er sich dem Bischof von Worcester dienstwillig zeigen; Mangel leide er nicht; auch wenn Warham (6 Kaviouapcog) ihn im Stiche Hesse, so könnte er in Brüssel durch blossen Wink alles erlangen. Dass er bei dem Kanzler und auch beim Könige selbst in hohem Ansehen stehe, schrieb er an Ammonio auch später (ep. 225, 29. Decbr.); aber er war in Unruhe, so lange seine Angelegenheit in Rom nicht erledigt war und bat den Freund inständig, den Bischof Giglis zur Beschleunigung zu drängen. In dem Briefwechsel mit More finden meist nur Geschäfte harmloserer Art ihre Erledigung. Wir haben gesehen, dass More die pünktliche Zahlung der Warhamschen Pension bei Maruffus durchsetzte und eine Geldsumme für Erasmus an Aegidius sandte, die jener am 2. Oktober noch nicht erhalten hatte (ep. 218). Aber More war überzeugt, schrieb er am 31. Oktober (App. 87), dass das Geld richtig an Aegidius gezahlt sei. Ein stehendes Kapitel, das Pferd des Urswick, findet sich auch hier wieder. Im September (App. 251) hatte More mitgeteilt, dass Urswick ihm ein Pferd schicken wolle, wenn er ein geeignetes finde; jetzt, am 31. Oktober, antwortete er auf die Aufforderung des Erasmus, „de Ursewico fac instes" (ep. 218), dass er ihn nicht habe sprechen können, weil er verreist sei; er ist erfreut über die Aufnahme, die seine „Utopia" bei Aegidius gefunden und wünscht das Urteil von Tuustall, Busleyden und Sauvage zu hören. Erasmus legte ihnen wohl das Werk vor; er that noch ein Übriges: er schickte es auch an Mountjoy, der ihm am 4. Januar 1517 (App. 44) seinen Dank aussprach; das Datum ergiebt sich aus der Erwähnung des Verkehrs mit Tunstall und der Verleihung der Pfründe, Unmittelbar auf App. 87 folgt App. 250 von More: wegen des Pferdes habe er Urswick getroffen, der nach App. 87 verreist war; seine Antwort war dieselbe wie in App.-251: er habe noch kein passendes, werde es aber zur nächsten Messe bestimmt schicken; More habe neulich an ihn Maruffus' Anweisung und einen Brief von diesem geschickt — so hiess es auch am Schluss von App. 87; More empfiehlt seinen Freund Palgrave, der Erasmus in Löwen zu treffen hoffe; er sei der Überbringer dieses Briefes und der Basler, die ihn in London nicht mehr erreicht hatten. Hieran schliesst sich eng App. 221 vom 15. December: More zweifelt nicht, dass Palgrave seinen und die Basler Briefe ihm überbracht habe, er freue sich, dass Dorp Vernunft angenommen habe und möchte wohl einmal den Briefwechsel zwischen ihnen lesen. Diese Briefe gehören, 201 obwohl 1517 datiert, in das Jahr 1516; die „Utopia" wird erwartet, ihr Druck erfolgte im Februar 1517; Linacre will seine Galenübersetzung zu Weihnachten durch Lupset nach Paris zum Druck schicken: nach ep. 203 und ep. 205 vom Februar 1517 sind die Schriften (lucubrationes) Linacre's im Erscheinen, nach App. 79 vom 15. September 1517 (mit dem falschen Datum 1516) und der Antwort des Erasmus darauf, App. 196 vom 26. Oktober 1517, ist Lupset in Paris und der Galen vollendet 1 ). — App. 112 vom 13. Januar 1517 bringt wieder eine Geldangelegenheit mit Maruffus, von dem More eine neue Anweisung übersendet; das Datum ergiebt sich aus dem Dank an Busleyden, der am 27. August 1517 starb 2 ), und an Aegidius und Paludan, den gelehrten Korrektor bei Martens, wahrscheinlich für ihre Mühewaltung bei der Herausgabe der „Utopia". Im Anfange des Jahres 1517 begab sich Erasmus auf mehrere Tage mitten in das feindliche Lager, nach Löwen, von wo er vor dem 13. Januar, wie wir noch sehen werden, nach Brüssel zurückkehrte. Wodurch diese Reise herbeigeführt war, erfahren wir später (am 24. [Febr.], ep. 231): die Theologen hatten unter der Führung von Briard (Atensis) einen neuen Sturm auf ihn unternommen; da habe er persönlich das drohende Gewölk zerteilt und mit allen Theologen, grossen und kleinen, innige Freundschaft geschlossen. Auch Aegidius hatte von dem Drucker Dietrich Martens gehört, wie freundlich ihn die Löwener aufgenommen hatten (App. 113), und Erasmus bestätigte das (ep 300): er sei mit den Theologen in ein einigermassen (utcunque) gutes Einvernehmen gekommen. In die Tage dieses Besuches in Löwen, also vor den 13. Januar, gehört App. 248 von Dorp; dieser entschuldigt sich, dass er ihn noch nicht besucht habe und lädt ihn auf Sonntag zum Frühstück ein; er werde Briard und andere Verehrer bei ihm finden. Die Werke des Hieronymus, fügt er hinzu, habe er gekauft und sei eben bei ihrer Lektüre. Der Hieronymus war im Oktober in den Niederlanden eingetroffen; im Juli 1517, als sich Erasmus dauernd in Löwen niedergelassen hatte, hätte Dorp das nicht mehr als wichtige Neuigkeit mitgeteilt. Ebenso liegt in dieser Zeit App. 98, 99 und 100. In App. ') Es ist die Schrift „De sanitate tuenda", gedruckt: XI. Kai. Septbr. 1517; vgl. Panzer, VIII, 43, 976. 2 ) vgl. Neve, Memoire historique et litteraire sur le College des Trois- Langues ä Louvain; in: Memoires couronne's ... et publik par l'Academie Koyale. Bruxelles 1856. Tome 28. S. 43. Wm I *M ■ ■-■ ■■"■ ■ ■■ ' ■■" '■■-" ;"■'■•' ' mm 202 100 schreibt Adrian von Barland, der Löwener Professor, an Erasmus, dass er ihn „gestern" bis zur Peterskirche begleitet; da er ihn plötzlich aus den Augen verloren, müsse er ihm nun schreiben, was er sonst mündlich abgemacht hätte. Er schickt ihm nämlich einen Brief an Borsalus und den Katalog der Erasmiscben Schriften, den er für seinen Bruder Cornelius geschrieben habe. Dieser Katalog ist App. 98, der also vor App. 100 liegt. Wahrscheinlich gehört auch App. 99 von Barland hierher, der auf eine mehitägige Anwesenheit des Erasmus in Löwen deutet. Später als im Januar 1517 können App. 98 und 100 deshalb nicht geschrieben sein, weil Erasmus bereits in ep. 192 vom 13. Januar 1517 an Watson den Katalog erwähnt, der dazu schon im April 1517 bei Martens gedruckt wurde 1 ). Eben aus dem Datum dieses Briefes an Watson geht hervor, dass die Beise nach Löwen vor dem 13. Januar stattfand. Die Abfassungszeit des Barlandschen Kata- loges, App. 98, lässt sich noch näher bestimmen. Die neuesten Werke, die Barland hier nennt, sind das Neue Testament („novissime Novum Testamentum .... nobis dedit") vom Februar 1516 und der Hiero- nymus vom Mai 1516 ; noch nicht erwähnt ist die Ausgabe des 1. Teils der griechischen Grammatik von Theodor Gaza aus dem Juli 1516 bei Martens 2 ); das Verzeichnis muss also im Juni 1516 aufgestellt sein. Im Januar 1517 erschien Kaiser Max in den Niederlanden. Seine Ankunft zerstreute die Schar der Diplomaten in der Hauptstadt; auch seinen Freund Tunstall musste Erasmus scheiden sehen. Da hielt es auch ihn nicht mehr länger in Brüssel. „Ich glaube kaum noch am Leben zu sein", schrieb er am 20. Januar an Aegidius (ep. 300), seitdem Tuustall mir entrissen ist; aber ich weiss nicht, wohin ich fliehen soll; Mountjoy ist zu weit entfernt". Er wollte nach Antwerpen kommen, wenn Aegidius ihm ein Zimmer abtreten könnte, „quod habet latrinam". Das Datum 1517 ergiebt sich für ep. 300 zunächst aus dem Aufenthalt in Brüssel, dann aus den Beziehungen auf Aegidius' Brief App. 113 vom 18. Januar 1517 : Aegidius hat gehört, dass Tunstall, sein „Compater", Brüssel verlassen habe, er beklagt den Verlust für Erasmus; „puerpera et meus parens te plurimum iubent salvere." Nun beglückwünscht Erasmus in ep. 300 den Freund zur Geburt einer Tochter und zu dem Paten Tunstall, wovon ihm Aegidius Mitteilung gemacht hatte; auf diesen nicht vorhandenen, vor App. 113 liegenden Brief ist !) Van Jseghem, S. 270 Nr. 110. 2 ) Van Jseghem, S. 260 Nr. 98. mm 203 ep. 300 die Antwort. — Auch App. 97 von Aegidius gehört zweifellos hierher. „Deine Anwesenheit wird mir sehr angenehm sein", schreibt er, auf den Wunsch des Erasmus, nach Antwerpen zu kommen; er bedauert seine Krankheit, denn jener hatte ja ein Zimmer mit einer „latrina" gewünscht; ferner empfiehlt Aegidius einen Verwandten durch Erasmus an Tunstall, der aus Tournay zurückgekehrt sei. Tunstall war im Auftrage des Königs nach Tournay gereist und am 27. Januar von dort zurück; nach diesem Tage, wahrscheinlich Anfang Februar, muss also App. 97 liegen. ! ) Am 13. oder 14. Februar kam Erasmus von Brüssel nach Antwerpen; am 13. schrieb er noch von Brüssel an Grey und Viterius (Winter), zwei in Paris lebende Engländer (ep. 199), am 14. schon, wenn das Datum richtig ist, von Antwerpen an Stephan Poncher, den Bischof von Paris (ep. 235). „An demselben Tage", sagt er in ep. 199), erhielt ich Eure Briefe, voller Klagen, dass ich nicht antworte. Ausser diesen . . . habe ich noch zwei von Euch erhalten, d. h. von jedem einen." Dann tröstet er Yiterius über seine Abwesenheit von der Heimat und von Erasmus, der ihn nach Paris geschickt habe. Der letzte Brief von Viterius ist, wie der Inhalt ergiebt (huc nos misisti, ut tuo . . . aspectu careremus), App. 95 vom 18. December 1516; Grey's Brief kennen wir nicht; die beiden ersten werden App. 71 und App. 73 vom 2. und 5. August 1516 sein. Erst nach dem 14. Februar, da von Antwerpen datiert, kann App. 401 an Anton Clava in Gent liegen, der die Antwort auf Clava's Brief App. 400 (dat.: Gent, 6. Febr., o. J.) ist; denn Erasmus bedauert den Tod der Schwester, den ihm Clava anzeigt; er lobt die Vielgeschäftigkeit Robert Caesars, über den ihm Clava auf seinen Wunsch in App. 400 Auskunft gegeben hatte. Die Erwähnung der erwarteten „ütopia" Mores ergiebt für beide Briefe das Jahr 1517. Eng damit hängt App. 102 von eben diesem Robert Caesar zusammen; Clava hatte in App. 400 von Caesar ') Vgl. Brewer II, 1 Nr. 2713 und Nr. 2847. — Man könnte versucht sein, App. 97 in den Juni 1516 einzureihen. Auch hier war Erasmus bei Tuustall in Brüssel (ep. 364), von wo er, ebenfalls durch Krankheit aufgehalten (ep. 215), am 19. Juni nach Antwerpen kam (ep. 251 Anfang). Aber im Juni war Tunstall nicht in Tournay; wir finden ihn am 6. Juni in Brüssel (Brewer II, 1, 2006), am 12. und 15. in Löwen (ebda Nr. 2033 u. 2051), am 19. wieder in Brüssel (2063). Im September 1516 schliesslich, wo Erasmus gleichfalls von Brüssel nach Antwerpen kam (App. 251 und App. 81), wissen wir weder etwas von einer Krankheit noch von einer Abwesenheit Tunstalls aus Brüssel. Hi in ■ m $9 m am 1 1 \W^&mm$* 204 geschrieben: „Ius Caesareura iam strenue aggreditur" ; Caesar citiert diese Stelle aus dem Gedächtnis: „Caesar rescripsit me ius meum amplecti strenue", und er zeigt sich verletzt über den Scherz, den Erasmus in seinem ersten (vor App. 400 liegenden) Brief an Clava mit seinem Namen gemacht hatte: „par est illum agere quippiam Caesare dignum". App. 102 ist also nach dem 6 Februar 1517 geschrieben. In diesen Wochen kam Erasmus — in Brüssel sowohl wie in Antwerpen — in persönliche Berührung mit den deutschen Politikern, namentlich mit dem Kardinal-Bischof von Gurk, Matthäus Lang, der Maximilian nach den Niederlanden begleitet hatte. Im Gefolge des Kardinals befand sich Richard Bartolini aus Perugia; er übersandte dem Gelehrten das „Genethliacon" des Ursinus Velius, das dieser vor kurzem „in der Öde einer kleinen bayrischen Stadt" (Mühldorl) ver- fasst hatte (ep. 319 ] ). In dem Begleitschreiben (ep. 228) erklärt Bartolini, dass er durch seine plötzliche Abreise am nächsten Tage verhindert sei, persönlich zu ihm zu kommen. In seiner Antwort vom 10. März (ep. 210) bedauert Erasmus diese Abreise, hofft aber auf ihre baldige Rückkehr; zum Schluss empfiehlt er sich dem Kardinal von Gurk, den er also schon kennen muss. Daher werden auch die hölzernen Senare (App. 392), in denen Bartolini ihn um seinen Besuch bittet, um ihn dem Kardinal vorzustellen, vor ep. 228 liegen, ep. 228 also vor dem 10. März und nach dem 13. Februar, da Erasmus den Bischof in Antwerpen gesprochen haben muss; wäre das in Brüssel geschehen, so könnte er nicht sagen: „abitum vestrum utcunque tulero, si propediem nobis reddamini", während er selbst in Antwerpen ist. Die Aufenthaltsorte Gurks, der sich nicht immer in der Begleitung Maximilians befand, lassen sich nicht durchgängig bestimmen. Er war zwar Ende Februar gleichzeitig mit dem Kaiser in Antwerpen, aber er scheint ihn nicht begleitet zu haben, als dieser am 1. März nach Mecheln ging. Denn die englischen Gesandten, die hier vom Kaiser empfangen wurden, erwähnen seine Anwesenheit nicht, obwohl sie sich mit ihm beschäftigen. Sie haben im Gegenteil noch nicht Gelegenheit gefunden, ihm Briefe ihres Königs zu übergeben und scheinen ihn in Brüssel zu erwarten. Immerhin erfahren wir von ihnen, dass er sich in den letzten Tagen vor dem 6. März in Antwerpen aufgehalten habe und von dort 201 ff. *) Über Velius vgl. Bauch in der „Ungarischen Revue" 1887. S. 1 ff, 205 aufbrechen wolle. Hat der Cardinal in diesen Tagen Antwerpen verlassen, so liegt ep. 228 im Anfang März, App. 392 etwa Ende Februar 1 ). Kaum war Erasmus wenige Tage in Antwerpen bei Aegidius, da ergingen von Paris ehrenvolle Einladungen an ihn. Als er am 15. Februar 1517 (ep. 200) Bude's Brief vom 26. November 1516 (ep. 220) beantwortete, wusste er noch nichts davon, dass dieser ihn kurz zuvor, am 5. Februar (ep. 197), von den Plänen des Königs unterrichtet hatte. Er sagte ausdrücklich (S. 180 D), dass er keinen Brief von Bude erhalten habe, obwohl Bekannte von ihm aus Paris angekommen seien; unter diesen befand sich Mariano Accardo aus Sicilien, der von Brüssel am 1. März an Erasmus schrieb (App. 115) und am 1. April (App. 124) seinen Stolz aussprach, dass er ihn durch die Erwähnung in dem Briefe an Bude (eben in ep. 200) unsterblich gemacht. In ep. 200 dankte Erasmus für einen Brief von Deloin, den er der Anregung Budes zuschrieb (S. 179 E.). Dieser Brief von Deloin ist ep. 201 (ohne Datum), mit einer kurzen Nachschrift von Nicolaus Beraldus; er liegt vor dem 5. Februar, da ihn Erasmus vor ep. 197 erhielt und weil er noch nichts von dem Antrage des Königs weiss. Die Antwort, ep. 202 (dat.: 21. Februar), die Erasmus schon iu ep. 200 anführt, muss daher schon am 15. Februar geschrieben sein; abgesandt dagegen ist sie wahrscheinlich zugleich mit ep. 203 vom 21. Februar an Bude, den Erasmus schrieb, als er den „redseligen" (ep. 200) kaum beendet; daher rührt der Irrtum in der Datierung. Inzwischen war aus Paris die offizielle Einlädung an die von Franz 1. neugegründete Pflanzstätte der schönen Wissenschaften, das spätere „College de France", in Antwerpen eingetroffen 8 ). Überraschend kam sie dem Gelehrten nicht. Schon Stephan Poncher, der Bischof von Paris und damals französischer Gesandter am Brüsseler Hofe, hatte x ) Vgl. die englischen Gesandschaftsberichte vom 6. März, bei Brewer II, 2, Nr. 2991 und 2992: „He (Gurk) is about to go to Almayn .... he has been these eight days at Antweip. If he come here will give him Henry's letters." Zu ähnlichem Kesultat ist Richter (Erasmus-Studien. Anhang S. III f.) gelangt; aber ich kann ihm nicht zustimmen, wenn er aus diesen Worten schliessen will, dass Gurk gerade am 6. März abgereist ist. Worcester und Tunstall, die dies in Brüssel schreiben, konnten es nicht schon an demselben Tage wissen. Ausserdem sprechen sie auch nur von einem Plane Gurks. 2 ) Über die neu gegründete Schule und die Verhandlungen mit Erasmus vgl. Abel Lefranc, Histoire du College de France depuis ses origines jusqu'ä la flu du premier empire. Paris 1893. Über den Briefwechsel s. auch Re- bitte, Guill. Bude S. 117 ff. und Eug. de BudC, Guill. Budä S. 140 ff. asawi HB mm, mm ÜB I. ■HUB I ^B 206 ihm, wie Erasmus an Bude schrieb (ep. 200 S. 181 B C), im Namen des Königs denselben Antrag gestellt. Er antwortete dem Bischof ausweichend, doch so gut wie ablehnend (ep. 235, 14. Februar); sein hohes Alter rate von einem Wechsel des Wohnortes ab, dazu fessele ihn die Güte seines Fürsten Karl. Wie schon einmal vor einem Jahre, als von Ingolstadt der Ruf an ihn erging, empfahl er auch hier statt seiner Glarean, der ihm kürzlich geschrieben habe, dass seine Übersiedelung nach Paris von dem nun' abgeschlossenen Frieden zwischen der Schweiz und Frankreich abhänge (ep. 217), als einen in allen Wissenschaften gleichmässig unterrichteten Gelehrten von gefälligem Wesen und heiterem Temperament. Die neue Bewerbung aus der französischen Hauptstadt direkt konnte ihn in seinem Entschluss nicht wankend machen. Am 5. Februar (ep. 197) teilte ihm Bude den Hergang der Angelegenheit mit, und am folgenden Tage machte ihm der königliche Leibarzt Wilhelm Cope offiziell den Antrag (ep. 198). Nach Bude war der König von seinem Beichtvater Petit (Parvus), nach Cope von Petit und Franz von Rochefort, seinem Erzieher, auf Erasmus aufmerksam gemacht worden; er verspräche ihm ein geistliches Amt im Ertrage von etwa 1000 Frcs. und mehr. Der so Umworbene nahm das schmeichelhafte Anerbieten mit gebührendem Danke entgegen; aber er könne keine Entscheidung treffen, schrieb er an Bud6 (ep. 203, 21. Februar), ohne mit Sauvage beraten zu haben, der gegenwärtig in Cambray sei*); in ähnlichem Sinne antwortete er Cope (ep. 205, 24. Febr.). Überschwängliche Worte des Preises und Dankes fand er in dem Schreiben an den allerchristlictisten König (ep. 204, 21. Febr.); er rühmt seine Friedensliebe, die sich kürzlich noch gegenüber den Schweizern so herrlich gezeigt, und die Pflege der Wissenschaften, die sich bis auf seine geringe Person erstrecke; sonst aber kein Wort über Annahme oder Ablehnung des Antrages — das Muster eines Briefes, der mit vielen tönenden Worten nichts sagt, eine Kunst, in der die Humanisten Meister sind. Übrigens war es Erasmus Ernst damit, dass er von Sauvage Rats einholen wollte; so schrieb er auch J ) Sauvage war am 18. Febr. morgens mit Chievres nach Cambray ab- gegangon, so schrieb ihm Guy Morillon an diesem Tage (App. 114); vgl auch Brewer II, 2, 2940. Über Morillon: Neve, La renaissance des lettres .... en Belgique. S. 214 ff. — Der in App. 114 genannte „indische Theologe", der wegen der plötzlichen Abreise einen Brief des Erasmus nicht hatte be- antwon en können, ist Peter Barbier; er hatte eine Pfründe in Indien, vgl. ep. 219 C. Am 3. April entschuldigte er sich selbst mit seiner Abwesenheit (App. 56, fälschlich 1516). H f&8äm m ■ i ■■■■ fm$® 207 an Canossa (ep. 206, 24. Febr.). als er ihn zu der Ernennung zum Bischof von Ba'ieux beglückwünschte, wovon ihn dieser am 13. November 1516 in Kenntnis gesetzt hatte (ep. 224 1 ). Auch Ammonio machte er Mitteilung von den Anträgen: „Frankreich bietet mir goldene Berge, aber mir sind die Hände gebunden" (ep. 231, wo in dem unvollständigen Datum „VI. Kai....." wohl „Martias" zu ergänzen ist, d. i. 24. Februar). Noch am 11. März (ep. 211) schrieb er ihm, dass der König ihm 1000 Gulden jährlich geboten habe; er habe indes keine bestimmte Antwort gegeben. Vielleicht ist es nur ein Zufall, dass Thomas More, an den Erasmus im März zweimal schrieb, nichts von der Einladung nach Frankreich erfährt; er mag es Ammonio überlassen haben, ihm Mitteilung zu machen. Am 1. März (ep. 208) schickte er ihm Schriften zum Reuchlinscben Handel für den Bischof Fisher von Rochester und bat um Rücksendung der Utopia, die er ihm zur Korrektur zugesandt hatte; wenn Ammonio ttwas für ihn habe, möge er es ihm bald zugehen lassen, „denn", fährt er fort, „der Fürst schickt sich zur Abreise an, und wohin ich gehe, ist noch ungewiss". Der folgende Brief, ep. 237 vom 8. März, ist im Ganzen nur eine Wiederholung der beiden vorhergehenden, von denen wir nur den letzten (ep. 208) besitzen; er bat um Übersendung der Utopia; den Brief von Dorp möge More besser abschreiben lassen; „schreibe über alles sorgfältig, sobald es Dir möglich ist; denn hier scheint eine grosse Veränderung bevorzustehen, wenn meine Ahnung mich nicht trügt." Auch hier wie in ep. 208 und in den Briefen an Ammonio sehen wir Erasmus in enger Verbindung mit dem Hofe und in Abhängigkeit von der Residenz des Fürsten, an den er also durch Verpflichtungen irgend welcher Art gebunden war. Davon weiss auch der Erzbischof Warham in seiner Antwort auf einen Brief des Erasmus vom 13. Februar; er spricht von „Hoffnungen, die ihm von allen Seiten (undique) lächeln" und beglückwünscht ihn zu dem Erfüllten sowohl wie zu dem Versprochenen („tarn praestita quam pro- missa", App. 121 vom 24. März). Der eine Glücksfall mag der Ruf nach Paris sein, von dem Erasmus am 13. Februar durch Poncher die erste Kunde hatte. Aber Warham spricht von mehreren und wagt unter diesen Umständen nicht, Erasmus nach England einzuladen ; allein J ) Auch Canossa hatte ihn eingeladen und ihm eine Pension von 200 Dukaten nebst Unterhalt für ihn, einen Diener und 2 Pferde versprochen; er zweifelte aber daran, dass Erasmus die Einladung annehmen werde (Canossa an Ammonio, 1. Decbr. 1516, bei Brewer II, 1, 2621.) _MBg MU ■■■■ "'"'■"■ iHHli |Ä 208 wenn er nach dem Abzüge des Fürsten seine Blicke dorthin richte, werde er seinen Studien eine Zuflucht schaffen. Es mag hier an der Zeit sein, des Erasmus Beziehungen zum niederländischen Hofe ins Auge zu fassen. In der Lebensbeschreibung des Gelehrten, die Beatus Rhenanus in der Widmung seiner Werke an Kaiser Karl V. giebt, sagt sein langjähriger Mitarbeiter: „Mox (d. i. im Oktober 1520) Oolouiae Ubiorum adfuit sub conventum Wormaeiensem, in ordine eorum, qui tibi sunt a consiliis spectabilis; nam in horum coetum iampridera a te prudentissime erat adscitus adbuc vivente Joanne Sylvagio summique Cancellarii munus obeunte". Eine ähnliche Angabe findet sich in dem „Compendium vitae": „Illic (in England) decreverat reliquum aetatis peragere; verum ubi ne tum quidem praestarentur promissa, suhduxit se in Brabantiam (der zweimalige Aufenthalt in Basel bleibt also unerwähnt), invitatus in aulam Caroli nunc Caesaris, cui consiliarius factus est opera Joannis Sylvagii, Cancellarii magni". In dem „Catalogus lucubrationum ad Botzhemum" zählt Erasmus seine Schriften auf und sagt hier: „Piaeterea libellus de Principe Christiano, quem Carolo nunc Caesari porreximus, recens in aulae principalis famulitium acciti, ut essemus inter Principis Consiliai'ios" ; und am Schluss desselben Katalogs, wo er von seinen Widmungen spricht: „Carolus, Princeps meus, me iam adsciverat in ordinem Consiliariorum, iam sacerdotio donaverat, antequam illi libellum De Principe vel inscriberem vel exhiberem, ut hie non captatam praedam, sed relatam gratiam intellegas. * Alle diese Äusserungen stellen einstimmig fest, dass Erasmus bei seinem Fürsten die Stellung eines königlichen Rates innehatte, ohne zu sagen, wann er diesen Rang erhielt. Der früheste Hinweis findet sich in einem Briefe des Boisalus vom 21. November 1515 (App. 36); dieser hatte aus Brabant erfahren, dass dem Gelehrten eine ehrenvolle und gut dotierte Stellung angeboten sei: „oblatam et iam paratam honestam vitae quovis loco regionis illius exigendae conditionem, praestituto scilicet non contemnendo, ex Principis aerario, annuo salario." Borsalus hoffte, Erasmus werde die Stellung übernehmen, in der er den Rest des Lebens in Ansehen und Behaglichkeit zubringen könnte. Hieraus geht zunächst hervor, dass ihm ein Antrag, der ihn an den Hof oder doch mittelbar an die Umgebung des Fürsten und die Niederlande fesseln sollte, zugegangen war, dass man aber noch nicht wusste, ob er sich für die Annahme entscheiden würde. Auch Erasmus war augenscheinlich mit sich selbst noch nicht zu einem ^^^( 209 Entschluss gelangt; denn einmal finden wir in den vertraulichen Briefen keine Andeutung davon den Freunden gegenüber, dann aber entschuldigte er im Februar 1516 die Ablehnung des Rufes nach Ingolstadt mit allgemeinen Verpflichtungen gegenüber seinem Fürsten (App. 51). Er wollte sich also nicht binden, sich jedoch die Möglichkeit einer Zusage offen halten. Als er Ende Mai aus Basel nach den Niederlanden kam, empfing ihn in Brüssel Sauvage mit dem Anerbieten einer Pfründe (ep. 181); dabei wird auch der ursprüngliche Antrag, für den die dauernde Anwesenheit des Erasmus in Brabaut die Bedingung war, zur Sprache gekommen sein. Aber gerade diese Bedingung machte ihn bedenklich. Eben in diesen Tagen schrieb er an More (ep. 364): „Bald werde ich mit dem Fürsten verhandeln; merk ich, dass das Geschäft einfriert —- denn so denkt man hier zu Lande über die Wissenschaften — dann stracks nach Basel, wenn Du nicht anderer Meinung bist." „Dass das Geschäft einfriert" —• das soll heissen, dass man ihm unannehmbare Bedingungen stellt; an eine Lauheit von Seiten Sauvages dachte er nicht. Denn bald darauf schrieb er an Bude (ep. 251 Ende): „Man will mich hier in Gold fassen; aber ich weiss nicht, woher es kommt, dass die Wissenschaften nirgends in grösserer Missachtung stehen als hier; die Schuld liegt an den bildungsfeindlichen Regenten"; die einzige Ausnahme sei der hochgebildete Sauvage. Das war es, was ihm den Aufenthalt in den Niederlanden verleidete: der Obskurantismus, der in Löwen seine Hochburg hatte. Und gerade Löwen war für einen Mann von der umfassenden litterarischen Thätigkeit des Erasmus der einzige Wohnsitz in den Niederlanden, sowohl wegen der Universität als wegen der Offizin des gelehrten Dietrich Martens; vom Sommer 1517 ab wohnte er thatsächlich in Löwen, und wir wissen, dass er ursprünglich die Absicht hatte, jetzt schon dorthin zu gehen (ep. 148). In Löwen aber hatten eben jetzt seine Schriften Stürme entfesselt, die sich gegen seine Person richteten. Wie sollte sich da der Friedfertige nicht scheuen, sich mitten im Lager der Feinde festzusetzen! Darum hat Erasmus bei den Verhandlungen in Brüssel wohl beides, Pfründe und Titel, zurückgewiesen oder Bedenkzeit erbeten. Denn von diesem ist einstweilen nicht mehr die Rede; und nach mehreren Wochen, im Anfang Juli, erklärte Sauvage, dass er ihm „auch jetzt noch" (etiam nunc) das Kanonikat von Courtray übertragen wolle, wenn er sich entschliessen könne, im Lande zu bleiben (App. 68). Darauf sagte Erasmus zu und erhielt die Pfründe. Doch der Plan der Hofratswürde ruhte. Als er im Sommer in England war, wusste er nicht, wo er bleiben sollte. Er wollte sich Wstd. Zeitschrift. Ergänzungsheft IX. 14 .-■■■•- mgf. m .;■:■ M Mm iiiipi? : ■■ 210 einige Zeit in England aufhalten, er dachte auch an Löwen; dann kam er kurze Zeit nach Antwerpen, doch er mochte seinem treuen Freunde Aegidius nicht beschwerlich fallen; er litt Not — aber an Brüssel dachte er nicht, er stand also zu dem Hofe noch in keinen Beziehungen. Da rief ihn Sauvage nach Brüssel; Erasmus folgte, er blieb in der Residenz. Das Anerbieten des sicilischen Bistums hielt Erasmus zwar für einen verlorenen Plan, mit dem er gar nicht ernsthaft rechnete. Aber die sonstigen Verhandlungen mit dem Kanzler scheinen neu begonnen zu haben. Ammonio riet ihm am 1. November (ep. 163) dem „Jupiter" — Sauvage — näher zu treten, und Erasmus wollte dem Eate folgen (ep. 151); auch der Lord Mountjoy billigte seine Absicht, in Brüssel zu bleiben, um seine Verhandlungen mit dem Fürsten zu Ende zu führen: „quod possis, quae cum Principe tuo agenda tibi sint, conficere" (App. 90); er meinte hiermit nicht das Bistum, das er sogleich abzulehnen riet. Im Januar 1517 muss die Entscheidung gefallen sein: Erasmus liess seine Bedenken fallen und nahm den Titel und die Einkünfte eines Rates des jungen Königs von Spanien an. Am 13. Februar machte er Warham davon Mitteilung (App. 121). Doch wir müssen beachten, dass ausser in den oben citierten späteren Aeusserungen sich nirgends eine ausdrückliche Bezeichnung seiner Stellung findet. Noch am 22. März sagte Beatus Rhenanus ganz allgemein (App. 119): „Wem sollte es nicht gefallen, dass ein so vollendet gelehrter Mann anerkannt, gefeiert, ausgezeichnet wird, der Grösste von dem Grössten, nämlich der Sprachgewaltigste von dem mächtigsten Fürsten". Eine, wenn auch nicht genaue, Benennung der Stellung findet sich erst in einem Briefe des Venezianers Baptista Egnazio vom 21. Juni 1517 (App. 141), der von Hütten erfahren hatte, Erasmus sei zum „praeeeptor" Karls berufen; aber weder der Gelehrte selbst, noch die wirklichen „praeeeptores" des jungen Königs, Sauvage und Chievres, konnten an eine solche Auffassung denken. Näher lag Erasmus die Ehre als die Bürde seiner neuen Stellung. Seine Verpflichtungen haben wohl lediglich in gewissen Ehrendiensten bestanden. Dass ihm der Empfang von Deputationen oblag, scheint aus seinen Worten an More hervorzugehen (ep. 237): „ . . . facile conieetabis, quid ego passus sim Bruxellae, cui cotidie cum tot saluta- toribus Hispanis fuerit res, praeter Italos et Germanos". Das waren offenbar keine ihm persönlich dargebrachten Huldigungen, denen er sich ja entziehen konnte, dagegen drängten sich am Hofe des neuen Königs spanische Bittsteller und Abgesandte der spanischen Regenten '). *) Baumgarten, Karl V. I, 47. ■■i WM m Mi Wie verhält es sich nun mit der oben angeführten Behauptung des Erasmus, er habe die „Institutio Principis Christiani" seinem Fürsten erst nach der Berufung zum Rat und nach der Verleihung der Pfründe gewidmet und überreicht ? Das Widmungsschreiben selbst ist undatiert; der erste Druck ging, zusammen mit anderen Schriften, im Mai 1516 aus der Frobenschen Druckerei hervor, doch war der Teil, der auch die „Institutio Principis Christiani" enthält, schon im April vollendet l ). Freilich schrieb Erasmus schon im April 1515 an den Kardinal Grimani (S. 144 A): „Est in manibus libellus de iustituendo Principe, quem illustrissimoCarolo, ArchiduciBurgundiae, Maximiliani nepoti, destinavimus". Doch lässt sich hieraus nur entnehmen, dass das Werk für Karl bestimmt, nicht, dass es ihm schon gewidmet war. In dem Widmungsschreiben wird Karl „princeps", nicht mehr „archidux", aber auch noch nicht „rex" angeredet; allein es heisst in dem Text von ihm: „nuper inauguratus imperio". Durch die Mündigkeitserklärung vom 5. Januar 1515 übernahm Karl die Regierung in den Niederlanden, mit dem Tode seines Grossvaters Ferdinand, am 23. Januar 1516, trat er die Herrschaft über Spanien an, aber erst seit dem 14. März 1516 nannte er sich „König". Da die Äusserung an Grimani aus dem April 1515, wo übrigens Karl noch als Erzherzog auftritt, noch nicht von einer Widmung spricht, können wir den Ausdruck „nuper inauguratus imperio" nur auf den Regierungsantritt in Spanien beziehen; demnach gehört die Widmung spätestens in den März 1516. Überreicht hat er das Werk wahrscheinlich erst im October; als er im Frühling Basel verliess, war es noch nicht gedruckt (ep. 176); im Juni teilte ihm Froben die Vollendung mit (App. 25),. ohne das Werk selbst zu schicken; Erasmus erhielt es möglicherweise zugleich mit dem Hieronymus im Oktober. Nun fällt die Ernennung zum königlichen Rat etwa in den Januar 1517, also lange nach der Widmung und Überreichung der „Institutio", die Verleihung der Pfründe Courtray wenigstens nach der Widmung. Aber „berufen" (adsciverat) wurde Erasmus in der That schon im Herbst 1515, und wenn wir in dem Satze: „antequam illi libellum vel inscri- berem vel exhiberem" nur das letzte Wort auf die Pfründe beziehen, so steckt in der ungemein geschickt abgefassten Behauptung des Erasmus, so anfechtbar sie ist, formell wenigstens ein Teil Wahrheit. Um so weniger trifft ihr Sinn das Wesen der Sache. Erasmus ') Die Widmung findet sich in den Opp. omn. IV, 559. Der erste Druck ist verzeichnet bei Panzer VI, 197, Nr. 162. Auf Seite 04 b steht das Datum: April 1516. »PI HU hhH 8m " 14* ■ : ;?;, ;: ':; * HU' •■'■■• 212 hat doch Botzheim gegenüber den Eindruck zu erwecken gesucht, als ob die Bewerbungen nicht von ihm, sondern von dem Hofe ausgegangen seien und als ob er mit der Widmung der Schrift an den König nur eine Pflicht der Höflichkeit erfüllt habe. Gerade das Umgekehrte ist der Fall. Wenn nicht schon die Äusserung an Grimani deutlich genug die Priorität dem Erasmus zuspräche, so dürfen wir uns nur der leise tastenden Worte erinnern, die er schon im März 1514, als er in England nichts mehr zu hoffen hatte, zu dem Abt Anton von Berghes sprach (ep. 144): „Ich möchte mich wohl in mein Vaterland begeben, wenn nur der Fürst das Glück gewährte, das meine Müsse zu nähren vermag." "Vielleicht war es eben der Abt, der die Aufmerksamkeit Sauvages auf den Gelehrten lenkte und damit die ersten Schritte that, die zu seiner Aufnahme in den Hofstaat des jungen Königs führten. In der Umgebung des Hofes und im Verkehr mit den englischen Diplomaten, deren Berichten wir unsere Kenntnis der politischen Vorgänge im Winter 1516—17 verdanken, gewann Erasmus einen Einblick in die Verkettungen der internationalen Politik; aber vergebens suchen wir in seinen Briefen nach Äusserungen einer Anteilnahme an den Machtkämpfen der englischen und französischen Diplomatie. Ausser einem gelegentlichen Witzwort über den „sonst waffenlosen" Kaiser Max und einer Klage über den Druck seiner Mannschaften auf den heimischen Wohlstand, die doch mehr der mitfühlenden Empfindung als dem prüfenden Verstände entstammt, zeigen sich nur hie und da Andeutungen persönlicher Beziehungen zu den Trägern dieser Politik. Durch die nationale Beschränktheit eines in unerfreulichen Einzelheiten befangenen Interessenkampfes drang der Blick des humanistischen Weltbürgers zu den geistigen Höhen menschlischer Kultur, der seine Lebensarbeit galt. Von diesem über die Wirren des Tages erhabenen Standpunkt den Wert und Unwert der Erscheinungen messend, sah er schon in den friedlichen Neigungen der Fürsten eine Bürgschaft für das Gedeihen der Wissenschaften; es ist derselbe Optimismus der Zeit, aus dem Hütten sein „Es ist eine Lust zu leben!" jubelte. „Ein goldenes Zeitalter ist nahe", schrieb Erasmus am 26. Februar 1517 an Fabricius Capito (ep. 207), „so verändert, wie vom Himmel herab, sehen wir die Herzen der Fürsten." In allen Ländern zugleich, in Frankreich, den Niederlanden, in Spanien, England, Italien und Deutschland, wetteifern die Regenten in der Pflege der Studien; schon seien die Medizin, Jurisprudenz und die Mathematik erblüht, und nur die Theologie noch schmachte in den Fesseln einer engherzigen Kaste. Sie zu befreien, habe schon ^H 213 Faber in Paris Hervorragendes geleistet und Erasmus selbst sich bemüht; aber eine so verheissungsvolle Aufgabe verlange frische Kräfte. „Auf darum," wendet er sich an Capito, „rüste Dich, ergreife Du die Fackel, die ich Dir reiche!" Dieser Brief ist nur äusserlich an Capito gerichtet, er ist meinem Manifest, das der Fürst der Gelehrten im Gefühl seiner überragenden Stellung in die Welt schleuderte und das die "Wegstrecke, die man zu wandeln hatte, weithin beleuchtete. Dem Druck wurde der Brief sofort übergeben; am 8. März ist er schon gesetzt, und Rutger Rescius, der Korrektor der Martensschen Druckerei, bat nur noch um Erklärung eines Schreibfehlers (App. 54) 1 ). Capito hat wahrscheinlich, bevor er den Druck zu Gesicht bekam, nichts von der ihm zugedachten Ehre erfahren; in seinem Schreiben vom 25. März (3. feria post Laetare, App. 122) erwähnte er nichts von dem Briefe des Erasmus. Erst am 15. Juli, nachdem er den Druck gesehen, dankte er ihm für die gute Meinung, die er von ihm hege (App. 147): „. . . pinxisti, non qualis sum, sed qnalem nie futurum exoptas." — Dieselbe Tendenz und ähnlichen Inhalt wie ep. 207, an den es auch häufig im Wortlaut erinnert, hat ep. 295 an den Arzt Heinrich Afinius; der Brief gehört also, da er ebenfalls aus Antwerpen datiert ist, auch in den Februar 1517. Am 2. April 1517 kam Tunstall auf den Wunsch des Kaisers nach Antwerpen 2 ); sogleich bei seiner Ankunft erfuhr er, dass Erasmus am Tage zuvor plötzlich abgereist sei, und sechs Tage darauf erzählten ihm englische Kaufleute, dass sie ihn in Dover hätten landen sehen (App. 131 vom 22. April). Wichtige Nachrichten aus Rom waren es, die ihn nach London zu seinem Freunde Ammonio führten, die Antwort auf seine Bitte an Leo X., die er in seinem Briefe vom 9. August 1516 (ep. 181) angedeutet hatte und deren Erfüllung den Bemühungen Silvester Giglis', des Bischofs von Worcester und Orators Heinrichs VIII. in Rom, gelungen war. Seit der Absendung des Gesuches an den Papst, seit der Rückkehr aus London, sehen wir Erasmus in gesteigerter Besorgnis und ängstlicher Erwartung; jeder Brief an Ammonio enthält ein flehentliches, ungeduldiges Drängen und Fragen. Im Dezember war der Entwurf eines Diploms bei Ammonio eingetroffen und von diesem Erasmus zugeschickt 3 ); am M. März 1517 (ep. 211) noch antwortete der s ) Er erschien im Druck mit dem Datum April 1517; Van Jseghem, S. 270 No. 110 2 ) Brewer II, 2, No. 3101. 3 ) Ammonio an Erasmus, bei Vischer, Erasmiana, S. 25. ■•'..-■•■■;•... ...■'■'•■■■■.■■■ '■•■ 214 Harrende resigniert auf einen Trost, den ihm der Freund gegeben, am 25. März verhandelte er in erneutem Eifer mit Bude über die Berufung nach Paris, der er durchaus nicht abgeneigt war (App. 60). Ende März also müssen ihm die erwarteten Nachrichten von Ammonio zugegangen sein. Am 1. April brach er von Antwerpen auf; auf dem kürzesten "Wege eilte er zum Kanal, und schon wenige Tage darauf ward er am jenseitigen Ufer gesehen. Brüssel berührte er nicht, am 3. April glaubte ihn Barbier, der in Brüssel wohnte, noch in Antwerpen (App. 56). Die Verhandlungen mit dem Papste sind von jeher der Gegenstand mehr oder minder treffender Kombination gewesen. Jortin hat angenommen, dass es sich um eine Absolvierung von den Ordensgelübden handle, und Durand de Laur vermutet eine Dispensation von der Beobachtung der Fastengebote. Erst Vischer hat durch die Veröffentlichung bis dahin unbekannter Urkunden und durch die beigegebenen Untersuchungen Gewissheit gegeben x ). Die Aktenstücke bestehen aus einer Bulle für Erasmus, die ihn von gewissen Kirchenstrafen absolviert und ihm die Fähigkeit zuerkennt, kirchliche Ämter und Pfründen zu erlangen; ferner aus den Ausführungsbestimmungen an Ammonio, woraus wir erfahren, dass Erasmus eigenmächtig die Ordenstracht abgelegt hatte und als der uneheliche Sohn eines Geistlichen, wie er vermutete, von dem Hecht, Pfründen zu erwerben, ausgeschlossen zu sein fürchtete 2 ). Das liebenswürdige Begleitschreiben des Papstes privaten Charakters, vom 26. Januar 1517 (ep. 193, mit dem falschen Datum 1516, aber dem Zusatz: „pontificatus nostri quarto", d. i. 1517), das für die x ) Vischer, Erasmiana. Basel 1876. S. 26 ff. Die Bulle für Erasmus findet sich schon in den „Epistolae familiäres ad Amerbachium", Basel 1779, S. 116 ff. Die Veröffentlichung durch Vischer konnte Durand de Laur nicht bekannt sein, er hat aber auch die ältere übersehen. — Über die Verhandlungen zwischen Erasmus und dem Papste s. Vischer a. a. 0.; eine Zusammenstellung des Materials (wenig mehr!) giebt Hartfelder (Des. Erasmus und die Päpste seiner Zeit) in Raumer-Maurenbrechers Historischem Taschenbuch, VI. Folge, 11. Jahrg. (1892), besonders S. 128 ff. 2 ) „ex illicito et, ut timet, incesto damnatoque coitu genitus", Vischer S. 26 Anm. 3. Das Compendium Vitae will glauben machen, dass der Vater erst nach des Erasmus Geburt Geistlicher geworden sei. J. B. Kan (Erasmiana; aus dem „Nieuwe Rotterdamsche Courant" übers, in: „Bibliogr. und litt. Chron. der Schweiz", 1878, S. 34 ff., 70 ff., 104 ff.) hat hiervon ausgehend die Unechtheit des „Compendium Vitae" zu beweisen gesucht, während Fruin (Erasmiana, in Nijhoffs „Bijdragen voor vaterl. Geschiedenis", 'sGravenhage 1878, S. 85 ff.) an der Echtheit festhält. 215 Öffentlichkeit bestimmt war, enthält von alledem nichts: auf die Empfehlung des Königs von England und des katholischen Königs wolle der Papst der Bitte des Erasmus mit Rücksicht auf seine Sittenreinheit und Gelehrsamkeit gerne zustimmen und ihm auch sonst bei Gelegenheit sein Wohlwollen erweisen. Zugleich mit den päpstlichen Breven erhielt Erasmus ein Schreiben des Bischofs Giglis (ep. 195, 31. Januar), der in einem besonderen Briefe an Ammonio diesen mit der Dispensation des Erasmus betraute *). Vischer fragt nun, ob der Gelehrte eine besondere Veranlassung hatte, sich gerade jetzt und so eilends um die Indulgenz zu bewerben, und er findet sie in den von Seiten der Löwener Theologen gegen sein Neues Testament und das Lob der Thorheit gerichteten Angriffen,' die Erasmus vielleicht befürchten Hessen, dass seine Feinde die schwache Seite, die sein Verhältnis zu dem Orden darbot, aufgreifen könnten. Ich glaube, dass der hier von Vischer als nebenhergehend angesehene und nur durch die Besorgnis des Erasmus geschaffene Grund der einzige und entscheidende gewesen ist, dass die Gegner sein Verhältnis zu dem Orden bereits herangezogen hatten. Denn obwohl schon im Sommer 1515 Martin Dorp die Tendenz seiner Werke zum Gegenstande des Angriffes gemacht hatte, gehen die Bewerbungen des Erasmus um eine besondere Gunstbezeugung des Papstes nicht über den August 1516 zurück. Auch zeigte er sich nach dieser Seite hin völlig unbesorgt; denn als er am 29. Dezember 1516 (ep. 225) Ammonio gegenüber das Gerücht erwähnt, dass von den Universitäten Löwen und Köln ein Gutachten über seine Schriften eingeholt werden solle, äussert er sich darüber ganz unbefangen mit seiner leichten Ironie: „dann haben sie wenigstens für zwei Jahre Beschäftigung", und das mitten in seiner Unruhe um den Erfolg seiner Bewerbungen ; wir erwarten doch gerade hier einen starken Ausdruck seiner Besorgnis. Während der englischen Reise im Juli und August 1516 hatte er die Absicht, in Löwen den Winter über zu bleiben. Im Anfang Oktober gab er den Plan auf; aber als er Ammonio gegenüber seine Abneigung vor Löwen mit dem Widerwillen gegen die kleinliche Tadelsucht der scholastischen Theologen begründete (ep. 160), da deutete er mit keinem Worte an, dass er von der Erledigung seiner Bewerbung bei dem Papste eine Befreiung von den lästigen Angriffen gegen seine Werke erhoffe; und auch Ammonio brachte in seiner Antwort (ep. 163) die beiden Angelegenheiten gar nicht in Zusammenhang. Und unbe- '■•'■/--■■■■ ; - ' V. dilti I ÄPÄ WMWm M •te«: , TKföÄ ■■■••'":■.'•■"■• •■■'.v,:!.- ■■'■■ ■'"■'■"■■■■' ■ J WÜam t m mm m -.Bܧ J ) Mitgeteilt bei Brewer II, 2 No. 2895. 'V'hI 216 fangen betrachtet, sticht der Ton ängstlicher Erregung, mit der Erasmus von den langsamen Verhandinngen in Rom spricht, von denen er sein Glück erwartet und bei deren unglücklichem Ausgang es um ihn geschehen sei (ep. 151), auffallend ab von der Ruhe, mit der er vom sicheren Hafen verächtlich die Stürme betrachtet, von denen er sich nur nicht stören lassen will. Noch im März 1517 (ep. 211), also ehe er von der Erledigung seiner Sache Kenntnis hatte, erwähnte er kurz, dass die Theologen ihn nun sogar nach Löwen zu ziehen suchten, aber ganz beiläufig, wie etwas Nebensächliches: „ ex Moro totam hanc fabulam melius cognosces"; so schrieb er an Ammonio, der doch der Eingeweihte war! — Auch lässt nichts darauf schliessen, dass Erasmus dem Papste, dem Schirmherrn der Wissenschaften, gegenüber die bereits erfolgten oder befürchteten Angriffe gegen eine gerade dem Papste selbst gewidmetes Werk zur Unterstützung oder auch nur zum Vorwande seiner Bitte heranzieht; in dem Breve an Ammonio erwähnt Leo X. nichts von einem Schutze der Wissenschaften in der Person des Erasmus; er sagt nur, dass dieser „zu seiner Seelenruhe" und „zur Vermeidung eines grösseren Ärgernisses" die Indulgenz erbitte. Aber schon Seebohm und nach ihm Vischer haben darauf hingewiesen, dass ein Satz aus dem bekannten Brief an Servatius (App. 8), in dem er über seine noch ungelösten Beziehungen zum Orden spricht und über die Verletzung der Ordenssatzungen Rechenschaft ablegt, sich fast wörtlich in dem Sendschreiben Dorps vom Juli 1515 findet, dass also jener Brief und damit die intimen Verhältnisse dem Dorp und natürlich auch anderen in Löwen bekannt geworden waren x ). Das Erscheinen des „Neuen Testamentes" im Jahre 1516 war allerdings das Zeichen zu einem neuen Angriffe auf den revolutionären Kommentator geworden; aber dieser Angriff hatte ein anderes, demagogisches Gepräge bekommen. Dorp, der, selbst ein überzeugungstreuer Humanist, in Erasmus nur den wissenschaftlichen Gegner gesehen, hatte die Zügel aus der Hand verloren; und während es in den Kreisen der fanatischen Mönchsgeistlichen, von denen wir uns aus den ergötzlich-grotesken Karikaturen der Dunkelmännerbriefe sehr wohl ein Bild machen können, gegen den „entlaufenen Mönch" gährte, suchte er die Verantwortung J ) Seebohm S. 314; Vischer a. a. 0. Es ist die Stelle App. 8, S. 1529 C: „. . . castigavi totum Novum Testamentum, ac super mille locos annotavi, non sine fructu theologorum;" in dem Schreiben Dorps, bei Jortin II S. 338: „sed Novum quoque Testamentum te castigasse intellego, ac supra mille locos annotasse, non sine fructu theologorum." 217 für die Ausschreitungen der Geister, die er gerufen hatte, von sich abzulehnen. Gerade jetzt, im Juni 1516, machte er einen Annäherungsversuch hei Erasmus und schrieb ihm (App. 247): „Ceterum te oro per candorem istum animi tui, ut ne credas continuo a me profectum, si quid obloquantur, calumnientur, suspicentur quidani." Diese Verleumdungen und Verdächtigungen konnten sich nur gegen die Person des Erasmus richten, und unter dem Eindruck dieser persönlichen Angriffe erbat er bald darauf die Gunst, die ihn in seiner „persönlichen Würde" schützen sollte. Seitdem erfahren wir von einem ununterbrochenen Briefwechsel zwischen Dorp und Erasmus, auf dessen Geheimhaltung dieser mit peinlicher Sorgfalt hielt. Als er im November 1516 Dorp — sei es mit Recht oder Unrecht — im Verdacht hatte, seine Briefe Fremden gezeigt zu haben, verwahrte dieser sich, wie Gerhard Geldenhauer von Nymwegen an Erasmus schrieb (App. 91), hoch und heilig dagegen und wollte, um ihn von seiner Schuld zu überzeugen, selbst nach Brüssel kommen. Warum wünschte Erasmus die Geheimhaltung, wenn nicht Dinge in den Briefen vorkamen, die sich auf intimere Angelegenheiten als nur auf seine Schriften bezogen? Aber alle Beteuerungen vermochten nicht sein Misstrauen zu beschwichtigen; „nunquani vidi hominem inimicius ami- cum" hatte er schon im Oktober an Aegidius geschrieben (App. 388). Erst später kam er dahinter, dass der wahre Anstifter der Unruhen der Kanzler Briard (Atensis) war, Dorp nur der Verleitete, den der Ehrgeiz mit dem Grösseren sich zu messen trieb *). Das persönliche Eingreifen des Erasmus nach dem Vorstoss vom Januar 1517 hatte einen Waffenstillstand zu Wege gebracht, an dessen Dauer er indes selbst nicht glaubte. „Lovanium", schrieb er am 20. Januar an Aegidius (ep. 300), „tametsi cum theologis utcunque reditum est in gratiam, durius 1amen nos acciperet Quadragesima." Seitdem tritt noch deutlicher als bisher sein Bestreben hervor, die einflussreichen Gegner in guter Stimmung zu erhalten. Fast an demselben Tage, als er Ammonio gegenüber Briard für einen heuchlerischen Freund erklärte („hostis amicnm simulat", ep. 231, vom 24. Februar), trug er Dorp an ihn, den „von allen, und doch nicht gebührend Gepriesenen", herzliche Grüsse auf (App. 424, 21. Februar) 2 ). Darum wusste er den jungen a ) Später schrieb er an Tunstall (ep. 471, 16. Okt, 1519): „Solus, ut ferunt, Noxus ille fuit, qui et olim instigavit Dorpium." Noxus ist Atensis, da azT] = noxium. 2 ) ohne Jahr, das sich aber aus der darin erwähnten Einladung nach Frankreich ergiebt. Mm Mi wm JL ÄPä§ ■"■ I SB r $ I i ■ ■■■■■■■:■: §SI&£(S ■■■■■!■ i ■ ■ ■jg« ; | « • Bei SS** i ' : &W3m IHBB 218 Dorp, dem ja freilich die Freundschaft eines Erasmus schmeichelhaft sein musste, durch die gewinnende Liebenswürdigkeit, mit der er ihn sich an die Seite stellte, für sich einzunehmen. „Si qui cruciantur", schrieb er ihm in demselben Briefe, „inter nos convenire, demus operam, mi Dorpi, quo magis ac magis doleant; ... qui bene volunt Erasmo, facile amabunt et Dorpium." Eben hieraus zeigt sich auch, dass eine Partei in Löwen von dem guten Einvernehmen, das sich zwischen den beiden Gelehrten anzubahnen schien, durchaus nicht erfreut war, und andererseits beweisen die wiederholten Freundschaftsversicherungen Dorps, dass er die Angriffe gegen die Erasmischen Werke eingestellt hatte und aufrichtig betrübt war über die Wendung, die die Sache ins gehässig Persönliche genommen hatte. Schliesslich ist es auffällig, dass alle diese Verhandlungen nach der Rückkehr aus England völlig abgebrochen waren, ja dass Erasmus bald darauf, im Juli, sich für die nächsten Jahre in Löwen gänzlich niederliess. Mit seinen Werken war keine Veränderung vorgegangen, aber die Intriguen gegen seine Person waren durch die päpstliche Indulgenz zum Schweigen gebracht. Allein war es lediglich diese Scheu, sein Lebensgeheimnis preiszugeben, die Erasmus zu so ausserordentlichen Anstrengungen veranlasste? Offenbar lag ihnen eine andere, konkrete Besorgnis zu Grunde. Im Februar 1517, nach der Löwener Episode, schrieb er an Ammonio (ep. 231): „Agebant et apnd Principem sedulo, ut Pontificis auctori- tatem cum huius auctoritate coniungerent; ... in aula molitiones partim procerum favore, partim eruditorum, et in his praecipue Theatini (d. i. Caraffa) opera coercitae sunt." Hier haben wir den letzten und treibenden Grund: auch am Hofe hatte sich, von Löwen genährt, eine antierasmische Clique gebildet, die das Ohr des Königs zu gewinnen suchte; gerade jetzt aber stand er in Verhandlungen mit dem Hofe, und dass diese von den Feinden durchkreuzt würden, war seine geheime Sorge. Daher das lange und wiederholte Schwanken in den Beratungen mit Sauvage, das Wechselspiel von Zögern und Hasten, das auch die Verhandlungen mit Rom näher erklärt und in ihnen seine Erklärung findet. Wir haben gesehen, dass Erasmus, der auf Sinecuren geradezu fahndete, dem Angebot einer Pfründe, namentlich aber der Ratswürde wiederholt auswich, ohne sich doch die Möglichkeit eines zusagenden Entschlusses abzuschneiden. Wäre, wie er an Bude schrieb, allein die Abneigung gegen das bildungsfeindliche Land für ihn entscheidend gewesen, so hätte er die Zumutung, sich dort heimisch zu machen, doch 219 rundweg ablehnen können und würde nicht schliesslich doch noch, als eine Besserung in diesen Verhältnissen gar nicht eingetreten war, seine Abneigung überwunden haben. Aber als er am 9. August seine Bitte an den Papst richtete, waren eben, im Juli, Verhandlungen mit Sauvage vorhergegangen, die zur Annahme der Pfründe geführt hatten; diesen widerrechtlichen Schritt musste er zu decken suchen. Wäre das selbst ein rein zeitliches Zusammentreffen, so ging doch auffälligcrweise auch der endgültigen Annahme der Ratswürde eine entscheidende Wendung in den Verhandlungen mit Rom voraus: im Dezember war der Entwurf des Dispensationsdiploms bei Erasmus zur Begutachtung eingetroffen, der von den wohlwollenden Absichten des Papstes Kunde gab. Von nun an war er der Dispensation sicher, und es galt ihm nur noch als eine Frage der Zeit, wann sie ihm offiziell zuging. Jetzt war es auch, im Anfang des Januar, wo er persönlich in Löwen seine Gegner beruhigte, wo in Brüssel seine Freunde die Intriguen unterdrückten. Nun war er geborgen und widerstand den Anträgen des Hofes nicht länger. Bestätigt wird diese Annahme durch Äusserungen des Erasmus selbst. Am 29. Dezember 1516 (ep. 225), also noch vor der Annahme des Titels, schrieb er an Ammonio: „Ilpög xfjs eöSaifioviag TT]? a7J£, Ttpöc; 5e zy\c, £|ryjc; Suaxu^as • • • urge tuis litteris Wigor- niensem, ut quam primum explicetur nostrum negotium"; und er fährt sogleich fort: „favent omnes ferme huius aulae proceres, et cum primis rex ipse." Noch am 24. Februar 1517, als er von den Machenschaften seiner Gegner am Hofe spricht (ep. 231), fügt er hinzu: „Töv xprj- afiöv töv aiüTifjpwv iamdudum exspecto." Wenn in dieser Zusammenstellung auch zweimal ein Zufall waltet, so zeigt sie doch, wie beide Vorstellungen, des Ratstitels und der Dispensation, gemeinsam in ihm Wurzel gefasst hatten. Deutlicher als bloss aus einer allgemeinen Empfindung heraus hatte er sich schon am 9. November ausgesprochen (ep. 251): „Quod hortaris, ut Jovem (Sauvage) propius adeam, enitar, ac tum magis, ubi certum vigilans audiero oraculum, unde rerum mearum summa pendet." ' So stellt sich uns nun der Zusammenhang dar. Als die mönchisch- scholastischen Gegner seinen durch die päpstliche Autorität geschützten Schriften direkt nicht beikommen konnten, hatten sie ihn als eidbrüchigen und königlicher Gunst unwürdigen Mönch bei seinem Fürsten und vielleicht auch in Rom zu denunzieren gedroht. Um ihren durchaus nicht gefahrlosen Angriffen den Boden zu entziehen, hatte er von dem Papste Absolution für die bisherige Verletzung der Ordensregeln WM " llllslP meßk ■ • ■ ■ ■ BWl m& inWl $mm I Safe©' ■Hl 220 und Dispensation von ihrer Beobachtung für die Zukunft erbeten. Der sogenannte Streit mit Dorp um das „Lob der Thorheit" und das Neue Testament, der — wie es scheint — über die erste ganz allgemein gehaltene Mahnung vom Juli 1515 und ihre Beantwortung durch Erasmus gar nicht hinausgekommen war und der fälschlich bis heute noch als wissenschaftliche Kontroverse von prinzipieller Bedeutung gilt, war in ein widerwärtiges persönliches Mönchsgezänk ausgelaufen. Von hervorragender Bedeutung, nicht nur für das Verständnis der Verhandlungen mit Rom, sondern als eine der hauptsächlichsten Quellen für die Jugendgeschichte des Erasmus, ist der bekannte Brief an den päpstlichen Sekretär Lamberto Grunni (App, 442), in dem Erasmus unter dem Namen Florentius die Vorgeschichte seines Eintrittes in den Orden und sein Leben im Kloster schildert. Vischer meint, dass dieser Brief sowie die Antwort des Grunni (App. 443) „erst hintennach von Erasmus zu Händen des Publikums abgefasst worden sind." „Über den Umstand", sagt er, „dass von dem einen Punkt, der bei der Dispensation in Betracht kam . . ., der unehelichen Geburt, keine Rede ist, könnte man allenfalls durch die Annahme hinwegkommen, dass jene in Geheimschrift abgefassten Zusätze, von denen Erasmus am Schluss des Briefes spricht, hiervon handeln; auffallend ist aber, dass, während die Verhandlungen durch den Bischof von Worcester geführt wurden, hier auf einmal eine andere Mittelsperson erscheint; was Grunnius über die leichte und rasche Erledigung der Sache berichtet, stimmt nicht mit dem Briefwechsel des Erasmus und Ammonius und mit dem Briefe des Bischofs von Worcester, ep. 195, und es ist dieser summarische Bericht des Grunnius um so auffallender, als das, was Leo dem Erasmus wirklich zugestanden hat, doch offenbar nicht so weit geht, wie das, was der Brief an Grunnius verlangt; endlich passt die Bezeichnung „Diploma cum exemplari et subscriptione pontificis" nicht auf die Aktenstücke, von denen wir Kenntnis haben, abgesehen davon, dass diese ohne Zweifel nicht an Erasmus, sondern an Ammonio geschickt wurden." Vischers Gründe haben mich nicht überzeugen können. Gerade die Chiffern, in denen einige zur Abfassung des Diploms erforderliche Notizen gegeben waren, sprechen für die Echtheit des Briefes. Wenn Erasmus ihn erst später abfasste, um sich von allen Verpflichtungen dem Orden gegenüber als gelöst darzustellen, ohne seine uneheliche Geburt bekannt zu geben, welchen Zweck hatte es dann, noch auf eine Nachschrift in Chiffern hinzuweisen, die der Leser im Druck doch nicht eüÜ V 1 ; ' ' ' : "'- ■' '■'■'"■ £ "■■■■■ '■'.''■' ' 221 fand ? Im Gegenteil: musste er nicht vielmehr durch diese Geheimnis- thuerei auf das Vorhandensein eines dunklen Punktes in seinem Lehen hinweisen, der das Misstrauen und den Spürsinn seiner Gegner geradezu herausforderte? Ferner verlangt der Brief an Grunni durchaus nicht mehr, als Leo gewährte; das Umgekehrte ist der Fall: wenn Erasmus seinen Eintritt in den Orden als einen Zwang und einen Irrtum hinstellt, so löst sich damit auch die Pflicht zur Ordenstracht in einen Irrtum auf. Nur hiervon will er dispensiert sein; von seiner unehelichen Gehurt steht in dem Briefe nichts, höchstens in den chiffrierten Noten, und auch hier war die Enthüllung wohl nur zur Erklärung seines wirklichen Namens (Erasmus Rogers)') nötig, den Sadoleto in der Aufschrift des Diploms nennt. Der Papst ging also über sein Begehr hinaus, indem er ihn auch von den Folgen seiner Herkunft befreite, und in seiner Antwort (ep 194) sagt Erasmus ausdrücklich: „Quod meus pudor contractius parciusque rogabat, tua benignitas largius ac prolixius indulsit." Auch mit der raschen Erledigung, die Grunni erwähnt, hat es durchaus seine Richtigkeit. Mit dem von Vischer (S. 25) abgedruckten Brief Ammonios vom 4. Dezember, der Antwort auf den des Erasmus vom 9. November (ep. 151), schickt jener an seinen gelehrten Freund einen soeben eingetroffenen Entwurf des Diploms, der dem Bischof von Worcester selbst nicht auszureichen scheine; er will des Erasmus Ansicht erfahren, scheint sie aber schon im Voraus zu wissen, denn er giebt ihm den Rat, sich noch einmal ausführlich an den Papst und den Bischof zu wenden. Das that denn auch Erasmus; am 29. Dezember sagt er (ep. 225), dass er vor einigen Tagen durch den Courier Tunstalls über die Angelegenheit geschrieben habe, d. h. an Ammonio nach London, wohin Tunstall seine Depeschen sandte. Jetzt also, frühestens Ende Dezember, ging von Ammonio aus ein neues Gesuch nach Rom ab, und jetzt erst wird Grunni in die Unterhandlungen eingetreten sein; da hierauf die Entscheidung des Papstes schon nach 3 Wochen, am 26. Januar, erfolgte, kann Grunni, der nur den letzten Teil der Verhandlungen im Auge hat, mit Recht von einer schnellen Erledigung sprechen, während der Bischof Giglis mit gleichem Rechte den Verlauf der ganzen Angelegenheit, seit dem August 1516, als verzögert bezeichnen kann. *) Dass dies der wirkliche Name des Erasmus ist, hat schon 1874 Vischer (S. 30) nachgewiesen. Aber noch Froude (Life and lettres of Erasmus, London 1894, S. 2) wärmt die alte Fabel Baudius' auf, dass sein Name Gerhard, latinisiert „Desiderius", gräcisiert „Erasmus", war. 222 Dabei wird allerdings vorausgesetzt, dass das zweite Gesuch auch wirklich durch Grunni vermittelt worden ist; und hier stelleu sich Schwierigkeiten ein. Thatsächlich wird der Name des Grunni während der ganzen Verhandlungen mit Korn nie genannt; noch mehr: er kommt, mit einer einzigen späteren Ausnahme'), in dem Briefwechsel des Eras- mus überhaupt nicht vor; Grunni scheint ihm völlig fremd gewesen zu sein. Wie auffallend nun, dass Grunni hier als vertrauter Freund auftritt, und andererseits wie unwahrscheinlich, dass Erasmus einem ihm unbekannten Manne ein so wichtiges Geschäft übertragen haben sollte! Auch der Brief selbst weckt Bedenken; gleich die Anfangsworte: „Hactenus, eruditissime Lamberte, ab hoc genere causarum lubens abstinui, licet a multis interpellatus" — wie kann Erasmus in seiner eigenen Angelegenheit sagen — denn die Kolle des Florentius, die er spielt, muss doch sehr durchsichtig sein, wenn sie nicht unwirksam werden soll — dass er nicht gern den Vermittler spiele? Auch hätte die erkünstelte Bescheidenheit des Humanisten, die eher etwas zu viel als zu wenig that, kaum zugegeben, dass er von seiner „indoles multo omnium felicissima" spricht. In auffälliger Weise bricht auch der weitschweifige .Brief unvermittelt mit ein paar kurz hingeworfenen Zeilen ab, die die Wirkung des Ganzen ungemein stören. Noch unerklärlicher sind die Bemerkungen über die chiffrierte Nachschrift; Erasmus soll ein eigenes Chiffriersystem gehabt haben, er soll den Schlüssel im letzten Brief an Grunni geschickt haben — er hat also doch öfter an ihn geschrieben? — und von alledem sollten wir in den Briefen des Erasmus und Ammonio nichts erfahren, nichts von den Chiffern, nichts von dem wiederholten, geheimisvollen Briefwechsel mit Grunni? Ist es anzunehmen, dass Erasmus für diese Korrespondenz ein Chiffriersystem ausgeklügelt hat? Klingt es nicht, als ob es ein Diplomat gewesen ist, der diese diplomatischen Hilfsmittel anwandte, mit einem Worte, als ob Ammonio selbst hinter dem Briefe zu suchen ist? Ammonio, der zu seinen sonstigen Verhandlungen mit dem päpstlichen Hofe sehr oft sich chiffrierter Depeschen bedient hat, der wohl von Rom her auch Grunni persönlich kannte, ist es, der die chiffrierte Notiz dem Briefe hinzufügte, der den Schlüssel an Grunni gesandt hatte; aus seinem Munde klingen die Anfangsworte wahrscheinlicher, dass er sich nicht gern mit Ver- mittelungen befasse und nur um des Freundes willen dem Freunde beschwerlich falle. An Ammonio ist auch die Antwort Grunni's gerichtet, deren Angaben dann zu allen sonst bekannten Äusserungen a ) Erasmus an Grunni. Freiburg, 5. März 1531. Opp. omn. X, 1590. $mz SBSBp 223 stimmen, dass das Diplom an Ammonio, nicht an Erasmus geschickt worden ist. Diese Annahme findet eine unerwartete Bestätigung durch das Breve Leo's X. an Ammonio: „Exponi nuper nobis fecisti", beginnt es, „quod istic ad praesens exstitit vir quidam doctrina praeclarus . . .", und giebt dann gedrängt den Inhalt des Briefes an Grunni an. Der Papst nennt den Namen des Erasmus nicht, obwohl er natürlich weiss, um wen es sich handelt, er hält sich ganz im Tone der Fiktion jenes Briefes. Er sagt auch auch ausdrücklich, dass Ammonio ihm die Jugendschicksale des Erasmus habe vortragen lassen, er weiss also, was auch wir nun annehmen dürfen, dass jener Brief von Ammonio ausgeht. Trotzdem ist kein Zweifel, dass die lebendige Schilderung der Jugendkämpfe des Erasmus nur von ihm selbst herrühren kann, wenngleich er, seinem Hange zur Rhetorik folgend, sie späterhin ausgeschmückt haben mag, und dass Ammonio diese Erzählung durch Zusätze am Anfang und am Schluss nur in Briefform gebracht hat. Um aber diese so für die Jugendgeschichte des Erasmus gerettete Quelle auf ihren rechten Wert zurückzuführen, wird es nötig sein, sich der Umstände zu erinnern, denen sie ihre Entstehung verdankt; wie denn überhaupt, da dem Erasmus, soweit ich sehe, direkte Erfindungen und tbat- sächliche Unwahrheiten erheblicher Art kaum nachgewiesen werden können, der Biograph sich auf die Aufgabe beschränken muss, seine Äusserungen ihrer tendenziösen Färbung und des mythischen Schimmers zu entkleiden, worin dem rückwärts schauenden Auge jedes Menschen Gestalten und Ereignisse der Jugend erscheinen. Für einen Fall dieser Art ergiebt sich der Beweis aus dem Briefe selbst. Ist dieser echt, so muss auch die hier wie in dem Briefe an Servatius enthaltene Behauptung, dass Erasmus bereits von Julius II. eine Dispensation von der Verpflichtung zur Ordenstracht erlangt habe, was Vischer bestreitet, auf Wahrheit beruhen; denn ihre Unwahrheit wäre, nach kaum 8 Jahren, in der päpstlichen Kanzlei mit Leichtigkeit festgestellt worden. Wahrscheinlich war diese Dispensation Julius' II. mit Rücksicht auf die damals herrschende Pest, um Erasmus gegen die verhängnisvolle Verwechselung mit den Pestärzten zu schützen, auf den Aufenthalt in Rom beschränkt, und sein Vergehen bestand darin, dass er eigenmächtig auch später die Kleidung des Weltgeistlichen beibehalten hatte. In dem Briefe an Servatius macht er auch keinen Versuch, sich wegen des weiteren Wechsels der Kleidung in England unter den Schutz dieser Indulgenz zu stellen. Hü '■■■''■''■■■■' fflm HU mm mm ms ■H 224 In London war es nun, wo bald nach seiner Ankunft Erasmus die Breven des Papstes und des Bischofs Giglis erhielt und wo ihn, nach einer Notiz Ammonios, dieser in Gegenwart des Juristen Sixtin am 9. April offiziell absolvierte. Die Fremden, mit denen er in London verkehrte, der Venetianische Gesandte Giustiniani und sein Sekretär Sagudino, wussten nichts von dem Zweck seiner plötzlichen Ankunft; Sagudino schrieb am 22. April an Marcus Husums, den neuernannten Erzbisehof von Halvasia (App. 130, S. 1602 E), er glaube, Erasmus sei vom Könige berufen. Der Gelehrte hat dem Gerüchte wohl nicht widersprochen. Lange hielt er sich in London nicht auf; nach einem Aufenthalt von etwa 3 Wochen trat er die Rückreise an. Am Morgen des 1. Mai landete er nach stürmischer Fahrt bei Boulogne (ep. 291). Seine Cambridger Freunde erfuhren seine Ankunft in England zu spät; denn erst am 1. Mai begrüsste ihn Bovillus (App. 61). Das Datum 1516 hierin ist falsch; denn in keinem andern Jahre als 1517 reiste Erasmus im Frühling nach England, und die Anmerkungen zum Matthäusevangelium, die Bovillus seinen Vorlesungen zu Grunde legte, konnte er erst nach der Herausgabe des Neuen Testamentes benutzen; die Krankheit, von der er soeben genesen sei und die ihn zwinge, beim Schreiben sich fremder Hilfe zu bedienen, erwähnt er auch in seinem Briefe vom 5. Mai (App. 137), der deshalb 1517 geschrieben sein muss, weil der Brief des Bovillus und des Erasmus ausführliche Antwort darauf, die er soeben im Drucke gesehen hat, nämlich ep. 216 und ep. 148 aus dem August 1516, im Oktober 1516 und April 1517 bei Martens in Löwen erschienen 1 ). Jetzt auf der Rückreise war es, wo Erasmus in Brüssel, das er auf der Hinreise nicht berührt hatte, seine Briefe an Leo X. und den Bischof von Worcester (ep. 194 und ep. 196) schrieb, und zwar vermutlich schon in der ersten Hälfte des Mai; denn späterhin, vor dem Ende, wahrscheinlich aber schon Mitte Mai, war er bereits wieder in Antwerpen, von wo der erste vorhandene Brief, ep. 291 an Thomas Höre, geschrieben ist, der auf eine längere Anwesenheit in Antwerpen deutet. Das Datum ist schwierig zu bestimmen; Tunstall, so erfahren wir, ist in Antwerpen, der Kardinal von Gurk ist vor einigen Tagen, der Kardinal von Sitten (Hatthäus Schinner) erst am Tage zuvor abgereist; der Kaiser will zum Reichstage nach Hainz, König Karl ist in Gent. Alle diese Angaben treffen für Ende Hai zu; in diese Zeit muss der Brief des Erasmus gehören. Der Kardinal von Sitten schreibt am 29. Hai noch von Antwerpen an Wolsey, an demselben Tage aber 0 Van Jseghem, S. 265 Nr. 105 und S. 270 Nr. 110. Jm isi bühi ■■■■■Mi "t | HHnS 225 auch schon von Mecheln aus an ihn; wenn das richtig ist, war er zwischen beiden Briefen, nach dem Frühstück, an dem Erasmus teilnahm und wo er seine Tiraden gegen Frankreich anhören musste, abgereist; dies zugegeben, dürfen wir ep. 291 auf den 30. Mai legen 1 ). Die Unterhandlungen mit Paris waren durch die Reise nach England zwar nicht völlig abgebrochen, aber doch weit hinausgeschoben worden. Noch vor der Reise hatte Erasmus zwei kurze Briefe an Bude gesandt, einen ohne Datum, den andern am 25. März (Mariae Verkündigung). Beide Briefe sind uns eben so wenig erhalten, wie Budes erste Antwort darauf, von der er in App. 60 vom 5. April (ramaliorum die, Palmsonntag) spricht. Der König hatte Bude kurz aufgefordert, noch einmal an Erasmus zu schreiben, ohne indes klare Zusicherungen zu machen; auch Poncher hatte sich nicht näher ausgesprochen. Bude überliess es infolge dessen Erasmus, sich noch einmal an den Bischof zu wenden, vielleicht auch an den König, wenn die Sache inzwischen nicht in Vergessenheit geraten sei. Die Rollen haben also gewechselt: Erasmus hat sich für den Gedanken erwärmt, in Paris ist man gleichgültiger geworden. Seitdem ruhte der Plan, und auch Tunstall riet dem Freunde ab, nach Frankreich zu gehen, wo kriegerischer Ruhm höher im Preise stehe als litterarischer (App. 131, 22. April 2 ). Sicherlich hat Tunstall Recht, dass die Pariser Freunde eine hingeworfene Äusserung des Königs aufgebauscht hatten. Trotz wiederholter Nachfragen des Erasmus im August, Oktober und November ging Bude erst nach vielen Monaten (ep. 304, 21. December 1517) auf die Angelegenheit kurz wieder ein. *) Tunstall war am 27. Mai von Mecheln nach Antwerpen gekommen (Brewer II, 2, Nr. 3296), am 31. war er noch dort (ebd. Nr. 3315), am 7. Juni schon in Brüssel (3343); am 17. Mai wird Karl in Gent erwartet (3251), am 25. ist der Hof dort (3283); Gurks Abreise nach Worms: Nr. 3295 (vom 27. Mai); Sitten in Antwerpen und Mecheln: Nr. 3301 u. 3303, am 31. Mai ist er bestimmt in Mecheln: Nr. 3316. 2 ) Auch Tunstall war mit Budö in Briefwechsel getreten; sein Brief ist ep. 253, undatiert, aber vor den 25. März zu legen, da er in Brüssel geschrieben ist, wo Tunstall sich bis zum 25. oder 26. März aufhielt (vgl. Brewer II, 2, Nr. 3054 u. 3059). Budes Antwort darauf ist ep. 249 vom 19. Mai 1517. Ära® Ju •■>'•■■'"■"■'■■■ ' ■ BS ■^ ■*■■..;■-•'. MBB Westd. Zeitschrift. Ergänzungsheft IX. 15 '■.vHSrar' ^^■1 226 IV. Studien in Löwen bis zur dritten Basler Reise. (1517—1518.) Im Mai 1517 war Erasmus von London über Brüssel nach Antwerpen gegangen; wieder gewährte ihm das gastliche Haus seines Freundes Aegidius bereitwillige Aufnahme. Hier schrieb er die Widmung seiner Übersetzung einiger Lucianischer Dialoge an Joh. Entychius (Opp. I, 329), wahrscheinlich im Mai, da er sie, nach einer Mitteilung an More (ep. 291 vom 30. Mai und App. 241 vom Anfang Juli) schon in diesem Monat nach Basel zum Druck sandte '). Wohl hier in Antwerpen hatte auf seiner Heise nach Paris auch Glarean seinen Gönner aufgesucht, dessen Fürsprache er nicht zuletzt seine Berufung nach der französischen Hauptstadt verdankte. Ihm gab Erasmus einen nicht vorhandenen Brief an Bude mit, von dem wir aus Bude's Antwort vom 17. Juli (App. 149) wissen. Der Besuch Glarean's und damit der Brief des Erasmus fällt wahrscheinlich in den Juni; denn Ende Mai wollte Glarean nach den Mitteilungen von Beatus Bhenanus (App. 134 vom 24. April, App. 138 vom 10. Mai) und von Ludwig Bär (App. 139, 11. Mai) von Basel abreisen; am 8. Juli (App. 146) erwähnte Rhenanus nichts mehr von ihm. Am 5. August teilte bereits Glarean aus Paris mit (App. 158), wie freundlich ihn Bude, Cope und Lefevre aufgenommen hatten. Erst Ende August traf dieser Brief ein, denn noch am 23. August schrieb Erasmus an Beatus Rhenanus (App. 164), er habe von Glarean nichts gehört und wisse nur aus Bude's Schreiben (App. 149 vom 17. Juli), dass er in Paris sei. Nach dem 23. August muss daher App. 304 an Bude geschrieben sein, worin Erasmus seine Freude über den Empfang Glarean's und zugleich seine Verwunderung über das Ausbleiben jeder Nachricht von Bude ausspricht; x ) Gedruckt bei Froben 1517, nach Panzer VI, 202, Nr. 196, ohne nähere Datierung. 227 ef kann also die Mitteilung über seinen Verkehr mit Glarean nur von diesem haben. Wahrscheinlich ist App. 304, ebenso wie ep. 359 an Germain Brice, die Antwort auf ep. 212 vom 6. April, zugleich mit ep. 264 an Georg von Halloin, den Übersetzer des „Encomium Moriae" ins Französische, am 29. August befördert und — die Kürze von App. 304 lässt den Schluss zu — auch geschrieben worden. Schon von England hatte Erasmus den Plan mitgebracht, den Sommer in Löwen zu verbringen. „Auch die Theologen wünschen es", schrieb er am 30. Mai (ep. 291) an More, „nur N. — etwa Dorp oder Briard? — murrt noch, um nicht inkonsequent zu erscheinen." Aber er konnte es wagen; das Lager der Feinde stand ihm offen. So kam er nach wenigen "Wochen zu seinem alten Gastfreund Paludan nach Löwen. Mit hinreichender Sicherheit können wir bestimmen, dass dies zu Ende Juni oder Anfang Juli geschah. Denn in der zweiten Hälfte des Juni finden wir ihn in Brügge; am 17. Juli 1 ) schrieb er an Barbier (App. 151), dass er vor fast einem Monat dessen Bruder in Brügge gesprochen habe. Wohl um Sauvage zu treffen, war er dorthin gegangen, oder hatte ihn vielleicht von Gent aus begleitet; denn schon vorher hatten ihn Morillon (App. 140, 5. Juni) und Clava (App. 402, 4. Juni, o. J.) eingeladen, Sauvage in Gent aufzusuchen, ehe dieser nach Spanien aufbreche. Ende Juni befand sich der Hof in Brügge 2 ) r und hier mag es auch gewesen sein, wo der Kanzler ihm einen Teil der Pension aus eigener Tasche zahlte, wie Erasmus in App. 241 erzählt. Nach Antwerpen scheint er nicht mehr zurückgekehrt zu sein, denn die Zahlung der Pension teilte er Aegidius von Löwen aus mit (ep. 373). Noch ehe er von More Antwort auf ep. 291 erhalten hatte, meldete er ihm, unter teilweiser Wiederholung des vorigen Briefes, seine Ankunft in Löwen (App. 241). Ferner weiss Giustiniani, als er am 29. Juni an ihn schreibt (App. 145), noch nichts von diesem jüngsten Brief des Erasmus an More; er bezieht sich nur auf den ersten vom 30. Mai. App. 241 kam also nach dem 29. Juni, aber vor dem 16. Juli, wo ihn More beantwortete (App. 148), in London an, ist demnach etwa Anfang Juli von Löwen abgegangen. Nicht viel später wird daher auch ep. 373 an Aegidius geschrieben sein. More schickte zugleich mit App. 148 die Briefe von Giustiniani, Sagudino und Colet *) „16. Kai. Augustas", also nicht 18. Juli; vgl. Kan, S. 6, Nr. 316. Barbier bestätigt das in App. 159. 2 ) Brewer II, 2, Nr. 3402; Tunstall, dem Erasmus „adhaesit, quoad licuit" (App. 241, B), war noch am 2. Juli dort: Brewer H, 2, Nr. 3426. 15* m « 228 an Erasmus, nämlich die in ep. 291 erbetenen von Giustiniani, d. i. App. 249, vom Ende April, da er kurz nach des Erasmus Abreise aus London („te discedente") geschrieben ist und Erasmus ihn auch schon im Mai erhalten, nur wieder verloren hatte; dann App. 130 von Sagudino an Musurus, beides Abschriften, begleitet von einem gleichzeitigen Schreiben des Sagudino (App. 143, 22. Juni) und des Giustiniani (App. 145, 29. Juni) an Erasmus. Der Brief von Colet, den More erwähnt, ist wahrscheinlich App. 246, der also dann etwa Mitte Juli fällt; denn er ist der erste nach der Abreise des Erasmus. Colet beklagt sich, dass der Gelehrte nicht an ihn schreibe uud dass er die Cabbalistik Reuchlin's wohl an den Bischof Fisher, nicht aber auch an ihn geschickt habe; er habe darum das jenem zugedachte Exemplar, das durch seine Hände gegangen sei, zurückgehalten und gelesen, ehe er es Fisher zugeschickt. Eeuchlin hatte nämlich am 27. März an Erasmus seine „Ars Cabbalistica" ! ) geschickt (App. 123), mit der Bitte, sie seinem unbekannten Freunde Fisher mitzuteilen. Erasmus erhielt die Sendung erst nach seiner Rückkehr aus England, also im Mai, und schickte sie wohl durch More an Fisher, wahrscheinlich mit App. 241, obwohl weder ep. 291 noch App 241 etwas davon meldet; allein Fisher erklärte (App. 428, o. D.), dass er durch More zwar den Brief, nicht aber die darin erwähnte Cabbalistik erhalten habe. App. 428 wird daher ebenfalls um den 16. Juli geschrieben sein; denn bald darauf muss der Bischof das Buch erhalten haben, da es Colet, nach App. 246, ihm schon zugesandt hatte. Später entschuldigte Erasmus sich und Colet bei Fisher (App. 178, 8. September); er hatte erst durch Colet die Ursache der Verzögerung erfahren. — Allein so schnell und vollständig, wie Erasmus gehofft, sollte er in Löwen nicht zur Euhe kommen. Die Theologen hatten ihn zwar „ziemlich freundlich" empfangen, schrieb er an More (App. 241), doch stiess er noch auf vielen Widerwillen, und die nicht eben reichlich bemessenen Einnahmen konnten ihn mit den finstern Blicken seiner Umgebung nicht versöhnen. „Hie multum est oblatrationis, praemii nihil", sagt er in demselben Briefe. Dass er in Briselot seinen alten Widersacher beim Hofe entdeckte (App. 241 an More und App. 164, vom 23. Aug., an Beatus Bhenanus), konnte ihm zwar eine nachträgliche Genugthuung, aber kein Trost sein; der gefährlichen Intriguen seiner *) Gedrucktem März 1517; v. Geiger, Reuchlin. S. 185, Anm. 5. ■■■ ^■B SSI 229 Gegner war er freilich durch die päpstliche Gnade Herr geworden; aber er verlor die Hoffnung, auch ihre Abneigung zu überwinden. Darum wollte er, kaum angekommen, in Löwen nur kurze Zeit bleiben, und wieder stand der Heimatlose vor der Frage, wohin er gehen sollte. Weder Spanien, wohin der Kardinal Ximenes ihn eingeladen hatte, noch das Klima Oberdeutschlands, noch die Abhängigkeit in England, am wenigsten seine engere Heimat sagte ihm zu; More, ber Getreue, sollte raten. Und doch war an Einladungen kein Mangel; auch der Erzbischof Albrecht von Mainz hätte den Gelehrten gern bei sich gesehen. Schon in Antwerpen erhielt Erasmus durch Richard Croke, der seine Leipziger Professur aufgegeben hatte und nach England zurückkehrte 1 ), ein Schreiben von Heinrich Stromer, dem Leibarzte des Erzbischofs 2 ) (App. 136 vom 30. April), worin er um Antwort auf seinen Brief vom December des letzten Jahres bat, der eine Einladung zu dem Erzbischof erhalten habe. Auf die Erklärung des Erasmus, es sei ihm ein solcher Brief nicht zugegangen, wiederholte Stromer am 24. Juli (App. 156) dessen Inhalt: der Erzbischof bitte um seinen Besuch, um durch ihn die Lebensbeschreibungen der Heiligen verfassen zu lassen. Aber Erasmus lehnte mit Rücksicht auf sein hohes Alter — seine gewöhnliche Entschuldigung — die Einladung ein wenig kühl ab (ep. 263, 24. August), versprach aber, bei Gelegenheit nach Mainz zu kommen. Da bat Albrecht in einem eigenhändigen Schreiben an den gefeierten Gelehrten (ep. 334, 13. September, zugleich mit Stromer's Brief App. 181) noch einmal inständig um seinen Besuch. „0 glücklich der Tag", schreibt der Fürst in jugendlichem Enthusiasmus, „da diese Augen Dein Antlitz schauen, da diese Ohren Deiner süssen Rede lauschen und ich an Deinem Munde hangen werde!" Aber den Entschluss des Erasmus vermochte er nicht mehr zu erschüttern. — In Löwen empfing den Gelehrten sogleich eine wissenschaftliche Kontroverse, doch von harmloserer Bedeutung. Jacques Lefevre hatte J ) Über Croke vgl. oben S. 132 u. S. 135. Er hatte 1516 das Rektorat in Leipzig inne (ep. 157) und brach im März 1517 von Leipzig auf; vgl. App. 116 von Emser, App. 120 von Mosellanus, App. 117 von Dungersheim (nicht Dungerstein, wie in der Leyd. Ausg.; vgl. Seidemann in der Allg. Dtsch. Biogr. V, 473 und Luther's Briefw., herausg. v. Enders, I, 365). Im März 1518 ist Croke in Cambridge: App. 263 vom 5. März 1518. 2 ) Über Stromer vgl. Erhard, Gesch. des Wiederaufblühens wissensch. Bildung, III, 489 ff. mm H m W $38%$ ■'■■'': Bi A*&w 230 in seinem Kommentar zu den paulinischen Briefen vom J. 1512 die Beobachtung/gemacht, dass die Vülgata in Psalm 8,6: „minuisti eum paulo minus ab angelis", sich im Widerspruche zu dem hebräischen Text befände, der die Übersetzung „a deo" erfordere. Er fand dieselbe Stelle in dem Brief an die Hebräer (2,7) und behauptete in seinem 1517 erschienenen Kommentar zu den paulinischen Briefen, dass Paulus hebräisch richtig „von Gott" geschrieben habe, während der Übersetzer des Briefes „mxp' ayyeXous" gesetzt habe. In dieser 2. Ausgabe seines Kommentars vom Jahre 1517 war er genötigt, die Ansicht des Eras- mus zu bekämpfen, der in seinem Neuen Testament sich zu der entgegengesetzten Auffassung bekannt hatte l ). Sofort plante Erasmus eine Entgegnung. Schon im Anfang Juli, also gleich nach seiner Ankunft in Löwen, wo er wohl zuerst das Buch Lefevre's zu Gesicht bekam, fasste er den Entschluss und teilte ihn More (App. 241) und Aegidius (ep. 373), bald darauf, am 17. Juli (App. 150), auch Tunstall mit; obwohl ihm Lefevre's Ton nicht gefiel, wollte er sich jeder Gereiztheit enthalten. Von Aegidius bat er sich dessen Exemplar des „Psalterium octaplum" aus, dessen Verfasser, der Bischof Giustiniani von Nebbio später Erasmus in Löwen besuchte (App. 289 an Capito, 19. Oct. 1518). Schon am 5. August war der Druck der Apologie in Martens' Druckerei beendet 2 ); Ende August und Anfang September sandte er sie seinen nächsten Freunden zu: zunächst an Tunstall (App. 173, 31. August), der sich in diplomatischer Mission in Zeeland befand und nach seiner Rückkehr nach Brügge diesen Brief am 14. September beantwortete (ep. 272); des Erasmus Erwiderung hierauf, ep. 293 (o. D.), muss also etwa in das Ende des September gehören. Sodann erhielt die Apologie Anton Clava (App. 175, 7. Sept.), Laurin (App. 176, 7. Sept.), der Bischof Fisher (App. 178, 8. Sept.) und Peter Barbier mit einem undatierten Briefe (App. 230), der die Antwort auf Bar- bier's Schreiben (App. 159) aus Poitou, auf dem Wege nach Spanien, vom 12. August, und darum wohl Anfang September zu legen ist; auch Beatus Rhenanus empfing das Werk, wie wir von Bombasio (ep. 283, 6. December) erfahren. An seinen Gegner schickte er am 11. September 1 ) Den Druck der beiden Kommentare Lefevre's s. Panzer VII, 565, 557 und VIII, 41,960. Über die Kontroverse mit Lefevre vgl. Charles-Henry Graf, Essai sur la vie et les ecrits de J. Lefevre d'Etaples. These der theol. Facult. Strassburg 1841. S. 54 ff. 2 ) Van Jseghem, S. 273, Nr. 113. Sie findet sich in den Opp. omn. IX, 31 ff. gleichfalls ein Exemplar (ep. 271); er bat ihn, es aufmerksam zu lesen, mit sich selbst zu Rate zu gehen und dem Streit ein Ende zu machen. Als Lefevre nicht antwortete, besorgte Erasmus, ihn verletzt zu haben und hielt ihm am 30. November noch einmal in herzlichem Tone vor, dass er den Konflikt doch selbst hervorgerufen habe (App. 211). Aber Lefevre schien wirklich tief gekränkt. Das Ausbleiben jeder Antwort befremdete Erasmus. Ja es ging das Gerücht, jener rüste sich zu einer scharfen Entgegnung. Erasmus erfuhr davon durch Bombasio aus Zürich (ep. 283, 6. Decbr.). Bude bestätigte es (ep. 310, 12. April 1518). Und als der versöhnliche Erasmus gar sehen musste, wie sich überall Parteien für und wider ihn und Lefevre bildeten, die den Konflikt, den er so gern begraben hätte, künstlich am Leben erhielten, bot er dem grollenden Gegner noch einmal die Hand (ep. 239, 17. April 1518). Die Replik Lefevre's unterblieb; wann er einlenkte, lässt sich nicht fesstellen; bald bereute er seinen Starrsinn gegenüber der korrekten Haltung des Erasmus, wie der Pariser Drucker Bade Aegidius erzählte, der es seinem Freunde nach Basel meldete (ep. 436, 19. Juni 1518, nicht 1519). Erasmus schrieb an Pirckheimer (ep. 374), er hoffe Versöhnung von der allheilenden Zeit. Gemeinsame Arbeit im Dienste der Wissenschaft vereinigte später wieder die getrennten Freunde. Dafür wurde nun aber dem Gelehrten ein anderer Freund entrissen. Andrea Ammonio war Mitte August in London von der furchtbaren Geissei der Zeit, dem „englischen Schweiss", in wenigen Stunden hingerafft; am 19. August begrub man ihn. More und Sixtin teilten Erasmus das traurige Ereignis mit (ep. 522 und App. 161 vom 19. August). Die Nachricht von dem Tode des Mannes, der ihm in sorgenvollen Jahren in so treuer Freundschaft zur Seite gestanden, musste ihn wohl heftig erschüttern. Am 8. September beantwortete er bei einem Besuche in Antwerpen jene Briefe (App. 179 an More und App. 180 au Sixtin) — aber in dem' Schreiben an More finden wir nicht ein Wort über Ammonio, und in dem andern setzt er sich mit einer gleichgültigen Phrase über die Trauerbotschaft hinweg: „0 rem acer- bam! sed quid attinet queri?" Auch dem Gesandten Tunstall in Brügge teilte er nur mit dürren Worten den Todesfall mit (App. 172, 30. August), wenn er auch in einem Brief vom folgenden Tage, App. 173, im Ganzen nur eine Wiederholung von App. 172, etwas mehr Teilnahme zeigt. Näher am Herzen lag ihm das Schicksal der Schriftstücke aus dem Nachlasse Ammonio's, die ihn selbst kompromittieren konnten, namentlich der „litterae de dispensatione". Er Hess den Vetter Ammonio's, HB IP - -; v ■ ■ ÜBSSa M 232 Pietro Vannes*), bitten, alle hierauf bezüglichen Briefe teils ihm zuzuschicken, teils zu vernichten. Doch versprach er diesem, an den er seine Aufforderung direkt richtete (App. 228), das Gedächtnis an Am- monio nicht untergehen zu lassen, wenn anders seine Schriften etwas vermöchten. Dieser undatierte Brief muss bereits vor jenen beiden, vielleicht Anfang September, geschrieben sein, da er noch aus Löwen datiert ist, das Erasmus um den 8. und 9. September auf einige Tage verliess. Als nach Monaten noch nichts eingetroffen war, wiederholte er dringend seine Aufforderung an Vannes und Sixtin (App. 260 und App. 261, beide vom 22. Februar 1518), und am 23. April beklagte er sich Vannes und Sixtin gegenüber (App. 132, App. 281) in den heftigsten Ausdrücken über jenen, der von allen Briefen nur einige wenige und das eine Exemplar der Dispensationsbulle, auf dem sich eigenhändige Notizen des Erasmus befanden, unverschlossen geschickt habe. Ende August war Erasmus die Trauernachricht zugegangen. Dann kann er aber unmöglich den Brief an Aegidius, der mit den Worten beginnt: „de morte Ammonii vehementer doleo" (App. 144), am 23. Juni geschrieben haben. Zwar wäre es denkbar, dass er schon am 23. Juni in Löwen gewesen; aber mit den beiden Apologien, von denen Aegidius eine dem Magister Nicolaus zustellen soll, kann nur die gegen Lefevre gerichtete gemeint sein, die Erasmus erst Ende August versandte. Erasmus bat alsdann um Zusendung der 2. Folge der Dunkelmännerbriefe, die er schon vorher gelesen hatte; er kannte sie erst im August und äusserte sich über sie Caesarius (App. 160, 16. August) und dem Grafen Nuenar (App. 168, 25. August) gegenüber. Der Ausdruck: „de sellis gaudebo, ubi videro" muss sich auf eine nicht vorhandene Mitteilung des Aegidius beziehen, die eine Antwort auf den Auftrag des Erasmus in ep. 373, also vom Anfang Juli, war: „dederam Joanni tuo negotium de sella Bruxellae emenda; quid actum sit, scire cupio" ; schliesslich findet sich ein Satz aus App. 144: „agunt nescio quid theologi de me cooptando in suum ordinem" ganz ähnlich in App. 172 vom 30. August an Tunstall. In diese Zeit muss also auch App. 144 gehören. "Welches ist nun das richtige Datum? und wie ist das falsche zu erklären? In dem Manuscript, aus dem der Brief abge" druckt ist, steht ausdrücklich das Datum „pridie Joannis" *); es ist nun *) so, nicht Pietro Amraonio, wie in der Leydener Ausg., ist sein Name; vgl. Knight, Leben Colets, übersetzt von Arnold. Leipzig 1735. S. 219, Anm. i und Brewer, passim. 2 ) Kan, S. 5, Nr. 80. fflK 233 sehr wahrscheinlich, dass der Schreiber „Johannes" für „Johannes Enthauptung" (29. August) gelesen hat, so dass demnach App. 144 auf den 28. August zu legen ist. — Mitte August unterbrach Erasmus aus unbekannter Veranlassung seinen Aufenthalt in Löwen, um für einige Tage nach Antwerpen zu gehen. Hier schrieb er am 16. August den bekannten Brief an Caesarius in Köln (App. 160), in dem er seine Missbilligung der „Epistolae ob- scurorum virorum" ausspricht und der von Gegnern Reuchlins zu ihren Gunsten ausgebeutet wurde l ). Ähnlich äusserte er sich wenige Tage darauf dem Grafen Hermann Nuenar gegenüber (App. 168, 25. August). Caesarius erwähnte noch nichts von jenem Briefe, als er am 23. August — nicht 22. September 2 ) — an Erasmus schrieb (App. 189). Bestätigt wird dieser Besuch in Antwerpen durch einen Brief des päpstlichen Nuntius Chierigato (App. 170, 28. August), der bei seiner Ankunft in Antwerpen auf der Reise von London nach Paris erfuhr, Erasmus sei am Tage zuvor nach Löwen zurückgehrt. Chierigato war nach dem Tode Ammonio's, also um den 20. August, von London abgereist und wenige Tage später in Antwerpen angekommen. Am 23. und 24. August schrieb Erasmus schon wieder von Löwen aus an seine Basler Freunde, so am 23. an Lucas Paliurus (ep. 262) und Ludwig Bär (App. 162), am 24. an Bruno Amerbach (App. 165) und andere (App. 166 ff.). Ohne Zweifel gehört auch der undatierte Brief an den Basler Bischof Christoph von Utenheim, ep. 286, in diese Tage; er ist nach seinem Inhalt und nach einer eigenhändigen Notiz des Erasmus die Antwort auf des Bischofs Schreiben vom 13. Juli, ep. 258 s ). Nicht minder unzufrieden wie mit dem Vorgehen der Anhänger war Erasmus auch mit dem Auftreten der Gegner Reuchlins. Als Hochstraten im October sein „Streitbüchlein" in den Niederlanden verbreitete 4 ), das gar in der Sprache des Volkes die Gelehrten angriff, wandte er sich heftig gegen solche Demagogie in seinen Briefen an Listrius (App. 200, 2. Novbr.), Banisius (App. 201, 3. Novbr.), Caesarius (App. 202, 3. Novbr.) und in dem an Pirckheimer adressierten Briefe App. 203 vom 3. November; auch Reuchlin gegenüber sprach ') Zuerst gedruckt in den „Lamentationes obscurorum virorum", Köln, März 1518; vgl. BöcMng, Hutt. opp., Suppl. tom. prior, S. 326 ff.; vgl. ebenda S. 414, Anm. 8. 2 ) „X. Kai. Sept.": Kan, S. 7, Nr. 353. 3 ) Kan, S. 5, Nr. 83. *) Geiger, Reuchlin. S. 383 ff. SnHm ^Ciftf' I - m&Bm B9HBH • j 234 er am 15. November in demselben unfläthigen Tone seine Entrüstung aus 1 ). Mass voller ist sein zweites gleichzeitiges Schreiben an Pirck- heimer (ep. 274, 2. Novbr.) gehalten, das sich mit demselben Stoffe beschäftigt und in demselben Sinne geschrieben ist wie App. 203. Pirck- heimers Antwort (ep. 226, 31. December) weist aber nur auf ep 274 und erwähnt nichts von dem andern Briefe, in dem Erasmus nicht von seiner Stellung zum König von Spanien, nicht von der Ncuausgabo des Neuen Testamentes spricht. Ep. 274 kann also nicht lediglich eine bei der späteren Herausgabe vorgenommene Umarbeitung von App. 203 sein, da Pirckhiimer ihn schon in seiner vorliegenden Fassung kennt. Man muss daher annehmen, dass App. 203 gar nicht an Pirckheimer gerichtet ist, zumal die Adresse erst für die Leydener Ausgabe hinzugesetzt ist 2 ). Denn wenn auch Erasmus in App. 203 sowohl wie in ep. 274 von einem Buche, also Pirckheimer's, zur Verteidigung Reuch- lins spricht, so schreibt er doch an demselben Tage an Banisius (App. 201), der diese Briefe beförderte (ep. 277, 12. Novbr.), dass er auch eine Schrift des Grafen Nuenar erhalten und gelesen habe. Beachten wir ferner, dass nach den Schlussworten: „vir non tantum imaginibus clarissime", App. 203 nur an einen Adligen gerichtet sein kann, so ist kein Zweifel, dass der Graf Nuenar der Empfänger ist. Denn dieser war es ja, der im September 1517 die „Defensio praestantissimi viri Joannis Reuchlin" in Köln herausgab und der im Januar 1518 die 2. Auflage von Pirckheimers „Piscator" besorgte 3 ). Einen neuen Besuch in Antwerpen machte Erasmus am 8. und 9. September 1517. Am 7. September schrieb er noch aus Löwen an den Ratsherrn Clava in Gent (App. 175), an Laurin (App. 176) und an einen Ungenannten (App. 177), in dem wir mit Sicherheit den Bischof Giglis in Rom vermuten dürfen, den er um die Ausführung der etwa von Ammonio in seiner Angelegenheit angeregten Neuerungen bittet. Am 8. September schreibt Erasmus von Antwerpen an den Bischof Fisher (App. 178), More (App. 179) und Sixtin (App. 180), am 9. September an Wolsey (ep. 267) und den König Heinrich VIII. (ep. 268). Am 11. September haben wir schon wieder Nachrichten von ihm aus Löwen (ep. 270 an Sixtin und ep. 271 an Lefevre). Die Veranlassung zu dieser kurzen Reise war die Besichtigung und Absendung der Porträts des Erasmus und Aegidius an Thomas More, eine *) Abgedruckt unten im Anhang II, S. 254. . . 2 ) Kan, S. 6, Nr. 125, mit dem sonderbaren Datum: 7. Non. Novbr. 3 ) Geiger, Reuchlin. S. 401 ff. und S. 395 ff. 235 Angelegenheit, die Erasmus während des ganzen Sommers 1517 beschäftigte. Sofort nach seiner Rückkehr aus England hatte er More geschrieben (ep. 291): „Petrus Aegidius et ego pingimur in eadera tabula, eam tibi dono brevi mittemus". Aber Aegidius war leidend, und Erasmus erkrankte bald darauf, so dass der Maler vorschlug, die Sitzungen für einige Zeit zu unterbrechen. Nach seiner Abreise nach Löwen trug er Aegidius die Sorge für die Vollendung der Gemälde auf (ep. 373). Anfang September waren sie fertig; am 8. September schickte er sie durch seinen Famulus Codes an More, der sich in Calais aufhielt (App. 179) und bestätigte die Absendung nach der Rückkehr nach Löwen, am 16. September (App. 183). Die Kosten trugen die beiden Freunde gemeinsam. Am 27. September vermutet Aegidius More schon im Besitz der Bilder (App. 190); am 6. und 7. October bedankt sich More bei Aegidius und Erasmus (App. 192 und App. 193) und wiederholt seinen Dank am 25. October (ep. 540, mit dem falschen Datum 1520). Die Gemälde sind darum von besonderem Interesse, weil wir in dem einen von ihnen das erste Portrait des Erasmus haben; ihr Meister ist der bekannte niederländische Maler Quentin Metsys (Massys). Es sind Pendants, auf Holztafeln gemalt. Nach der Beschreibung des Thomas More, wenn die Worte am Schluss von App. 192 von ihm stammen, ist Erasmus die Anfangsworte seiner Paraphrase zum Römerbriefe schreibend dargestellt, Aegidius, einen Brief des More in der Hand haltend. Zwei solche Pendants fanden sich in Longford-Castle bei Salesbury; doch stimmte das Bild des Erasmus nicht mit der Beschreibung More's überein. In diesem entdeckte man ein Holbeinsches Portrait des Erasmus vom Jahre 1523, das durch einen Zufall mit dem echten Portrait des Aegidius von Metsys vereinigt worden war. Da wies Herman Grimm auf ein in Hampton-Court befindliches, in der Manier des Metsys gemaltes Bild hin, das den Erasmus schreibend darstellt. In der That deckte es sich mit der Beschreibung More's; allein es ergab sich, dass dies eine Copie war, zu der das Gegenstück, die Copie des Aegidiusporträts, in Antwerpen ist. Das Original von Metsys hat sich noch nicht gefunden*). — *) Vgl. Herman Grimm, Über Künstler und Kunstwerke. IL Jahrg. (1867), S. 248. — Woltmann, Holbein und Quentin Massys in Longford-Castle ; in der Zeitschr. f. bild. Kunst, 1866, S. 198 ff. — Woltmann, Holbein und seine Zeit. Leipzig 1874 u. 1876. II, 9 ff. — Hymans, Quentin Metsys et son portrait d'Erasme; im Bulletin des commissions d'art et d'archeologie. XVI. Jahrg. (1877), S. 615 ff. HÜ£p3 llllp-W «ääSsläsiLfSvsi wm «i ■ WM rÜffi- 236 Schon bald nach der Absendung der Porträts an More kehrte Erasmus nach Löwen zurück, diesmal mit der ausgesprochenen Absicht, sich dort dauernd niederzulassen, und bis zu seinem gänzlichen Fortgange aus den Niederlanden im Jahre 1521 blieb er Löwen getreu. Seitdem er im August 1516 bei der Universität immatrikuliert worden war, begann sein Bestreben, in Löwen zu bleiben; aber erst jetzt nahm er auf den Wunsch der dortigen Theologen eine Professur in der theologischen Fakultät an, obwohl eigentlich nur in Löwen Promovierte diese Stellung bekleiden konnten. Ende August schrieb er an Tunstall (App. 172): „Mihi adeo convenit cum tbeologis, ut velint me in suum or- dinem cooptare, quod honoris vix cuiquam impertiunt, nisi hie doctoris adepto titulum"; und ähnlich an Aegidius (App. 144): ; .Agunt nescio quid theologi de me cooptando in suum ordinem". Fast gleichlautend wiederholt er diesen Ausdruck in einem Briefe an Peter Barbier (App. 230), der also auch in die letzten Tage des August gehört. Im Anfang September muss er den Kuf angenommen haben, denn am 7. schrieb er an Laurin (App 176): „nondum plane consedi Lovanii, sed intra quadriduum consedero sat, idque in Collegio Liliensi apud erudi- tissimum pariter atque doctissimum virum M. Joannen! Naevium Hon- discotanum." App. 233 an Dorp, den er mit Nevius versöhnen will, ist bereits aus dem Liliencolleg geschrieben, vielleicht im September oder Oktober; ein näheres Datum lässt sich nicht fesstellen. Vollends notwendig machte seine Anwesenheit in Löwen seine Beteiligung an einer gelehrten Stiftung. Auf der Reise nach Spanien, wohin er dem Könige Karl folgte, war Hieronymus Busleyden am 27. August 1517 in Bordeaux gestorben. Schon vor der Abreise hatte er durch Testament vom 22. Juni sein Vermögen zur Gründung einer hohen Schule bestimmt, in der die drei Kultursprachen des Humanismus, Latein, Griechisch und Hebräisch, Pflege fänden. Unter den Testamentsvollstreckern befand sich auch Erasmus, dessen rastloser Eifer für die Sache das „Collegium triliugue" fast zu seiner eigenen Schöpfung machte. Nach einem Jahre, am 1. October 1518, konnte mit dem Unterricht begonnen werden'). Mit schwärmerischer Verehrung pflegte Erasmus das Andenken ') Über das „Collegium Buslidianum" vgl. Valerius Andreas, Fasti academici studii generalis Lovaniensis. Löwen 1650. S. 275 ff., und besonders Fälix Neve, Memoire lnstorique et litteraire sur le College des Trois- Langues ä Louvain; in: Memoires couronnes ... et publies par l'Academie Royale. Bruxelles 1856. Bd. 28. I .. ^^^H des ersten Stifters, dessen Vermächtnis seinen Lieblingsplänen Wirklichkeit gegeben hatte. Am 7. September wusste er schon um seinen Tod (App 175 an Clava). Die Totenklage um ihn stimmte er in einer Grabschrift an, die er seinem Bruder Aegidius Busleyden, dem Schatzmeister des Königs, übersandte. Der erste Entwurf des Epitha- lamiums mit den Korrekturen findet sich bei App. 232; doch scheint ep. 362, obwohl ihm die endgültige Fassung in griechischem und lateinischem Text beigegeben ist, jenem vorauszugehen und das Epitha- lamium, worauf auch die erklärende Aufschrift lautet, nur ein vom Herausgeber beigefügtes loses Anhängsel zu sein. Denn in ep. 362 klagt Erasmus, dass ihm die Verse trotz aller Bemühung nicht gelungen seien („lacessivi Musas, sed frustra"), während er in App. 232 seinen Versuch als gelungener betrachtet. Sodann dankt er in App, 232 Busleyden für die wohlwollende Aufnahme des „Hebräers", nämlich des jüdischen A'rztes Matthaeus Adrianus, eines Lehrers Capito's (App. 215), den Erasmus zum Lehrer des Hebräischen am „Collegium Buslidianum" ausersehen und am 18. October (ep. 338*) Busleyden empfohlen hatte. App. 232 muss also nach ep. 338, nach dem 18. October, liegen. Wäre nun ep. 362 noch später geschrieben, so würde wohl Erasmus mit einer Andeutung auf Matthaeus Adrianus zurückkommen, den er als die wichtigste Erwerbung für das Collegium betrachtete und der seine Gedanken in den ganzen nächsten Monaten beschäftigte, so in App. 195 und App. 196 (26. October) an Bude und Lupset, in App. 234 und App. 235 an Glarean im October und November, wie noch zu beweisen sein wird. Ep. 362 wird also in den September 1517 gehören 2 ). Ein in ep. 368 an Peter Aegidius sich ähnlich wiederholender Ausdruck aus ep. 338 („commodum huc appolit Adrianus guere He- braeus") lässt darauf schliessen, dass auch ep. 368 um den 18. October geschrieben ist, wohin diesen Brief auch andere Gründe verweisen. Er steht im Zusammenhang mit App. 144 vom 28. August und. App. 190 vom 27. September. In App. 144 hatte Erasmus angedeutet, dass er dem Arzte Heinrich [Affinius] für die von ihm versprochenen *) Bei Kan, S. 6, Nr. 139, scheint ep. 338 vom 30. November datiert; dies Datum gehört indes zur vorhergehenden Nr. 138, App. 210 an den Grafen Nuenar. 2 ) Die Abfassungszeit der Grabscbrift auf den am 15. August 1516 (nach Garns S. 527) gestorbenen Bischof von Cambray, Jacob von Croy, die Erasmus mit ep. 290 an Paludan sandte, lässt sich nicht näher bestimmen. HR! ?! WEgjgtM, 'W/ %m Em 238 silbernen Schöpfbecher (cyathus) ein Gegengeschenk machen wolle; hierauf ist App. 190 vom 27. September Aegidius', vielleicht nur indirecte Antwort: „non conquiescam, quin aures eius vellicabo". Inzwischen argwöhnte Erasmus, dass es dem Arzte nicht Ernst mit dem Geschenke gewesen sei; er zeigt sich in ep. 368 peinlich berührt, dass Aegidius bei Affinius die Sache erwähnt hatte. Sodann ist der Druck der Paraphrase zum ßömerbrief, der im November vollendet wurde, nach ep. 368 eben begonnen. Das Geschenk des Affinius, so harmlos die Angelegenheit ist, dient auch zur Datierung von App. 226 an Aegidius und den in diesen eingeschlossenen Brief an Affinius, App. 227. Es ist der Dank an Affinius auf seine Mitteilung, dass die Becher bereit seien, wovon Erasmus schon Ende August Kenntnis hatte (App. 144). App. 227, und mit ihm App. 226, wird also wohl nicht viel später als App. 144, wohl Anfang September, liegen; denn die Anwesenheit des Erasmus in Antwerpen am 8. und 9. September hätte später diese Briefe überflüssig gemacht. Auch deutet Erasmus hier noch nicht die Hindernisse an, die die Übersendung um mehrere Monate verzögerten; am 15 November teilte er Aegidius mit (ep. 344), dass der Arzt um einen Aufschub von 14 Tagen gebeten hätte, aber im Januar hatte er das Geschenk noch nicht und drang wieder ernstlich in Affinius (App. 256). Dazu kommt, dass die Übersetzung des 2. Buches der griechischen Grammatik des Theodor Gaza, die er Affinius im Manuscript übersenden und vielleicht auch widmen wollte, noch nicht durchgesehen (emendatus) war, während er schon am 8. September das fertige Manuscript an den Bischof Fisher sandte (App. 178). Dass nun aber der Ausdruck „emendatus" in App. 227 bedeutet „im Manuscript durchgesehen", nicht in den Correcturbogen, geht daraus hervor, dass das Manuscript erst Ende Oktober nach Basel gesandt wurde und dass der Löwener Druck gar erst im Februar 1518 erfolgte 1 ). In die erste Hälfte des November sind App. 226 und 227 schon deshalb nicht zu legen, weil sie dann unzweifelhaft einen Nachhall der Sorge und Trauer verraten würden, in die sein Freund Aegidius gestürzt wurde. Der Vater des Aegidius war schwer erkrankt. Schon am 3. November (ep. 222) giebt Erasmus nur geringen Trost und beschwört den Freund, menschliches Schicksal mutigen Herzens zu tragen. Am 12. November (App. 386, ohne Jahr) besteht seine Besox-gnis noch un- gemindert fort; der Zustand des Kranken scheint hoffnungslos; schon *) Vgl. darüber unten S. 245 f. i fSRBn ■■■■lll^^^l 239 ep. 344 vom 15. November leitet Erasmus mit einer Klage über seinen Tod ein. Am 12. oder 13. November 1517 muss also der Vater gestorben sein 1 ). Darum wird auch das feierliche Beileidschreiben des Erasmus, ep. 495, zwischen dem 13. und 15. November geschrieben sein und ist vielleicht zugleich mit ep. 344 abgeschickt, da es Erasmus widerstreben mochte, auf die Totenklage rein geschäftliche Aufträge und Mitteilungen für den trauernden Sohn folgen zu lassen. Nicht viel später als ep. 344 ist ep 288 an Aegidius geschrieben. Es ist die Antwort auf ein inzwischen eingetroffenes Schreiben desselben. In ep. 344 hatte Erasmus sich gewundert, dass Aegidius nichts von dem Gelde erwähnte, das Erasmus bei einem Nicolaus in Antwerpen gelassen hatte; er erklärt nun in ep. 288, wohl auf eine darauf bezügliche Äusserung des Aegidius, dass er gegen Nicolaus kein Misstrauen hege. Ferner hatte Erasmus in ep. 344 ein Brief von Pace erwartet, den er noch in Konstanz vermutet, woher Pace auch am 5. August 1517 geschrieben hatte 2 ). Inzwischen war ihm der erwartete Brief durch Aegidius zugegangen und hatte Erasmus benachrichtigt, dass Pace in Antwerpen war. Sodann wird auch in ep. 288 der Vater des Aegidius nicht mehr erwähnt, den zu grüssen Erasmus sonst nie unterliess. Der Satz: „mitto Paraphrasim unam emendatam" lässt schliessen, dass ep. 288 Ende November liegt, denn am 21. November war der Druck noch nicht beendet (App. 209), und erst vom 30. November ab versandte er die Exemplare an seine Freunde. Die geschäftlichen Angelegenheiten mit England, in der Behandlung Erasmus am 3. November Aegidius zur grössten Heimlichkeit riet (ep. 222), betrafen wohl wieder seine Renten aus der Pfründe Aldington. Er trug sich mit der Absicht, auf die halbjährliche Rente, deren Abführung schon so oft auf Schwierigkeiten gestossen war, gegen eine einmalige Abfindungssumme zu verzichten; da er briefliche Verhandlungen mit Warham für unwirksam hielt, hatte er More um seine persönliche Vermittelung gebeten. Aber More, der sich gerade damals in Calais befand (ep. 540, 25. October), riet, trotz seiner Bereitwilligkeit, alles beim Alten zu lassen (App. 204, 5. November); Warham könnte in der Ablösung ein Zeichen seiner Entfremdung von England sehen. Erasmus sah das ein; am 30. November, bei Übersendung der Paraphrase zum Römerbrief, schrieb er dem Freunde, er habe sich eines 1 ) nicht 1519, wie Britz im „Messager des sciences historiques". Gand 1864, S. 182, angiebt. 2 ) S. oben S. 183, Anm. 2. ."■>.■■■ mm mfc B Hü % • ! ■'•'■■'''■;■■■■':.' ■ mitimmM BhHsssSsS ■m .■.'"'■.; 240 Besseren besonnen. An Warham selbst hatte sich Erasmus noch gar nicht darüber ausgesprochen, obwohl er zweimal in dieser Zeit an ihn schrieb. Seine beiden Briefe beantwortete Warham mit App. 205 aus seiner erzbischöflichen Residenz Lambelh-House in London und sandte ihm zur Erholung von seiner Krankheit 20 Goldgulden in seiner gewohnten jovialen Gutherzigkeit. Vielleicht schlug darum More's Einwand bei Erasmus durch. Übrigens ist der Brief Warham's nicht, wie in der Leydener Ausgabe angegeben, am 11., sondern am 15. November geschrieben 1 ). Alle diese brieflichen Verhandlungen gingen nur nebenher neben den grossen wissenschaftlichen Arbeiten, die Erasmus im Winter 1517/18 in Löwen beschäftigten. Das Scharmützel mit Lefevre, das ihm zuerst in Löwen die Feder in die Hand gedrückt hatte, war schon fast vergessen, als er die lateinische Bearbeitung des Briefes an die Römer, der „Paraphrasis in epistolam ad Romanos", begann, dem dann nach und nach die Paraphrasen zu den andern Schriften des Neuen Testamentes folgten. Mitte October begann Martens in Löwen den Druck; Mitte October teilte er den Beginn Aegidius mit (ep. 368); am 2. November (ep. 275) schrieb er darüber auch nach Spanien an den Kaplan Sauvage's, Peter Barbier. Am 15. November war der Druck dem Ende nah (ep. 344); kurz vorher, am 13. November, widmete er es dem Kardinal Grimani (Opp. omn. VII, 771 ff.). Noch im November wurde der Druck vollendet 2 ), so dass er es in den letzten Tagen des Monats seinen Freunden zustellen konnte, zunächst seinen engsten Freunden Aegidius (ep. 288) und More (App. 212, 30. November). Merkwürdigerweise sandte er es nicht Grimani zu, dem es doch gewidmet war; erst als im Januar 1518 bei Froben die 2. Auflage erschien 3 ), erhielt hiervon der Kardinal ein Exemplar (ep. 315, 26. April 1518). Den andern Bekannten schickte er das neue Werk etwas später; darum ist es auch unmöglich, dass App. 206 an Marcus Laurin in Brügge, worin es heisst: „mitto tibi Paulum nova lingua loquentem", und ebenso der gleichzeitige Brief an Pace, App. 207, der auf jene Uebersendung verweist, am 15. November, wie die Leydener Ausgabe angiebt, geschrieben sind. Denn am 19. November schreibt Erasmus an denselben Laurin (App. 208) und am 21. November an Clava (App. 209), dass der Druck noch nicht vollendet sei. Zwar sind beide ») Kan, S. 6, Nr. 195. 3 ) Vau Jseghem, Thierry Martens. S. 277, Nr. 120. 3 ) Pauzer VI, 203, Nr. 210. SKSSSä 241 Daten in diesen Briefen, sowohl der 19. wie der 15. November, handschriftlich beglaubigt 1 ), aber nur der 19. November bei App. 208 ist zutreffend. Denn nicht nur muss dem Inhalte nach App. 208 vor App. 206 und 207 liegen, sondern es war auch am 15. November der Druck der Paraphrase noch gar nicht beendet. Dagegen nimmt Eras- mus in App. 207 an, dass Pace das Werk schon einige Zeit kennt („opinor iam dudum evulgatam"), und am 21. December (App. 223 an Clava) fürchtete er, zu spät mit dem Buche zu kommen. Schliesslich war am 15. November Pace noch gar nicht in Brügge, da Erasmus erst Ende November von Aegidius seine Rückkehr aus Konstanz und seine Durchreise durch Antwerpen erfuhr (ep. 288). Es ist daher unzweifelhaft, dass ein Schreibfehler vorliegt und dass App. 206 und 207 auf den 15. December gehören. — An Laurin ist übrigens auch der nur mit „Marcus" überschriebene Brief App. 258 vom 14. Januar 1518 gerichtet, der sich nach dem neuen Aufenthalte von Pace erkundigt und der bestätigt, dass Erasmus „nuper", also vor kurzer Zeit, die Paraphrase nach Brügge gesandt hatte. Ein Exemplar des neuen Werkes übersandte Erasmus auch an einen nicht mit Namen bezeichneten Geistlichen (App. 245), an den auch App. 243 und App. 244 gerichtet sind. Es war ein Jugend- und Studienfreund des Erasmus, mit dem er einst, wohl bei dem Bischof von Cambray, „Wohnung und Maecen gemeinsam" hatte und den jetzt eine hohe kirchliche Würde schmückte. In allen entschuldigt sich Erasmus mit seiner Krankheit, die ihm seine Gesellschaft raube; auch Warham hatte ihm ja zur Erholung am 15. November (App. 205) eine Geldsumme gesandt. App. 243 und App. 244, die ersten Briefe, mögen also im October, App. 245 Anfang December liegen. Nach Paris machte Erasmus keine Meldung von dem Druck der Paraphrase. An demselben Tage, an dem er More ein Exemplar schickte, am 30. November, schrieb er auch an Bude (ep. 280), ohne das Werk zu erwähnen. Nur Glarean, der sich bekanntlich seit dem Juli 1517 in Paris aufhielt, hatte er mitgeteilt (App. 234), dass er die Paraphrase herausgebe. Dieser undatierte Brief wird auf den 26. October zu legen sein, an dem er Bude (App. 195) und Lupset (App. 196) die mit dem Brief an Glarean gleichlautenden Mitteilungen von der Gründung des Collegiums und der Ankunft des Matthaeus Adrianus macht. Die Zusätze in App. 234 sind ausser der Notiz über den !) Kan, S. 5, Nr. 96 (App. 206): 17. Kai. Decbr.; S. 6, Nr. 132, (App. 208): 13. Kai. Decbr. Westd. Zeitschrift. Ergäuzuugsheft IX. 16 ISii SSSKSßS lllr# ; ■ w& ■ m Wh «SÄ* ip PfÜf m$k iS ggjtfg i ■ v ■■■■>■:■-■•- H5ä8ä5S5K88FK3fcHäfc f '3iSs W&m^^^^m 242 Druck der Paraphrase, die in den beiden andern fehlt, nur solche, die Glarean als Basler interessieren mussten: dass Adrianus der Lehrer des Capito sei und dass Erasmus viele Manuscripte zum Druck nach Basel geschickt habe. Später, und ehe eine Antwort von Glarean eintraf, da er App. 234 wiederholt, ist App. 235 an denselben geschrieben, und zwar, wie wir annehmen dürfen, am 30. November, zugleich mit ep, 280 an Bude und App. 213 an einen Pariser, Namens Pyrrhus. Am 9. December (App. 217) sandte Erasmus ein Exemplar der Paraphrase auch an Paschasius Berselius nach Lüttich, dem er schon früher, also Anfang November, den Beginn des Druckes mitgeteilt hatte (App. 231, ohne Datum), und bald darauf ein anderes durch diesen an Eberhard van der Marck, den Bischof von Lüttich. Berselius übergab das Buch dem Bischof am 28. December, wie er in seiner Antwort (ep. 232) sagt, und der Bischof dankte Erasmus sogleich, am 30. December (ep. 348), in wenigen Zeilen und lud den ihm bis dahin persönlich unbekannten Gelehrten zu sich ein oder wollte ihn in Löwen besuchen. Aber Erasmus entschuldigte sich am 7. Januar bei Berselius (ep. 233) und am gleichen Tage bei dem Bischof (ep. 297) mit seiner Krankheit und seiner Arbeitslast. Ep. 232, auf den ep. 233 die Antwort ist, kann demnach nicht, wie in der Leydener Ausgabe, vom 7. Januar datiert sein. Der Brief des Berselius ist wahrscheinlich ebenfalls wie der des Bischofs am 30. December geschrieben und durch denselben Boten nach Löwen befördert. Allein auch das Begleitschreiben des Erasmus bei der Übersendung der Paraphrase an den Bischof von Lüttich ist vorhanden, nämlich App. 220 vom 13. December, aber in der Leydener Ausgabe an den — Bischof von Utrecht, Philipp von Burgund, adressiert. Zum Beweise ist es nötig, auf den gleichfalls der Ordnung bedürftigen Briefwechsel mit dem Bischof Philipp einzugehen, der mit dessen Amtsantritt, im Sommer 1517 *), beginnt. Der Kaplan des Bischofs, Gerhard Gelden- hauer aus Nymwegen, hatte den Einzug des Bischofs in seine Diöcese beschrieben und diese Schrift sogleich bei Martens drucken lassen. 2 ) Erasmus erhielt ein Exemplar und lobte die Anlage und Bearbeitung der Schrift am 31. August (ep. 266). Bei dieser Gelegenheit teilte er dem Kaplan mit, dass er dem Bischof die Widmung seiner „Queri- monia Pacis" zugedacht habe, die er in Kurzem nach Basel zum ') Er wurde also nicht erst 1519 Bischof von Utrecht, wie Garns (S. 256) angiebt. 2 ) Van Jseghem, S. 276, Nr. 117. ■■■■■ wm 243 Druck senden werde 1 ). Ein auf Pergament geschriebenes Exemplar sandte er vorläufig an Geldenhauer am 3. Oktober (App. 191). Am 16. November (ep. 279) kündigte er ihm die baldige Vollendung des Druckes der Paraphrase zum Eömerbrief an. Geldenhauer beantwortete den Brief am 6. December (ep. 281), an dem gleichen Tage, an dem der Bischof dem Gelehrten für die Widmung und Übersendung der „Querimonia Pacis" dankte (ep. 282). Für die wenigen Zeilen der Anerkennung seitens des Bischofs dankte Erasmus am 10. Januar 1518 (ep. 298); der gleiche Datum muss ep. 292, die Antwort auf Gelden- hauer's letztes Schreiben, tragen, der ein Exemplar der Paraphrase beigegeben war, zunächst da beide vermutlich zusammen befördert wurden, dann, weil ep. 292 schon die Einladung des Bischofs von Lüttich vom 30. December (ep. 348) erwähnt. Nun weist aber die Leydener Ausgabe noch 2 Briefe des Erasmus an den Bischof von Utrecht vom 12. und 13. December, nämlich App. 219 und App. 220, auf, die beide in die oben festgestellte chronologische Ökonomie des Briefwechsels nicht hineinpassen, abgesehen davon, dass schwerlich Erasmus an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwei Briefe verschiedenen Inhalts an dieselbe Person schreiben würde, ohne in dem letzten auf den vorhergehenden hinzuweisen. App. 219 zunächst enthält die Ablehnung einer Bitte, die der Empfänger an ihn gerichtet hatte, wie es scheint, den Unterricht eines dem Bischof nahestehenden Knaben zu übernehmen. Erasmus verwies ihn an Johannes Borsalus, der bereits früher als Lehrer der Neffen des Bischofs von Besangon, Franz Busleyden, Erfahrung gesammelt habe. Wäre eine solche Aufforderung von dem Bischof von Utrecht am 13. December ergangen, so müssten wir in ep. 292 und 298 vom 10. Januar eine Andeutung davon finden. Wäre selbst das Datum von App. 219 falsch, so müsste der Brief doch in diese Wintermonate gehören, da Erasmus von seiner um Ostern bevorstehenden Keise nach Basel spricht. Dann aber würde die Angelegenheit zweifellos in den Briefen an den Bischof und mehr noch in dem regen und vertraulichen Briefwechsel mit Geldenhauer erwähnt sein; allein das ist nirgends der Fall. Nehmen wir ferner an, dass der Bischof bereits früher an Erasmus das Ersuchen gestellt hätte — und wir finden in der That in ep. 279 vom 16. November einen früheren Brief des Bischofs genannt —: würde sich dann nicht schon früher eine Andeutung davon in den Briefen ') „Querela pacis undique gentium ciectae", abgedruckt Opp. omn. IV, 625 ff. — Der hier gemeinte Druck ist der vom December 1517 bei Froben; vgl. Panzer, S. 201, Nr. 194. 16* Wm m ■ lall raü ■ w&ü i^fe :■:■'■ '■■■■'■:•''•■'■-■■';• ■ ff m.-v-vV m ■I TOfc 244 finden? Erasmus empfahl statt seiner Borsalus; solcher Empfehlung, ja geradezu Einführung, hätte es bei dem Bischof von Utrecht aber gar nicht bedurft. Geldenhauer kannte Borsalus recht gut, er nennt ihn in ep. 281 als vertrauten Freund, und Erasmus hätte in App. 219 sich gut auf Geldenhauer berufen können. Zudem zeigt App. 219 eine gewisse förmliche Zurückhaltung, die dem Bischof von Utrecht gegenüber nicht angebracht gewesen wäre; der Brief erwähnt keins von den neueren Werken des Erasmus, für die der Bischof doch die grösste Teilnahme hatte. Kurz: er ist überhaupt nicht an den Bischof Philipp gerichtet, sondern an einen der Wissenschaft fern stehenden Adligen. Denn nirgends redet Erasmus einen hohen Geistlichen, auch wenn er fürstlichen Geblütes war, lediglich mit „ornatissime princeps" an; der Bischof von Utrecht und der von Lüttich ist ihm stets der „reverendissimus praesul" oder ähnlich, dem er vielleicht das „princeps illustrissimus" hinzusetzt. Wer sonst der Empfänger sein konnte, lässt sich kaum vermuten. Der Neffe des Abtes Anton von Berghes, gleichen Namens, hielt sich zur Zeit Studien halber in Löwen auf (ep. 353, App. 208, App. 309). Vielleicht hatte der Vater, der Fürst von Berghes, Erasmus für den Unterricht gewinnen wollen. Aber Erasmus erwähnt auch hiervon nichts. Die Aufschrift: Philipp von Burgund, Bischof von Utrecht, findet sieb übrigens ursprünglich bei dem Briefe nicht; sie ist, wie so vieles Falsche, nach 2 Jahrhunderten dem Manuscript hinzugesetzt und zwar nicht allein bei App. 219, sondern auch bei dem schon erwähnten folgenden Briefe, App. 220, vom 13. December l ). Obwohl nun aber das Hindernis, die falsche Adressierung von App. 219, beseitigt ist, muss auch in App. 220 die Aufschrift: Bischof von Utrecht, angefochten werden. Der Brief passt ebenso wenig wie jener in den Briefwechsel mit dem Bischof. Erasmus führt sich bei dem Empfänger von App. 220 durch die Zusendung der Paraphrase zum Bömerbrief ein. Nach Utrecht sandte er diese erst am 10. Januar (ep. 292), und zwar nicht an den Bischof selbst, sondern nur an Geldenhauer, den er bat, von dem Buche dem Bischof Kenntnis zu geben; er kann es also nicht schon am 13. December dem Bischof selbst zugeschickt haben. Sodann dankt Erasmus in App. 220 für die Beförderung (?) Aleander's (pro Aleandro evecto), des späteren päpstlichen Nuntius. Aleander war aber Domherr und Kanzler des Bischofs von Lüttich (App. 111), und *) Kan, S. 6, Nr. 152 und 153. Das Datum ist bei beiden ausdrücklich angegeben: „pridie Lucae" (= 12. Decbr.) und „natali Lucae' : (= 13. Decbr.). ^^H Üüli wK*s§? ^H^^^^^H ^^^H II 245 am 7. Januar (ep. 233) spricht Erasmus auch zu Berselius über ihn. An den Bischof von Lüttich, Eberhard van der Marck, ist also App. 220 gerichtet, und es stimmt zeitlich damit überein, dass der Bischof am 30. December (ep. 348) ihm für die Zusendung der Paraphrase dankt. Auch Berselius bestätigt am 30. December (ep. 232), dass Erasmus das Buch mit einem besonderen Begleitschreiben direkt an den Bischof geschickt. — Nächst diesen Arbeiten beschäftigte Erasmus die Übersetzung und Bearbeitung der griechischen Grammatik des Theodorus Gaza. Der 1. Teil war im Juli 1516 von Martens gedruckt 1 ). Er hatte bei Froben erscheinen sollen, und Wilhelm Nesen hatte gehofft, dass es ihm gewidmet würde (App. 106). Allein Froben wusste sich schadlos zu hallen: als ein Druckergehilfe ein Exemplar des Martensschen Druckes nach Basel brachte, tauschte Froben es gegen das Neue Testament ein und druckte es unverzagt nach; und Beatus ßhenanus bat naiv Erasmus, ihm doch den Best zu schicken, der etwa übersetzt sei (App. 134). Im Sommer 1517 bearbeitete Erasmus von neuem den ersten Teil und übersetzte den zweiten. Die Vorrede zum 1. Teile schickte er Anfang Juli an Caesarius nach Köln, der sich anheischig machte, das ganze Werk durch Reuchlin bei Anshelm in Tübingen zum Druck zu besorgen. Am 8. September (App. 178), konnte er dem Bischof Fisher von Rochester das Manuscript des 2. Teiles senden 2 ). Am 3. November schrieb er an Caesarius (App. 202), dass er beide Teile nach Basel zum Druck gesandt habe. Das war mit App. 236 an Lachner und Froben geschehen, und zwar vor dem 26. Oktober, da er an diesem Tage Glarean Mitteilung davon machte (App. 184). *Wenn also Erasmus in App. 237 (o. D.) an Lachner darauf Bezug nimmt („proximis nundinis misi secundum Theodori Gazae librum"), so liegt dieser Brief später, und zwar sehr wahrscheinlich zwischen dem 6. und 9. December, da er in diesen Tagen an seine Basler Freunde schrieb und gleichfalls die Absendung des Gaza erwähnte (App. 214, 215, 216 vom 6., App. 218 vom 9. December). Der Frobensche Druck erschien 1518 3 ); zugleich x ) Van Jseghem, S. 260, Nr. 98. 2 ) App. 186, vom 16. September, worin er sich darauf bezieht, ist auch an den Bischof Fisher gerichtet. — Ferner sei hier erwähnt, dass der Brief an Briard, App. 229, ebenfalls in diesen Tagen, etwa Mitte September, geschrieben ist, da er hier ebenso wie in dem obigen Brief an Fisher und in App. 182 ff., sämtlich vom 16. September, über heftige Gichtschmerzen klagt. 3 ) Panzer VI, 207, Nr. 242, ohne nähere Angabe. Hirn ■I um „JhHRSXh WL lififö SB WSa I «■toSSflfl HHK mäfHäK ^M ^^B 246 aber hatte Erasmus das "Werk Martens überlassen, bei dem es im Februar 1518 herauskam 1 ). Die Widmung des 2, Teiles hatte Erasmus dem Arzte Heinrich Affinius in Antwerpen zugedacht, wohl damals, als dieser ihm die silbernen Schöpfbecher schenken wollte. Im Anfang September fragte er ihn (App. 227), ob er die Widmung annehmen wolle oder sich für ein anderes, philosophisches oder medicinisches, Werk entscheide. Affinius mag das letztere vorgezogen haben; am 13. März 1518, vielleicht nachdem Erasmus endlich das lang erwartete Geschenk erhalten, widmete er ihm seine Schrift: „De laude artis medicae decla- matio" (Opp. omn. I, 535). Das zweite Buch des Theodor Gaza ist in dem Druck von Martens unter dem 20. Februar 1518 dem Caesarius zugeeignet 2 ). In der Leydener Gesamtausgabe (Opp. omn. I, 115) trägt die Widmung das Datum: Antwerpen, 23. Juni (pridie natalis Joannis Baptistae) 1518. Da aber Erasmus im Juni 1518 bereits in Basel war, ist dies Datum falsch und die Widmung vielleicht nur ein Wiederabdruck aus der Ausgabe des Martens mit der zeitgemässen Änderung des Datums. Denn in Antwerpen war Erasmus nachweislich um den 20. und 22. Februar 1518; die Briefe an Vannes und Sixtin vom 22. Februar (App. 260 und App. 261) sind in Antwerpen geschrieben. Ausser diesem einen Male hatte er Löwen nur im Anfang De- cember verlassen, um nach Gent zu reisen, wie er dem Abt Anton von Berghes in St. Omer schrieb (ep. 284, 13. December.) Der nächste an diesen gerichtete Brief, ep. 353 (o. D.), gehört auf den 14. Januar 1518 3 ). Gleichzeitig mit diesem ist App. 309 an den Kanonikus Anton von Luxemburg in St? Omer geschrieben, der im Inhalt und einigen wörtlichen Ausdrücken mit jenem übereinstimmt, nur dass die Empfehlung eines Pfründenjägers Theodoricus hier noch einen breiteren Kaum einnimmt. — Hauptsächlich aber beschäftigte den Gelehrten während seines Aufenthalts in Löwen die Neubearbeitung des Neuen Testamentes. Die Mängel der ersten Ausgabe vom J. 1516 hatte er sofort eingesehen und schon während des Druckes den Plan zu einer neuen Ausgabe ge- fasst. Aber erst die verhältnismässige Ruhe, die er in Löwen genoss, Hess den Plan zur Ausführung kommen. Am 7. September schrieb er ») Van Jseghem, S. 282, Nr. 124. ■ 2 ) Nur das Datum der Widmung, nicht diese selbst ist mir aus Vain Jseghem, a. a. 0., bekannt. H^^^ 3 ) Kan, S. 5, Nr. 60: „Postridie Id. Jan. MD 18 ex Lilio." ^^^1 -■:i 247 dem Bischof Giglis (App. 177), er habe das Neue Testament wieder unter den Händen. Trotz der Krankheit, die seinen schwächlichen Körper immer wieder heimsuchte, setzte er die Arbeit den Winter über ununterbrochen fort. Die Herausgabe machte eine neue Heise nach Basel nötig; er dachte sogar daran, zu diesem Zwecke nach Venedig zu gehen (App. 265). Allein auch während seines Aufenthalts in Basel wurde der Druck nicht vollendet; die 2. Ausgabe des Neuen Testamentes, die später Luther zur Grundlage seiner Verdeutschung machte, erschien im März 1519. l ) Auch bei der Neuausgabe der „Utopia" des Thomas More war Erasmus beteiligt. Er hatte im August 1517 ein Exemplar mit Epigrammen des More nach Basel zum Druck gesandt und zeigte während der nächsten Monate unablässig sein Interesse für die Vollendung. Der Druck wurde im März 1518 fertig. Inzwischen hatte aber auch Lupset bei Gourmont in Paris eine Ausgabe besorgt, die Ende 1517 oder Anfang 1518 erschien 2 ). — Um die Wende des Jahres lebte auch der Briefwechsel mit den Pariser Freunden wieder auf, der einige Monate geruht hatte. Schon am 26. October (App. 195) und 30. November (ep. 280) hatte Erasmus Bude seine Verwunderung ausgesprochen über sein tiefes Schweigen nach so lebhaftem Verkehr. Am 16. Januar 1518 (App. 259) bat er den Buchdrucker Bade, Bude und Deloin zum Schreiben anzuregen, und auch bei Glarean beklagte er sich (ep. 302 vom 18. Januar 3 ), dass Bude so lange nichts von sich hören lasse. Inzwischen traf Bude's Antwort auf die beiden letzten kurzen Billets des Erasmus, wie er in ep. 304 sagt, in Löwen ein; sie berührte wieder die fast vergessene !) Panzer VI, 211, Nr. 271. 2 ) Vgl. hierüber die Neuausgabe der „Utopia" von Victor Michels und Theobald Ziegler (Bd. 11 der Latein. Litter.-Denkm., herausg. von Max Herr- mann. Berlin 1895). Ausser den dort (S. XLVI f.) aufgeführten Ausgaben scheint noch ein allerdings nicht auffindbarer Druck vom December 1518 zu existieren; vgl. App. 302, Hollonius an Erasmus, 5. Decbr. 1518, nicht 1517, wie Michels nach Lina Beger in der obigen Ausgabe, S. LVIII, Nr. 33, annimmt, da er die Ernennung Albrechts .von Mainz zum Kardinal auf dem im Juli 1518 eröffneten Reichstag zu Augsburg (Ulmann, Maximilian I., Bd. II, 713), den noch unvollendeten (zweiten) Druck des N. T. und des Erasmus vorhergegangene Abreise aus Basel (September 1518) erwähnt. 3 ) 15. Kai. Febr., nach Kan, S. 5, Nr. 62, nicht 1. Februar, wie in der Leyd. Ausg. Zugleich ist auch ep. 299 an Wilhelm Nesen in Paris geschrieben. WStm WM ■• I /.ZV; H » I gl jj Km i% Ä»te 248 Berufung des Erasmus nach Frankreich. Hütten, der gerade in Paris war, hatte ihm den Brief abgedrungen (ep. 310); er nahm ihn mit sich nach Mainz und schickte ihn am 20. Februar Erasmus zu. So erzählt dieser in seiner Antwort, ep. 305, vom 22. Februar; er sagt aber zugleich, dass der Brief Bude's vom kürzesten Tage, „die brumae" (21. December), datiert sei *). Das Datum 22. Februar ist also in der Leydener Ausgabe bei ep. 304 falsch, schon darum, weil des Erasmus Antwort, ep. 305, dasselbe Datum trägt. Aber auch ep. 305 scheint falsch datiert; denn am 22. Februar war Erasmus in Antwerpen, nicht in Löwen, wie im Datum von ep. 305 angegeben, und er konnte den von Hütten aus Mainz am 20. Februar abgeschickten Brief des Bude nicht schon zwei Tage darauf erhalten haben 2 ). Vielleicht ist ep. 305 erst nach dem 22. Februar, nach der Rückkehr von Antwerpen, geschrieben. Bude beantwortete den Brief am 12. April (ep. 310); er beschäftigte sich hauptsächlich mit dem noch andauernden, latenten Lefevreschen Streit, den beizulegen fast ausschliesslich Gegenstand des Erasmischen Briefes gewesen war. Am 18. April (App. 278), als Erasmus sich von ihm für die Reise nach Basel verabschiedete, berief er sich auf seinen vorhergegangenen, durch Bade beförderten Brief (ep. 305), sprach aber noch nichts von Bude's Autwort, Er erhielt ep. 310 erst am 1. September in Basel und beantwortete ihn nach seiner Rückkehr nach Löwen am 15. October (ep. 336). Zugleich mit App. 278 schickte Erasmus die Briefe an Lefevre (ep. 239), Bade) App. 126), Nesen (App. 127) und Viterius (App. 128), sämtlich falsch datiert. Lefevre beschwört er noch einmal, von seiner Verstimmung zu lassen; den andern Freunden teilt er seine bevorstehende Reise nach Basel mit. — Im Februar sprach Erasmus Dumoulin in Tournay — den Namen hat der Herausgeber richtig getroffen — seine Freude über dessen günstige Beurteilung der Paraphrase zum Römerbrief und der Apologie gegen Lefevre aus (App. 240). Am 27. Februar zeigte Dumoulin den Brief dem Juristen Sampson, der aus den letzten Worte^des Erasmus in App. 240: „[saluta] unicum patronum meum Samsonem" Veranlassung nahm, an Erasmus zu schreiben und diese Auszeichnung be- *) Böcking (Hutteni opera, 1, 162, Nr. LXXI) legt ep 304 auf den 26. December 1517. 2 ) Will man die Worte des Erasmus in ep. 305: „ . . . quas [litteras] . . . . e Maguntia misit Huttenus noster ad decimum Cal. Martias" dahin deuten, dass Erasmus den Brief am 20. Februar empfangen habe, so müsste im Datum „Löwen" in „Antwerpen" geändert werdan. 249 scheiden abzulehnen (ep. 306, 2. März). Hierauf muss ep. 352 die Antwort des Erasmus sein; sie geht zwar nicht auf den Inhalt jenes Briefes näher ein, greift aber Sampson's Schlussworte auf: „en quales amicos mihi tecum communes"; ep. 352 muss demnach im März 1518 liegen. — Seinem Freunde Aegidius, der sich noch immer in dem Schmerz über den Verlust seines Vaters verzehrte, gab er wiederholt den Rat, seine zarte Gesundheit zu pflegen; so in den beiden fast gleichlautenden und daher identischen Briefen vom 5. März, ep. 209 und App. 262*), und ähnlich in ep. 240 vom 17. April. — Im April hatte Erasmus auch gehofft, den Bischof von Utrecht sprechen zu können, der auf wenige Tage nach Löwen gekommen war. Aber ehe er ihn besuchen konnte, hatte der Bischof den Ort wieder verlassen, und Erasmus erzählte Geldenhauer sein Missgeschick (ep. 153, 17. April); auch am 26. April noch (App. 283) bat er ihn, bei dem Bischof den Irrtum aufzuklären. . Besonders häufig und regelmässig verkehrte Erasmus in den letzten Monaten vor seiner Reise mit seinen Freunden und Gönnern in England. Aus der grossen Zahl der zum grössten Teil gar nicht oder falsch datierten, auch falsch adressierten Briefe lassen sich drei Gruppen herausschälen. Am 22. Februar sandte er von Antwerpen aus, wo er bekanntlich wenige Tage sich aufhielt, einen Boten ab, der App. 260 und App. 261, an Vannes und Sixtin, beförderte Die Nachschrift zu diesen Briefen ist an demselben Tage oder kurz darauf nach dem Eintreffen eines gewissen Franciscus geschrieben, der ausser Nachrichten über die wie stets gestörte Auszahlung der Rente von Aldington vielleicht auch ep. 301 von Latimer (vom 30. Januar) brachte. Die Antwort auf Latimer's Brief, ep. 363, ist aus Antwerpen datiert und gehört daher der Sendung vom 22. Februar an. In Antwerpen sind ferner geschrieben ep. 321 an Thomas Parce in Calais, App. 286 an Wentford und App. 287 an More, aber vom 28. und 29. Juni datiert, wo Erasmus in Basel war. Allein im Manuscript heissen die Daten „pridie Cathedrae Petri" und „festo Cathedrae Petri", also 21. und 22. Februar 2 ). Diese Briefe sollte, wie Erasmus in ep. 321 sagt, sein Famulus John Smith befördern. Als aber noch vor der Absendung Franciscus und Codes, dieser *) Ep. 209 ist in der Leyd. Ausg. vom 4. März datiert, aber nur das Datum von App. 262 (5. März, III. Non. Martias, nach Kan, S. 5, Nr. 56) ist überliefert. 2 ) Kan, S. 5, Nr. 51, 52. Der Herausgeber des Briefes hat aus Petri Stuhlfeier Petrus und Paulus (= 29 Juni) gemacht. mg' Baal . RH H| '■■■'-' Wffl WißM WKfe ■ ... ■■]' m .'■> wm : 8 ■ * < 250 „vino sepultus", eintrafen, behielt er Smith zurück und schickte einen von jenen wieder über den Kanal. Denn auch am 5. März, bei der nächsteu Sendung, wird John Smith als Überbringer genannt und den Bekannten, bei denen sein "Weg ihn vorüberführte, warm empfohlen. Der Famulus nahm seinen Weg über Brügge, wohin Erasmus selbst noch kommen wollte (App. 264); doch ist nicht bekannt, ob er diesen Plan ausführte. Die Briefe, die jener beförderte, sind sämtlich vom 5. März datiert: App. 263 an Bovillus, App. 264 an Laurin in Brügge, App. 265 an More, App. 266 an Pace, App. 267 und App. 268 sind Empfehlungsbriefe für Smith ohne Adresse, App. 269 an Warham. Auch App. 305 an Colet, App. 306 an den Bischof von Rochester und App 308 an einen nicht näher bezeichneten „Ludwig" gehören, wie der Inhalt beweist, auf den 5. März; ebenso der undatierte Brief App. 312, der aber nicht an Warham, sondern wie die Worte: „bene vale cum dulcissima coniu- gali liberisque carissimis" schliessen lassen, an den Lord Mountjoy gerichtet ist. Am 5. März muss ferner auch App. 313 geschrieben sein, da er die Antwort auf Nachrichten in seiner Rentenangelegenheit enthält, die Franciscus etwa am 22 Februar gebracht hatte. Dann kann er aber nicht für More bestimmt sein, an den wir schon App. 265 von demselben Tage haben, sondern ohne Zweifel für Bedillus, den Sekretär Warhams, an den Erasmus auch am 23. April (App. 279) schreibt. Bei der Rückkehr aus England teilte Smith mit, dass seine Eltern ihn nun zu sich zu nehmen wünschten (App. 282). Vor 2 Jahren, im Sommer 1516, hatte Erasmus es durchsetzen können, dass der Famulus bei ihm blieb 1 ); jetzt musste er nachgeben. Am 25. oder 26. April ging Smith nach England zurück und trat in das Haus More's. Er nahm wieder eine grosse Zahl von Briefen mit, die Erasmus in den Tagen vom 22. bis 25. April schrieb; sie weisen auf jene am 5. März abgesandten und auf die bevorstehende Reise und lassen so eine Datumsbestimmung zu. Richtig datiert, vom 23. April, sind App. 279 an Bidellus, App. 280 an Croke, App. 281 an Sixtin und App. 282 an Tunstall; für App. 132 an Vannes ergiebt sich das Datum aus dem Vergleich mit App. 281, für ep. 241 an Pace und ep. 243 an Bovillus aus dem Hinweis auf die Neuausgabe des Neuen Testamentes; auch der sonst anhaltslose Brief an Gonell, ep. 242, wird wegen seines Datums (22. April) hierher gehören. App. 133, an den Bischof Fisher, bittet um das Urteil über eine Schrift Reuchlin's, die Erasmus wahrscheinlich im Februar durch Franciscus geschickt hatte !) S. oben S. 188 f. 251 (vgl. App. 306). App. 135 an Koger [Wentford] bezieht sich auf App. 286 vorn 21. Februar, wo Erasmus um Übersendung einiger Dialoge gebeten hatte. Auch vom Könige Heinrich VIII. verabschiedete sich Erasmus vor seiner Abreise (ep. 313, 25. April). Völlig undatiert ist App. 311 an Thomas More, dem er das Geschick seines Famulus ans Herz legt; der Brief gehört also auch in diese Tage. Ein falsches Datum trägt der Brief an Colet, ep. 247, nämlich vom 1. Mai 1517, während er im Manuscript „9. Kai. Maias", also 23. April, datiert ist 1 ). Kurz vor der Abreise unterstützte Erasmus noch den Sohn seines Jugendfreundes Battus (ep. 244, 29. April) und empfahl ihn an Marcus Laurin (ep. 245). Dem Ratsherrn Clava in Gent schenkte er ein griechisches Exemplar des Herodot (ep. 246). In den letzten Tagen beschäftigte ihn wieder der Kampf um Reuchlin. An Hermann von dem Busche schrieb er (ep. 311, 23. April), er bedauere es, dass der Graf Nuenar sich in den Streit gemischt habe; Listrius wollte er entschieden davon abraten. Das that er in App. 310, also Ende April. Die Einladung Pirckheimers, Nürnberg zu besuchen, um ein Gemeinwesen kennen zu lernen, „wie er es noch nicht in Deutschland gesehen" (App. 118, 20. März), mag ihn noch in Löwen erreicht haben. Er trat im Anfang Mai seine Reise an; am 14. Mai traf er in Basel ein (App. 284). Nach Venedig wandte er sich nicht. Im September ging er nach Löwen zurück, den Stürmen entgegen, die ihn nach wenigen Jahren ganz und für immer von seiner Heimat verschlagen sollten. *) Kan S. 5, Nr. 16. m ■■■''■.'.■.:■■;■ im HP HHH Hü§ Uni n mm». msSa&WB^^m 252 Anhang. I. Erasmus an Johannes Nevius. Löwen. 1. August 1514. Erasmus Roterodanius M. Joanni Nevio Hondiscotano, Lilianorum Lovanii Gymnasiarchae, S. D. P. Disticha moralia vulgo Catonis inscripta titulo, Nevi theologorum decus, primum diligenter a mendis repurgavimus, collata Planudis inter- pretatione, taraetsi Graeculus ille Komani rarminis sententiam saep^numero non assequitur. Addidimus et scholia, perbrevia quidem illa, sed ali- quanto commodiora, ni fallor, iis comnieDtariis, quibus duo quidam opusculum hoc contaminaverant, quoruni alter insulsissirae rhetoricatur, homo ipsa infantior infantia, alter ineptissime philosophatur, uterque ouSev Tipbc, STioq loquitur. Porro cuius auctoris sit hoc opus et utrura unius an plurium, non admodum referre puto, Catonis ob id tantum arbitror dici, quod sententias habeat Catone dignas. Adiecimus his Mimos Publianos falso inscriptos Senecae proverbia. Atque his quoque castigatis (offendimus enim depravatissimos) adscripsimus brevissima scholia, reiectis iis, quae perperam erant admixta ex aliorum libris, tum appositis aliquot ex Auli Gellii noctibus et Senecae controversiis. Sed interim clamabit vitiligator aliquis, hui theologum in tarn frivolis versari nugis? Primum ego nihil fastidiendum duco. quamvis humile, quod ad bonas pertineat litteras, nedum hosce versus tanta Romani sermonis muuditie tamque ad bonas mores couducibiles. Quanquam cur me pu- deat in hoc genere pauculas horas collocare, in quo pauci scriptores Graeci non mediocri cum laude sunt versati? Nam exstant et hodie Theognidis sententiae, Phocylidis et Pyfhagorae, praecepta non abs re aurea dicta. Denique si mihi indecorum esse volunt emendasse haec tarn humilia et explanasse, multo foedius erit eadem et depravata fuisse et (quod ex ipsorum liquet commentariis) ista tarn puerilia non intellecta istsi ■■ ;■-.'.>, 253 fuisse ab iis viris, qui se nihil nescire putant. Nam Publii Mimos qui contemnat, quos Aulus Gellius lepidissimos, Seneca disertissimos vocat cuiusque sententias (ut idem testatur) non piguit summos etiam rhetores aemulari? Addidimus et Septem sapientium celebria dicta et hominis Christiani institutum, quod nos carmine diiucido magis quam elaborato sumus interpretati, conscriptum sermone Britannico a Joanne Coleto, quo viro non alium habet mea quidem sententia florentissimum Anglorum imperium vel magis pium vel qui Christum verius sapiat. Hoc quic- quid est laboris, tibi nuncupandum duximus, mi Nevi ornatiss[ime], simul ut habeas, quod tuis praelegi eures alumnis, quos nulla neque litterarum neque morum barbariie sinis infici, simul ut hoc qualecunque monumentum non sinat nostram necessitudinem intermori. Non me clam est, quam sit hoc plus quam levidense munusculum impar magnitudini tuae, qui cum eruditione rara tum moribus non mimus integris quam festivis et ornas ornatissimum theologorum ordinem et illustrissimam Lovaniensium scholam illustras. Verum confidebam fore ut optimo viro libellum quamvis pusillum ipsa commendaret utilitas. Bene vale. Lovanii, anno MDXI1II. Kalen[dis] Augu[stis]. Aus: CONTENTA IN HOC | opere sunt hsec. || Catonis praeeepta moralia reco= | gnita atq3 interpretata ab | Erafmo Boterodamo. Mimi Publiani. [| Septe fapientü illuftres fententiae. || Jnftitutio hominis Chriftiani verfi. | hexametris. per Erafmii Boterodamum. || Jhocratis Parenefis ad Demonicum | Budolpho Agricola interpre | te, recognita per Mar- | tinum Doi'pium. || Cum gratia & Priuilegio. [| Auf der Mückseüe des Titels: Matthias Schurerius, studiosse iuuetuti. S. D. Dat.: Argentorati, XV. Calend. Nouembris. Anno MDXV. | Jdem ftudioso Lectori D. S. Am Schluss der letzten Seite: Argentorati, apud Mat- thiam Schurerium, Mensi Octobii Anno MDXVI. Darunter das Schürersche Druckerzeichen. In der Vorrede an den Leser beklagt Schürer sich über einen Nachdruck, der den seinen äusserlich genau nachgebildet habe: solent hi quidem titulos sibi effingere simillimos nostris. Er rät bei solchen Nachdrucken zur Vorsicht, da sie Druckfehler enthalten, z. B. läse man dort „Dropius" statt „Doipius". Daraus geht hervor, dass es bereits einen Schürerschen Druck vor diesem gab, an den der Nachdruck sich anlehnte; Panzer (VI. 80, Nr. 448) verzeichnet einen solchen vom März 1516, der mir nicht zugänglich war. Ein Exemplar des Nachdruckes, der den von Schürer gerügten Fehler (Dropius) und auch im Text viele Nachlässigkeiten aufweist, besitzt die Berliner Königl. Bibliothek All mm AGPst BW» m ■ > '■' '■' : - ■■ '.' ■ . ;:■. .■:■■■■ . ':■*'■-■■■> ^^^p 254 (Wi 8374); er zeigt im Vergleich zu dem obigen Druck in genauer Nachbildung die Titeleinfassung Schürers, nur fehlen auf dem Titel die Worte: „Cum gratia et privilegio" und am Schluss das Datum. Er scheint der von Panzer VI, 75, 403 verzeichnete und nach dem Datum des Schürerschen Vorwortes (XVI. Kai. Novbr. 1515 statt XV. Kai. in dem Druck von 1516) in das Jahr 1515 gelegt zu sein. Der Nachdruck muss demnach zwischen den März und Oktuber 1516 gehören. Der erste Druck ist von Martens in Löwen; vgl. Van Jseghem, Thierry Martens, S. 254 Nr. 90. II. Erasmus an Reuchlin. Löwen. 15. November [1517]. Erasmus Roterodamus Reuchlino suo S. D. P. Si vales, nostrae Germaniae decus, est unde plurimum gaudeam. Recutitus ille ex nocentissirao Verpo sceleratior non Christianus, sed Christianistes edito libello, eoque vulgari lingua, ne non intelligant ipsius sodales, doctos omnes, ut audio, nominatim lacerat. Sed meo iudicio monstrum modis omnibus indignum est, cuius mentio fiat in litteris hominum eruditorum. Deum immortalem, quali organo utuntur personati illi religionis eversores. Plus unus ille semiiudaeus Christianus nocuit rei Christianae quam universa Judaeorum sentina. Plane, ni fallor, is suae genti praebet, quod Dario Zopyrus, quamquam hie multo sceleratior. Nos, mi Reuchline, neglectis portentis Christo nos oblec- temus et honestissimus fruamur studiis. Tuus Roffensis et Coletus belle valent. Omnes eruditi probique viri te amant. Expostulavi cum Dorpio, quare haec Academia se miseuisset tuo negotio? nam huius stylo abusi sunt ad hoc negotii. Is respondit unum Adrianum fuisse authorem, cui tunc contigit Cardinalatum a ). Nee unquam tarnen fuisse mentionem haereseos, sed errorum dumtaxat. Quid autem vacat errore? Tametsi ego nihil illic erroris video. Curavi libellum latine vertendum ac misi Roffensi. Bene vale. Lovanii XVII. Kai. Decembres. Scripsissem copiosius, sed hie incertus erat ypajijxaTotpopog. a ) bei Geiger (s. unten): cui nunc contingit cardinalatus. ^iftÄvS&s' ^^HHJH^HU-^-< : 255 Aus: ILLUSTRIVM | VIRORVM EPISTO | L2E, HEBRAICiE, GR^ | GM ET LATINJ5, AD | Ioannem Reuchlin Phorcenfem | virum nostra aetate doctiffimum [ diuerfis temporibus miffae qui | bus iam pridem additus eft | LIBER SECVNDVS f nunquäm antea editus. || Reucblini- ftarum exercitum pa | gina inueneris mox fequenti. Am Schluss: Hagenose ex Officina Thomse Anfhelmi. Anno Incar | nationis Verbi M. D. XIX. Menfe. Maio. Auf Seite slß findet sich der obige Brief. Der Brief ist sich im Auszuge und mit geringen Abweichungen gedruckt in: Reuchlins Briefwechsel, herausg. von Geiger, Tübingen 1875; S. 266, Nr. CCXXXV. Hl HH HB Hm ■«■■ I IMi ,: «UM 1 mSä M HHBhBI HHHI HH • Wms HHHJ ■ bHBBH Ällill ins ■'■■ ■•■■"■ ü HP 1 M HH ..., ., HZ OB SBHl HB ■ ; ' ü ■■'■" ■" ■ ^ ■■-■■■■.••■■■.:■'■■■•■■'■■•■■'■ ■'■:■■■■■■■■. HB] MB BhH ■ ' ■■■' I .:■:■■. 256 Chronologie der Briefe. Zusätze sind in [ ] eingeschlossen, Änderungen gegenüber der Leydener Ausgabe durch bezeichnet. Wegen der Abkürzungen wird auf den Text der Abhandlung verwiesen. 1509. März 1. [Siena] Erasmus an Reuchlin Reuchlin C » JErasmus in Rom Mai 27. Greenwich Mountjoy an Erasmus ep. 10. Juni Mitte Abreise aus Rom n 30. Rom Jac. Piso an Erasmus ep. 103. Juli , Anfang Ankunft in London [ » (!) 11.] „Ex rure" Er. an Th. More, (Widmung des „Encomium Moriae") Opp. IV, 1510. April vor 10. Beise über Dover nach Paris » 10. Dover Erasmus an Ammonio ep. 169. n vor 27. Anlcunft in Paris n 27. Paris Erasmus an Ammonio ep. 110. Mai 19. London Ammonio an Erasmus ep. 175. [ „ • • •] [London] Ammonio an Mountjoy App. 465. . . ? . . Rückkehr über London nach Löwen 1511. [vor August] Cambridge Watson an Erasmus App. 500 August Übersiedelung nach Cambridge » 19. Strassburg Wimpfling an Erasmus Riegger S » 24. Cambridge Erasmus an Colet ep. 117. i) 25. n Erasmus an Ammonio ep. 118. » [nach 25.!] » Erasmus an Ammonio ep. 116. September 13. n Erasmus an Colet ep. 149. [ , nach 13.] London Colet an Erasmus App. 4. n 26. Cambridge Erasmus an Gonell ep. 120. zwisch. Sept. und Oktober 26.1 5.1 Reise nach London [Oktober 5.-29.] Cambridge Erasmus an Bischof Fisher (Widm. d. Basilius) Opp. VIII n 5. n Erasmus an Colet ep. 121. n 5. n Erasmus an Ammonio ep. 122. n 16. n Erasmus an Ammonio ep. 123. n [etwa 20.] ti Erasmus an Ammonio ep. 124. 333. ■mmm;. :■■•'■.■'.■■■■•■ - v ■■.■■*'-■■■ ■■ 257 1511. Oktober 27. London » 29. Cambridge November 2. ff n 8. London _ 11. Cambridge n 18. London JT 26. Cambridge » 27. >i n 28. London Dceember 2. Cambridge' » 5. London n 9. Cambridge [..?.. • • •] [Mecheln] Ende Decbr. 1511 bis \ nach 8. Februar 1612 ) [Januar Anfang] Februar 6. [Londc » 8. a '? 8.—16. n 16. Cambridge [zwisch. Febr. und März 16.1 22.1 London 22. März bis 1 Anfang Mai 1 März 22. London n 26. » April 29. 5) V 29. T) Mai vor 8. n 8. Cambridge Juli » 31. London August (?) vor dem 18. Okt. bis nach 20. Nov. Oktober 18. November 9. Ammonio au Erasmus ep. 125. Erasmus an Colet ep. 150. Erasmus an Ammonio ep. 126. Ammonio an Erasmus ep. 127. Erasmus an Ammonio ep. 138. Ammonio an Erasmus ep. 128. Erasmus au Ammonio ep. 130. Erasmus an Ammonio ep. 139. Ammouio an Erasmus ep. 140. Erasmus an Ammonio ep. 141. Ammonio an Erasmus ep. 132. Erasmus an Ammonio ep. 142. Hier. Busleyden an Erasmus. Neve S. 122. Erasmus in London 1512. Erasmus an Warham ep. 189. Erasmus an Anton v. Berghes ep. 135. London [Cambridge] Erasmus an Kard. Guibd Erasmus an Th. Halsey Rückkehr nach Cambridge Erasmus an Ammonio Colet an Erasmus Erasmus in London Übertragung d. Pfründe Alding- ton an Erasmus Urkunde betr. Aldington Erasmus an Colet (Widm. d. „Copia") Erasmus an Warham (Widm. der Saturnalien Lucians) Rückkehr nach Cambridge Erasmus an Ammonio Erasmus in London Erasmus tritt Aldington ab Wallfahrt nach Walsingham [und Canterburg?] Erasmus in Cambridge Joh. Sixtin an Erasmus Erasmus an [Colet] ep. 136. ep. 109. ep. 113. App. 406. VischerIl,l(S.9) Vischer II, 2 (S. 10). Opp. I, 1. Opp. I, 183. ep. 114. Vischer II, 3 (S. 18). Westd. Zeitschrift. Ergänzungsheft IX. App. 493. Brewer I, 5570. 17 WM VJfc 'ü JBHMB THBäK K afMf'V ' -V. .-;'-■ ■-: WEM ül Hü MmlM< iwsM&fff MBBw mMm&i mhm Ate«*?, $*^*fi$äß'i mm RH ^^^M HEHf Snm wsn tmMim I ■n i nn liilipliHlllll WsSmmsm 258 am 1512. November nach 20. Nov.l bis Juli 1Ö13J Januar 20. London London Sixtin an Erasmus Erasmus in London App. 1. Juli Anfang [ „ vor 11.] Cambridge n 11. n [August vor 20. ? [..?. ..] n 20. Paris l ,, (?) • • •] London Ende August 1 Anfg. Septbr.f [Aug. od. Sept.] London [Aug. od. Sept.] [...?..] September 1. Cambridge » 1. London Sept., Okt. [Oktober ' . • •] [bei Cambridge] Ende Oktober November 1. Cambridge „ um d. 11 n 11. London Mitte Nov. 15131 bis Mitte Febr. 1514 J November 25. London V 26. Cambridge n 28. n December 21. VI [Januar ...] Cambridge Februar 5. London [ ■ ...] [Cambridge? Mitte Febr. 1 b. Anfg. Juli J [Februar nach d. 5. ] London März 14. » 1513. Erasmus an Joh. Young (Widm. Jortin II, 164. v. Plutarch: „bona valetiido") Rückkehr nach Cambridge Erasmus an More Erasmus an Colet Erasmus an Peter Aegidius Bade an Erasmus Bisch. Fisher an Erasmus ep. 112. ep. 115. App. 387. App. 28. App. 430. Erasmus in London Erasmus an Adolf von Weere ep. 143. Erasmus an Heinrich VIII. (Widm. v. Plutarchs „Discrim. adulatoris") Opp. IV, [1] Universität Cambridge an Mountjoy Brewer I 4428. Erasmus an Ammonio ep. 119. Erasmus in Cambridge Erasmus an Gfeorg Smith?] Brewer I B1U Erasmus in London Erasmus an Colet ep. 107. Erasmus in London Erasmus an Bapt. Boerio ep. 137. Erasmus in Cambridge Ammonio an Erasmus ep. 186. Erasmus an Ammonio ep. 129. Erasmus an Ammonio ep. 131. Erasmus an Ammonio ep. 111. 1514. Erasmus an Warham ep. 188. Warham an Erasmus ep. 134. Erasmus an Wolsey (Widm. v. Plutarch „Util. cap. ab inim.") Opp. IV, 23. Erasmus in London Erasmus an Oonellus ep. 171. Erasmus an Ant. v. Berghes ep. 144. : ':' : iÖwÄÄS pH äo9 IM m 1514. [März ...] [London] [ '» ...] j) April 20. Middelburg [ vor 25. ? Frankfurt r ... vor 28; London « 28. j) Juli Anfang 15 8.-9. 11 8. 9. II am )1 5) 11 nach 9 August 1. 17 1. Löwen 11 1» L—.16 15. 15. Aug. 1514 1 bis Anfg. April 1515 J August 29. [Gent u.] Basel [ „ Ende] [Basel] September 1. Strassburg jj 7. Freiburg ii 21. Basel ii 21. Freiburg u 23. Basel Oktober 4. Freiburg n 11. » ji 1-7. Basel ii 15. ji » 20. London ii 23. Paris ii 28. [Basel] November 7. Freiburg December 9. Nürnberg ii 22. Freiburg Januar 4. Arlon ii 20. Tübingen ») 24. Basel ii 31. Schlcttstadt Ende März od. Anffr. April Erasmus an Wentford Erasmus an Aegidius Borsalus an Erasmus Reuchlin an Erasmus Erasmus an Gonellus Erasmus an Gonellus Abreise von London Erasmus in Rani bei Calais Erasmus an Ammonio Erasmus an Servatius Beise über St. Omer, Berglies, Gent, Antwerpen Erasmus in Löwen Erasmus an Job. Nevius Beise über Maine, Strassburg, Scfdettstadt Ankunft in Basel Erasmus in Basel Erasmus an Mountjoy Erasmus an Reuchlin Wiinpfling an Erasmus Zasius an Erasmus Erasmus an AVimpfling Zasius an Erasmus Erasmus an Zasius Gregor Reisen an Erasmus Zasius an Erasmus Erasmus an Schürer Erasmus an Aegidius (Widm. der „Similia") Colet an Erasmus Lefevre an Erasmus Erasmus an Zasius Zasius an Erasmus Pirckheimeran Beat. Rhenanus Zasius an Erasmus 1515. Borsalus an Erasmus Ileinr. Bebel an Erasmus Erasmus an Pirckheimer Sapidus an Erasmus Abreise aus Basel, Beise über Frankfurt, Antwerpen, Gent, Tournay, Brügge ep. 166 ep. 154. App. 6. App. 5. ep. 170. ep. 172. ep. 159. App. 8. Anhang I (S. 252). ep. 182. Reuchlin Nr. CXC. Riegger S. 368. App. 9. Riegger S. 369. App. 10. App. 11. App. 12. ep. 161. App. 13. Opp. I, 559. App. 85. App. 427. Neff II, 33. App. 14. App. 15. ep. 152. App. 18. App. 19. App. 48. App. 20. 17* ÜEESl JBEw ?ül v ""■••' ■/•■'•■■■: . •: wsss ^■- ■-■■■■ ■'■ Hl ■ '- ■■■ hHhP WBBSST Hl W&&imfflse&'>i' Hesss II .■'.'•'':■■■■ mim " BHHB88IHH MAN ■'.•■' ' ■ * 1^^^ 26Ö 1515 April 13. i) 13. St. Omer M 17. Basel )> Tor 28. I bis Ende Juni April 28. London » 29. Glarus w 30. Basel [ „ •••] 3) [ ■ 30.!] London [ . 30.!] n Mai 1. Basel 51 7. London [Juni Ende] n [ • . J n Ende Juni Juli 10. Rom » 10. » W 18. :) n [ i Mitte?] [Löwen] [ . Mitte ?] Antwerpen [ „ Mitte ?] Lüttich J! vor 30. Ende Juli 1515 bis) Mitte Mai 1516 J Juli 30. Basel [August Anfg.] 8. Sirassburg tt 9. Freiburg n 30. Basel n 31. Strassburg September 9. ii » 11. » n 12. Schlettstadt » 15. 37 j? 16. Speyer [ , nach 16.] Basel » 21. Freiburg [ , nach 21.] [Basel] Erasmus in St. Omer Erasmus an Beatus Rhenanus (Widm. des I. Psalmes) Opp. V, 171, Beatus Rhenanus an Erasmus App. 21. Erasmus in London Erasmus an Leo X. ep. 174. Zwingli an Erasmus App. 22. Beatus Rhenanus an Erasmus App. 21-!. Wilb. Nesen an Erasmus App. 107. Erasmus an Grimani ep. 167. Erasmus an Raff. Riario ep. 168. Bruno Amerbach an Erasmus App. 24. Erasmus an Aegidius ep. 155. Erasmus an Aegidius ep. 150. Erasmus an Wolsey ep. 187. Abreise aus London Leo X. an Erasmus ep. 178. Leo X. an Heinrich VIII. ep 179. Raff. Riario an Erasmus ep. 180. Erasmus reist über Brügge, Antwerpen Martin Dorp an Erasmus Jortin II, 336. Erasmus an Dorp Opp. IX, 1. Weiterreise üb. Mecheln, Lüttich Erasmus an Andr. Hochstraten ep. 297. Weiterreise über Köln, Speyer, Strassburg Ankunft in Basel Erasmus in Basel Erasmus ad lectorem (Vorr. zu „Octoorat. part. construct") Opp. I, 167. Gerbel an Erasmus App. 42. Gerbel an Erasmus App. 26. Zasius an Erasmus App. 27. Erasmus an Wolsey App. 74. Gerbel an Erasmus App. 29. Gerbel an Erasmus App. 30. Gerbel an Erasmus App. 31. Sapidus an Erasmus App. 78. Sapidus an Erasmus App. 32. Kierher an Erasmus ep. 184. Erasmus an Kierher ep. 185. Zasius an Erasmus App. 33. Erasmus an Zasius ep. 164. MV 261 1515. Oktober 1. Nürnberg j) 2. Basel » 16. i) » 19. Hagenau i> 21. Brügge ii 24. Worms [ -. vor 30.] Basel » 30. Haugsliofen » 30. Freiburg November 21. Arlon n 23. Tournay :) 2.\ Haugshofen December 3. Köln » 13. Nürnberg i) 16. Freiburg » 23. Basel :» 23. n J) 26. Freiburg [ , iiachd.26. ] Basel [ ■ Ende] London [ . ...] Strassburg [Januar (?) • ••] Hirsebau [ „ (?) ...] Leipzig [. . (?) ••■] Nürnberg » 10. (!. ) Paris 3) 11. Lüttich n 15. Scblettstadt jj 21. Strassburg Februar 1. Basel n 3. >) n 10. London » 17. i) :) 20. Freiburg [ „ vor 24.] Ingolstadt l . vor 24.] » » 24. Basel März 7. n » 30. Ottenbeuren t ■ ...] [Basel] April 1. Basel Pirckheimer an Erasmus Erasmus an Ammonio Erasmus an Pirckheimer Wolfg. Angst an Erasmus Thom. More an Dorp Hütten an Erasmus Erasmus an Zasius Paul Voltz au Erasmus Zasius an Erasmus Borsalus an Erasmus Dumoulin an Erasmus Voltz an Erasmus Cäsarius an Erasmus Pirckheimer an Erasmus Zasius an Erasmus Erasmus an Caraffa Erasmus an Ammonio Zasius an Erasmus Erasmus an Zasius More an Erasmus Gerbel an Erasmus 1516. Basellius an Erasmus Emser au Erasmus Pirckheimer an Erasmus Aggeus an Erasmus Andr. Hochstraten au Erasmus Wimpfling au Erasmus Gerbel an Erasmus Erasmus an Leo X. (Widm. des Neuen Testamentes) Erasmus an Wimpfling Bedillus an Erasmus Ammonio an Erasmus Zasius an Erasmus Regius an Faber Regius an Faber Erasmus an Regius Erasmus an Regius Ellonbog an Erasmus Erasmus an Erzherzog Karl (Widm. d. „Instit. Princ. Christ.") Erasmus an Warham (Widm. des „Hieronymus") App. 83. App. 3. App. 194. App. 389. App. 513. App. 86. ep. 289. App. 34. App. 35. App. 36. App- 37. App. 38. App. 93. App. 39. App. 40. App. 16. App. 224. App. 41. ep. 162. ep. 227. App. 43. App. 101. App. 110. App. 109. App. 45. App. 111. App. 46. App. 47. Opp. VI, [2]. Riegger S. 478. App. 49. ep. 236. App. 50. ep. 229. ep. 230. App. 51. App. 53. App. 55. Opp. IV, 559. Jortin II, 528. '■■„■ MBB ■■■ ■HM am BW Kg "■'■ ■■I 262 1516. April 5. Ulm Georg Pritzel an Erasmus App. 57. » 11. [Schlettstadt] Sapidus an Erasmus App. 58. [ ,. nach 11.] Basel Erasmus an Sapidus App. 96. IJ 24. Erisisheim liier. Baidung an Erasmus App. 59. [ ,, ...] [Basel] Erasmus an Ellenbog Ilorawitz I, 71. [ Mai w Paris Bude an Erasmus ep. 250. »5 9. Freiburg Zasius an Erasmus ep. 213. >1 12. Basel Erasmus an Pirckheimer App. 52. [ „ etwa 12.] )> Erasmus an Bonif. Amerbach Eppiam.Nr.III. )J nach 12. Abreise aus Basel; über Kay- sersberg nach Köln 1» 20. Nürnberg Pirckheimer an Erasmus ep. 214. J) 23. (!) London Ammonio an Erasmus App. 7. 11 bis Juni 30. 1 2. | Erasmus in Antwerpen Juni 1. Antwerpen Erasmus an Sauvage ep. 176. 3J 1. n Erasmus an Rimaclus ep. 252. »J 2.-4. Erasmus in Brüssel » 2.-4. Brüssel Erasmus an More ep. 364. J) 5. Erasmus in St. Omer )> 5. St. Omer Erasmus an Liuacre ep. 157. )) 5. n Erasmus an Ammonio ep. 158. )? 5. [ i ] Erasmus an Latimer ep. 254. JJ 5. » Erasmus au Urswick ep. 255. » 5. » Erasmus an Bisch. Fisher ep. 256. )» 5. Stuttgart Reuchlin an Erasmus App. 63. )1 um d. 10. Erasmus in Brüssel » ffi '■ 10. Brüssel Erasmus an Dorp App. 423. [ r, nach 10.] Löwen v Dorp au Erasmus App. 247. »> 17. Basel Frohen au Erasmus App. 25. bis Juli 19.1 etwa 18. | Erasmus in Antwerpen [Juni 19.-20.] Antwerpen Erasmus an Bude ep. 251. >i 20. (!) [...?... ] Willi. Briels an Erasmus App. 64. i) 22. Oxford Warham an Erasmus App.65(ep.261) j» 22. » Bedillus an Erasmus App. 142. [ » 26. (?)] Kochest er Bisch. Fisher an Erasmus App. 103. L „ 26. (?)] London More an Erasmus App. 252. )J 26. » Sixtin an Erasmus App. 494. » 26. » Ammonio an Erasmus ep. 177. ») 28. » Lupset an Erasmus App. 459. [ ,. ...] Löwen Adr. Barlandus an Cornel .Barlandus App. 98. Juli 1. Löwen Allard v.Amsterd. an Erasmus App. 66. )J 6. Paris Bade au Erasmus App. 67. J) 7. j» Bude" an Erasmus ep. 257. 263 1516. Juli 8. Brüssel u 9. Antwerpen 11 14. .. )1 lt. Köln J) 18. Brüssel 11 uach 18. 1) Ende ) bis August etwa 12. August 2, Paris )> 3. Gent !) 5. Paris )1 9. London [ ,i vor 12.] [London] [ -, vor 12.] j. • [ .. vor 12.] [ ,. ] [ ... vor 12 ] Halling »1 12. London f. .. etwa 12." [ , ] 11 etwa 12. )l 13.-25.(?) 11 13. Cambridge ?1 [uach 13 •j 1. [ ,. ■ nach 13. ] [London] 1) 17. Rochester H 21. Tübingen ii zwiscb. 17. und 22. (!) | London )) 22. Rochester J1 vor 27.! .. i> 27. i> 27. Calais September 28.-30. 31. Anfang 2. [Basel] 3. 3. London 5. Basel 5. 5. bis Oktober 3. od. 5. Sauvage au Erasmus Erasmus an Bisch. Ruthall Erasmus an Bude Graf Nuenar an Erasmus Barbier an Erasmus Erasmus reist von Antwerpen nach London Erasmus in London Viterius an Erasmus Clava an Erasmus Grey an Erasmus ■ Erasmus an Leo X. Erasmus an Wentford Erasmus an Gouell Erasmus au G. S. u. 0. S[mith? Bisch. F'isher an Erasmus Sixtin au Aegidius Erasmus an Ammonio Abreise aus London Erasmus in Rochester Bovillus an Erasmus Watson an Erasmus Ammonio an Leo X. Erasmus au Ammonio Gedicht Melauchthons auf Erasmus App. 68. ep. 215. ep. 260. App. 69. App. 70. App. 71. App. 72. App. 73. ep. 181. ep. 165. ep. 173. Brewer I, 5733. App. 429. App. 495. ep. 133. ep. 216. ep. 183. VischerII[,l(S.24). Ammonio an Erasmus Erasmus an Ammonio Erasmus an Bovillus Erasmus in Calais Erasmus an Reuchlin Erasmus reist über St. Omer nach Löwen Erasmus wird in Löwen immatrikuliert Erasmus in Brüssel Capito an Erasmus Beat. Rhenanus an Erasmus More an Erasmus Glarean an Erasmus Bruno Amerbach an Erasmus Erasmus in Antwerpen ep. 146. App. 119. ep. 145. ep. 147. ep. 148. Reuchlin CCXXIa. App. 75. App. 76. App. 174. ep. 217. App. 77. lx§ra»I$w&3K^ • r ;v :, '-. :; ?" : '--"'-; :/ <.:; 264 1516. September 0. Antwerpen Erasmus an Wilh. Nesen [ „ Mitte?] Frankfurt Wilh. Nesen an Erasmus 33 16. Oxford Warham an Möre [ » 22.] London More an Erasmus [ .. nach 22.] ii More an Erasmus 3» 28. Antwerpen Erasmus an Hier. Busleyden 3) 29. Paris Bade an Erasmus 33 29. Antwerpen Erasmus an Reuchlin Oktober 2. ii Erasmus an More )> 3. od. 5. Erasmus in Brüssel (mit einer bis Februar 13. od. 14., Unterbrechung im Jan. 1517) Oktober 6. Brüssel Erasmus an Ammonio j» 6. ii Erasmus an Aegidius 3) 13. Stepney Colet an Erasmus 3J 17. Brüssel Erasmus an Aegidius 33 28. ii Erasmus an Bude 33 31. London More an Erasmus November 1. ii Ammonio an Erasmus 3) 9. Brüssel Erasmus an Ammonio 33 9. Mecheln Hier. Busleyden an Erasmus )> 11. Löwen Allard v. Amsterd. au Erasmus 3) 12. Tournay Mountjoy au Erasmus 33 12. Löwen Gerh. Geldenhauer an Erasmus 3» 12. Basel Ludw. Bär an Erasmus 33 13. Amboise Canossa an Erasmus 3) 13. Basel Glarean an Erasmus [ « etwa 13.] ii Wilh. Nesen an Erasmus 3) 18. Brüssel Erasmus an Aegidius [ » 26.1] Paris Bude an Erasmus [ » ...] London More an Erasmus December 4. ii Ammonio an Erasmus :j 11. Lochau Spalatin an Erasmus 33 15. London More an Erasmus 53 18. Paris Viterius an Erasmus [Brüssel] 1 [London] 1 Erasmus 1 _ [ .. vor 29.] r . . , an Grunm [Ammonio] 1 !> 29. [Brüssel] Erasmus an Ammonio [...?... ...] [..?..] Erasmus an Paludanus r...?... .-..] Zwolle Listrius an Erasmus J517. Januar 1. Brüssel Erasmus an Ludw. Bär » 4. Tournay Mountjoy an Erasmus ii vor 13. Erasmus in Löwen i) vor 13.] Löwen Barland au Erasmus Jortin II, 593. App. 106. App. 80. App. 52. App. 251. App. 81. App. 82. Reuchlin CCXXVI. ep. 218. ep. 160. ep. 219. App. 84. App. 388. ep. 221. App. 87. ep. 163. ep. 151. App. 88. App. 89. App. 90. App. 91. ep. 223. ep. 224. App. 92. App. 108. ep. 345. ep. 220. App. 25Ü. Vischer III, (S. 25). App. 94. App. 22t. App. 95. App. 442. ep. 225. ep. 290. App. 105. ep. 191. App. 44. App. 100. 265 Sfö KM 1517. [Jauuar [ [Februar ■Pj [Löwen] Brüssel London Antwerpen Brüssel Rom vor 13.] vor 13.] 13. 13. 18. 20. 26. 26. 26. 31. Ende] ...] Anfg.] Anfg.] 9- 6. 6. Gent nach 6.] „ 9. Rom Zwolle Antwerpen Paris 13. 13. od. 14.1 bis April Februar [März 14 nach 14 ] 15. 15. (!) 18. 21. 21. 21. 24. 24. 24] 26. Ende] Ende] Anfg.] 1. 1. 8 h 10 li 15 Brüssel T\ Antwerpen Brüssel Antwerpen [ i, ] Brüssel Antwerpen Löwen Antwerpen Dresden Lamb. Grunui an App. 99. App. 248. ep. 192. App. 112. App. 113. ep. 3t0. ep. 193. Vischer HI, 4(8.29) VischerIlI,4(S.26.) ep. 195. App. 443. App. 104. App. 97. ep. 201. ep. 197. ep. 198. App. 400. App. 102. Brewer II, 2, Nr. 2895. ep. 199. Barland an Erasmus Dorp an Erasmus Erasmus an Watson More an Erasmus Aegidius an Erasmus Erasmus an Aegidius Leo X. an Erasmus Bulle Leo's X. für Erasmus Leo X. an Ammonio Bisch. Giglis an Erasmus i Erasmus [Ammonio] Gerb. Listrius an Erasmus Aegidius an Erasmus Deloin an Erasmus Bude an Erasmus Cope an Erasmus Clava an Erasmus Rob. Caesar an Erasmus Bisch. Giglis an Ammonio Erasmus an Grey u. Viterius Erasmus in Antwerpen Erasmus an Bisch. Poncher ep. 235. Erasmus an Clava App. 401. Erasmus an Bude ep. 200. Erasmus au Deloin ep. 202. Morillon an Erasmus App. 114. Erasmus au Bude ep. 203. Erasmus an Franz I. ep. 204. Erasmus an Dorp . App. 424. Erasmus an Cope ep. 205. Erasmus an Canossa ep. 206. Erasmus an Ammonio ep. 231. Erasmus an Capito ep. 207. Erasmus an Affinius ep. 295. Bartolini an Erasmus App. 392. Bartolini an Erasmus ep. 228. Erasmus an More ep. 208. Accardus an Erasmus App. 115. Erasmus an More ep. 237. Rescius an Erasmus App. 54. Erasmus an Bartolini ep. 210. Erasmus an Ammonio ep. 211. Emser an Erasmus App. 116. wem mm H| ' Aufg. jis „ Ende j J) 1. Brüssel J» 3. 5) [ „ 5.] Paris )) 6. Paris »» 6. Augia 1) 22. Groningen )) 22. London :i 22. Antwerpen Jj 24. Basel )) 30. Frankfurt >> Ende. Mai 1. [ » Anfang] London f> 1. Cambridge ti 4.(!) jj ■ » 10. Basel j) 11. •) >) Mitte t >, Mitte] Brüssel t ,-, Mitte] n Mai 2. Hälfte 1 bis etwa Ende JuniJ Mai 19. Paris [ ,. 30.] [Antwerpen [ » (?) • ■ ■ ] >j Juni 4. Gent ■ i» 5. » i) 21. Venedig [ n 21-1?)] M . )» 22. London }1 29. Ende. jj Anfang Juli 1517 bis Anfg. Mai 1518 Dungersheim (!) an Erasmus App. 117: Beat. Rhenanus an Erasmus App. 119. Mosellanus an Erasmus App. 120. Warham an Erasmus App. 121. Tunstall au Bude ep. 253. Capito an Erasmus App. 122. Reuchlin an Erasmus App. 123. Abreise van Antwerpen Erasmus in London Accardus an Erasmus App. 124. Barbier an Erasmus App. 56. Bude an Erasmus App. fiO. Germain Brice an Erasmus ep. 212. Harenaceus an Erasmus App. 125. Cornel. Battus an Erasmus App. 129. Nie. SagudinoanMarc.Musurus App. 130. Tunstall an Erasmus ' App 131. Beat. Rhenanus an Erasmus App. 134. Heinr. Stromer an Erasmus App. 13o. Abreise von London Erasmus landet in Boulogne Giustiniani an Erasmus App. 249. Bovillus an Erasmus App. 61. Bovillus an Erasmus App. 137. Beat. Rhenanus au Erasmus App. 138. Ludw. Bär au Erasmus A PP- 139. Erasmus in Brüssel Erasmus au Leo X. ep. 194. Erasmus an Bisch.. Giglis ep. 196 Erasmus in Antwerpen Bude an Tunstall ep. 249. Erasmus an More ep. 291. Erasmus an Eutychius (Widmung Lucian. Dialoge) Opp. I, 329. Clava an Erasmus App. 402. Morillon an Erasmus App. 140. Bapt. Egnazio au Erasmus App. 141. Andr Molano an Erasmus App. 253. Sagudino an Erasmus App. 143. Giustiniani an Erasmus App. 145. Erasmus in Brügge. Erasmus in Löwen, bis Oktober bei Paludanus, dann im Liliencolleg; Unterbrechungen im August, September, December, Februar. SBBR '&$$$$$l- 267 1517. Juli Anfg. ] » ] 8. [Löwen] Basel Erasmus au Aegidius Erasmus an More Beat. Rhenanus au Erasmus ep. 373.] App. 241. App. 146. j) 13. » Bisch. Chr. v. Utenheim au Er. ep. 258. )> 13. JJ Paliurus au Erasmus ep. 259. 15. Mitte 1 JJ Rochester Capito an Erasmus Bisch. Fisher an Erasmus App. App. 147. 428. » Mitto ] London Colet au Erasmus App. 246. j? 16. jj' More an Erasmus App. 148. }■> 17. Paris Bude au Erasmus App. 149. » 17. Löwen Erasmus au Tunstall App. 150. >j 17(0 u Erasmus an Peter Barbier App. 151. « 21. 21. Köln Bamberg Caesarius (!) an Erasmus Hütten an Erasmus App. App. 152. 153. 5) JJ 21. 24. 24. Strassburg Middelburg Mainz Schürer an Erasmus Nicol. Barbier an Erasmus Stromer an Erasmus App. App. App. 154. 155. 156. J) 30. Köln Caesarius an Erasmus App 157. Vugusfc 5. Paris Glarean an Erasmus App. 158. » 5. Konstanz Pace au Erasmus Jortiu II, 347 12. Mitte bis 1 etwa 22.' Sensebardeau Peter Barbier an Erasmus Erasmus in Antwerpen App. 159. 16. 19. 19. 23. Antwerpen London jj Löwen Erasmus an Caesarius More an Erasmus Sixtin au Erasmus Erasmus an Paliurus App. 160. ep. 522. App. 161. ep. 262. jj 23. 23. 23. J) j; •J Erasmus an Ludw. Bär Erasmus an Wilh. Neseu Erasmus an Beat. Rhenanus App. App. App. 162. 163. 164. 3) 23.0) Köln Caesarius an Erasmus App. 189. JJ . 23.-24.] Löwen Er. an Bisch. Chr. v. Utenheim ep. 286. JJ 24. jj Erasmus an Stromer ep. 263. J> 24. jj Erasmus an Bruno Amerbach App. 165. 24. 24. Erasmus an Wolfg. Augustanus App. Erasmus an Joh. Rüser App. 166. 167. )i 25. )■ Erasmus an den Grafen Nuenai App. 168. JJ 25. jj Erasmus an Joh, Froben App. 169. jj ii jj JJ jj 28. 28(!) 29. 29(?)] 29(?)] Antwerpen Löwen jj jj jj Chierigato an Erasmus Erasmus an Aegidius Erasmus an Georg von Halloin Erasmus an Bude Erasmus an Germaiu Brice App. 170. App. 144. ep. 264. App. 304. ep. 359. JJ jj 29. 30. 7t JJ Erasmus an Tunstall App. App. 171. 172. ' J? 31. JJ ep. 265. mm® w$r BraJ&SfiK ■Mb ■■'■"■■..-'■:-'■:'. :■'■>'•■■■ U '•■■•'.■' . ^.'■"■.-. '■'.■ m i ■ hm; wMWSm : ,: ''"'', - ; '■'-■'. : ■■ ■■'■' ,!.■•■ 5 ■•■.... ' ■•'::;■.■,■■:■■■■■-■: m 1517. August 31. 31. Löwen [ September Anfang] „ ] >J 7. 3» )) 7. 3> 33 7. )3 » 8.-9. 1/ 8. Antwerpen 33 8. 33 3» 8. >J 33 9. 33 >3 9. 33 33 11. Löwen 3) 11. 33 J) 13. Steinheim 33 13. 33 )» 14. Brügge » 15. Paris [ •; Mitte] Löwen j) 16. 33 » 16. 33 3) 16. 33 )1 16. >> )) 16. 3' I) 17. 33 31 17. Lüttich 33 27. Antwerpen [ Ende ] Löwen [ • • • ] 33 [ September (?)]' oder October 33 October 3. 33 ji C. Calais J3 7. 33 [ » Mitte ] [Löwen] I» 18. 3) [ » nach 18.] )3 )) 25. Calais [ ,, vor 26.] Löwen 3» 33 26. 26. 33 33 [ ■„ 26(?)] Erasmus an Gerh. Geldenbauer ep. 266. Erasmus an Tunstall App. 173. Erasmus an Vaunes (!) App. 228. Erasmus an Pet. Barbier App. 230. Erasmus an Aegidius App. 226. Erasmus an Affinius App. 227. Erasmus an Ant. Clava App. 175. Erasmus au Marc. Laurin App. 176. Erasmus au [Bischof Giglis] App. 177. Erasmus in Antwerpen Erasmus an Bischof Fisher App. 178. Erasmus an More App. 179. Erasmus an Sixtin App. 180. Erasmus an Wolsey ep. 267. Erasmus an Heinrich VIII. ep. 268. Erasmus an Gerhard Listrius ep. 270. Erasmus an Jac. Lefevre ep. 271. Erzbischof Albrecht von Mainz an Erasmus ep. 331. Stromer an Erasmus App. 181. Tunstall an Erasmus ep. 272. Lupset an Erasmus App. 79. Erasmus an Briard App. 229. Erasmus an Clava App. 182. Erasmus an More App. 183. Erasmus an Sixtin App. 184. Erasmus an Laurin App. 185. Erasmus an [Bischof Fisher] App. 186 Er. an Auton von Luxemburg App. 187. Berselius an Erasmus App. 188. Aegidius au Erasmus App. 190. Erasmus an Tunstall ep. 293. Erasmus an Aegid. Busleyden ep. 362. Erasmus an Dorp App. 233. Erasmus an Gerh. Geldenbauer App. 191. More an Aegidius App. 192. More an Erasmus App. 193. Erasmus an Aegidius ep. 368 Erasmus an Aegid. Busleyden ep. 338. Erasmus an Aegid. Busleyden App. 232. More an Erasmus ep. 540. Er. au Lachuer und Frohen App. 236. Erasmus an Bude App. 195. Erasmus an Lupset App. 196. Erasmus an Glarean App. 234. «HB MM ilfiäSS 269 1517. Oktober » [ ,. [ .- [November December 30. 31. ...] ..,] Anfang] 2. 2. 2. 2. 3. 3. 3. 3. 4. 5. 12. 12. 13. 13. 13.-14.] 15. 15.(!) 15. 16. 19. 21. 30. 30. 30. 30. 30. 30.(?)] Ende] Anfang Anfg. (?)] 6. 6. 6. 6. 6. 6. 6.-9.] 9. 9. Paris Lüwen Calais Antwerpen Löwen Altenburg Löwen London Löwen Lüwen Vellenhoe Zürich Löwen App. 197. App. 198. App. 213. App 244. App. 231. ep. 274. ep. 275. Karl Ofhuys an Erasmus Erasmus an Schürer Erasmus au [..?...] Erasmus an [..?... ] Erasmus an Berselius Erasmus an Pirckheimer Erasmus an Pet. Barbier Erasmus an Johannes [..?..] App. 199. Erasmus an Gerh. Listrius App. 200. Erasmus an Aegidius ep. 222. Erasmus an Banisius App. 201. Erasmus an Caesarius App. 202. Er. an den Grafen Nuenar (!) App. 203. Er. an Herz. Ernst v. Bayern ep. 276. More an Erasmus App. 204. Banisius an Erasmus ep. 277. Erasmus an Aegidius App 386. Spalatin an Erasmus ep. 278. Er. an Kard. Grimani (Widm. der Paraph. zum Römerbrief) Opp. VII, 771. Erasmus an Aegidius ep. 495. Erasmus an Aegidius ep. 344. Warham an Erasmus App. 205. Erasmus an Reuchlin Anhang II (S. 254). Erasmus an Gerh. Geldenhauer ep. 279. Erasmus an Marc. Laurin App. 208. Erasmus an Clava App. 209. Erasmus an Bude ep. 280. Erasmus an den Grafen Nuenar App. 210. Erasmus an Lefevre App. 211. Erasmus an More App. 212. Erasmus an Pyrrhus App. 213. Erasmus an Glarean App. 235. Erasmus an Aegidius ep. 288. Erasnms in Gent Erasmus an [...?... ] App. 245. Gerh. Geldenhauer au Erasmus ep. 281. Bisch. Philipp v. Burgund an Erasmus ep. 282. Bombasio an Erasmus ep. 283. Erasmus an Bär App. 214. Erasmus an Capito App. 215. Erasmus an Beat. Khenanus App. 216. Erasmus an Lachner App. 237. Erasmus an Berselius App. 217. Erasmus an Capito App. 218. feto« H "'■■■■'■ •' ■■"' ■ "■■■■■ -' ■.■'.■-<■.■■■,■■...■■.'•..■■ ■ ■ 1 hRkH Hl 270 1517. December 12. Löwen »»■ 13. )> )» 13. » i) 15. (!) >1 »* 15. (!) )) 51 21. )) Ji 21. :» ?) 21,(0 Paris )> 28. Zwolle J7 30. Lüttich » 30. (!) » )» 31. Nürnberg [..?.. ...] [••?.. Januar 2. Löwen j> 5. jj j» 6. »j » 6. »» 7. 7. Februar 10. 10.] '■■) 14.] ■» 14.] » 14. 11 16. »> 18. 5) 18. !] )> 30. Oxford 2. Ingolstadt etwa 20. i bis 22.) 20. [Antwerpen 21. (!) j) 21. (!) » 22. v 22. )» 22. (!) j? 22.] » nach22.(?) Löwen Erasmus an den Fürsten v. Berghes (?) ! Erasmus an Anton v. Berghes Erasmus an Bisch. Eberhard v. d. Marck v. Lüttich (!) Erasmus an L (Laurin) Erasmus an Pace Erasmus an Pace Erasmus an Clava Bude an Erasmus Gerh. Listrius an Erasmus Bisch. Eberhard van d. Marck an Erasmus Berselius an Erasmus Pirckheimer an Erasmus Erasmus an Viterius 1518. Erasmus an .loh. von Löwen Erasmus an Johann de Hondt Erasmus an Affinius Erasmus an Barbier Erasmus an Berselius Erasmus an Bischof Eberhard van d. Marck Erasmus an Bisch. Philipp v. Burgund Erasmus an Geldenhauer Erasmus an Anton v. Berghes Er. an Anton von Luxemburg Erasmus an Marcus [Laurin] Erasmus an Bade Erasmus an Willi. Nesen Erasmus an Glarean Latimer an Erasmus Joh. Eck an Erasmus Erasmus in Antwerpen Erasmus an Caesarius Erasmus an Thom. Parce Erasmus an Wentford Erasmus an Vannes (!) Erasmus an Sixtin Erasmus an More Erasmus an Latimer Erasmus an Bude App. 219. ep. 284. App. 220. App. 206. App. 207. App. 222. App. 223. ep. 304, App. 225. ep. 348. ep. 232. ep. 226. ep. 294. App. 254. App. 255. App. 256. App. 257. ep. 233. ep. 297. ep. 298. ep. 292. ep. 353. App. 309. App. 258. App. 259. ep. 299. ep. 302. ep. 301. ep. 303. Opp. I, 115 (?). ep. 321. App. 286. App. 260. App. 261. App. 287. ep. 363. ep. 305. M&iätmmi&t m 1518. [Februar 1 • • • J Löwen März 2. Tournay n (4.) 5. Löwen j) 5. » 11 5. n 11 5. >» 11 5. » n . 5. >» ii 5. )? )) 5. )) [ ,. 5.] »» [ >. 5.] J> r » 5.J 1) r » 5.] >l [ ,. 5.] )) ii 6. 1» ii 6. )J ii 12. J) ii 13. » ii 13. » ii 13. )J ii 13. )l ii 14. )) ii 16. Paris ii 20. Nürnberg » 26. Löwen [ » ...] ;) April 5. !! ii 5. 1t ji 12. Paris )j 17. Löwen ii 17. ii ii V 17. 17. ii ii 17. 11 ii . 17. 11 ii 18. 11 ii 22. 11 n 22. 11 l » 22.-25.] 1! 25. 23. 11 11 ij 23. 11 » 23. 11 1! 11 23. 23. 11 11 Erasmus an Dumoulin Rieh. Sampson au Erasmus Erasmus an Aegidius Erasmus an Bovillus Erasmus an Laurin Erasmus an More Erasmus an Pace Erasmus an [..?.. ] Erasmus an [..?.. ] Erasmus au Warham Erasmus an Colet Erasmus an Bisch. Fisher Erasmus an Ludwig [•..?... Erasmus au Mountjoy (!) Erasmus an Bidellus (!) Erasmus an Pet. Barbier Erasmus an Sauvage Erasmus an Job. Froben Erasmus an Capito Erasmus an Oecolampadius Erasmus an Beat. Rhenanus Erasmus an Affinius Erasmus an Bombasio Beraud an Erasmus Pirckheimer an Erasmus Erasmus an Joh. Robbyns Erasmus an Sampson Erasmus an Laurin Erasmus an Caesarius Bude an Erasmus Erasmus an Geldenhauer Erasmus an Jac. Lefevre Erasmus an Aegidius Erasmus an Bade Erasmus an Wilh. Nesen Erasmus an Viterius Erasmus an Bude' Erasmus an Rieb. Pace Erasmus an Gonell Erasmus an More Erasmus an Bovillus App. 240. ep. 306. App. 262 App. 263. App. 264. App. 265. App. 266. App App ep. 209). 267. 268. App. 269. App. 305. 300. 308. 312. 313. App. App. App. App. ep. 307. App. 270. App. 271. App. 272. App. 273. App. 274. Opp. I, 535. App. 275. ep. 308. App. 118. App. 276. ep. 352. ep. 356. App. 277. ep. 310. ep. 153. ep. 239. ep. 240. App.. 126. App. 127. App. 128. App. 278. ep. 241. ep. 242. App. 311. ep. 243. Er. an Herrn, von dem Busche ep. 311. Erasmus an Vannes (!) App. 132. Erasmus an Bisch. Fisher App. I;i3. Erasmus an Bidellus App. 279. Erasmus an Croke App. 280. ÄSS HHbs H HB 272 '; ■ 1518. April 23. »> 23. (!) »1 24. »1 24. J1 24. »' 25. )> 26 » 26. 11 26. »» 29. T» 29. 5) 29. [ » Ende] Mai Anfang « 14. u 14. 1 bis Anfg. Septbr. Lüwen Erasmus an Sixtin App. 281. Erasmus an Colet ep. 247. Erasmus an Grolier i. ep. 312. Erasmus an Roger [VVentford] App. 135. Erasmus an Tunstall App. 282. Erasmus an Heinrich VIN. ep. 313. Erasmus an Job. Lascaris ep. 314. Erasmus au Kard. Grimani ep. 315. Erasmus an Gerb. Geldenlmier App. 283. Erasmus an Cornel. Battus ep. 244. Erasmus an Laurin ep. 245. Erasmus an Anton Clava ep. 246. Erasmus an Listriiis App. 310. Abreise von Löwen Ankunft in Basel Erasmus in Basel. HOHL M 273 Briefverzeictmis. : >■■ ■■■'- Änderungen in der Adresse sind durch * hinter der Briefnummer gekennzeichnet. Ep. 10 27. Mai 1509. 107 1. November 1513. 108 30. Juni 15G9. 109 8. Februar 1512. 110 27. April 1510. 111 21. December 1513. 112 vor 11. Juli 1513. 113 16. Februar 1512; 114 8. Mai 1512. 115 11. Juli 1513. 116 nach 25. August 1511. 117 24. August 1511. 118 25. August 1511. 119 1. September 1513. 120 26. September 1511. 121 5. October 1511. 122 5. October 1511. 123 16. October 1511. 124 etwa 20. October 1511. 125 27. October 1511. 126 2. November 1511. 127 8. November 1511. 128 18. November 1511. 129 26. November 1513. 130 26. November 1511. 131 28. November 1513. 132 5. December 1511. 133 etwa 12. August 1516. 134 5. Februar 1514. IS'-) 6. Februar 1512. 136 8. Februar 1512. 137 11. November 1513. 138 11. November 1511. 139 27. November 1511. Westd. Zeitschrift. Ergänzungaheft IX. Ep. 140 »i 141 V 142 ff 143 . 144 ff 145 n 146 II 147 n 148 ti 149 n 150 ii 151 n 152 rf 153 tl 154 155 tl 156 n 157 n 158 ff 159 ii 160 ff 161 ii 162 ii 163 ii 164 ii 165 ff 166 „ 167 ff 168 fr 169 ii 170 n 171 it 172 173 28. November 1511. 2. Dezember 1511. 9. December 1511. August oder September 1513. 14. März 1514. zwisch. 17. u. 22. Aug. 1516. 17. August 1516. 22. August 1516. vor 27. August 1516. 13. September 1511. 29. October 1511. 9. November 1516. 22. December 1514. 17. April 1518. . . . März 1514. 7. Mai 1515. Ende Juni 1515. 5. Juni 1516. 5. Juni 1516. 8. Juli 1514. 6. October 1516. 11. October 1514. nach dem 26. December 1515. 1. November 1516. nach dem 21. September 1515. vor dem 12. August 1516. . . . März 1514. 30. April 1515. 30. April 1515. 10. April 1510. vor dem 28. April 1514. nach dem 5. Februar 1514. 28. April 1514. vor dem 12. August 1516. 18 mm §111 warn ■"■^wiMgfJ« f-iV. ;- : ■'■'-■.'■■■■■ -.-^ ■■'■''■"■ ^'■■■■■ "- :: : ■' .' ' Hl n ■i HB HB • ■ ■'# 274 Ep. BB MBB 174 28. April 1515. Ep 222 175 19. Mai 1510. tt 223 176 1. Juni 1516. 1! 224 177 26. Juni 1516. tl 225 178 10. Juli 1515. tt 226 179 10. Juli 1515. tl 227 180 18. Juli 1515. tt 228 181 9. August 1516. II 229 182 29. August 1514. tl 230 183 13. (?) August 1516. tt 231 184 16. September 1515. tt 232 185 nach dem 16. September 1515. tt 233 186 25. November 1513. It 235 187 Ende Juni 1515. t» 236 188 . . . Januar 1514. „ 237 189 Anfang Januar 1512. tt 239 191 1. Januar 1517. tt 240 192 13. Januar 1517. tt 241 193 26. Januar 1517. tt 242 194 Mitte Mai 1517. tt 243 195 31. Januar 1517. tl 244 196 Mitte Mai 1517. tt 245 197 5. Februar 1517. tt 246 198 6. Februar 1517. tt 247 199 13. Februar 1517. u 249 200 15. Februar 1517. tt 250 201 Anfang Februar 1517. tt 251 202 15 (?) Februar 1517. tt 252 203 21. Februar 1517. tt 253 204 21. Februar 1517. tt 254 205 24. Februar 1517. tt 255 206 24. Februar 1517. tt 256 207 26. Februar 1517. It 257 208 1. März 1517. It 258 209 (= App. 262) 5. März 1518. tt 259 210 10. März 1517. „ 260 211 11. März 1517. tt 261 212 6. April 1517. II 262 213 9. Mai 1516. It 263 214 20. Mai 1516. tt 264 215 9. Juli 1516. tt 265 216 13 August 1516. II 266 217 5. September 1516. It 267 218 2. October 1516. It 268 219 6. October 1516. It 270 220 26. November 1516. It 271 221 28. October 1516. Jl 272 3. November 1517. 12. November 1516. 13. November 1516. 29. December 1516. 31. December 1517. Ende December 1515. Anfang März 1517. Anfang (?) Eebruar 1516. Anfang (?) Februar 1516 24. Februar 1517. 30. December 1517. 7. Januar 1518. 14. Februar 1517. 17. Februar 1516. 8. März 1517. 17. April 1518. 17. April 1518. 22. April 1518. 22. April 1518. 23. April 1518. 29. April 1518. 29. April 1518. 29. April 1518. 23. April 1518. 19. Mai 1517. 1. Mai 1516. 19.—20. Juni 1516. 1. Juni 1516. vor dem 25. März 1517. 5. Juni 1516. 5. Juni 1516. 5. Juni 1516. 7. Juli 1516. 13. Juli 1517. 13. Juli 1517. 14. Juli 1516. 261 (= App. 65) 22. Juni 1516. 23. August 1517. 24. August 1517. 29. August 1517. 31. August 1517. 31. August 1517. 9. September 1517. 9. September 1517. 11. September 1517. 11. September 1517. 14. September 1517. K^mmm 275 Ja 111 Ep. 274 „ 275 „ 276 „ 277 „ 278 „ 279 „ - 80 „ 281 . 282 „ 283 „ 284 „ 286 » 288 „ 289 „ 290 , 291 „ 292 „ 293 „ 294 „ 295 „ 296 „ 297 „ 298 .. 299 ., 300 ., 301 „ 302 „ 303 „ 304 „ 305 „ 306 ,. 307 „ 308 „ 310 „ 311 „ 312 „ 313 . 314 „ 315 „ 321 „ 334 „ 338 „ 344 „ 345 „ 348 „ 352 „ 353 2. 2. 4. November 1517. November 1517. November 1517. 12. November 1517. 13. November 1517. 16. November 1517. 30. November 1517. 6. Deceinber 1517. 6. December 1517. 6. December 1517. 13. December 1517. 23.-24. August 1517. Ende November 1517. vor dem 30. October 1^15. ? ( — nacb d. 15. August 1516.) 30. Mai 1517. 10. Januar 1518. Ende September 1517. (...?...) 1517. Ende Februar 1517. Mitte (?) Juli 1515. 7. Januar 1518. 10. Januar 1518. 18. Januar 1518. 20. Januar 1517. 30. Januar 1518. 18. Januar 1518. 2. Februar 1518. 21. (?) December 1517. nach dem 22. (?) Februar 1518. 2. März 1518. 6. März 1518. 16. März 1518. 12. April 1518. 23. April 1518. 24. April 1518. 25. April 1518. 26. April 1518. 26. April 1518. 21. Februar 1518. 13. September 1517. 18. October 1517. 15. November 1517. 18. November 1516. 30. December 1517. März 1518. 14. Januar 1518. Ep 356 „ 359 „ 362 „ 363 n 364 „ 368 „ 373 „ 495 „ 522 „ 540 App. 1 „ 3 „' 4 „ 5 . 6 „ V „ 8 „ 9 „ 10 „ 11 „ 12 „ 13 „ 14 „ 15 „ 16 „ 18 „ 19 „ 20 „ 21 ., 22 „ 23 „ 24 „ 25 „ 26 „ 27 „ 28 „ 29 „ 30 „ 31 „ 32 „ 33 „ 34 ■ 35 „ 36 „ 37 „ 38 „ 39 5. April 1518. 29. (?) August 1517. September 1517. 22. Februar 1518. 2.-4. Juni 1516. Mitte Oktober 1517. Anfang Juli 1517. 13.—14. November 1517. 19. August 1517. 25. October 1517. 20. November 1512. 2. October 1515. nach d. 13. September 1511. vor dem 25. (?) April 1514. 20. April 1514. 23. Mai 1516. 9. Juli 1514. 7. September 1514. 21. September 1514. 23. September 1514. 4. October 1514. 15. October 1514. 7. November 1514. 9. December 1514. 23. December 1515. 4. Januar 1515. 20. Januar 1515. 31. Januar 1515. 17. April 1515. 29. April 1515. 30. April 1515. 1. Mai 1515. 17. Juni 1516. 8. August 1515. 9. August 1515. 20. August 1513. 31. August 1515. 9. September 1515. 11. September 1515. 15. September 1515. 21. September 1515. 30. October 1515. 30. October 1515. 21. November 1515. 23. November 1515. 25. November 1515. 13. December 1515. 18* , ■ • ■ ■ -.. ■ r ■ «BBJUffi mm - ■ m mm WmWm mMm : '■■•^'" •'" ■■■■'■• ;;/; ' '-'■■■ ■ ' . ■''.!■:■■.- ffl ■ ■ raEHSH ■iihiimi MB , | > B rüw53ä 276 App. 40 15. December 1515. App. 87 31. October 1516. 41 26. December 1515. H 88 9. November 1516. 42 Anfang August 1515. tt 89 11. November 1516. 43 December 1515. il 90 12. November 1516. 44 4. Januar 1517. II 91 12. November 1516. 45 10. Januar 1516. II 92 13. November 1516. 46 15. Januar 1516. II 93 3. December 1515. 47 21. Januar 1516. it 94 11. December 1516. 48 24. Januar 1515. II 95 18. December 1516. 49 10. Februar 1516. II 96 nach dem 11. April 1516. 50 20. Februar 1516. II 97 Anfang Februar 1517. 51 24. Februar 1516. II 98 Juni 1516. 52 22. September 1516. II 99 vor dem 13. Januar 1517. 53 7. März 1516. II 100 vor dem 13. Januar 1517. 54 8. März 1517. II 101 Anfang (?) 1516. 55 30. März 1516. II 102 nacb dem 6. Februar 1517 56 3. April 1517. tt 103 26. (?) Juni 1516. 57 5. April 1516. ii 104 Januar (?) 1517. 58 11. April 1516. ii 105 ...?... 1516. 59 24. April 1516. ii 106 Mitte (?) September 1516. 60 5. April 1517. it 107 April 1515. 61 1. Mai 1517. ii 108 etwa 13. November 1516. 62 12. Mai 1516. it 109 Anfang 1516. 63 5. Juni 1516. ii 110 Anfang 1516. 64 20. Juni 1516. u 111 11. Januar 1516. 65 (= ep. 261) 22. Juni 1516. ii 112 13. Januar 1517. 66 1. Juli 1516. ii 113 18. Januar 1517. 67 6. Juli 1516. ii 114 18. Februar 1517. 68 8. Juli 1516. ii 115 1. März 1517. 69 14. Juli 1516. ii 116 15. März 1517. 70 18. Juli 1516. ii 117 18. März 1517. 71 2. August 1516. it 118 20. März 1518. 72 3. August 1516. 119 | 22. März 1517. 73 5. August 1516. » 1(21. August 1516). 74 30. August 1515. ii 120 24. März 1517. 75 2. September 1516. ii 121 24. März 1517. 76 3. September 1516. n 122 25. März 1517. 77 5. September 1516. ii 123 27. März 1517. 78 12. September 1515. it 124 1. April 1517. 79 15. September 1517. tt 125 6. April 1517. 80 16. September 1516. tt 126 17. April 1518. 81 28. September 1516. it 127 17. April 1518. 82 29. September 1516. tt 128 17. April 1518. 83 1. October 1515. tt 129 22. April 1517. 84 13. October 1516. n 130 22. April 1517. 85 20. October 1514. tt 131 22. April 1517. 86 24. October 1515. tt 132 23. April 1518. ■■t ■'■■■'■■-.■■: ■, ■■■HB App. 133 23. April 1518. 134 24. April 1517. |, 135 24. April 1518. „ 136 30. April 1517. „ 137 4. Mai 1517. „ 138 10. Mai 1517. „ 139 11. Mai 1517. „ 140 5. Juni 1517. „ 141 21. Juni 1517. „ 142 22. Juni 1516. „ 143 22. Juni 1517. „ 144 28. August 1517. „ 145 29. Juni 1517. „ 146 8. Juli 1517. „ 147 15. Juli 1517. , 148 16. Juli 1517. „ 149 17. Juli 1517. „ 150 17. Juli 1517. „ 151 17. Juli 1517. „ 152 21. Juli 1517. „ 153 21. Juli 1517. „ 154 21. Juli 1517. „ 155 24. Juli 1517. „ 156 24. Juli 1517. „ 157 30. Juli 1517. „ 158 5. August 1517. „ 159 12. August 1517. „ 160 16. August 1517. „ 161 19. August 1517. „ 162 23. August 1517. „ 163 23. August 1517. „ 164 23. August 1517. , 165 24. August 1517. , 166 24. August 1517. „ 167 24. August 1517. „ 168 25. August 1517. „ 169 25. August 1517. „ 170 28. August 1517. „ 171 29. August 1517. „ 172 30. August 1517. „ 173 31. August 1517. „ 174 3. September 1516. „ 175 7. September 1517. „ 176 7. September 1517. „ 177 7. September 1517. „ 178 8. September 1517. „ 179 8. September 1517. 277 App. 180 8. September 1517. „ 181 13. September 1517. „ 182 16. September 1517. „ 183 16. September 1517. „ 184 16. September 1517. „ 185 16. September 1517. „ 186 16. September 1517. „ 187 17. September 1517. „ 188 17. September 1517. , 189 23. August 1517. 190 27. September 1517. „ 191 3. October 1517. „ 192 6. October 1517. „ 193 7. October 1517. „ 194 16. October 1515. „ 195 26. October 1517. „ 196 26. October 1517. „ 197 30. October 1517. „ 198 31. October 1517. „ 199 2. November 1517. „ 200 2. November 1517. . „ 201 3. November 1517. „ 202 3. November 1517. „ 203 3. November 1517. „ 204 5. November 1517. „ 205 15. November 1517. „ 206 15. December 1517. „ 207 15. December 1517. 208 19. November 1517. 209 21. November 1517. „ 210 30. November 1517. 211 30. November 1517. „ 212 30. November 1517. „ 213 30. November 1517. 214 6. December 1517. „ 215 6. December 1517. „ 216 6. December 1517. „ 217 9. December 1517. „ 218 9. December 1517. „ 219* 12. December 1517. „ 220* 13. December 1517. „ 221 15. December 1516. „ 222 21. December 1517. „ 223 21. December 1517. 224 23. December 1515. „ 225 28. December 1517. „ 226 Anfang September 1517. 3S£ ü wSigisfb ■'.■.'■■. : '' ■ mm 1P& ,■'■■-■-.''■ -I— W . ■V;?«« I 278 App. 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 240 24 t 243 244 245. 246, 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 Anfaug September 1517. Anfang September 1517. Mitte September 1517. Anfang September 1517. Anfang November 1517 nach dem 18. October 1517. Septbr. od. Octbr. (?) 1517. 26. (?) October 1517. 30. (?) November 1517. vor dem 26. October 1517. 6.-9. December 1517. Februar 1518. Anfang Juli 1517. October 1517. October 1517. Anfang December 1517. Mitte Juli 1517. nach dem 10. Juni 1516. vor dem 13. Januar 1517. Anfang Mai 1517. November 1516. nach dem 22. Septbr. 1516. 26. (?) Juni 1516. 21. Juni (?) 1517. 2. Januar 1518. 5. Januar 1518. 6. Januar 1518. 6. Januar 1518. 14. Januar 1518. 16. Januar 1518. 22. Februar 1518. 22. Februar 1518. (= ep. 209) 5. März 1518. 5. März 1518. 5. März 1518. 5. März 1518. 5. März 1518. 5. März 1518. 5. März 1518. 5. März 1518. 6. März 1518. 12. März 1518. 13. März 1518. 13. März 1518. 13. März 1518. 14. März 1518. 26. März 1518. App 277 5. April 1518. II 278 18. April 1518. II 279 23. April 1516. II 280 23. April 1518. „ 281 23. April 1518. " 282 24. April 1518. II 283 26. April 1518. tl 286 21. Februar 1518. 287 22. Februar 1518. II 304 29. (?) August 1517. „ 305 5. März 1518 II 306 5. März 1518. II 308 5. März 1518. 309 14. Januar 1518. ■ 310 Ende April 1518. II 311 22.- 25. April 1518. II 312* 5. März 1518. II 313* 5. März 1518. 386 12. November 1517. II 387 vor dem 20. August 1513. ■' 388 17. October 1516. ff 389 19.. October 1515. ■ 392 Ende Februar 1517. „ 400 6. Februar 1517. II 401 nach dem 14. Februar 1517 II 402 4. Juni 1517. II 406 16. Febr. — 22. März 1512 II 423 10. Juni 1516. II 424 21. Februar 1517. II 427 23. October 1514. II 428 Mitte Juli 1517. 429 vor dem 12. August 1516. II 430 August (?) 1513. 442* vor d. 29. Decbr. 1516. II 443* Ende Januar 1517. It 459 28. Juni 1516. II 465 Mai 1510. II 493 18. October 1512. II 494 26. Juni 1516. it 495 12. August 1516. II 500 vor dem August 1511. II 513 21. October 1515. Opp. omn. I, 1 29. April 1512. It n I, 115 (?) 20. Februar 1518. „ n I, 167 30. Juli 1515. n ii I, 183 29. April 1512. ti ii I, 329 Mai (?) 1517. K SEK äSVx ■■ ■ Hn 2?9 13. März 1518. 15. October 1514. Aug. od. Sept. 1513. Februar 1514. 11. Juli 1509. März 1516. 13. April 1515. 1. Februar 1516. 18. Novbr. 1517. Sept. od. Oct. 1511. Mitte (?) Juli 1515. Opp. omn. I, 535 . » IV - w „ . IV, 23 „ „ IV, 402 „ „ IV, 559 „ V, 171 „ „ VI, [2] „ „ VII, 771 „ VIII, 483 „ „ IX, 1 Brewer I, 4428 1. September 1513. „ I, 5570 9. November 1512. I, 5733 vor d. 12. Aug. 1516. „ I, 5734 October 1513. „ II, 2; 2895 9. Februar 1517. Epist. famil. ad Amerbachium No. III, etwa 12. Mai 1516. Ilorawitz, Erasmiana I, 71, April 1516. Jortin II, 164 1. Januar 1513. „ II, 336 Mitte (?) Juli 1515. „ II, 347 5. August 1517. „ II, 528 1. April 1516. „ n, 593 5. September 1516. Neff, Zasius, II, 33 28. October 1514. Neve, Renaiss., 122 Eude Decbr. (?) 1511. Reich Anh. I 1. August 1514. „ „ II 15. November 1517. Reuchlin'sBriefw. CXIIIa 1. März 1509. „ CXC Ende Aug. 1514 „ CCXXIa 27. Aug. 1516. „ CCXXVI 29. Sept. 1516. Riegger, Am litt. Frib. 333 19. August 1511. „ 368 1. Septbr. 1514. „ 369 21. Septbr. 1514. „ 478 3. Februar 1516. Visclier, Erasmiana II, 1, S. 9 22. März 1512. II, 2, S. 10 26. März 1512. IL 3, S. 13 31. Juli 1512. III, 1, S. 24 nach d. 13. August 1516. HI, 2, S. 25 4. December 1516. HI, 3, S. 26 26. Januar 1517. HI, 4, S. 29 26. Januar 1517. 5SK mm m liPpl mmß MhS 8 ! SfeK